Autsch. Schimpftirade einer Alleinerziehenden

Autsch. Schimpftirade einer Alleinerziehenden

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„Hallo Frau Finke, ich hoffe, es geht Ihnen gut. Entschuldigen Sie bitte die Verzögerung bezüglich des Feedbacks von *Firma*. Dieses hat mich während meines Urlaubs erreicht. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass der Kunde bei dieser Position aufgrund der engen Zusammenarbeit mit dem Team vor Ort keine Homeoffice-Möglichkeit sieht. Gerne melde ich mich bei weiteren spannenden Möglichkeiten und verbleibe mit den besten Grüßen, Headhunterin XY“

Heute erreichte mich diese Absage – nachdem letzte Woche ein Kollege der Headhunterin mir noch sehr zuversichtlich verkündet hatte, er trete jetzt in Kontakt mit „der Kundenseite“, um einen Termin für ein Kennenlernen zu vereinbaren, ich also in die Endauswahl gekommen war. Dass ich nicht jeden Tag pro Strecke mindestens 90 Minuten nach Dings-Dorf fahren kann und möchte, hatte ich bereits beim ersten Telefonat im Januar sehr deutlich gesagt – da klang es noch so, als sei die Firma modern und dies absolut kein Hinderungsgrund. Auch mein Alter war von vorneherein bekannt, und meine Zeugnisse und Arbeitszeugnisse dürften die Augen eines jeden Personalchefs zum Leuchten bringen.

Dass mir nun abesagt wird, und unter so fadenscheinigen Gründen, ärgert mich kolossal. Nicht, weil an diesem Job mein Herz hing. Nein, weil ich einfach gerne zumindest zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden wäre. Denn qualifiziert dafür war ich – perfekt sogar. Wann passt jemand denn schon 100% auf die Stellenausschreibung!?

Mir ist natürlich schon klar, dass die Firma nicht sagen kann „Wir haben Ihren Blog gelesen, und ohgott, die Kinder sind noch so klein, wie wollen Sie das bloß alles schaffen als Alleinerziehende?“

Hätten sie mich doch eingeladen, ich hätte es ihnen erklärt. Dass so manche Frau, die ich kenne, ohne ihren Mann viel besser dran ist als mit ihm. Dass sie vor der Trennung eh die Kinderbetreuung komplett allein organisierte und bezahlte, den Haushalt nebenbei schmiss (evtl. mit Hilfe einer Putzfrau oder eines Au-Pairs), und noch einen teils quengeligen, oft liebesbedürftigen und häufig garstigen Ehepartner ertragen musste, der nicht begeistert war, wenn sie um 21:30 schlafen ging, weil sie müde war.

Woran liegt es, dass Firmen in Deutschland denken, eine verheiratete Frau sei besser durch den Mann unterstützt als eine Alleinerziehende organisiert ist? Ich kenne so viele unglaublich tüchtige Alleinerziehende, die perfekt durchorganisiert sind und flexibler, als es sich jede Firma in ihren kühnsten Träumen vorstellen kann!

Vielleicht ist die Krux, dass die Entscheider Männer sind, die sich zuhause für unentbehrlich halten und meinen, eine Alleinerziehende mit kleinen Kindern sei einfach nicht in der Lage, zuverlässig und kompetent ihre Arbeit zu machen? Ein trauriger Irrtum, auch für die Firmen. Denn wenn das ganze Potential der Alleinerziehenden brachliegt, und es sich zum Teil um bestens ausgebildete Frauen wie mich handelt, die viel motivierter sind als der durchschnittliche Familienvater, dann fehlt Deutschland ein großes Stückchen Innovationskraft.

Fertig mit der Schimpftirade. Diesmal hat es nicht geklappt, und ich werde mich nicht davon entmutigen lassen. Nein. Und ich werde auch nicht aufhören, meine Gedanken und mein Leben hier im Blog öffentlich aufzuschreiben. Danke fürs Zuhören.

Nachtrag: Wenige Tage nach diesem Blogpost wurde ich erneut von derselben Headhunting-Agentur angesprochen, wegen des gleichen Jobs – durch eine andere Mitarbeiterin. Hier weiß also Mitarbeiter B nicht, was Mitarbeiter A tut. Und ich habe die Bestätigung, dass meine Qualifikationen genau richtig waren. Ich verwies die Dame an Mitarbeiterin A.

