Was Alleinerziehende brauchen – eine Umfrage

Gestern wollte ich ranten, heute will ich informieren. Manchmal ist eine Nacht drüber schlafen ja doch gut, wenn die Botschaft ankommen soll. Was mich so auf die Palme gebracht hatte? Eigentlich nichts besonderes, wenn man meine Lebenssituation betrachtet. Es war ein sehr gutes Feature im Deutschlandradio über Alleinerziehende und ihre Lebensrealität.

Zu Gast waren Meike Büttner, die Bloggerin und Autorin des Buchs „Mutterseelenalleinerziehend“, Professorin Anne Lenze (Familien-, Jugendhilfe- und Sozialrecht an der Hochschule Darmstadt) und Antje Beierling vom „Verband allein erziehender Mütter und Väter NRW e.V.“

Während ich die kurzweilige, 70 Minuten dauernde Sendung als Podcast nachhörte, bemerkte ich, wie es in mir zu gären begann. Derweil stellten die Kinder die Wohnung auf den Kopf und, wie ich später feststellte, verzierte die Jüngste den Gartentisch mit Permamentmarker. Es tat, obwohl ich die Fakten, die in der Sendung erwähnt wurden, allesamt kannte – bis auf die erstaunliche Tatsache, dass Alleinerziehende in England ihr komplettes Bruttogehalt behalten dürfen und noch etwas Geld vom Staat obendrauf bekommen! – ziemlich weh, das geballte Elend in einer Sendung zu hören. Vielleicht besonders, weil sie so sachlich war und alle Beteiligten eigentlich frohgemut klangen.

Screen-Deutschlandfunk

Und trotzdem – diese unglaubliche soziale Ungerechtigkeit, die Alleinerziehende in Deutschland erfahren, ist noch viel zu wenig bekannt. Und darum möchte ich die Ergebnisse einer Umfrage, die mir Tina Nebel, Studierende der FH Köln im Fachbereich Soziale Arbeit zur Verfügung gestellt hat, gerne als Illustration nehmen dafür, wie es ganz vielen Frauen geht, die in Deutschland alleine Kinder aufziehen. Tina Nebels Umfrage ist im April 2014 innerhalb ihres Bachelor-Studiums enstanden, 243 Teilnehmer antworteten. Ich bin mitten im Thema als seit 4,5 Jahren Alleinerziehende, und trotzdem hat es mich erschüttert zu lesen, wie normal das ist, was ich erlebe, und wie schwer es diese Frauen haben.

Alleinerziehende, sagten mehrere Stimmen in der Sendung im Deutschlandradio, fühlten sich oft wie ein Klotz am Bein der Gesellschaft, sozial isoliert, benachteiligt, ständig ge- und überfordert und litten unter Armut und Ausgrenzung. Besonders selbstständige Alleinerziehende (wie ich) erzählten, sie müssten sogar funktionieren, wenn eigentlich gar nix mehr geht. Und dass es ungerecht sei, dass die Erziehungsleistung in der Rente nicht anerkannt würde. Ja, das kann ich alles unterschreiben. Auch dass die Besteuerung in Deutschland Alleinerziehende benachteiligt, kam zur Sprache.

Warum ist das so? Und was müsste passieren, damit die Kinder der 1,6 Millionen Alleinerziehenden, die zu 90% bei Frauen aufwachsen, nicht mehr in Armut bei Müttern kurz vor dem Burn-Out groß werden? Fangen wir mal dort an, wo Tina Nebels Umfrage aufhört:

Was wünschen sich Alleinerziehende?

