Des Rätsels Lösung: Annika ist eine Romanfigur von Michael Meisheit

Es ist kompliziert. Ihr erinnert euch an den Blogpost von vorgestern, den Gastbeitrag einer gewisssen „Annika Bichler„? Sie beschrieb darin ihr turbulentes Leben als Alleinerziehende und wünschte sich, doppelt zu existieren, damit sie alles schafft, was sie im Alltag so schaffen muss. Ein mir sehr verständlicher Wunsch.

Unter dem Blogpost steht: Warum dieser Gastbeitrag? Annika ist alleinerziehend, ich kenne sie nicht. Aber ich kenne ihre Sorgen. Und zudem hat es mit diesem Text etwas ganz Besonderes auf sich. Was, das verrate ich am Donnerstag, den 26. Februar.

Das ist heute. Und es ist an der Zeit, euch zu erklären, was das sollte.

Bestellung beim Universum 800

Vor einigen Wochen schrieb mich ein gewisser Michael Meisheit an, stellte sich kurz vor, als Referenz verlinkte er auf einen Artikel in der FAZ über ihn. Was ich da las, fand ich beeindruckend. Ich sah mir seinen Blog an, und da waren sehr lustige, herzenswarme und auch nachdenkliche Einträge zu finden, was mich für den Mann einnahm. Und den Vorschlag, den er mir unterbreitete, fand ich zumindest nicht abwegig (ich lösche 99 von 100 Anfragemails, denn mein Blog ist privat und werbefrei).

Konkret fragte er mich, ob seine nächste Protagonistin des bald erscheinenden E-Books, eine alleinerziehende Mutter, bei mir im Blog einen Gastbeitrag schreiben könnte. Rein fiktiv. Er würde dann vom E-Book zu meinem Blog verlinken. Der Gastbeitrag in meinem Blog würde also Wort für Wort genau so im E-Book erscheinen, wie er hier publiziert wurde. Das Buch, das übrigens „Als ich eines morgens mich selbst traf“ heißt, ist der ein Seitenstrang einer vorherigen Serie namens „Im falschen Film“. Denn Meisheit ist Serienautor, er schreibt unter anderem für die Lindenstraße (die ich nicht gucke. Von daher kommt die Sympathie also nicht.)

Lustige Idee. Ich überlegte, ob ich damit Gehilfe für schmierige E-Book Geschäfte werde, und befand: Nein, das ist Kunst. Ich mache mit. Selbstverständlich ohne Bezahlung oder andere Tauschgeschäfte, einfach, weil ich die Idee so witzig fand. Die ausgedachte Annika schreibt also einen Blogpost in einem echten Blog, und zwar in meinem. Mama arbeitet ist in die Fiktion übergegangen, und Annika in die Realität. Hübsch!

Das Buch ist heute erschienen, als E-Book und auch als Taschenbuch lieferbar, ich hätte es vorab lesen können und hab’s auch in Word hier, aber mehr als überflogen habe ich es nicht. Den Blogpost, der hier erscheinen sollte, las ich und fand ihn witzig und auch treffend, das reichte mir, um zuzusagen. Ich kann weder zum Kauf raten noch möchte ich dafür werben, aber das was ich gelesen habe, war unterhaltsam und gut geschrieben. Ein bisschen wie Kerstin Gier oder Dora Heldt. :)

Apropos Frauenliteratur – was auch noch bemerkenswert ist: Michael Meisheit schreibt seit einigen Jahren unter dem Pseudonym Vanessa Mansini, und das ganz offen, es ist kein Geheimnis und überall nachlesbar, weil sich seine Romane mit einem Mann als Autoren nicht verkauften. Irgendwie absurd. Aber so scheinen die Erwartungshaltungen an „leichte Frauenliteratur“ halt zu sein; das muss dann auch einen weiblichen Autoren haben. Und wenn ich mich an die eigene Nase fasse, dann stelle ich fest, dass ich einen Roman von Kerstin Gier vielleicht auch gar nicht erst zur Hand genommen hätte, wenn auf ihm der Name „Gerhard Müller“ geprangt hätte. Das mit den Erwartungen und dem Gender ist schon tückisch!

Nun, ich hoffe, Ihr seid nicht sauer oder fühlt euch verkaspert durch meine Aktion. Aber ich habe ja auch mit offenen Karten gespielt, soweit das möglich war, ohne das Geheimnis komplett zu verraten. Und als Versöhnungsangebot habe ich noch ein kleines Interview mit dem Autor Meisheit. Der wirklich ein netter Typ ist.

