13 Sätze, die ich als Alleinerziehende nicht hören will

13 Sätze, die ich als Alleinerziehende nicht hören will

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Die Idee ist nicht von mir, aber zu gut, um sie nicht auf Deutsch umzusetzen – und damit meine ich nicht „zu übersetzen“, sondern mit eigenen Inhalten zu füllen.

Gestern teilte ich auf Facebook den Text „I’m Single Parenting Tonight, Too’ and 7 Other Things That Aren’t Helpful to Say to Actual Single Parents.“ Und so zutreffend die Dinge sind, die die Autorin auflistet, es fielen mir doch noch weitere Sätze ein, die mir wahrlich zu den Ohren herauskommen nach 6 Jahren des Alleinerziehendendaseins. Hier also meine Liste, frei nach dem Vorbild auf „everyday feminism“:

mädchen mit Kopfhörern
OpenClipArt Vectors pixabay.com

1) Sei froh, dass dir keiner in die Erziehung reinredet

Nein, bin ich nicht. Gut, gelegentlich ist es ganz praktisch, wenn man niemanden fragen muss, ob ein Besuchskind übernachten darf, oder wenn’s um die kleinen Sünden geht, wie Nutella direkt aus dem Glas zu essen. Aber ansonsten ist es eine riesige Bürde, alles rund ums Kind alleine mit sich ausmachen zu müssen.

2) Bring doch die Kinder mal zu deinen Eltern!

Super Idee, wäre ich nie drauf gekommen! Aber meine Eltern wohnen a) nicht in dieser Stadt, sind b) weit über 70 und gesundheitlich eingeschränkt, haben c) überhaupt keine Lust, sich um drei Kinder zu kümmern, das ist nämlich anstrengend, und d) möchten meine Kinder das gar nicht. Im Notfall reisen meine Eltern an, keine Frage. Und ich rechne ihnen das hoch an. Aber dass sie sich nun drum reißen würden, meine Kinder zu betreuen, ist wirklich nicht der Fall. Und das ist in Ordnung.

3) Die Nachbarn können doch mal einspringen!

Mensch, da würden sich meine Nachbarn aber freuen! Als ob die nicht alle selbst Kinder und ein Leben hätten. Natürlich stehen wir in Krisensituationen füreinander ein, wir trösten weinende Nachbarskinder, reichen Pflaster und bieten auch stundenweise Aufsicht an, wenn wir gebeten werden. Aber nicht regelmäßig, und schon gar nicht ohne Not. Jede Familie hier hat genug um die Ohren.

4) Ich bin unter der Woche auch alleinerziehend

Das ist DER Irrtum überhaupt, was Alleinerziehende betrifft. Strohwitwentum oder Auslandsaufenthalte von Ehemännern sind etwas völlig anderes, als wenn frau rund um die Uhr, rund ums Jahr, die Verantwortung für ein oder mehrere Kinder komplett alleine trägt. Es gibt kein Durchschlafen, ohne mit einem kotzenden Kind zu rechnen, keine Auszeiten, in denen das Handy unerreichbar sein kann, niemals eine Pause. Ständige Bereitschaft ist das. Und obendrein fehlt die Ansprache durch einen Partner, mit dem man Sorgen um die Kinder oder Gedanken teilen kann, und sei es nur auf Skype, WhatsApp oder am Telefon.

5) Meine Oma hat das nach dem Krieg auch alleine geschafft, die hatte sogar 7 Kinder

Das war auch sicher eine Leistung. Aber zum Glück ist nun kein Krieg mehr, und ich bin nicht deine Oma. Dieser Satz hat ein bisschen etwas davon, den Leuten, die sich gegen die Bekämpfung von Armut einsetzen, zu sagen, dass in Afrika alles viel schlimmer sei. Damit wird mir als Alleinerziehender das Recht abgesprochen, Missstände anzuprangern und meine Situation schwierig finden zu dürfen. Und überhaupt, was soll man darauf antworten? „Tolle Frau, deine Oma. Ich stelle mich sicher nur etwas dusselig an“!?

6) Toll, wie du immer alles alleine schaffst!

Muss ich ja! Und abgesehen davon schaffe ich nicht alles. Ganz viel bleibt liegen, meist der Haushalt. Die Fenster sind elendig dreckig, neulich habe ich vergessen, ein Geburtstagsgeschenk für die Party des Freundes des Sohns einzukaufen, das Gejammer war groß, völlig zu Recht, und meine Steuererklärung sollte auch schon seit 7 Tagen abgegeben sein. Sport mache ich schon lange nicht mehr, oder viel zu selten. Und oft genug habe ich das Gefühl, dass das, was ich stemmen muss, viel zu viel ist.

7) Mach doch mal eine Mutter-Kind Kur! Die steht dir zu!

