Die Macht des Wortes. Kinder und Schimpfwörter

Wo hört Toleranz auf und fängt Rassismus an? Dürfen Kinder sich als Indianer verkleiden, sind Kinderbücher mit Indianern böse und war es unausweichlich, den Begriff “Neger” aus Kinderbüchern zu nehmen?

Darüber kann man vortrefflich stundenlang diskutieren, und es gibt Leute, die diese Diskussion mit einer Vehemenz betreiben, die mir nicht nur zutiefst unsympathisch ist, sondern mich auch erschreckt. Wenn intolerante Menschen einem Intoleranz vorwerfen und Toleranz mit der Abschaffung von Meinungsfreiheit hergestellt werden soll, dann grusele ich mich vor der Dummheit da draußen.

Was nicht bedeutet, dass ich aufhöre, eine Meinung zu haben und mich zu äußern. Im Gegenteil, je unsympathischer mir diejenigen werden, die meist anonym mit falschen Avas auf Facebook kommentieren, desto eher fühle ich mich in meiner Meinung bestärkt. Aber darüber haben die Kommentatoren vor lauter Furor wahrscheinlich noch nicht nachgedacht. Ist auch gut eigentlich, denn verständnisvoll und ruhig vorgetragene Argumente sind viel schwieriger von der Hand zu weisen.

 

maze © casaltamoiola - Fotolia
maze © casaltamoiola – Fotolia

 

Ich verlinke nicht zu dem Post auf meiner FB-Seite, um den es hier geht, weil ich keine Zeit und Lust habe, wieder mehrere Stunden mit dem Moderieren von Kommentaren zu verbringen. Aber ich will versuchen, etwas über die Macht der Worte klarzustellen. Und zwar als studierte Sprachwissenschaftlerin, Literaturfreundin und Mutter. Nämlich wie ich damit umgehe, wenn ich meine Kinder dabei erwische, unreflektiert Äußerungen und Abwertungen zu übernehmen.

Ich erlaube mir auch, Nachbarskinder, so sie in meiner Wohnung oder in meinem Auto sitzen, darauf hinzuweisen, dass wer “der ist voll behindert” über jemanden anderen sagt, sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Und ich stelle an meinen Kindern fest, dass sie Begrifflichkeiten und Vorurteile überdenken und mich angstfrei um Auskunft bitten, wenn ein neues Schimpfwort auf dem Schulhof auftaucht, weil es sie tatsächlich interessiert, was dieses Wort bedeutet. Das finde ich gut.

Mama, was heißt eigentlich Hurensohn?

fragte der Sohn kürzlich. “Das bedeutet, dass jemand eine Prostituierte als Mutter hat. Du weißt, was das ist?”

“Jaaaa, ungefähr”, druckste der Sohn.

“Das ist eine Frau, die für Geld Sex mit Männern hat, manche machen das freiwillig, manche nicht. Man nennt sie auch Nutte, was auch ein Schimpfwort sein soll. ”

“Ja, das kenne ich auch!”, freute sich der Sohn.

“Jedenfalls, Hurensohn bedeutet einfach nur, dass eine Frau, die für Geld mit Männern Sex hatte oder hat, einen Sohn hat. Und da ist ja überhaupt nix Schlimmes dran. Finde ich jedenfalls. Denn natürlich haben solche Frauen auch Kinder, einige jedenfalls. Und dann das Kind so zu beschimpfen, weil die Mutter einen bestimmten Beruf hat, ist ja nicht so schlau. Da könnte man auch Du Müllmannsohn! rufen, oder?”

“Ah”, nickte der Sohn und fand die Idee, jemanden “Du Müllmannsohn” zu nennen, absurd. Thema erledigt.

Mama, was ist voll schwul?

lautete eine andere Frage, auch durch den Sohn. (Der ist gerade in dem Alter, 3. Klasse der Grundschule.)

“Das heißt nix anderes, als dass ein Mann einen Mann liebt. Manche sagen auch Schwuchtel, das soll dann noch gemeiner sein. So wie unsere ehemaligen Nachbarinnen, weißt du noch, die geheiratet haben? Die sind lesbisch. Ich kann daran nix Schlimmes sehen. Ist doch egal, wen man liebt, Hauptsache man hat sich lieb, oder?”

“Dann ist das ja gar kein Schimpfwort”, folgerte der Sohn.

