Was ich mal werden wollte: Berufswünsche ohne Grenzen

Als kleines Mädchen war mein allererster Berufswunsch Astronautin. Oder Skifliegerin. Dass das für Mädchen damals keine adäquate Berufswahl war, habe ich niemals bedacht – erst, als ich über 30 war und mich mit Gender-Themen beschäftigte, fiel mir auf, dass es für Frauen in meiner Jugend nicht vorgesehen war, ins Weltall zu fliegen oder auch nur auf Skiern von einer Sprungschanze abzuheben.

Woran das wohl gelegen hat? Ich bin die Generation „Du kannst alles werden, was du willst“, nämlich aus den geburtenstarken 60ern. Dass es bei Berufswünschen Einschränkungen hinsichtlich des Geschlechts geben könnte, kam mir wirklich nie in den Sinn. Und so gut das klingt, so schlecht finde ich es eigentlich, denn die Debatte rund um den #aufschrei und #regrettingmotherhood hat gezeigt, dass Frauen in Deutschland noch lange nicht gleichberechtigt sind.

 

skifliegen
© Stephi Fotolia

 

Aber das hier soll kein politischer Text werden. Ich will einfach nochmal darüber nachdenken, was meine Kindheitsträume so waren. Zuerst wollte ich also Astronautin und Skifliegerin werden, da war ich etwa 7-11 Jahre alt. Danach war mein Berufswunsch Auslandskorrespondentin für die ARD, ich muss etwa 15 gewesen sein, und dann kam lange nix. Zwischen 12 und 15 scheine ich vor allem liebeskrank gewesen zu sein, jedenfalls spielen Berufswünsche in dem Alter keine Rolle, soweit ich mich erinnere.

Was ich nie werden wollte: Hausfrau, Mutter, Alleinerziehende. Schon gar nicht Krankenschwester oder Tierärztin, was ja unter Mädchen damals wie heute sehr beliebt zu sein scheint. Ich wollte auch nicht Chefarztgattin oder Politikerin werden (letzteres bin ich nun zufällig doch). Eine Zeitlang fand ich Schriftstellerin als Beruf ganz interessant, hielt mich aber für viel zu unbegabt, vielleicht war ich 20 – es war die Zeit des Camus, Hemingway, Sartre und Faulkner Verschlingens.

Archäologin zu werden konnte ich mir als Oberstüflerin auf dem Gymnasium gut vorstellen, mich faszinierte die Vergänglichkeit und Veränderbarkeit von Kulturen und Menschen sehr, aber mein Abischnitt war nicht gut genug, um Archäologie zu studieren. Also studierte ich Sprachen (Anglistik wollte ich sowieso unbedingt machen, das wusste ich ab Klasse 8, drum biss ich mich auch durch die Latein AG zum kleinen Latinum), im Laufe des Studiums sogar ziemlich viele Sprachen, und zwar mit Schwerpunkt historische Linguistik. Ich wurde eine Art Wort-Archäologe, darum ging es auch in meiner Doktorarbeit.

Mit Mitte 20 dachte ich, Professorin zu sein wäre toll, aber als ich um die 30 herum tiefere Einblicke in den akademischen Betrieb bekam und auch das an mich heran getragene Angebot, auf einer sogar für 5 Jahre sicheren Stelle eine Habilitation zu schreiben, wurde mir klar, dass ich eingehen würde, wenn ich das tue. Also ging ich lieber wieder zurück auf „Los“ anstatt in mein Verderben. Journalistin hingegen war kein Berufswunsch von mir, aber als mir der Beruf mit 35 quasi zuflog, fand ich ihn sehr passend.

Ulkigerweise habe ich, obwohl ich schon auf die 50 zugehe, heute einen Berufswunsch: Ich möchte Reisejournalistin werden. Das würde meine Leidenschaft für fremde Kulturen, Länder und Sprachen aufs Schönste mit meiner Neugier vereinen. Und das mache ich dann später, wenn die Kinder groß sind, so ist der Plan.

Was meine Kinder werden wollen? Der Sohn (9) sagt: Naturforscher. Und die Jüngste (6) will Präsidentin werden, auf Nachfrage Deutschlandpräsidentin. Die Große (14) möchte Künstlerin sein, oder Kunsttherapeutin. Das lässt sich wahrscheinlich einrichten. Aber heute wäre ja auch Astronautin möglich. :)

Und was wolltet Ihr so werden? Oder was wollt Ihr noch werden? Schreibt es mir auf! Falls Ihr dazu bloggt, verlinke ich gerne hier.