Linktipp: Kinderbetreuung – meine Liste

32 Kommentare

  1. Hm. Als ehemalige Chefin wäre ich anhand der harten Fakten vermutlich auch erst einmal skeptisch. Allerdings ist die Neugier doch vorhanden, wie jemand das alles schafft, sollte man meinen? Offensichtlich musst Du für Menschen mit wenig Phantasie (und Hirn, hihi) Deinen Unterlagen noch eine kleine Statistik beifügen, die da aussagt, wie viele Fehltage Du bei wie vielen Krankheitstagen Deiner Kinder beansprucht hast in den letzten Jahren. So wie ich Dich kenne, waren es extrem wenige …
    Lieber Gruss, Susi

    • Liebe Susi,

      wohl wahr – und eigentlich eine originelle Idee. Ich habe so gut wie nie gefehlt, außer kurz für Geburten, bei allen drei Kindern ;). Und war stets mit reichlich Resturlaub gesegnet. Bizarr eigentlich. Aber die kluge Mama bunkert Urlaub für Notfälle…

  2. Das alte Lied und der Grund für meinen beginn meines Bloggens. Deutschland beklagt Fachkräftemangel. Aber wo sind die deutschen Fachkräfte? Sie hocken in Callcentern, gehen putzen oder hocken daheim weil sie nicht 24/7 verfügbar sein können sondern Kinder in die Welt gesetzt haben. Um die sie sich unverschämterweise auch noch selbst kümmern wollen.

    Kopf hoch, Christine, wer uns mit Kindern nicht haben will, hat uns nicht verdient!

    • Liebe Tina,

      vielen Dank für deinen Zuspruch. Das Dumme ist, ich will gewollt werden – und mein Talent und meine Ausbildung nicht verkommen lassen. Es ist so eine Schande! Aber wir sind uns ja eh einig….

  3. Vorschlag: einige Studien zum Thema sammeln – entsprechenden Blog-Eintrag erstellen und mit einem charmant-provokanten Teaser auf „about me“, „Referenzen“ u.ä. verlinken?

    • Liebe Kerstin,

      wenn ich den richtigen Tonfall finde, ja – ich glaube auch, da ist noch etwas „Öffentlichkeitsarbeit“ nötig. Grmpf. Und eventuell Flucht nach vorn. ;)

      Aber ich fürchte, egal, welche Argumente frau bringt, es ist vergebens bei einem gewissen „mindset“. Von daher auch die Bebilderung mit dem Gemälde von Penck.

  4. Ich drücke dir die Daumen für das nächste mal. Es ist schon bitter ,das die Unternehmen lieber vorsichtig sind und sich Kompetenzen und Erfahrungen,Können und Wissen dadurch entgehen lassen. Die Idee ne Statistik einzufügen finde ich gut.

  5. In meinem Bekanntenkreis fehlen verheiratete Mamas sehr viel öfter wegen der Kinder als alleinerziehende. Solange Mann der Haptverdiener ist und Frau „nur“ ein bisschen Geld dazuverdient, ist kann sie es sich auch erlauben, weniger zu verdienen und dafür einen Job auszuüben, bei dem es nicht so essentiell ist, dass sie wirklich immer auf der Arbeit erscheint. Sobald Frau Hauptverdienerin ist und die Versorgung und die Freizeitaktivitäten der Kinder mit ihrem Einkommen stehen und fallen, investiert Frau (meiner Erfahrung nach) auch deutlich mehr Zeit und Kraft in die Organisation rund um den Job. Außerdem ist sie viel weniger bereit, ihren Job durch Fehltage zu gefährden.
    Aber das scheint in den Köpfen vieler Chefs noch nicht angekommen zu sein. Und bis es angekommen ist, sind unsere Kinder vermutlich schon lange erwachsen.