  • Alleinerziehende sollten einen finanziellen Bonus bekommen und jedes Jahr eine Mutterkindkur, die zu ihren Bedürfnissen passt.
  • „Letztendlich werden nicht nur Kita-Plätze benötigt, sondern aktive und flexible Hilfen für Alleinerziehende im Alltag.“
  • Es sollte eine zentrale Anlaufstelle in jeder Kommune geben, die als Schnittstelle zwischen Ämtern fungieren soll.
  • Abschaffung der Lohnsteuerklasse 2 und steuerliche Besserstellung (Kinderfreibetrag zu gering, um Existenzminimum abzudecken).
  • „Das Geld für die Kuren sollte lieber in Alltagshilfen investiert werden (Haushaltshilfe, Babysitter), damit es gar nicht erst zu Überlastung kommt.“
  • „Mitleid mag ich nicht, aber ich hätte gerne mehr Verständnis vom Umfeld, dass es manchmal schwierig ist mit zwei kleinen Kindern, alleine perfekt Termine einzuhalten und wünschte, es würde weniger Druck kommen, die Kinder strenger zu erziehen.“
  • „Es fehlt ganz klar an den nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Da, wo Väter keine Betreuung leisten können oder wollen (Gewalt, Missbrauch, o.ä.) und diese leistungsfähig wären, müssten sie den Teil, den Mütter „auffangen“ müssen, auch finanziell entschädigen.“
  • „Wenn ich etwas ändern könnte, dann den gesetzlichen Rahmen. Mütter schützen, sozial absichern, Renten sichern, Täter-Väter verurteilen zu Schadenersatz und sofortigem Sorgerechtsentzug.“
  • Geeignete, bezahlbare Wohnungen in einem sicheren Wohnumfeld.
  • „Bundesweite Einführung von funktionierenden Notmütterdiensten (die die Kinder daheim, auch über Nacht versorgen, statt Dorfhelferinnen oder Inobhutnahmen), wenn Alleinerziehende verunfallen oder im Krankenhaus sind.“
  • „Mehr Be/Achtung bezüglich Familie, Kindern, insbesondere alleinerziehenden Frauen.“
  • „Eine Gesellschaft, die Erziehungsarbeit als solche anerkennt… dass hingesehen wird, dass Notlagen meist keine Ursache in persönlichem Versagen oder Faulheit haben, sondern dass durch die Trennungskonflikte katastrophale Situationen entstehen können.“

 

tulpenfeld

Was finden Alleinerziehende gut an ihrem Leben?

Selbstbestimmung, Freiheit, mehr Ruhe, keine Streitereien oder nervige Partner, Entscheidungsfreiheit – eine Teilnehmerin schreibt, sie fühle sich von ihrem Ex befreit, eine andere ist froh, nicht mehr dem Lebenschaos „dieses Menschen ausgeliefert“ zu sein.

Aus den Antworten, die hier gegeben werden, klingt sehr viel Traurigkeit mit – und ich kann das so gut verstehen, weil es unglaublich hart ist, sich zuerst in einer schrecklichen Ehe zu finden und dann auch noch die Trennung mit all den Schwierigkeiten meistern zu müssen, um dann hinterher ständig für alles zuständig zu sein, bei nur mäßig guten beruflichen und privaten Perspektiven und kaum Zeit zum Innehalten. So ist das Positive stets von der negativen Vergangenheit geprägt. Sollte ein selbstbestimmtes, gewaltfreies Leben nicht selbstverständlich sein? 

Worunter leiden die Alleinerziehenden am meisten?

Überlastung (42,5%), ständige Einsatzbereitschaft, und gesundheitliche Folgen: Müdigkeit (80,1%), Verspannungen (64,1%), Rückenschmerzen (66,5%), Erschöpfungssyndrom (50%!) und depressive Verstimmungen (50,7%), auch viele posttraumatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen (53,5%) und 58,2 % berichten von Ängsten.

Ein schlechtes Gewissen, weil so wenig Zeit für die Kinder bleibt, der Alltag hektisch und dicht getaktet ist, und trotzdem so wenig Geld übrig bleibt, macht auch etlichen Alleinerziehenden das Leben schwer. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt sie vor unglaubliche logistische Herausforderungen, viele sind allerdings frustriert, weil sie mangels passender Kinderbetreuung keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit finden (Probleme mit Schichtdienst, Schulferien, kranken Kindern, Überstunden, Schließtagen der Kita).

