Was Armut mit dir macht. Eine unvollständige Liste.

Was Armut mit dir macht. Eine unvollständige Liste.

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armut 800

  1. Du freust dich nicht mehr auf Weihnachten, sondern hast Angst vor dem Kontostand. Zuerst möchten die Kinder einen Adventskalender (keinen selbstgebastelten, sondern Lego, Playmobil oder Filly). Dann brauchst du Nikolausgaben, einen Weihnachtsbaum, Geschenke. 40 € pro Kind, das muss reichen.
  2. Du heizt nur noch das Bad und das Wohnzimmer, weil die letzte Nebenkostenabrechnung dir eine Nachzahlung von 550 € bescherte, obwohl der Verbrauch gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen war. Nur die Preise. In den Schlafzimmern muss es sowieso nicht so warm sein. Und in der Küche auch nicht.
  3. Du trinkst ausnahmsweise im Café zwei Milchkaffee, was 5,40 € kostet, zum ersten Mal seit Jahren, und rundest auf 6 € auf. Und du weißt genau, dass du den Gegenwert von 10 Litern Milch, genauer gesagt, fast 11 Litern, der günstigsten Vollmilch getrunken hast. Für das Geld hättest du auch 2 Mittagessen für die Kinder kochen können. Das schlechte Gewissen verfolgt dich 1 Woche lang.
  4. Du sagst den Kindern, sie sollen nicht so lange duschen, oder nicht so oft baden, weil das so teuer ist. Ein Bad kostet 1,50 €. Sie wollen aber duschen und baden. Du lässt sie duschen und baden und weißt, dass die nächste Nebenkostenabrechnung kommen wird. Siehe Punkt 2.
  5. Der Monat, in dem die Stromabrechnung kommt, bereitet dir schon ein halbes Jahr vorher Bauchschmerzen. Jedes Jahr steigen die Kosten bei gleichem Verbrauch um 10%.
  6. Du kaufst nur noch Kleidung für die Kinder, wenn überhaupt, und dann bei C&A oder H&M, bevorzugt reduziert. Das meiste wird euch geschenkt, und die Dankbarkeit der Kinder über die gebrauchten Klamotten anderer Leute tut dir gleichermaßen weh wie sie dich mit Freude darüber erfüllt, dass sie annehmen können.
  7. Du kennst die Preise der Discounter und Supermärkte für fast alle Produkte des täglichen Bedarfs, weil du Spezialistin im Prospekte lesen bist. Und doch weißt du, dass das nur Peanuts sind.
  8. Du hast alle No-Name Shampoos und Haarkuren der Discounter ausprobiert und festgestellt, dass die genauso gut sind wie die teuren. Aber billiges Fleisch kaufst du trotzdem nicht. Das ist eklig.
  9. Der Gedanke an deine Ehe und die Fehler, die du bei deiner finanziellen Absicherung gemacht hast, bzw. der Gedanke an das Geld und die Rentenpunkte, die ohne den Mann noch deine wären, bereiten dir fast ein Magengeschwür, was die Sache nicht Wert ist. Aber gelegentlich, wenn ein Boomerang aus der Vergangenheit dich erwischt, wie ein verlorener Prozess vor dem Oberlandesgericht, verwünschst du deine damalige Naivität. Was dich auch wiederum traurig stimmt.
  10. Du gehst nie Essen, du schickst die Kinder öfter zum Frisör als dich selbst (auch nur 2 Mal im Jahr), und du hast seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht, der diesen Namen verdient.
  11. Du warst schon viel zu lange nicht mehr bei der Prophylaxe beim Zahnarzt, weil die 120 € kostet. Und die beiden Backenzähne, die gezogen werden mussten, hast du auch nicht durch ein Implantat ersetzen lassen, weil dir das nötige Kleingeld in Höhe von 7.000 € fehlte.
  12. Du freust dich, dass du ein winziges Auto besitzt, aber du weißt, dass es bald wieder zum TÜV muss und dass es mit 110.000 km und 8 Jahren auf dem Buckel nicht mehr ewig bei dir bleiben wird. Genauso wie die Waschmaschine, die 10 Jahre alt ist. Und dein Konto gibt weder Geld für Reparaturen noch für einen Neukauf her. Du verdrängst das.
  13. Du gibst noch lieber ab, als du das früher tatst. Weil du weißt, wie sehr sich diejenigen freuen, die von dir etwas geschenkt bekommen. Was du übrig hast, schenkst du her. Du teilst, ohne aufzurechnen. Und du weißt, dass Geld nicht alles ist. Und du freust dich über das, was du hast.

 

Nachtrag vom 28.11.2014 wegen der überwältigenden Resonanz:


160 Kommentare

  1. Ach, liebe Christine,

    ich ergänze:

    Du gehst ungern zum Briefkasten, weil du befürchtest, dass schon wieder eine neue Rechnung gekommen ist.
    Du magst dir gar nicht mehr gern etwas zum Geburtstag wünschen, denn du brauchst doch praktische Dinge. Und die will keiner schenken.
    Du sagst Treffen mit Freunden ab, weil du das gemeinsame Teilen der Restaurant-Rechnung dir einfach nicht leisten kannst.
    Du würdest einfach gern mal auf einen Markt oder in einen sehr guten Supermarkt gehen und einfach nach Herzenslust einkaufen. Ohne auf den Cent zu achten.
    Dir wird schlecht, wenn Dinge kaputt gehen. Schon wieder eine Schuhreparatur, geht gar nicht.
    Du hast kein Auto und erledigst alle Einkäufe mit dem Rad. Manchmal tut dein Rücken weh und du schaffst es nicht immer, den Schnäppchen hinterher zu Radeln.
    Du stehst am Bargeldautomaten und hast Angst – ist der Dispo soweit überzogen, dass noch Geld kommt?
    Du hast Angst, dass die Kinder eines Tages erahnen, wie sehr du jonglierst.
    Du hast Albträume und der ewige Spagat raubt dir den Schlaf.

    : (

    Kein Geld haben macht mich klein. Und machtlos. Ich fühle mich von anderen Menschen abhängig und unfrei. Es nimmt mir die Luft zum Atmen und raubt unendlich viel Kraft und Energie. Es entwertet meine Arbeit, wenn ich nicht einmal den Mindestlohn angeboten bekomme und ich zweifle dann auch sehr an mir und meinem Können.

  2. 14. Du weigerst Dich dennoch, den Begriff „Armut“ für Dich und die Kinder in Deinen Denk- und Sprachgebrauch aufzunehmen. Weil alles, was keinen Namen trägt, nicht dauerhaft eingeladen ist. Selbst wenn es für immer so bleibt, Du hast einfach nur viel zu wenig Geld. Das ist alles.

  3. Das mit dem Zahnstatus wird mir immer bewusster… Vielleicht weil ich selbst nun immer öfter in die Situation komme, dass es nicht nur eine kleine Füllung mit dementsprechend kleiner Zuzahlung, sondern immer etwas mehr ist?
    Ich fragte mich schon länger, wieso ich Leute mit schiefen/ fehlenden Zähnen immer als arm bzw als nicht sehr gebildet wahrgenommen habe. Nicht weil sie als Teenie die teure Spange nicht tragen wollten, sondern wahrscheinlich weil kein Geld dafür da war. Genauso wenig wie für aufwändigere Erhaltungsmassnahmen von kränkelnden Zähnen oder deren Ersatz.
    Traurig.
    Und über Rente als Mutter mag ich gar nicht mehr nachdenken…

  4. Erinnert mich sehr an meine Studienzeit. Ergänzt um, du brauchst keinen Einkaufszettel, weil du eh immer das gleiche kaufst und schon ein Gläschen Oliven unerreichbarer Luxus ist. Und nein, das verrazte t-Shirt schmeiss ich nicht weg, das kann man noch für den Sport nehmen.

    Ich finde übrigens das Paradoxon „je ärmer man ist desto großzügiger wird man“ immer wieder interessant. Zumal ich je reicher desto geiziger auch schon sehr oft kennengelernt habe.

    • Liebe Berit,

      gutes Stichwort. Die Studentenzeit war eine gute Schule – als Studentin hatte ich 800 DM im Monat zur Verfügung, von denen 350 für die Studentenbude in der WG draufgingen. Damals habe ich sehr aufs Geld geschaut, damit noch etwas für Reisen übrig bleibt. Und hatte jeden Monat noch 50-100 DM übrig. Ich bin froh, dass es mir nicht schwerfällt, mit wenig Geld auszukommen. Immerhin habe ich das gelernt. Ich glaube auch, dass es für meine Kinder langfristig gar nicht schlecht ist, dass sie nicht in Saus und Braus aufwachsen, sondern die Dinge zu würdigen wissen.

      Und zum zweiten Gedanken: Ja, das wäre fast ein eigener Blogpost. Muss man geizig sein, um Geld zu horten? Oder muss Geld fließen und sich mehren? Hm.

      • Ich glaube das ist eine Erziehungsfrage. Ich bin unter dem Motto aufgewachsen, dass ich mir von meinem Geld auch nichts auf den Friedhof kaufen kann, also ruhig etwas freigiebiger damit umgehen kann und wenn möglich mir einiges gönne. Mein Freund wiederum ist als Sparfuchs erzogen worden und gibt ungern Geld aus. Wo ich mal gerne weggehe und einen Cocktail trinke, würde er aus finanziellen Gründen einen Bierabend heeme mit Kumpels vorziehen.

        Was mich eher beschäftigt ist eben die fehlende Großzügigkeit von Menschen mit Geld. Ich gebe Freunden bei denen ich weiß das der Taler knapp sitzt auch mal gerne einen Kaffee aus damit es uns möglich ist uns zu treffen. Ich finde das selbstverständlich, konnte aber in meiner Studienzeit beobachten, dass die Freundin die von uns am meisten Geld hatte zwar immer gern meine Kaffes angenommen hat, aber KEIN EINZIGES MAL IN SIEBEN JAHREN einen zurück ausgegeben hat. Das klingt jetzt kleinlich aber wurmt mich bis heute :-D

      • Ich hörte neulich einen treffenden Spruch: „Haben kommt nicht von Geben“. Und es stimmt, wenn man selber wenig Geld hat ist man sich viel mehr der Tatsache bewusst, dass es SO viele Menschen gibt, die noch weniger haben.
        Mein Plan für die Zeit, wenn meine Zähne erneuert werden müssen: ich melde mich in der Uniklinik in der Zahnmedizin, wo Studenten üben müssen… man zahlt dann nur die Materialkosten. Jeder Schritt wird vom fertig studierten Arzt abgesegnet – oder eben nicht- und ich kenne einige Leute, die damit sehr zufrieden waren. Man muss nur viel ZEIT mitbringen…
        Und die haben alleinerziehnde Mütter ja!!! Kleiner Scherz.

  5. Hallo Christine,
    briliant geschrieben ! Für mich ein Dokument der Zeitgeschichte. Deutschland im Jahre 2014. So reich (angeblich).
    Viele Grüße

  6. wahnsinn – du hast erschreckend genau JEDEN punkt der liste beschrieben, als wenn du mich genau kennen würdest (nur ein auto kann ich mir gar nicht leisten)..
    alles ist genauso, wie es dort steht – und wenn man dann noch eine tochter hat, die emotional krank ist, die ständig therapie benötigt und die einem 80% der eigenen kraft absaugt, ist es manchmal nicht einfacht, stark und ausgeglichen zu bleiben !
    ich weiß, ich schaffe das alles relativ gut und ich bin mir auch sicher, dass es zumindest den kindern an nichts mangelt, um glücklich zu sein – aber es gibt so momente, wo ich denke SCHEISSE… warum??
    nur EINMAL möchte ich selbst in die stadt gehen, mir etwas kaufen (und zwar kein brot oder eine kinderstrumpfhose..)..
    werd demnächst mal über das alleinerziehen bloggen, denn bloggen ist für mich ein weg, wieder runterzufahren, zu verarbeiten und neue kraft zu schöpfen !
    liebste grüße – eva

  7. Liebste Christine,
    jetzt musste ich erstmal dreimal schlucken bevor ich antworten konnte. Erst fand ich es sehr beeindruckend, dass Deine Kinder solche „Spenden“ so gut annehmen, aber dann dachte ich, ja, so wie ich Christine hier „kennengelernt“ habe, war das doch eigentlich klar! :-) Aber es gibt etwas das mich brennend interessiert: Wie ist es denn für DICH etwas anzunehmen?

    • Gute Frage, liebe Simone. Ich glaube, die Kinder können das nur, weil ich es ihnen vormache. Dass das nicht peinlich ist oder zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet, weil wir selbst auch geben, und ich faktisch auch spendete, wo wir nun selbst bedacht werden, z.B. bei der Kindergeschenke-Aktion der AWO in Konstanz, die für Kinder mit Sozialpass organisiert wird. Einst spendete ich, heute bekommen wir etwas. Genauso ist es ja mit Steuern, von denen ich früher viel zahlte, und wo ich nun vom Sozialstaat profitiere.

      Ich habe aber wenig Wünsche. Eigentlich will ich nur meine Rechnungen bezahlen können, ordentlich essen und in Frieden leben. Meistens klappt das ja auch. Aber es ist und bleibt eine ewige Wanderung auf dünnem Eis. Manchmal macht das sehr mürbe.

      • Liebe Christine,
        ich glaube du bist der stärkste Mensch den ich „kenne“! Es gibt so viele die jede Spende als Beleidigung empfinden würden und es gibt so viele die gar nicht teilen können! Ich für meinen Teil habe ja eher ein schlechtes Gewissen, was mein Mann uns als Alleinverdiener ermöglicht, arbeite im Oxfam-Shop und spende gerne, aber eigentlich nur, wenn ich auch weiß wo es landet. Oxfam macht das sehr schön transparent wo das Geld landet was wir einnehmen! Mein Stiefvater arbeitet für den Bau-Orden und nimmt viele Sachen mit und gibt sie direkt ab. Wir haben Verwandte in der ganzen Welt die direkt helfen. Bei der Flut hier in Dresden habe ich eine Welle der Hilfsbereitschaft erlebt, der WAHNSINN! Um so mehr schockiert es mich, wenn hier nun diskutiert wird das die geplanten 14 Asyl-Heime nicht entstehen sollen. Zwei in unmittelbarer Nähe und da sagt doch meine Nachbarin zu mir: „Ich hoffe das Du da dann nicht auch noch Deinen ganzen Kram hinschleppst, die kommen hier nur einbrechen!“ … ich bin echt schockiert!
        Ich finde es toll wie du das alles wuppst! Mein größter Respekt! Und du lebst nicht nur so vor Dich hin und jammerst, NEIN du wirst auch noch Politiker und kämpfst!!!!! Toll! :-)

  8. Immer, wenn ich über dieses Blog stolpere, frage ich mich, warum es „Mama arbeitet“ heißt. Es geht doch eher um die Armut einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern, die eben nicht arbeitet. Das soll kein Angriff sein, aber bei der Domain erwarte ich eigentlich ein Blog über eine Mutter, die es als Alleinerziehende schafft, zu arbeiten. Beides unter einen Hut zu bekommen. Immerhin dürfte das recht selten sein. Stattdessen lese ich immer wieder von Hartz IV.
    Ich verstehe auch nicht, warum du nicht mehr verdienst. Ich bin selbst Übersetzerin, allein erziehende Mutter von drei Kindern, arbeite freiberuflich und habe dieses Jahr einen Umsatz von 50.000 Euro gemacht. Zusammen mit Kindergeld und Unterhalt für die Kinder können wir super davon leben. Urlaub, neue Waschmaschine, TÜV usw. sind überhaupt kein Problem.
    Bitte nicht als Angriff werten, aber warum heißt das Blog „Mama arbeitet“, wenn du nicht arbeitest? Und warum schaffst du es mit deiner Ausbildung nicht, als Freiberufler ausreichend Aufträge zu generieren? So ist es nur der übliche Jammerblog einer ach so armen Alleinerziehenden, und die habe ich persönlich so etwas von dicke …

    • Hallo Alleinerziehende,

      als ich den Blog gründete und die URL kaufte, sah ich mich als Vollzeit arbeitende Mutter, so wie ich es immer gewesen war. Bis Sommer 2011 arbeitete ich in der Schweiz mit einer 42-Stunden-Woche, Geschäftsreisen nach Norwegen (5 Mal im Jahr eine Woche), langen Pendelzeiten auf der Autobahn, und allem drum und dran. Daher der Name, der übrigens ursprünglich mein Twitter-Name ist, und den ich dort seit 2009 trage. Aber er ist auch Programm, denn tatsächlich arbeite ich und will ich arbeiten. Nur vom Staat alimentiert zu werden, käme für mich nicht infrage.

      Warum ich nicht mehr verdiene? Vielleicht, weil ich meine Selbstständigkeit erst vor 2 Jahren aus der Not heraus begonnen habe. Und mit 46 neu zu starten, ist ohne Kontakte nicht so einfach. Dafür klappt das schon ganz gut. Ich bin jetzt bei 400-600 € im Monat. Und darauf bin ich stolz, auch, weil die Texte, die ich schreibe, sich mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Kinderbüchern beschäftigen.

      Für den Arbeitsmarkt bin ich überqualifiziert (promoviert, beste Arbeitszeugnisse, viel Erfahrung), zu alt, (48), und ich habe zu junge Kinder (die Jüngste ist 5). Dass ich alleinerziehend bin, hilft dabei auch nicht. Hartz IV beziehen wir übrigens nicht, das möchte ich nicht. Aber Wohngeld.

      Ich freue mich aber, dass es dir besser geht, und das meine ich nicht ironisch. Es ist schön, dass das anderswo funktioniert.

      Viele Grüße!

      P.S: Das Kindergeld steht per Gesetz zur Hälfte dem Vater zu, falls er Unterhalt zahlt bzw. wird von diesem runtergerechnet. Ich weiß ja nicht, wie viel Unterhalt du bekommt – aber wenn man wie ich einen Selbstständigen als Ex hat, dann kann der sich seine Bilanzen im Rahmen des geltenden Rechts natürlich selbst „bauen“, z.B. indem er einkauft/investiert. Dann haben die Kinder Pech gehabt.