Weiß ich, und habe ich schon gemacht. Es war grauenhaft, das willst du gar nicht im Detail wissen. Denn so eine Kur ist, selbst wenn die zu kurende Person die Mutter ist, dafür da, die Bindung zum Kind zu stärken, und dient der Prävention. Da hat man feste Aufstehzeiten, Drängelei am Buffet, Abendessen um 17 Uhr und auch ansonsten recht wenig Spaß. Klar, soll ja auch kein Spaß sein, sondern ein Klinikaufenthalt. Mit Urlaub und Erholung hat das wenig zu tun. Es ist eine Mutter-Instandhaltungs-Maßnahme. Und bei mir hat sie, wie gesagt, nicht funktioniert, sondern mich zusätzlich gestresst. Nein danke.

8) Ich würde ja wahnsinnig werden, wenn ich nicht abends mal raus könnte

Sag bloß. Siehste, so geht es mir auch, besonders am Wochenende. Alle Welt postet Bilder von schönen Ausgeh-Abenden auf Facebook, aber ich sitze mangels Babysitter immer zuhause. Da kann man wirklich einen Rappel kriegen.

9) Genieß die Zeit mit den Kindern, sie geht so schnell vorbei!

Endlich mal ein Satz, den alle Mütter hören. Davon wird er aber nicht besser. Denn wenn einem die Zeit mit Kindern zäh und anstrengend vorkommt, weil man zu wenig Entlastung hat, dann ist diese Äußerung die letzte, die man hören möchte. Ich genieße die Zeit ohne Kinder. Denn ich habe sie oft genug um mich. Aber das darf ich ja nicht sagen, dann bekomme ich diesen „Rabenmutter!“-Blick ab. Und vielleicht noch die Nachfrage, warum ich denn überhaupt Kinder bekommen habe, wenn ich sie nicht sehen will.

10) Braucht das Kind nicht auch ein männliches Vorbild?

Sicher. Aber woher nehmen? Sämtliche Verwandten sind weit weg, der Vater sowieso, der ist am weitesten entfernt von allen. Männliche Erzieher gibt es kaum, männliche Grundschullehrer sind ebenso Mangelware, und Leihopas fallen auch nicht vom Himmel. Mir einen Partner anzulachen, nur damit der Sohn/die Tochter auch männliche Bezugspersonen hat, das ginge mir etwas weit.

11) Und wo ist der Vater? Der muss sich doch auch kümmern!

Rein geographisch, oder wie? So oder so lautet die Antwort: zu weit weg. Er hat es sich so ausgesucht, und keine Alleinerziehende, kein Jugendamtsmitarbeiter, kein Anwalt oder Familienrichter dieser Welt wird einen Vater zwingen, sich um sein Kind zu kümmern. Das ist auch ein Stück weit logisch, denn erzwungener Umgang kann wohl kaum dem Kindeswohl dienen. In anderen Fällen ist der Vater vielleicht verstorben, hat eine neue Familie, wohnt ein Dorf weiter und sieht das Kind alle 14 Tage, so oder so ist er meist keine Entlastung für die Alleinerziehende, im Gegenteil.

12) Du hast es ja so gewollt!

Ein echter Satz zum Nackenhaare-Aufstellen. DAS habe ich so nicht bestellt. Die meisten Alleinerziehenden haben ein Kind bekommen, das sie gemeinsam mit ihrem Partner großziehen wollten. Was dann aus unterschiedlichen Gründen nicht durchführbar war. Aber keine, wirklich keine einzige Alleinerziehende, die ich kenne, hat sich ausgesucht, immer alles alleine zu machen. Dieser Satz ist wie eine Ohrfeige.

13) Sind alle drei Kinder von einem Mann?

„Nein, die habe ich von unterschiedlichen Freiern bekommen!“ wäre hier eigentlich die angemessene Antwort. Und selbst wenn ich zwei Kinder von unterschiedlichen Männern hätte, wäre das auch meine Sache, und hätte nichts damit zu tun, ob ich alleinerziehend bin oder nicht. Solange feste Partnerschaften bestehen, fragt da meist auch keiner nach. Aber wenn die Frau erstmal alleinerziehend ist, wollen die Leute schon wissen, ob sie eine „Schlampe“ ist. Es muss ja Gründe dafür geben, dass die Frau alleine ist – und zwar welche, die in ihr selbst liegen. Denn Schuld haben immer die Alleinerziehenden.

Habt Ihr noch mehr? Immer her damit!

