10 Mama-Meilensteine

Meilensteine für Babys und Kinder zum Vergleich der Entwicklung gibt’s an jeder Ecke im Internet oder im Buchladen zum Nachlesen. Aber kennt Ihr schon die Meilensteine für Mama? Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen sind willkommen!

1. Still-BH wegsortieren

Weg mit den Stilleinlagen, dem Aufklapp-BH, dem immergleichen weißen Still-BH aus Baumwolle! Einhergehend mit dem Abstillen bekommt die Mutter endlich ihren Busen wieder. Wahlweise ganz ohne BH (wenn frau es so gewöhnt ist und der Busen klein genug) oder wieder mit Spitze, Farbe und Muster auf dem Körbchen fühlt sich das Leben gleich viel besser an.

2. Erster Frisörbesuch des Kinds

Das Baby kann laufen, essen, vielleicht schon sprechen. Und in dem Moment, in dem die ersten Haare fallen, scheint es wie von Zauberhand einen Riesen-Entwicklungsschritt zu machen. Sind die Babyhaare gefallen, dann kommt ein Kleinkind zum Vorschein. Für die Mama eine weitere Runde im „Loslassen“-Parcours und gelegentlich Grund für Wehmut. Oft aber einfach nur Freude.

© UPHartung - Fotolia.com
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3. 1 kg Glas Nutella kaufen

„Wer soll das alles essen!?“, dachte Mama früher. Bevor sie ein Kleinkind zuhause hatte und Brote schmierte. Dass ein kleines Glas Nutella, das einst monatelang im Schrank stand, nun in Nullkommanix leer ist, schaut sich Mama nur ein Mal an. Dann kauft sie gleich die große Packung – Grundpreisangabe sei Dank. Erstaunlicherweise werden auch 1 kg Gläser Nutella rasch leer, wenn mehrere Kinder im Haus sind.

4. Ausgehen mit Freundinnen – mit oder ohne Alkohol

Früher open end, heute mit ständigem Blick auf die Uhr – ein Abend mit Freundinnen. Entweder der Babysitter oder der eigene Ehemann warten auf die Rückkehr der Mama. So macht Ausgehen leider viel weniger Spaß. Zumal glasklar ist, dass der Morgen danach wohl kaum mit Ausschlafen in die Puppen verbracht werden kann. Also übt sich Mama in Verzicht und bleibt bei einem Glas Wein. Heimkommen nach Mitternacht wäre sowieso schwierig, weil der Ausgeh-Mama die Augenlider ganz schön schwer werden ab 23 Uhr. Auf dem Sofa ist es eigentlich auch sehr schön.

5. Ausgiebiger Trotzanfall des Kinds im Supermarkt

Das gibt’s nicht nur im Kino, sondern kann jeder Mutter passieren: Weil das Kind keinen Kakao/keine Kinderzeitschrift /kein Überraschungsei an der Kasse bekommt, wirft es sich auf den Boden und schreit, was das Zeug hält. Missbilligende Blicke der kinderlosen Kunden sowie dumme Sprüche von Rentnern befeuern das Ansteigen des Blutdrucks der Mutter, die danebensteht. Profis atmen ganz langsam durch, klemmen notfals das Kind unter den Arm (nicht einfach, wenn noch Einkäufe aufs Band müssen und nach Hause transportiert werden sollten), und denken an etwas Schönes. Kleiner Trost: nach dem fünfzigsten Trotzanfall nimmt man das relativ gelassen.

6. Ein ganzes Buch lesen

Vor der Geburt des Kindes las Mama ein Buch an einem Wochenende oder einem Abend. Nach der Geburt las sie Beipackzettel, Anleitungen für Milchpulver oder Breimix, Aufbauanleitungen für Kindermöbel und Warnungen über Lebensmittelrückrufe im Internet. Bücher zu lesen erschien wie ein fernes Ziel fürs Rentenalter, weil Wäscheberge, Spielzeugchaos und unendliche Müdigkeit im Weg standen. Wenn Mama das erste Mal wieder ein Buch gelesen hat, fühlt sie sich wieder wie ein Mensch. Naja fast.

7. Kind schläft auswärts

Ob es dem Kind gut geht? Hat es Angst? Es ist so still in der Wohnung! Wenn das Kind zum ersten Mal bei einem Freund oder der Oma übernachtet, ist das aufregend für alle. Und Mama fühlt sich vielleicht verwaist. Oder aber sie freut sich unheimlich darüber, alleine in die Badewanne gehen zu können, nach Herzenslust fernzugucken und zu lesen, und am nächsten Morgen nicht um 6 Uhr geweckt zu werden.