P.S.: Bisher war übrigens noch immer keine deutsche Frau im Weltall. Siehe Text aus der Augsburger Allgemeine vom 5. Februar 2015. Aber Skifliegen der Frauen gibt es seit 2014 sogar als olympische Disziplin. Immerhin.

 

Wer auch über seine/ihre Berufswünsche im Wandel der Zeit schrieb:

Mirka von Lilienthal im „Aus der Sockenschublade Blog“, Beitrag vom 01.05.2015

Petra Hamacher im „Allerlei Themen Blog“, Beitrag vom 05.05.2015

Micha im „More than words“ Blog, Beitrag vom 07.05.2015

21 KOMMENTARE

  1. Ich wollte als Kind in der Tat Archäologin oder Astronomin (nicht Astronautin) werden. In der Grundschule und auch als Teenagerin und eigentlich ständig zwischendurch immer wieder Lehrerin. Das hab ich dann auch angefangen, werde jetzt aber doch Archäologin und will aber am Ende mein eigenes Museum haben… Träumen wird man ja wohl noch dürfen…

  2. Mach das, in diesem Genre sind Frauen unterrepräsentiert.
    Ich wollte mit 18 Psychologie studieren. Hätte ich es damals begonnen, wäre ich gescheitert.
    Nach Ausbildung, dreizehn Jahren Selbständigkeit und zwei Kindern, habe ich jetzt damit angefangen.
    Es ist toll und selbst die Kinder (3+4) nehmen Rücksicht, wenn ich lerne.

  3. Also – ich wollte Althistorikerin werden und bin es geworden, bin als solche quasi geboren, kaum konnte ich lesen, hatte ich die Ilias in den Fingern – postmortale Klugscheisser – smile – es passt absolut zu meinen Interessen und meinem Charakter – Eremit, Elfenbeintürmler.
    Gut so.
    Archäologie wäre auch gut gewesen – aber da bin ich sehr mäklig bezüglich des Schwerpunktes – Tutchen ist schon ausgegraben.Und Schliemann hat auch schon kräftig zugehackt.
    Malerei – Kunstgeschichte – ist meine zweite grosse Begabung – gehört aber quasi mit hinein.
    Jo.
    Schönen Feiertag Euch!
    Bea

  4. Na, das sind mal Berufswünsche!
    Ich war schon immer langweilig. Himmelte im KiGa meine Erzieherin an und wollte „so werden wie sie“. Aufm Gymi wollte ich dann immerhin mal Lehrerin werden (weil man das werden muss, wenn man Abi hat und was mit Kindern machen will) und auf dem Weg zum Abi dann auch mal auf ein Erziehungswissenschaftliches Gymi gehen (was aber nicht ging und wovon sowieso alle abrieten :D) Und jetzt? Jetzt bin ich 27, Jugend-/Heimerzieherin und studiere seit einem Monat Soziale Arbeit BASA Online. Ich bin ja SO langweilig :D

  5. Ich wollte früher immer Gießereiingenieurin werden, weil mein Onkel das war und ich das cool fand. Dann wusste ich lange Zeit nicht, was ich werden wollte. Musikpädagogik fand ich interessant , aber ich konnte nicht Klavier spielen. Dann hab ich mich an Erzieherin versucht. Ein Jahr… War verzweifelt… hab gemerkt, dass das wirklich nichts für mich ist und hab dann doch erst Abitur machen wollen, was letztendlich am Mathe Leistungskurs und besonders dessen Lehrer scheiterte und nur Fachhochschulreife wurde. Aber dass war dann egal, weil ich ja einen Ausbildungsplatz hatte. Ich hatte ganze 5 Bewerbungen geschrieben und wurde direkt genommen…als Informatikkauffrau… heute bin ich IT-Systemadministratorin. Eigentlich die perfekte Wahl, auch wenn es Zufall war.

  6. Ich wollte Schriftstellerin werden, nach einem kleinen Umweg über Bereiterin, Pferdepflegerin, Tierpflegerin, dann Journalistin, Journalistin und Journalistin. Kriegsreporterin, um genau zu sein. Meine akademische Spezialisierung auf Polemologie hat mich vom Krieg nachhaltig geheilt, dann wurde ich halt wieder besseren Wissens (und mit Hilfe des RAF, was Eurer Agentur für Areit entspricht) Marketingfrau, nur um zu merken dass das tatsächlich nichts für mich ist. Dann brauchte ich noch gut 10 Jahre um dann doch Journalistin zu werden. Jetzt brauche ich mich nur noch etwas mehr zu trauen, um auch sichtbar zu werden, dann klappt es dann auch mit dem reich werden. Hoffentlich.