      • Liebe „Mama arbeitet“!
        Ich finde es beachtenswert wie neutral Du Deine Antwort an „Alleinerziehende“ formuliert hast, denn dieser Kommentar ist eine absolute Frechheit! Wie kommt man dazu, jemanden, den man garnicht kennt, vorzuwerfen, warum er nicht genug verdient. Und dann die ganze Zeit von „soll kein Angriff“ sein zu reden, wenn es die ganze Zeit nur darum geht. Wahrnehmungsstörung würde ich sagen. Ich glaube ich habe in den ganzen Jahren in den ich Blogs lese und selbst einen schreibe, mich noch nie über einen Kommentar so aufgeregt, dass ich zwingend darauf anworten mußte! Wie kann man so himmelschreiend arrogant sein, dass Prinzip, was für einen selbst funktioniert, für andere annehmen? Ein bißchen mehr Empathie würde Dir ganz gut tun, „Alleinerziehende“. Mir ging es am Anfang meiner Selbständigkeit nicht anders und ich hatte kein Kind. Jetzt läuft es sehr gut, mit Kind und sogar alleinerziehend, aber ich würde niemands, wirklich niemals, mir anmaßen, das Gleiche für jemanden anderen als Status Quo zu setzen. Jeder hat einen anderen Rythmus, jeder hat andere Qualitäten oder Schwächen, jede Selbständigkeit hat mit anderen Unwidrigkeiten zu kämpfen oder kann seine Vorteile aus dem jeweiligen Markt ziehen. Keine Selbständigkeit ist gleich. Kein Mensch ist gleich. Keine alleinerziehende Mutter ist gleich.
        Schöne Grüße und Kopf hoch „Mama arbeitet“!
        Susanne

        • Hallo Susanne, auch ich habe mich „uffgerescht“ über Alleinerziehende. Und mich über Frau Finkes Souveränität gefreut.
          Ich bin im vergangenen Dezember 50 Jahre alt geworden, mein kleiner Sohn ist jetzt 7, und das Alter in dem allein erziehende Mama ist spielt eine Rolle, eine grosse sogar. Und auch die Höhe des Unterhaltes vom Kindsvater – der meiner Kinder ist auch selbständig, lebt auf sehr grossem Fuss von angegeben 3000 Euro Netto im Monat und unterstützt noch zwei erwachsene Söhne.
          Das Schlimme ist die Grage, die man nachts an sich stellt: wie schaffen die anderen Frauen das? Aber weiss man denn, ob und wie sie es wirklich schaffen???
          Klar, am besten ist man akzeptiert es wie es ist, das macht es leichter, aber die Jahre fordern ihren Tribut.

      • Überqualifiziert ist eine besonders üble Falle für Akademikerinnen. Nachdem ich mit Mitte Vierzig auch wieder nach Arbeit suchte, fiel das besonders übel auf. Die zigste Zeitarbeitsfirma, bei der ich wahrheitsgemäß alles angab, aber auch sagte, ich würde nicht nur jeglichen Bürojob machen, sondern durchaus auch Hilfsarbeiten, war dann so freundlich, mir zu erklären, dass keiner ihrer Kunden mich mit der Feuerzange anfassen, geschweige denn in die Nähe ihrer anderen Angestellten lassen würden. Ich könnte denen am Ende erklären, dass sie irgendwelche Rechte hätten. DAS war mein Hauptvermittlungshindernis, nur wollte das beim AA keiner verstehen oder tat jedenfalls so. Im privaten Umfeld kapiert das dann auch keiner: IRGENDEINE Arbeite muss doch eine gebildete Frau mit Berufserfahrung doch kriegen können. Ha!
        Übersetzerinnen haben es da, so sie eine halbwegs passende Sprachenkombi haben, wirklich einfacher. Trotzdem, einfach so 50K Euro im Jahr? Hübsche Hausnummer. Gratuliere. Aber dafür gibt es keine Garantie.

        Christine, ich lese diesen Blog sehr gerne, auch wenn ich inzwischen durch Erwachsenwerden der Kinder nicht mehr alleinerziehend bin und wenigstens diese Probleme nicht mehr habe. Ich denke, du machst deinen Job schon gut, und es steht dir zu, auch mal diese Seite der Angelegenheit zu beschreiben. Sehr viele werden sich da wiederfinden, die sich teilweise nicht mehr trauen, darüber zu reden. Merci.

      • Abgesehen davon dass Alleinerziehende ziemlich angreifend und auf persönlicher Ebene argumentiert, finde ich ihre Argumente auch noch ziemlich kurzsichtig. Nämlich genau auf dieser Trennung von Arbeit und leben findet die Ausbeutung statt. Nur weil du keinen bezahlten Job im kapitalistischen Sinne hast, heißt das nicht, dass es keine Arbeit ist. Es ist genau diese unbezahlte Arbeit, die das System am laufen hält. Die häusliche Arbeit, die jemand anderen (in den meisten Fällen dem Mann) erlaubt, am öffentlichen Leben teilzunehmen und seine Karriere zu verfolgen.

        Silvia Federici hat ein interessantes Buch dazu geschrieben: Caliban and the Witch, worin sie den Arbeitsbegriff von Karl Marx auf die häusliche Arbeit.

        Liebe Mama arbeitet, du arbeitest obwohl du nicht dafür bezahlt wirst! Der Titel ist völlig gerechtfertigt. Lass dir von so aroganten Menschen wie Alleinerziehende nichts sagen.

      • Liebe Mama arbeitet, kann man dich irgendwie per Nachricht erreichen?
        Wenn du magst, schreib mir mal eine Mail. Vielleicht kann ich dir ein paar Tipps geben. Bin selbst freiberufliche Übersetzerin, uns vielleicht kam ich Kontakte vermitteln oder so. Lg, Kathrin

      • Hut ab, “Mama arbeitet“!
        So gelassen, wie du auf den Kommentar reagiert hast – also ich hätt das nicht so hingekriegt.
        Schön, dass es für diese Alleinerziehende ein Klacks ist. Ihr Kommentar zeigt sber, dass sie dafür andere Baustellen hat, an denen sie noch massiv arbeiten darf. Klar ist, mit wem ich einen Kaffee trinken trinken würde und mit wem nicht. Ich bring den Vollmilchkaffee nämlich im Thermos mit und da können wir uns beide zwei Tassen leisten!

      • Liebe „Mama arbeitet“,

        ich finde es ausgesprochen wohltuend, wie neutral und sachlich du auf diesen Kommentar eingegangen bist. Es hilft nämlich nicht, solche Fragen einfach mit Anwürfen an die Fragende zu beantworten, weil deren Fragen ja auch anderen Mitlesenden kommen mögen.
        Deine Antwort klärt kundig darüber auf, dass eben nicht alle Alleinerziehenden und ihre jeweiligen Situationen vergleichbar sind – und dass vor allem das (gefühlt mitschwingende) Vorurteil nicht stimmt, dass du einfach nicht arbeiten willst.

        Insbesondere der Blogtitel ist auch noch aus einem anderen Grund mehr als gerechtfertigt, wenn man nämlich mal nicht nur Erwerbsarbeit als „Arbeit“ ansieht, sondern auch Carearbeit. Von der sich unbeteiligte Dritte wohl problemlos vorstellen können, dass die bei 3 Kindern nicht grade wenig Zeit frisst!

    • Wie man von einer Person, die allein drei Kinder großzieht und den Haushalt schmeißt, ganz egal, was sie daneben noch tut, sagen kann, dass sie nicht arbeiten würde (noch dazu, wenn man selbst in der gleichen Position ist und weiß, was man den ganzen Tag dafür leisten muss) erschließt sich mir nicht.

    • Ich kann sie nicht mehr hören, diese „ich hab das doch auch geschafft, warum gehst du nicht meinen Weg, dann geht das schon“ Kommentare! Oder „wenn du nur stark genug willst, schaffst du es auch vom Tellerwäscher zum Millionär“.
      Ich bringe doch ganz andere Voraussetzungen mit, vielleicht wohne ich in einer „für Übersetzerinnen unglücklichen“ Gegend. Vielleicht habe ich wenig Organisationsgeschick, oder ich kann schlecht netzwerken. Oder was auch immer.
      Das soll doch bitte niemand von außen beurteilen!
      Kinder im Grundschulalter sind in dieser Gesellschaft ein Halbtagsjob. Punkt. Egal ob „nur eins“ oder „ohweh, fünf“. Und Familienarmut in diesem reichen Land ist nicht wegzudiskutieren. Genau so wenig die Tatsache, dass Vereinbarkeit und Work Life Balance klassische Mittelstandsdiskussionen sind! Wie viele Kompromisse müssen Familien da eingehen.
      Für uns war der Kompromiss jahrelang: beide arbeiten drei Viertel, dafür leisten wir uns eben keinen Urlaub und fahren das geschenkte uralte Auto. Dann: Mama arbeitet (und studiert) voll, Papa halb. Jetzt sind die Kinder so groß, dass Papa voll arbeiten kann. Aber eins ist klar: wenn wir es nicht zusammen geschafft hätten, hätte es „Hartz IV Aufstocken bei voller Berufstätigkeit“ für beide bedeutet! Und das ist das eigentliche Familien- Drama (zumindest hier im Osten).
      Ja, ich weiß, „dann musst du dir eben einen Beruf wählen, von dem du leben kannst“- und damit kannst du wieder oben anfangen zu lesen….

  9. Manchmal, sind die Tage hart. Da komm ich kaum hoch weil ich so erschlagen bin.
    Ich befinde mich ständig in einem Wechsel aus Schuldgefühlen, dem schlechten Gewissen und der Frustration meiner Unzufriedenheiten.

    Ich bin dann immer besonders Stolz wenn meine Kinder ausgelassen um mich herum sind und mit mir rege Gespräche über ihre Wahrnehmungen führen.
    Während ich mir, mit aller Härte verbiete, sie spüren zu lassen, das ich keinen Rat mehr weiß, das ich bereits rationiere, das es ein kleines Wunder ist, das jetzt die aufgetragenen Winterstiefel meiner Großnichte geschickt werden, aus echtem Leder, gefüttert, Sympatex, ein Schuh, den ich meiner Tochter niemals aktuell kaufen könnte. Und der jetzt dringend gebraucht wird. Dennoch fühle ich mich bedürftig, denn es ist nicht einmal ein Zettel mit einem Grußwort von der Familie dabei.
    Für meine Tochter, ist das ein Tag an dem Sie etwas bekommt und Sie redet davon, wie nett die Tante ist, das Sie ihr die schönen Sachen schickt.

    15. Du bist enttäuscht weil niemand anerkennt wie viel du aus Liebe zu deiner Familie an dir selbst entbehrst.
    16. Du weißt das Du keinen Einfluss auf die Wirtschaftlichen Entwicklungen hast und das Sparsamkeit und Disziplin nicht mehr reichen, wenn das Geld nicht reicht. Und schon zack Bum: ANGST.
    17. Manchmal fragst du dich ob es überhaupt je anders sein wird, ob mal eine Sichere Finanzielle Grundlage in deinem Leben sein wird, mit der du deine Vorstellung von Sicherheit ausleben kannst oder ob du besser akzeptieren sollst, dass es so bleibt und nicht anders wird, oder nur schlimmer.

    Ich habe unser Existenzminimum so dekadent wie es in Deutschland nur geht runtergefahren, Erwirtschafte mir eigenes Brennholz um die Heizstrom kosten so niedrig wie möglich zu halten, Energiesprarbirnen, zwei feste Dusch oder Badetage für die Kinder, ein Spielzeug oder eine Kleinigkeit pro Kind im Monat für 10 EU. Spaß.Ich kaufe Kleidung seit Jahren nicht mehr neu, wir habe dennoch fast nur Markensachen, in sozialen Einrichtungen, Kleiderkammern, etc., Die Kleider tragen wir auf und dann verschenke ich sie wieder, ich würde sie nie verkaufen.
    Ich hab eine Sozialpass vergünstigte Fahrkarte und fahre durch die ganze Stadt um alles zusammen zu kaufen, jeweils dort wo es am quantitativ Billigsten ist. Es gibt eine Liste mit dingen, die jeder mag, die wir über den Monat essen, Brauchen und/oder wollen und auch nur das kaufe ich ein.
    Wenn ich mit vollgepackten Taschen ,Rucksäcken und, am Wasser Tag, mit Bollerwagen durch die Gegend ziehe, frage ich mich oft wie lange das meine Bandscheibe noch durchhält, neue Matratze?!HAHAHa.
    Adventskallender bastel ich selbst!
    Zwei Kinder a 12 Tage, immer im Wechsel. Da hab ich, an der Schule und dem Kindergarten angeknüpft, wo ein Kind nur einen Tag hat. So fällt es zu Hause besser aus! ;)
    Ich berechne pro Tag ,-50 Cent/1,-
    Denn Teilen können müssen sie, das ist so eine Erziehungsfrage von mir. Nach dem letzten Weihnachten, – an dem meine Kinder im Kreise, meiner recht Großen Familie, erlebten, das ausnahmslos alle ein Handy oder Tablett, dabei hatten und die anderen Kinder, das ipad nahmen wie sie wollten, gabs bei und zu Hause, ein Gespräch zwischen meinen Kinder und mir und zwar:…mein Sohn: Ja, wenn wir reich währen, dann könnten wir ja auch jeder mit so nem i pad spielen….und meine Tochter so: Oh…ja ….und ich: Wisst ihr selbst wenn ich so reich wäre, das wir ein Haus und ein Auto und eine Frau hätten, die für uns kocht und an meiner Stelle zu euch sagen würde, Schuhe aus, Hände waschen!, selbst dann hättet ihr kein i pad.
    Da waren sie kurz geknickt, aber wir konnten dann darüber reden wozu ein i pad eigentlich ist und ob es so erstrebswert ist, das jetzt für sich zu besitzen!
    Etwas gelogen war es, denn wäre ich so vermögend, dann dürften sie sich eins teilen zu festen Zeiten. Denn i pads sind schon cool.

  10. Der Artikel hat mich gerade total aus dem Tritt gebracht und ich sitze gerade bei der Arbeit und denke darüber nach. Ich weiß schon gar nicht mehr wie ich auf ihn gestoßen bin (wahrscheinlich Twitter).

    Lange keinen so aufwühlenden Artikel mehr gelesen und ich bin mir nicht sicher was ein angemessener Kommentar eigentlich sein könnte. Ich möchte Danke sagen, dass Sie mich zum nachdenken angeregt haben und wünsche Ihnen alles gute weiterhin!

    Danke

  11. Ich bin zwar keine alleinerziehende Mutter (überhaupt nicht alleinerziehend), aber ich erkenne vieles wieder. Wir haben unser erstes Kind bekommen als ich noch Student war und meine Frau gerade ihre Arbeit gekündigt hatte und aus Gründen, die hier zu weit führen, nicht mehr in ihre erlernten Beruf arbeiten konnte.

    Daher kann ich aus leidiger Erfahrung aus dieser Zeit ergänzen:

    Du hoffst, das im Supermarkt bei der EC-Kartenzahlung mit Unterschrift und nicht per Pin bestätigt wird, weil man dann ein leeres Konto noch einen kleinen Einkauf in die Miesen bekommt. (ging zumindest früher noch)

    Du bezahlst den letzten Einkauf des Monats vom Flaschenpfand.

  12. Mein spontaner Impuls auf deinen Text war, dass ich auf deiner Seite nach der Wunschliste gesucht habe, die es früher dort irgendwo gab. Also falls es noch einen Wunschzettel gibt… schick mir gerne den Link.

    Ganz liebe Grüße, Micha

  13. Liebe Christine,

    erst einmal danke für diesen Text – der sehr klar darstellt, wie ungerecht es in unserer Gesellschaft zugeht. Man kann noch so gut qualifiziert und fleißig sein und alles richtig machen, ein Jahresumsatz von 50.000 Euro ist einem nicht garantiert. Ich denke es schadet nicht, sich das ab und zu vor Augen zu halten.

    Grade an Weihnachten wird das Thema Geld sehr präsent und dazu möchte ich eine Art Anekdote erzählen – ich habe als Kind ganz verschiedene Wohlstandsstufen erlebt, von ganz ok über arbeitslos mit Schulden bis ziemlich viel Geld. In der „ziemlich viel Geld-Phase“ (die auch nicht ewig währte, aber meine Eltern immerhin gut in Richtung gesicherter Ruhestand schubste) haben meine Eltern in einem Jahr ein ziemlich hohes Weihnachtsbudget pro Kind angesetzt. Ich mag hier gar nicht schreiben, wie hoch, aber: es war ein wahnsinnig stressiges Weihnachten. Obwohl schon Teenager war ich von diesem ganzen Zeug total überfordert und empfand das alles als unangemessen. Meine Eltern haben das nicht wiederholt und das ist auch gut so. Ich bin froh, als Kind all diese Phasen erlebt zu haben. Und aus meiner Sicht hatte ich IMMER eine glückliche Kindheit, auch wenn ich den Stress meiner Eltern in rauen Zeiten natürlich gespürt habe.

    Auch wenn ihr so sicher auch ein tolles Weihnachten habt – vielleicht wäre es an der Zeit, deine Amazon Wunschliste mal etwas zu aktualisieren? Für deine große Tochter findet man dort gar nichts. Ich mein ja bloß… ;)

    Danke für den Text!

  14. Muss ich noch korrigieren, du fährst ein Auto das 17 Jahre alt ist, aber das Gericht lässt dich noch die von dir ehemals selbst finanzierte Küche ausbezahlen.

    Du kaufst deine Jeans für 10 Euro bei Aldi und alles andere sowieso, da du dank dem neuen Familienrecht und dem Klagevater mittlerweile über 40.000 Euro Verfahrenskosten in vier Jahren hast.

