Warum heißt dein Blog… „Mama arbeitet“? Blogparade

Es ist nicht ganz so, wie es scheint. Denn mein Blogname war ursprünglich gar keine URL, sondern mein Twittername. Und auf twitter war ich nur widerwillig, die Firma wollte es so, im Rahmen meines Jobs sollte ich ab Frühjahr 2009 auch die Social Media Aktivitäten übernehmen.

Bäh, Social Media, dachte ich, was soll ich denn da!? Mir war das alles suspekt. Ich verstand den ganzen Hype nicht, und ich hatte auch keine Lust darauf, die Facebookseite der Firma zu betreuen. Aber gut, es wurde so verlangt, ich setzte mich also an die Arbeit und fuchste mich rein in die neue Materie. Weit und breit keiner, der mir zeigte, wie das alles geht, aber das war ich gewöhnt.

Im April 2009 fing ich an, für den Job zu twittern. (Die Jüngste war damals ein Säugling, und deswegen auch die Bildauswahl zu diesem Text. Es gibt erstaunlich wenige Fotos, auf denen ich arbeite!) Und im August 2009 dachte ich, was ich beruflich tue, kann ich doch privat eigentlich auch mal probieren. Genauso ging’s mir mit Facebook, da war ich ab 24. Mai 2009. Anfangs schrieb ich nur auf Englisch, weil alle meine Kontakte Englisch sprachen, oder Norwegisch, oder Schwedisch – jedenfalls nicht Deutsch.

fotoalbum 2009 800

Aber meinen privaten Twitternamen habe ich damals schon auf Deutsch gewählt, ohne groß nachzudenken. Denn bis weit ins Jahr 2011 hinein schrieb ich vornehmlich englische Tweets, was sich erst änderte, nachdem mir gekündigt worden war.

Gearbeitet habe ich also, als ich den Namen „Mama arbeitet“ für mich deklamierte. Damals noch Vollzeit samt reichlich Pendelzeit und in der Schweiz, aber Arbeiten ist tatsächlich mein Leben, ich wollte immer arbeiten, so wie andere junge Mädchen oder Frauen den Wunsch haben, eine Familie und ein Haus zu haben, war mein Ziel immer: Arbeit. Am besten Arbeit mit Karriere, ich wollte nach oben.

Kinder hingegen wollte ich eigentlich keine. Jedenfalls nicht, bis ich etwa 30 war und mich auf einmal dabei ertappte, in der Berliner Tram 13 am Rosenthaler Platz, kurz vor meiner Wohnung am Zionskirchplatz, verzückt ein fremdes Baby im Kinderwagen anzulächeln. Was mache ich denn da!?, fragte ich mich irritiert, und verbuchte das Ganze als skurrilen Zwischenfall. Der sich wiederholte, wiederholte, und bald sah ich überall Babys. Es gibt sie nämlich doch, die biologische Uhr!

Dass ich dann im Jahr 2009, als ich den Twitternamen aussuchte, „Mama arbeitet“ wählte, liegt daran, dass ich gerade das dritte Kind bekommen hatte, die Jüngste. Und ich arbeitete damals viel vom Home Office aus, damit die liliput-lounge nicht brach lag, denn ich war die einzige Angestellte, die sich darum kümmerte. Mein Sohn, damals 3, und die Große, damals 9, hörten mit – für sie sicher unschöner – Regelmäßigkeit „Pssst, Mama arbeitet!“ von meinem damaligen Au-Pair, das sich um die Kinder kümmerte. Und so nahm ich diese Zuschreibung als Namen an.

Ich arbeitete wirklich viel damals, 42 vertraglich vereinbarte Wochenstunden, dazu  an jedem zweiten Arbeitstag fast 4 Stunden Fahrt am Tag, und noch 4-5 Wochen pro Jahr Geschäftsreisen nach Norwegen. Und so kam es eines Abends, als ich von einer Reise zurückkehrte, dass die Jüngste, damals knapp 2 Jahre alt, mir freudig „Juta wieda da!“ zurief [Computer wieder da!], gefolgt von „Und Mama!“ zurief. Aus ihrer Perspektive völlig verständlich. Sie muss gedacht habe, ich sei mit dem Laptop verwachsen, denn der stand immer auf dem Wohnzimmertisch, wo ich arbeitete. Und dann war der Rechner weg, die Mama auch. Logisch, das Ganze. Aber auch ein bisschen alarmierend, wie ich fand. (Sicher auch ein Grund, warum sich das Erlebnis mir so eingeprägt hat.)

