Privatsphäre – (m)eine Extremposition

Dieser Mamablog ist weder anonym noch halte ich hier mit meinen Ansichten hinter dem Berg. Ich schätze, dass ihn die meisten Leser erstaunlich offenherzig finden, einige womöglich blauäugig, und andere pikiert sind über meinen Mangel an Reserviertheit. Kürzlich habe ich ja schon „laut“ darüber nachgedacht, wie öffentlich ein privater Blog sein darf, und weil mich das Thema weiterhin beschäftigt, will ich noch eine Runde „Blogphilosophie“ nachlegen.

Als ich vor 15 Tagen in meine neue Wohnung zog, grinsten mich die Nachbarn belustigt an. Denn ich war die Frau, die ihre Gardinen bereits lange vor dem Einzug aufgehängt hatte. Dafür habe ich sogar einen Handwerker kommen lassen, und noch in der alten Wohnung alle im Keller gelagerten Gardinen liebevoll gewaschen. Wir wohnen im Erdgeschoss, direkt am Eingang zu unserem Mehrfamilienhaus, in das ich mit viel Glück und einem Wohnberechtigungsschein geraten bin. Es handelt sich um öffentlich geförderten Wohnraum, und da die Wohnanlage brandneu ist, und wir im reichen Baden-Württemberg wohnen, sieht alles todschick aus (Fußbodenheizung! Tiefgarage!), und ich werde in meinem Bekanntenkreis beneidet um diese Bleibe.

Um eine Sache beneiden mich meine Bekannten allerdings nicht: Das Badezimmerfenster liegt direkt am Eingang des Mehrfamilienhauses. Zwar gibt es ordentliche Außenjalousien, aber ich mag nicht im Dunkeln duschen, pinkeln und zähneputzen. Und Klebefolie, die mich am Herausgucken hindert, will ich auch nicht anbringen. Womit wir wieder bei der Privatsphäre wären, denn dieses Bad bringt mich jeden Tag dazu, meine Einstellung erneut zu überprüfen :).

Ich stelle fest, dass die Christine Finke in der Erdgeschosswohnung und die Mama arbeitet aus der Blogosphäre wenig Unterschiede bei ihrer Einstellung zur Privatsphäre machen.

Um einen Puffer zwischen dem Hauseingang und meinem Bad zu schaffen, habe ich eine knallgelbe Stoffbahn drapiert, die dem Bad ein sehr freundliches Licht gibt und von außen etwas sonderbar aussieht. Wenn man unbedingt hereingucken will, kann man das immer noch, aber der Vorhang schafft ein wenig Distanz. Es würde mich herzlich wenig stören, wenn jemand aus den umliegenden Wohnblocks mich zufällig beim Pinkeln sieht. Oder beim Zähneputzen. Die Dusche ist in einer Ecke, so dass ich ungestört duschen kann, und mit einem Innenrollo kann ich auch dicht machen, falls ich den Wunsch nach mehr Abgeschiedenheit habe.

Zurück zum Internet – ich finde es befreiend, dass mir meine Privatsphäre ziemlich schnuppe ist. Die der Kinder muss ich natürlich anders achten als meine eigene. Aber grundsätzlich wäre es für mich nicht nur denkbar, sondern schön, noch wesentlich offener zu schreiben. Hätte ich keine Familie, würde ich das tun.

Trotzdem: wer möchte, kann sich über twitter, diesen Blog, meine Arbeitsproben und meine Kommentare unter anderen Blogs und Artikeln ein ziemlich umfassendes Bild von mir machen. Bitteschön, warum denn nicht!? Ich habe nichts zu verbergen, aber trotzdem Geheimnisse. Und wer die ergründen möchte, muss sich schon persönlich mit mir unterhalten. Nicht nur stille Wasser sind tief!

P.S.: Ich war ein extrem schüchterner Teenager, ein zurückgezogener Twen, und kompensiere möglicherweise seit 15 Jahren. Bin gespannt, wohin das noch führt! ;)

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tina
Gast
tina

Daumen hoch wie immer
Keine Ahnung, ob meine Faltrollos fürs Bad blickdicht sind… ich bin da nicht so
Und Internet? Naja, wenn jemand meint, er kennt mich aufgrund dessen, der soll halt meinen, dass dem so ist.
Er liegt eh falsch, was mich auch nicht stört!

LG Tina
Ps: Mach weiter so!