    Aber ich möchte Dich mal selbst zitieren:
    „Tja, und nun sieht es so aus, als könnte ich eventuell selbst eine Entscheidung darüber treffen, ob ich mir als freie Autorin die Rosinen aus dem Journalistenleben herauspicken möchte, hie und da Buchprojekte übersetzen und betreuen, und bei freier Zeiteinteilung ein unsicheres Einkommen habe. Oder ob ich fest angestellt in einem netten Team bei einer sehr sympathischen Firma mit Produkten, die mir gefallen, eine Perspektive für die nächsten Jahre schaffe.“
    Du kannst ja für’s erste mit dem „Rosinen Picken“ anfangen ;-) Eine Firma, die Dich fest anstellen will und bei der Du auch arbeiten möchtest, findet sich dann irgendwann immer noch.

    Liebe Grüße,
    Nadja

    • Huhu Nadja,

      du beschreibst den Ist-Zustand leider sehr treffend, was Fehlzeiten durch kranke Kinder und die Verteilung, wer zuhause bleibt, betrifft. Das sind gesellschaftliche Fakten, an denen auch mein Ärger nichts ändert, mein Kopf versteht das. Es ist nur so schrecklich ungerecht, wenn frau sich immer ein Bein ausgerissen hat für den Job, und so gut wie nie fehlte (obwohl der Mann ebenfalls unabkömmlich in der Firma war, weil Unternehmer)!

      Hast Recht, bis sich das herumgesprochen hat, sind unsere Kinder groß. Ich fordere hiermit die Quote für alleinerziehende Mütter in Führungspositionen. Grmpf.

      Lieben Gruß, Christine

    • Hallo Nadja,

      ich finde deine Aussage nicht völlig korrekt, denn Sie bedeutet, dass Mütter, die nicht alleinerziehend sind, kein Engagement im Job zeigen. Das sehe ich nicht so. Meinst du nicht, dass es auch verheiratete Frauen gibt, die das Geld, aus ihrem Job zum Leben benötigen? Oder, dass diese Frauen, nicht auch einen wichtigen Beitrag leisten wollen. Bei dir klingt es so, als ob verheiratete Frauen, eigentlich nur Hausfrauen sein wollen die ein kleines Hobby suchen. Ich denke, dass wenn ein Kind krank ist, jede Mutter das uneingeschränkte Recht haben sollte für ihr Kind da zu sein. Die Arbeitgeber sind das Problem und nicht die Arbeitnehmer. Frauen die Mütter geworden sind, werden aussortiert sobald es dem Arbeitgeber in den Kram passt.
      Liebe Grüsse
      Dani
      und Christine, dein Artikel ist spitze, haben die sich nochmal gemeldet? Du machst einen tollen Job.

  6. Liebe Chris,

    Ich kann Deinen Frust sehr gut verstehen. Ich arbeite selbst aus dem Home Office. Mein Chef hat damals nur inoffiziell zugestimmt und eigentlich nur, weil er eh in USA sitzt und meine Mitarbeiterin bei einer anderen Tochtergesellschaft als ich. Nach drei Jahren hervorragender Teamarbeit ohne Kommunikationsproblemen ist die Struktur zum Glück kein Thema mehr. Aber als role model werden wir von ihm immer noch nicht gesehen.

    Dir weiterhin viel Glück bei der Suche! Du hast bisher selbst die schwierigsten Ziele immer irgendwann erreicht, von daher bin zumindest ich sehr zuversichtlich, das es auch diesmal gelingt.

    Cousine Claudia

    • Liebe Claudia,

      wie schön, dass du auch mitliest! Willkommen in meinem Wohnzimmer!

      Und deine aufmunternden Worte lese ich natürlich gern. Ja, manchmal dauern Wunder etwas länger. Der Typ, der vorschnell aufgibt, bin ich wahrlich nicht. Und manchmal sieht’s auch eine Weile lang nur so aus, als ob nix ginge, und irgendwann öffnen sich auf einmal mehrere Türen. Langweilig ist mein Leben jedenfalls noch nicht…

