7 Stadien: Kleine Fibel zum Kranksein, mit und ohne Kinder

Kranksein ist nicht gleich Kranksein, selbst wenn die Krankheit dieselbe ist. Nein, das ist kein Worträtsel – es ist Realität für diejenigen, die Kinder haben. Und zwar klar Untergliederbare. (Varianten sind natürlich möglich. Feel free to add!)

1.) Kranksein als Kind

Mama fühlt mit ihrer Hand an deiner Stirn, ob du Fieber hast, hält die Haare, wenn du kotzt, bringt kalte Waschlappen, Toastbrote und Tee. Du liegst wohlig in deinem Bett, darfst ferngucken, so viel du willst, bist gar nicht so traurig, nicht in die Schule zu dürfen und weißt: alles wird gut.

2.) Kranksein als Studierende

Sich fürchterlich fühlen, weil keiner mehr Tee bringt, man im Hinterhaus sterben könnte, ohne dass es jemand merkt, und leise jammernd zwischen Bett, Kühlschrank und Klo umherschwanken. Bis eine Freundin anruft und fragt, ob du was brauchst. Alles wird gut.

3.) Kranksein als frisch Verliebte

Fast noch schöner als damals, als du noch Kind warst. Tee, besorgte Blicke, ganz viel Liebe – und kuscheln, sofern dass dein Zustand zulässt. Jeder Wunsch wird dir von den Augen abgelesen. Alles ist gut.

4.) Kranksein als Ehefrau ohne Kinder

Der Mann fragt, ob er zur Arbeit gehen kann und du alleine klarkommst. Wenn etwas ist, sollst du anrufen, er lässt dann sofort alles stehen und liegen. Vorgekochtes Essen steht auf dem Herd, du bekommst noch die Zeitung ans Bett, abends bestellt er beim Chinesen und ihr schaut im Krankenlager fern. Alles ist ziemlich gut.

Kranksein
Myriams-Fotos auf Pixabay.com

5.) Kranksein als Mutter in Paarbeziehung

Der Mann sagt, er muss zur Arbeit, irgendjemand muss ja Geld verdienen. Du selbst bist in Teilzeit/freiberuflich tätig oder gerade in Elternzeit. Eigentlich hätte er gern, dass ihm morgens jemand den Kaffee reicht, weil er einen harten Tag auf Arbeit vor sich hat, und da du krank bist, ist seine Laune nur so mittelprächtig. Wenn er abends von der Arbeit kommt, wird’s auch nix mit dem Kuscheln, das ist ihm morgens schon klar. Denn da sind ja nun Kinder, und die Frau ist schlapp. Alles ziemlich blöd.

6.) Kranksein als Alleinerziehende

Geht nicht. Denn du wirst angerufen, wenn ein Kind in der Schule kotzt, bei Sport verunfallt oder sonstwas ist, und irgendwas ist immer. Du musst Windeln wechseln, den Po abwischen, Tränen trösten und Streit schlichten, und der Kühlschrank füllt sich auch nicht von alleine. Aber immerhin würde es garantiert jemandem auffallen, wenn du plötzlich stirbst, das ist schonmal besser als alleine im Hinterhaus umzufallen. Alles supi. Fast.

7.) Kranksein als Frau, deren Kinder flügge sind

Deine Kinder studieren in anderen Städten und rufen gelegentlich an, wenn sie Geld brauchen. Falls du dann gerade krank bist, drücken sie ihr Bedauern aus. Rita aus der Seniorengruppe bringt Suppe vorbei und Hermann vom Seniorensport bietet an, sich mit seinem Hexenschuss zu dir ins Krankenlager zu legen. Du lehnst letzteres dankend ab und bist froh, dich alleine im Bett auskurieren zu dürfen, so lange du magst. Tolle Aussichten!

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6 Kommentare auf "7 Stadien: Kleine Fibel zum Kranksein, mit und ohne Kinder"

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Ulrike
Gast
Ich ergänze mal um Kranksein im Angestelltenverhältnis: Sich irgendwie zum Arzt schleppen, um diesen blöden Schein zu bekommen, den der Arbeitgeber haben will. Dafür 3 Stunden in einem überfüllten Wartezimmer mit anderen Kranken verbringen, nebenher unter den pikierten Blicken dieser das Kind – das natürlich von der Schule nach Hause kommen wird, bevor man selbst das Sprechzimmer des Arztes von innen gesehen hat – entweder per Handy zur Oma oder Nachbarin umleiten, oder es instruieren, auf dem Heimweg von der Schule noch bei Edeka eine Tiefkühlpizza mitzunehmen und dabei hoffen, dass es noch genügend Geld und seinen Schlüssel dabei hat.… Read more »
jongleurin
Gast
Krank sein im Wechselmodell. Version a) Kind ist bei dir. Vater anrufen, ob er das Kind nehmen kann. Kann er nicht, er muss zum Sport. Herzlichen Glückwunsch, willkommen bei Nummer 6: Krank sein als Alleinerziehende! Paracetamol ist dein bester Freund, um 20 Uhr schläft man mit dem Kind im eigenen Bett ein. Ist einfach bequemer als das Kinderbett. Version b: Kind ist beim Vater. Jetzt gilt: einfach mal fallen lassen. Als Wechselmodellmutti ist man eine enorm gute Arbeitnehmerin, die mindestens die Hälfte der Woche brav Überstunden schiebt. Da darf man es sich erlauben, mal zwei Tage im Bett zu bleiben.… Read more »
Sonnenfräulein
Gast

Krank sein und trotzdem auf Arbeit gehen würde ich auch noch ergänzen.
Ich versichere hiermit, dass ich das nicht mehr machen werde.
Einfach weil Nachtschicht und Bronchitis keine gute Kombi sind, auch nicht für Dritte.
Aber es gab diese Zeiten, da haben das die Kollegen, Männer wie Frauen auch gemacht, einfach weil kein Ersatz da war oder man Angst um den Arbeitsplatz hatte.

Susanne
Gast

Vielleicht noch eine Ergänzung zu „krank als Mutter in Paarbeziehung“
Partner kommt früher nach Hause und entlastet die Mutter, damit sie sich ausruhen kann, nachdem sie sich mit Fieber in den Kindergarten geschleppt hat, um die Kinder abzuholen.
Im Gegenzug ein „ich sterbe“ – bei gleichen Symptomen ;-)

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