Stellenausschreibung Alleinerziehende, Vollzeit

Sie fühlen sich unausgelastet, sind bereit für neue Herausforderungen, möchten an Ihre Grenzen gehen? Dann bewerben Sie sich doch auf diesen Job, der in Deutschland 1,8 Millionen Mal zu vergeben ist (in der Variante „Vollzeit“ jedoch etwas seltener):

Tätigkeitsbeschreibung/Anforderungen

  • 24-h Bereitschaftsdienst, rund ums Jahr
  • Soziale Isolation
  • Fähigkeit zu Spagat in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen
  • Totale Flexibilität
  • Besondere Kreativität und Organisationstalent nötig
  • 200% Einsatz in allen Bereichen. Mindestens.

 

legosteine
Efraimstochter Pixabay.com

Wir bieten Ihnen:

  • 0 Urlaubstage pro Jahr
  • Unterdurchschnittliche Bezahlung für überdurchschnittliche Leistung
  • So gut wie keine Freizeit
  • 1000000000000% Verantwortung
  • Unkündbare Position
  • Steuerliche Benachteiligung
  • Kurz: Sie werden nie wieder Langeweile haben!

 

Sollte Ihr Interesse geweckt worden sein, trennen Sie sich von Ihrem Mann, der danach so beleidigt ist, dass er sich um nix mehr kümmern will und die Kinder seine Verletztheit ausbaden lässt. Für weitere Auskünfte stehen Ihnen etliche Vollzeit Alleinerziehende zur Verfügung, die die Tätigkeit genauer beschreiben können. Falls sie gerade Zeit haben.

guest
14 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
mutterseele
mutterseele
27. Dezember 2015 21:59

Sehr kurz, sehr wahr, sehr bitter der Text. Mir fehlt da ein bisschen der Funke, ein wenig Wärme, ein wenig Humor. Aber manchmal fühlt es sich eben genauso grässlich an, ich kenne das nur zu gut. Dann versuche ich mit aller Kraft, den Blick zu wenden auf das Schöne und das Liebevolle, auf die großartige Zeit, die ich mit den Kindern habe, sonst würde ich es nicht aushalten. Ich will die Zeit mit den Kindern nicht runterzählen müssen, ich will sie, egal wie scheisse ich es gerade vielleicht finde, genießen. Das ist für mich der einzige Weg, mit der Belastung… Weiterlesen »

Janne
Janne
10. April 2016 16:24
Antwort  mutterseele

manchmal sage zu meinen beiden: Mama braucht ein bisschen Kraft. Und wenn sie mich dann feste umarmen geht es schon wieder viel besser.
Das mit der Wut und der Bitterkeit ist ein auf und ab, aber es git immer mehr Mutphasen dazwischen.
Viel Kraft!

Janne
Janne
10. April 2016 21:58

Meine Kinder lächeln mich dann an, und sie sind froh, mir geholfen zu haben. Ich glaube nicht, dass ich ihnen zu viel Verantwortung aufbürde, aber in vielen Situationen ist dies besser als zu weinen, zu brüllen und zu toben, denn damit wären sie wirklich überfordert.
Und sie merken dann, wenn ich ihnen mit Worten sage, dass ich Kraft brauche, dass ich auch nur ein Mensch bin. Möglicherweise lernen sie dann auch statt zu wüten um Hilfe zu bitten. Die Hilfebedürftigkeit der Kinder übersehe ich leider manchmal durch die eigene überlastete Situation.

Janne
Janne
11. April 2016 10:24
Antwort  Janne

Na ja, die Mütter der Kinder in Paarbeziehungen werden vielleicht schon mal, ab und zu oder auch oft, von ihrem Partner umarmt… ich hoffe es jedenfalls für sie ;-)

Suse RevoluzZza
Suse RevoluzZza
28. Dezember 2015 13:57

Leider in viel zu vielen Fällen die bittere Wahrheit.
Es fehlt noch: Dass es zu den Tätigkeiten gehört, die Kinder wieder aufzubauen, nachdem sie die Verletztheit des Kindsvaters ausbaden mussten.

Janne
Janne
10. April 2016 16:22

Stimmt genau. Man muss siche selber (ich bin verlassen worden) neu sortieren, trauert, kämpft gegen die Wut an, muss alles neu organisieren, und, und, und und die Kinder (damals 5 und 1) auffangen… also eigentlich eine Stellenausschreibung für Wondermama…
Frau sollte stolz auf sich sein, diesen Mammutjob zu schaffen!

Antonia
Antonia
1. November 2016 23:20

Absolut treffend fuer meine derzeitige Situation. Und ich befinde mich gerad am Anfang…und wenn ich nur an all die Momente denke in 15 mon. -wie oft ich mir das anmassend und arrogant betont vom Vater des Kindes angehoert hab dieses „DANN GEH DU DOCH ARBEITEN“ -das war alles als Kommentar auf meine geauesserte Aussage „ich bin so k.o und erschoepft „….ich bin seit fast Anfang an im 24h Mama Abrufdienst….keine einzige Nacht in diesem Jahr hat er fas uebernommen,weil ja ER NUR ARBEITET UND ER SCHLAF BRAUCHT. Aber ein Tag am We habe ich mir erlaubt und rausgenommen um morgens… Weiterlesen »

CL
CL
30. November 2016 16:20

Hab mich beworben und die Stelle bekommen. :-)
Aber eigentlich hatte ich die Stelle davor auch schon…. also seit 9,75 Jahren (Kind 1: 9 3/4, Kind 2: 5 3/4 Jahre). Da war es halt nur ein „Kind“ mehr und der psychische Stress untereinander.

Nur
Nur
30. Oktober 2017 18:59

Kurz und knackig. Realität. Ich habe das gleiche in grün.