    Du zweifelst an dem Sachverstand und der Beteiligung diverser Anwälte für das Kind (Verfahrensbeistände) sowie Richter, welche über die spezielle Behinderung deines Kind fachsimpeln und dabei ganz vergessen, dass die Mutter, die leider zu nah dran ist, auch noch ihre Rechnungen bezahlt, während alle bunt durcheinander stets positiv in die Zukunft und auf’s Kindeswohl schauen, bei dem als Allheilmittel schlechthin eine gesunde Dosis unzuverlässiger Vater stets hilft und selbstverständlich Ganztagsbetreuung, denn auch ein beh. Kleinkind muss die vielfältigen Vorteile kennenlernen, die mit einem Logopädietermin um 19:00 Uhr verbunden sind.

    Und die Mutter versteht die Welt nicht mehr, da der Unterhalt unzuverlässig kommt oder nett gekürzt, sie jedoch nach vier Jahren Verfahren, die sie nicht verhindern kann, wesentlich mehr als Unterhalt schon zur Kredittilgung aufwenden darf. Aber das gehört ja nicht zum Kindeswohl. Es ist egal wer Schule, Betreuung, Förderung leistet, bezahlt und arbeitet, denn Mütter sind nahezu das gefährlichste, was einem Kind passieren kann.

    Irgendwann fragt sich dann eine studierte und gut ausgebildete Mutter, warum sie überhaupt so doof war, zu studieren und zu arbeiten, denn bei 16-Stundentag lebt sie dank der hälftigen Kostenteilung unter dem Existenzmiminum, da der Hauptverdienst nachhaltig für Anwälte, Richter, Mediatoren, Berater, Verfahrensbeistände dank eines rachsüchtigen, ehemals gewaltätigen Kindesvater flöten geht, der frohgemut das Familienrecht instrumentalisiert. Ich muss mich korrigieren, der einfach ständig besorgt ist und seiner Exgattin das Leben zur Hölle machen darf.

  15. Passt!
    Gebadet hat die Tochter wenn, dann in der Duschwanne, weil die Wohnung, die barackenmäßig nach dem Krieg für die Engländer gebaut wurden, gar keine Wanne hat, dafür konnte man die Nachbarn Niesen hören.
    Fleisch gabs einmal im Monat und wenn der Unterhalt des Kindes aus blieb, wie öfter, gab es eh Nudeln mit Ketchup oder Dosenmais fürs Kind und man selbst konnte eh ein paar Kilo weniger vertragen.
    Das Auto wurde von geschenkten Fahrrädern ersetzt und Haare wurden selbst geschnitten.
    Den 1 Euro Job hatte ich damals bevor er zur Pflicht wurde, weil ich mich wenigstens etwas wertiger fühlen wollte und das extra Geld war eh nötig…
    Eine absolute Scheiß Zeit, die mir aber nie aus dem Kopf gehen wird und das ist gut, denn das erdet mich immer wieder, jetzt da es mir (nicht nur) finanziell wesentlich besser geht in 2. Ehe…

  16. Liebe Christine,
    vielleicht macht Dein Blog auch darauf aufmerksam, wieviel Arbeit tatsächlich nötig ist, um eine kleine Familie zu schützen. Die Familienarbeit, Care-work, die Du leistest, ist genauso eine Arbeit, wie Deine früheren Jobs. Emotional sicher wichtiger und daher belastender aber eben nicht das Gegenteil von Arbeit. Sondern genau dasselbe. Von Übersetzungen und Deiner politischen Arbeit ganz zu schweigen.

    Das ist auch der Unterschied zwischen Wohlhabenden und nicht-wohlhabenden bis armen Familien: Die Menge der notwenigen Arbeit kann mit Geld relativiert werden. Ohne Geld, bleibt sie an der/den Verantwortlichen hängen und macht es schwer, an anderer Stelle mehr zu arbeiten, denn dafür müsstest Du ja erst Hilfsleistungen einkaufen können.

    Du arbeitest also insgesamt mehr als vorher. Dass sich diese Arbeit nicht monetär ausdrücken lässt, weiß ja jeder. Aber dass Du nicht arbeitest, stimmt einfach nicht. Ich denke, das erklärt Dir Dein Körper auch jeden Abend, wenn Du ins Bett gehst.

    Meine Herkunftsfamilie hat jahrelang die letzten zwei Wochen im Monat nur von Kartoffeln und Tütensuppe gelebt. Kartoffelpuffer, Kartoffelsuppe, Salzkartoffeln, Bratkartoffeln…damit lässt sich einiges strecken. Und ich hatte nie den Eindruck, dass wir arm sind. Selbst als ich andere Kinder besucht habe, die einen Pool im Keller hatten, nicht. Die waren sicher reich. Aber ich, als Kind, war nicht arm.

    Als Erwachsene war das anders. Da habe ich mich selbst als arm empfunden. Arm und eingesperrt und allein. Aber als Kind, war das kein Problem…

    Ich wünsche Dir einen weihnachtlichen Adventswind. Einen behutsamen Wechsel. Etwas Neues, Gutes und vor allem Sicherheit.

    Liefs,
    Minusch.

  17. Liebe Christine,
    danke für deinen Blog. Ích lese nun schon einige Zeit bei Dir mit und finde das was Du leistest bewundernswert! Ich bin als Studentin finanziell sicher in einer ähnlichen Situation, kann mir aber trotzdem nicht vorstellen, wie hart es sein muss, auch noch die finanzielle Verantwortung für drei Kinder zu tragen! Meine Hochachtung! Nicht zu vergessen, dass man natürlich als Studentin einen ganz anderen sozialen Status hat und man nicht noch mit gesellschaftlichem Gegenwind zu kämpfen hat! Deshalb auch danke dafür, dass Du so schonungslos offen über eure Situation schreibst, das ermöglicht mir einen ganz anderen Blickwinkel auf die Probleme unserer heutigen Gesellschaft und bewahrt mich hoffentlich davor, in die Situation zu kommen, über Andere urteilen zu wollen.

  18. Oh ja die Liste kann echt beliebig erweitern…ich bin sehr sehr froh nicht alleinerziehend zu sein…das ist ultra schwer wir haben’s finanziell gerade auch nicht leicht, aber doch sehr viel besser wie vor 1 1/2 Jahren. Aber aber als Paar hat man sich gegenseitig und kann sich viel teilen!

  19. Ich kann die Liste noch ergänzen, in vielen Punkten war / ist es das gleiche.
    1. Ich gehe in die Kleiderkammer wo ich fast alles komplett an Kleidung für meine Tochter hole und Ihr gute qualitative Schuhe zu kaufen.
    2. Gott sei Dank gibt es hier von Toys us eine Stelle wo man mit Harz 4 Beischeid, reparierte und gebrauchte Spielzeug Sachen geschenkt bekommen.
    3. Ich fing an nicht nur zu jammern , sondern ergriff Initiative und gucke immer nach Lösungen….dies soll kein Angriff sein und habe gefragt.
    a. Nachdem ich ein Weihnachten da saß ohne Geschenke für mein Kind habe ich Lego angeschrieben und bat um eine Spielzeug Spende und was kam… eine nette Mail und ein paar Tage später ein Piratenschiff was aktuell nicht mehr verkauft wird, weil es raus aus dem Sortiment ist. Wenn Sie zu alt dafür wird, werde ich es einem Spielkreis schenken.
    b. Vom Jugendamt bekomme ich eine Zoo Jahres Karte bezahlt, gegen Quittung
    c. Bei uns ist die Bibliothek kostenlos für Harz 4 Empfänger und alle 2 Wochen holen wir uns neue Bücher, Gesellschaftsspiele und DVD.
    d. Ich gehe zur Tafel und nach Jahreszeit gehe ich in den Schrebergärten frag freundlich bei einigen nach Fallobst von Äpfeln, Birnen, Pflaumen die Leute reagieren sehr freundlich und ich bekomme so viel geschenkt.

    Ich schnorre mich nicht überall durch , aber es geht immer irgendwie weiter….

    Manchmal habe ich aber auch Angst wie soll ich eine gute Ausbildung finanzieren, was ist wenn ich oder meine Tochter richtig krank werden und Medikamente,die die Kasse nicht zahlt… so viele Freizeitaktivitäten die wir nicht machen können….es tut mir am meisten leid für mein Kind…..

  20. So lange Mütter die Rolle der „tapferen kleinen Soldatenfrau“ annehmen und über Jahre / Jahrzehnte leben, wird sich nichts ändern. Die Krux ist, tuen sie es nicht, verlieren sie ihre Kinder, so oder so …

  21. Wow, das stimmt mehr als nur nachdenklich. Die meisten Frauen bemühen sich so sehr, werden so kreativ und sind meist unverdient und nicht selbst verschuldet in diese Lage geraten. Es müsste dringend mehr getan werden von oberster Stelle. Ich bin immer froh, wenn ich von dem, was ich habe geben kann. Nicht als Almosen, sondern als Anerkennung für das Durchhalten. Ihr seid tolle Mamas, Menschen, Vorbilder und Frauen. Ich ziehe meinen Hut!

    • Danke fürs Fragen, ich habe das nun auf der Wunschliste in den Kommentar geschrieben. Die Größe ist in der Tat nicht unwichtig. :)

  22. Chapeau! Ich frage mich überhaupt, wie so ein Leben allein mit den Kindern überhaupt zu schaffen ist, ohne wegen Dauer-Überforderung ernsthaft krank zu werden. Bin in der glücklichen Lage, ein Kind mit Mann großgezogen zu haben und weiß sehr gut, was an Arbeit zu leisten ist, und wie schwer es ist, wenig bis gar kein Geld zu haben, die Stromrechnungen und Mietnachzahlungen aufzubringen, Frühstücksbrötchen vom Flaschenpfand zu kaufen etc.. Wir sind dann zeitweise in die Schuldenfalle getappt (Otto-Versand, sehr verlockend vor Weihnachten). Ich würde es trotzdem wieder so machen, auch wenn das bedeutet jahrelang monatliche Raten abzuzahlen und bei Krankheit das dann nicht mehr zu schaffen. Eine drohende Insolvenz ist auch nicht das Ende des Lebens, die Gesetzeslage ist heutzutage vergleichbar human.

  23. So viele Nächte, in denen man eigentlich schlafen müsste, um den Stein amnächsten Tag wieder den Berg hoch zu rollen, in denen man wach liegt und leise weint, weil man sich fragt, ob es jemals reichen wird, was man macht.

    Weil man hofft, dass die Kinder nicht daran zerbrechen, was sie nicht haben, sondern daran wachsen, was sie haben.

    Weil man einsam ist. Armut isoliert. Mit wem soll man darüber reden? Ich versuche es von meinen Kindern fernzuhalten. Aber es gibt schwache Momente, in denen ich erkläre, was ich schlicht nicht kann. Und ich merke, dass es sie bedrückt…

    Wenn ich unser Leben von außen betrachte, geht es uns augenscheinlich gut. Aber der Kampf darum, die Entbehrungen, die man „von außen“ eben nicht sieht…manchmal ist das ein noch größerer Stein, als an anderen Tagen…

    • Kenne ich und immer ist die Angst da das die Kraft zum hochrollen des Steines eines Tages nicht mehr ausreicht und der Stein einem überrollt. :o(

  24. Ein sehr bewegender Post, der zum nachdenken anregt, vielen Dank dafür! Ich bin beeindruckt von Deiner Kraft und wünsch Die alles gute für die Zukunft und deine Selbstständigkeit.

    Ich wollte nur kurz loswerden, wie sehr mich diese Ex-Männer aufregen. Ich bin zum Glück nicht alleinerziehend, habe es aber im Bekanntenkreis oft mitbekommen. Nette, kleine Familien aus der Mittelschicht, bis die Ehe kaputtgeht. Die Mutter ab sofort alleinerziehend, mit allen wirtschaftlichen Folgen, obwohl gut ausgebildet. Der gut verdienende Vater heiratet erneut, lässt die neue Frau das Haus auf ihren Namen kaufen um sich auf dem Papier arm zu rechnen. Vor solchen Menschen fehlt mir jeglicher Respekt. Mag sein, dass die Ehe nicht funktioniert hat und man sich zerstritten hat. Aber wieso zum Henker sind diese Kerle nicht in der Lage, den Unterhalt zu zahlen für ihre eigenen Kinder? Die Beziehung mit den Kindern ist nämlich nicht gescheitert, so wie die Ehe. Ich finde das erbärmlich.

  25. Wie man an so einem Post sieht – selbst ‚kleine Blauäugigkeiten‘ können einen ein Leben lang verfolgen. Also werde ich keine Kinder haben, bevor ich nicht finanziell abgesichert bin. Als redaktionell tätiger Mensch also frühestens in 156 Jahren.

  26. 101. Du freust Dich, dass deine Kinder noch soziale Kontakte haben – und zuckst bei jeder Kindergeburtstagseinladung zusammen, weil du dir nicht schon wieder ein Geschenk leisten kannst.
    102. Der Geburtstag der Kinder wird zum Alptraumtermin: woher das Geld für Geschenke nehmen, woher für die Feier? Und richtig zerreisst es Dir das Herz, wenn sich die Kinder schon gar nichts mehr wünschen, um Dich zu schützen.
    103. Die Geburtstage der eigenen Freunde besucht man zunehmend unlieber. Die selbstentworfenen, gebackenen, gesampelten Geschenke werden langsam peinlich.
    104. Ferienanfang ist der Horror. Was soll man mit den Kindern ohne Geld unternehmen?
    105. Schulanfang ist ebenfalls Horror. Hefte, Bücher, Schreibwaren – wer soll das bloß bezahlen?
    106. Jeder Ausflug der Klasse, jeder Schulausflug versetzt Dir Bauchschmerzen. 5€ hier, 5€ da – und am Ende kein Geld für Essen.
    107. Du schreist deine Kinder an, weil sie zum x-ten Mal ihre Handschuhe, Sportschuhe, Mützen und Taschen verloren haben und Du Dir keine neuen leisten kannst und nicht schon wieder im Bekanntenkreis nach Ersatz fragen magst.
    108. Deine Kinder bringen Freunde zum Essen mit und Du beobachtest Dich dabei, wie Du unruhig wirst, weil sie Euer Essen der ganzen Woche wegessen.
    109. Du lebst in permanenter Panik, dass die Fahrräder der Kinder kaputt gehen oder geklaut werden könnten und sie nicht mehr zur Schule könnten. Das Geld für die Reparatur fehlt.
    110. Du bist die Einzige, die auf Elternabenden über horrende Kosten für Klassenfahrten und -ausflüge meckert.
    111. Der mitleidige Hinweis, dass es doch Fördervereine und Leistungs- und Bildungspaket beim Amt gibt, erteilt von Menschen, die das noch nie in Anspruch genommen haben und keine Ahnung haben, wie niedrig die Beträge sind und mit welchem Aufwand verbunden, treibt dich zur Weißglut.
    112. Am 1. des Monats leistest Du Dir einen Einkauf, bei dem Du nicht überlegst, welche Produkte Du gerade einkaufst und um Deinen Kindern und Dir selbst mal Erholung vom Sparen zu gönnen. Anschließend versinkst Du in Schuldgefühlen, weil dies bedeutet, dass Du am Ende des Monats wieder nur Gurkensuppe und Pellkartoffeln kochen musst.
    113. Du musst Deinen 15jährigen Schulkindern sagen, dass sie nicht wie ihre Freunde Zeitungen austragen können, um eigenes Geld zu verdienen, sondern sie den ersten Verdienst ans Amt abführen müssen.
    114. Du lernst freundlich zu lächeln, wenn Dich Menschen fragen, warum Du nicht mehr arbeitest oder überhaupt keine Arbeit hast, weil Du gelernt hast, wie klein die Stufe zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit ist. Und dass diese Menschen in der permanenten Panik leben, auf ihren Lebensstandard verzichten zu müssen. Was Du inzwischen längst gelernt hast.
    115. Du lernst zu unterscheiden zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen im Leben. Guten Freunden, denen dein finanzieller Status nicht wichtig ist und Menschen, denen Deine Armut lästig ist. Und so enttäuscht wie Du über die einen bist, so bezaubernd ist die Feststellung, von wievielen Menschen Du Unterstützung erhälst.
    116. Du kannst Dich besser an Gesundheit und Liebe erfreuen und weißt zu schätzen, was Du hast.

    p.s.: Ich bin berufstätig. Und trotzdem weiterhin auf Bezüge angewiesen.:)

  27. In meinem Schlafzimmer stehen ein paar gut erhaltene braune Lederschuhe mit Lammfell von Primigi in Gr. 24, ebenso Wollfilz-Hausschuhe von Living Kitzbühel, auch Gr. 24 in dunkelbraun. Wenn euer Mini noch kalte Füße hat, dann schreibt mir bitte eine Mail an kathrin.roth@gmail.com und ich schicke sie euch! Liebe Grüße aus Berlin!
    Kathrin

  28. Alles Humbug. Meine Exfrau hat 2 von unseren 4 Kindern, hat unser komplettes Vermögen veruntreut, hat meine Unterschrift gefälscht, die Miete wurde seit einem halben Jahr nicht bezahlt, etc… Ich bekomme die Rechnungen und vom Gericht die Mitteilung, ich soll die nicht mit solchem Scheiß ärgern.

    • Es gibt gute Männer und schlechte Männer, gute Frauen und schlechte Frauen, leider aber gilt in der öffentlichen Wahrnehmung meist die Frau als unschuldiges Opfer und der Mann als das schuldige A***loch, als Mann muss man sich meist doppelt und dreifach schlagen um die selbe Anerkennung zu bekommen wie die Frau, besonders wenn es um Familie, Kind und Soziales geht, manchmal stimmt einem das sehr traurig. :o(

  29. liebe Christine,
    deinen und auch Isas Worten schließe ich mich an. Jahrzehntelang hatten wir trotz Einkommens ALGII Niveau auf dem Konto. Immer wieder Anläufe von mir ins Berufsleben einzusteigen, mitverdienen. Das bedeutete z.B . neben unseren sechs eigenen Kindern, mittlerweile zwei chronisch kranken, auch drei Vollzeit Tageskinder , drei Einjährige wohlgemerkt. Jeden einzelnen Punkt unterschreibe ich. Für mich habe ich beschlossen: keine bezahlte Tätigkeit für mich, ich brauche derzeit meine Kraft zum überleben überhaupt.Und habe mir einen Kleingarten zugelegt ( da gibt es eine Art WBS für Kleingärten bzw. ein zinsloses Darlehen) Zukünftig habe ich schon Lust , aber im Moment nehme ich davon Abstand, im Arbeitsleben wäre ich wohl „krank“ geschrieben. Jedenfalls ein herzliches Danke schön für deine offenen, direkten, ungeschönten Worte, liebe Christine.