  7. Liebe Christine,

    tut mir leid zu lesen, dass du dem selben Unverständnis begegnen musst wie ich. Obwohl ich nicht alleinerziehend bin, habe ich eine Reihe von Bewerbungsgesprächen hinter mir. Und das waren noch die offeneren Arbeitgeber, die mich trotz Kinderhandicaps zum Gespräch eingeladen haben. Weil die Gespräche dasselbe Ergebnis zeigten, sitze ich heute noch bei meiner Firma, die mich vor einem Jahr degradiert hat. Nach meiner Odyssee von Bewerbungen (nachzulesen unter http://desperateworkingmum.wordpress.com/2011/07/24/auf-der-flucht-1-wie-viel-mama-braucht-das-kind/ und den folgenden Posts dieser Kategorie)
    weiß ich jetzt, wie selten Flexibiltät und Homeoffice sind. Die Anwesenheitskultur wird von den (meist männlichen) Arbeitnehmern ohne Betreuungsverpflichtungen hochgehalten, weil sie die Konkurrenz derer fürchten, die talentiert, aber auf Flexibilität angewiesen sind.
    Gib nicht auf, du schaffst es!
    DWM

    • Liebe DWM,

      ja, es ist eine Sauerei. Und wenn ich es genau bedenke, war’s auch schon als verheiratete Frau mit Kind(ern) mehr als schwierig, einen Job zu bekommen.

      Mich haben erst die fortschrittlichen Skandinavier eingestellt, mit Arbeitsvertrag in der Schweiz, wo man Frauen auch wieder rausschmeissen kann, wenn sie zu oft wegen kranker Kinder fehlen (2 Tage pro Jahr sind vorgesehen, egal wie viele Kinder), oder sie schwanger sind, oder ansonsten den Arbeitsablauf stören. Es ist wirklich schlimm, dass die hehren Gesetze in Deutschland Frauen nur theoretisch fördern, aber praktisch unsere Festanstellung verhindern, weil der Arbeitgeber zu viel Angst vor unkalkulierbarem Risiko hat. Seufz.

      Und dir wünsche ich auch einen tollen Job, bei dem dein Potential voll zur Geltung kommt!

      Gruss, Christine

  8. – Aus der Not eine Tugend machen –

    Erst einmal große Anerkennung für diesen Blog, seine Initiatorin und die interessanten Beiträge. Natürlich weiß ich es als Nicht-Alleinerziehender (und Überhaupt-Nicht-Erziehender) und Nicht-Frau nicht besser, möchte aber als Außenstehender Folgendes bemerken.

    Alleinerziehende erklären Ihre Not hier zur Tugend.
    Sie müssen schaffen, was in der Zweielternfamilie zusammen bewältigt wird.
    Zumindest müssen Sie aber „nur“ das Kind versorgen, weil es keinen Mann gibt, den andere Frauen mitbetreuen müssen.
    Bei der Vielzahl Alleinerziehender sind strukturelle Ursachen unübersehbar. Es sind nicht nur die bösen Ex-(Ehe-)Männer/Frauen.

    Sie halten Ihr Haushaltslebensideal selbst hoch.
    1. Kein Mann würde mit mit noch so tollen Koch- und Kinderpflegekompetenzen versuchen beruflich Eindruck zu schinden. Wahrscheinlich wollten Sie, dass Ihre Heimleistung umso mehr gewürdigt wird, je mehr Kinder Sie haben (de facto je größer der Haushalt ist). Leider ist diese Leistungsfähigkeit noch nicht messbar, sodass sie in der Arbeitswelt Achtung findet. Obwohl… sie wird negativ gemessen: mit jedem Kind fällt die Bewertung schlechter aus.
    2. Wenn Sie so nachdrücklich Homeoffice, also klar gesagt Heimarbeit für sich, fordern, wundern Sie sich bitte nicht, wenn Sie Ihren Hausfrauenstatus nicht verlieren. Sie begeben sich ungewollt selbst in die freudsche Schublade der „Hausfrauenpsychose“.

    Alles in allem wünsche ich jeder/jedem Alleinerziehenden alles Gute, denn Sie müssen sich notgedrungen nach außen besser darstellen als andere, obwohl Sie doch genauso gut sind.
    Wünschen Sie sich aber bitte nicht mehr Alleinerziehende auf der Welt und lenken Sie nicht mit der unsinnigen Hypothese ab „Besser kein Mann/Vater als ein schlechter“ (Sagen Sie das bspw. Ihren Kindern ins Gesicht?), nur weil es bei Ihnen keinen Mann (mehr) gibt und sich Männer noch immer nicht für Kinder wie für Ihre Arbeit engagieren. Kinder ohne Väter erleiden nicht zu selten auch einen Schaden.