45 Kommentare

  1. Wieder mal ein toller Beitrag. Ich finde, einige feiner Punkte betreffen auch uns Mütter mit Partnern im Hintergrund. Sicher ist so manches einfacher. Aber auch meine Kinder werden viel zu schnell groß. Das ist bedauerlich ändert aber nichts daran, dass ich kaum mehr Zeit für irgendwas habe und wegen Überlastung bereits ein paar Mal zusammen gebrochen bin. Von daher habe ich vor Alleinerziehenden tatsächlich größten Respekt.

  2. Du sprichst mir aber sowas von aus der Seele!!! Und das mit der Mu-Ki-Kur hatte ich just in den Ferien erlebt und das war wahrlich kein Spaß. Hintendran noch ein Urlaub und schwuppdiwupp hatte ich sechs Wochen ununterbrochen mit meinen Kindern verbracht. Klingt harmonisch?
    Könnte es sein, wenn man als Alleinerziehende auch mal Zeit für sich hat – durchschnaufen und so sollte man ja auch mal dürfen, denn wo sonst soll die Energie für die Schandtaten und Abenteuer mit den Kindern hergenommen werden? Aber es ist mir irgendwie nicht vergönnt…
    Auch ich schaue neidisch auf die Stunden, die Freundinnen aus intakten Familien von ihren lieben Männern geschenkt bekommen, um sich mal ein wenig Zeit für sich zu gönnen. Nun ja, irgendwann kommt auch meine Zeit. Danke für den Beitrag, er erhellt mir meinen Tag :-)

    Viele Grüße,
    Yvonne

  3. Ein toller Artikel!
    Einige dieser Sätze können auch Mütter in bestehenden Partnerschaften ganz schön nerven.

    Bei Punkt 4 habe ich einen Zusatz: Mütter, wo der Kindesvater längere Zeit im Ausland lebt, sind nicht alleinerziehend. Es fehlt ihnen dazu etwas ganz Entscheidendes: Der finanzielle Druck der auf Alleinerziehenden lastet.

    Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt für alles zuständig zu sein, keine Pausen zu haben, nicht abschalten zu können und todmüde zum 37 Mal in einer Nacht das Bett zu überziehen, weil kein anderer da ist. Zudem hatte ich damals eine Situation, wo ich meinen Mann von mir aus höchstens 1 Mal in der Woche erreichen konnte. Ja, eine stabile Handyverbindung im Kriegsgebiet gab es damals nicht. Mein Mann war im Kosovo bei den UN-Truppen. Ich musste also auch alles mit mir allein ausmachen und kümmerte mich zudem noch um den kranken Schwiegervater.
    Ich behaupte also, dass ich damals sehr wohl einen Eindruck mitnehmen konnte, wie es Alleinerziehenden geht.

    Was ich mir aus dieser Zeit mitgenommen habe, ist die Tatsache, dass ich mir meine Partnerschaft wirklich schätze. Übrigens: Mein Mann ist im Moment wieder im Ausland, aber erstens sind die Kinder groß (junge Erwachsene) und zweitens haben wir heute all die wunderbaren technischen Möglichkeiten wie Skype, What´s App, etc.

    Ich ziehe wirklich meinen Hut vor allen Alleinerziehenden!
    Alles Liebe
    Ilse

  4. Ich habe das Glück, dass sich der Vater von meinem Sohn regelmäßig und auch gut kümmert. Vor den kindfreien Wochenenden höre ich dann häufig von „Freundinnen“, die in einer Beziehung leben: „Oh wie toll, dann kannst Du ja mal richtig schön was für Dich machen, ausgehen und die Zeit genießen. Das würde ich auch gerne mal.“ Klar, könnte ich machen, aber leider kommt die sogenannte Freundin nie mit und lässt mich alleine auf meinem Sofa versauern. Und sie hätte die Möglichkeit, da ihr Mann jederzeit beim Kind bleiben kann. Nutzt es aber nicht, aber beneidet mich um meine Situation. Einmal habe ich ihr dann direkt vor den Kopf gesagt, dass sie sich doch trennen könnte, wenn sie es toll findet.

  5. Liebe Alexandra

    Super Aufstellung!! Als „Götti“ (Patenonkel) von drei Kindern fällt mir dazu folgenden ein.

    Urteile nie über einen anderen, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist
    Quelle: der Indianer in Nordamerika

    Manchmal urteilen wir sehr schnell. Mit passiert leider auch immer wieder einmal.

    En liebe Gruess

    Martin

    • Danke – aber wer ist Alexandra? Meinst du meine Freundin von „Stark und alleinerziehend!? Hier schreibt eine Christine. ;)

  6. Hallo Christine,

    ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert. Wirklich. You made my day.

    Inzwischen bin ich ja echt sehr froh und erleichtert, dass ich kein alleinerziehender Vater bin, zumal ich denke, dass 99 % aller Männer ohnehin daran scheitern würden, Job, Kinder und Haushalt unter einen Hut zu bringen.

