Feste Schlafenszeiten? Nicht bei uns.

Feste Schlafenszeiten? Nicht bei uns.

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Schlaf ist wichtig. Ich liebe Schlafen. Meine Kinder schlafen auch gerne – wenn sie müde sind. Damit ihr Verhältnis zum Schlaf weiterhin so positiv bleibt, habe ich mich im Laufe der Zeit und mit wachsender Kinderschar dazu entschlossen, mich weniger steuernd als eher auf das natürliche Schlafbedürfnis reagierend zu verhalten. So machen wir es übrigens beim Essen auch – ich kann mir denken, dass das einige, wenn nicht sogar viele Leser ganz furchtbar finden – in meiner Familie wird gegessen, wenn man Hunger hat, und nicht nach festen Zeiten. Dazu aber ein anderes Mal mehr! ;)

Bei uns ist die Situation natürlich etwas anders als in den meisten Familien, denn ich bin alleine ohne Partner. Somit gibt es keinen Menschen, der abends gerne ungestört mit mir reden möchte, oder den die Anwesenheit der Kinder aus prinzipiellen Gründen einfach nervt, weil er meint, die Kleinen gehörten nun ins Bett. Es war in den ersten Monaten nach der Trennung zwar schon so, dass ich mir abends oft gewünscht habe, nun endlich mal eine Stunde für mich alleine zu haben, aber frisch getrennte Kinder entwickeln häufig eine besondere Anhänglichkeit gegenüber dem verbliebenen Elternteil, was mir zwei verschiedene Kinderpsychologen bestätigten und für völlig normal erklärten. Für mich war es damals sehr anstrengend, neben der aufreibenden Trennerei auch noch Kleinkrieg mit den Kindern am Abend über die Schlafenszeit zu führen, und so fragte ich bei Fachleuten vor Ort nach, ob es okay sei, wenn ich meine Kinder z.B. auf dem Sofa einschlafen ließe. Ja, lautete die einhellige Antwort – wenn es für mich passt, und die Kinder so gut einschlafen, sei dagegen überhaupt nichts einzuwenden.

Und wisst Ihr was? Das funktioniert tadellos! Die jüngste Tochter war seit ihrer Geburt eh ein kleines Schlafwunder, die konnte ich nach dem Einschlafen einfach in ihr Bett tragen. Der Sohn wurde mir bald zu schwer, und wir einigten uns, dass er nachts in sein Bett umzieht, wenn er auf dem Sofa aufwacht. Und die große Tochter schläft sowieso am liebsten in ihrem Bett bei ihrer Katze – und sie darf dort so lange lesen, wie sie möchte. Spätestens um 22 Uhr ist bei ihr eh immer das Licht gelöscht, denn sie spürt genau, wie die Lider schwer werden. Und das finde ich wichtig: Meine Kinder sollen lernen, auf ihre Bedürfnisse selbst zu achten. Bleibt sie zu lange wach, hat sie am nächsten Morgen Schwierigkeiten, aus dem Bett zu kommen – das weiß meine Tochter genau. Die beiden jüngeren Kinder schlafen etwa 10 Stunden pro Nacht bestens durch, wobei die Kleine noch einen Mittagsschlaf im Kindergarten hinterherlegt, und meine Große kommt auch auf mindestens 9 Stunden pro Nacht. Wenn sie müde ist, geht sie auch freiwillig um 20 Uhr in ihr Bett.

Das kann man ungewöhnlich finden – wir gehen aber noch weiter: Bei mir dürfen die Kinder nicht nur ihre Schlafenszeit, sondern auch den Ort aussuchen, an dem sie schlafen. Sie können ihre Matratzen aus den jeweiligen Betten nehmen und zum Beispiel in meinem Schlafzimmer übernachten. Nun ist es aber nicht so, dass es bei uns keine Regeln gäbe: Was nicht geht, ist dass ständig ein Kind bei mir mit im Bett liegt, das ist mir zu eng, selbst bei komfortabler 160 cm Bettbreite. Die Kinder dürfen auch den einmal für den Abend gewählten Schlafplatz nicht mehr ändern. Einmal entschieden für die Nacht ist entschieden. Und wer im Bett ganz plötzlich noch einmal Hunger bekommt, kriegt ein Stück trockenes Brot angeboten (das dann auch fast immer komplett verzehrt wird), nichts anderes. Und eine Gute-Nacht-Geschichte lese ich nur vor, wenn die Bettgehzeit eine frühe ist. Außerdem ist Zähneputzen, egal um wieviel Uhr, ein Muss.