    • “Besser kein Mann/Vater als ein schlechter”
      Die Männermeinung sollte das nicht als Wunsch nach mehr Alleinerziehenden verstehen. Bis jemand so etwas schreibt, brauchts viel. Also erst mal nachdenken vor dem bloggen, bitte.

      Es gibt übrigens für Arbeitgeber noch eine Steigerung der Aversion gegenüber Arbeitnehmern, die alleine für eine Familie zuständig sein müssen. Verwitwete Menschen schreiben allen Ernstes lieber „Alleinerziehend“ in ihren Status, weil der Tod des Lebenspartners heute noch wie eine ansteckende Krankheit daher kommt. Armselige Welt.

      • Liebe Susi,

        dass die Verwitweten so stigmatisiert werden, ist traurig. Ich dachte bisher, dass es für den Arbeitgeber egal ist, warum frau sich alleine um die Kinder kümmern muss. Schandhaft.

        Herzlich, Christine

  9. Hallo Mann mit Meinung,

    zuerst einmal freue ich mich aufrichtig über diese „Fremdmeinung“, von jemandem, der meine Lage, und die der Alleinerziehenden von außen sieht. Aus Ihren Zeilen lese ich, dass Sie sich tiefgreifende Gedanken machen, ein kritischer Denker sind, und mir wohlgesonnen gegenüberstehen – vielen Dank.

    Einiges, was Sie ansprechen, würde ich gerne noch zurechtrücken, weil da offenbar ein falsches Bild von mir rüberkommt. Wenn Sie mehr in meinem Blog lesen würden (kein Vorwurf, sondern eine Einladung!), würden Sie sehen, dass ich nicht das Home Office für mich fordere, sondern in diesem Fall nicht täglich über 3-4 Stunden pendeln wollte. Das habe ich bereits getan, über ein Jahr lang, als ich in der Schweiz 1997 anfing zu arbeiten. Nebenbei reiste ich 5 Mal im Jahr für eine Woche nach Norwegen auf Geschäftsreise, was ich sehr genoss. Ich halte nämlich meine Haushalts- und Kindererziehungstugenden gar nicht so hoch, wie Sie meinen – bis vor kurzem habe ich überhaupt nicht gekocht und mich um die Kinderbetreuung meist gedrückt, indem ich Au-Pairs und Kinderfrauen beschäftigte. Ich langweile mich, wenn ich den ganzen Tag nur mit Kindern, und seien es meine eigenen, zusammen bin, und ich wünsche mir, so wie ich es bisher tat, weiter Karriere zu machen. Bis August 2011 war ich Chefredakteurin eines Elternportals, und wenn ich wieder einen Vollzeitjob bekomme, stelle ich sofort und mit Handkuss eine Kinderfrau ein. Es muss allerdings machbar sein, vom Gehalt her und dem Stressfaktor, denn ohne Unterstützung durch einen Partner, den Ex-Mann, oder Familie, ist es einfach sehr viel, was an einer Alleinerziehenden hängenbleibt. Und eine Arbeit in der Nähe meines Wohnortes zu finden, das wäre ein Traum!

    Warum ich mich von meinem Mann getrennt habe, kann und will ich hier im Blog natürlich nicht öffentlich darlegen. Aber in der Tat sage ich meinen Kindern, dass es besser so ist, und sie kennen die Gründe. Mit drei Kindern trennt man sich nicht einfach so, weil’s nicht mehr so lustig ist.

    Also nochmal zusammengefasst: Hausfrau zu sein ist nicht mein Ding, ich fordere kein Home Office, sondern wünsche mir eine Arbeit, die mit meinen Kindern vereinbar ist, und bin zu gut ausgebildet und ehrgeizig, um zuhause zu versauern. Außerdem gehe ich viel lieber in ein Büro als ganz allein daheim zu arbeiten!