    Wenn ich so etwas wie Deine Liste lese, dann grinse ich innerlich – mich freut es diebisch, dass die Mutter meiner Kinder bekommen hat, was sie verdient. :-)

    Gute Grüße,

    Rainer aka „Azon-Profi“

    • Hast du auch schon mal an deine Kinder gedacht bei Deinen Rachephantasien?!? Das es ihnen vielleicht besser gehen würde, wenn die Mutter genug Kraft für sie hat? Und wenn sie einen Vater hätten, der sich kümmert, statt sich darüber zu freuen, dass die Mutter fertig gemacht wird? Aber die scheinen dich ja herzlich wenig zu interessieren…

  7. Was ich hasse sind Aussagen wie:Du hast es gut,alle 14 Tage Kinderfrei!
    Wenn ich dann entgegne,naja dafür habe ich mein Kind die restliche Zeit 24h ohne Entlastung.Die finanzielle Belastung habe ich auch alleine.Und ich kann meinen hobbies nicht mehr nachgehen,muss Geld für ein Babysitter berappen,was selten geht,da kein Geld da ist.
    Dann heisst es:Du wolltest doch Kinder!

    • Finanzielle Belastung alleine?
      OMG, sowas kann auch nur von einer Mutter kommen!
      184.- Kindergeld plus 225.- (mittlerweile höher) Mindestunterhalt macht über 400.- monatlich für ein Kind zwischen 0 und 6 Jahren!!
      Und wir sprechen vom Mindestunterhalt! Viele Väter bezahlen deutlich mehr! und dazu kommt das noch jede außergewöhnliche Belastung, wie Arztkosten etc dem Vater auch noch anteilig berechnet werden!
      Da kommt mir die Galle hoch, wenn ich so einen scheiss lesen muss. Ihr armen Alleinerziehenden! wenn ihr mal ehrlich zu euch selbst sein würdet, dann würdet ihr euch getrennterziehend nennen und dem Vater mehr am Leben der Kinder teilhaben lassen!
      Gebt ihm gleiches Recht wie euch, dann hat er auch die gleichen Kosten! Aber oft sind es dann ja sogar weniger kosten und das zerrt so an euren Gemüter. Schämt euch!

      • Das Kindergeld gehört zur Hälfte dem Vater, Christoph, es wird vom zu zahlenden Unterhalt abgezogen. Außerdem kann er das Kind steuerlich geltend machen. Und, ganz wichtig in diesem Zusammenhang: jede zweite Alleinerziehende erhält keinen oder nur unregelmäßig Unterhalt vom Kindsvater. Für das Kind wohlgemerkt, nicht für die Mutter!

  8. Sag mal, Rainer, was ist das denn bitte für ein Kommentar?
    „dass die Mutter meiner Kinder bekommen hat, was sie verdient.“?
    Mir wird schlecht, wenn ich sowas lese. Immer nur schön das eigene Ego hätscheln, das Leid anderer verlachen – und an die Kinder keine Gedanken verschwenden. Mit dieser Macho-Einstellung wünsche ich Dir einen freudvollen Weg in die verbitterte Alterseinsamkeit, die wohlverdiente!

  9. Liebe Alexandra!
    Großartig! Am besten dieser hier:
    „Es gibt kein Durchschlafen, ohne mit einem kotzenden Kind zu rechnen.“
    Yes. DAS ist ein Problem. Ich schaue immer zu, dass abends das Bad aufgeräumt und die Waschmaschine leer ist, sodass ich für diesen Fall gerüstet bin.
    Herzliche Grüße
    Dunja

