Regretting Motherhood – Nein. Aber.

Regretting Motherhood – Nein. Aber.

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Bei keinem der Kinder dachte ich je, es wäre besser gewesen, ich hätte es nicht bekommen. Aber es gibt viele Dinge, die ich am „Nicht-Mutter-Sein“ vermisse.

Und ich weiß auch, dass ich die Kinder wahrscheinlich aus anderen Gründen bekommen habe als andere Mütter. Denn ich wollte nie welche, bis ich 30 war, so wie ich auch nie küssen wollte, bis ich 3 Wochen vor dem 18. Geburtstag dachte, es sei nun höchste Zeit, herauszufinden, was es mit dem Küssen auf sich hat.

12 Jahre später wollte ich wissen, wie es ist, ein Kind zu haben. Und etwa 3 Jahre nach diesem aufkeimenden Wunsch wurde ich schwanger. Als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, dachte ich „Ich werde nie wieder alleine sein!“, und mir war in keinster Weise klar, wie zutreffend dieser Gedanke war. Denn eigentlich fand ich Alleinsein immer schön.

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© Nabee – Fotolia

Beim Küssen bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher, dass es die schlechteste aller Motivationen ist, das versuchen zu wollen, um es endlich auch getan zu haben. Beim Kinderkriegen ist das etwas anderes. Denn ein Kuss geht vorbei, ein Kind bleibt. Und am Ende des Lebens zu denken, „Ach, hätte ich doch ein Kind gehabt!“, das muss ziemlich wehtun. Das Risiko war mir zu groß.

Meine Motivation zum Küssen und Kinderkriegen ist wohl ziemlich ungewöhnlich. Ich traf noch nie jemanden, egal ob Mann oder Frau, die sagte, es sei ihr genauso gegangen. Es war bei mir reine Neugier, getrieben von der Gewissheit, nur dieses eine Leben zu haben. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ist, wenn ein Kind in einem heranwächst. Wie sich Wehen anfühlen und eine Geburt, und wie es ist, für so einen kleinen Menschen verantwortlich zu sein. Und auch, wie es sein würde, das Kind, das aus meinem Bauch kommt. Unvorstellbar eigentlich, dass sowas überhaupt funktioniert! Außerdem wollte ich eine Familie haben, eine eigene. Das war der romantische Faktor an der Sache, und dann war da wahrscheinlich noch etwas Biologie im Spiel.

Mutterschaft musste ich lernen, es war mir nicht gegeben. Vielleicht stimmte irgendetwas mit meinem Oxytocinhaushalt nicht, vielleicht war ich zu verkopft, ich weiß es nicht. Aber als ich mit meinem ersten Kind nach Hause fuhr aus dem Krankenhaus in Hamburg, da hatte ich eher das Gefühl, es wohne jetzt noch jemand bei dem Mann und mir, um den ich mich kümmern müsse, als dass ich tiefe Muttergefühle gehegt hätte.

Beim zweiten Kind, das lange herbeigesehnt war, war das anders. Und beim dritten Kind, das eine Überraschung war, liebte ich von der ersten Sekunde an, als hätte ich mir nie etwas anderes gewünscht, als Kinder zu bekommen. Kann es sein, dass man/frau in das Elternsein hineinwachsen muss? Mir jedenfalls kommt immer die Galle hoch, wenn jemand erzählt, Frauen hätten einfach den besseren Draht zu Kindern, weil sie sie im Bauch austragen, und es sei natürlich für Frauen, sich mit Kindern auszukennen und welche zu wollen. Für mich ist eine Frau in erster Linie ein Mensch, genauso wie ein Mann. Und sich um Kinder kümmern und diese lieben können beide. Oder eben auch nicht.

Es kam mir weder jemals natürlich vor, Kinder haben zu wollen, noch welche zu bekommen. Und ich kann Frauen verstehen, die sagen, das sei nix für sie – auch nach der Geburt. Welche Frau weiß denn schon, worauf sie sich da einlässt? Ja, man kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen, und die wenigsten tun das. Aber wenn jemand feststellt, dass die – bereits getroffene – Entscheidung für ein Kind ihn/sie überfordert, sollte das nicht verdammt werden, und zwar der Kinder wegen, die irgendwie aufgefangen werden müssen von der Gemeinschaft.