    Herzlichen Gruss, Christine Finke

  10. Wenn Kinder mitbekommen warum sich Eltern trennen, kann und sollte man durchaus auch dazu stehen dass es ohne den Papa besser ist. Die gesamte Männerwelt zu verteufeln, bewirkt natürlich nichts gutes in den Seelen der Kinder. Bei den Söhnen, dass sie sich selbst als minderwertig ansehen. Bei den Töchtern prägt das die Einstellung zum anderen Geschlecht. Was Christine sich wünscht, ist meiner Meinung nach ein Umdenken der Arbeitgeber. Nicht jede Trennung wird durch jüngere Liebhaberinnen oder aus anderen Eitelkeiten heraus verursacht. Viele Macherinnen haben es einfach satt, mehrere kleine und ein großes Kind durch denn Alltag zu führen. Die Qualifikationen daraus werden oft unterschätzt und von Männern scheinbar oft ungern wahrgenommen.

    Homeoffice ist der Traum ehrgeiziger Frauen, Vollzeit arbeiten ist da gleichbedeutend mit vollwertig sein. Mir Kindern geht das nur wenn man abends noch 2-3 Stunden arbeitet sobald die Kleinen im Bett sind. So denk ich das jedenfalls.
    LG Tina

    • Liebe Tina,

      danke für deinen Kommentar, der auf den Punkt bringt, was ich vergaß zu formulieren: Ich wünsche mir ein Umdenken der Arbeitgeber. Mit einigen Tagen im Home Office bin ich flexibler, motivierter, und effizienter als der durchschnittliche kinderlose 25-Jährige, behaupte ich mal ganz frech. Also ist das Home Office als Kompromiss durchaus von Vorteil auch für Firmen – übrigens zeichne ich mich durch tief im Blut sitzendes unternehmerisches Denken aus, war ich doch mit dem Ex viele Jahre selbstständig.

      Home Office ist kein Luxus für gelangweilte Weibchen, sondern eine zeitgemäße Variante der Arbeit, die allen nützt.

      Gruss, Christine

      • Meine Meinung zum Thema Homeoffice (in dem ich gerade sitze…):
        Es besteht glaube ich die Angst des Arbeitgebers davor, ob überhaupt gearbeitet wird. Man könnte ja nebenher Zeit abzweigen, um Wäsche zu versorgen oder sich in die Sonne zu legen etc. Auch diese Meinung, man müsse immer greifbar oder verfügbar sein ist ein Hinderungsgrund. Aber mal ehrlich, mit einem Smartphone (ich liebe meinen Blackberry) kann man heute selbst auf dem WC eine Mail beantworten und zur Not (haha..) ein Telefonat führen.

        Es hat mit Vertrauen zu tun und womöglich mit der Unfähigkeit mancher Unternehmen, Aufgaben in Zeiteinheiten festzusetzen.
        (Ich bin überzeugt davon, dass man sehr unterschiedliche Antworten erhält, wenn man nach Zeitaufwand für bestimmte Aufgaben fragt. Wer ist schon gerne ehrlich und zeigt, dass er massenhaft Zeit übrig hat? Die Ehrlichkeit wird je nach Sättigungsgrad der Branche abnehmen!)

        Wie Homeoffice-Tätigkeiten gemacht werden, wann sie fertig erledigt werden – das spielt doch keine Rolle. Was zählt, ist das Ergebnis. Ob das in Nachtarbeit geschah oder – überspitzt ausgedrückt – mit einem Säugling auf dem Arm … wen interessiert das, wenn die Arbeit gut ist?
        Lieber jemand, der effektiv im Homeoffice arbeitet als jemand, der sich im Büro den Hintern breit sitzt und Anwesenheit mit Arbeit gleichsetzt. Egal wo man hin sieht … da stehen sie, die Plauderer, die Raucher, die Kaffeejunkies … sie haben alle Zeit der Welt für ihre Päuschen oder Plauschmeetings und wenns dann deswegen eng wird, hui, dann muss man aber doch ranklotzen und am Ende noch eine Stunde länger bleiben, damit die Tagesarbeit erledigt wird. Immer diese lästigen Überstunden, ich verstehe gar nicht, warum immer ich dran bin etc. etc. etc. Je nach Unternehmen kann man die so ertrödelten Überstunden dann zu Urlaubstagen summieren und genüsslich abfeiern.

        Der Büro-Grundsatz „wer viel anwesend ist, ist fleissig“ sollte allmählich mal bröckeln.