“Naja, nur, wenn man auf Schwule oder Lesben herabblickt. Oder einfach gar nicht weiß, was das Wort bedeutet. Ich wette, ganz viele Kinder sagen das einfach, ohne zu wissen, was es heißt. Ich würde jedenfalls niemanden so beschimpfen wollen.”

Das fand der Sohn dann auch, kopfschüttelnd über jene, die auf dem Schulhof solche Ausdrücke benutzen.

Der ist voll behindert!

meinte ein Nachbarskind, das sich über einen Klassenkameraden aufregte.

“Wie meinst du das, behindert? Der sitzt doch nicht im Rollstuhl oder ist schwer krank wie unser Nachbar Markus*, der die schlimme Nervenkrankheit hat? Der Papa von Justus*, du weißt schon?”

“Öh. Nee, das meine ich nicht”, stutzte der Nachbarsjunge.

“Meinst du, der ist doof? Oder gemein? Oder dumm? Dann sag´das doch. Es ist nämlich sonst gemein gegenüber den echten Behinderten, so wie eben den Papa von Justus*, wenn du sie mit den Doofen wie deinen Klassenkameraden in einen Topf schmeißt.”

“Hm. Stimmt.” Thema erledigt. Der Nachbarsjunge sagt das jetzt nicht mehr in meinem Beisein.

Mama, was ist eine Fotze?

Auch das kam auch schon als Frage. “Nun, das ist ein anderes Wort für Scheide. Du sagst damit eigentlich Du Scheide zu jemandem.”

Woraufhin der Sohn ungläubig guckte und einen Lachanfall bekam. Ich bin ziemlich sicher, dass er diesen Ausdruck nicht benutzen wird.

© michaklootwijk fotolia
© michaklootwijk fotolia

Noch ein Wort zum Schluss:

Ich wünschte, mehr Eltern würden ihre Kinder dazu ermuntern, Wörter zu hinterfragen – dann verlieren nämlich die Worte an Explosivität, man redet über Inhalte und den Umgang miteinander, anstatt sich an Worthülsen aufzuhalten.

Nicht das Wort ist böse, sondern die Gesinnung und die Dummheit dahinter. Wörter verändern ihre Bedeutung, das ist normal. Und ich versuche, die Wahrnehmung der Kinder dafür zu schärfen, was sie sagen. Auch das verändert die Bedeutung der Wörter, in ihrem kleinen Kosmos. Es ist ein Anfang.

Hinterlasse einen Kommentar

65 Kommentare auf "Die Macht des Wortes. Kinder und Schimpfwörter"

avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
rage
Gast

bin ganz deiner meinung. bin nur gespalten, was man mit sexualisierten schimpfwörtern machen soll, denn das finde ich, muss ich meinen kindern nicht ungefragt aufdrücken. solange sie also nicht wissen, wie sex geht, geht nüchterne erklärung nicht.

Katja Grach (@krachbumm_com)
Gast

Du könntest die Prostituierte vielleicht damit umschreiben, dass sie zu jemanden zärtlich ist und Dinge macht, die eigentlich sonst eher Verliebte miteinander tun, und dafür Geld bekommt. Das entspricht zwar nicht ganz der hunderprozentigen Wahrheit, aber wenn das Kind noch so klein ist, dass du dir mit dem Begriff Sex schwer tust, wäre das eine Idee.

rage
Gast

von zu klein kann keine rede sein – die grossen sind 9 und 6. ich finde, solange sie nicht danach fragen, wollen sie es nicht genau wissen. aber so in lau haben wirs auch schon erklärt, also mit gern haben und knutschen etc. aber eben, bei fick dich wirds schwierig…

Katja Grach (@krachbumm_com)
Gast

Naja ich find es generell gut, wenn Kinder früh über alles mögliche bzgl. Sexualität aufgeklärt werden. Schließlich dient es ja auch der Prävention von sexuellen Übergriffen. Hab ein gratis eBook zu “Wie sag ich’s meinem Kind? Sex & Porno” geschrieben (gibts auf http://www.krachbumm.com) und auch ein paar passende Aufklärungsbücher vorgestellt.

Abgesehen davon, kann ich mir kaum vorstellen, dass deine großen noch nie solche Begriffe außerhalb der Familie gehört haben. Vl fragen sie auch nicht, weil sie das Gefühl haben es ist unpassend sowas zu fragen.