In einer idealen Welt wäre die Belastung durch dieses Kind nicht so groß, dass sie die Eltern reute. Und es ist eben doch meist die Mutter, die es am Ende ausbadet. Vielleicht ist genau da der gordische Knoten. Wenn sich beide Eltern oder das ganze Dorf kümmern, ist die Last, also das Kind, viel leichter zu tragen. Denn unglückliche Mütter lieben ihre Kinder nicht weniger als andere, aber glückliche oder zufriedene Eltern sind garantiert besser für Kinder.

Auslöser des Bogposts: Artikel in der SZ vom 5. April 2014. „Unglückliche Mütter – sie wollen ihr Leben zurück“

 

Linktipps: „Die Erfindung der Mutter wie wir sie kennen“ im Krachbumm Blog vom September 2014

Zusammenfassung der Texte zu #regrettingmotherhood im Vereinbarkeitsblog vom 07.04.2015

41 Kommentare

  1. Danke.
    Ich glaube, ich habe noch nie bei dir etwas kommentiert. Aber es tut so gut zum allerersten Mal zu lesen, dass es jemandem in diesen Dingen so ging/geht wie mir. Dankeschön fürs aufschreiben und teilen!

    • Liebe Nathalie,

      ja, das war dein erster Kommentar hier – das weiß ich so genau, weil ich den eben manuell freischalten musste. Von nun an sind sie gleich automatisch online. :)
      Vielen Dank und viele Grüße!

      Christine

  2. Liebe Christine,

    ich habe den Artikel in der SZ mehrmals gelesen und retweetet, weil ich a) denke, er beschreibt das kulturelle und soziale Konstrukt der Mutterschaft und die Reaktionen der befragten und unter diesem Konstrukt zusammenbrechenden Mütter sehr eingängig und weil ich b) das abschließende Fazit für gelungen halte – das Zulassen der emotionalen Ambivalenzen von Muttersein. Ich gehe völlig d’accord mit dir, dass Frauen in erster Linie Menschen sind. Die Argumentation, Frauen sei das Muttersein, Kümmern, die Fürsorglichkeit in die Wiege gelegt, woraus ja gern abgeleitet wird, dass sie es sein sollten, die sich vorrangig und zum Nulltarif um Babys, Kleinkinder und Greise kümmern, bringt mich immer wieder auf die Palme. Fürsorge ist Eltern-, nicht Frauenaufgabe.

  3. Liebe Christine,
    Doch, ich hatte eine ganz ähnliche Motivation wie Du, um ein Kind zu bekommen: Das war ein Punkt auf meiner Liste der Erfahrungen, die ich machen wollte. So richtig starken Kinderwunsch hatte mein Partner, bei mir wars eher so „wieso eigentlich nicht, es spricht nichts dagegen, ist sicher noch eine gute Erfahrung“. So richtig gepackt hat mich das Muttersein dann erst, als Kurzer im Krankenhaus war und all das.
    Aber noch heute behaupte ich steif und fest, ich könne nichts mit Kindern anfangen – und auf fremde Kinder trifft das auch zu. Und ich verfalle nach wie vor nicht in den Jööööööö-Modus, wenn ein Baby im Raum ist.

  4. „“Ach, hätte ich doch ein Kind gehabt!”, das muss ziemlich wehtun.“ Ja, so ist es.
    Mir kam es auch nicht natürlich vor, Kinder zu bekommen. Und trotzdem kann man sich von Herzen ein Kind oder besser zwei oder drei wünschen. Wenn das nicht klappt, gewöhnt man sich irgendwie daran, aber es bleibt immer irgendwo ein Loch.
    Danke, dass das auch einmal mal eine Frau ausspricht.
    (Ich glaube, dass war auch mein erster Kommentar. Ich lese regelmäßig, vielen Dank für die vielen Denkanstöße).