8. Eine Ohrfeige geben

DAS sollte einem doch nie passieren. Welten stürzen ein. Nie, nie, nie wollte Mama ihrem Kind „eine kleben“. Mama schämt sich, das Kind heult, und der Tag ist im Eimer. Tatsache ist, dass alte Reflexe aus der Kindheit tatsächlich schneller sein können als Mamas Selbstbeherrschung, zum Beispiel, wenn das Kind überraschend beißt. Da heißt es in sich gehen, lernen, darüber reden mit dem Kind. Und sich liebhaben und vertragen und sich vornehmen, beim nächsten Mal, wenn das Kind einen zur Weißglut treibt, tief durchzuatmen und bis zehn zu zählen.

9. Eine dicke Liebeserklärung vom Kind bekommen

„Du bist die beste Mama der ganzen Welt.“ Mama spürt einen Kloß im Hals und vergeht fast vor Rührseligkeit. Es ist DER Sternstunden-Meilenstein und beim ersten Mal, wenn Mama das hört, kommt sie sich vor wie in einem kitschigen Film. Aber das hier ist besser als ein Film: Das Kind schlingt die kleinen klebrigen Ärmchen um die Mama, und weil das Kompliment genauso von Herzen kommt die Wutanfälle im Supermarkt, kann sich Mama ganz sicher sein, dass hier keine Taktik im Spiel ist und in diesem Moment einfach nur alles gut ist.

10. Milchzähne ziehen

Gar kein Problem, Mama hat sich selbst ja auch alle Milchzähne selbst gezogen – sollte man meinen. Aber wenn das eigene Kind mit einem Wackelzahn ankommt und bittet, dass Mama den ziehen möge, ist so mancher Mutter eher danach, in Ohnmacht zu fallen, als selbst Hand anzulegen. Gut, wenn sich in diesem Fall gleichaltrige Freunde (das sind ja Experten!) oder ältere Geschwisterkinder anbieten. Und nach dem Zahnziehen schnell in die Sammeldose mit dem Milchzahn – denn auch ein bereits gezogener Zahn hat Potential für weiche Knie bei Mama.

Wichtiger Nachtrag: Ein Meilenstein ist für mich ein Punkt, an dem sich etwas ändert, ein „Ereignis von besonderer Bedeutung“. Und nicht etwas, was erreicht werden MUSS, um weiterzukommen. Dies sei ergänzt, weil auf twitter die Diskussion aufkam, ob eine Ohrfeige zu Meilensteinen zählen dürfe.

Linktipp innerhalb des Blogs:

Dem Kind eine Ohrfeige geben. Geht gar nicht – aber passiert. (Ergänzend zu diesem Blogpost.)

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

15 KOMMENTARE

  1. Ich bin sehr gespannt, welche Meilensteine ich setzen werde, wenn ich mal Vater bin. Aber die Meilensteine hören sich sehr nachvollziehbar an.
    Übrigens sei hier erwähnt, dass ich den Begriff des „Meilensteins“ auch ohne die Anmerkung verstanden hätte. Das übliche Mosern der moralisch immer Einwandfreien kann auch ermüden. Ich denke, dieser Blog ist auch deshalb so erfolgreich, weil kein Blatt vor den Mund genommen wird. In der Geschichte der Blogs allein erziehender Mütter also quasi ein Meilenstein.

    • Hallo Bob,

      ich habe mich auch gefragt, ob es wirklich Eltern gibt, denen nicht zumindest mal die Hand zuckte. Alle Eltern, die ich kenne, und das sind eine Menge, berichten mir, sie hätten schon geohrfeigt, und das zu ihrer grossen Zerknirschung.

      Das wäre nochmal ein Thema für sich. Denn hier im Wohnblock, bei den „sozial Schwachen“, gibt’s etliche Familien, in denen Ohrfeigen und Klapse noch als Erziehungsmethoden gelten. Das sind ganz andere Lebenswelten.

      Und was den Grund für den Erfolg dieses Blogs angeht – da denke ich, liegst du richtig. Was mich gerade erstaunt, ist dass ich selbst, wenn ich etwas ganz und gar Harmloses posten will, noch Kontroversen starte.