  30. (keine alleinerziehende mutter, aber ähnliche situation: student, kind einer hartz4 / geringverdiener familie, bzw andre punkte vom besten freund der vollzeit arbeitet)

    117. du hast spätestens am 20. des Monats kein Geld mehr und sitzt in deiner überteuerten 1-zimmer wohnung und siehst deinen haustieren beim essen zu, weil die es gut haben sollen, du selbst aber hast hunger.
    118. du fürchtest dich davor, dich länger krankschreiben zu lassen, auch wenn es nötig ist, weil du dann am ende des monats noch weniger geld bekommst.
    119. du hast schon mit 13 mit dem zeitungsaustragen angefangen und musstest darauf achten nicht über 160€ im monat zu verdienen, ansonsten musst du es als kind einer hartz4 familie ans amt abgeben
    120. du arbeitest auch heute mit 21 noch als zeitungsausträger weil du als student keine andere arbeit findest, die alleine ausreicht.
    121. du hast einen weiteren nebenjob bei dem du für 6€ die stunde nachtschichten schiebst.
    122. du betrachtest dich als reich, weil du endlich bafög bekonmst und mal mehr als 100€ auf dem konto hast und gönnst dir jede menge kram, obwohl du weisst, dass auch das nicht ausreicht.
    123. du hast angst davor zuhause auszuziehen, denn wenn deine eltern kindergeld und wohnzuschüsse plus den teil den du selbst beiträgst verlieren, können sie die wohnung in der ihr seit 20 jahren wohnt nicht mehr bezahlen.
    124. ihr habt ein 18 jahre altes auto und ständig geht etwas kaputt, aber ein neues könnt ihr euch auch nicht leisten.
    125. du bist sehr großzügig wenn du grade mal geld hast und schenkst freunden teure sachen zum geburtstag oder leihst ihnen was, weil du weisst, wenn sie wieder mal was haben (was allerdings auch dauern kann) geben sie dir auch was ab. :)

  31. aha C&A und H&M also noch genug geld um andere kinder für dich und deine kinder arbeiten zu lassen. second hand ist aus der welt oder was? und Auto ist mehr luxus als ich mir überhaupt vorzustellen vermag … nimm ein fahrrad und einen anhänger und mit nem zelt habt ihr auch qwieder einen urlaub der den namen verdient. heul nicht rum tu was verdammt-

    • Ich denke mal o.g. Geschäfte waren nur Beispiele um klar zu machen, dass es keine Edelboutiquen sein werden. Und Second Hand ist eher der Standard (was du bemerkt hättest, wenn du den Text mal richtig gelesen hättest). Aber selbst unsere Kinder möchten evtl. mal den Luxus einer NEUEN Jacke zur Abschlussfeier haben o.ä. – Und ja, Mütter sind da manchmal so unglaublich verschwendungssüchtig, dass sie dafür in einen entsprechenden LAden gehen, auch wenn das Budget eigentlich dagegen spricht!
      Auto ist Luxus? Fahrrad und Anhänger? Das mag in der Stadt ja super funktionieren, aber es soll ernsthaft Leute geben, die auf dem Land leben und/oder das Auto auch beruflich brauchen.
      Ich hab z.B. auch mal locker 40 Km zu fahren um zu einem Kunden zu kommen und teilweise 20 Kilo und mehr zerbrechliche Ware auszuliefern und das im bergischen.
      Wenn du das mit dem Fahhrad hinbekommst und dabei noch deine Termine einhältst, Hut ab.
      Ich persönlich behalt dann lieber mein „Luxusauto“ damit ich überhaupt dazu in der Lage bin Geld zu verdienen.
      Ach ja, wann hast du dir denn zuletzt die Preise von Campingplätzen angesehen?
      Das war der Urlaub den wir in unseren „Familen-Hochzeiten“ so gerade bezahlen konnten.

    • Und wenn Sie in den Second-Hand-Laden gehen, wissen Sie ganz genau, daß die Waren nicht aus der Kinderarbeit stammen?

      Nur wer genug Kohle hat, kann es sich leisten, seine Geschäfte nach ‚ethischen‘ Gesichtspunkten auszuwählen und einen entsprechenden Aufpreis zu zahlen.

      Im übrigen macht ein Zelt allein noch keinen Urlaub, noch kann ein Fahrrad mit Anhänger locker das Auto ersetzen.

    • Wir tragen sogar „Third Hand“, und das gerne. Oft werden die Sachen von Familie zu Familie weitergereicht.

      Ich zelte nicht mehr, ich bin fast 50. Und auch Zelten kostet Geld für den Zeltplatz und die Anreise. Unter 600 € für 10 Tage kommst du nicht weg. Jugendherberge ist erst Recht unerschwinglich.

      Und drittens: Das Auto hatte ich noch, aus der Zeit, in der ich täglich pendelte. Es ist ein gebrauchter Kleinstwagen. Andere Leute haben teurere Fahrradanhänger.

      Dies weniger als Antwort an den Troll, als für die geneigten Leser.

  32. Danke für den Text. Hilft gegen diese Naivität, die man als (Noch-)Studentin ohne Kinder hat. Kinderlos und im Studium ist es so leicht, „unter der Armutsgrenze“ zu leben. Weil viele so leben, weil keiner Geschenke von dir erwartet, vor allem, weil man niemandem erklären muss, warum die Koch-Möglichkeiten nur Kartoffelsuppe oder Pfannkuchen sind. Wenn nur die eigenen Schuhe alt sind. Irgendwie hab ich noch nie so drüber nachgedacht, was eine ähnliche finanzielle Situation für eine Familie bedeutet.
    So viele hier würden gerne die finanziellen Sorgen kleiner machen helfen. Ich hoffe, Sie finden den Mut dazu, trotz zu erwartender negativer Kommentare eine Wunschliste zu veröffentlichen.

    • Ich antworte hier mal mir selbst ;-) Kann das mit der Amazon-Liste gut vestehen, aber generell wär vielleicht ein Flattr-Button eine schöne Sache? Nur so als Anregung.
      Und ich hoffe, der Text führt bei mir (und bei vielen anderen) dazu, dass wir Nachbarn und anderen Menschen, denen es finanziell nicht gut geht, mehr helfen.

  33. Danke für diesen Beitrag.
    Danke auch für die vielen Kommentare. Die vielen Ergänzungen.
    Mir stehen jetzt allerdings Tränen in den Augen, weil ich all das einfach viel zu gut kenne. (bis aus Kaffee trinken ausserhalb, Auto oder anderen „Luxus“.)

    Und weil ich EU-Rente bekomme, bekommt mein Kind zudem nichts aus dem Teilhabepaket. Denn was man netto zur Verfügung hat zählt nicht. Man muss den richtigen Schein vorlegen (ALG Bescheid oder Wohngeldbescheid)
    Wir bekommen aber kein ergänzendes ALG und kein Wohngeld, da ich 14 Euro über dem Satz bin mit meiner EU-Rente. Die 14 Euro sind aber kein „mehr“, denn ich darf ja auch GEZ zahlen, bekomme kein Sozialticket und auch für die Schule/Essen keine Vergünstigung.

    Und am Ende stehe ich da und hake so viele deiner Punkte ab, so viele Punkte aus den Kommentaren und bin doch froh darum, dass das Herzkind uns nicht als „arm“ bezeichnet. Ich tue mein Bestes und das schätzt sie.

  34. Du siehst kaum mehr Freund_innen. Weil du dir Babysitting nicht leisten kannst.
    Dafür bist du plötzlich viel mehr im Netz unterwegs und lernst dort eine großartige (Eltern-)Solidarität kennen.
    Danke liebe Mama-arbeitet an dieser Stelle. Wenn ich auch nur mitlese, du hast mir schon über einige tiefe Tiefs hinweg geholfen!

  35. Bei der `Alleinerziehenden` frage ich mich, ob es diese Frau überhaupt wirklich gibt, denn der Text wirkt auf mich stereotyp und dann der glatte Umsatz von 50.000 €. Und zufällig hat die Dame auch gerade 3 Kinder so wie Christine und dies selbe Profession. Auf der anderen Seite denke ich aber auch, von so einem Umsatz + Alimente eines zahlungsfähigen Kindsvaters lässt es sich durchaus leben. NUR gibt es eben sehr viele Kindsväter, die kaum etwas oder gar nichts zahlen und diese Frauen sind wesentlich schlechter gestellt.
    Im März 2014 kam eine Studie der Bertelsmann Stiftung über Alleinerziehende heraus ( eine lesenswerte Zusammenfassung findet sich auf http://www.stern.de ) , die ich gerne etwas reißerisch so umschreiben würde: NUN IST ES AMTLICH; STAAT NIMMT ALLEINERZIEHENDEN MÜTTERN DIE BUTTER VOM BROT! Die Studie zeigt eindeutig, dass es sich bei der Armut der Alleinerziehenden nicht allein um ein individuelles, sondern um ein gesellschaftliches Problem handelt. Mädels hört also auf euch für irgendetwas zu entschuldigen ! Eine Juraprofessorin legt in der Studie der Politik ans Herz möglichst zeitnah etwas zu ändern, insbesondere auch an der ungerechten Besteuerung. Ich selbst bin auch selbstständig, komme zum Glück ohne staatliche Zuschüsse aus u. a. aber nur deshalb weil ich eine eigene Wohnung besitze. Ich merke jedoch ganz deutlich, dass ich zu viele Steuern bezahle und kaum das Geld für notwendige Investitionen habe geschweige denn für große Geschenke. Und dann sind zum Jahresende auch noch die Versicherungen fällig… aber um euch alle etwas aufzumuntern: Die attraktivsten und nettesten Frauen sind oft nicht die mit dem dicksten Portmonee. Und Christine, an dir sehen übrigens auch die Teile von H+M sehr hochwertig aus.
    Abgesehen davon habe ich mir selbst eine Liste gemacht: Was ich mit wenig Geld bereits geschafft habe und noch schaffen werde.
    Euch und euren Kindern eine schöne Adventszeit !

    • Stimmt viele Väter zahlen kaum bis gar nichts aber nicht jeder macht das aus böswilligkeit oder geiz, es ist einfach so das die Löhne in Deutschland ein schlechter Witz sind, Mindestlohn ist auch nicht gerade die Welt, besonders wenn man die Abzüge davon betrachtet zudem es auch immer noch viel zu viele Ausnahmen gibt weshalb eine Firma keinen Mindestlohn zahlen braucht. Kenne unzählige Väter die genre mehr zahlen würden bzw. überhaupt etwas aber sie können es nicht weil sie nicht mal für sich selbst genug haben, die meisten sind nach dem Ende der Ehe auch lange bis dauerhaft alleine, die meisten Ehen sind auch am Geld und Zeitproblem das meist vorher schon bestand zerbrochen. Auch würden die Männer gerne mehr mit ihren Kindern machen aber entweder die Frauen lassen sie nicht oder aber sie müssen so viel malochen das kaum mehr Zeit für die Kinder übrig bleibt, viele müssen ja selbst am Wochenende noch arbeiten. Und wenn der Vater arbeitslos ist kann er leider erst recht nichts zahlen, er hat dann vielleicht die Zeit aber eben nicht das Geld.

  36. Ich kenne viele Punkte die im Blog aber auch in den Kommentaren aufgeführt wurden selbst von früher – und jetz bin ich seit knapp vier Monaten selbst alleinerziehend mit Zwillingen… Noch bin ich in einer „Blase“ (mein Elternhaus) aber sobald ich endlich eine bezahlbare Wohnung in der Nähe gefunden hab kommt auch bei mir die Realität an – hier kostet die Kita so viel, dass ich es schlicht für die Zwillinge nicht bezahlen kann… Somit bin ich bald bei Hartz IV angelangt ohne die Möglichkeit zu arbeiten. Wenn ich Blogs wie diesen hier lese hilft mir das, Hoffnung zu schöpfen, dass ich es schaffen kann! Danke.

  37. Ich bin sprachlos wie hemmungslos angreifend sich hier einige auslassen. Was ist das nur für eine kranke Gesellschaft!

    Christine, wenn es etwas gibt, was ich für dich oder deine Kinder tun kann, lass es mich bitte wissen!
    Mir fehlen schlichtweg die Worte! Vieles kommt mir so bekannt vor, auch wenn es nicht ansatzweise mit eurer Situation vergleichbar ist. Ich habe den allergrößten Respekt vor dir!

  38. Liebe Christine,
    ich bin so froh, dass da noch was auf deiner Wunschliste von amazon war. Ihr müsst nun leider weiter pünktlich aufstehen. ‚-) Grrrrr. Ihr werdet mich morgens verfluchen.
    Ganz liebe Grüße an euch aus Nordfriesland

  39. Puh. Darf ich „Kacke“ sagen? Danke für den Beitrag. Uns geht’s zwar nicht *allzu* schlecht aber ich als Freiberufler im Bereich Kunstquatsch trage viel zu wenig dazu bei. Netter Tritt in den Hintern, das hier. Denn hier so:

    +1) Du kaust abends lieber ’n Stück Zwiebel, als mal einen Termin beim Zahnarzt zu machen.

  40. Es war mein achter Geburtstag, als meine Mutter mir ein verpacktes Taschenbuch auf den Gabentisch legte und sagte „Ich hätte Dir gerne mehr geschenkt“. Nur wenige Minuten, nachdem ich es ausgepackt hatte, klingelte das Telefon. Meine Mutter ging ran und fing an zu weinen. Es war jemand, der Geld wollte, denn meine Eltern waren damals verschuldet. Es war der grauenvollste Geburtstag meines Lebens. Nicht weil ich nicht die Barbie bekommen hatte, die ich mir so wünschte, sondern weil meine Mutter weinte.

    Viele Jahre und einen akademischen Titel später lebte ich als Doktorandin von einem Hiwivertrag über knapp 700 Euro und vieles, was Du schreibst, schnürt mir auch Jahre danach noch die Kehle zu, weil es so sehr zu meinem Alltag gehört hat.
    Danke für die Erinnerung, mich immer wieder bewusst über das Leben zu freuen, das ich heute führe.

    Und auch: noch nie habe ich an einem Blogartikel so sehr einen Flattr-Knopf vermisst wie an diesem.

  41. na immerhin habt ihr nen computer und internet über welchen ihr euch mit fremden über euer leid austauschen könnt. schlecht gehts andern. ihr seit einfach nur deutsche und jammert halt, erziehungssache. und das schlimme ist: eure kinder werdens weiter tun…. schande über euch!!! ihr mütter ihr….;)

    • Interessant, dass die empathieunfähigen Trolle hier mehrheitlich Männernamen haben, „Jammern“ anprangern, „Taten“ fordern, das Problem herunterspielen („Dann doch mal campen!“, „Halb so schlimm, hast ja Internet!“) und generell durch einen aggressiven, beleidigenden Ton auffallen. Ich sag ja nur.

      • Tja ein großer Teil meiner Geschlechtsgenossen kann man leider als Holzköpfe bezeichnen, ich denke das Testosteron alleine dürfte aber nicht die Hauptursache dafür sein das viele Männer so sind, wohl eher die mangelhafte Bindung zu den Eltern bzw. fehlende Liebe und schlechte Erziehung in ihrer eigenen Jugend. Viele dieser Neuzeitaffen heulen dann aber um so lauter wenn es ihnen selbst mal dreckig geht, das ist die Ironie an der Sache.

  42. Das kommt mir alles sehr bekannt vor :-)

    Ich gehöre allerdings zu den Müttern, die allen Ernstes erst mal während ihrer Ehe ihre 6 Kinder groß gezogen hat und nur nebenher den einen oder anderen – meist ehrenamtlichen – Job gemacht hat um den Kindern die gewählte Schule zu ermöglichen. Damit war ich natürlich nicht arbeitslosenversichert und habe mangels Anspruch auf Leistungen auch keinen Anspruch auf Umschulung, Weiterbildung oder auch nur Vermittlung seitens des AA.
    Also habe ich mich, nachdem die Agentur für Arbeit mich quasi „rausgeschmissen“ hat, ebenfalls selbstständig gemacht und verdiene damit natürlich auch nicht einmal ansatzweise den Mindestlohn. Genau genommen steht trotz etlicher Stunden gewerblicher Arbeit in meiner EÜR noch ein fettes Minus, denn jeder verdiente Euro muss erst mal in Material, Werkzeug – ach ja und natürlich in mein „luxuriöses Auto“ gesteckt werden ohne das ich meinen neuen Job gar nicht ausüben könnte. Mit etwas Glück kommt die Blechbüchse auch am Jahresende nochmal durch den TÜV ;-)
    Aber immerhin, man hat irgendwo die Hoffnung, dass in 1-2 oder auch 3 Jahren dann doch mal was hängen bleibt und – so blöd es klingt – das Gefühl wieder eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben.
    Natürlich weiß mein Kopf, dass es durchaus eine Leistung ist 6 Kinder alleine groß zu ziehen und das, wie schon öfters hier angeklungen, ohne Babysitter und Co.
    Aber dennoch bleibt das Gefühl nicht wirklich produktiv zu sein und irgendwie vom Geld meiner Kinder zu leben.