  5. Liebe Christine,
    auch ich habe einige Male den Artikel in der SZ gelesen, mich in diesem Zusammenhang natürlich auch Deiner Buchempfehlung zu den Mondpapas erinnert.
    Ich war ein solches Kind – mein Vater war aus beruflichen Gründen – ich glaube nur 2 Jahre – in meinem Leben bewusst anwesend – also gar nicht.
    In diesen damaligen Zeiten machte sich kein Mensch Gedanken über die Befindlichkeiten von Kindern, sie hatten – oder ich hatte – preußisch zu funktionieren.
    Rückgrat, niemals Tränen – Disziplin und absolut wichtig – Bildung, Erziehung und Contenance.
    Da könnte man auch noch Einiges zum Thema Mondpapas verlieren.
    Aber – ich wusste mit 13 ( und sicher aus diesen Erfahrungen heraus) – ich will nie Kinder. Ich bin nicht die Frau dafür, ich mag alle Kinder über 12 – und am liebsten fremde Kinder. Ich mag nicht gestört werden, ich mag diese Verantwortung nicht tragen müssen – ich wollte es nie – nun bin ich 64 – und ich vermisse – NICHTS!!!!
    Eine meiner Freundinnen ist die richtige Familienglucke – die liebe Omi, die für alle da ist.
    Autos und Wohnungen mitbezahlt, Urlaube mit den Enkeln gestaltet – sie ist glücklich – und das ist gut so.
    Ich danke noch heute wem auch immer, daß ich, im Gegenteil zu anderen Aktionen in meinem Leben – so helle war, dies zu unterlassen.
    D.h. – einfach zu erkennen, wer und wie ich bin – auch gegen jeden Strom und jede Biologie.
    Man hat mich schon oft sehr skeptisch betrachtet – Untier – will nicht Mutter sein!
    Und genau wie Du, musste ich alles irgendwann ausprobieren. Na ja, nicht alles, natürlich.
    Dieses nicht.
    Ich verstehe Euch – es ist schön, daß die Kinder da sind, aber irgendwie liegt all diese Last auf den Schultern der Frauen – immer – und heute, bei all diesen begabten Frauen, fähigen Frauen, ist es nicht korrekt, daß ihnen die alte Forderung zusätzlich aufgewälzt wird.
    Noch immer werden Frauen allein gelassen bzw. in Verbindung zwischen althergebrachtem und modernem Frauenbild überfordert – und sie überfordern sich mit dem Drang, allem gerecht zu werden – selbst.
    Alles sehr schwierig – und ich weiss natürlich keinen Rat.
    Aber ich wünsch Euch allen die Stärke, dies mit einem Lächeln und Freude zu bewältigen
    liebe Grüße
    Barbara

    • Sehr spannend, einmal die „andere“ Seite zu hören.
      Es war gerade zu dieser Zeit sicher nicht einfach, sich bewusst gegen Kinder zu entscheiden.
      Danke für den Einblick!

      • Hallo Almi,
        ja, das war nicht so ganz ohne – jeder betrachtete mich als unnatürlich – fragte nochmals nach ?!? Aber ich war generell kein passendes Modell in dieser Zeit, also die werktätige Hausfrau und Mutter, die sich die DDR so vorstellte.
        In den alten Bundesländern wäre der Verstoss gegen die männliche Vorstellungswelt natürlich noch größer gewesen.
        Wir durften wenigstens arbeiten, ohne schriftliche Erlaubnis vom Gatten – die Kinder waren untergebracht, aber das ist ja auch nicht für jeden so schön – obwohl – man könnte es brauchen…
        Beste Grüße
        Barbara

    • Liebe Barbara,
      danke für diesen Einblick. Es ist so interessant einfach die andere Seite auch zu erleben. Es muss doch auch anders gehen dürfen. Wir schön, dass du auch heute so sehr im Reinen mit deiner Entscheidung bist!!!
      lg Nanne

  6. <3 Ich stehe in den Startlöchern um zu schreiben. Mein Thema. Und wir 2 sollten uns mal dringend unterhalten, wenn du jemanden treffen willst, der etwas aus reiner Neugier getan hat.

