Alleinerziehend? Du kannst stolz auf dich sein! #einelternpride

Uns gebühren Anerkennung und Respekt statt Abwertung und Almosen. Seid stolz!

Es ist oft höllisch anstrengend, ein Kind alleine großzuziehen. Ich glaube, dass es sogar einigermaßen anstrengend ist, wenn man „getrennt erzieht“, sich alle beteiligten Eltern und Partner halbwegs verstehen, und man keine Geldsorgen hat.

Bei letzterem denke ich gerade an die verwitwete Sheryl Sandberg, die anlässlich des Muttertags Abbitte bei den alleinerziehenden Müttern leistete, deren Leistung sie früher, als sie noch verheiratet war, nicht einmal ahnen konnte.

In diesem Blog wird auch oft gejammert, wie das die einen nennen. Ich würde es eher als sich auskotzen und auf Missstände hinweisen bezeichnen, und es tut mir gut, das auch so öffentlich zu tun. Trotzdem, und gerade deshalb, ist es an der Zeit, dass wir uns auch mal klarmachen, und damit auch den Außenstehenden, also der Gesellschaft, was wir alles richtig gut hinkriegen. Worauf wir stolz sein können als Alleinerziehende, die trotz widriger Umstände und struktureller Probleme ein Zuhause für ein Kind bieten, es lieben und begleiten.

einelternpride
OpenClipartVectors auf Pixabay.com

Ich überlege schon eine Weile, wie man den sich unter Alleinerziehenden gerade entwicklenden Stolz auf das, was sie leisten, in einen Begriff fassen kann. Ein knackiger Hashtag müsste her. Ein Wort, in dem alles drinsteckt, was ich sagen will. Und heute früh habe ich es gefunden, als ich gerade meinen Frust in Stolz umwandelte:

 

Wir machen das gut! #Einelternpride

Kennt Ihr den Begriff „Gay Pride“ aus dem Englischen? Er transportiert die stolze Lebenshaltung der schwullesbischen Community, mit der sie Stigmatisierung und Abwertung entgegentritt. Der passt ganz wunderbar auch für uns Alleinerziehende, wenn wir „Eineltern“ aus dem Wort „Eineltern-Familie“ und „Pride“ kombinieren. (Quelle: Wikipedia) 

Gay Pride ist ein Begriff, der aus der Lesben- und Schwulenbewegung stammt, um den selbstbewussten bzw. selbstachtenden und damit stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen Identität zu beschreiben. Stolz wird im Sinne eines „gegen Andere an den Tag gelegtes Selbstgefühl seines Wertes“ verwendet, das heißt, […] sich nicht vor anderen verstecken oder sich für andere verstellen zu wollen und gegebenenfalls für seine Rechte einzutreten.“

Auch historisch passt die Analogie, denn Alleinerziehende bzw. ledige Mütter wurden ausgegrenzt, verstoßen, körperlich bestraft und hatten kaum Rechte (siehe meinen Blogpost über die Geschichte der Alleinerziehenden). Ja, ich denke, #einelternpride ist passend.

Macht mit! Worauf könnt Ihr stolz sein als Alleinerziehende?

Ich werde immer mal wieder etwas unter diesem Hashtag twittern. Und hoffe, Ihr nutzt ihn auch für Euch, um Euch bewusst zu machen, was Ihr leistet, auch wenn es schwierig ist.

Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir uns aufrecht hinstellen und sagen, dass uns Anerkennung und Respekt gebührt. (Auch politisch gesehen – eine gerechtere Besteuerung und gute Kinderbetreuung zu forden ist nicht, um Almosen zu betteln!) Dass unsere Kinder ganz wunderbar geraten sind, obwohl – oder weil? – wir die Verantwortung teilweise oder ganz alleine schultern. Und dass es mutig war, sich zu trennen, anstatt in einer Ehe zu verharren, die nicht mehr gut war. Wir sind nicht defizitär, es ist das System, das es uns so schwer macht. Lasst uns das ändern und laut werden!

P.S: Ohne Alexandra Widmer (www.starkundalleinerziehend.de) und Autorin Bernadette Conrad (Die kleinste Familie der Welt) wäre ich nie auf die Idee gekommen, so einen Hashtag zu suchen. Danke.

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Dagmar Widmaier
Gast
Dagmar Widmaier

Sehr gut! Respekt und Anerkennung für alle Mütter und Väter, die es schaffen, Ihren Alltag mit Kindern zu stemmen, sich selbst oft genug zurücknehmen und verzichten zu Gunsten ihrer Kinder!
Für Außenstehende nicht immer erkennbar, was dort geleistet wird und das Ganze auch noch gerne. Oft ist es schwer, aber am Ende gibt es uns auch unser Selbstgefühl und Selbstvertrauen zurück-nämlich ich kann das,ich schaffe das,ich will das für meine Kinder, für mich! Weil wir uns das wert sind! Weiter so und liebe Grüße
Daggi

Iris Heyen
Gast
Iris Heyen

Super Idee! Habe ich direkt in meiner AE Gruppe geteilt. Da arbeiten wir eh dauernd an dem Thema. Von außen wird man eher runtergezogen, auch oft von `Helfern`. Da muß man sich gegenseitig den Rücken stärken. Leider twitter ich selbst nicht. LG Iris

Iris Heyen
Gast
Iris Heyen

Ach so, der Vamv NRW macht gerade etwas ähnliches auf Facebook als Fotoaktion unter „Alleinerziehend heißt…“

Stephanie
Gast
Stephanie

Ich kann stolz darauf sein, dass ich trotz Schwangerschaft meine Ausbildung beendet habe. Ich hatte nur 8 Wochen nach der Geburt um mich einigermaßen zu regenerieren. Danach ging die Ausbildung weiter und nach der Bestandenen Prüfung direkt in den Job. Kind in der Babywippe neben der Mutter die für eine Abschlussprüfung lernt. Ich wollte für mein Kind selbst sorgen können und das kann ich. Mehrgenerationen WG mit den Großeltern und der Uroma in der Nähe und es klappt nach einiger Eingewöhnung auf allen Seiten super. Kontakt zum Vater existiert nicht, da er sich nie darum bemüht hat. Er zahlt nicht… Weiterlesen »