    Mein Ex-Mann zahlt immerhin brav den Mindestunterhalt für die Kinder, lässt sich zum Geburtstag mal auf einen Kaffee sehen und jammert ansonsten wie schlecht es seinem Konto geht.
    Nun gut, ich weiss, was er als Beamter verdient (schon toll so Kinderzuschläge, die fast den kompletten Unterhalt auffangen).
    Unser Kontostand dürfte demnach nahezu identisch sein. Allerdings zahlen wir im Gegensatz zu seiner 2-Zimmerwohnung davon das Haus inklusive der nicht zu knappen Nebenkosten ab (das ich netterweise mit allen Schulden behalten durfte, da ich im Gegenzug auf sämtliche Unterhaltsansprüche meinerseits verzichtet habe um nicht mit 6 Kindern auf der Straße zu stehen).
    Ach ja, (mittlerweile nur noch) 5 Personen nebst kleinem Zoo ernähren wir davon auch noch und 2x Krankenversicherung geht auch noch runter, da mein ältester Sohn nach seinem gesundheitsbedingten Studienabbruch immer noch auf Ausbildungssuche aber zu alt für die Familienversicherung ist. Denen ist es nämlich egal, ob man Geld dafür verdient oder nicht.

    Dennoch kommen wir komischerweise damit über die Runden und auch wenn wir dank Wohngeld so gerade das Existenzminimum zum Leben haben tue auch ich mich schwer damit zu behaupten wir wären „arm“.
    Immerhin geht es uns im Vergleich zu anderen Ländern hier immer noch verdammt gut.

    Wie das in 5 Jahren aussieht ist eine ganz andere Frage. Der dann anstehende Hausverkauf wird die noch ausstehenden Hypotheken wohl abdecken, aber durch meinen Unterhaltsverzicht stehen mir dann auch keine Sozialleistungen zu.
    Für den Fall, dass der Ertrag meiner Arbeit dann nicht für Miete und Co reichen sollten sehe ich also einer finanziell eher düsteren Zukunft entgegen. Und wie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Mütter Ü40 und ohne entsprechende Berufserfahrung sind muss ich hier wohl keinem erzählen.

    Dementsprechend sieht auch mittlerweile meine Reaktion auf diesen netten immer wieder gehörten Satz aus: „Bei 6 Kindern kannst du ja vom Kindergeld leben“ – Genau das tun wir auch, zumindest von dem Bruchteil, der davon übrig bleibt ;-)

  43. Hallo,

    also ich hätte da noch einen Punkt aus meiner Lehrzeit hinzuzufügen (habe jetzt leider nicht alle Kommentare lesen können, so dass ich nicht weiß, ob es diesen schon gab!):

    Kaufe ich lieber der Katze eine Dose Billigfutter oder mir Brot und Butter – damals ging die Katze vor :)

    Heute geht es mir gut, aber es gab Zeiten, wo sich mein Leben genauso las wie Deines. Ich habe jetzt hier nur einen Kommentar gelesen und zwar diesen von Alleinerziehende (oder so ähnlich), die hier den Blog angegriffen hat. Sicherlich habe ich mich auch schon gefragt, warum der Blog „Mama arbeitet“ heißt (hatte mir auch erst etwas anderes drunter vorgestellt), aber die Erklärung dazu hast Du ja nun schon abgegeben.

    Da möchte ich noch auf eines noch hinweisen: Mamas ARBEITEN rund um die Uhr, täglich 24h sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Das sollte sich mal jeder bewußt vorhalten!!! Ein Mama-Job ist kein Urlaubsjob. Ich erlebe das tagtäglich. Mama ist

    Köchin
    Bäckerin
    Taxi
    Trösterin
    Wäscherin
    Putzfrau
    Organisationstalent
    Verpackungskünstlerin
    Animateurin
    Krankenschwester
    Bibliothekarin

    (nebenbei tlw. auch noch Ehefrau ;) )

    Diese Liste könnte ich noch stundenlang fortsetzen :) Du machst Deinen Weg, da bin ich mir sicher, auch wenn er zur Zeit steinig ist!

    LG Ivi

  44. Ich dachte, mein Kommentar wäre weg. :) Danke für’s Freischalten.

    Was ich ganz vergessen habe, liebe Christine: wir haben einige Puzzles, Gesellschaftsspiele und Comics (Disney’s Taschenbuch) abzugeben, für die Pippilotta und wahrscheinlich auch Titus alt genug sein dürften. Falls Ihr Lust auf etwas Nicht-Praktisches habt, schreibe mir doch, dann schicke ich die Sachen.

  45. Liebe Christine,

    ich war 10 Jahre Alleinerziehende mit zwei Kindern und kann alle Punkte deiner Liste sowas von unterschreiben! Trotz Job in Vollzeit wurde alles von Miete, Kitabeitrag, etc. verschlungen und es blieb uns ein Minimum zum Leben. Irgendwann ging dieses Jahrzehnt vorbei und mich kann auch nichts mehr erschüttern! Du wuppst diese Situation so toll und es wird wieder eine bessere Zeit geben!

    Viele Grüsse
    Simone

  46. Naja … wir (eine 4 köpfige Familie) werden auch bald wieder Arbeitslos sein. Weil aber ALG I ohnehin nicht den Mindesbedarf einer 4kF deckt, beantragen wir natürlich ALGII dazu. Erschreckenderweise ist der Unterschied gerade mal die zwei mal Kindergeld. Alles andere bleibt so, als würde ich weiterhin Arbeiten gehen. Dadurch, dass ich aber das Auto nun nicht mehr jeden Tag brauche und noch wir ab sofort die KiTa kosten übernommen bekommen, keine GEZ mehr bezahlen müssen uvm. Geht die Rechnung sogar in die positive Richtung.

    ergo: alles was unter 2500€ brutto ist, lohnt sich definitiv nicht für eine 4 kF zu arbeiten. Wenn mir also jemand einen Job anbieten kann, bei dem ich mindestens 3000€ brutto verdiene, geregelte Arbeitszeiten habe, 5 Tage Woche und spätestens um 18 Uhr Feierabend, dann nehme ich diesen gerne an. Sonst bleibe ich gerne den ganzen Tag für meine Kinder da, die sich RIESIG über Papa freuen.

    zu Punkt1:
    UNsere Kiddies lieben selbst gemachte Sachen. Alles eine Frage der Erziehung.

    zu Punkt 2:
    Nebenkostenabrechnungen können beim Vermieter monatlich abgezahlt werden und werden beim Amt eingereicht.

    zu Punkt 3:
    wer glaubt sich nur glücklich fühlen zu können, wenn er sein Geld sinnfrei für überteuertes Essen und Trinken ausgeben kann, sollte wirklich hilfe suchen.

    zu Punkt4:
    = Punkt2
    zu Punkt 5:
    wenn man seine monatliche Abschläge ohnehin gut plant hat man auch keine Nachzahlung.

    zu Punkt 6: Kleidung wird (gute Qualität) bei Onlinehändlern im Sale gekauft … spart gut und gerne 60-70%

    zu Punkt 7:
    beim Discounter wird grundsätzlich fast nichts gekauft. Wir kaufen nur BIO und Regional. (Ja, es geht!)

    zu Punkt8:
    wieso soll man das dreifache ausgeben nur das AXE drauf steht? Aso, sorry .. ich vergas die Leute, die ihr
    Selbstwertgefühl nur über Marken ausdrücken
    Fleisch essen wir ohnehin aus etischen Gründen nicht.
    zu Punkt 9:
    finanzielle Absicherung? , Wozu? Damit der Staat mir weniger zahlen muss, als dass, was mir eh zusteht? NIEMALS!

    zu Punkt 10:
    Wozu Essen gehen, wenn es zu Hause besser schmeckt (Bio + Regional) , Haare werden natürlich zu Hause geschnitten (warum für eine Dienstleitung bezahlen, die man selbst machen kann und dazu JEDERZEIT, rund um die Uhr) – Urlaub gibts Rund durch Europa, bei Freunden.

    zu Punkt 11:
    Wer auf seinen Körper achtet hat auch keine Zahnprobleme, wenn doch was kommt, ist es nur ein weiterer Hinweis, was gerade los ist -> Rüdiger Dahlke beachten.

    zu Punkt 12:

    Ich freue mich, dass wir zwei Autos haben die noch 10 Jahre halten werden (Toyota ftw)

    Viele Grüße

    • Tja, das ist eben der Unterschied zwischen uns – ich WILL arbeiten, auch wenn es sich finanziell nicht auf den ersten Blick lohnt. Und meinen Kindern bringe ich bei, dass der Staat einen zwar nicht fallenlässt, aber es besser ist, wenn man selbst über die Runden kommt. Deine Einstellung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

    • Ohwehhhh, ich warte darauf, dass Ihr 4 köpfige Familie mit 2 Autos und BIO-Essen doch irgendwo dann mal ein Wörtchen fallen lasst, dass es Euch doch nicht so gut geht mit ALG und Hartz IV….das ist doch völliger Schwachsinn, den Du da von Dir gegeben hast.

      Eine Frage der Erziehung….wenn ich das schon immer höre….Ich weiß nicht, wie alt die Kinder sind…sicherlich werden sich 3jährige noch mit selbstgemachten Sachen zufrieden geben, aber 10 oder 14jährige bestimmt nicht!

      Ist interessant, dass ALLE Vermieter so human sind und monatliche Raten tolerieren, DU weißt scheinbar Bescheid über die ganze Welt.

      Ich könnte noch soviel mehr zu DEINEN Punkten schreiben, Marc, aber Du bist es einfach nicht wert. Du hast den Sinn des Artikels nicht verstanden. Vielleicht hast Du ihn auch nicht richtig gelesen. Über Menschen wie Dich könnte ich vor Scham im Erdboden versinken.

    • Wo soll der besser bezahlte Job denn herkommen, wenn man unter 3.000 im Monat gar nicht anfängt? Sorry, aber ich habe auch Zeiten gesehen in denen wir per Hartz 4 besser dagestanden hätten als mit dem was ich damals als Student nebenher nach Hause brachte. Hätte ich da gesagt „Pfft, dann lass ich´s halt“ würden wir sicher heute der Sozialkasse auf der Tasche liegen. Aber: Kategorischer Imperativ und so.

      Vielleicht bist Du ja auch ein Troll?

    • @Marc
      Oh ja, das ist genau die Denke, die dafür sorgt, dass du auch fürderhin arbeitslos bleiben und von AlgII abhängig wirst.
      Es ist schön, wenn man(n) zu Hause bleiben und Zeit mit den Kindern verbringen kann. Aber Lücken im Lebenslauf selbst aus Bequemlichkeit produzieren und dann später monieren, dass dich keiner mehr haben will, weil dir die Erfahrung und der Anschluss fehlt, tja, das ist selbst produzierte Armutswahrscheinlichkeit, die die Schuld dann auch noch anderen zuschiebt. Und dann ist auch noch das Sozialsystems schuld, das Armut produziert?
      Ganz ehrlich, DEN STAAT, den gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die einen Teil des verdienten Geldes abgeben, damit Andere, die nichts oder wenig verdienen, ebenfalls etwas zum Leben haben. Jeder, der sich auf den faulen A**** setzt obwohl er es nicht müsste, nutzt auch die aus, die Arbeiten und zum Leben zu wenig verdienen. Denn auch die zaheln ihren Anteil in das Sozialsystems ein.

      Das ist Misbrauch des Sozialsystems und wird denen nicht gerecht, die sich den A**** aufreißen und um jede Chance kämpfen.

      Igitt!

    • Das nenne ich „die Hartz IV Falle“- und vielleicht ist es sogar noch schwerer, aus ihr herauszukommen als aus der „Mütterfalle“?

    • Klar ist das auch eine Erziehungssache aber Kinder sagen auch oft das was die Eltern hören möchten, besonders dann wenn sie ihre Eltern nicht verletzen wollen, Kinder sind nicht blind, taub und dumm, die merken schon was los ist bzw. spüren sie es auch wenn es den Eltern nicht gut geht bzw. die finanzielle Situation schlecht ist. Klar war ich als Kind auch froh über gebrauchte Sachen oder über selbstgemachte Sachen aber eben auch nicht immer und in jeder Situation, vor allen wenn man Vergleiche zog mit dem was die Klassenkameraden, Verwandte und Freunde bekamen oder wenn es nicht das war was man sich wünschte und Wünsche hat man meist bewußt schon extra klein gehalten bzw. gar nicht erst geäußert.

  47. Liebe Christine,

    ich kenne dich nicht, lese dich seit Kurzem auf Ello.
    Dein Post berührt mich sehr, da ich wegen chron. Erkrankungen und nicht abgeschlossener Berufsausbildung deine Situation selbst täglich lebe, auch wenn ich keine Kinder habe. Deine Liste könnte ich endlos ergänzen, besonders im Sozialverhalten macht Armut etwas mit einem, das jemand, der nicht jeden Cent umdrehen muss, einfach nicht kennt. Es reicht nicht, egal, wie sparsam man lebt. Und wir leben nun mal in Deutschland und nicht woanders, wo weniger für mehr reicht. Ich kenne es „zum Glück“ schon aus der Kindheit, arm zu sein im Verhältnis zu den Familien meiner Mitschüler, daher brauche ich keinen hohen Lebensstandard, und weiß, was wirklich zählt im Leben. Alle schimpfen auf ALG II, und die Einschränkungen in die persönliche Freiheit dabei sind wirklich enorm, aber ich möchte nicht wissen, wie es erst ohne für mich wäre. Ich bin sehr dankbar für jede Unterstützung, die ich erfahren darf.
    Und ich gebe ebenso gern ab wie du. In meinem Keller ist noch ein Paket mit gut erhaltenem, nicht so alten Kinderspielzeug, bunte Mischung. Wenn du denkst, dass deine Kinder da Freude daran haben könnten, dann maile mir doch, ich möchte es dir dann gern schicken. Und was du nicht brauchen kannst, kannst du einfach weitergeben.

    Ich ziehe meinen Hut vor dir.
    Lilith

  48. Ich (42, verheiratet, einen Teenagersohn) bin bei einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, mein Vater ist relativ jung gestorben. Geld war knapp, weil er eben recht früh verstorben ist und vorher auch „nur“ als Handwerker gearbeitet hat. Daraus ergibt sich dann eine recht übersichtliche Hinterbliebenenrente. Die Problemlösungsstrategie unserer kleinen Restfamilie war, wirklich JEDEN Job anzunehmen. Meine Mutter ging neben ihrem Halbtagesjob noch putzen und hat am Abend in Heimarbeit irgendwelche Gläser lackiert. Ich habe direkt nach Erreichen der notwendigen Altersgrenze in Supermärkten Waren eingeräumt, habe auf Kinder in der Nachbarschaft aufgepasst, Inventuren gemacht und, und und. Nebenher habe ich Fachabitur gemacht und dann ein Studium begonnen. Das war alles irgendwie möglich, ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir uns damals groß Gedanken über die Ungerechtigkeit unserer Situation gemacht hätten oder dass mir als Heranwachsende unser Leben als besonders schlimm vorgekommen wäre. Ich musste mir Sonderwünsche wie schicke Klamotten oder Kino oder Skiausflüge halt einfach sehr früh selbst erwirtschaften und andere nicht. Meine Mutter ging nebenher putzen, andere Mütter nicht. Ende.
    Erst zurückblickend sehe ich, wie hart das eigentlich war, gerade, wenn ich meine Jugend mit der meines eigenen unbeschwerten Sohnes vergleiche. Aber es war okay, ich habe gelernt, wie viel man erreichen kann, wenn man die Ärmel hochkrempelt und sich für nichts zu schade ist.
    Meine Mutter ist jetzt 81 und sagt noch heute, dass Putzen gehen die allerletzte Arbeit ist. Trotzdem hat sie es in der harten Zeit gemacht. Ich sehe, wie gut geraten und sorgenfrei mein eigener Sohn ist und mir ist klar, dass dies auch mit seinem sehr sicheren Umfeld geschuldet ist und dass ich selber es bei weitem nicht so gut hatte. Aber die zahlreichen Jobs meiner Jugend waren in unserer damaligen Lebenssituation angemessen. Und weil hier im Forum schon das Thema Kürzungen durch das Amt angesprochen wurde, auch das gab es damals, zur Waisenrente durfte nur in bestimmtem Umfang hinzuverdient werden. Aber das Geld innerhalb dieser Grenzen ist besser als Nichts.
    Was ich zusammenfassend sagen will: Es gibt Lebenssituationen für Frauen mit Kindern, die nicht schön sind. Ob diese Situationen durch Trennung oder Tod herbeigeführt wurden, macht im Resultat wahrscheinlich keinen großen Unterschied. Mir ist es passiert und ich habe eines daraus für mein Erwachsenenleben gelernt: Klagen hilft NIE weiter und es gibt IMMER einen Weg, auch wenn dieser nicht schön und nicht komfortabel oder auf den ersten Blick sogar unter der Würde ist. Und die schlechten Jahre hören auch irgendwann einmal wieder auf, sie laufen sich aus, wie eine große Welle.

  49. Auch wenn dir das nicht viel nützt: ganz viel Liebe an dich.
    Aus ganz vielen Punkten kann ich meine Familie erkennen, denn ich wurde unter ähnlichen Bedingungen großgezogen. Auf der einen Seite habe ich mir gewünscht, dass immer ein bisschen mehr dagewesen wäre, auf der anderen Seite, die auch überwiegt, hat es mich stolz gemacht, nicht aus so einem Bonzenhaushalt zu kommen, indem einen alles in den Arsch gesteckt wird. Ich bin jetzt 18 und studiere, habe soviel Geld, wie nie zuvor. Ich wünschte, dass ich meinen Großeltern Etwas abegeben könnte, aber das geht nicht.
    Verbring‘ Zeit mit deinen Kindern, einfache Spieleabende sind schöner als die teuersten Geschenke.

  50. Nun wurden mir auch die Twitter Einträge angezeigt, die brauchten wohl ein paar Minuten zum laden.
    Ich kann es gut verstehen, dass du keine Spenden möchtest. Aber offensichtlich gibt es nicht wenige, die deinen Blog schätzen und deine Arbeit gerne entlohnen würden. Was spricht gegen ein Flattr Button?

    • Liebe Yvi,

      eigentlich spricht nichts dagegen, ich würde nur in dem Moment Einkommen mit dem Blog generieren, und ich hatte mich mal dagegen entschieden und das fühlt sich auch richtig an.

