Nido-Buch „Eltern werden, locker bleiben“

Als Sophie Servaes aus der Redaktion von Nido mich per twitter-DM fragte, ob ich ein Rezensionsexemplar des neuen Nido-Buchs haben wolle, musste ich nicht lange überlegen. Nido finde ich gut, online wie print, und ich war neugierig. Ich gebe auch zu, dass es mich wirklich freut, dass Verlage und Redaktionen seit ein paar Monaten vermehrt auf mich zukommen mit solchen Anfragen – ich sehe mich als kleine eigene Redaktion, mit unabhängiger und unkäuflicher Meinung. Und wenn ich ein Buch schlecht finde, dann würde ich das auch sagen.

Nido-Buch im Posteingang
Nido-Buch im Posteingang

Abends bin ich müde, sehr müde. Und deswegen dauerte es etwa 2 Wochen, bis ich mit dem Buch durch war. Womit wir schon mitten im Thema sind, denn ich kann David Pfeifer zitieren, der in einem der 25 Beiträge verschiedener Autoren schreibt, nachdem er 24 Stunden mit drei von Freunden geliehenen Kindern verbracht hat:

Eine seltsame Erschöpfung macht sich breit, erzeugt durch eine Kombination aus totaler Konzentration und intellektueller Unterforderung. (S. 204)

Das trifft mein Lebensgefühl recht genau. Wie ich auch bei vielen anderen Texten, die in dem 204 Seiten dicken Buch versammelt sind, nicke. Besonders gut gefallen hat mir derjenige von Vera Schroeder, in dem sie auf die Mütterkampf-Schauplätze eingeht und eine Meta-Ebene betritt. In eine ähnliche Richtung geht auch Mareen Linnartz, die sich mit dem Thema „Glück“ beschäftigt und trocken formuliert:

Kinder machen nicht furchtbar glücklich. […]. Sie machen in erster Linie fertig. (S. 41)

Auch dass sie die Wichtigkeit von guter Kinderbetreuung erwähnt, die erheblich zur Zufriedenheit von Eltern beiträgt und für bessere „Glücksquoten“ in skandinavischen Ländern sorgt, gefällt mir – das kann man gar nicht oft genug sagen.

Alle Texte sind, wie man es von Nido erwartet, lesenswert. Es schreiben Männer und Frauen (mir hätte es übrigens besser gefallen, wenn im Inhaltsverzeichnis bei den Überschriften auch die Namen der Autoren erschienen wären), und sie schreiben sehr persönlich. Manche der Texte mischen wissenschaftliche Erkenntnisse mit eigenem Erleben, manche bleiben auf der rein privaten Ebene – beides ist interessant.

Nido-Buch Inhaltverzeichnis
Nido-Buch Inhaltverzeichnis

Die Themen reichen von „Willkommen bei uns“ (Neustart als Familie),  „Sex&Liebe“ über „Streng sein“ und den „Kleinen Fluchten“ (Auszeiten) bis zu „Alle Anderen“ (von Einmischung und Entfremdung). Ein Autor, nämlich Benedikt Sarreiter, wagt sich sogar sehr weit aus dem Fenster, indem er erzählt, dass seine Frau und er trotz oder wegen Kind in offener Beziehung leben. Damit wird er sich sicher nicht nur Freunde machen, und genau dafür mag ich Nido. Und auch dafür, dass sie jemanden wie Michalis Pantelouris schreiben lassen:

Kleine Kinder zu haben ist ein emotionaler und physischer Notstand – da hat Romantik kaum Platz. (S. 95)

Paul Philipp Hanske hat mir ein bisschen leidgetan, weil er es mit dem Strengsein so schwer hat. Denn ich bin zu den Kindern genauso streng oder lax wie zu mir – wir essen gemeinsam Nutella und Erdnussbutter aus dem Glas, wenn uns danach ist. Und Chips gibt’s auch mal zwischendurch. Herr Hanske, probieren Sie mal meine Laisser-Faire Methode, was Essen betrifft, will ich ihm zurufen. Das macht das Leben viel leichter. :)

Nido-Buch Kapiteltrenner
Nido-Buch Kapiteltrenner

Die einzelnen Kapitel sind optisch sehr ansprechend im typischen Nido-Layout mit unterhaltsamen Fakten und Wissensschnipseln abgegrenzt, was zum einen das „Nido-Feeling“ ins Buch bringt und zum anderen Anregungen zum Nachdenken gibt, die zum jeweiligen Kapitel passen. Schön gemacht. Die Schrifttype fand ich etwas klein – aber ich bin ja auch schon Gleitsichtbrillenträgerin und vielleicht etwas aus der Zielgruppe gerutscht, obwohl die Jüngste erst vier Jahre alt ist.

Mein Fazit: Ein gutes Buch, mit knapp 10 € erschwinglich und schön in kleinen Häppchen zu lesen. Eines, das man sich vielleicht nicht unbedingt selbst kauft, aber sich gut wünschen oder verschenken kann. Und vor allem ein Dokument unserer Zeit, denn es beschreibt mit vielen Stimmen die Gedanken, Zweifel und Ansichten junger Eltern.

„Eltern werden, locker bleiben“ Hrsg. von Patrick Bauer und Vera Schroeder. Heyne Verlag, München 2013. 204 Seiten, 9,99 €. ISBN 978-3-453-60298-4

Linktipp: Was das nuf zu diesem Buch zu sagen hat.

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Call me stupid: was ist „nido“? Ein Autor ohne Vornamen?