Die Sache mit dem Ehrgeiz: Karriere adé?

Es wurmt mich, dass ich beruflich so auf der Stelle trete, seitdem ich nicht mehr fest angestellt bin. Es wurmt mich sogar sehr, obwohl ich die angenehmen Seiten des Freiberuflertums durchaus sehe.

Aber ich hatte mal eine Karriere, sogar zwei davon (die erste an der Uni, die zweite als Journalistin), und nun arbeite ich auf niedriger Flamme hier ein Stündchen und dort ein bisschen, lebe von staatlichen Zuschüssen wie Wohngeld und Kindergartenzuschüssen, und sehe die 50 unaufhaltsam auf mich zukommen.

Als meine jüngste Tochter geboren wurde, war ich bereits 42. Sie war nicht geplant, aber höchst willkommen, und genausowenig hatte ich den Plan gehegt, mich 2009 vom Vater der drei Kinder zu trennen, als die Jüngste noch ein Baby war. Auch das mit dem Jobverlust war nicht von mir initiiert – der Kinderbuchverlag, für den ich in der Schweiz arbeitete, konzentrierte sich aufs Kerngeschäft, wie das so schön heißt, wenn die Geschäfte nicht so laufen, und so wurde ich im Sommer 2011 zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt arbeitslos.

Im ersten Jahr der Arbeitslosigkeit, als ich noch ALG 1 bezog, hatte ich noch Hoffnung, wieder einen adäquaten Job zu finden – die habe ich mittlerweile, 18 Monate nach meiner Entlassung, leider vorerst begraben. Das tut weh, denn ich habe immer sehr gerne im Büro gearbeitet. Ein festes Gehalt ist eine Sache, aber die gesellschaftliche Anerkennung eine andere: Natürlich kann ich sagen: „Ich bin Bloggerin und freie Redakteurin“, aber darunter können sich nur wenige Menschen etwas vorstellen, und als Vorzeige-Mama taugt mein derzeitiger beruflicher Werdegang auch nicht.

Der älteren Tochter wäre es wichtig, das höre ich heraus, wenn ich mal ein Bewerbungsgespräch habe, dass ich wieder arbeite, denn sie versteht den Zusammenhang zwischen finanzieller Not und Broterwerb. Außerdem ist es ziemlich uncool, wenn die Mama immer zuhause hockt, gelegentlich einkaufen geht, und ansonsten nichts sichtbares produziert. Für die beiden jüngeren Kinder ist es eher schön, dass ich gerade so viel Zeit habe, aber für mich ist es das nicht.

Mir ist langweilig, ich bin unterfordert, und ich spüre eine gewisse Griesgrämigkeit in mir aufsteigen. Habe ich jahrelang studiert, über 10 Sprachen und etliche PC-Programme bedienen gelernt, eine Journalistenschule besucht und einen Doktortitel erworben, um nun mit 46 darauf zu warten, ab 65 keine Rente, sondern Sozialhilfe zu beziehen?

Wo bin ich falsch abgebogen?, das frage ich mich an schlechten Tagen, die zum Glück selten sind. Soll ich meine Ehe als Fehler sehen, mein Studium, das Kinderkriegen? Das klingt auch nicht wie der Schlüssel zu einem zufriedenen Leben. Meine Selbstständigkeit ankurbeln, das ginge in gewissem Rahmen, aber sie wird immer nur ein Notnagel für mich bleiben, denn ich wollte in einer Firma aufsteigen, lebenslang lernen, und an großen Projekten mitwirken.

Mein Ehrgeiz fliegt mir dieser Tage ganz schön um die Ohren. Ihn mir ganz abschminken möchte ich nicht. Es gibt ja die Möglichkeit, dass irgendwann ein Alleinerziehenden-Printmagazin Redakteure sucht, die im Home Office arbeiten. Oder dass eine 50+ Webseite ganz groß rauskommen will und ich dann dabei bin, als eine junge Frau, die alt genug ist und sich mit twitter und Social Media auskennt. Aber dieses Warten bei ungewissen Aussichten macht mich ganz kirre.

