Sie machen das wirklich gut! #Momsrock Blogparade von Lucie Marshall

Sie machen das wirklich gut! #Momsrock Blogparade von Lucie Marshall

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Wann das zuletzt jemand zu mir gesagt hat? Es muss kurz nach der Trennung vom Ex-Mann gewesen sein, als ich völlig durch den Wind und erschüttert in einer Frauenberatungsstelle saß, wo ich mein Herz ausschüttete. Nach diesem einstündigen Gespräch sah mir die Beraterin in die Augen und sagte just diesen Satz. Das hat mir sehr gut getan und mich gestärkt. Es ist 5 Jahre her, und ich sage seitdem auch gelegentlich „Du machst das gut“, wenn ich merke, dass ein Mensch kämpft und kippelt.

Es ist so wichtig, dass man nicht nur andere lobt, sondern auch sich selbst, auch wenn sich das ungewohnt bis komisch anfühlt. Und deswegen mache ich nun endlich mit bei der Blogparade von Lucie Marshall: Die Teilnehmer sollen einen Text zu dem Thema „Das habe ich in Bezug auf meine Kinder wirklich gut gemacht oder das hat eine Mutter in meinem Umfeld sensationell hingekriegt“ schreiben. „Und gerne vor Lobhudelei rot werden“, so steht’s im Aufruf. Ich werde es versuchen.

© pholidito - Fotolia.com
© pholidito – Fotolia.com

Es ist eher selten, dass ich beim Schreiben Pausen mache. Aber zwischen dem vorigen Absatz und diesem liegen 10 Minuten. Tatsächlich kostet es mich Überwindung, mich selbst explizit zu loben. Der innere Kritiker nimmt die (gedachten) Reaktionen der Leser vorweg. „DAS soll etwas Tolles sein?“, „Was nimmt sich die Frau so wichtig?“, „Das interessiert doch keinen“, wispert er unter dem Vorwand, mich beschützen zu wollen. Aber ich zeig’s dir, Miesepeter, ich lobe mich jetzt!

Was ich wirklich gut gemacht habe, und es war nicht einfach, ist bei all dem Rosenkrieg und dem Gemetzel, das meine Scheidung mit sich brachte, den Kontakt zu den ehemaligen Schwiegereltern und der angeheirateten Familie zu bewahren. Genauer gesagt habe ich ihn wieder aufgebaut. Denn als die Jüngste unterwegs war, im Jahr 2008, da brach der Ex-Mann den Kontakt zu seinen Eltern ab. Und er erwartete – nein verlangte – von mir, diese Entscheidung mit zu tragen. Alles andere wäre für ihn Verrat gewesen. Also lernten die Großeltern väterlicherseits ihr jüngstes Enkelkind nicht kennen. Sie bekamen keine Karte zur Geburt, sie erhielten kein Foto, es war Funkstille. Mir tat das damals weh, aber ich war inmitten einer sowieso sehr wechselhaften Ehe nicht in der Lage, auch noch über diesen Nebenkriegsschauplatz zu streiten (und ja, das Wort habe ich mit Bedacht gewählt).

Aber als ich mich getrennt hatte und wieder halbwegs wusste, wo oben und unten war, da habe ich der Schwiegermutter einen Brief mit Fotos von meinem Baby geschickt. Und relativ knapp und unkompliziert einfach dazu geschrieben, dass ich denke, sie würde sich darüber freuen. Das muss etwa gewesen sein, als die Jüngste 1,5 Jahre alt war und der Mann ausgezogen war, und als ich das Gefühl hatte, endlich wieder „Herr“ im eigenen Haus zu sein.

Die Schwiegermutter freute sich sehr. Und es entspannen sich vorsichtige Telefonate, in denen wir uns annäherten. Das Thema Ex-Mann bzw. Sohn versuchte ich auszusparen, ich redete ausschließlich über das Wohlbefinden und die Erlebnisse der Kinder. Es war ein ziemlicher Eiertanz. Aber es klappte. Irgendwann haben dann auch die Enkelkinder mit den Großeltern telefoniert, und nach etwa 2 Jahren wurden wir eingeladen, die dortige Sippe zu besuchen. Die angeheiratete Familie wohnt nicht um die Ecke, sondern 8 Autostunden entfernt, das ist also eine größere Reise, vor allem mit einem 3-, einem 6- und einem 12-Jährigen Kind. Wir fuhren an Ostern 2012 hin und blieben für 3 Tage.

Dabei knüpften wir auch erneut Kontakt mit den Geschwistern des Ex-Mannes und deren Familien, die ebenfalls Kinder haben, und in unmittelbarer Nähe der Schwiegerfamilie wohnen. Meine Kinder hatten nun also 4 „neue“ Kusinen und Kusins und 2 „neue“ Onkel und Tanten. Aber vor allem hatten sie nicht nur meine Eltern als Großeltern und meinen Bruder samt Familie als Onkel, Tante, Kusinen, sondern auch die andere Familie, die nicht meine ist.