Außerdem berichten die Umfrageteilnehmer, der Tag sei zu kurz um alles zu schaffen, der Haushalt leide darunter, es sei sehr anstrengend, alles unter einen Hut zu bekommen. Manch eine hat sogar das Gefühl, sie selbst sei abhanden gekommen: „Alleinerziehend zu sein hat mich stark gemacht und gleichzeitig zerstört. Ich möchte meiner Tochter ein gutes Vorbild sein und deswegen funktioniere ich. Mich selbst gibt es schon lange nicht mehr.“

Liest man das, ist eigentlich erstaunlich, dass die Alleinerziehenden überhaupt noch funktionieren. Und es sollte uns zu denken geben, dass hier eine ganze Generation von Alleinerziehendenkindern mit psychisch beeinträchtigten Müttern aufwächst. Armut ist das eine, aber psychische Überlastung bei Eltern hinterlässt tiefe Spuren in Kinderseelen – wie kann das dieser Staat einfach übersehen?

Scheidung und Streit aus Kindersicht
Scheidung und Streit aus Kindersicht

Warum sind die Alleinerziehenden allein?

Erstaunlich viele Umfrageteilnehmerinnen berichten, dass die Trennung wegen gewalttätiger Ex-Partner erfolgt sei, Alkohol, Drogen, ständiger Unfrieden und Gewalt den Alltag vor der Trennung unerträglich machten. Oft genannt wurden auch Midlife-Crises des Mannes und Untreue. Eine Teilnehmerin schreibt „Mein Exmann war eines Tages einfach weg.“ Und so ist es logischerweise auch die Aufgabe der Mutter, die posttraumatischen Belastungsstörungen der Kinder aufzufangen, mit oder ohne psychologischer Hilfe.

 Worüber Alleinerziehende wütend sind

  • „Die Kosten für Kinder sind Privatsache – warum eigentlich? Meine Kinder werden Rentenbeiträge bezahlen für diejenigen, die jetzt keine Kinder aufziehen und ich gucke in die Röhre, Altersarmut ist vorprogrammiert.“
  • „Es ist eine Schande, wie der Staat Mütter von der Berufstätigkeit fernhält.“
  • Viele Rechte für Väter, nur Pflichten für Mütter: „Ich finde das ganze Umgangs- und Sorgerecht schreiend ungerecht, und zwar zum Nachteil der Mütter. Diese haben eigentlich nur Pflichten und keine Rechte – ganz im Gegensatz zu den Vätern.“

Noch ein paar Fakten zur Abrundung

Gut die Hälfte der Umfrageteilnehmerinnen (56%) erhält keine oder nur unvollständige Unterhaltszahlungen, 55% beziehen Hartz IV, ALG oder Wohngeld, weitere 30% Unterhaltsvorschuss vom Staat.

73,4% der Befragten werden in der Betreuung und Erziehung nicht vom Kindsvater unterstützt. 95,4% der Umfrageteilnehmer waren weiblich, zum Großteil zwischen 30 und 39 Jahre alt (45,7%), ansonsten 21-29 (21,8%) und 40-49 (28,8%).

33,9% der Umfrageteilnehmerinnen haben wöchentlich keine, NULL Stunden Freizeit. 28,5% haben immerhin 1-2 Stunden Zeit für sich, und nur 21% 3-5 Stunden. Das sollte jedem, der sich mit dem Thema Alleinerziehende beschäftigt, zu denken geben.