Kürzlich habe ich für einen Kinderbuchverlag im Auftrag konzeptioniert und getextet, so eine Art Pixibuch, und dabei Filme direkt aus dem Französischen auf 9 Seiten kondensiert und ein Grafikerbriefing abgeliefert. Das hat mich gefordert, es hat Spaß gemacht, und als ich mit dem Job fertig war, war ich traurig. Wenn die Büchlein veröffentlicht sind, stelle ich sie bei den Referenzen hier ein, aber noch darf ich nicht genauer sagen, was es war.

Auch meine Arbeit für die liliput-lounge ist eine feine Sache (und ich mache sie allein schon des Teams wegen mit Freude!), nur halt vom Umfang her einfach nicht mehr mit der Karriere inklusive Au-Pair und feudalen Businessreisen zu vergleichen, die ich einmal hatte, als die Webseite noch dem Kinderbuchverlag gehörte.

Im Prinzip habe ich wohl gerade eine Art Lagerkoller in meinem Leben, zumal ich auch kein Geld habe, um mir einen Babysitter zu leisten, um abends gelegentlich ins Kino/Theater oder irgendwohin zu gehen.

Ich habe immer gearbeitet, nie eine Babypause gemacht, und es gab auch schon früher Zeiten, in denen ich dachte, es ginge nun nicht mehr vorwärts karrieretechnisch. Das versuche ich mir gerade in Erinnerung zu rufen, und auch die Tatsache, dass ich beruflich zwar nie geradeaus marschierte, aber doch stets eine Nische fand. Und dann zieht mich der Gedanke runter, dass ich 61 bin, wenn die Jüngste 18 wird, und wenn sie 10 Jahre alt ist, ich 53 sein werde. Nimmt mich dann noch jemand? (Nein, ich meine nicht als Frau, das ist zwar auch ein Gedanke, der mir manchmal kommt…).

Auf dem Weg zum x-ten Wasserschaden im Keller
Auf dem Weg zum x-ten Wasserschaden im Keller

Kurzum: optimistisch zu sein ist manchmal ganz schön schwierig. Und Zwischentiefs sind gestattet, besonders nach einem langem Winter und bei laufender, zäher Scheidung.

Wish me luck!

 

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40 KOMMENTARE

  1. Liebe Christine,
    danke für deine Offenheit, um mich rum höre ich oft nur „ach, mir gehts super“ und weiß doch, dass es hinter der lächelnden Fassade ganz anders aussieht. Helfen wird es dir nicht, aber ich kann dich gut verstehen. Bin auch so eine Ehrgeizige. Habe zwar keinen Doktortitel und spreche nur fünf Sprachen ;-)… aber immerhin einen Top-Abschluss und internationale Berufserfahrung, war Vertriebsleiterin und habe trotz zwei Kindern nie länger als zwei Monate nicht gearbeitet im Sinne eines Broterwerbs. Heute bin ich Freiberuflerin, denn die Firma ging pleite als ich gerade hochschwanger war – wer hätte mich da eingestellt? Bin meistens glücklich als Freiberuflerin, doch immer wieder kommen diese nagende Selbstzweifel. Ich vermisse die großen Messen, Reisen, das Gefühl, Teil eines wichtigen Projekts zu sein. Sicher ist mein Job super mit meiner Rolle als Mama zu vereinbaren, aber werde ich das jetzt bis an mein Rentenalter machen?
    Ich wünsch dir einen großen Vorrat an Sonnenstrahlen und bin mir sicher, dass eine so talentierte Schreiberin wie du noch sehr viel Großartiges zu erwarten hat.
    Herzlichst, Peggy

    • Liebe Peggy, JA. ((( ))).

      Nachtrag vom 27.02., morgens:
      Ich glaube, ich muss einfach aufpassen, dass der Ehrgeiz mich weder krank macht, weil unerfüllt, noch dass ich ihn ganz ad Acta lege. Das ist die Kunst. Den Traum von einer glücklichen Familie habe ich aufgegeben, den vom finanziell guten Leben kann ich gehen lassen. Aber den Traum, beruflich erfolgreich zu sein, den mag ich nicht hergeben.

  2. uiuiui, 3 Kinder, so viele Sprachen, Dr. Titel, Kompetenzen, das hört sich nach sehr viel – und nicht nach falsch abgebogen an, finde ich. Der Fehler liegt wohl eher im System. Armutsrisiko Alleinerziehend + derzeitige wirtschaftl. Situation = wenig Kohle, kaum freie Zeit (zumindest wohl keine zum Reisen, Ausgehen …). Ich finde das aus der Ferne betrachtet sehr bewundernswert, wie du das hinkriegst. Ist vermutlich nicht tröstlich, weißt du auch alles. Was ich eigentlich sagen will: Ich wünsch dir Glück, ganz viel davon!!!