Toredo
Gast

Dann erklär ihnen das gleich mit. Es zeugt von großer Unreife, den Kindern das eigene Schamgefühl aufzudrücken, weil man selbst ein Problem mit Sexualität hat. Und das hast du wenn es für dich ein Problem ist, deinen Kindern gegenüber damit offen umzugehen. Es ist egal, ob du deinem Kind Kochen oder Sex erklärst. Wenn du Ihnen das vorenthältst, lernen sie von denen, wo sie die Antworten bekommen die sie suchen und das hast du dann auch nicht anders verdient.

Rosalie
Gast

Ein ganz ganz toller Post! Und eine ganz tolle Einstellung wie mit Menschen umzugehen ist, die sich derart an anderen vergehen – weshalb auch immer.

Robin
Gast
Ich finde es toll, dass deine Kinder angstfrei zu dir kommen, wenn sie ein Wort nicht verstehen, selbst wenn sie wissen, dass es ein “böses” Wort ist. Wäre für mich als Kind unvorstellbar gewesen! Es ist furchtbar schwer, sich Worte wieder abzugewöhnen, die man schon lange benutzt. Wie man sieht, ist es viel erfolgreicher, sofort zu intervenieren. Mich erinnert das gerade an mein Grundschulpraktikum, als ich mithörte, wie ein Zweitklässler einem anderen zurief: “Ich ficke deine Oma!” (Ja, er sagte wirklich “Oma”…) Ich stand daneben, aber er hatte mich einfach nicht wahrgenommen. “Warum sagst du sowas? Das ist aber nicht… Read more »
Katharina - Mama hat jetzt keine Zeit
Gast

Mir gefällt Deine Herangehensweise mit den Schimpfwörtern.
In der anderen Diskussion habe ich jedoch andere Schlussfolgerungen getroffen als Du und deshalb auch andere Konsequenzen gezogen. Liest Du eigentlich bei sprachlog.de mit?

Katja Grach (@krachbumm_com)
Gast
Ich kann deinen Artikel gut nachvollziehen, aber auch die Diskussion, die du ausgelöst hast. Wie du mit deinen Kindern diese Begriffe besprichst, finde ich toll, beim Hurensohn bin ich aber noch ein bisschen wankelmütig. Einerseits kannst du dem Wort so seine “Kraft” nehmen, andererseits finde ich es nicht unwesentlich, dass diese Beleidigungen eigentlich sehr oft über das Weibliche gehen. Und das ist zumindest bei drei deiner vier Beispiele so. Fotze reiht sich da genauso ein wie “voll schwul” (weil nicht cool genug, nicht männlich genug ergo normal, also weiblich konnotiert). Und der Hurensohn ist da ähnlich wie “ich f*cke deine… Read more »
Andrea
Gast
Liebe Christine, Danke, Danke, Danke für diesen Blog-Post. Er spricht mir so aus der Seele. Wir versuchen unsere Kinder auch in der gleichen Weise offen und ehrlich zu erziehen und lieben es zu sehen, wie offen und unbekümmert sie an solche Themen herangehen, die sich dann gemeinsam mit Ihnen immer klären und besprechen lassen. Oftmals bekommen wir aus unserem Umfeld dann ein Kopfschütteln zurück – z.B. wenn die Scheide bei uns eben genau so benannt wird und nicht “Mumu” und ich denn Kindern in verständlicher Art und Weise auch die von ihnen gestellten Fragen zu diesem und anderen Themen beantworte.… Read more »
Sabrina
Gast
Jetzt kannte ich die ganze Diskussion gar nicht (Karneval fliegt an mir vorbei!). Habs kurz überflogen, den Blogartikel gelesen, deine FB-Kommentare gecheckt und… Sage danke für diesen Artikel hier. Ich finde es wunderbar, mit meinen Kindern über das, was es in der Welt so gibt, zu diskutieren. Da gehören Schimpfwörter (und Indianer-Kostüme) dazu. Es gibt so viele Baustellen im Familienalltag. Sensibel mit rassistischen Äußerungen umgehen – ja. Peinlich genau auf jedes winzige Detail achten? Zumindest bei mir nicht. Ich gehe aber davon aus (wie du, wenn ich das richtig lese), dass du deinen Kindern das Vertrauen entgegen bringst, dass sie… Read more »
Bea
Gast
Liebe Christine, wunderbar, wie Du das machst – und es bestätigt meine eigene Erfahrung – Schimpfworte, egal von wem, kühl analysieren, übersetzen, erklären ( bei Kindern, die ja oft gar nicht wissen, was sie da nach Hause bringen), keine Schimpfkanonaden oder Entrüstung, bei Erwachsenen bevorzuge ich die augendeckelklappernde Frage – Ach, wie meinen Sie das, können Sie mir das näher erklären??? Die verdampfen sofort. Schönstes Beispiel – im Russischen gibt es eine unglaubliche Masse an Mütter – und Frauenflüchen – Frauen sind dort ziemlich niederstehende Wesen, was ein Sprichwort bestätigt: (mal auf deutsch) Das Huhn ist kein Vogel und eine… Read more »
Berit
Gast

