Per Netzwerk zum Job – Geschwafel oder Erfolgsrezept?

Vor ein paar Tagen sandte mir Ute Blindert ihr neues Buch zu, das den Titel „Per Netzwerk zum Job. Insider zeigen, wie du deine Träume verwirklichen kannst“ trägt. Es wird das nächste Buch sein, das ich lese – aber schon vorher brachte es mich dazu, mal mit dem „Netzwerk-Blick“ meinen beruflichen Werdegang zu betrachten.

Wie ich feststellte, bin ich in fast alle guten Jobs durch Networking gerutscht, wenn auch nicht unbedingt durch aktives Dazutun, eher duch „Da sein und zeigen, dass man etwas gut und gerne macht.“ Frauen seien nicht gut im beruflichen Netzwerken, lese ich immer wieder. Was meine Laufbahn betrifft, ist eher das Gegenteil der Fall.

Es waren tatsächlich fast ausschließlich Frauen, die mich förderten oder die an mich dachten, wenn es Arbeit zu vergeben gab. Das wiederum stimmt mit dem, was ich über Frauenförderung und Karrieren lese überein: Frauen fördern Frauen – deswegen ist es so wichtig, auch welche in Schlüsselpositionen zu haben.

buch ute blindert

 

Schauen wir mal auf meine Jobs zurück. In welche Position wäre ich ohne Networking nie gekommen? Und wo konnte ich ohne „Vitamin B“ landen?

Verkäuferin in einer Boutique in der Freiburger Innenstadt

Auf den Job habe ich mich per Anruf auf eine Anzeige in der Badischen Zeitung beworben, mich beim Inhaber vorgestellt, und bin mit einer Zusage nach Hause gekommen. Kein Vitamin B. Kein guter Job. Ich kündigte nach 2 Monaten.

Hiwi/studentische Hilfskraft im Institut für Anglistik, Freiburg

Hier war ich einer aufstrebenden Dozentin im Rahmen ihrer Seminare durch besonders penetrantes Nachfragen und enormen Wissensdurst aufgefallen (zuerst nicht unbedingt positiv). Ich freundete mich aufgrund von Wellenlängen-Übereinstimmung mit ihrer damaligen Hilfskraft an, das war keine strategische Entscheidung, sondern eher eine Art „Nähe suchen“, und als diese junge Frau für ein Jahr ins Ausland ging, empfahl sie mich ihrer Chefin weiter, die wiederum „um meine Hand anhielt“, das fühlte sich damals komischerweise wirklich so an. Ich sagte sofort zu und war nach der Rückkehr jener Freundin mit ihr gemeinsam Hiwi unter der Dozentin, die sich inzwischen habilitiert hatte und sehr gut im Eintreiben von Drittmitteln war. Das fällt also unter Networking.

Assistentin auf Promotionsstelle, Institut für Anglistik, Berlin

Das war eine Fortsetzung der vorherigen Hiwi-Stelle in Freiburg, denn ich folgte der Professorin auf ihren neuen Lehrstuhl. Insofern habe ich mich wohl selbst weiterempfohlen. Verbuche ich also unter „netzwerken„. :)

Praktikum bei Familie & Co, Springer Verlag, Hamburg

Auch diesen Job hätte ich ohne Beziehungen wohl kaum angetreten: diesmal über einen Dozenten der Journalistenschule, die ich in Hamburg besucht hatte. Der war nun Textchef bei dem Magazin, zu dem ich wollte – und das passte wirklich gut, denn zwischen dem Abschluss der Journalistenschule und dem Praktikum habe ich meine erste Tochter bekommen. Ich mailte dem Dozenten (jaha, schon im Jahr 2000!) und bewarb mich mit einem Foto, das mich mit Baby zeigte. 6 Wochen später saß ich in der Redaktion. 3 zu 1 für Networking.

Bewerbungsfoto für das Praktikum bei Familie&Co, Hamburg im Spätherbst 2000
Bewerbungsfoto für das Praktikum bei Familie&Co, Hamburg im Spätherbst 2000

Leitende Content Managerin eines People Magazins, Hamburg

Wieder ein Job, zu dem ich über Beziehungen kam. Meine Freundin Silke, die ich von der Journalistenschule kannte, hatte sich bei einer Internetredaktion beworben, eine Zusage erhalten, und sich dann doch für eine Tätigkeit bei einem Print-Magazin aus dem Bauer Verlag entschieden. Silke fragte mich, bevor sie den People Magazin Leuten absagte, ob sie mich weiterempfehlen sollte – ich bejahte das, wurde gebeten, mich zu bewerben, und hatte den Job. Bingo.

Freie Autorin fürs Hamburger Abendblatt

Das ist etwas, was ich ganz ohne Vitamin B geschafft habe, und auf total unüblichem Wege. Ich habe getan, was man als Journalist eigentlich nicht macht, nämlich einen fertigen Text unaufgefordert eingesandt. Und zwar an den Redakteur des Wochenendmagazins, in dem mir mein Text passend erschien – es war meine Abschlussarbeit aus der Journalistenschule und ging um die Schwangerschaft, aus persönlicher und aus sachlicher Sicht beleutet. Zack, der Text wurde mir abgekauft. Das war toll. Zwei weitere lange Geschichten für das Hamburger Abendblatt konnte ich noch landen, dann zogen wir nach Konstanz. Beide Texte waren ebenfalls unverlangt eingesandte Geschichten (siehe Referenzen).