Autor Michaeel Meisheit alias Vanessa Mansini, Foto: Steven Mahner
Autor Michaeel Meisheit alias Vanessa Mansini, Foto: Steven Mahner

Herr Meisheit, wie schaffen Sie es, sich so sehr in diese Situation der alleinerziehenden Frau hineinzuversetzen?

Ich habe selbst zwei Kinder im Alter von fünf und drei Jahren. Da meine Frau und ich Freiberufler sind und zu Hause arbeiten – meine Frau übrigens als Sprecherin – kennen wir die damit verbundenen Tücken des Elterndaseins nur zu gut. Viele konkrete Situationen, die ich in dem Artikel bzw. im Roman beschrieben habe, musste ich mir nicht ausdenken. Die habe ich selbst erlebt. Denn auch bei uns gibt es Tage, an denen wir uns zwischen Job, Haushalt und Kindern förmlich zerreißen müssen. Aber: Wir sind zu zweit. Und das ist oft die Rettung, wenn einer allein nicht mehr kann. Die Frage, wie ein alleinerziehendes Elternteil mit all diesen parallelen Anforderungen zurechtkommt, ist uns dabei allerdings ein echtes Rätsel. Das nötigt mir höchsten Respekt ab.

Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben?

Als ich mir mal wieder die oben genannte Frage gestellt habe, lag es nahe, einmal durchzuspielen: Was wäre wenn man sich teilen könnte? Und habe schnell gemerkt, dass das viel Erzählstoff birgt und auch viele Aspekt beinhaltet, die spannend sind. Und die auch zum Nachdenken anregen können.

Haben Sie politische Ambitionen?

Wann soll ich das denn auch noch machen? Nein, im Ernst: Meine aktive politische Zeit lag eher in meinen jungen Jahren. Seither sehe ich meine Arbeit als Autor als mein politisches oder vielleicht eher gesellschaftliches Wirken. Und konzentriere mich dabei auf den Versuche, relevante Themen in unterhaltsame Geschichten zu verpacken. Denkanstöße zu geben, während man einer spannenden oder witzigen Geschichte folgt. Und da passt „Als ich eines Morgens mich selbst traf“ zu hundert Prozent hinein…

Linktipp: Blog von Michael Meisheit, Kategorie „Papa“

Achso, und weil ich die Kommentare schon kommen sehe: Die Frau hier ist nicht blöd und durchaus geschäftstüchtig. Aber hätte Herr Meisheit mir Geld angeboten, dann hätte ich nicht mitgemacht. Es ist Kunst, auch wenn er damit gutes Geld verdient. Ich gönne es ihm. Insbesondere, weil ich selbst schon etwas beim Universum bestellt habe, und so meine jetzige Wohnung bekommen habe. Exakt so wie gewünscht.

Linktipps innerhalb des Blogs: Liebes Schicksal,… (Mein Blogpost von 2013)

Annikas Gastbeitrag hier im Blog „Bestellung beim Universum“, vom 24.02.2015

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Christine FinkeLaraBea Letzte Kommentartoren
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Bea
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Bea

Liebe Christine, ob fiktiv beschrieben (bzw. an die Realität angelehnt) oder wirklich real ist in solchen Fällen meiner Meinung nach gleichgültig, denn die Probleme sind, wie sie sind – und Bestellungen beim „Universum“ oder wem auch immer, gibt es natürlich, im besten Fall erfolgreich. Das man einem Mann die Thematik nicht abnimmt – liegt wohl in dem Umstand begründet, daß es so viele alleinerziehende Männer mit diesen Problemen nicht gibt und man demzufolge lieber den wirklichen Profis, den allzu oft Betroffenen folgt, den Frauen. Somit spielt das Geschlecht schon eine große Rolle – sorry. Ich persönlich fühle mich dadurch nicht… Weiterlesen »

Bea
Gast
Bea

PS.
Nun hab ich mir den Blog und das Script mal angeschaut – naja, putzig, aber nicht mein Ding, wie auch die ganze Lindenstrasse nicht, klar, wie bei Dir.
Nix mit Soaps.
Fan werd ich nicht von solchen Dingen.
Herzlichst
Bea

Bea
Gast
Bea

Na klar, hab ich früher auch – gestehe ich – smile – und auch mit einem Ex ….
Man muß ja schließlich schon wissen, worüber andere plauschen..

Lara
Gast
Lara

Hab den Beitrag von „Annika“ gelesen und fand es nicht schlimm, dass es fiktiv war.
Viel lustiger finde ich, dass ich den Autor kenne. Früher, vor vielen Jahren, schrieb er auf jetzt.de schon immer privat die besten Geschichten. Interessant zu sehen, was aus ihm geworden ist. So klein ist die Welt mal wieder.
Ich freu mich sehr, dass Du auf sein Angebot eingegangen bist!