Von mir aus hätte das gut noch ein paar Jahre so weitergehen können. Ich mochte meinen Job, ich liebte die Reisen, und meine Firma expandierte. Was wirklich keiner ahnen konnte, ist dass ich 2 Jahre später betriebsbedingt arbeitslos werden würde. Und dass ich dann das Bloggen anfangen würde, wovon ich nie viel gehalten hatte, mit Redakteurs-Blasiertheit und auch Ignoranz. Einen guten Monat nach meinem letzten Arbeitstag ging ich auf die Suche nach einem Provider und einer freien URL. Die erste, die ich probierte, war „mama-arbeitet.de“, und zu meiner Überraschung war sie noch frei. Ich habe sie gekauft und befüllt. Das war im September 2011.

Und heute bin ich sowas von froh, dass ich diesen Namen gewählt habe, damals im August 2009! Denn als Blogname ist er perfekt für mich, ich beschäftige mich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und das ganze ist mittlerweile nicht nur sowas wie ein Trendthema, sondern macht auch einen nicht unerheblichen Teil meines Einkommens aus, weil ich Texte über die Vereinbarkeit schreibe und auch Facebookseiten für inzwischen mehrere Firmen betreue. Wer hätte das gedacht!?

Auch die .com Endung habe  ich mir vor einigen Monaten gesichert, nachdem ich mitbekam, wie mehrere andere Blogs gespiegelt (also kopiert) wurden, Inhalte geklaut, und dann illegal Werbeeinnahmen erzielt wurden. „Mama arbeitet“ ist meins, und ich bin stolz darauf.

Was Kinder so
Was Kinder so basteln

Wie ist das mit euch? Ich wüsste gerne, warum euer Blog so heißt, wie er heißt. Und starte rotzfrech eine Art Blogparaden-Award. Ich nominiere:

leitmedium

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Macht Ihr mit? Wenn Ihr wollt, nominiert ebenfalls 5 Leute. Und wenn Ihr nur antworten wollt, ohne andere zu nominieren, auch fein. Ich bin wirklich gespannt auf eure Antworten.

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Andrea WiedelBlognamen und ihre Geschichten: Top-ElternblogsAnkeMama arbeitetSimone Letzte Kommentartoren
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Simone
Gast
Simone

Liebe Christine! :-)

Alles richtig gemacht!!!!
Meinen Blognamen muss ich nicht erklären! „Mein Leben als Familienmanagerin“ ist ja eigentlich klar, oder? ;-)
Aber auf die Erklärung vom NUF bin ich SEHR gespannt! :-)

Anke
Gast
Anke

Jetzt gerade erst gelesen, muss ich dich mal kommentieren.
Ich mag die Geschichten und Gesichter hinter Blogs gerne, spannend, was da manchmal zu erkunden ist.
Mein kleines Blog hat seinen Namen von einer Umfrage unter den Lesern (mit miserabler Ideen-Resonanz), hatte erst einen anderen Namen (nämlich meinen). Da ich mich aber damals noch der Illusion hingab, der Mann würde auch irgendwann mal in die Tasten hauen wollen, brauchte/ wollte ich etwas nicht-personenbezogenes.
Und hoch im Norden sind wir definitiv. Zumindest für die meisten meiner ziemlich stillen Leser.

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Blognamen und ihre Geschichten: Top-Elternblogs

[…] Mama Arbeitet (auch dieser Link führt zu einer umfassenderen Erklärung) „Dass ich dann im Jahr 2009, als ich den Twitternamen aussuchte, „Mama arbeitet“ wählte, liegt daran, dass ich gerade das dritte Kind bekommen hatte, die Jüngste. Und ich arbeitete damals viel vom Home Office aus, damit die liliput-lounge nicht brach lag, denn ich war die einzige Angestellte, die sich darum kümmerte. Mein Sohn, damals 3, und die Große, damals 9, hörten mit – für sie sicher unschöner – Regelmäßigkeit „Pssst, Mama arbeitet!“ von meinem damaligen Au-Pair, das sich um die Kinder kümmerte. Und so nahm ich diese Zuschreibung als Namen… Weiterlesen »

Andrea Wiedel
Gast
Andrea Wiedel

Liebe Christine, ich bin heute zufällig auf Deinen Blog getroffen und Du sprichst das aus, was mich auch seit Jahren beschäftigt (seit Jahren alleinerziehend….). Und erst mal mein Kompliment, meine Wertschätzung, was Du alles geschafft hast: ich finde, dass Du Dich in den Tagesthemen selbstsicher behauptest, dass Du den Mut hast, die ganzen Themen anzusprechen und die Vielfalt der Blog-Artikel und dass Du – ohne Festanstellung – nicht aufgegeben hast, einen beruflichen Weg für Dich zu finden, für Deine Fähigkeiten und Kompetenzen. Und ich beneide Dich, um die interessanten Leute, die Du triffst, und dass Du als Stadträtin und Bloggerin/Autorin… Weiterlesen »