  10. hallo christine, lese deinen blog erst seit kurzem und ich muss gestehen, dass es auch beiträge gab, die mich – alleinerziehend, freiberuflerin in der freien theaterszene und mama zweier töchter mit unterschiedlichen vätern!! – zusätzlich runterzogen. die punkte deiner liste kenne ich auch in unterschiedlichen färbungen. und am meisten belastet mich wirklich der finanzielle druck und der punkt, keinen wirklichenund echten ansprechpartner in bezug auf die belange der kinder zu haben. kindsvater nummer existiert in unserem leben überhaupt nicht, weil er es so für sich entschiedn hat, kindsvater nummer zwei hat auch entschieden, dass er mehr raum für sich und die flexible ausübung seines jobs braucht. kümmert sich, wenn er zeit hat. die zeit definiert er aber natürlich selbst, d.h. es gibt seit er jetzt in eine andere stadt gezogen ist wg. des jobs, keine regelmäßigkeit mehr. die zeiten, dass mich das wurmte und wirklich auch wütend gemacht hat, sind vorbei. ich nehme es hin, nicht als gottgegeben (aber vielleicht ist es doch so, schliesslich war gott auch ein mann, nicht wahr, der sich anmaßte von sich und seinem männlichen blick herabzusehen…), aber was soll´s… schliesslich kenne ich es im grunde nicht anders. allerdings weigere ich mich mittlerweile, die fehler oder misslichkeiten bei mir als frau allein zu suchen, nach dem motto, die hat es nicht hingekriegt oder mit der kann man(n) es nicht aushalten. doch kann man, wenn mann möchte und will. ich habe aber nur keine lust mehr, auch in einer beziehung für alles im grunde allein zuständig zu sein – den funktionierenden alltag, selbstverständlich das eigene geld zu verdienen und dann noch immer nett lächelnd und nur nicht gestresst wirken… ah, natürlich – für die durchgemachten nächte, weil das kleine kind nicht schlafen wollte oder aber wg magen-darm und kotzerei das bett drei mal in der nacht vollmachte, war ich natürlich auch allein zuständig. aber, es wird ja alles besser, die kinder größer und verständiger und die mutti kann auch mal abends zu arbeits/ premierenterminen huschen… allerdings gehöre ich auch zu den müttern, die die babyphasen (vorausgesetzt sie waren so pflegeleicht wie bei meiner älteren tochter) sehr geliebt hat… und momentan werde ich bei meiner vierjährigen schon wehmütig, weiß ich doch, dass sie gerade dem süßen kleinkindalter entwächst… jetzt, wo es gerade soviel spaß mit ihr macht – außer an den morgenden, an denen sie sich partout weigert, diese dumme kratzige strumpfhose anzuziehen…
    viele grüße, kerstin

    • ah, mir fällt noch eine Ergänzung ein: Mach doch mal was nur dich, tu dir mal was Gutes….

      Ja, klar, könnte, würde sollte ich regelmäßig Yoga oder Pilates machen oder ab und an was anderes Nettes… Nur:erstens kostet es auch Geld, wovon Alleinerziehende in der Regel nicht soviel übrig haben und zweitens und noch viel wichtiger: Zeit! Wie oft laufe ich atemlos wie ein Hamster imn seinem Rädchen im Alltag der Arbeit, den Kindern und den tausend Dingen, die es zu händeln gilt hinterher…. nich ein zusätzlicher Kurs, sei er auch nur fürmich, würde mich momentan noch atemloser machen…

  11. Besonders schön auch, wenn du zu hören bekommst, dass das ja doch toll ist, dass der Vater alle 14 Tage wochenends sich um die Kinder kümmert. (Und oft noch ergänzt um, wie du schreibst – du ja dann ganz viel Zeit für Dich hast ) super. Toll. Sooo viel Verantwortung und „Kümmern“ und so viel Alltag mit dem Nachwuchs. .. Echt lobenswert. Die 50er lassen grüssen, da wär der Papa ja der Vorzeige-Feminist. Ganz abgesehen davon, dass die Hälfte der freien Zeit für all das draufgeht, wozu Du sonst mit Kindern in 24h Verantwortung und Job nicht kommst …

  12. Ich konnte mich und meinen Alltag in dem Artikel wiederfinden – und ja, besonders beim letzten Punkt stimmt ich zu. Obwohl ich nur 1 Kind habe uns sie meinem Ex wie aus dem Gesicht geschnitten ist wurde ich mehrmals gefragt, ob ich mir sicher wäre das er ihr Vater sei …. !!
    Danke für das ehrliche Auflisten dieser Punkte ;-)

  13. Ok. Für andere ist es ja hilfreich, zu wissen, was sie alles nicht sagen sollen. Aber bei Punkt 6 scheiden sich die Geister: ist es nicht der Deutschen größte Krankheit Komplimente (wenngleich manchmal ungelenker Natur) NICHT anzunehmen?!

    „Toll, wie du immer alles alleine schaffst!“ ==> Es ist in der Tat toll und eine fantastische Leistung. Sag doch einfach danke. Und das „immer“ im Satz kannst du anschließend trotzdem noch zerpflücken und zerfleischen. Nicht?

  14. Hallo Christiane,

    mich würde interessieren, welche Sätze Du im Gegenzug gerne hören würdest.
    Ich bin nämlich eine, die kann nicht mitreden, da ich nicht alleinerziehend bin und „schlimmer“ noch: Ich habe gar keine Kinder! Weil ich weiß, das ich nicht der Typ für vollgekotzte Nächte bin, für zu wenig Freiraum, für unbedingtes Dasein und Rund-um-Verantwortung. Das mag wie Egoismus erscheinen, ist aber einfach das Erkennen meiner selbst, meiner Konstitution, körperlich und psychisch. Auch mit Partner wären 3 Kinder für mich unvorstellbar. Und da denke ich schon manchmal, das man es sich doch irgendwie aussucht und ein Stückweit für die eigene Situation verantwortlich ist. Natürlich fändest Du es besser, einen Partner an der Seite zu haben, der die Kinder mit Dir zusammen großzieht, das verstehe ich.