    • Liebe Jessika,

      ich glaube auch, wir würden uns verstehen. :)
      Da fällt mir ein, mein Bungee-Jumping vom Kran fällt auch in diese Kategorie. Ich wollte es wirklich wissen.

      Viele Grüße!

  7. Ich lass mal bei Connie Palmen den Ausspruch einer ihrer Protagonistinnen: „Ich wäre gerne Vater geworden“… Das könnte auch ein Resümee meiner Mutterschaft sein. Ich hätte gerne die Freiheit gehabt, selbst zu entscheiden, wie stark ich mich an der Kinderaufzucht beteiligen möchte und welche Bereiche des Lebens mit Kind die meinen seien sollen. Was ich vermisse, das ist die Wahlfreiheit, d.h. zum Beispiel, ruhigen Gewissens und voller Vertrauen in die Kompetenzen und die Loyalität der Partner, Kinderfrauen, Großeltern, Lehrer und Lehrerinnen, mich nur noch der „Quality-Time“ mit Kind zu widmen ;).

  8. Schöner Text, liebe Christine! Ich glaube, wenn dieses „Aber“ erlaubt wäre und nicht sofort verdammt, dann würde es vielen schon leichter ums Herz. Mir auf jeden Fall. Schönen Tag Lucie

  9. Danke für den Text. Mir geht es ähnlich- ich bin immer davon ausgegangen, dass es noch andere von uns gibt. Mein Umfeld ist aber auch insgesamt sehr pragmatisch eingestellt, und kaum jemand reagiert geschockt, wenn ich sage: ein Kind fand ich eine nette Idee, ich hatte nichts mehr vor im Leben, was man ohne Kind nicht hätte machen können und mein Damaliger wollte so gerne. Inzwischen getrennt, lebe ich das Wechselmodell, also quasi Mutterschaft light – nur die Hälfte der Woche Mama sein hat trotz aller Herausforderungen viele Vorteile.

    Ich hatte übrigens auch das Erlebnis, dass ich das Gefühl hatte, die Krabbe wäre zu Besuch gekommen. Für mich hätte es keinen großen Unterschied gemacht, wenn sie am Tag ihrer Geburt nicht aus mir geschlüpft, sondern vor die Tür gelegt worden wäre. Da das nächste Kind ein Vollzeit-Kind wäre, bin ich gespannt, ob der von dir beschriebene Lern-Effekt auch bei mir auftritt – ich kann es mir gut vorstellen.

    • „Eine Krabbe geschlüpft“, das ist ein lustiges und treffendes Bild. So ging es mir auch beim ersten Kind! Dabei war sie eine ganz normale, vaginale Geburt mit unkomplizierter, schöner Schwangerschaft. Und der Sohn später ein Kaiserschnitt, sogar ein Notkaisserschnitt, die sollen eigentlich bindungstraumatisch sein. War bei mir genau umgekehrt.

  10. Sehr wichtiges Thema, die Mystifizierung der Mutterschaft muss weg, der Druck, der Alleingang, die reine Frauensache. Übrigens war meine Motivation Kinder zu bekommen nicht ganz unähnlich.
    Obwohl ich das Thema wichtig und Deinen Text gut finde, auch den aus der SZ, finde ich „regretting motherhood“ einen unsagbar traurigen Titel. Kann ich ganz schwer aushalten….