Mit meiner Laisser-Faire-Methode habe ich meistens einen entspannten Abend, zufrieden einschlafende Kinder, und komme selbst auch auf meine 8-9 Stunden Schlaf. Denn, wie gesagt, ich liebe meinen Schlaf!

Linktipp innerhalb des Blogs:

Feste Essenszeiten? Haben wir nicht!

9 Kommentare

  1. Innovativ würde ich sagen
    Funktioniert aber leider nicht immer
    Wenn mein Junior seine geregelten Zeiten nicht bekommt und damit seine Rituale, wird er zu dem, was man allgemein als „störend“ und unkooperativ bezeichnet
    da das teilweise schon für ihn gefährliche situationen nach sich zieht, gibt es zumindest feste abläufe am abend
    und ja auch kämpfe um ins bett gehen

    anhänglichkeiten haben beide nach meiner trennung entwickelt
    ich geh allein ins bett aber wir genießen es, gemeinsam aufzuwachen
    da stehen die kleinen räuber auch nach einer kurzen nacht gut gelaunt auf

    ich finde allerdings, am ende muss jeder sehen, wie es für seine spezielle familie passt
    du machst das schon richtig

    von daher: schlaft alle gut
    wann immer ihr wollt
    lg Tina

    • Hallo Tina,

      ich weiss, wie du das meinst, mit dem „unkooperativ“ und „störend“. Meine Grosse hat auch nicht immer freiwillig das Feld geräumt, als sie noch jünger war. Und sie kam mit erschreckend wenig Schlaf aus, was sich dann nach quälenden 3,5 Jahren endlich als medizinisches Problem herausstellte (Schlafapnoe) und behoben werden konnte. Von daher verstehe ich gut, dass mein Rezept nicht für alle funktioniert.

      Schlaft Ihr alle auch gut! :)

      Lieben Gruss, Christine

  2. Liebe Christine,

    das kann ich gut verstehen, denn das abendliche Zubettgehritual kann doch mitunter manchmal kräftezehrend sein und als Alleinerzieherin mit drei Kindern musst du damit noch viel mehr haushalten! In der Tat ist meinem Mann die abendliche Ruhe auch wichtiger als mir, deswegen übernehme ich diese Abendschicht. Meine Große hatte auch immer versucht, mit möglichst wenig Schlaf auszukommen, was sich aber negativ auf ihre Laune und somit auf die gesamte Familienharmonie ausgewirkt hat. In den Ferien werden die Schlafenszeiten gelockert und im Sommerurlaub auf dem Boot sogar auf euer Modell des wechselnden Matratzenlagers ausgeweitet. Wenn mein Mann verreist ist, darf sogar das eine oder andere Kind bei mir im Zimmer schlafen (die Große legt darauf mittlerweile natürlich keinen Wert mehr).
    Wie Tina finde ich auch, jeder muss seinen Stil finden und damit glücklich sein, da es kein Standardkind gibt, kann es auch keine Standardregeln geben.
    Weiterhin viel Spaß und Harmonie!
    DWM

    • Liebe DWM,

      du sagst es – Kinder ins Bett bringen kann extrem kräftezehrend sein, selbst wenn sie nicht unter Trennungsangst leiden. Ich kenne so viele Familien, wo das nur mit Gebrüll und wüsten Drohungen geht („Wenn du nicht sofort… dann…. morgen/nicht…“), ich fand das bei mir selbst und anderen stets so abstossend, das wollte ich nicht mehr. Ich bin ja eh ein kleiner Moralist. Es gibt nichts Richtiges im Falschen, danach lebe ich. Wobei das, was „falsch“ ist, eben von Mensch zu Mensch variiert. ;)