Befristete Vertretung in Elternzeit Baby & Co, Familymedia, Freiburg

Auf diesen Job habe ich mich ganz klassisch beworben, die Stellenanzeige fand ich im Internet. Allerdings  habe ich es nicht versäumt, darauf hinzuweisen, dass ich die Arbeit von Familie & Co recht gut kenne, und hätte ohne das Praktikum, das ich über Beziehungen bekommen hatte, wohl kaum eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen. Schließlich wohnte und wohne ich in Konstanz, das sind 2 Stunden Anfahrt nach Freiburg, und nichts, was man täglich macht (ich habe Verwandtschaft in Freiburg, wo ich schlafen konnte).

Freie Mitarbeit bei Familie & Co, Baby & Co, Familymedia, Freiburg

Da Familie & Co mich nicht fest einstellen konnte, bot man mir freie Mitarbeit an, was ich auch über einige Jahre sporadisch und sehr gerne machte. Wieder Beziehungen.

Freie Dozentin des Sprachendienst Konstanz

Hier landete ich ohne Netzwerke, sondern durch eine auf einem Auto angebrachte Werbung, der ich entnahm, dass der Sprachendienst Mitarbeiter suchte, woraufhin ich mich bewarb, vorstellte, und einige Semester lang Englischkurse unterrichtete, auf freier Basis und finanziell kaum der Rede Wert, aber für mich persönlich sehr bereichernd.

Chefredakteurin der Elternwebseite liliput-lounge

Die große Ausnahme von der Regel: Null Beziehungen, ich bewarb mich wie hunderte andere auch auf eine Anzeige eines Schweizer Stellenportals. Die Vergabe des Jobs lief über die Headhunter von Mercuri Urval, und es ging viele Runden, bis ich nach Vorstellung in der Schweiz, einem anspruchsvolles Assessment Center in Zürich und dem Endauswahl-Vorstellungsgespräch im Headquarter eines Kinderbuchverlags in Norwegen endlich die Zusage hatte.

Freie Autorin für den Familienservice famPLUS, München

Hier wirkten meine Social-Media Kontakte: Die Firma famPLUS kam über meinen Blog zu mir und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, für sie zu schreiben. Da inzwischen Vereinbarkeit von Familie und Beruf eins meiner Kernthemen war, sagte ich gerne zu. Ich habe in den vergangenen 1-2 Jahren sehr viel für diesen Familiendienstleister gemacht, und die FB-Seite von famPLUS betreue ich auch.

Freie Autorin für den Kinderbuchverlag Kidz Verlag, Stuttgart

Das ist ein Musterbeispiel für Networking – eine ehemalige Kollegin, mit der ich in der Schweiz für den norwegischen Kinderbuchverlag gearbeitet hatte, fragte mich, ob ich für ihren neuen Arbeitgeber, den Stuttgarter Kinderbuchverlag, frei Kinderbücher texten wolle. Zuerst probehalber, dann wurde das immer mehr, obwohl jene ehemalige Kollegin schon über 1 Jahr nicht mehr beim Kidz Verlag arbeitet – die Sache hat sich aufs schönste verselbstständigt. Momentan verbringe ich fast meine gesamte Arbeitszeit mit dem Schreiben von Kinderbuchtexten.

Freie Autorin und Social Media Betreuung für die Business Ladys

Seit kurzem schreibe ich die Netzperlen für die Business Ladys und betreue die FB-Seite und twitter mit. Auch diesen Job hätte ich ohne Networking nicht bekommen: Ute Blindert, die die Business Ladys betreibt, kam auf mich zu und fragte mich, ob ich Lust hätte, für sie zu arbeiten. Ute liest übrigens auch schon seit über 2 Jahren meinen Blog, wie ich kürzlich beim Lesen alter Kommentare feststellte.

 

vernetzt © imaginando - Fotolia
vernetzt © imaginando – Fotolia

Halten wir also fest:

Meine persönliche Bilanz ist 9 zu 4 für Jobs via Networking gegenüber solchen ohne. Prinzipiell waren beides taugliche Wege, Jobs zu finden, sowohl mit als auch ohne Netzwerk. Ich habe allerdings sehr gute Erfahrungen damit gemacht, weiterempfohlen zu werden, das fühlt sich einfach gut an. Und natürlich muss man dann auch die Erwartungen erfüllen oder besser noch übertreffen, alles andere wäre peinlich.