Auch ich habe so gut wie keine Freizeit. Und das zehrt. In meiner Freizeit, wenn die Kinder in der Kita sind, arbeite ich. Und wenn die Kinder da sind, habe ich nicht frei, sondern fahre eine harte Schicht, die viel mehr schlaucht als mein Job. Und trotzdem bin ich froh, nicht mehr mit meinem Mann leben zu müssen. Ganz, ganz selten habe ich Zeit, mir einzugestehen, wie traurig es ist, dass ich mich darüber immer noch am meisten freue, wenn ich auf mein Leben als Alleinerziehende gucke. Und nach der Nacht, die ich darüber geschlafen habe, weiß ich auch, dass mir genau deswegen die Sendung im Radio so weh getan hat.

Die vollständige Studie erhalten Interessierte bei tina.nebel@smail.fh-koeln.de

Linktippp innerhalb des Blogs: „Alleinerziehend – steuerlich betrachtet.“

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Juleila
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Juleila

Dieser Artikel hat mich gerade zum Weinen gebracht.
Weil er so furchtbar wahr ist.
Ganz viele der genannten Dinge treffen auf uns zu…. ich funktioniere…mal besser… mal schlechter. Aber für mein Jungs will ich funktionieren… und den Vater ersetzen.
Danke für deinen Artikel es macht traurig zu lesen wie Vielen es so geht… und gleichzeitig tut es irgendwie gut, zu wissen dass wir nicht alleine sind.
Ich drücke dich unbekannterweise fest… wir schaffen das… für unsere Kinder und für die Freiheit nicht mehr ihre Erzeuger ertragen zu müssen.

Salvia von Liebstöckelschuh
Gast
Salvia von Liebstöckelschuh

Erschütternd, aber leider wahr. Zum Glück komme ich selten dazu, darüber nachzudenken. Sonst liefe ich Gefahr, an mir und meinem Verstand zu zweifeln, was nicht unbedingt förderlich ist um den Aufgaben als Alleinerziehende auch weiterhin gerecht zu werden. Rein finanziell gesehen war es für mich ein massiver Abstieg – für mich vor ein paar Jahren absolut unvorstellbar. Die meisten ahnen nicht, was es tatsächlich bedeutet, weil man ja auch immer dazu neigt, gute Miene zum Spiel zu machen.
Vielen Dank für den Hinweis auf diese Sendung und LG
Salvia von Liebstöckelschuh

Markus H.
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Markus H.

Was mich ärgert ist, dass es sich mal wieder recht einseitig um alleinerziehende Frauen dreht und oben hauptsächlich von den Verfehlungen der Männer die Rede ist. Ich habe in meinem Leben übrigens schon mehrfach mitbekommen wie Gewalt in Familien von den Frauen ausgegangen ist oder wo die Frauen die Suchtprobleme hatten. Das sind auch keine Einzelfälle. Ich als alleinerziehender Vater habe die Erfahrung gemacht, dass es auch anders herum geht, nämlich mit psychisch kranker und gewalttätiger Frau. Und dagegen kann man im Prinzip kaum etwas tun als das Weite zu suchen. Macht man nichts, bleibt man in der Situation mit… Weiterlesen »

Steffen
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Steffen

Hallo Markus danke für Deine ausführlichen Artikel. ich kann dich gut verstehen bin selbst alleinerziehender Vater zweier Jungs und lebe gerade in Scheidung. Frau hat 4 Jahre lang alle Haushaltsverpflichtungen eingestellt, nichts mehr aufgeräumt, alles verdrecken lassen. Ihr Lebensinhalt war Essen und Fernsehen. Arbeiten ging sie nur sporadisch..so wie sie Lust hatte.,wurde Ihr als Beamtin auch recht leicht gemacht.Leider hat sie später die Jungen während ich arbeiten , war tätlich angegriffen und verletzt. Musste mit dem Kleinen zum Arzt…das war der Auslöser und ich habe die Scheidung eingereicht.Sie musste ausziehen und ich versorge nun neben meinem 8h Job die beiden… Weiterlesen »