    • Liebe Cloudette,

      das System, das macht mich wütend, du hast Recht. Und dass Väter beim Sorgerecht derzeit so Oberwasser bekommen, die Pflichten den Kindern gegenüber (Umgang, Sorge) aber nicht eingefordert werden. Man kann als Mutter nicht einmal ein Girokonto für den Teenager eröffnen ohne Unterschrift des Vaters. Das ist doch bekloppt!

  3. Liebe Christine,
    ich finde es beeindruckend, wie du es schaffst, zu grummeln ohne zu mosern. Dein Bericht klingt nicht mitleiderheischend und bestimmt wolltest du jetzt nicht hören, dass alles gut wird. Aber: bestimmt wird alles gut :-) Ich glaube fest daran, dass so wie es in den Wald hineinschreit, auch rausschreit. Und ich glaube, du tust dem Wald gut :-) Aber dir sei ein Grummel-Tag gegönnt und ich wünsche dir, dass der Schnee bald taut und sich in deinem Leben bald wieder die Sonne breit macht.
    Lieben Gruß, Tina

    • Liebe Tina,

      genau, Mitleid will ich nicht – das wäre furchtbar. Ich will ja tapfer sein und mich nicht unterkriegen lassen. Danke für die guten Wünsche!

  4. Liebe Christine,

    Dein Blogbeitrag hat mich sehr bewegt, weil ich mich vollkommen in Dich hineinversetzen und Deine Stimmung nachempfinden kann. Das eigentliche Problem hast Du selbst erkannt: es ist nicht immer leicht, optimistisch zu sein und gerade in unserer deutschen Gesellschaft tendiert man dazu das Glas eher halbleer als halbvoll zu betrachten. (Das höre ich ständig von meinem schwedischen Mann, der insofern eine andere um nicht zu sagen bessere Wahrnehmung hat als ich). Das sollte Dein Ansporn sein.
    Ich stell mir manchmal vor was ich denken würde, wenn ich auf dem Sterbebett liege, hätte ich bloß mehr gearbeitet? Wohl kaum. Das Wichtigste im meinem Leben liegt anderswo. Ich kann nicht beurteilen, welche Deiner Entscheidungen Du letztendlich als Fehler bewerten würdest, aber Fehler zu machen ist normal und nicht schlimm. Wichtig ist, dass Du aus ihnen lernst und daran wächst, egal wie alt Du bist. Aus jeder Situation kannst Du etwas lernen, was Dich weiter bringt. Du musst Dich nur darauf konzentrieren und DIch von den negativen Aspekten frei machen, die Dich blockieren.

    Sieh es mal so: Du bist 46 Jahre alt, hast drei Kinder, eine gute Ausbildung, sprichst verschiedene Sprachen. Du bist ganz offensichtlich nicht doof, siehst gut aus und bist ehrgeizig und motiviert. Das können eigentlich nicht viele von sich behaupten. Warum solltest ausgerechnet Du mit 65 keine Rente sondern Sozialhilfe beziehen?

    Liebe Grüße
    Dörte

    • Liebe Dörte,

      das stimmt, und ich weiss auch durchaus, was ich habe. Das Leben hat es oft gut gemeint mit mir – ich hatte einen Autounfall, den ich fast heil überlebt habe, hatte gutartige Tumoren, die wieder verschwanden, und habe 3 gesunde Kinder, was bei allen dreien auch hätte anders ausgehen können.

      Auf dem Sterbebett würde ich vielleicht denken, hätte ich mir bloss weniger Sorgen um Geld gemacht und wäre öfters unbeschwerter gewesen. Hm….