Networking ist wirklich förderlich, selbst wenn frau es nicht willentlich strategisch verfolgt. Aber ohne gute Arbeit, eine Extraportion Fleiß und Zuverlässigkeit hätte das schönste Vitamin B, bei mir zumindest, nichts genützt. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht man natürlich auch Glück, vergessen wir das nicht. Für mich war Networking nie ein Thema, sondern etwas, das sich natürlich ergab, durch Sympathien und gemeinsame Interessen. Jetzt, mit geschärftem Blick, sehe ich aber das Potential. Wer beruflich vorwärts kommen will, sollte sich anbieten, wie im Handballspiel, und meine Erfahrungen zeigen, dass Frauen tatsächlich gerne Frauen fördern. Es war nur ein einziger Mann unter meinen Förderern, aber viele Frauen!

[Abgesehen von meinem Papa, der mir immer schon sehr viel zugetraut hat. Auch eine Art von Frauenförderung.]

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KirstenfujolanGunhildMama arbeitetjongleurin Letzte Kommentartoren
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Su
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Su

Meine Liebe,

Ich freu mich, dass dein Netzwerken so erfolgreich ist. Und wünsche mir das für ganz viele noch so.

Vor allem, liebe Frauen, dass ihr sagt, was ihr braucht und wollt. ich geh dann auch mal noch üben ;) —
Hab eine sonnige Zeit,

Su

Cathrin
Gast
Cathrin

Hallo Christine,
toller Artikel „pro Netzwerken“. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht wie du, stelle aber fest, dass viele Frauen zwar einerseits fast automatisch netzwerken und sich gerne gegenseitig helfen, es aber nicht so gerne „netzwerken“ nennen mögen, weil das so berechnend klingt. Dabei ist es doch eigentlich ein Geben und Nehmen. Manchmal sollten Frauen ihre beruflichen Wünsche und Ziele noch mehr teilen, damit sich solche Windungen, wie du sie beschreibst, überhaupt ergeben können. Denn wenn niemand weiß, was ich will und wofür ich stehe, kann mir ja auch niemand den entscheidenden Tipp geben, oder?
Viele Grüße
Cathrin

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über dem tellerrand. | es ist was faul

[…] durch networking und vitamin b zum job? oft wird die nase darüber gerümpft, in der wirtschaft ist es gang und gäbe, männer bevorzugen männer und frauen bevorzugen frauen – ein persönliches resümee von christine finke. […]

jongleurin
Gast
jongleurin

Wirklich interessant! Da habe ich gleich mal bei mir nachgezählt, wobei ich in einer komplett anderen Branche arbeite: Frauen- und Familienpolitik bei den verschiedensten AktuerInnen. Ich habe aber auch mal die Studentinnenjobs mitgezählt. So habe ich nun 7 verschieden ArbeitgeberInnen in meinem Lebenslauf – bei sechs davon bin ich über ganz klassische Bewerbungen hineingekommen. Der einzige Networking-Job: das einjährige Praktikum in der Werbeagentur eines Freundes meines Vaters. Meine Theorie: netzwerken und Beziehungen vereinfachen vieles, es ist aber auch kein Beinbruch, wenn man das nicht so gut kann. In manchen Branchen ist es allerdings notwendiger als in anderen, und gerade als… Weiterlesen »

Gunhild
Gast
Gunhild

Ich habe mal eine Frage: wenn man als freie Journalistin arbeiten möchte und keine fertigen Texte zuschicken soll – wie macht man es dann?

Gunhild
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Gunhild

Vielen Dank für die Antwort : ) . Und viel Erfolg beim weiter Netzwerken!

fujolan
Gast
fujolan

Jep.
Netzwerken hilft.
„Kaltbewerbungen“ – also ohne dass mich dort irgendjemand kannte oder ohne dass ich dort jemanden kannte initiativ beworben – 1 von 5 Stellen
„Bewerbung auf ausgeschriebene Stelle ohne Netzwerkkontakte“ – 0 von 5 Stellen
„Bewerbung auf ausgeschriebene Stelle aber dort jemanden gekannt und nachgefragt“ 2 von 5 Stellen
„genetzwerkt“: 4 von 5 Stellen

Ich biete Netzwerken auch gern anderen Frauen an, häufig mit einem „schick mir eine Email mit Kurzbewerbung, ready-to-forward“. Die empfohlenen Frauen kooperieren nämlich dann noch Jahre später gerne mit mir. Und ich bin in meiner Arbeit auf Netzwerke angewiesen, für Informationen, Hintergründe, Recherchen und mehr.

fujolan
Gast
fujolan

ach ich vergaß noch den wichtigen Nachsatz: Die 1 von 5 Kaltbewerbung: Dort habe ich genau drei Monate gearbeitet, in der Zeit stellte ich u.a. fest, dass ich genutzt worden war um eine schwangere Kollegin von Rückkehr abzuhalten und hinter trafen der Arbeitgeber und ich uns vorm Arbeitsgericht wieder.

Kirsten
Gast
Kirsten

Neulich erst auf Jobsuche gewesen und kann sagen, dass sich „netzwerken“ viel angenehmer angefühlt hat – während man bei Bewerbungen auf Stellenanzeigen das Gefühl hat, erst mal beweisen zu müssen, dass man keine silbernen Messer klaut, ging es bei Gesprächen, die über Bekannte vermittelt werden, mehr um die Dinge, die mir bei der Arbeit wirklich wichtig sind (Atmosphäre, …)