Steffen
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Steffen

Danke Markus sprichst mir aus dem Herzen..viele Grüße und viel.Kraft

Rod
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Rod

Vielen Dank Markus, du sprichst mir aus der Seele…. Bevor die Mutter meiner Kinder uns betrogen und verlassen hat war ich Vorarbeiter mit SEHR gutem Gehalt und habe nie auch nur daran gedacht, dass ich diese finanzielle „Sicherheit“ einmal verlieren könnte. Nun bin ich in der Privatinsolvenz (SIE hat natürlich all die Jahre nie gearbeitet, bezieht Hartz4 und ich finde einfach keinen Job in meiner Branche der mit den Kita Zeiten meines Sohnes (Tochter wohnt leider bei der Mutter) vereinbar wäre. Überall liest man immer nur, wie schwer es die alleinerziehenden Mütter hätten und wie böse die Väter doch immer… Weiterlesen »

Katja
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Katja

Hallo Rod,

vielleicht kannst du dich ja selbstständig machen?
ich komme aus dem Garten und Landschaftsbau, als mein Sohn noch sehr kleine war habe ich wieder mit einem Mitarbeiter zusammen angefangen und mein Sohn war öfters auch mit, naja ab 2 Jahren hatte ich zum Glück dann einen guten Kitaplatz für ihn. Die Kunden waren immer sehr verständnisvoll, insbesondere dieses Jahr läuft alles super, wir können uns Urlaub leisten, es ist angenehm.
Freundliche Grüße, Katja

Christian
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Christian

Da kann ich Dir auch als alleinerziehender Vater in all Deinen Punkten nur Recht geben. Vor allem das meiner Meinung alleinerziehende Väter einen noch schlechteren Standpunkt haben, da gesellschaftlich nicht anerkannt und auch von „Hilfen“ der Ämter sehr schwer vertreten! Ich fühle mich schon sehr lange, das ich nur noch funktionieren muss, damit ich meinem Sohn ein Vorbild bleibe. Der Druck ist zu groß und das System ist verrückt und passt in kleinster Weise mit den Bedürfnissen der Kinder zusammen! Das alte Schulsystem gehört reformiert und endlich abgeschaft.. Die Hilfen für berufstätige alleinerziehende verstärkt. Auch steuerlich….. Und noch vieles mehr.… Weiterlesen »

Nicole
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Nicole

Ein echt wahrer Artikel… sehr traurig auch ich funktioniere seit nun mehr als 8 Jahren alleine… startete nochmals mit Kampf eine zweite Ausbildung stehe unter Dauerstrom um ja nicht denken zu müssen… und um den Kindern ein Vorbild sein zu können… dennoch was für ein Vorbild? Ich habe fast nie Zeit….meine Kinder werden vertröstet wenn sie neue Kleidung brauchen….. Geld ist sooo knapp und trozdem schafft man es…

Sam
Gast
Sam

Das ist ein Thema, das auch mein Blut immer in extreme Wallungen bringt. Diese interessante Umfrage und die Tatsache, dass wir mit diesen Problemen nicht alleine sind, sollte uns, so schwierig es auch ist, bewusst machen, dass der Fehler nicht bei uns liegt. “55 % der Alleinerziehenden beziehen Hartz IV, Alg oder Wohngeld” Für diese Menschen ist die gewünschte Selbstbestimmung, Freiheit, mehr Ruhe und Entscheidungsfreiheit dann auch nur Wunschdenken. Sie werden, weil alleinerziehend so gut wie nicht vermittelbar in der freien Marktwirtschaft, verwaltet und in unwürdige und sinnfreie Maßnahmen gesteckt. Man stelle sich vor, diese Gelder würden mal von einem… Weiterlesen »

regina
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regina

echt traurig ist vor allem das verhalten von müttern im bekanntenkreis. diese frauen sind noch in funktionierenden beziehungen und schauen auf uns herab ohne sich bewusst zu machen wie wir mit unseren kindern probleme des alltags meistern. sie vergessen nur leider es kann jede familie treffen. statt unterstützung gibt es spott.