      Sei herzlich gegrüsst, Christine

  3. Oh ja, die friedlichen Feierabende, die sind mir auch viel Wert.
    Bettgehzeit war bei uns nie ein Problem: Kurzer ist ein Routinemensch und man kann die Uhr nach ihm stellen :-) Bei uns war lange das Problem, dass er an Papa oder mir kleben musste, um überhaupt einschlafen zu können. Ein „menschlicher Magnet“ haben wir gewitzelt. Ein 4-Kilo-Baby steckt man einfach ins TT, aber was tut man mit einem 12-Kilo-Brocken? Also haben wir uns zur Gewohnheit gemacht, ihn je nach Bedarf beim Einschlafen zu begleiten. Grad nach stressigen Tagen, wo man sich den ganzen lieben Tag lang nur gegenseitig genervt hat, sind diese paar Minuten am Abend zur lieben Gewohnheit geworden, um den Streit zu belegen, die Sorgen loszuwerden und sich wieder ganz nah zu kommen. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.

  4. Huhu,

    feste Schlafenszeiten gibt es hier auch nicht. Jeder darf hier schlafen, wenn er müde ist. Innerhalb der Woche gibt’s jedoch Zimmer Zeiten. Ab einer bestimmten Uhrzeit gibt’s das Abendprogramm mit gute Nacht sagen usw. und danach können sie noch tun, was auch immer sie noch tun möchten, aber sollen dabei im Zimmer bleiben (Türen stehen hier jedoch auch immer alle auf). Ich brauche einfach abends auch so meine 1-2 Stunden für mich. Ich hab damit kein Problem, die Kinder auch nicht, die einzigen, die damit – wie immer – ein Problem haben sind „die anderen“, die dann meinen, die Kids bekommen zu wenig Schlaf. Ich hab überhaupt gar keine Ahnung, wieviel Schlaf meine Kids haben sollten und ob sie tatsächlich soviel schlafen, wie sie sollten und auch gar keine Lust, das jetzt zu prüfen…
    In dem Zusammenhang ist auch auffällig, dass deutsche Kinder um 19.00 Uhr zu Hause sein müssen, Kinder mit Eltern ausländischer Herkunft hier auch Abends um 20.00 Uhr noch klingeln. Da scheint das „unter der Woche bist du um 20.00 Uhr im Bett“ Dogma auch nicht zu existieren…

  5. Bei uns gibt es auch keine festen Zeiten. Also es gibt schon welche, aber die sind halt nicht die „klassischen“ – um 20.00 ins Bett und um 7.30 wieder aufstehen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass zumindest meine Tochter nicht immer gleich viel Schlaf braucht. Und manchmal braucht sie dann noch ein Mittagsschläfchen, und meistens aber nicht. Aber ich richte mich da auch nach ihr so weit das geht. Das ist sicherlich nicht für alle möglich. Schon gar nicht, wenn man feste Arbeitszeiten hat und das Kind bis zu einer bestimmten Uhrzeit in der Kita oder in der Schule sein muss. Aber ich habe da eh ganz andere Ansichten – ganz sicher nicht was der Mainstream für „korrekt“ hält. Das gleiche gilt auch für’s essen. Die Kleine meldet sich schon, wenn sie Hunger hat, und darf sich auch aussuchen was sie essen möchte (sofern wir das da haben, ansonsten mache ich ein paar Vorschläge, von denen sie sich was aussuchen kann). Und das kennt man bei Kindern ja auch, dass sie immer unterschiedlich Hunger haben – an manchen Tagen oder Wochen essen sie richtig viel und dann wieder weniger oder auch kaum. Mich beunruhigt das überhaupt nicht. Aber klar, „die anderen“ sind meist die, die sich daran stören. Das alles heißt ja auch nicht, dass es keine Rituale und keine Struktur gibt. Aber manchen fehlt dafür vielleicht die Fantasie.

    • Machen wir auch so beim Essen. Ich halte feste Uhrzeiten dafür überhaupt nicht für sinnvoll. Meine Kinder melden sich, wenn sie Hunger haben, genau wie bei dir. Manchmal, wenn’s mir verdächtig lange vorkommt, dass sie nix gegessen haben, frage ich nach, ob sie denn gar keinen Hunger hätten – und dann kommt meist „Nö“, oder „Ich hatte eben einen Joghurt“, und ich glaube, das hilft, ein gesundes Gefühl für Appetit und die eigenen Bedürfnisse zu entwickeln.

      Viele Grüß!

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