      Sei gegrüsst, Christine

  5. Oh man, dass klingt nach einer mittelschweren Depression. Wenn ich sowas lese, würde ich am liebsten irgendwie helfen, aber dass ist natürlich absolut unrealistisch, da ich beruflich erstens in keiner Position bin um irgendwelche Personalsachen zu entscheiden und zweitens dann auch noch in der falschen Branche. :-(
    Ich drücke Dir auf jeden Fall aber die Daumen, dass vielleicht eines Tages (hoffentlich in naher Zukunft) ein Arbeitgeber „mit Herz“ auf Deinen Blog stößt und Dir ein Jobangebot macht, was Du nicht ausschlagen kannst ;-)

    LG,
    Mattes

    PS: Und ich kann bei dem Thema absolut nicht mitreden, da ich meinen einzigen und ersten Job immer noch habe. Den zu verlieren ist mein größter Albtraum, ganz ehrlich!

    • Hallo Mattes,

      keine Sorge – depressiv bin ich nicht, dafür ist zu viel Wut dabei, und ich würde auch nicht zögern, mir helfen zu lassen, wenn ich denken würde, ich hätte Depressionen. Dass du deinen ersten und einzigen Job immer noch hast, finde ich toll. Das gibt’s heute nicht mehr so oft!

      Herzlich, Christine

  6. Liebe Christine,

    ich bewundere deine Offenheit! Danke dafür, denn dein Artikel bewegt mich.

    Ich stelle mir deine Situation sehr hart vor. Alleinerziehend zu sein ist schon etwas, das ich für extrem schwierig halte. Wenn dann noch berufliche Frustration dazukommt …

    Was die finanzielle Situation betrifft, kann ich mich ein bisschen in dich hineinversetzen. Während meiner Studienzeit und auch noch einige Zeit danach war ich wirklich arm (die Gründe dafür möchte ich hier nicht anführen, so offen kann ich nicht sein – kann nur sagen, dass es familiär bedingt war). Ich musste damals zwar für keine Kinder sorgen, aber wie es ist, absolut kein Geld für die Annehmlichkeiten des Lebens zu haben und über Jahre hinweg jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen, bevor man ihn ausgibt, das weiß ich. Und ich möchte es nie wieder durchmachen müssen.

    Ich wünsche dir viel Glück! Vielleicht schreibst du ja ein Buch über deine Erfahrungen und es wird ein Bestseller. Fände ich toll!

    Liebe Grüße,
    Bruno/Lapideus

    • Lieber Bruno,

      meine Offenheit ist mein Vehikel, mit der Situation umzugehen – Bewunderung habe ich dafür gar nicht verdient, aber danke :).
      Ich war noch nie so arm wie jetzt, selbst als Studentin nicht, da lebte ich von 800 DM sehr gut einen Monat lang (Miete war 350 €) und konnte sogar noch etwas sparen, in den 80ern. Was mich schmerzt, ist dass ich für die Kinder zwar reichlich Liebe und Bildung anbieten kann, aber nur billige Schuhe und gebrauchte Klamotten. An Tablets, Smartphones und Co denken wir ja nicht einmal…

      Gruss zurück, Christine

  7. Hallo Christine,
    das schlimmste, was ich mir für dich vorstellen kann: fest angestellt zu sein in einem Job, wo der Arbeitgeber dich am ausgetrackten Arm vergammeln lässt, deine Ideen und deine Arbeit nicht würdigt, mit dem Prinzip Hoffnung spielt und gerade genug zahlt, dass due die Anstellung nicht aufgeben möchtest.

    Was da in dir aufsteigt, kenne ich gut, auch wenn ich nie die Karriere anstreben würde, die du hattest. Der Frust, der da hoch kommt, macht zynisch. Das habe ich an dunklen Tagen gemerkt, wenn meine Tochter über Berufswünsche plauderte und ich dachte: Mädel, wenn du Kinder haben willst, kannst du dir das Studium auch sparen. Sie will beides: Job und Baby. Ganz die Mama eben.

    Kopf hoch. Und Ausbrechen aus dem Schema „Festanstellung bringt Seelenheil“.
    Klar bringt ein guter Job mehr Geld, mehr Reisen und mehr Sicherheit.
    Aber hey, du bist stark und ich glaube fest daran, dass deine Aufträge als Freiberufler nur der Anfang sind.

    LG Tina

    • Liebe Tina,

      diesen Gedanken hatte ich auch schon, und ich habe mich geschämt und geärgert:

      „Das habe ich an dunklen Tagen gemerkt, wenn meine Tochter über Berufswünsche plauderte und ich dachte: Mädel, wenn du Kinder haben willst, kannst du dir das Studium auch sparen.“

      Shame on me. Da waren meine Eltern weiter – wobei die auch aus einer Generation stammen, die vor Zuversicht strotzte, und in der alles möglich schien. Mir scheinen gerade alle Wege verbaut. Aber das ist ja auch nur eine Momentaufnahme. Oder!?