      Viele Grüsse, Christine

      • Das seh ich aber genau so! Ein „Meilenstein“ ist für mich ein Ereignis, bei dem man einen Entwicklungsschritt macht (oder das einen Entwicklungsschritt markiert). Tja, und Entwicklungsschritte macht man häufig gerade dann, wenn Unerfreuliches passiert ist.

        Das muss doch in diesem Blog genau so dargestellt werden dürfen. Wo bliebe sonst die Glaubwürdigkeit und das Lebensechte!?!

  2. Fahrradfahren.
    Jeder auf seinem Rad. Nebeneinander. Hintereinander. Bürgersteig und Straße. Mit Pedalen. Ohne Stützräder. JETZT ist das Kind so sehr aus’m Haus, dass es sogar schon alleine wegradeln kann. …Und zurückradeln.

    Für mich ein Riesen Meilenstein. Tschö, Kleinkind. Hallo, mein großes Kind!

  3. Gott sei Dank hab ich den Trotzanfall im Supermarkt nie erleben müssen:) Ein 1 kg Nutellaglas gibt es in der Schweiz glaub ich gar nicht zu kaufen und eine Ohrfeige habe ich auch noch nie gegeben. Unser letzter Meilenstein war – mein Grosser braucht keinen Autositz mehr:)

  4. Voll getroffen – ich habe mich komplett wiedererkannt, auch wenn meine drei Jungs schon viel älter und der Jüngste schon 11 ist.

    Ein Meilenstein fehlt mir: Das erste Mal wieder Musik hören! Jahrelang, gefühlte Jahrzehnte hatte ich keine Musik mehr angemacht. Die Stereoanlage, die alten Platten und DVDs verwaisten nach dem letzten Umzug irgendwo in den Umzugskartons. Selbst im Auto war das Radio meist aus, einfach nur STILLE! RUHE genießen für einen kurzen Moment.
    Und dann kommt der Moment: wieder Lust auf Musik. Und die Frage: Wo sind denn die alten DVDs verschwunden. Und das erste Mal wieder Laut Musik hören. Meine Musik. Nicht nur die Kinderlieder CDs.

    Heute – teile ich mir mit den beiden großen Jungs einen ITunes-Account. und freue mich, dass sie einen guten Musik-Geschmack haben :-)

    Kennt ihr das auch?

    LG Petra

  5. Ich konnte mich bisher zum Glück beherrschen. Mit dem Ohrfeigen.
    Dafür klappt das mit dem Anbrüllen nicht immer. Halt Mensch und keine Maschine.

    Für mich ein großer Meilenstein: Windeln weg. Kein stinkender Abfall mehr. keine Windeln vergessen, ausgelaufen oder alle!

    Liebe Grüße
    Suse

  6. Ich hab in der Anfangszeit mit Baby immer am allermeisten gelesen. Solange man beim Stillen noch hinter dem Babykopf rascheln kann, ohne dass es sich umdreht um zu schauen, was da raschelt, ist lesen doch perfekt. Ich habe 2012 (Elternzeit/Mutterschutz Mitte Januar bis Oktober, Teilzeitarbeit ab Oktober, 2 Kinder), ungefähr doppelt so viel gelesen wie 2011 (Vollzeitarbeit, 1 Kind), sagt zumindest goodreads. 2013 sieht nur deshalb genauso gut aus, weil ich mir vorgenommen habe, das Lesepensum zu halten. Bin aktuell bei Buch Nr. 36 für 2013.

  7. Wir haben noch keinen dieser Meilensteine geschafft. Aber zum Thema Still-BH: auch die gibt’s mit Spitze ;) Und ich benutze die Dinger nicht, da sich mir der große Vorteil nicht erschlossen hat. Mein bisherigen Meilensteine waren: keine stillgerechte Kleidung mehr, da in der Öffentlichkeit nicht mehr genuckelt wird und Kind geht auch mal allein auf Erkundungstour und Papa und Mama können mal in Ruhe kuscheln. Zwar nur für 5 Minuten, aber immerhin ;)

  8. Toll! Mir fallen noch zwei weitere Meilensteine ein:
    1. Das Kind fällt auf den Kopf. Und zwar aus solcher Höhe, dass man eine Gehirnerschütterung befürchten muss.
    2. Man fährt ohne Kind weg. Ob für einen Tag oder drei, ob alleine oder mit dem Partner. Die erste Nacht ohne Kind…schrecklich, aber auch schrecklich schön!

  9. „Meilenstein“ ist unglücklich gewählt. Die Autorin meinte wohl „bemerkenswerte Ereignisse“ (wenn das neutral genug formuliert ist).

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