Das hört sich eher an, als ob der Dreijähirge das mal aufgeschnappt hat und dachte, das sei ein liebes Wort oder etwas wie “Na du Dreikäsehoch” nur für Erwachsene. Oder jemand hat sich einen Spaß gemacht, so wie wir damals mit den amerikanischen Austauschstudenten, denen wir beibrachten “Du hast schöne Brüste” heißt “Wie geht es dir?” :D Herrlich.

Bea
Gast

Genau, liebe Berit, das denke ich auch – deshalb sicher besser ohne Kommentar – smile!!!
Grüsse
Bea

Anja Schlüter
Gast

“Du Scheide!” Ich hab mich grade köstlich amüsiert.. Der Lachanfall des Tages!! Herrlich, ich hätte wahrscheinlich mit Deinem Sohn zusammen Tränen gelacht.
Gruß, Anja

Katja Grach (@krachbumm_com)
Gast
Ich bezieh mich jetzt mal auf den letzten Kommentar von Robin – gibt da nur keinen Antwortenlink für mich. Ich kann das mit der historischen Alterität gut nachvollziehen. In einer Lehrveranstaltung über postkoloniale deutsche Literatur mussten wir eben solche lesen. Mein Auftrag war “Der Neger Jupiter raubt Europa” von Claire Goll aus den 1920ern. Auch dort wurde das N-Wort schon als problematisch diskutiert und es ist wichtig, um die Kritik im Buch überhaupt zu verstehen, den Begriff an dieser Stelle zu verwenden. Auch bei den anderen Büchern aus dieser LV wird dies deutlich – aber das hängt auch an der… Read more »
Peter
Gast

Vielen Dank für diesen Kommentar. Meiner Ansicht nach der erste reflektierte und nicht völlig naive Beitrag, der auch mal über den eigenen Horizont hinaus blickt ohne gleich zu beleidigen.

Katharina - Mama hat jetzt keine Zeit
Gast
Katja Grach (@krachbumm_com)
Gast

Oja, die Worte von Maria gehen mir immer mitten ins Herz. Vor allem das Tischgespräch mit der Kleinen, als sie fragt
“Mama solange ich lebe will ich nicht, dass die Nazis wieder an die Macht kommen….”

“Ich auch nicht”

“Wird es dann schlimm für mich?”

https://memyselfandchild.wordpress.com/2014/09/16/tischgesprach/

Und das war ein Jahr nach der Einführung des N-Wortes. :(

Robin
Gast
“Populäre Kinderbücher finde ich, sind da ein gänzlich anderes Kapitel. Die alten gedruckten Bücher bleiben ohnehin erhalten. Das heißt aber nicht, dass es keine neuere Version geben darf.” Hm, das hat ja auch hier keiner gefordert. Wenn ich sage, dass ich die Bemühungen “bis zu einen gewissen Grad” nachvollziehen kann, dann meine ich damit natürlich das N-Wort, aber es gibt noch andere Maßnahmen, die im Geiste der Political Correctness verbrochen werden und das unterstütze ich nicht. Die unten von dir verlinkte Dame ist dafür ein gutes Beispiel. “Nur weil die IsländerInnen sich gegen jedwede Sprachverschiebung wehren…” Historisch gesehen hat sich… Read more »
Maike
Gast
Ich möchte jetzt hier noch mal was loswerden, ohne als intolerant oder verbohrt zu gelten, aber mir hat das Lesen vieler Kommentare hier richtig weh getan. So nah wie möglich am Original – meinetwegen für Erwachsene, aber wenn ich meiner Tochter eine Astrid-Lindgren-Geschichte vorlese, in der 50mal das Wort Negersklave vorkommt: das will ich nicht. Und ich will ihr auch nicht erklären müssen, dass es mal eine Zeit gab, in der Menschen, die die gleiche Hautfarbe haben wie ihre beste Freundin, nichts wert waren und wie Gegenstände weggeworfen, ausgenutzt und misshandelt werden konnten. Das ist zwar ein wichtiger Teil der… Read more »
Robin
Gast