      Sei ganz herzlich gegrüsst, und mit einem Job, wie du ihn beschreibst, mag ich auch nicht wirklich tauschen, Christine

      • Ja ich hab mich geschämt und mich über mich selbst erschrocken.
        Gott sei dank hab ich meine Gedanken nicht laut ausgesprochen.
        Seitdem arbeite ich daran, ihr zu vermitteln, dass ihr Traum von Job und Kind funktionieren kann.

        Und ja, es ist eine Momentaufnahme.
        Eine, die auch bei einem schlechten Tag mit Job kommen kann.
        An allen anderen Tagen erfreue ich mich einfach daran, dass sie so tolle Pläne für die eigene Zukunft schmiedet. Derzeit schwankt der Berufswunsch zwischen Fotografin und Polizistin.
        Ich bin gespannt!

  8. Liebe Chris,

    ich finde Brunos Idee mit dem Buch hervorragend! Wir alle lesen gerne Deinen Blog und die klugen Reflektionen zu Dingen des Alltags. Vielleicht wird es ein Roman? Den wolltest Du doch schon lange schreiben.

    Sicher nicht sehr tröstlich, aber wahr: auch mit anspruchsvollem Job in Festanstellung, aus dem Home Office und mit gelegentlichen Reisen ereilt einen manchmal die Sinnfrage. Gerade gestern habe ich von der Sofortrente beim Lotto geträumt. Seit kurzem hat mein Mann ein online Lotto Abo….

    Viele Grüße

    Claudia

  9. Liebe Chris

    ich lese Deinen Blog unbemerkterweise schon eine Weile mit. Und dieses Post finde ich wirklich – also ich war zwar nie in dieser Situation, aber ich kann doch etwas nachvollziehen, was Du meinst. Ich finde auch, Du machst das großartig! Jedenfalls, was ich so lese…

    Wir schließen gerade beide den PhD ab (Life Sciences), natürlich ohne Vertrag, das zweite Kind ist unterwegs, der Postdoc-Vertrag unterschrieben… Wie soll man denn so jemals auf einen grünen Zweig kommen? Denke ich mir oft.
    Und was mich dann als Frau mit 2 Kindern an der Uni erwartet – eigentlich verweigere ich mich diesem Gedanken gern. Es kommt ja immer anders…

    Nur woher man die Kraft nimmt, Du scheinst ja manchmal durchaus die Antwort zu kennen. Ich bin ja erst Anfang 30. Aber vor der Mami-Falle und nem 50% Hilfsjob hab ich schon Angst.

    Jedenfalls hoffe ich, Dir fällt bald genau die Aufgabe vor die Füße, die Du gesucht hast. Soll ja auch vorkommen.
    Und nicht den Kopf hängen lassen!
    Manuela

    • Liebe Manuela,

      ich freu mich immer besonders, wenn jemand, der schon eine Weile oder gar lange still mitliest, etwas kommentiert. Ich habe die also erreicht. Kein Wunder, wenn ich deine Lebenssituation lese – ja, frau macht sich schon Gedanken, aber so richtig planen kann man doch weder Karriere noch Kinder, das ist meine Erfahrung. Bei mir kommt die Kraft aus einem eisernen Willen, glaube ich. Aber ohne Humor und Loslassen nützt der auch nichts, das musste ich lernen.

      Den „grünen Zweig“ scheint’s eh nicht mehr zu geben. Hier in Konstanz werden sogar vermeintlich sichere Arbeitsplätze wie bei Siemens, Nycomed und Centrotherm jetzt abgebaut.

      Ich wünsche dir bzw. euch auch alles Gute!

  10. Ich bin dabei! Ich wünsche dir alles Gute und vielleicht einfach neue zündende Ideen! Was hältst du davon, mit deiner Wahnsinnsbildung einen historischen Krimi (oder auch zehn) zu schreiben? Meines Wissens verkaufen die sich ganz gut…
    Und außerdem: Du bist so gut organisiert, vielleicht hast du eine geniale Idee, selbst eine Firma zu gründen? Eine Zeitschrift? Ein Werbetextbüro? Keine Ahnung … aber in so viel (nachvollziehbarem) Frust steckt meist auch viel Energie, und dich wie Phönix aus der Asche selbst zu erfinden – das traue ich dir zu.
    Ganz herzlich, die Mara.