    Schlimm stelle ich mir vor, zu erkennen, das der Mann mit dem man sich bewusst (davon gehe ich jetzt einfach mal aus in der heutigen Zeit) für drei Kinder entschieden hat, sich komplett aus der Verantwortung zieht und sich irgendwo weit entfernt ein Leben aufbaut. Ich würde komplett an meiner Menschenkenntnis zweifeln. Merkt man denn wirklich so gar nicht nach dem ersten oder nach dem zweiten Kind, das man (oder in diesem Fall der Mann) an seine Grenzen kommt, das die Liebe geht oder das man ein Mensch ist, dem andere Dinge auch noch sehr wichtig sind (Arbeit, Beruf, Freiraum, Ruhe)?!

    Bitte verstehe mich nicht falsch, ich möchte dich nicht angreifen, aber manchmal habe ich eben auch diese Gedanken, die Du anprangerst und die Dich nerven oder verletzen. Als Kinderlose (vor allem mit Partner) muss man sich im Übrigen ebenfalls doofe Sprüche anhören, in denen vielleicht auch immer ein Funken Wahrheit steckt. Ich werde z. B. nie dieses Glücksgefühl und die Liebe haben, das man nur mit Kindern erlebt, werde diese Möglichkeit im Leben nicht ausprobiert und nicht genutzt haben. Dafür habe ich eine gleichberechtigte Partnerschaft, einen Beruf, der mir großen Spaß macht und ganz viel Zeit und Muße. Irgendwo mangelt es immer, irgendwas bleibt immer unerfüllt und zum Glück können wir manches beeinflussen. Und manches eben nicht.

    Gruß, Mia

    • Hallo Mia,

      in dem englischen Text, der mich inspiriert hat, waren am Ende Ideen dafür, was frau/man sagen könne oder was eine gute Herangehensweise wäre – ich habe überlegt, ob ich das mache, aber dann wäre dieser Blogbeitrag zu lang geworden. Das ist eigentlich ein eigenes Thema. Vielleicht mache ich das auch noch. Mal gucken.

      Viele Grüße und danke für deinen Kommentar!
      Christine

  15. Hallo Christine,
    ich bin auch so eine „Teilzeit-Alleinerziehende“, mein Mann ist beruflich dauernd weg und wir haben auch 3 Kinder. Bei mir ist es eher flapsig gemeint, wenn ich das sage, weil mir wirklich vollkommen bewusst ist, dass ich als echte Alleinerziehende wohl verrückt würde…
    Aber wenn ich am Montagabend schon völlig in den Seilen hänge, weil der Kleinste fiebert und kotzt und nicht von meinem Arm runter will, der Älteste noch unbedingt seine Latein-Vokabeln von mir abgefragt haben muss und mein Sandwichkind unbedingt heute stricken lernen will (von der Steuererklärung, den Chaos in Haus und Hof und dem Stress im Job, weil ich wegen krankem Kleinkind mal wieder ausfalle, ganz zu schweigen)… wenn ich also Montagabend schon dringend auf den Freitagabend und die Rückkehr von Ehemann und Vater warte, damit ich dem Wahnsinn nicht länger allein trotzen muss – dann frage ich mich oft, wie man es denn überhaupt schaffen kann als echte Alleinerziehende!
    Also nicht übel nehmen – die meisten Mütter oder Väter, die viel alleinverantwortlich sind, haben wahrscheinlich mehr Verständnis für eure Lage, als jemand, der das so nie erlebt.
    Viele Grüße
    Carola

  16. Sehr schön! Ich habe auch noch ein paar tolle Sätze:

    „Meine Kollegin hat ihren neuen Freund beim Online-Dating kennen gelernt“
    Ach, sag bloß! Könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass deine Kollegin 27 und kinderlos ist. Als Alleinerziehnde Ü40 schreiben dir da höchstens irgendwelche Freaks, die denken, als Alleinerziehende bist du so verzweifelt, dass du eh jeden nehmen musst oder verheiratete Männer, die sich als Singles ausgeben um wasfür nebenher aufzutun.

    „Vielleicht lernst Du da ja einen Mann kennen.“
    Sorry, ich gehe zu dem Job-Seminar um mich weiterzubilden, zum Elternabend um etwas über die Schule meiner Kinder zu erfahren und zu diesem Sportkurs um was für mich zu tun. Mein Leben dreht sich NICHT ausschließlich darum, irgendwo einen Mann kennen zu lernen!