      Viele liebe Grüße, Christine

  51. Liebe Christine,

    danke für die Antwort. Verstehe ich. Es ist dann plötzlich kein privates Tagebuch mehr sondern ein kommerzieller Blog. Eine Wunschliste wäre doch trotzdem schön. Wie drüben bei den Buddenbohms. Ich würde zumindest gern mal was schicken. Einfach so, weil ich gerne anderen Leuten eine Freude mache.

    Was ich an den kritischen Kommentaren ja immer nicht leiden kann, ist dieses kategorische Jammerverbot. Abgesehen davon, dass in dem Beitrag nicht gejammert wurde sondern eine Situation beschrieben wurde… Und nebenher Christine ja auch nicht untätig da sitzt, sondern gerade aktiv etwas aufbaut… Ganz unabhängig davon… Es nervt mich.

    Schlimmer geht immer. Uns deutschen geht es gut. Im Flüchtlingsheim sitzen Leute mit viel weniger Geld und Möglichkeiten. Aber denen geht es ja auch zu gut. Immerhin sind sie im reichen Deutschland. Denen die in afrikanische Nachbarländer geflüchtet sind, gehts schlechter. Nicht schlecht genug für Mitgefühl. Immerhin ertrinken ja auch viele bei der Flucht. Aber auch für die gibt es kein Mitgefühl, denn immerhin waren die so reich, dass sie sich den Schleuser leisten konnten. Bestimmt hatten sie vorher ein gutes Leben. Schlechter geht es denen, die nicht fliehen können. Aber die sind bestimmt selbst Salafisten oder zumindest kriminell. Darf man sich erst beschweren, wenn man gerade im Krieg verhungert ist und zufällig ein Kind war?

    Warum ist es so schwer zu sagen *es tut mir leid, dass du in dieser Situation bist, ich wünsche dir, dass es besser wird*?

    Ich gehöre übrigens zu diesen reichen Menschen, die hier angesprochen wurden. Und nein, ich bin nicht selbstgerecht, nicht geizig… Ich gebe gerne. Spende oft und engagiere mich ehrenamtlich.
    Zu dem Thema *Kaffee ausgeben* möchte ich auch noch etwas sagen. Ich gebe meinen Freunden ständig was aus. Einfach, weil ich es schön finde, wenn sie sich darüber freuen. Aber manches Mal denkt man gar nicht daran, dass es für den anderen ein Problem sein könnte.
    Ich bin nebenberufliche Fotografin und mache viel Familienfotografie. Einer Bekannten hab ich ein kostenloses Shooting versprochen, weil sie wenig Geld hat. Ich habe ihr vorgeschlagen, dass wir in den Wildpark gehen und dort Fotos machen. Sie schrieb *passt zur Zeit nicht, lass es im nächsten Jahr machen*. Bei mir entstand der Eindruck, dass ihr die Fotos nicht wichtig sind. Wenn sie nichtmal Lust hat einen Nachmittag zu opfern, dann hab ich auch keine Lust. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass ihr *passt gerade nicht* eigentlich hieß *ich würde sehr gerne aber ich kann mir weder die Fahrt dahin noch den Eintritt leisten*. Hätte sie das gesagt, so hätte ich sie natürlich abgeholt und den Eintritt bezahlt.
    Wenn man ständig Verabredungen absagt, entsteht vielleicht bei vielen der Eindruck, man wäre gar nicht an einem Treffen interessiert. Für Leute mit gutem Gehalt ist es gar nicht präsent, dass ein Kaffee ein Problem sein könnte. Ich glaube viele wären sofort bereit eine andere Lösung zu finden. Gebt euren Freunden die Chance euch zu unterstützen. ;)

  52. Liebe Christine,
    ich kreise nun gedanklich schon ein paar Tage über deinen Text und die Kommentare. Nichts davon hat für mich mit Gejammer zu tun, es ist eine Beschreibung von Tatsachen, von Gefühlen und Ängsten, die unseren Alltag bestimmen, uns Kraft rauben, von Einsamkeit und dem Tabuthema Armut.
    Aber: es hat einen Grund, warum wir dort stehen, wo wir sind! Und ich für mich kann sagen, dass ich trotz allem meine Entscheidungen wieder genauso treffen würde.
    Trotzdem ist es aber manchmal einfach tröstlich gesagt zu bekommen, dass man nicht die einzige ist, die mit solchen Problemen kämpft. Danke für diesen Beitrag und dafür, dass du uns Alleinerziehenden eine Stimme gibst!

  53. Ich möchte Yvis Kommentar unterstreichen. Ich gehöre auch zu den Besserverdienern, die glücklicherweise nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Aber genau deshalb, denke ich bei Kleinigkeiten wie einem Cafe-Besuch häufig gar nicht daran, dass dies für manche Freunde von mir finanzielle Klimmzüge erfordert.
    Ich hätte null Problem, statt ins Cafe zu gehe, jemanden zu mir einzuladen oder einfach die Rechnung zu übernehmen. Mir geht es ja um das Treffen mit der Person, der Cafe ist nur das angenehme Drumherum ;-)

  54. Gut, Bestandaufnahme gemacht. Erschreckend, erinnert an die Alleinerziehenden Frauen in Deutschland nach dem 2.Weltkrieg. Kann man nicht einen Verein gründen, oder eine Website kreieren, auf der Alleinerziehenden durch andere FRauen oder solidarischen Mitgliedern der Gesellschaft geholfen werden kann? Wie zum Beispiel durch Sponsering eines Weihnachstbaums, oder ähnlichem. ( Ich hätte noch einen nagelneuen Babyborn Puppenwagen!) Janet

    • Es geht aber nicht nur den Alleinerziehenden Frauen und Männern immer schlechter sondern auch immer mehr Familien wo oft beide Elternteile arbeiten und die sich gerade noch so über Wasser halten trotz Verzichts wo es nur eben geht, ja selbst den Singles die zwar gerne eine Familie gründen würden es aber nicht können weil sie sich selbst kaum noch über Wasser halten können.

  55. ein berührender text, weil er durch seine klarheit direkt in die situation versetzt. die ängste, die enge, die bedrohung wird spürbar und wir müssen nachdenken, wie vielen alleinerzieher_innen es so geht, wieviele kinder mit grösstem aufwand vor diesen ängsten und sorgen verschont werden sollen und wie wenig es uns alle (=gesellschaft) kümmert, wie es den einzelnen wirklich geht. und das schlimme: der neoliberalismus hat löcher in das selbstverständnis gefressen, löcher, die behaupten, die betroffenen wären selbst schuld. und viele glauben das auch noch. trotz riesigem leidensdruck.

  56. Du hast einen „Dr.“ im Namen und musst so denken.
    Und so viele andere Doktorinnen lesen Deinen Text und sind erleichtert, dass sie mit ihrem 6-Euro-Kaffee-schlechtem-Gewissen nicht alleine sind. Keine Zwangsstörung, Gott sei Dank, nur Alltag …
    Ganz liebe Grüße
    Dunja

  57. Huhu,
    zumindest eine Sorge mag ich dir nehmen: Die Billig-discountershampoos (auch Balea bei dm), sind viiiel viiiiiel besser als die teuren. Ich könnte mir auch teurere Marken-Shampoos leisten, aber ich bin bei den billigen geblieben, weil die Inhaltsstoffe besser sind, die die Haare besser pflegen und die Umwelt weniger belasten.
    Ansonsten ein sehr sehr schöner Text. Ich wünsche dir trotz allem eine schöne Weihnachtszeit. Fühl dich gedrückt.
    Anna

  58. ergänzt: Du die Krise bekommst, wenn dein Grundschulkind einen Schuh in der OGS verloren hat, weil du dir keine Ersatzschuhe leisten kannst. Oder die Handschuhe oder Das gerade neu gekaufte T-Shirt.
    Wenn du feststellst, dass das Konderspielzeug im Chaos kaputt gegangen ist. Playmobil für 40€ weil es mal etwas besonderes sein sollte. Wieviel Essen man dafür hätte bekommen können…
    Wenn man überlegt, in eine kleinere Wohnung zu ziehen, weil das 100€ im Monat sparen würde.

    Pustekuchen ist Mama von zwei Kindern mit Ehemann, der für einen Single genug verdienen würde. Aber nicht für eine Familie. Selbst keinen Job bekommt mit 30 und einem Kindergartenkind.

  59. Liebe Christine,

    ich meine auch wie eine meiner Vorschreiberinnen: Fasse alles in ein Buch!
    Deine Situation und die damit verbundenen Ängste kenne ich noch zu gut, gerade in der Wendezeit, als bei uns im Osten alle Betriebe eingestampft wurden und keiner hier mehr Arbeit hatte. Wir haben zig Jahre gebraucht, trotz Diplom und Doktortitel, um auf die Füße zu kommen.
    Ich kenne die schlaflosen Nächte so gut, die Panik, wenn die Kinder eine Klassenfahrt ankündigen, der Horror vor Weihnachten (da hatten damals die Großeltern die Geschenke für die 4 Kinder übernommen und wir steuerten nur 10 EUR pro Geschenk und Kind zu), die Angst davor, dass Auto und Waschmaschine kaputt gehen – ich bin froh, dass diese Ängste endlich von Dir thematisiert werden – denn bis vor kurzem dachte ich, alle anderen wuppten diese Situationen viel besser und ich wär unfähig, mit wenig Geld auszukommen, zu überängstlich, zu geizig, nur ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn man mal einen Milchkaffee trinkt.
    Es wäre eine gute Sache, ein Buch darüber zu schreiben, und Du besitzt die Gabe, das Ganze in passende Worte zu kleiden. Unverschnörkelt und intelligent.
    Ich kann Dir nur dazu raten.
    Liebe Grüße!

  60. Nun, ich bin keine alleinerziehende Mutter sondern ein alleinstehender Kerl. Und zu dem Thema habe ich trotzdem ein paar Einsichten:

    Wer heiratet einen gewalttätigen Stecher oder einen unzuverlässigen Typen in freiberufichen Arbeitsverhältnissen? Da muss man sich doch ein paar Gedanken vorher gemacht haben

    Wer macht denn noch ein drittes Kind, wenn man über vierzig ist und die Ehe kriselt oder man in o.g. Verhältnissen lebt? Es gibt so viele alleinstehende Männer mit guten und sicheren Berufen, aber nein, die Frauen wollen ja den coolen/charmanten/attraktiven Typen, der auch noch viel Zeit für sie hat (wie das wohl zustande kommt) und optimal gepflegt ist (wer hat schon die Zeit dafür?), usw.. DAS ist das typische Drama mit den deutschen Frauen. Ist fast immer abzusehen und es wird fast immer am Ende eine Rechnung präsentiert, und dann wird eben geheult wie hier im Blog. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber mein Mitleid hält sich wirklich in Grenzen.

    6€ für den Kaffee ausgeben? In den Urlaub fahren wollen? Ist schon lustig, wenn das als ein Kriterium für Armut bewertet wird, typisches Erste-Welt-Problem. Glaube mir, es gibt viele Kinder mit geizigen Eltern, da gibt es nur Urlaub in Balkonien und nennenswertes Taschengeld gibt es da auch nicht. Die Kinder müssen sich schon selbst was verdienen, falls sie sich ein Hobby o.ä. leisten wollen.

    • Hallo Locutus,

      bei mir ist gerade der Eindruck entstanden, dass du ein verbitterter, hässlicher Mann bist, der bei den Frauen nicht gut ankommt. Aber da liege ich sicher falsch.

      Ich habe diesen Text nicht geschrieben, um Mitleid oder Spenden zu bekommen. Ich habe ein Lebensgefühl verschriftet. Stellvertretend für viele. Willst du all diesen Menschen sagen, sie seien Versager und machten alles falsch?

    • Na hoffentlich hinterlässt Du nicht mal eine Mutter mit ihren Kindern und bist hinterher der gewalttätige Stecher gewesen, Herr Locutus. Aber wer so pauschal über die deutschen Frauen herzieht, kommt vermutlich selten aus seiner komfortablen Singlesituation raus. Zum Glück, nicht wahr?

    • Lotucus, ich finde Deinen Kommentar daneben. Du bist alleinstehend und klingst verbittert, weil Frauen sich womöglich gegen Dich und für die Raubtiere entschieden haben. Den Blogbeitrag kannst Du gar nicht verstehen.
      Christine hat hier eine Lebenssituation beschrieben, die leider zu vielen bekannt ist – alleine mit Kindern (egal ob Mann oder Frau) und wenig finanziellem Spielraum zu sein. Sie bittet nicht um Spenden sondern erklärt einfach, wie es aussehen kann.
      Entspanne Dich, Locutus, sieh Dich um, vielleicht gibts in Deiner Umgebung eine/n Alleinerziehende/n, bei der oder dem Du ein bisschen Unterstützung leisten kannst. Das gibt ein gutes Gefühl und wer weiss, vielleicht springt dann am Ende noch eine Familie für dich heraus. Viel Glück.

  61. Liebe Christine!
    Ich kann Dir nur meine Bewunderung aussprechen.
    Ich bin beruflich in einer ähnlichen Situation, habe auch drei kleine Kinder. Und fühle mich oft sehr unter Druck.
    Und das, obwohl ich einen Partner und Vater der Kinder an meiner Seite habe.
    Hut ab, daß Du nicht aufgibst. Daß Du weiter kämpfst.
    Jedem Troll, der meint sich äußern zu müssen möchte ich sagen: Keiner kann die Situation eines anderen beurteilen, wenn er sie nicht selbst erlebt hat. Und es steht auch niemandem zu zu VERurteilen!!
    Liebe Christine, Dein Onlineclan steht hinter Dir. Und es sind unglaublich viele Menschen zu ganz Vielem bereit. Wenn Du es möchtest.

  62. Hallo Christine,

    auch ich bin über Facebook (Mompreneurs) auf deinen Artikel gekommen.
    In vielen Punkten finde ich mich selbst wieder. Und das, obwohl ich noch nicht einmal alleinerziehend bin.
    Ich bewundere dich sehr für deine Stärke und wünsche dir für die Zukunft viel Erfolg und Durchhaltevermögen.

    Liebe Grüße
    Bella

  63. Hallo Christine,

    für mich war deine Liste interessant, weil für mich daran deutlich wird, wie oft diese Situationen kontextabhängig sind. Ganz viel was du aufzählst, wäre an sich nicht problematisch. Kinder brauchen keine teuren gekauften Adventskalender, zu Nikolaus reichen eigentlich ein paar Süßigkeiten, Nüsse und Mandarinen, Geschenke für Kinder müssen nicht zwingend teuer sein, ich heize nur meinen Wohnraum (bzw. die Küche auf maximal 17-18°C, in einer heiztechnisch sehr schlecht gelegenen Wohnung), trotz gestiegener Strompreise war meine letzte Stromrechnung niedriger als die vorletzte, ich kenne Leute, die aus Prinzip möglichst auswärts keine Getränke kaufen (schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis), für lange Duschsessions bekamen wir früher auch geschimpft, Stromanbieter bieten die Möglichkeit, regelmäßig den Verbrauch zu kontrollieren und den Abschlag anzupassen, wir bekamen früher auch vie Kleidung, die vorher schon drei bis fünf andere Kinder getragen hatten (ist ja auch gesünder – geringere Schadstoffbelastung), bei H&M kaufe ich auch am liebsten reduziert, so gut ist die Qualität nicht, dass sich da der volle Preis immer lohnt… Haare hat uns früher unsere Mutter geschnitten, beim Friseur waren wir nur zu besonderen Anlässen, und wenn ich jemanden hätte, dem ich mit einer Schere in der Hand vertrauen würde, würde ich mir das vermutlich heute auch sparen. 120 Euro für Prophylaxe hört sich außergewöhnlich teuer an; ich habe bisher erst einmal was bezahlt (für eine professionelle Zahnreinigung), die normalen Untersuchungen mit Kurzreinigung werden von der GKV übernommen. Auto habe ich keines und möchte das auch noch möglichst lange so halten.

    So, und das alles steht aber in dem Kontext, dass ich aus einer Familie komme, in der ein Gehalt für fünf Leute ausreichte, und jetzt selbst ganz ordentlich verdiene. Da fällt das einfach unter die normale Prioritätensetzung, und es geht weniger darum, ob man die Autorechnung oder den nächsten Lebensmitteleinkauf bezahlt, sondern eher darum, wie viel Geld man im Urlaub noch für Restaurantbesuche ausgeben kann, wenn die Kinder nicht nur lange duschen, sondern auch noch Musikunterricht bekommen sollen.

    Ich habe inzwischen den Eindruck, dass dieser Kontext ganz viel ausmacht. Dass es nicht darum geht, OB das Geld reicht, sondern für welche Annehmlichkeiten es reicht und welche einem weniger wichtig sind, weshalb man problemlos darauf verzichten kann, denn man weiß ja, wofür, und die Statussymbole und Prestigeobjekte sind eh noch mal andere.

    • Da hast du viele Punkte angesprochen, bei denen ich nicken kann, liebe Anna. Unsere Haare hat auch meine Mutter geschnitten, das war früher ganz normal in den 70ern, und tatsächlich habe ich das bei der Jüngsten bis vor 1 Jahr auch selbst gemacht, was heutzutage die absolute Ausnahme ist.

      Was mir auch noch durch deinen Kommentar einfiel: mein Lebensort Konstanz ist auch besonders teuer. Wir haben hier Lebenshaltungskosten fast wie auf Sylt oder in München. Da fällt eine Ausgabe gleich doppelt ins Gewicht, was sich auch in den Preisen für Zahnprophylaxe niederschlägt, und beim Kaffee auswärts sowieso. Neulich war ich mal in Braunschweig und habe mich gefreut, wie unglaublich billig da alles ist. Fast wie ein Schweizer (die kommen zu uns nach Konstanz zum Geld sparen).