    • Liebe Mara,

      mein Problem ist, dass ich nicht rechnen kann. Also richtig dyskalkulisch veranlagt bin, ich kann nicht einmal Handynummern korrekt vorlesen oder ein Fax schicken, ohne drei Anläufe gemacht zu haben. Wenn Firma gründen, dann nicht alleine. Und ich will das nicht, hatte schon mit dem Exmann insgesamt 3 Firmen, ich weiß, was für ein Stress das ist… Nee, das muss anders gehen. Den Phönix aus der Asche kann ich ganz gut. Oder wie meine Eltern sagen, „Die Christine landet immer wieder auf ihren Füßen“. :)

      Danke dir für die guten Wünsche!

      • Geht mir ähnlich. Ich bin immer voller Panik, wenn ich irgendwo unsere Bankverbindung hinschreiben muss. ;)
        Deshalb tue ich mich mit meiner Selbständigkeit auch schwer. Alles Gute, Phönix!

  11. „… und einen Doktortitel erworben“

    Inwiefern ist es wichtig, daß man einen Doktortitel hat, wenn dieser nichts damit zu tun hat mit der Stelle, die man haben will?
    Ein Doktor in Quantenphysik bringt doch nichts, wenn man eine Stelle als Pädagoge haben will im Frauenheim und macht einen doch nicht automatisch qualifzierter als andere ohne Doktor.

    Dieser Doktor ist doch eigentlich eine Art Ausweis für Forscher und sollte kein Fetisch sein fürs Ego.

    • Hallo Samuel,

      den Doktortitel habe ich als Qualifikation für eine Universitätskarriere erworben, die ich anstrebte – insofern hat er schon etwas mit der Stelle zu tun, die ich haben wollte, nämlich Professorin werden. Dass ich mir das anders überlegte, hatte gute Gründe, die unter anderem mit meinem Kinderwunsch zu tun hatten. Es war übrigens ein Doktortitel in Philologie, der mir auch als Journalistin wegen meines umfangreichen Hintergrundwissens nützt.

      Meinen heutigen Beruf, Journalistin, habe ich durch den Besuch der Journalistenschule nach der Promotion als berufsbildende Massnahme kennen- und lieben gelernt, und über 10 Jahre ausgeübt. An mangelnder Qualifikation liegt es also nicht, dass ich keine Anstellung finde, falls das der Sinn des Kommentars sein sollte.

      Herzlich, Christine

  12. Liebe Christine,

    ich bin auch so eine stille Mitleserin, die sich sehr oft an Deinen lebensklugen und unbedingt ehrlichen Betrachtungen freut. Außerdem bin ich ebenfalls freiberufliche Texterin mit drei Kindern zwischen 7 und 2, allerdings nicht alleinerziehend. Nichtsdesto trotz denke ich in ganz vielen Situationen an Deine Sicht auf die Dinge. Deine Energie ist beispielgebend!
    Finanziell ist meine Familie ebenfalls sehr auf Kante genäht. Einen Babysitter könnten wir uns auch nicht leisten. Deshalb ist es in unserem Haus üblich, das Babyfon den Nachbarn zu geben, wenn jemand ausgehen will (Bzw. größere Kinder können bei uns anrufen oder einfach runter kommen, wenn Ihnen was nicht geheuer ist). Und: Wir gehen viel auf Vernissagen und Atelier-Touren. Das ist kostet keinen Eintritt und hat ebenfalls guten Unterhaltungswert, finde ich. Zudem bin ich im Presseverteiler unserer Städtischen Galerien und Sammlungen und gehe da gern zu Pressegesprächen – gratis-Einführungen in die aktuelle Ausstellungen sind da inklusive.
    Ansonsten: Ich bin seit zehn Jahren Freiberuflerin, mit zwei festangestellt-ähnlichen Verhältnissen mittendrin. Habe sehr unangenehme Erinnerungen an die jeweiligen Chefs und bin nicht unfroh, cheflos meinen eigenen Kram zu machen. Für größere Projekte schließe ich mich mit anderen Freiberuflerinnen zusammen – aber so große, dass dazu Dienstreisen etc. gehören würde, sind tatsächlich nicht dabei. Aber: Je länger Du freiberuflich bist, desto größer wird Dein Netzwerk und desto stetiger die Aufträge, versprochen!