  7. Auch auf die Gefahr hin gleich abgestempelt zu werden, muss ich mal Standpunkt verdeutlichen. Ich bin 1964 in Leipzig geboren und wohne immer noch hier. Das Thema Gleichberechtigung war für mich nie ein Thema. In der Schule wurde wir gleich behandelt. Okay, bei der kaufmännischen Ausbildung waren Männer die Minderheit. Aber in einem technischen Beruf konnte man neben her besser arbeiten und somit zusätzlich Geld verdienen. Nach der Ausbildung habe ich ein Kind bekommen und nicht(!) geheiratet. Das war in Ordnung, kein Mensch hat mich dumm angeguckt und meine Lohnsteuerklasse war als Single mit Kind die selbe wie Verheiratet mit Kind.
    Ja im Kindergarten war meine Tochter auch, wie alle anderen Kinder im Ort. Sie sind vom 1. Lebensjahr bis zur 10. Klasse zusammen gewesen. Und wenn ich um 16.30 Uhr Feierabend hatte, dann war Feierabend und ich musste nur noch mit dem Fahrrad 5 Minuten fahren um sie abzuholen.
    Verhungert sind wir auch nicht, die Kaufhalle lag gleich auf dem Weg. Und die Bananen gab es ab zu im Betriebskonsum (eine Verkaufseinrichtung auf dem Betriebsgelände die während der Arbeitzeit offen und zugänglich war).
    Und was den Berufswunsch angeht, ich wollte schon immer im Büro arbeiten. Das habe ich sogar am Schreibtisch meines Großvaters gespielt und dabei die Schreibmaschine meines Vater gequält.
    Für mich ist diese ganze Diskussion ein riesen Rückschritt, der nur vom wahren Problem ablenkt.
    Frauen sind genauso gut, schlau und fähig wie Männer. Aber Männer möchten ihrem bequemen Platz am Kopf des Tisches nicht aufgeben.

    • Du bist eben auf der „richtigen Seite vom Bretterzaun“;-) (bitte nicht übelnehmen) geboren. Eine Kollegin von mir ist aus Erfurt, wir haben viel über das Thema geredet- Fazit: „die westdeutschen Frauen hatten die Mauer vor der Haustür(der Ehemann dürfte noch bis in die 70er Jahre bestimmen, ob die Frau arbeitete oder nicht, sie dürfte allerdings ihre „häuslichen Pflichten“ jetzt muss ich echt kichern- nicht vernachlässigen…. , Ihr im Osten hattet sie um euer Land!“
      Traurig, wahrscheinlich ist das auch der Grund warum ich nie einen (westdeutschen) Mann heiraten würde und lieber alleine bleibe. Meiner Erfahrung nach haben die das so verinnerlicht, was ihre Eltern ihnen vorgelebt haben….Frau darf Geld verdienen, aber um Haushalt und Kinder und Sozialkontakte muss sie sich trotzdem kümmern, nee! Ich wollte übrigens mal Starfighterpilotin werden, habe mich bei dem Krückenverein Bundeswehr geworben, Ablehnung, aber ich hätte gerne in den Sanitätsdienst gehen können…. In israel dürften das die Frauen damals schon (Ende der 80er). Umso mehr freut mich, dass sie jetzt ne Frau als oberste Leitung haben.

  8. Liebe Christine,
    auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache, ich sag das mal, auch wenn der Berufsstand heute noch weniger populär ist als Drogendealer und Hütchenspieler: als kleiner Junge wollte ich Lokführer werden !

    Ich habe lange erfolglos studiert und bin dann doch bei dem gelandet, wovon ich als kleiner Junge geträumt habe.
    Zwar bin ich kein Lokführer, sondern bei der Bahn im Bereich Infrastruktur (Betrieb und Planung des Schienennetzes) tätig, aber ich bin auf jeden Fall in genau dem Tätigkeitsfeld gelandet, in dem ich als Junge mal arbeiten wollte.

    Wenn ich darüber nachdenke, finde ich das immer noch sehr eigenartig, fast unheimlich. Fügung ? Schicksal ?

    Viele Grüße
    Dirk

    • Lieber Dirk,

      wieso denn unpopulär? Dass Lokführer kein beliebter Beruf sein soll, ist an mir zumindest völlig vorbeigegegangen. Ist doch toll, wenn du deinen Kindheitstraum, wenn auch leicht abgewandelt, verwirklicht hast. Wenn das mehr Leute machen würden, hätten wir weniger frustrierte Arbeitnehmer, die innerlich gekündigt haben.

      Viele Grüße,
      Christine

      • Na, ja, ich habe natürlich auf die aktuellen Streiks abgehoben, ist ja klar !