  11. Man muss doch auch einfach berücksichtigen, dass „unsere“ romantische Vorstellung der Mutterschaft eine sehr, sehr junge Vorstellung ist. Früher wurden Kinder nicht zum Selbstzweck geboren. Es wurden Erben und auch Arbeitskräfte gebraucht. Die Mütter hatten entweder keine Zeit und Gelegenheit für „Eititei“ (weil Bauern) oder es kam gesellschaftlich nicht infrage (wozu gibt es Personal). Die „romatische Mutterschaft“ begann erst in der Biedermeier-Zeit (pädagogische Historiker bzw. historische Pädagogen dürfen mich gerne korrigieren) und fand sicherlich einen sehr kruden Höhepunkt zur Zeit des 3. Reiches. Aber viel besser ist es seitdem auch nicht geworden. Die Nachkriegs-Politik hat eindeutig das (eigentlich gar nicht) klassische Modell „Vater arbeitet, Mutter kümmert sich liebreizend und aufopfernd um die Brut“ durch vieles unterstützt und gefördert (Abhängigkeit der Frauen vom Mann, Scheidung auf Schuld, Arbeit und Konto nur mit Erlaubnis des Mannes, Ehegattensplitting etc.). Vieles davon gibt es zum Glück nicht mehr, aber einiges schon noch und so ist die „romantische Mutterschaft“ aktuelle gesellschaftliche Norm.

    • Absolut. Und das erinnert mich daran, den Text von „Krachbumm“ zur Erfindung der Mutterrolle oben noch zu verlinken. Danke!

  12. Eigentlich liegt es mir fern, hier zu kommentieren. Aber jetzt mache ich es doch. Sicherlich ist vieles an dem Text richtig und auch ich gehöre nicht zu den Müttern, die „nichts als Liebe“ nach der Geburt ihres Kindes gespürt haben. das Kind und ich – und der Rest der Familie – mussten uns erst aneinander gewöhnen, was doch eigentlich ganz normal ist. Aber alle denken, als Eltern müsse man nach der Geburt eines Kindes sofort in einen Glücksrausch fallen. Heute, 2,5 Jahre nach der Geburt unseres ersten Kindes, schaue ich das Kind an und frage mich, ob es wikrlich unser Kind ist. Was ich aber nicht verstehe: Warum lassen so viele Frauen zu, dass Mutterschaft Mutterschaft ist und nicht Elternschaft ist? Natürlich können sich Alleinerziehende es sich nicht aussuchen, ob sie das Kind erziehen. Aber Eltern, die in einer Partnerschaft leben, können das sehr wohl. Ich habe immer gewusst, dass ich nicht jahrelang zuhause beleiben kann und mich um das Kind kümmern kann. Also bin ich nach ein paar Wochen wieder in Teilzeit arbeiten gegangen, nach einem Jahr wieder Vollzeit. Mein Mann und ich teilen uns sowohl die „finanzielle“ Verantwortung als auch die Verantwortung für unser Kind. Man muss es oft nur wollen – und dann klappt das schon, auch wenn es teilweise viel „Organisation“ ist, um zwei Jobs und ein Kind unter einen Hut zu bringen. Bei einem zweiten Kind, was nicht außerhalb des Möglichen liegt, würde ich vielleicht noch früher wieder arbeiten gehen. Aber das wird sich zeigen, wenn es so weit ist. Und natürlich wird politisch ein „konservatives“ Familienbild gefördert. Für mich wäre es finanziell besser gewesen, ein Jahr Elternzeit zu nehmen – statt Teilzeitgehalt + anteiliges Elterngeld – Fahrtkosten – Betreuungskosten. Aber ich wollte arbeiten und das war es uns (auch finanziell gesehen) wert.

    • Das ist alles richtig – aber dafür braucht frau auch den Richtigen – smile. Alles schön – und dann kommt die Wirklichkeit, wie bei Christine – und vielen anderen.
      Gruß Barbara

      • Und das ist es, was mich bei so Kommentaren immer so nervt. Weshalb ich es eigentlich nicht mach. Ich schreibe wie wir es gemacht haben und das es bei uns klappt. Dass es bei Alleinerziehenden etwas ganz anderes ist, habe ich nie infrage gestellt. Aber keine Mutter wird heute dazu gezwungen nach der Geburt des Kindes zuhause zu bleiben und nur in die Mutterrolle gezwungen. Wenn sich ein Paar dazu entscheidet, eine solche Rollenverteilung zu leben, dann ist das seine Sache, aber eine Entscheidung, die es selbst trifft. Und natürlich ist es etwas anderes, wenn man ohne Partner dasteht. Mir ist schon klar, dass das jedem passieren kann – keine Frage, ob durch Trennung oder Tod. Aber es ist vielleicht auch nicht die richtige Motivation für eine Partnerschaft, davon auszugehen, dass man irgendwann alleine dasteht. Darauf vorbereitet zu sein – zum Beispiel durch finanzielle Unabhängigkeit – kann ja nicht schaden.