        Wer gute Ergebnisse liefert, liefert sie unabhängig von der Location, in der sie entstehen.
        Einzig die Gefahr, im Homeoffice zu vereinsamen, die sollte man noch erwähnen. Oder die Gefahr, vergessen zu werden. Daher ist es im Homeoffice gut, wenn man ab und zu ein Lebenszeichen an die Kollegen schickt – solange es keine unsinnigen Herz-Schmerz-Powerpoints oder Schnickschnackbilder sind natürlich.

        LG, S

        • Liebe Susi,

          ich nicke – und will auch absolut nicht im Home Office versauern, sondern nach dem für alle Beteiligten guten ROWE-Prinzip arbeiten, wie ich es bisher in allen anspruchsvollen Jobs tat: Results Only Work Environment. Mit meiner Doktorarbeit wäre ich nie fertig geworden, wenn ich die im Büro abgesessen hätte. Und trotzdem war um 19 Uhr immer Feierabend – ich arbeite gerne tagsüber. Andere sind nachts kreativ. Das Ergebnis sollte zählen, und natürlich muss man erreichbar sein in gewissen „Kernzeiten“.

          Träumerische Grüsse, Christine

  11. Liebe Christine! Ich bewundere deine Diplomatie!!!!! Ich fand diesen männlichen Blogger mit Meinung… nun mir fehlen die Worte.
    Deine Antwort auf seinen Beitrag hat mich zum Lachen gebracht. Eine Frau mit Feingefühl, Diplomatie und Mut. Da kann Mann und Meinung noch was lernen.

    • Liebe hostmami,

      das freut mich aber. Ich überlege nämlich schon manchmal selbstkritisch, ob meine Position verhärtet/verhärmt/verblendet ist. Aber ich hoffe, freundlich, offen und trotz allem humorvoll zu bleiben. Dank dir!

      • Liebe Christine,
        nein, das klingt nicht verhärmt bei Dir, keineswegs. Aber vielleicht ist Deine Ansicht einfach zu modern für manche Arbeitgeber. Komisch im Jahr 2012 …
        Selbstbewusstsein darf keine Angst beim Gegenüber erzeugen. Passiert dies doch, wäre es der falsche Arbeitgeber.
        LG, S.

        • Liebe Susi,

          danke dafür. Ich fühle mich auch nicht verhärmt – aber hinterfrage mich doch ab und zu. ;)
          Und bin lieber meiner Zeit etwas voraus als hinterherzuhinken. Schade nur, dass just diese Firma recht modern klang. Es hätte gut passen können. Aber das Bild auf der Homepage stimmt eben doch nicht immer mit der Realität überein.

  12. Hallo und guten Morgen…ich bin eher aus Versehen auf deinen Blog gestossen, weil ich derzeit ebenfalls den Spagath zwischen Familienmanagerin (tolles Wortgedöns) und Job versuche. Ich bezeichne mich selbst gern als verheiratete Alleinerziehende, denn mein mir Anvertrauter arbeitet in der Pflege rollende Woche /Schicht und so bin ich eben leider -im neuen Jargon – zeitlich unflexibel und schlecht vermittelbar… die Idee mit einer Arbeit von zu Hause aus stößt ebenso auf Unverständnis bei potentiellen Arbeitgebern wie bei dir, auch die seltsamen Spiele: A sagt zu B , was C fehlinterpretiert und es von D an dich übermitteln lässt sind mir mehr als vertraut… Mutter sein ist der tollste Job der Welt, wird nur leider extrem surreal wahrgenommen.

    Der Welt der Männer schwebt die weiß gekleidete, dauerlächelnde, freudig waschend und putzende Hausfrau vor, die den ach so ausgepowerten Gatten abends in einer topgestylten Behausung mit einem liebevoll zubereiteten Menue (ev. Bio, oder ein gut heißgemachtes Werbesüppchen) erwartet, während der Nachwuchs manierlich dem Vater um den Hals fällt und vorher selbstredend vollumfänglich gebildet und bespasst wurde… oder- zweite Vorstellung, sie macht selbstredend Karriere -klar, inder oberen Kategorie, damit man abends im Porsche in den Sonnenuntergang reitet, während die Kinder von Nanny und Co gut betreut wurden… Ja, hallo – leider geht die Realität anders und das Leben ist manchmal so voll an der heilen Werbe- und Politikerwelt vorbei, dass wir leider oft nicht ins Denk und Angebotsschema passen… Ich kann ein Lied davon singen, entweder zu hören, das meine Ausbildung gut ist, ich aber auf Grund meiner Unflexibilität (kommen Sie bitte, wenn wir Sie anrufen) nicht zur Firma passe, oder ich fliege gleich raus aus dem Verfahren, wenn ich mit meiner Kinderzahl rausrücken muß – denn dann gelte ich glatt als intellektuell disqualifiziert (habe ich schriftlich )..