    „Hast Du es gut, ich hätte auch gern mal ein komplettes Wochenende frei!“
    Wie bitte? Ich hätte tausendmal lieber ein Familienleben. Wir können ja tauschen, wenn du meinst, das ist so toll. Und in Clubs gegangen bin ich genug in meinen 20igern, das interessiert mich nicht mehr.
    Und wieso lässt du dich eigentlich zum Leibeigenen deiner Familie machen?

    Das sind meine Highlights :-)

  17. Liebe Christine,

    danke für den Artikel. Ich bin nicht alleinerziehend, kenne allerdings Punkt 13 zu genüge. Nur weil ich drei Kinder habe, scheint das ein Freifahrtschein zu sein mein privates Paarungsverhalten zu hinterfragen. Besonders gern von Männern gefragt. Zuerst war ich entrüstet, dass diese Frage überhaupt gestellt wird. Welchen Aufschluss birgt dann die Antwort, frage ich mich? Oft entgegne ich einfach, ob sie diese Frage auch einem Mann stellen würden?

  18. Liebe Christine, liebe Mamas und Papas,
    was wir bei all den Notierungen zum Thema nur nicht vergessen sollten:
    Wir alle machen mit in dieser extrem harten Leistungsgesellschaft. Wir sagen nicht alle gemeinschaftlich NEIN, wenn wir Überstunden machen müssen und keine Zeit mehr für uns selbst und die Familie haben. Wir alle wollen uns ständig selbst verwirklichen. Jeder will gewinnen!
    Aber das geht so nicht. Es geht nicht um Arterhaltung und nicht um Karriere. Es geht doch um eine neue Gesellschaft: Was geben wir unseren Kindern mit, was leben wir vor? Wieso sagen viele ihren Kindern: „Schlag zurück, wenn dich einer haut.“? Müssen wir uns denn ständig verteidigen? Wollen auch wir, dass unsere Kinder Frondienste leisten wie wir, oder sollen sie glücklich leben, wenn auch nicht wohlhabend?
    Was nützt es diese ewigen Sätze aufzustellen, die manche Gesellschaftsgruppen nicht leiden können? Es ändert nichts, denn es vergrault die Menschen, die die mutmaßlichen Feindbilder sind. Hier, die Familien. Niemand weiß wie das Leben des Anderen ist, da wir die Anderen auch nicht daran teilhaben lassen.
    Ich bin eindeutig für mehr Teilhabe in der ganzen Gesellschaft. Das verhilft uns allen zu mehr Akzeptanz untereinander und wir würden uns all diese polarisierenden Gedanken sparen können. Der Neid ist der Feind.
    Wir alle müssen eben einfach mal damit anfangen die Anderen wirklich zu sehen und zu beACHTEN und nicht immer über die Anderen, die es ja so gut oder schlecht haben, herziehen.

  19. Ich musste jahrelang vor Gericht darum kämpfen, mein Kind überhaupt sehen zu dürfen, weil meine Ex das nicht will. Am liebsten wäre mir gleichberechtigte Elternschaft und das Doppelresidenzmodell. Statt dessen muss ich um jede Minute, die ich mit meinem Kind verbringen möchte betteln. Gerichte und Jugendamt sind weitgehend desinteressiert bzw. helfen sie sogar bei den Entfremdungsversuchen.

    In der Situation freut es mich besonders, dass es hier Mütter gibt, die sich eine Einbeziehung des Vaters wünschen. Ich denke, dass das Recht der Kinder auf BEIDE ELTERN nach einer Trennung vorrangig vor allen Wünschen der Eltern zu stehen hat. Entfremdungsmütter finde ich genau so verabscheuungswürdig wie Väter, die ihre Verantwortung nicht wahr nehmen.

    Leider sind das deutsche und das österreichische Familienrecht so konzipiert, dass eine gleichberechtigte Elternschaft de facto nicht möglich ist, das Kindeswohl so gut wie keine Bedeutung hat und Streitigkeiten vorprogrammiert sind.

  20. Oh – da muss ich aufpassen. Ein paar von den Sätzen (6) sage ich auch & ein paar von den anderen (leider auch die mit mehreren Kindern und das freie Wochenende aller 14 Tage) denke ich. Komisch, dass man selbst als Frau dieses „Schlampen-Klischee“ so verinnerlicht hat. Obwohl man ja selber weiß, dass dem nicht so ist. Mein Partner hat ja nun zwei Kinder von zwei verschiedenen Frauen – stört niemanden & wird auch nicht thematisiert.
    Die Mutter-Kind-Kur will mir auch jeder als Heilsbringend aufschwatzen. „Mach doch, dass ist gut für Dich.“ Und ich bin nicht alleinerziehend. Mir läuft ein Schauer den Rücken herunter, wenn ich nur daran denke.