  13. Passend dazu hab ich mich am Wochenende mit meiner Mama über Kinderbetreuung in der DDR unterhalten. Es gab 6 Monate weiter volles Gehalt und danach hatten ALLE ein Anrecht auf einen Krippenplatz. Wäre das heute auch noch so, würde ich sofort ja zum zweiten Kind sagen. Aber so wie es ist, graut es mir einfach vor einem weiteren vollen Jahr zuhause….

    Wie schon oft hier erwähnt, ich liebe mein Kind abgöttisch, aber es gibt eben auch andere Facetten meiner Persönlichkeit, die ich gerne auslebe. Hobbys, Arbeit, Partnerin sein. NUR Mutter sein, macht mich nicht glücklich.

    Ich glaube übrigens auch, das es sehr viel öfter vorkommt, das Mütter denken „Ah, jetzt hab ich ein Baby…okay“ als man es liest. Mir ging es genauso. Ich war auch erstmal im Kümmer-Modus und ich glaube erst im 2. Monat machte es Klick bei mir – hey das ist MEIN Baby, MEIN Fleisch und Blut, TOLL!

  14. […] der Unabhängigkeit“. Und bei “Mama arbeitet” kann man den Beitrag “Regretting motherhood – Nein. Aber.” […]

  15. Was ein Zufall…heute wollte mein Zwerg einfach keinen Mittagsschlaf machen und ich war so verdammt müde. Da dachte ich wieder „wenn ich nur die Zeit zurück drehen könnte“. Ich würde mich wohl gegen ein Kind entscheiden. Dann laß ich eben diesen Artikel in der HP und bin durch das Stichwort auf deine Seite gekommen. Es tut so gut, zu lesen das ich damit nicht alleine bin, weil ich schon ernsthaft überlegt habe mal zu einem Psychologen zu gehen. Aber ja, ich liebe meinen Sohn und ich würde mir ein Bein abhacken für ihn, aber ich fühle mich in der Rolle als Mutter einfach nicht passend.

  16. Danke für diesen Eintrag und vor allem für den Kommentar der 64jährigen Frau. Ich bin 28, hab mich immer systemkonform verhalten, sprich Abi, Ausland, Studium, Ausland, Vorbereitungsdienst. Und nun bin ich Lehrerin. das ist, neben Erzieherin, wahrscheinlich DER Frauenberuf schlechthin. Und so viele Kolleginnen entsprechen dem Klischee „ich mach das hier nur aus Spaß und nicht, weil ich die Miete zahlen muss, außerdem kann ich nachmittags immer beim Kinderturnen zuschauen“. Für mich ergeben sich Kinder einfach nicht und deshalb denke ich auch nicht großartig darüber nach. Und deshalb fühle ich mich so fehl am Platz, obwohl ich gerne mit Kindern arbeite. Nur, was man sich dann von Eltern so anhören darf, wenn die erfahren, dass man selbst kinderlos ist. Da wird einem jegliche Kompetenz abgesprochen, weil da dieses Kinderhasser- Bild mitschwingt. Deshalb, danke für den Blogartikel, der hoffentlich ein paar Horizonte öffnet.