Finnya
Gast
Finnya

Liebe Christine, … irgendwie schwanke ich gerade zwischen Sprachlosigkeit und einem Roman (vom Umfang her)!

Auch ich drück Dich und alle anderen hier – inklusive Markus – ganz dolle!

Leider finde auch ich mich hier wieder!

So sehr mein Leben mich zur Zeit schlaucht – mir geht es eigentlich noch sehr sehr gut! Wir haben Kita Plätze, Arbeit, eine schöne und große Wohnung mit Garten und wir kommen wirtschaftlich relativ gut klar! Wenn da nicht diese ewige Müdigkeit und dieses Gefühl wäre, permanent der Zeit hinterherzurennen

Mein Respekt gilt allen Alleinerziehenden (geschlechtsunabhängig!)! Ihr leistet großartiges!

Kerstin
Gast
Kerstin

Bin erst vor kurzem auf deine Seite gestoßen. Bin seit 2 Jahren „alleinerziehend“. Ich war mir bis eben nicht klar, dass ich tatsächlich alleinerziehend bin, da ja das gemeinsame Sorgerecht besteht. aber doch, ich bin es. mit all den schwierigkeiten. bis jetzt hab ich das alles noch nicht so dramatisch gesehen, aber es ist doch schwer. ich arbeite auch freiberuflich von zuhause und selbst mit dem einen kind ist das nicht einfach. und dabei ist mein Sohn (8 Jahre) sehr pflegeleicht. trotzdem reicht es hinten und vorne nicht, es kommt immer was neues, das finanzielle ist die größte belastung. bin… Weiterlesen »

Sarah
Gast
Sarah

Gut zu lesen. Vor allem, wenn ich so auf die 11 Jahre zurück blicke, die ich nun schon Alleinerziehend bin. Ja, es ist schwierig, schwierig die Zeit so zu jonglieren, dass niemand zu kurz kommt, und man finanziell irgendwie über die Runden kommt. Ich persönlich finde die finanzielle Belastung am schlimmsten. Zeit mit meinen Kindern zu verbringen ist eigentlich das, was mich immer wieder auffängt und mich erfüllt. Allerdings sind meine drei jetzt schon etwas größer und selbständiger, so dass sie im Haushalt mit anfassen können und wir mehr und mehr zusammenarbeiten. Ich merke, wie alles leichter wird, je älter… Weiterlesen »

Markus H.
Gast
Markus H.

Das mit dem finanziellen Teufelskreis kenne ich auch und von anderen Alleinerziehenden. Für verschiedene Hilfen verdient man zu viel und trotzdem ist es für viele Dinge zu wenig. Man möchte den Kindern ja auch etwas bieten und einiges geht nicht mehr. Was ich besonders blöd finde, sind die Kinderbetreuungszeiten. Die schränken von vornerein die möglichen Arbeitszeiten ein. Es kommen Ferienzeiten hinzu, in denen keine Kinderbetreuung ist und in denen man Urlaub nehmen muss, ob man möchte oder nicht. So ist mindestens die Hälfte des Jahresurlaubs festgelegt. Bis zu einer Woche addieren sich noch durch Schließtage hinzu. Ich habe ja einen… Weiterlesen »

Finnya
Gast
Finnya

Markus, genau DAS ist mein größtes Problem! Die Betreuungs- und Schließzeiten! Ich muss knapp 5 Stunden die Woche noch home office machen, weil die Kitazeiten nicht ausreichend sind. Alleine im Sommer 17 Tage (3 Wochen Ferien, 2 Tage Übernachtung und Frühstück der Entlasskinder), jeder Brückentag, vor Weihnachten, zwischen Weihnachten und Neujahr… Da sind 30 Tage (was ja schon viel ist) schnell aufgebraucht!
Und halt das permanente Gefühl nicht allen gerecht zu werden!

