Selbstständigkeit als Notlösung?

Eine Broschüre auf dem Gang des Arbeitsamtes, wo ich gestern einen Termin hatte, sprach verheißungsvoll davon, dass „der Traum von der Selbstständigkeit“ durchaus zu verwirklichen sei. Das entspricht nicht ganz meiner Sicht der Dinge, denn selbstständig wollte ich noch nie sein – aber nachdem ich nun schon einige Monate fleißig Bewerbungen schreibe, beginne ich mich notgedrungen mit dem Gedanken anzufreunden, dass ein Angestelltenverhältnis momentan vielleicht nicht drin ist.

Da Nichtstun keine Option ist, habe ich vorgestern in einem Anfall jugendlichen Leichtsinns einen fertigen Artikel an ein großes Printmagazin gemailt und ihn zum Abdruck angeboten. Es geht dabei um ein Thema, das mich privat beschäftigt, und der Text „musste eh raus“ – das verstehen vielleicht nur schreibende Menschen, es gibt Texte, die wachsen im Kopf des Journalisten und drängen auf Verschriftung. Oft sind das besonders gute Texte, intensiv und authentisch. Drei solcher „One-Shots“ habe ich schon so an den Mann gebracht, fürs Hamburger Abendblatt 2001-2002. Und genau wie damals bin ich aufgeregt wie ein Teenager, der auf die Antwort auf einen Liebesbrief wartet: Werden sie mich erhören? Oder wird mein kleines Textjuwel verschmäht?

Im Grunde genommen habe ich also das freie Schreiben schon angefangen. Da wäre es nur angemessen, dafür auch einen guten Rahmen zu schaffen, indem ich mich über die Existenzgründung informiere. Die Tipps zum Gründungszuschuss vom DJV machen mir jedenfalls schonmal Mut – das scheint durchführbar. Ein Webinar für freie Journalisten, die sich selbstständig machen, werde ich auch belegen. Nur die Sache mit der Akquise, die liegt mir ein schwer im Magen. Ein kleiner Stamm an festen Auftraggebern wäre schon nett…

Derweil bewerbe ich mich weiter, gestern erst gab’s eine sehr interessante 60%-100% Position im benachbarten St. Gallen, die fast identisch mit dem Berufsfeld ist, in dem ich bis August tätig war. Es wäre doch gelacht, wenn nicht wenigstens diese Arbeitgeber mich in die engere Wahl kommen ließen!

P.S: Letzten Sonntag habe ich gemeinsam mit meiner großen Tochter, die gerne Grafikerin werden möchte, Visitenkarten erstellt, und sie trafen vor zwei Tagen schon ein – jetzt bin ich also offiziell Mama arbeitet :). Der einst deskriptive Name ist nun Programm. Sei’s drum.

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[…] die Künstlersozialkasse einzahlt, liege ich dem Amt nicht einmal „auf der Tasche“ (Selbstständigkeit ist für mich eine Notlösung, ich möchte in ein Büro und angestellt […]