  17. Und hier einmal die Seite eines betroffenen Mannes einer Frau, die anscheinend eigentlich keine Kinder wollte.

    Denn wenn sich die Frau dann nach und nach immer mehr rauszieht/zurückzieht, passiert leider folgendes: Neben dem Job kommt man(n) nach Hause, übernimmt direkt das Kind, spielt mit ihm, verbringt Zeit, macht Hausaufgaben, bringt es ins Bett, macht kurz den Haushalt, geht nochmal einmal einkaufen, steht wieder auf, weckt das Kind, bringt es zur Schule/Kiga, usw, usw. Eigene Bedürfnisse gehen auf 0 zurück, Freundschaften gehen verloren, Sport wird aufgegeben. Natürlich unterstützt man(n) seine Frau weiter, weil man sieht, dass sie mit Kind nicht glücklich ist, unterstützt den beruflichen Wiedereinstieg seiner Partnerin, was obigen Kreislauf noch weiter verstärkt. Macht irgendwann alles, von Arztbesuchen, Elternsprechtagen, Kindergeburtstagen, Sportveranstaltungen, macht alles möglich, denn man(n) will die Familie ja zusammen halten. Nur für sich, macht man(n) nichts mehr.

    Und so baden auch so manche Männer die Reue der Frau aus.

    • Hallo Frank,

      das tut mir Leid. Klingt eigentlich wie ein Alleinerziehendenleben. Ich frage mich gerade, ob du denn die Frau noch liebst? Oder steht diese Reue nun quasi zwischen euch? Und ist sie trotzdem eine halbwegs gute, liebende Mutter, und das der Grund, warum du mit ihr weiterhin zusammenlebst?

      Viele Grüße,
      Christine

  18. Für mich klingt das, offen gesagt, wie die üblicherweise weibliche Seite der Elternbeziehung. Mutter geht arbeiten bringt vorher das Kind in die Betreuung,holt es hinterher ab, nicht ohne noch schnell den Einkauf zu erledigen, Abendessen vorzubereiten, währenddessen nebenher den Haushalt zu schmeißen und das Votabendprogramm für das Kind zu gestalten. Papa ist derweil länger in der Arbeit, gemütlich Süd dem Heimweg oder auf Geschäftsreise. Das Ganze auch gern, wenn Mama mindestens 80% arbeitet. Aber beschweren darf Mama sich nicht, sonst ist es Gejammer.
    Du befindest dich in einem Boot mit einer Mehrheit der Mütter, die vorher dachten, sie leben in einer modernen Beziehung…

  19. …Ihr Lieben… Ein unerschöpfliches Thema… Wunderbar!
    Auch ich musste mich erkannt geben, bei der Beschreibung ging es gefühlt um mich. Ich war als Teenager der gern gesehen gesehene Babysitter, hatte einen kleinen tollen Bruder, um den ich mich immer liebevoll gekümmert habe (heute seines Zeichen groß und erwachsen)…Aber die Vorstellung, für IMMER Verantwortung für jemand anderes übernehmen zu müssen, der auch noch IN mir herangewachsen ist trieb mir besagte Schweißtropfen auf die Stirn. Heute weiß ich, es war schlicht die Angst vor dem Unbekannten.
    Ich hatte viel Freiheit und gute Arbeit, immer zu tun, so wie ich es wollte.
    Dann wurde ich schwanger. Und was soll ich sagen…. Es hat mich überrollt, überrascht, geplättet – es war perfekt!
    Heute bin ich glücklich mit 4, aber diesen ‚ersten‘ Moment der Veränderung niemals wieder NUR für mich alleine entscheiden zu können, den hab ich nur beim 1. empfunden. Jetzt freue ich mich, dass ich mich selber entdeckt habe – mit unserer Version der klassischen Rollenverteilung. Mann unter der Woche Arbeitsbedingt NICHT da und bald Nr 5. Ein bewusst gewünschtes Pflegekind.
    Alleinerziehend in der Woche, was absolut gut so ist (mein Stück Selbstbestimmung) und ein perfektes Ganzes am Wochenend. Hätte ich mir damals NIEMALS so bestellt. Aber das Leben hält so manches Uberraschungsei paraT… Ich hätte hatte wohl das 7.
    Schön

  20. […] um nichts und trotzdem was gelernt Unglückliche Mütter – Sie wollen ihr Leben zurück Regretting Motherhood – Nein. Aber. Regretting […]

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