Markus H.
Gast
Markus H.

Mittlerweile ist es ein wenig anders geworden. Mein Sohn ist jetzt in die 5. Klasse gekommen und glücklicherweise ist die Schule so nahe, dass er dort hinlaufen kann. Dafür gibt es aber nur noch an vier Tagen eine Hausaufgabenbetreuung. Damit ist er jeden Tag früher zuhause als ich und freitags passt es nun gar nicht mehr. Ich kann ihn ja nicht drei oder vier Stunden alleine daheim sitzen lassen. Mit den Urlaubstagen passt es erst recht nicht mehr.

Su C. S.
Gast
Su C. S.

auch ohne Hartzt4-Hintergrund stehen Alleinerziehende vor den selben Problemen – insbesondere, wenn sie nicht abrutschen möchten… habe deinen beitrag nach der rp14 gelesen und in meine Gedanken auch einbezogen… http://aproposmedia.de/es-ist-nun-mal-wir-brauchen-mehr-res-publica-im-alltag/

Suse RevoluzZza
Gast
Suse RevoluzZza

Ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr ich Dir für Deinen Artikel dankbar bin. Ehrlich gesagt stehen mir ein bisschen die Tränen in den Augen, das so geballt zu lesen – auch wenn es ja mein Alltag ist wie der von so vielen Alleinerziehenden, die es irgendwie schaffen, dem Burn-Out von der Schippe zu hüpfen und einfach weiter und weiter und weiter machen. Und eben auch denen, die irgendwann einfach nicht mehr können. Und dann als doppelte Versagerinnen dastehen. Wie oft habe ich gehört „Du hast dir den Vater deiner Kinder doch selber ausgesucht!“ – ja, warum beschwere ich… Weiterlesen »

ela
Gast
ela

Hallo! ich bin seit 22 Jahren alleinerziehend, mit Unterbrechungen, da ich eigentlich immer gern eine „richtige“ Familie wollte. Im nachhinein kann ich sagen, das die Unterbrechungen anstrengender waren als die Zeiten allein. Zwei meiner Kinder sind schon erwachsen, das Nesthäkchen lebt bei mir. Es gibt immer eine schwerste Zeit! Bei mir war das drei Kinder daheim, Studium und Selbstständigkeit (natürlich alles gleichzeitig). ich hatte schlimme Gerichtstermine und einen burnout. Ich möchte aber dennoch allen Mut machen – die schweren Zeiten gehen vorüber, und die Verletzungen heilen! Und wenn sie dann vernarbt sind, dann kann man auch wieder die Sonne spüren.… Weiterlesen »

Björn Ackermann
Gast
Björn Ackermann

Sie wollten immer eine „richtige Familie“ und sind dennoch – mit Unterbrechungen – seit 22 Jahren alleinerziehend? Dann würde ich mir an Ihrer Stelle mal selbst die ganz kritische Frage stellen, was mit mir möglicherweise nicht stimmt. Sind Sie zur Selbstreflexion fähig oder lag es nur immer an den bösen, bösen Männern, dass Ihre Partnerschaften offensichtlich IMMER scheiterten?

stephanie
Gast
stephanie

Hallo, gut, zu lesen, dass es nicht nur mir so geht. Ich bin gluecklich mit meinen Kindern, aber seit ich alleinerziehend bin, geht es finanziell bergab, obwohl ich arbeite. Staatliche Hilfen bekomme ich nicht, da ich dafür zu viel verdiene, aber zu einem einigermaßen sorgenfreien Leben reicht es hinten und vorne nicht. Ich begreife nicht, warum wir nicht den gleichen Status wie verheiratete bekommen. Dies hier zu lesen hat mich heute tatsächlich aus meinem Trübsinn gerissen. ich bin übrigens seit 16 Monaten allein und warte seitdem auf einen Gerichtstermin wegen Betreuungsunterhalt und Kindesunterhalt, die beiden Termine werden Ende Oktober sein.… Weiterlesen »

