Blogstatistik: Was ich über Euch weiß

… und was nicht, müsste eigentlich noch in der Überschrift stehen :). Ich bekenne: Es gibt Tage, da klebe ich wie hypnotisiert vor meinen Blogstatistiken und versuche herauszufinden, wer gerade was auf meinem Blog liest, woher die Leute kommen, und ob es wiederkehrende Besucher sind. Blogstatistiken haben hohes Suchtpotential, jedenfalls für mich:

Das erste, was ich morgens nach dem Hochfahren des Rechners tat, als ich noch die www.liliput-lounge unter meiner Fittiche hatte, war die Besucherzahlen vom Vortag auf google analytics zu checken: Welcher Artikel wurde wie oft angeklickt, wie lange blieben die User auf der jeweiligen Seite (=haben sie auch gelesen oder sind sie wieder abgesprungen?), und wie viele Seiten insgesamt blieben sie? Außerdem interessierten mich die Internetprovider der Besucher, denn Firmen habe feste IP-Adressen, die oft den Firmennamen transparent machen, und ich hatte stets den Ehrgeiz, von meinen Wettbewerbern auch gelesen zu werden. Im Prinzip ist Blogstatistik neben den Kommentaren also mein Applaus.

Mit meinem Blog ist es nun genauso, wenn auch auf viel niedrigerem Niveau von den Zahlen her. Mit der liliput-lounge erreichten wir 240.000 Besucher pro Monat, ich komme gerade mal 2.000 mit mama-arbeitet.de (und das finde ich respektabel!), wenn ich AWStats glaube –  wie viele es sind, schwankt von Statistiktool zu Tool. Neben dem bei Parellels Plesk integrierten AWStats benutze ich auch das WordPress Plugin NewStatPress und habe mir auf dem Blog ebenfalls google analytics eingebaut, was übrigens mit dem Graphene Theme extrem einfach war, kein Vergleich zu dem Aufwand mit dem CMS episverver, das ich beruflich nutzte.

Genug des Fachchinesischs, für die interessierten Laien nun ein paar praktische Blicke hinter die Kulissen: Mit einem Tool namens utrace kann ich die IP-Adressen der Leser tracen, also lokalisieren. Das funktioniert aber nicht so, dass ich jetzt wüsste, in welcher Straße jemand wohnt, nicht einmal der Ort ist wirklich genau – weil die großen Internetprovider wie T-Online Privatpersonen wechselnde IP-Adressen zuteilen, und diese häufig einem Nachbarort zugeordnet sind. Konkret: ich wohne in Konstanz, und kann meine IP-Adresse unter www.utrace.de herausfinden, wenn ich ganz unten auf den LInk „Ihre IP-Adresse“ klicke. Die wiederum befindet sich heute für mich in Villingen-Schwenningen laut utrace, sie ist aber auch in Tengen, Rielasingen-Worblingen und anderen Dörfern rund um meinen Wohnort beheimatet, je nach Tag und IP. Somit bleibt der Leser relativ anonym, was euch wahrscheinlich beruhigt.

Firmen haben jedoch meist eine feste IP-Adresse, und so sehe ich mit Stolz, dass einige Personalabteilungen oder potentielle Chefs offensichtlich meinen Blog mochten, denn ich entdecke regelmäßig Namen von Firmen, bei denen ich mich beworben habe. Auch das Arbeitsamt liest manchmal mit, und die eine oder andere Redaktion. Die festen IP-Adressen sind übrigens keine Zahlenkolumnen, sondern richtig sprechend – also so etwas wie mail.firma.de oder fachbereichskürzel.uni-konstanz.de.