  64. Was für eine Riesenkommentarschlange! Das spricht für sich. Ich kann jeden Punkt in deinem Post unterschreiben, könnte sicherlich hier und da noch ergänzen, da ich von meinem Gehalt damals 3 Kinder ernähren und die Schulden des Ex abzahlen musste, das war hart. Fast noch schlimmer allerdings war für mich der gesellschaftliche Absturz, den ich erlebt habe. Von einer ganz normalen Frau und Mutter, relativ gut gestellt, wurde ich quasi über Nacht in den Augen von Behörden und Ämtern, von verschiedenen Menschen zur „Asozialen“, zur Bittstellerin. Trotz Job, trotz Fleiß, trotz entsprechender Ausbildung.

    Anfangs musste ich aufstocken, und da wurde mir zum ersten Mal bewusst, was aus Menschen wird, die die Klinke des Zimmers X beim Jobcenter runterdrücken müssen. Vielleicht lag es am Mitarbeiter, aber es gab bis dato keine Situation in meinem Leben, in welcher ich mich so gedemütigt gefühlt hätte. Und die Jahre darauf, als mein Gehalt zwar ausreichte, aber eben nur dass, es durften keine außerordentlichen Kosten entstehen, und der Gerichtsvollzieher immer wieder an der Tür klingelte, weil bei mir noch was „zu holen“ war, der Ex war insolvent…. ganz zu schweigen davon, dass man als geschiedene Frau mit 3 Kindern extrem schwer eine Wohnung findet, und wenn, dann nicht unbedingt im besten Viertel der Stadt…

    Das ist nun schon einige Zeit her, die Kinder sind groß, aber der Gedanke an diese Zeit wühlt mich immer noch auf. In diesem Bereich muss so sehr etwas getan werden, muss sich etwas verändern!
    Seitens der Politik natürlich, aber auch untereinander müsste es für Alleinerziehende viel mehr Möglichkeiten geben, einander zu helfen. Zu Netzwerken, wie man so schön sagt.
    Naja, meine 5 Cents….
    Alles Gute und lieben Gruß,
    Gabi

  65. Kürzlich erlebt:
    Ich hatte einen Schlafsack aus dem mein Baby rausgewachsen war, günstig in Ebay Kleinanzeigen eingestellt. Eine Interessentin meldete sich per E-Mail und fragte, ob ich ihr beim Abholen eine S-Bahnstation entgegen kommen könnte. Ich war erst irritiert, zudem war mir klar, dass sich das finanziell für mich nicht rechnet (der Schlafsack war wirklich billig angeboten und der Aufwand mein Baby einzupacken und da rumzufahren stand für mich in keiner Relation). Ich war also kurz davor, abzusagen. Mein Bauchgefühl hat mich dann davon abgehalten, so dass ich nur freundlich nachfragte, weshalb genau die S-Bahnstation.

    Die Dame druckste herum, erklärte dann aber doch den Grund: Bis zu der Station reicht das Monatsticket das sie als arme Familie haben. Die eine weitere Station bis zu uns wäre hingegen ein neuer Zahlungskreis, so dass sie sich das Ticket nicht leisten könnten.

    In dem Moment fühlte ich mich, als hätte man mir einen kalten Wassereimer übergeschüttet. Ich wohne hier schon so lange, aber es wäre mir nicht bewusst gewesen, dass unsere Station ein neuer Kreis ist. Auf solche Beträge hatte ich nie geachtet, beim Ticketkauf. Genauso wenig, wie ich quer durch die Großstadt gefahren wäre, um einen günstigen Schlafsack zu holen. Sie aber war total froh, dass ich ihn so günstig anbot und ich konnte aus den E-Mails zwischen den Zeilen herauslesen, dass sie Angst hatte, ich würde absagen.

    An diesem Tag habe ich beschlossen, dass ich doch Zeit aufbringen kann, dieser Dame entgegen zu kommen. Dass ich diese Zeit aufbringen möchte. Wir haben dann stattdessen eine große Kiste voller Babysachen dieser Größe gepackt und ich bin mit dem Auto zu ihr gefahren. Die ehrliche Freude dieser (hochschwangeren) Frau, ihre total liebe Art, … alles hat mir gezeigt, dass das eine gute Idee gewesen war.

    Sie wird alleinerziehend sein. Mit Zwillingen. Ich wünsche ihr sehr viel Stärke und hoffe, dass ich noch öfter helfen kann.

    • Liebe Nina,

      da habe ich nun gerade Gänsehaut bekommen. Es ist wirklich so, dass man oft gar nicht darüber nachdenkt, wie sehr andere Leute aufs Geld gucken müssen. Oder dass sie eben einfach keins mehr haben.

      Das hast du gut gemacht. Es lebe dein Bauchgefühl! <3

    • Hallo Nina,
      wie schön onesparkfoundation bei fb – einfach mal reinschauen). Es ist toll zu lesen, dass es so Menschen wie dich gibt. Die neben dem Umstand, ihre Babysachen zu verschenken, auch noch auf ihre Intuition hören.
      Liebe Grüße,
      Miriam

    • Ja man denkt kaum drüber nach wie schlecht es anderen geht, selbst dann wenn man selbst nicht viel hat. Habe vor kurzen selbst eine Situation erlebt wo es mir eiskalt den Rücken runterlief, ich bekomme öfter mal Rabattkarten für Netto und nutze sie auch ganz gerne da bei mir das Geld echt alles andere als locker sitzt, da ist man um jeden Cent froh den man sparen kann. Also gut, ich war also bei Netto einkaufen, dort traf ich eine alte Dame die mich neugierig ansah wie ich die Rabattmarken auf die Lebensmittel klebte bis sich sich dann überwand zu fragen was ich da denn mache. Sie sagte nach der Erklärung nur mit bedrückter Stimme, sowas tolles gibt es bei uns im Viertel nicht, als ich ihr dann anbot einen Bogen abzugeben (hatte zwei) fing sie zu weinen an und sagte dann könne sie endlich wieder einmal Mandarinen essen, die esse sie so gerne aber sie könne sich die wegen ihrer kleinen Rente einfach nicht mehr leisten, da habe ich echt einen dicken Klos im Hals gehabt.

  66. Das ist die Realität. Leider.
    Es betrifft nicht mich, aber ich kann mich sehr gut in die Lage von Christine versetzen. Es ist noch ein weiter Weg, bis die Politik endlich kapiert, dass etwas komplett schief läuft mit den „Ein-Eltern-Familien“ in unserer Gesellschaft. Alleinerziehende leben oft unter der Armutsgrenze. Etwa 90% davon sind Frauen. Deren Risiko unter der Armutsgrenze zu landen ist sehr hoch.

  67. Liebe Bloggerin,

    auch wenn du oben geschrieben hast, dass du bereits deine Entscheidung gegen Blogeinnahmen gefällt hast, möchte ich dir noch mein Beispiel schicken – ich habe nicht das Gefühl, dass ich den privaten Charakter meines DIY-Blog „aufgegeben“ habe und dennoch geniert er Bloggeinnahmen, dieich nie für möglich gehalten hätte und über die ich jeden Monat öffentlich Bilanz ziehe: http://www.amberlight-label.blogspot.de/p/blogeinnahmen.html Momentan bin ich bei ca. 150€ und mindestens ebenso viel als „Warenwert“, da ich jede Woche eine Buchrezension schreibe und dafür Belegexemplare der Verlage bekomme. Insgesamt bin ich dieses Jahr in beiden Bereichen (Geld+Produkte) deutlich im vierstelligen Bereich. Davon wird ein Zehntel an gute Projekte gespendet und der Rest fliest in unseren Traum vom sanierten Vierseithof, der dazu führt, dass wir versuchen möglichst kaum noch Geld auszugeben (wenn auch aus einem ganz anderen Grund als bei dir). Dieses wie auch letztes Jahr werden die Weihnachtsgeschenke der Kinder komplett blogfinanziert sein und das ohne, dass sie das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen – daher: überleg dir das nochmal mit den Blogeinnahmen. Meine Zahlen sind da ganz sicher an der unteren Grenze des Möglichen …

  68. Ein brillianter Text, der mitten ins Herz trifft. In das von Betroffenen, ehemals Betroffenen und auch ins Herz von Menschen, die die Situation nicht kennen. Ich war als Kind arm. Das zumindest finden meine Kinder, ich selbst habe das erst sehr spät erkannt. Gelitten habe ich nur dann darunter, wenn ich meinen Eltern davon erzählt habe, was Freundinnen gerade bekommen haben und meine Eltern sehr betroffen waren und mir vorgeworfen haben, unzufrieden zu sein. Dabei konnte ich mit ihnen über alle anderen Themen sprechen und musste erst lernen, was für sie nicht zu ertragen war. Ich wusste immer, dass wir Kinder das Wichtigste für sie waren, wir immer vor ihren eigenen Bedürfnissen gekommen sind und sie alles für uns getan haben und sie gerne viel mehr gegeben hätten (was gar nicht nötig war). Aus mir wurde eine sicherheitssuchende, sicherheitsliebende, sparsame Person. Meine Berufswahl wurde sehr davon beeinflusst, dass sie mit Kindern möglich sein musste, dass ich auch bei gescheiterter Ehe für uns sorgen könnte (was bisher glücklicherweise nicht nötig war). Ich bereue das nicht, empfinde das als positive Folge meiner Kindheit. Meine Kinder können ihre Berufs- und Ausbildungswünsche ohne finanzielle Sorgen verfolgen. Trotzdem bin ich im Stillen erleichtert, dass der Große (der typische Lebenskünstler) die Musik als aufwändiges, geliebtes Hobby betreibt, beruflich jedoch auf seine Stärke im logischen Bereich setzt. Wenig Geld zu haben hat Auswirkungen auf Kinder, doch nicht nur negative. deshalb bremse ich meinen Mann immer ein, wenn er es mit Geschenken und finanziellen Zuschüssen übertreibt. Er wuchs in finanziell gesicherten Verhältnissen mit „angesehenem“ Vater auf. Dieser war jedoch für die Familie nicht wirklich anwesend, uninteressiert und sich selbst am nächsten. Mein Mann macht dies bei unseren Kindern ganz anders, ist als Vater präsent und eben auch bemüht, auf keinen Fall so geizig zu sein, wie sein Vater.
    Mir zeigt das: es ist nicht wichtig, was Eltern ihren Kindern bieten können, sondern dass sie ihnen alles an Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken, was ihnen möglich ist. Vor allem das Gefühl, das Wichtigste im Leben der Eltern zu sein.
    Meine Eltern leben auch im Alter mit sehr wenig Geld, ohne staatliche (oder unsere) Hilfe und werden von den Enkeln sehr geliebt. Der weltreisende andere Opa wird geschätzt, nun ja, eigentlich die Kuverts, die zu Geburtstagen und an Weihnachten eintrudeln. Kennen tut er seine Enkel nicht (wie auch, wenns schon bei den eigenen Kindern nicht geklappt hat).

  69. Ich weiß gar nicht, zum wievielten Mal ich diesen Text lese. Und gewissermaßen um ihn rumschleiche. Denn er macht mir Angst. Ich bin erst seit kurzem alleinerziehend. Und obwohl ich voll arbeite und sicherlich nicht schlecht verdiene, ist das, was mir und meinem Sohn zum Leben bleibt, sehr wenig. Denn die Miete für die eigentlich zu große, weil ursprünglich mal für 3 Menschen mit Hund ausgewählte Wohnung, frisst (zu) viel auf. Doch ein Umzug kommt erstmal nicht in Frage, weil das Geld für die Umzugskosten nicht da ist.

  70. auch wenn du oben geschrieben hast, dass du bereits deine Entscheidung gegen Blogeinnahmen gefällt hast, möchte ich dir noch mein Beispiel schicken – ich habe nicht das Gefühl, dass ich den privaten Charakter meines DIY-Blog “aufgegeben” habe und dennoch geniert er Bloggeinnahmen, dieich nie für möglich gehalten hätte und über die ich jeden Monat öffentlich Bilanz ziehe: http://www.amberlight-label.blogspot.de/p/blogeinnahmen.html Momentan bin ich bei ca. 150€ und mindestens ebenso viel als “Warenwert”, da ich jede Woche eine Buchrezension schreibe und dafür Belegexemplare der Verlage bekomme. Insgesamt bin ich dieses Jahr in beiden Bereichen (Geld+Produkte) deutlich im vierstelligen Bereich. Davon wird ein Zehntel an gute Projekte gespendet und der Rest fliest in unseren Traum vom sanierten Vierseithof, der dazu führt, dass wir versuchen möglichst kaum noch Geld auszugeben (wenn auch aus einem ganz anderen Grund als bei dir). Dieses wie auch letztes Jahr werden die Weihnachtsgeschenke der Kinder komplett blogfinanziert sein und das ohne, dass sie das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen – daher: überleg dir das nochmal mit den Blogeinnahmen. Meine Zahlen sind da ganz sicher an der unteren Grenze des Möglichen …
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  71. Oh mann, ich lese hier mein leben.ich kenne das alles!!!!!!!!!! Das buch“ die verratene Generation“ richtet sich an Frauen ende 40 in unsere lage.und noch was zu dem fahrradfahrenden zelter: wenn man sooo am ende ist, fast 50 , den Kindern zum 100sten mal die Fahrräder geklaut wurden, hat man auch mal das recht zu klagen. Ich finde Leute , die immer sagen“ danke , mir geht’s gut“ auch wenn sie echt fertig sind nervig! und dann noch der schöne Spruch“ wenn das leben dir Zitronen ..usw…. ich könnte ko……
    Lg
    Sonnenschmuck

  72. In meinem Tun im Ehrenamt werde ich immer wieder gefragt, wie man „Armut“ in unserem Land definiert. DAS ist wirklich hervorragend, mitsamt den Kommentaren. Danke euch dafür und habe den Link hierzu direkt in meinem Forum gepostet. Hoffe, das ist ok.

  73. Liebe Christine,
    obwohl ein Computerfreak, habe ich die Blogsites erst vor wenigen Wochen entdeckt.
    Ich bin kein Fan von Facebook & Co.
    Ich hasse Öffentlichkeit – für mich persönlich.
    Bin und war halt ein Eremit :-)
    Soll nicht heißen, daß ich sie bei anderen Menschen nicht wertschätze.
    Nun aber habe ich mich hindurchgearbeitet, ein paar Sites/Blogs als einigermaßen interessant oder amüsant herausgefiltert – und bei Deinem Blog, der so deutlich von all dem Mist absticht, innegehalten.
    Und gelesen, gelesen…
    Du bist sehr tapfer – und natürlich weiß ich, daß Du es schaffen wirst – Du kannst gar nicht anders.
    Aber das ist ja nicht unbedingt die Intention Deines Blogs – sondern – der Finger in der Wunde.
    Und dies erschüttert mich sehr, ich weiß das natürlich alles – aber die Zeilen der Betroffenen zu lesen ist ergreifender als alles Wissen.
    Ich kann keine Ratschläge geben, denn – so wie ich bin, kann dem niemand nacheifern.
    Das Wesentlichste – ich habe und wollte keine Kinder.
    Und das ist doch eigentlich der Dreh – und Angelpunkt – man/frau selbst kommt immer durch – die Verantwortung für das Leben anderer ist die Crux.
    Ich war reich und arm, hatte tolle Jobs und keine, kenne mich mit jeder ( fast) sozialen Situation aus, kenne jeden Trick ( gerissen wie ein Sack Nattern) – aber eben ohne Kinder.
    Was ich versaut habe, bade nur ich aus.
    Damit kann ich leben.
    Ihr hingegen, Ihr tapferen Frauen und Männer ( man darf sie nie vergessen dabei) – Ihr erhaltet meine Hochachtung.
    Ihr müßt Euch kümmern – Ihr seid in der Pflicht – und laßt Euch das nicht von idiotischen Klugscheißern klein -und dummreden.
    Das sag ich in schönster Arroganz mit einem IQ über 130 und außergewöhnlichen Begabungen ( vom guten Aussehen ganz zu schweigen) – es kann jedem passieren- wirklich jedem Menschen – ich wünsche Euch allen so viel Kraft und Stärke, Gerechtigkeit und – Glück !!!!
    Braucht man, ich weiß das.
    Alles Liebe
    Bea

    • Liebe Bea,

      vielen Dank. Ich freu mich besonders über diesen Kommentar, weil ich genauso gut hätte du sein können. Kinder waren nicht Teil meines Lebensplans und die Verantwortung, die ich nun zu tragen habe, konnte ich nicht abschätzen, schon gar nicht in doppelter Form, weil ich das eben alleine tue.

      Es macht mich sehr froh, dass ich auch Leute wie dich erreiche. Ich weiß, dass mich auch glücklich Verheiratete lesen und auch Regenbogenpaare, und ich will so gerne mehr Verständnis für die Situation Alleinerziehender schaffen. Dass du mir schreibst, zeigt mir, dass das gelingt. Danke.

      Viele Grüße,
      Christine

  74. wir sind ja so arm dran.
    ich fühle mit euch. Mein Beileid.

    viel glück da draußen in dieser herzlos kalten welt voller
    konsumsüchtigen
    Fleischfressern &
    Americanern &
    Europäer…

    was armut mit dir macht, entschuldigung, aber das wo von hier gesprochen ist, hat nichts mit Armut zu tun, sondern mit gesellschaftlicher isolation von Minderheiten, Egoismus, Gesellschaftkrankheiten, missbildungen in wirtschaftlichem und sozialem Bereich…

    first world problems… calm down, close your eyes and look at your self.

    bist du ein verarmter, verhungerter afrikaner oder einer mit deutschem Pass, der mit den höchsten Wohlstand weltweit genießt ??

    Gerechtigkeit darum geht es hier. nicht um Armut… armut ist existenzielle Notsituation !

    schöne grüße
    aus Fehmarn

    • Die Afrika-Keule zum Mundtod machen finde ich echt erbärmlich, diese Keule kommt aber zumeist von denen die alles haben, ich finde solches Verhalten irgendwie richtig ekelhaft.