    • Liebe Anne,

      danke, dass du mir Mut machst. Ich wundere mich immer ein bisschen, wenn mir geschrieben wird, dass ich so viel Energie habe und mir so vieles zugetraut wird – wirklich. Es gibt sehr wohl verzagte Momente in meinem Leben, aber aufgeben ist ja auch keine Alternative. Wenn die Kinder älter sind, werde ich auch mehr kostenlose kulturelle Veranstaltungen besuchen, das nehme ich mir fest vor. Und dass mein Netzwerk wächst, das merke ich auch, und es ist ein sehr schönes Gefühl.

      Herzlichen Gruss, Christine

  13. Hallo,
    Vielleicht noch eine andere Idee: in Genf sucht man händeringend nach Deutschlehrern und zwar DAF (Deutsch als Fremdsprache). Wenn du flexibel bist und eventuell noch an einem pädagogischen Studium neben der Arbeit interessiert wärest??? Um dir alles zu gestehen, es ist mein Beruf und er ist als Familienmutter sehr praktisch, da man beispielsweise ähnliche Stundenpläne wie die Kinder geniesst. Am Ende dieses Schuljahres gehen an unserem Gymnasium gleich zwei Kollegen in Frühpension und es wird nicht einfach sein, sie zu ersetzen! Zwar kann es sein, dass man als Doktorantin auch da etwas unterfordert ist, aber irgendwie scheint es mir besser als das, was du von deinem jetzigen täglichen Leben berichtest – bitte nimm diese Bemerkung nicht als Kritik. Alles Gute, Ewel

    • Liebe/r Ewel,

      das nehme ich als konstruktive Anregung, und würde ich liebend gerne machen, aber Genf würde umziehen bedeuten, das kann ich nicht mal eben fahren (und ich fuhr ja bereits 3 Stunden am Tag im letzten Job). Meine Kinder würden mich zerreissen. Und ohne Geld kann ich ja auch nicht studieren… :( Da ist mir mal wieder mein Alter im Weg. Mit 46 und 3 Kindern geht alles etwas zäher.

      Ich kenne Genf übrigens, da war ich mal mit 18 für 1 Woche mit meiner Jugendliebe, der dort Familie hatte. Es war sehr schön!

      Danke für die guten Wünsche!

      • Natürlich würde das bedeuten, mit Kindern umziehen… Das Studium ist eine nebenberufliche Ausbildung: man müsste sich bei den Genfern Schulen bewerben und dort Unterrichtsstunden bekommen (ein halber Posten entspricht 10 bis 12 Stunden Unterricht). Das wären zwar anfangs zwei etwas schwierige Jahre, aber danach gibts einen gesicherten und gut bezahlten Job. Ich weiss jedoch nicht, wie du und dein Ehemaliger die Kinderbetreuung geregelt habt… Das kann klarerweise ein Hindernis sein!
        Übrigens bin ich weiblich :-)
        Good luck!

        • Liebe Ewel,

          nur so, zum Träumen – und wovon würde ich dann leben, wenn ich mich nebenbei 10-12 Stunden pro Woche weiterqualifiziere? Die Kinderbetreuung ist ja in der Schweiz nicht flächendeckend kostenlos, und hier in Deutschland bekomme ich Wohngeld und Kindergartenzuschüsse… Hätte ich keine Kinder, ich würde das machen. Wobei: hätte ich keine Kinder, wäre ich auch in Deutschland nicht arbeitslos, weil längst umgezogen, der Arbeit hinterher. Seufz.

          • Nur um deine Frage zu beantworten, der halbe Posten wird natürlich bezahlt, ich schätze so um die +/- 4000,- CHF davon muss man jedoch mindestens 2000,- für die Miete und ca. 1000,- fürs Essen abziehen. Es bleibt deshalb anfangs nur sehr wenig übrig… Ein voller Lehrposten (maximal 24 Stunden, dementsprechend zusätzliche Vorbereitungen, Korrekturen, Sitzungen usw.) wird dann aber mit doppelt soviel entschädigt… Ja, ich vergesse manchmal, dass mein Beruf in derzeitigen Epoche traumhaft wirken kann… Dass alles mit Kindern sehr viel schwieriger wird, weiss ich auch: in der Schweiz wird zwar ziemlich gut bezahlt, es gibt aber kaum soziale Extras!
            Ich wünsche dir weiterhin Kraft und Optimismus.