Lustig sind manchmal die Keywords (=Suchbegriffe), über die die Leser meinen Blog finden – kürzlich erst stieß jemand mit der Suche von „sport farat gunstik gebrucht“ hierher. Entschuldigt, wenn ich kichere ;). Und welche Artikel im Blog am meisten angeklickt werden, ist natürlich auch interessant für mich, obwohl ich hier nicht auf „Nachfrage“ hin schreibe, sondern frei von der Leber weg. Überrascht hat mich zum Beispiel, dass die Schimpftirade einer Alleinerziehenden so viele Leser fand: Dieser Text wurde im März, als er entstand, 644 Mal geklickt.

Nochmal zurück zu den privaten IP-Adressen: In NewStatPress von WordPress kann ich herauslesen, über welchen „Referrer“, also welche andere Webseite oder welches Keyword ein bestimmter Besucher kam. Mich freut es immer, wenn jemand „Mama arbeitet“ sucht, weil ich mir dann einbilden kann, dass mein Blogger-Name das Ziel der Suche war – aber mir ist auch klar, dass ich diese Wörterkombination nicht gepachtet habe, auch wenn mir die URL gehört :), das kann also auch vom Suchenden her ganz anders, nämlich allgemeiner, gemeint gewesen sein.

Da die privaten IP-Adressen etwa alle 24 Stunden wechseln, wie ich las, verrät mir die Statistik also nur, wie oft ein Leser an einem Tag meinen Blog aufgerufen hat – ich erhalte aber kein Bild darüber, wie sein Verhalten in den letzten Tagen und Wochen war. Schade, das würde ich gerne, ist aber bestimmt aus Datenschutzgründen gaaaanz verboten.

Apropos Datenschutz: Richtig faszinierend finde ich die Beta-Version (also unausgereifte, aber fortgeschrittene Testversion) von google analytics, die eine Echtzeit-Analyse erlaubt. Das ist unglaublich schnell und akkurat: Hier kann ich sehen, aus welcher Stadt jetzt gerade ein Zugriff auf meinen Blog erfolgt, welchen Artikel dieser Leser liest, und über welchen Referrer er kam. Das Tool reagiert wirklich innerhalb von Sekunden nach dem Aufruf der Seite – ich hab’s natürlich ausprobiert, indem ich mich auf meinem Blog hin- und her geklickt habe.

Wenn ich also überlege, ob hinter einer bestimmten IP-Adresse eine gewisse Person steckt, habe ich mit all diesen Statistiktools eine Menge Stoff für wilde Fantasien. Ist es der Ex-Mann, der so oft auf die Startseite klickt, ein (ehemaliger) Nachbar, eine Freundin, Familie, ein möglicher Arbeitgeber oder ein potentieller Flirt? So ganz genau werde ich das nie erfahren. Und deswegen zwinge ich mich auch, den Statistiken nicht zu viel Gewicht beizumessen. Aber ohne diese Tools wäre das Bloggen nur halb so schön, wirklich.

Linktipp innerhalb des Blogs:

Wie öffentlich darf ein privater Blog sein?

Was mich motiviert

Alleinerziehend mit 3 Kindern, Buchautorin und Kolumnistin, seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz. Bloggt hier seit 2011.
18 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
DesperateWorkingMum
DesperateWorkingMum
29. Mai 2012 18:11

Schon wieder eine Gemeinsamkeit, ich bin ebenfalls fasziniert von den SiteStats, wobei ich mich aber auf die von WordPress beschränke. Allerdings wäre es schon verlockend, die IP-Adressen herauszufinden, um meine Paranoia zu beruhigen, wenn ich einen Zugriff aus Österreich sehe….
Liebe Grüße
DWM

Nadja
Nadja
29. Mai 2012 19:48

*lach* Ich glaube, diese Statistiken wären für mich das einzige, was am Bloggen interessant wäre. Nur um das alles gesehen zu haben, müsste ich jetzt ja doch eigentlich mal einen Blog haben ;-)