        Aber auch vorher war die Sicht auf diesen Beruf nicht viel besser, wie auch auf alle EisenbahnerInnen mehr oder weniger.

        EisenbahnerInnen gelten häufig als der dumme Rest, den man sonst nirgends genommen hat (übrigens gibt es die traditionelle Sich auch in Ostdeutschland, ReichsbahnerInnen wurden immer belächelt). Schön, wenn sich das bei Dir nicht festgesetzt hat.

        Es gibt eben eine massive Unzufriedenheit mit der DB, das wird auf MitarbeiterInnen projeziert.
        Auch weiß man, dass die Einkommen dort nicht die tollsten sind. Wer nicht viel verdient, muss ja blöd oder sonstwie leistungsschwach sein – marktradikale Logik halt.

        Das ist das, was mich an meinem Beruf schon stört: die Sicht von Außen.

        Davon kann ich mich natürlich nicht abhängig machen, klar !

        Nochmals herzliche Grüße

  9. Zum Entsetzen meiner Mutter (Ärztin) antwortete ich als Siebenjährige auf ihre Frage „Na, mein Schatz, was möchtest du mal werden, wenn du groß bist?“ standesgemäß: „Straßenkehrerin!“ :D Ich fand es toll, draußen an der frischen Luft zu sein, unabhängig (ohne Chef im Nacken) und immer die Leute beobachten zu können … Später hatte ich den anhaltenden Wunsch, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich war schon immer sehr kreativ und habe gerne gemalt und gewerkelt. Jetzt bin ich studierte Designerin, mit allen Höhen und Tiefen einer kreativen Laufbahn (Sinnkrisen, schwarze Löcher im Kopf, wie soll ich damit bloß jemals mein Geld verdienen …) Heute habe ich meine eigene Firma, bin Urnenherstellerin und sehr glücklich damit. Laub harke ich übrigens heute trotzdem, wenn auch nur in meinem Schrebergarten. Man soll ja nie seine Träume von damals vergessen ;)

  10. Was für ein cooler Beitrag. Er mich erinnert daran, wieviele Träume und Absichten ich im Laufe der Zeit hatte, bis sie dann zeitweise unter der pseudo-abgeklärten Einstellung „du kannst nicht alles haben“ begraben wurden.
    Als ich ganz klein war, so mit 4-5 Jahren, wollte ich Mama werden. Danach Flugstewardess. In der Pubertät schwankte ich zwischen Musikerin und Physikern, und wurde sowohl von meiner Klavierlehrerin als auch meinem Physikleher in beidem bestärkt. Nach dem Abi entschied ich mich für ein Landwirtschaftsstudium, um danach in der Entwicklunghilfe zu arbeiten. Während des praktischen Jahrs dachte ich über einen eigenen Hof nach, entschied mich aber wegen der echt harten körperlichen Arbeit doch dagegen. Für die Dissertation ging ich nach Israel um dort zu bleiben. Nach vier Jahren, längst zurück in Deutschland und mit zwei Kindern, war ich fasziniert von elliptischen Kurven und höherer Mathematik. Als nächstmöglichstes Arbeitsgebiet wäre am ehesten die Statistik in Frage gekommen, dafür hätte ich allerdings nochmal studieren müssen.
    Das ging nicht, weil meine Ehe inzwischen am Ende war und ich mit zwei kleinen Kinder Geld verdienen musste. Bewerbungen in der Futtemittelindustrie und Naturschutzbehörden blieben erfolglos, also ging ich dorthin, wo Leute gesucht wurden: in die Pharmaindustrie.
    Das war ein guter Schritt, denn dort gibt es a) eine anständige Bezahlung b) keinen Restriktionen gegen Frauen. Bis auf die Vorstände (natürlich!) ist die Branche recht weiblich besetzt. Inzwischen hocke ich auf einem Sessel im mittleren Management und will in 4-5 Jahren, wenn die Kinder aus dem Haus sind, raus aus Deutschland, vielleicht länger, vielleicht kürzer, que sera.
    Machnmal denke ich darüber nach, mir eine Strickmaschine zu besorgen und Pullover zu vertreiben, gebe den Gedanken aber schnell aus Bequemlichkeit wieder auf.
    Wenn ich so recht nachdenke, würde ich am liebsten internationale Beziehungen studieren und zu einem enstprechenden Verein (UNO oder Aussenministerium) gehen. Naja. Vielleicht kann ich ja irgendwann mal in einer Stiftung oder NGO arbeiten, auch ohne zusätzliches Studium.
    That’s my plans in a nutshell.
    Hat mich richtig auf Trab gebracht, auf den späten Abend hin, danke dafür!

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