Ich habe oben ausdrücklich von einer Bewertung im wissenschaftlichen Kontext gesprochen. Diesen Kontext besitzen Kinderbücher (zur Unterhaltung konsumiert) mit Sicherheit nicht, daher gehören Begriffe wie “Negersklave” selbstverständlich getilgt.
Wobei ich mich frage, ob ein Text, in dem ein solches Wort auftaucht, für Kleinkinder geeignet ist, selbst wenn man dafür eine politisch korrekte Alternative findet.

Mama on the rocks
Gast
Ein toller Artikel, den ich sehr gerne gelesen habe. Ich finde, Du machst das ganz klasse, und ich werde mir eine Scheibe davon abschneiden, wenn es bei uns zuhause so weit ist. Wenn LadyGaga in jüngster Zeit wütend auf ihren kleinen Bruder ist, sagt sie immer wieder mal, dass er dumm ist. Das unterbinde ich auch sofort und erkläre ihr, dass das nicht nett ist, sehr verletzend und erst noch falsch. Und wenn sie dann mit den ersten Schimpfworten aus der Vorschule heimkommt, möchte ich genauso reagieren wie Du. Man muss die Dinge ansprechen, benennen und Unwissenheit nicht im Raum… Read more »
Mamamaj
Gast
Ich denke auch, dass darüber reden die richtige Herangehensweise ist. Und zwar sowohl über Schimpfwörter als auch über Bücher die ich vorlese. Ich lese ganz bewusst meinen Kindern die kleine Hexe im Original vor. Und bespreche mit ihnen was heute nicht mehr so ist wie in dem Buch. Und welche Wörter wir heute warum nicht mehr sagen. Und meine Kinder haben keine Schwierigkeiten dem Reiz der Geschichte zu erliegen, oder sich in die Welt reinzudenken. Ach ja, meine Kinder sind 4 und 6. Und ich fände es schlimmer, wenn sie nie mit mir über solche Wörter gesprochen hätten und sie… Read more »
Maria
Gast
Ich bin verwirrt. Einerseits ist doch dein Blog nicht zuletzt auch eine Plattform, auf der du zeigst, wie anstrengend der Alltag mit Kindern ist, wie viel Kraft viele Dinge kosten und dass es wichtig ist, auch einmal den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Andererseits forderst du, dass mit Originalversionen von Büchern mit zweifelhaften Formulierungen sofort in die historisch-kritische Auswertung gegangen wird und Themen wie Sklaverei, Ausbeutung von Frauen, Diskriminierung und Verfolgung dann sofort und erschöpfend besprochen werden. Das passt für mich nicht richtig zusammen. Ich persönlich möchte mit meinen Kindern einfach ein Buch lesen, wenn wir Lust auf eine… Read more »
Johanna
Gast

Beim Lesen dieses Beitrags ist mir doch nochmal so richtig mit Wut klargeworden, wo wir als Gesellschaft heute (immer noch) stehen, wenn DAS unsere Schimpfwörter sind. Diese sagen viel aus über das, was hierzulande tatsächlich als schlecht gilt – denn Schimpfwörter fallen normalerweise in ‘ehrlichen’ Situationen, in denen Masken fallengelassen werden. Ebenso sagt wohl auch die vielbelächelte Werbung viel über die Wünsche unserer Gesellschaft aus, das was als Erstrebenswert angesehen wird. Wenn man sich daraus ein Bild macht, dann viel Spaß…

Dana
Gast

Danke für den Beitrag und die Debatten unter diesem Beitrag regen echt zum Nachdenken an. Natürlich sollte man mit seinen Kindern immer über Schimpfworte sprechen und selbst so krasse wie Hurensohn erklären. Dennoch müsste ich ehrlicherweise erstmal stutzen wenn mein Kind mich mit, wie oben im Kommentar beschrieben “fick deine Oma…” ankommt.
Da kann ich mich ja in den nächsten Jahren schonmal auf was gefasst machen.
Beste Grüße