  14. Hallo Christine,

    ich wollte schon seit Tagen etwas zu deinem Post schreiben, aber immer kam irgend etwas (oder besser irgendwer) dazwischen. Ich kann gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Irgendwann vor den Kindern hatte ich auch mal tolle Jobs in der Wirtschaft, mit den Kindern kam die Degradierung (gerade so, als ob ich mein Hirn im Kreißsaal abgegeben hätte) – und irgendwann wurde das ganze Unternehmen wegrationalisiert. Mit Kindern eine verantwortungsvolle Stelle abseits von Fleischabteilungen und Brötchentheken in Deutschland zu finden kann Auslöser einer mittelschweren Depression sein. Ich habe, weil es mich fasziniert hat zu unterrichten (angefixt), in den letzten eineinhalb Jahren mein 2. Staatsexamen gemacht, und jetzt geht der ganze Käse wieder von vorn los: Bewerben mit Kindern, darüber meditieren, ob man nicht zu alt ist für all die Jobs u.ä. – und während ich zu Hause sitze und Bewerbungen schreibe, nagt es in mir: ich mag keine Hausfrau sein, ich bin qualifiziert, ich kann Dinge, die Sechsundzwanzigjährige nicht können – und ich will wieder raus, arbeiten, mit anderen Menschen zusammen Dinge gestalten. Du bist nicht allein mit deinem Lagerkoller, auch wenn das jetzt kein Trost ist. Good Luck! :-)

    • Liebe Frau Kreis,

      ich danke dir für deine Worte. Genau das, Brötchentheke und Drogeriemarktminijob auf 400 € Basis, aber nur unter Verschweigen des Doktortitels, kommen noch infrage als leicht zu bekommende Jobs. Traurig. Unterrichtet habe ich auch sehr gerne, erst an der Uni, später als Dozentin an einer Sprachenschule (aber bereits miserabel bezahlt, 15 € pro Stunde, Vorbereitung ging auf eigene Kappe ebenso wie Lehrmittel)…
      Alles Gute für dich!

      Herzlichen Gruss, Christine

  15. Hallo Christine,

    menschliche Anteilnahme wurde auf dieser Seite bereits viel gezeigt. Ich sage: „Zum Glück.“ Ich kenne die von dir beschriebene Situation in Grundzügen. Gerade sitze ich am Schreibtisch und entwickel einen Plan B zu meiner am 01. März 2013 wieder aufgenommenen freischaffenden Tätigkeit. Ich bin nicht mehr bereit, ständig drauf zu zahlen. Weder finanziell, noch kräftemäßig. Aus diesem Grund habe ich ein Konzept entwickelt, wie ich mir meine eigene Anstellung schaffe. Das hat bereits für ein Projekt funktioniert (2009 bis 2012). Damit ist die Grundsicherung geklärt und nebenberuflich kann zusätzlich noch Einiges laufen. Wenn es dich interessiert, wie ich vorgehe, kannst du gern mit mir in`s Gespräch kommen. Übrigens bin ich 41, Akademikerin, aktuell wieder in Weiterbildung, alleinerziehend usw… du siehst, es gibt viele Frauen, die …. Moment mal, warum machen wir nichts Konstruktives aus dieser Situation??? Oh, ich werde kreativ. Ein sehr gutes Zeichen. Ich glaube, das ist das entscheidende Punkt, kreativ mit der Situation umzugehen.

    Es grüßt
    Lydia Herzhaus

  16. weißt du, was mir beim lesen mut macht? dass du dich im gegensatz zu mir auf deine wahrnehmungen verlassen kannst. meine tochter bat mich letztens „aus tiefster seele“ anzuschauen, um eher zu begreifen, was sie neben mir erlebt hat. jetzt ist sie grad bei seinen eltern. sein vater scheint oft in gedanken zu sein. aber seine stimme ist da, wo er grad ist, herzergreifend – die augen rot geweint. einsamkeit ist immer wieder anders, manchmal befreiend, manchmal aber einfach nur beunruhigend.

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