  75. Liebe Christine,

    ich kenne das so gut aus meiner Jugend. Viele Kinder, großes Haus und nein, meine Eltern sind Deinen Weg nicht gegangen, wollten nie mit Ämtern was zu tun haben, haben lieber das Haus bis zur Zwangsversteigerung verschuldet, haben jetzt noch immense Schulden, die wir erben werden. Zusätzlich zu diesen/genau Deinen Gedanken in der Kindheit. Bis heute, und es geht mir wirklich gut, seit ich eigenes Geld verdiene, weiß ich ganz genau, bis auf den Cent genau, wieviel Geld in meinem Geldbeutel ist. 10 Mark damals zum Ausgeben für Spass war für mich für eine Woche der absolute Luxus. Kleider? Meine Eltern waren nicht mal erfinderisch genug auf Flohmärkte zu gehen…

    Vielen Dank, ich finde diesen Blog sooo wichtig und die Unterstützung, die Du anderen mit Papierkram anbietest auch. Wie wäre es mit einer Service-Section auf diesem Blog, Papierkram für Alleinerziehende entschlüsselt?
    Mein Mann macht das sehr unregelmäßig mit der Steuererklärung, und es kommt offensichtlich sehr gut an. Nur zum Lesen, nicht zum auch noch drauf antworten in Ratgebermanier, das ist dann bestimmt doch zuviel….

    Und die negativen Kommentare ignorieren, ich wünsche allen, die sich darüber mokieren, daß sie und ihre Kinder nie auch nur in die Nähe dieser Art von Verlegenheit kommen, denn ich komme aus einer solchen Ecke und ich war erstaunt und unheimlich erleichtert, als ich mit dem Erwachsenwerden herausfand, niemand ist in Deutschland allein mit diesem Problem, wenn er aktiv wird. Es gibt Lösungen vom Staat und diese Aktivität bewundere ich an Dir! Du gibst Deinen Kindern etwas mit, das ich nie hatte und es wird sie stark machen und selbstbewußt. Eine Bekannte hat ein Lebensmotto: Es gibt immer Lösungen, und das stimmt.

    Alles Gute und bitte weitermachen,
    Ann-Katrin

  76. Ein sehr berührender Artikel, zumal ich selbst vieles davon noch gut kenne. Danke für diese Erinnerung, die mir zeigt, wie gut es mir heute geht, auch wenn ich nach wie vor alles andere als reich bin.
    Ein paar Gedanken zu den angehängten Tweets würde ich gerne da lassen.
    Zunächst kann ich dies voll und ganz nachvollziehen. Sie wollten sich das vermutlich einfach gerne von der Seele schreiben, und eventuell noch den ein oder anderen zum Nachdenken anregen, hatten aber nicht die Absicht, da selbst „Profit“ draus zu schlagen.
    Mir selbst fällt es oft schwer Dinge anzunehmen, ich möchte keine Almosen, ich möchte nicht bemitleidet werden. Ich habe meinen Stolz. Ich gebe gerne, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
    Das ist die eine Seite, meine Seite, vielleicht auch Ihre.
    Die andere Seite sind in diesem Fall die Leser, denen Ihr Artikel gefällt. Denen Sie etwas von unschätzbarem Wert geben, nämlich Emotionen (ich meine kein Mitleid), und die Chance mehr Verständnis zu entwickeln, sich vielleicht in andere Menschen im eigenen Umfeld die in einer ähnlichen Situation sind besser einzufühlen. Das ist ein großartiges Geschenk!
    Und manchen dieser Leute würden Sie eine große Freude machen, wenn Sie ihnen erlaubten, im Gegenzug auch Ihnen ein kleines Geschenk, zum Beispiel von einer Amazon-Wunschliste, zu machen.
    Wie bereits erwähnt, ich kann Ihre Haltung, das nicht zu wollen, sehr gut nachempfinden. Das hier soll beileibe keine Klugscheißerei sein, ich möchte nur eine Sichtweise aufzeigen, die man manchmal übersieht: Wenn sie Ihren Lesern die Chance bieten, sich mit einem kleinen Geschenk für Ihre Artikel zu revanchieren, ist das keinesfalls mehr oder weniger egoistisch, als diese Möglichkeit bewußt nicht zu bieten.
    Wie heißt es so schön? „Geben ist seliger denn nehmen!“
    So gesehen wäre es selbstlos von Ihnen, Ihren Lesern diese Option zu bieten. :-)

    Ganz liebe Grüße, und nochmals Danke für diesen Artikel
    Jan aka SinnlosS

    • Hallo Jan,

      ja, ich mache das auch mittlerweile wieder, vor ein paar Tagen erst schenkte mir eine junge Frau Kinderkleidung (neue! Schöne!). Aber es war mir nach dem Armutsartikel, den über 100.000 Leute gelesen haben, einfach eine zu große Welle. Schenken lassen ist okay, aber ich mag kein Schmarotzer sein.

      Danke für deinen Kommentar!

  77. Ich finde den Blog sehr gut. Es ist wichtig, dass solche Dinge öffentlich diskutiert (und hoffentlich auch geändert) werden.
    Ich bin Studentin und kann mich in das Thema „Armut“ gut einfühlen.

    Schade finde ich, dass du so hervorhebst, Akademikerin zu sein. Das empfinde ich als elitär.
    Ich finde nicht, dass Akademiker besser qualifiziert sind als Nicht-Akademiker. Alle Arbeit ist wertvoll, und keiner der arbeitet, sollte arm sein.

    • Das tue ich, liebe Luvweichtlee, damit den Leuten klar wird, dass Bildung und Fleiß eben nicht vor Armut schützen. „Deine Bildung kann dir niemand nehmen“, das war das Credo der Gesellschaft, in der ich aufwuchs. Das stimmt zwar, aber Bildung ist halt auch kein Garant dafür, dass es einem finanziell halbwegs gut geht.

      Viele Grüße!

  78. Schöne Liste und könnte sie endlos fortsetzen, kenne diesen Alltag gut und das trotz Vollzeitbeschäftigung (Bei 240+ Monatsarbeitsstunden) aber es kommt dennoch nichts dabei raus, unterstütze davon noch beide Elternteile (sind beide krank, haben sich regelrecht kaputt malocht für die Familie, würde sie auch niemals in Stich lassen) und einen schwerbehinderten Bruder, egal was ist, der Satz dafür ist kein Geld da bestimmt in allen Situationen unseres Lebens den Alltag. Das Internet ist einer der wenigen Luxusgüter die man sich noch gönnt (der Rechner ist aus diversen gebrauchten Teilen zusammen gesetzt, der hat mich nichts gekostet aber er spielt trotzdem so ziemlich alles ab was man ihn vorsetzt, immerhin).

  79. Danke. Danke für diesen besonders großartigen Text und Ihr geniales Blog. Es fällt mir gerade schwer meine Gedanken sinnvoll zu ordnen und in einen halbwegs verständlichen Kommentar zu gießen, aber wie sehr ich Sie für Ihre Stärke, die Lebensklugheit, die großartigen Text, Ihren Mut und den trotz der ganzen Situation immer präsenten Lebensbejahung bewundere, möchte ich bei der Gelegenheit doch mal loswerden.

    Schreibt eine Studentin, 22 Jahre, kinderlos, aus einer bildungsbürgerlichen Mittelschichtfamilie, der es nie an irgendwas gefehlt hat. Die gerade erste Erfahrungen mit finanzieller Knappheit macht (es Armut zu nennen wäre allerdings Hohn gegenüber Menschen wie Ihnen) weil sie beschlossen hat, sich ab jetzt selbst zu finanzieren. Eine einschneidende Erfahrung. Wie teuer zum Beispiel Obst plötzlich ist, ist erschreckend.
    Und natürlich ist die Situation überhaupt nicht vergleichbar mit Ihnen, weil meine Familie selbstverständlich sofort einspringen würde, wenn es nicht mehr ginge… Und allein dieses Wissen nimmt viel Druck raus.

    Ich hätte so viele Fragen an Sie, weil ich aufgrund der Berufsaussichten meines Studienfachs nicht damit rechnen kann jemals merkbar über Sozialhilfeniveau zu leben- aber das sprengt den Rahmen. Deshalb schicke ich nur viele Grüße und ein großes Dankeschön!

    Tagträumerin

    • Danke, liebe Tagträumerin. Den Text habe ich ziemlich genau vor einem Jahr geschrieben – heute geht es uns schon besser. Aber es war wirklich hart. Am Studienfach hat’s aber nicht gelegen. Es war die Ehe, würde ich sagen. Da heißt es wirklich aufpassen, mit wem man sich einlässt und ob das ohne Ehevertrag sein darf.

      Viele Grüße und alles Gute!
      Christine

  80. Liebe Christine,

    es ist unglaublich, aber das könnte meine Liste sein! Sogar die beiden Backenzähne ;-). Seit nunmehr 2 1/2 Jahren laufe ich mit einer großen Zahnlücke herum, weil ich mir die Implantate nicht leisten kann.
    ALLE anderen Punkte stimmen auch mit meiner Situation überein.
    Hinzufügen kann ich noch die Klassenreisen, die alle meine drei Kinder demnächst machen und für die ich kurzfristig 600 Euro überweisen soll. Und bevor jetzt jemand sagt, dass dafür jede Schule einen Fond hat – das stimmt nicht. Ich habe um Unterstützung von Seiten der Schule gebeten und als Antwort erhalten, dass dieser Fond nur für Sozialhilfeempfänger ist. Als Beamtin im vorzeitigen Ruhestand mit einer Mindestversorgung falle ich nicht in dieses Raster.
    Außerdem anders ist bei mir, dass der Ex-Mann nicht den Unterhalt zahlt, den er zahlen sollte und deshalb schon wieder ein Gerichtsverfahren ansteht.
    Ich hoffe, liebe Christine, dass ich es – genau wie Du – bald schaffe, mich aus dieser Zwangssituation zu befreien.
    Du hast das wirklich gut gemacht – Respekt!
    Liebe Grüße, Susa

  81. Ein sehr berührender Artikel. Einiges habe ich auch am eigenen Leib erfahren dürfen. Wenn man im Vertrieb weniger als ein Hartz IV Empfänger verdient, ist das uncool. Auch die überraschenden Rechnungen tun dann weh.
    Aktuell kommt wieder eine knappe Zeit auf uns zu. Töchterchen wird von meiner Frau „betüdelt“ :-) und durch die Erziehungszeit fällt das Einkommen meiner Frau weg. Das wird sicher spannend. Da kann ich zwar „gut“ verdienen, viel über bleibt da nicht. Die Abzüge sind fix und die Sachen für die Kleine wollen ständig gekauft sein.
    Das spricht alles für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Das würde vielen Menschen helfen, ruhiger zu schlafen.

    Gruß aus Hamburg, bleibt tapfer :-)

    Peter Groth

  82. Leider viel zu wahr :/ Danke für Deinen Artikel!
    Neulich kam ein Bericht in der „Sendung mit der Maus“ über arme Kinder, die sich nichts leisten können, da sie von ALG2 leben.
    Mein Sohn (6): „Was haben wir für ein Glück, dass wir nicht arm sind!“
    Ich, gedacht: Dann hast du wohl alles richtig gemacht, wenn er trotz Alg2 nicht das Gefühl hat, arm zu sein. Uff…

    Letztlich ist es eine gesellschaftliche Katastrophe, wenn Mütter die Verantwortung für die Kinder allein tragen müssen. Die Kinder können gar nicht verstehen, warum Mama kurz vor den Zahltagen immer so unter Spannung steht und der Kühlschrank nur die Notausstattung beeinhaltet …

    Ja dann geh doch arbeiten?! ->
    Der gesellschaftliche Wandel hin zur Vereinzelung der Menschen, insbesondere die erwartete bundesweiten Verfügbarkeit für Arbeitstellen hat dazu geführt, dass großfamiliäre Strukturen bei der Kinderbetreuung oft fehlen. Dann ist da eben keine Oma mehr, die auf das Kindi aufpassen könnte, da die Entfernung zwischen den Wohnorten zu groß ist. Blöderweise ist dann aber auch niemand mehr da , der auf die Großeltern aufpassen könnte, wenn die dann Hilfe brauchen … so setzt sich dann die Alleinsein-Spirale fort.

    Es ist doch absurd – die Uniausbildung, für die man von seiner Familie wegziehen musste um dann eine gut bezahlte Arbeitsstelle in Aussicht zu haben, nützt nichts, weil man Kinderbetreuung in den Randzeiten der Arbeit oder bei Krankheitsfällen letztlich nicht ohne Familie regeln kann. Alles andere wäre dauerhaft zu teuer (Babysitter) oder wird nicht angeboten (Kita, Schule).

    Wie gut, dass wir jetzt in einer Stadt wohnen, die groß genug ist, um Netzwerke von Alleinerziehenden und gegenseitige Hilfe überhaupt möglich zu machen.

    Noch ein kleines BonMot zum Abschluss: Fragt die Ex-Schwiegermama an, ob ich schon eine Arbeitsstelle in Aussicht hätte. Von staatlichen Hilfen zu leben ginge ja mal gar nicht.

    Meine Kinder sind 2 und 6.
    Der Papa -ihr Sohn- zahlt keinen Unterhalt. Er lebt weit entfernt von uns.
    Von meiner oder seiner Familie wohnt niemand hier, der bei der Betreuung der Kinder helfen könnte.
    Sie selbst ist nach dem zweiten Kind zuhause geblieben (Lehrerin), weil sie Arbeit und zwei kleine Kinder nicht mehr geschafft hat. Ihr Mann war Beamter mit hohem Einkommen, er konnte sie mitversorgen.

    Warum darf eigentlich nur eine Mutter ihre Kinder daheim versorgen, wenn der Erzeuger finanziell leistungsfähig ist?
    Warum soll ich eigentlich nicht das Angebot des Staates annehmen, wenn er in die finanzielle Rolle des Erzeugers eintritt und durch Alg2 den Lebensunterhalt einer Familie sicherstellt?

    Ich meine: meine Kinder haben einen Anspruch darauf, versorgt zu sein – nicht nur finanziell sondern auch emotional, in dem sie nämlich in der Familie die Geborgenheit und Sicherheit erleben, die sie im späteren Leben brauchen.

    • So ist es, liebe Joelle.

      „Es ist doch absurd – die Uniausbildung, für die man von seiner Familie wegziehen musste um dann eine gut bezahlte Arbeitsstelle in Aussicht zu haben, nützt nichts, weil man Kinderbetreuung in den Randzeiten der Arbeit oder bei Krankheitsfällen letztlich nicht ohne Familie regeln kann.“ Und oft genug sind die Frauen ja auch mit den Männern in eine andere Stadt/Region gezogen, weil sie als Mütter nach der Geburt beruflich zurückgesteckt haben oder zuhause blieben. Und dann ist frau ohne Job oder mit einem Teilzeitjob in einer „fremden“ Stadt.

      Viele Grüße und alles Gute für euch!
      Christine

  83. Bin ich Arm? Nach Definition nicht. Und ich würde es auch nicht so von mir sagen. Ich bin alleinerziehende, bekomme keinen Unterhalt, arbeite 32 Stunden die Woche und komme zu nichts. Ich könnte die Liste noch um so einiges ergänzen.. Meine Tochter macht nächstes Jahr ihr Abi. Ihre Freundinnen planen jetzt schon alle längere Auslandsaufenthalte (work and Travel, freiwilliges ökologisches Jahr etc.) Mir beschleunigt es den. Puls, wenn ich an die Kosten denke. Habe kürzlich darüber nachgedacht, noch eine Weiterbildung zu mache um nebenberuflich noch etwas dazu zu verdienen. Die Kosten für Weiterbildungen haben mir den Magen umgedreht. Wenn man wenig Geld hat stößt man einfach überall an Grenzen. Man muss aufpassen, dass einem dieser Zustand nicht das Herz verengt.

  84. So gut hätte ich es auch gern! Meine Frau (hatte mehrere Liebhaber) ist nach 17 Jahren ausgezogen und hat meine 3 geliebten Kinder mitgenommen. Ich konnte nichts dagegen tun. Dann hat sie mich auf maximalen Unterhalt verklagt. Die Richterin hat mir ein fiktives Einkommen aufgebrummt, seitdem sitze ich im Winter in einer völlig ungeheizten Wohnung. Meine 3 Kinder sind bei der Mutter, die inzwischen das vierte Kind von einem Ex-Junkie bekommen hat, mit dem sie und meine Kinder zusammenleben. Für Nichts bekommen die 4000€ im Monat an Kindergeld, Unterhalt und EU-Rente. Wie das wirklich ist, kann nur der nachvollziehen, der das schon einmal selbst durchgemacht hat. Obwohl ich studiert habe, bleibt mir weniger als den viel geschmähten Hartzern. Um zu überleben arbeite ich auch noch manchmal Nachts. Das meine liebe Damen ist die männliche Realität! Als Unterhaltspflichtiger mit drei Kindern ist man in der BRD tot. Liebend gern hätte ich das Schicksal einer Frau, also arbeiten gehen und meine geliebten Kinder jeden Tag bei mir…

    • Die Kinder kann die Frau nur mitnehmen, wenn ein Gericht das so festlegt, falls das gegen deinen Willen ist. Und das passiert nur, wenn sie sich nachweislich vorher hauptsächlich um sie gekümmert hat, und wenn die Kinder (ab einem gewissen Alter, ich glaube, es sind 8 Jahre), das so wollen. Und von einem fiktiven Einkommen wird nur selten Gebrauch gemacht, kenne ich keinen einzigen Fall, weder im direkten Bekanntenkreis noch via Internet, da frage ich nachher mal auf FB herum, weil es mich interessiert. Hatte man denn den Verdacht, dass du Einkommen verschleierst?

  85. Hallo „Mama arbeitet“ –

    Ichnwürde gerne das Thema deines Beitrags aufgreifen, ihn ggf. teilweise rebloggen. :-) Geht das für dich in Ordnung?

    Und wenn du noch mehr zum Thema „Arme geben lieber als dass sie annehmen“ hast, bitte ich dich um einen kleinen Tipp :-) Ich arbeite derzeit als Aufstockerin mit diesem Problem in einer Spendenstelle.

    Liebe Grüße
    Inex

    • Rebloggen – ist das auszugsweise weiterverbreiten? Oder wie genau darf ich mir das vorstellen? Hilfst du mir mal eben?
      Viele Grüße,

      Christine

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