Kittie
Gast

Hallo,
also meine Eltern haben das mit mir früher ganz genauso gemacht, egal mit was ich aus dem Kindergarten kam (Und im Frankfurter Brennpunktviertel Preungesheim/ Bornheim war es nicht wenig!). Ich muss sagen, ich benutzte als Kind so wenig Schimpfworte, dass ich als die ‘Vornehme’ galt.
Ich habe für das ganze noch einen anderen Ansatz, und zwar von der anderen Seite: Was, wenn mich jemand beleidigt. Falls mal wer reinlesen mag: http://behindertundgutdabei.chaospla.net/zufriedenheit-als-einstellung-wer-mich-beleidigt-entscheide-ich-immer-noch-selbst-2/
LG, Kittie

trackback
Die kaiserliche Woche // KW 25 | Kaiserinnenreich

[…] In dieser Woche habe ich meine Gedanken zum Schimpfwort “behindert” aufgeschrieben. Christine Finke hat auf ihrem Blog Mama arbeitet auch schon zum Thema gebloggt und ganz wunderbar beschrieben, wie sich viele Redewendungen von selbst erledigen, wenn man sie gemeinsam mit den Kindern mal auseinander nimmt. Die Macht des Wortes. Kinder und Schimpfwörter […]

trackback
Mama, was ist eigentlich ein Wichser? Ein Erklärungsversuch.

[…] du das wirklich wissen?“, versuche ich Zeit zu schinden. Aber da ich bereits „Hurensohn und „schwul“ erklärt habe, erwartet mein Kind von mir eine Auskunft, das ist mir […]

trackback
Die kaiserliche Woche // KW 8 | Kaiserinnenreich

[…] Der ist voll behindert! Christine vom Blog Mama arbeitet schreibt, wie sie ihren Kindern Schimpfwörter erklärt – und diese damit sogleich entlarvt: Die Macht es Wortes […]

Annette Kübler
Gast

diese kritisch-informierte dialogische Aufklärung der Kinder find ich super.
schade nur, dass diese kritische Haltung nicht auch gegenüber Beleidigungen aus dem Bereich des Rassismus eingenommen wird. was steckt dahinter, dass koloniale Fremdbezeichnungen wie “i.” oder “N.” nicht konzeptualisiert werden sondern in der Einleitung sogar legitimiert? vielleicht eigene Ignoranz der gewaltvollen Geschichte dieser Wörter gegenüber? sich angegriffen fühlen, verunsichert durch die kritischen anfragen an den eigenen Sprachgebrauch? ich wünschte mehr nachdenken und mehr sich selber informieren bevor Gewalt legitimiert wird.

Annette Kübler
Gast
“dürfen Kinder sich als I. verkleiden, sind Kinderbücher mit I. böse und war es unausweichlich, den Begriff „N. “ aus Kinderbüchern zu nehmen?” Ja, Kinder dürfen sich weiter als I. verkleiden. Die frage ist: wer wird damit verletzt? wollen wir menschen weiter verletzen? was wissen wir über die koloniale vernichtung der Bewohner_innen der Amerikas? interessiert es uns? finden wir völkermord eine gute Vorlage für Fasching? es ist eine frage der eigenen Haltung zu Kolonialismus und versklavung – des sich selber informieren und positionieren. ja, es schmerzt, denn es geht an scheinbar schöne Kindheitserinnerungen. nein, wir sind nicht böse, weil wie… Read more »
Marita
Gast
Da die letzten Einträge nun schon etwas sehr lange her sind, hoffe ich, dass ich auf meinen Kommentar trotzdem noch Antwort bekomme. Mein Sohn geht seit diesem Jahr zur Schule und ich bin mit meiner Weisheit am Ende… Keine Frage – er lernt natürlich nun auch immens viele neue Schimpfwörter und zu meinem Erstaunen extrem heftige Kraftausdrücke. Er hinterfragt die Wörter auch und ich erkläre es ihm so gut es geht . Er ist sich auch dessen bewusst, dass sies keine schönen Wörter sind. Jedoch fragte er mich letztens, weshalb immer gerade die Kinder die meisten Freunde haben und am… Read more »
wpDiscuz