Antworten zum Blogstöckchen #WasAndersWäre

Antworten zum Blogstöckchen #WasAndersWäre

12

Almut Schnerring, engagierte Autorin und Publizistin in Sachen Gender, Rollenklischees und Gleichberechtigung, hat mir via ihren Blog „Die rosa-hellblau Falle“ ein Blogstöckchen zugeworfen, das ich gerne aufnehme.

Besonders, weil Anke Domscheit-Berg schon so klug geantwortet hat und mich das anspornt, mich kritisch mit der Frage auseinanderzusetzen, inwiefern mein Leben von meinem Geschlecht bestimmt wird. Eine interessante Denkaufgabe!

Außerdem soll ich 6 Blogger bitten, sich auch mit #wasanderswäre und diesen Fragen zu beschäftigen. Ich wäre sehr gespannt auf die Antworten von:

 

gender
© bofotolux Fotolia

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann/eine Frau wärst?

Die Frage tut ein bisschen weh. Ich hätte wahrscheinlich eine erfolgreiche Karriere, weniger Geldsorgen bzw. Wohlstand angehäuft, und wesentlich mehr Freizeit. Dann hätte ich allerdings entweder eine Frau oder keine Kinder. Mit würden aber meine Frauen-Seilschaften fehlen, ich schätze unsere weibliche Art von Networking und Verbundenheit sehr.

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau/ein Mann bist?

Beine rasieren, Haare färben – das würde ich als Mann wohl einfach unterlassen. Und abgesehen von diesen Äußerlichkeiten: mich feministisch, speziell für alleinerziehende Frauen, engagieren. Als Mann hätte ich ja gar keinen Anlass dazu. Im besten Falle wäre ich ein fortschrittlicher, denkender Mann, der sich den Feminismus und die Gleichberechtigung auch zum Anliegen gemacht hat. Ich hoffe es.

Weil ich eine Frau bin, kümmere ich mich um die Kinder. Wobei ich das strenggenommen tue, weil es eben ein Elternteil tun sollte, zum Wohl der Kinder. Und da der Vater sich zurückgezogen hat, bin ich das.

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann/eine Frau bist?

Da fällt mir spontan gar nichts ein. Am ehesten: mich mit anderen, interessanten Männern treffen, unterhalten, Dinge unternehmen, ohne gleich aufs Geschlecht reduziert zu werden. Mein Freundschaftsradius beschränkt sich auf Frauen, denn Männer vermuten bei Kontaktaufnahme verschreckt, ich wollte einen neuen Vater für die drei Kinder suchen. Eine Ausnahme bilden ausgewählte Nachbarn und Ehemänner von Frauen, die mir vertrauen. Ansonsten steht immer die – potentielle – Sexualität im Raum. Ich finde das furchtbar einschränkend.

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Zierlich, klein, meist gut angezogen – man findet mich oft niedlich. Ich hasse das. Wer findet Männer niedlich!? Es braucht immer eine ganze Weile, bis man mich ernst nimmt.

Und dann ist da natürlich noch der ganze Klischeehaufen rund um Alleinerziehende: die Arme wurde von ihrem Mann für eine Jüngere verlassen, oder sie hat ihm ein Kuckuckskind ins Nest gesetzt, oder sie hat sich nicht „genügend Mühe“ gegeben, die Ehe zu retten. Sie will ja gar nicht arbeiten, sie ist einfach nicht gut genug, sie hasst Männer. Zum Kotzen.

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen/Männer zu gehören.

Da fällt mir eigentlich nur „Frauen und Kinder zuerst!“ ein, aber ich wurde noch nie evakuiert oder aus lebensbedrohlicher Situation gerettet.

Es ist war für mich ein Vorteil, eine Frau zu sein, weil ich bei der Aufstellung unserer Kandidatenliste für die Gemeinderatswahlen im vergangenen Jahr ziemlich vorne auf der Liste landete, da ansonsten so wenige Frauen bereit waren, sich politisch zu engagieren. Nun habe ich allerdings den Salat und bin gewählt. ;)

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Twitter kommt nahe dran. Da unterhalte ich mich mit Vielen. Frei von Eifersucht, Anmache und irgendwelchen Absichten, einfach aus der Freude am Austausch mit ähnlich tickenden Menschen. Die natürlich auch auf twitter nicht vom Himmel fallen, die muss frau finden und mit ihnen Freundschaft knüpfen. Bei manchen Twitterern weiß ich nicht, ob sie männlich oder weiblich sind. Es ist egal, und das ist schön.

Ansonsten fühle ich mich im Wasser sehr frei von Geschlechtsstereotypen. Ein Schwimmer ist ein Schwimmer ist ein Schwimmer. Ein Mensch mit Schwimmbrille, der nur mit sich selbst und dem Wasser beschäftigt ist, mit seinem eigenen Weg und Tempo. Ich wünschte, das wäre an Land auch öfter so.

12 Kommentare

  1. Spannende Antworten auf spannende Fragen, vielen Dank für die Nominierung, Christine! Dafür will und muss ich mir ein bisschen Zeit nehmen, kann also ein paar Tage dauern.
    Lieben Gruss!

Kommentieren Sie den Artikel