Seitdem sind wir noch 2 Mal dort gewesen, einmal im Sommer 2013 und gerade erst im November diesen Jahres. Das Verhältnis ist mittlerweile sehr normal, herzlich und entspannt. Und meine Kinder sehen, dass die Hälfte von ihnen, die aus der anderen Familie stammt, lauter nette, liebenswerte, freundliche Menschen hervorgebracht hat. Das tut ihnen so gut, und mir auch. Wenn wir dort sind, dann fühle ich mich fast wie in meiner Familie, auch wenn das nicht meine Ursprungsfamilie ist. Ich mag und vertraue diesen Menschen, und meine Kinder spüren das. Es macht sie zu glücklicheren Menschen.

Das habe ich sehr, sehr gut gemacht. Man kann es nicht anders sagen.

19 Kommentare

  1. Das ist wunderbar wie Sie das gemacht, mit großem Herzen und klugem Kopf!
    Und wunderbar ist auch, wie Sie das öffentlich und in bescheidener einfacher Weise erzählen. Die Freude darüber dass diese Beziehungspflege so gut gelungen ist ist spürbar.
    Noch was: im Nachwirken lassen Ihres Textes wird mir die Intimität bewußt welch intimer Akt es ist sich selbst so authentisch, von Herzen zu loben.

    Berührt mich.

  2. Entschuldigung, der Text ist mir weggeflutscht und so ist er noch ungeordnet und ein bissl Kraut und Rüben.
    Ich hoffe dennoch Sie verstehen was ich Ihnen mitteilen will.

    • Hm, liebe Berit, irgendwie beides. Ich wusste ja vorher nicht, wie’s läuft. Vor allem wollte ich, dass sie auch die andere Familie kennen. Und wenn die dann doof sein sollte, auch okay, aber alles besser als ein Vakuum. Ich fand irgendwie, das sei ich den Kindern schuldig.

      • Hallo Christine, das hast du auf alle Fälle richtig gemacht. Ich hab den väterlichen Teil der Familie auch erst mit 18 kennen gelernt, obwohl sie im gleichen Ort wohnen. Schlichte Begründung: Meine Mama mag sie gelinde gesagt nicht.

        Ich hab dann zwar heraus gefunden, das ich auf diesen Teil der Familie auch verzichten kann, aber es zog einen vorher doch irgendwie hin und man will wissen wer denn dieser Teil der eigenen Geschichte ist.

  3. Ich finde, das war eine sehr gute Entscheidung. Nicht jeder kann so über seinen Schatten springen. Vor allem, seinen Kindern zu Liebe. Wirklich ein ganz wunderbares Beispiel und sehr inspirierend. Jetzt denke ich tatsächlich ganz angestrengt darüber nach, wofür ich mich eventuell loben könnte. *gg*
    Familie ist so wichtig und viel mehr, als nur Mama, Papa und Kinder.

    LG, Aada

  4. Ja, Christine, gut gemacht.
    Ich finde allerdings du dürftest dich noch viel mehr loben, z. B. so :
    Ich bin in jeder Lebenslage kreativ. Nicht nur in Worten, sondern auch mit außergewöhnlichen Fotos. Und wenn mir an einem Tag Knüppel zwischen die Beine geschmissen werde, so lass ich mich nicht unterkriegen, sondern rede darüber- damit sich nicht nur für mich, sondern für alle Frauen etwas bessert. Das hindert mich aber nicht daran, mich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen. Ja , der widrigsten Lage ringe ich noch Situationskomik ab. Genauso unverdrossen wie die Löwenmäulchen, die den ganzen Sommer lang an meinem Balkon geblüht haben!

    Es ist diese unverfälschte Haltung, die sich positiv auf meine Leser, aber auch meine Kinder überträgt.

  5. Du hast was Tolles geschafft<3
    und damit mehrere Menschen glücklich gemacht, inklusive Dich selbst.
    Das benötigte mit Sicherheit eine ganze Menge Mut und auch Überwindung.

    Schön, dass Du es Deinem Miesepeter gezeigt und diese schöne Geschichte mit uns geteilt hast.

    PS: Durch Deinen Beitrag hast Du mich wieder an diese tolle Blogparade erinnert, bevor es zu spät ist.
    Vielen Dank!!!

  6. Das ist mein erster Kommentar hier auf deinem Blog, aber ich lese schon etwas länger still mit. Ich bin zwar erst Anfang 20, aber ich habe dieses Jahr auch die Erfahrung machen dürfen, dass es etwas sehr schönes sein kann, Familie kennenzulernen, die man vorher noch nicht kannte. Der Bruder meiner Mutter ist aufgrund von Problemen mit meinem Stief-Opa, der heute an Demenz leidet und in einem Heim untergebracht ist, damals von Zuhause abgehauen und war fast 40 Jahre lang „verschollen“. Man wusste nur gerüchteweise, dass er einen Sohn hat (mein Cousin), wir hatten auch keine Ahnung, wo er lebt und unter welchen Umständen. Dieses Jahr hat uns ein glücklicher Zufall wieder zusammen geführt und wir bauen jetzt langsam wieder Kontakt auf. Was ich damit eigentlich sagen will: Das hast du wirklich sehr gut gemacht! Selbst, wenn die Familie dann doch nicht das ist, was man irgendwie erwartet hat: Aber alles ist besser als ein Vakuum! Sonst fragt man sich ständig, wer und wie diese Leute so sind. Dann ist es doch besser, einen ehrlichen Eindruck zu haben. Super gemacht!!!

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