Steffi
Gast
Steffi

Hallo, auch mir tut es gut zu lesen, dass man nicht allein mit diesen Problemen da steht. Ich bin nun beinahe 8 Jahre alleinerziehend und dabei voll berufstätig. Es ist oft ein Balanceakt und auch ich kenne es, einfach nur zu funktionieren. Schwer finde ich es allen gerecht zu werden es gibt Phasen, wo z.B. der Arbeitgeber viel von einem abverlangt, man 150 % Leistung bringen soll, hat man endlich Feierabend, holt man schnell dass Kind vom Hort was einen Rucksack voll Hausaufgaben mitbringt, der Haushalt wartet usw. Es ist manchmal ziemlich schwierig dies alles zu bewältigen, ohne das man… Weiterlesen »

Jessica
Gast
Jessica

Ich weiß nicht ob ich weinen soll, weil Dein Bericht mir aufzeigt, wie es mir eigentlich geht und ich es nur nie merke, weil keine Zeit dafür bleibt oder ob ich mich freuen soll, dass es anderen auch so geht und ich nicht alleine bin. Mein Sohn ist 15 Monate alt und ich stehe in den Startlöchern fürs Referendariat. Welches ich verschieben musste aufgrund nicht aufzutreibender Betreuungskapazität. Erst der Gang zur Gleichstellungsbeauftragten bis zum Sozial Dezernenten hat etwas bewirkt und ab August kann er in die Kita und ich ab November ins Ref. Wie ich das allerdings schaffen soll ohne… Weiterlesen »

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Es ist nun mal so: wir brauchen mehr res.publica im Alltag - ApropoSmedia

[…] – trotz etwas anderer persönlicher Situation – genau dieselben Probleme, wie in diesem Blogbeitrag zusammengefasst, denn die Problematik betrifft auch nicht-Hartz4-Menschen. Und […]

Linda
Gast
Linda

Ich finde Frauen die in der Lage sind für ihren eignen Unterhalt zu sorgen super. Da habe ich Respekt vor.

Martin H.
Gast
Martin H.

@Linda, das finde ich auch super, denn für viele Frauen ist der Mann, bzw. der Ex-Mann nur eine wandelnde Geldbörse.

Charlotte St
Gast
Charlotte St

Ich kenne das alles so gut… Glücklicherweise ist bei mir der wohl eher seltene Fall eingetreten, dass der Kindsvater nach zwei Jahren seinen Fehler einsah und begann, für seine Tochter einzustehen. Das zieht er auch wirklich durch und auch zwischen ihm und mir ist alles ausgesprochen und verziehen. Deswegen hat sich meine Situation rapide gebessert. Finanziell, emotional, zeitmässig. Wenn ich nun an diese Zeit zurück denke…es waren ziemlich genau zwei Jahre, die ich mit meiner Kleinen alleine war… Dann frage ich mich oft, wie ich das eigentlich geschafft habe ohne umzukippen. Ich ging Vollzeit arbeiten, war von morgens fünf bis… Weiterlesen »

Sophia
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Sophia

Hallo. Ich hab mich echt erschrocken als ich bemerkte das alles so wie es geschrieben steht auch auf mich zutrifft. Ich bin Alleinerziehend mit 4 Kindern. Extrem Überbelastet! Habe eine Familienhilfe aber das scheint mir keine Unterstützung zu sein… Im Moment geht es mir auch echt schlecht. Man will funktionieren kommt aber irgendwie nicht mehr dazu weil wie in meinem Fall gar keine Zeit zum Durchatmen ist. Meine Kinder sind 14.13.11 und 3. Keinen Unterhalt keine Unterstützung vom Vater. Ständiger Druck vom Jobcenter endlich mal arbeiten zu gehen.. Saktionen natürlich vorhanden. Allerdings ist mein persönliches Maß an Belastung voll und… Weiterlesen »