Nadja
Nadja
30. Mai 2012 05:03

Guten Morgen Christine, nein, ich blogge nicht. Und ich twittere nicht. Und auch Facebook ist nicht meine Welt. Die „Ich breite mein Privatleben im Internet aus“-Idee passt nicht zu mir. Meine Gedanken und erst Recht meine Gefühle mag ich nicht so im Netz ausbreiten, dass jeder sie mir zuordnen kann. Im Gegensatz zu Dir bleibe ich gerne anonym, zumindest bis ich die Leute ein bisschen kennen gelernt habe. Nicht so ganz durchschaubar. Und insbesondere auch nicht auffindbar, wenn ich gesucht werde. Aber Du kennst mich trotzdem schon eine Weile – unter zwei Nicknamen (wobei der eine Dir vermutlich nicht präsent… Weiterlesen »

Nadja
Nadja
30. Mai 2012 17:08

Guten Abend Christine,

*lach* Die Weile ist so ca. ein Jahr lang :-) Ich überlege schon die ganze Zeit, welche Hinweise ich Dir geben kann, ohne mich gleich ganz zu verraten. Ich will uns (eigentlich ja eher Dir, aber ich habe auch meinen Spaß :-D ) ja nicht den Spaß am Raten nehmen.

Liebe Grüße,
Nadja

frauke
frauke
1. Juni 2012 09:45

hallo!
ich bin ehrlich überrascht, dass man das mit diesen programmen so nachverfolgen kann. da war ich bisher doch noch zu naiv ;) werde mir diese programme mal genau anschauen. da werde ich mit der zeit sicher auch zum ‚junkie‘, was die statistiken angeht und so weiter =)
übrigens ein großes kompliment an dich für deinen blog! er drückt so viel kraft und engagement aus! keine wunder, dass selbst personalabteilungen deine texte lesen… weiter so!

Kerstin
Kerstin
3. Juni 2012 16:40

Liebe Christine,

ein schöner Artikel. Nimm einen Teller Kekse als food for thoughts als Anerkennung.

Google Analytics gehört seltsamerweise zu den Tools, die mich so gar nicht anfixen konnten; – und das will schon etwas heißen ;)

myself
myself
20. September 2012 16:41

Liebe Christine, dein Post ist zwar schon was älter, aber erstmal vielen lieben Dank dafür!!! Ich würde auch so gerne meine Besucher besser lokalisieren können, checke es aber leider nicht :-( . Also ich war auf google analytics, habe meines Erachtens auch sämtliche Anweisungen erfolgt, in dem ich diesen Code auf die Startseite kopiert habe und dennoch zeigt es mir bei den Analytics nach wie vor 0 Besucher an. Hmm. Hast du ne Idee, was ich falsch gemacht haben könnte? Oder nen Tipp, was ich tun kann, damit es funktioniert? Ich sage einfach schon mal vorab vielen lieben Dank!!! Grüße… Weiterlesen »

myself
myself
21. September 2012 15:27

Erstmal vielen lieben Dank für deine Antwort :-) . Ich muss dazu sagen, dass das für mich alles Fremdwörter sind und ich hilflos überfordert bin ;-) Ich habe jetzt zunächst meine Einstellungen auch nochmal durchsucht und bin in der Tat auch auf ein Feld gestoßen, in das ich den Tracking ID-Code rein kopieren konnte. Welcher bislang laut google analytics nicht installiert werden konnte. Jetzt warte ich einfach nochmal 24 Stunden ab in der Hoffnung, dass sich dann was tut. Aber was ist denn mit diesem anderen Code? Der Code mit den ganz vielen Zeichen und Buchstaben? Was mache ich denn… Weiterlesen »

myself
myself
22. September 2012 09:45

Yippie!!! Es funktioniert :-)
Soooooooooooooo gut :-) Vielen lieben Dank! :-)
Also bei Einem kann ich mir nun schon mal fast sicher sein, dass er ihn liest ;-) Zumindest lässt der Ort darauf schließen.

Danke :-) Jetzt habe ich endlich das, was ich seit ewigen Zeiten wollte :-)