    Ich bin supergerne und mit Leidenschaft Mama, ich habe allerdings nicht an der Kreissaaltür mein Hirn abgegeben oder aber am Wickeltisch meine Intelligenz verloren… und übrigens habe ich auch nicht vor, mich für mein Familienmodell zu rechtfertigen … soviel erstmal als allererste „Meinung“ – ich bin 44 Jahre, Abitur, Hochschulpädag. Abschluß in PPäd/PSych, ausgebildete psycholog. Beraterin, derzeit im Fernstudium zur Psychotherapeutin, lebe auf dem Land , Haus, Hof und Hund, UND acht Kinder (Grundschule, Gymnysium Studium )… alles Liebe, Daniela

    • Hallo und willkommen auf meinem Blog, Daniela!

      Vieles, was du beschreibst, kann ich bestätigen – leider. Und dass du als Frau mit 8 Kindern schlichtweg diskriminiert wirst, ist für mich sonnenklar. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, und irgendwann auch einen Job, der zu dir und deinem Leben passt!

      LG, Christine

  13. Christine, ich lese mich so langsam durch dein Blog und kann nur unterschreiben, was du derzeit erlebst. Ich habe jahrelang eine tolle Position in einer tollen Firma gehabt, dann kam Kind 1, und schon in der Schwangerschaft wurde mir explizit erklärt, ich könne ja nun mit Kind weder reisen noch 24 Stunden erreichbar sein (O-Ton meines damaligen Chefs: „Und die H., also meine Frau, die genießt es ja auch, mit den Kindern zu Hause zu sein!“ Ich durfte nach dem Mutterschutz nicht in meine Position zurück, wurde von Team zu Team geschoben und musste mich irgendwie wieder hocharbeiten (bei einer Chefin mit Kind bezeichnenderweise). Leider gibts das Unternehmen nicht mehr – während ich Kind 3 bekam, meldete es Konkurs an. Ja, und diese dusseligen Headhunter, denen darf man nie und nimmer erzählen, dass man Kinder hat. Privat finden sie es ganz putzig, offiziell landest du damit vermutlich gleich auf einer Blacklist, egal, wie selten du krank warst und egal, um wie viel besser du deinen Job gemacht hast. Ich habe mich letztendlich für die Variante öffentlicher Dienst entschieden (hatte ein Lehramtsstudium). Zum einen hat man selten mit Businesskaspern zu tun, zum anderen sind die Jugendlichen, mit denen ich zu tun habe – anders als viele Kollegen in der Wirtschaft – authentisch, meine Fächer machen mir Spaß – so what. (Und der Direktor fragt halt nicht danach, ob ich um 20 Uhr noch im Lehrerzimmer sitze oder nicht …) LG und viel Spaß und Erfolg bei deinen Print-Projekten (ich habe nach der Geburt von Kind 3 eine zeitlang freiberuflich für Bildungsverlage gearbeitet :-))

    • Liebe Frau Kreis,

      freut mich, dass es dir hier gefällt :). Freut mich nicht, dass sich deine Erfahrungen mit meinen decken, aber ich hätte auch nichts anderes erwartet – und die Headhunter, ja, ich glaube, die haben eine Blacklist für Frauen mit mehr als einem Kind. Speziell, wenn sie auch noch offen alleinerziehend leben wie ich! Wobei ich glaube, dass es nicht unbedingt an den Headhuntern liegt, sondern an deren Kunden, den Firmen. Wo männliche Chefs mit genau der Attitüde, die dir begegnet ist, sitzen. Würg.

      Herzlichst, Christine

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