  21. Ein köstlicher Text, ich habe schon den englischen mit großem Interesse gelesen. Du hast in vielen Punkten recht…andere sehe ich etwas anders. Aber generell find ich es gut das mal so zu erklären. Ich habe einen ähnlichen Text verfasst und auch mal aufgeschrieben, wie ich mich bei manchen dieser (und ähnlicher) Aussagen fühle…besonders auch für die Leute in meinem Umfeld, die gerne mal solche Sätze bringen…*nerv*

    Natürlich habe ich dich, als meine Inspiration, verlinkt.

    https://perlenmama.wordpress.com/2015/10/09/dos-and-donts-ein-kleiner-knigge-zum-umgang-mit-alleinerziehenden/

    LG, Die Perlenmama

    • Und ich habe gerade schon auf FB und twitter verteilt. Gern gelesen, deinen Text. Und gedacht, dass der in der Überschrift versprochene Knigge etwas zu kurz kam. Den müsste eine von uns noch schreiben. ;)

  22. […] geistert gerade was durch’s Netz, z.B. bei Mama arbeitet und der Perlenmama, was mir auch seit Jahren durch den Kopf geht: Sätze, die eine […]

  23. Herrlich! :)
    Was ich auch liebe: „Also, ICH habe ja 2 Kinder um die ich mich kümmern muss – das Kind und den Mann.“
    Grrr! Dein Mann ist also zu GAR nichts zu gebrauchen?! Er tut NICHTS im Haushalt, verdient kein Geld, nimmt nie auch nur für eine Stunde das Kind, er redet nicht mit Dir,…. 4 Mal mit ja geantwortet? OK, dann hast du recht. Wenn nicht, dann möchte ich diesen Satz NIE wieder hören.
    ;) :p

  24. Es würde dem Betriebsklima gut tun wenn du öfter mit uns ausgehst……
    Bezahlt meine Chefin die Kinderbetreuung?

    Du könntest viel mehr verdienen wenn du Vollzeit arbeiten würdest….
    und wer kümmert sich dann um mein Kind mit lese-recht-schreib schwäche?

    Findest du es nicht unkollegial wenn du gleich nach der Arbeit nach Hause gehst??? und die Kollegen im Stich lässt?
    Ich finde es besser die Kollegen, die schlecht geplant haben, alleine zu lassen als meine halbwüchsigen Kinder.

    Wieso verwöhnst du deine Kinder so. Die sind doch alt genug! (11 und 15)
    weil ich es WILL. und früher selbst verwöhnt wurde! Und bei der Großen weiß ich, nach nächtlichen Autofahrten, wo sie schläft. Und ich weiß was die Kleine alles gegessen hat oder nicht.

    Und jammer doch nicht über Geld, in Deutschland verhungert keiner.
    Nö, verhungern müssen wir nicht aber es ist erstaunlich wie schnell der Kühlschrank leer ist, oder wie billig Fastfood aus dem Discounter ist. Ich koche lieber Frisch, und bin erstaunt das fertig Essen oft preiswerter ist als kochen und mehr Zeit braucht.

    Leider wissen unsere Mitmenschen nicht was sie uns mit ihren Sprüchen antun.
    Ich möchte ja auch kein Mitleid , sondern Verständnis.
    Aber ich verstehe viele Frauen auch nicht die nur wegen Haus, Auto, Garten, Urlaub, gesellschaftlichem Ansehen und vielen anderen Gründen bei ihren Männern bleiben und ihren Kindern was vorlügen.
    Leider hab ich bei der Trennung nicht bedacht was es für eine Kraft kostet Ehrlich zu sein.
    Aber wenn ich drüber nachdenke will ich auch mit keiner Frau tauschen.

  25. Hi, ich bin alleinerziehender Vater.
    Ich höre diese Sätze auch laufend, spannend dabei ist, dass man dadurch immer wieder in die Rechtfertigung gebracht wird. Ein schöner Satz ist ja auch „Du musst mehr auf Dich achten“ oder „Tu doch mal was für Dich“. Die frage ist nur wann … so zwischen 22:00 und 6:00 Uhr !?

    Der Austausch mit anderen alleinerziehenden tut gut. Es ändert zwar nichts an den Problemen die man so hat, aber man weiß zumindest, dass man damit nicht alleine ist.

    Den Satz „Toll, wie du immer alles alleine schaffst!“ bekomme ich auch oft zu hören, allerdings mit dem Zusatz „als Mann“ !

    Mit der Zeit reagiere ich gelassener auf solche Sätze, kommentiere sie inzwischen mit einem „mhm“.

    • Danke für deinen Kommmentar Stefan, ich freue mich immer besonders, wenn sich auch Väter melden und hier mitlesen!

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