Alleinerziehende und Stigma – woher kommt das?

Mir sind kürzlich die Augen geöffnet worden. Ich habe nämlich Texte über die Geschichte der alleinstehenden Mütter gelesen. Und plötzlich habe ich verstanden, woher dieses diffuse Gefühl kommt, Alleinerziehende und ihre Kinder seien Familien zweiter Klasse.

Bis in die 1970er Jahre hinein hat es uns in Deutschland überhaupt nicht gegeben, zumindest nicht unter dem Begriff „Alleinerziehende“ – wir waren nämlich „ledige Mütter“, die „Bastarde“ in die Welt setzten oder groß zogen.

Und das mit dem Großziehen ist auch relativ neu, jedenfalls für die meisten Epochen und Gegenden Europas, denn es war über Jahrhunderte völlig normal, einer Frau, die unehelich schwanger wurde, ihr Kind wegzunehmen, so sie nicht das Glück hatte, in dörflicher Gemeinschaft zu leben und dort aufgefangen zu werden. Oft genug wurden Frauen, die unehelich schwanger wurden, verstoßen, und auch die Toleranz der dörflichen Gemeinschaft hörte abrupt auf, wenn die Frau ein zweites Mal schwanger wurde.

einsame Frau auf spielplatz
Antranias Pixabay.com

Alleinerziehende sind eine Revolution und erregen Anstoß

Heute haben wir eine ganz andere Sachlage: Die meisten Frauen, die heute in Deutschland alleinerziehend sind, waren vorher verheiratet – auch das ist historisch revolutionär und auf die hohen Scheidungsquoten zurückzuführen (nur 6% der Alleinerziehenden sind Witwen, von Anfang an alleinerziehend sind sehr wenige).

Alleinerziehende, so wie wir sie heute kennen, sind ein sehr, sehr neues Phänomen – und erst wenn man auf die Geschichte guckt, dann wird klar, warum wir es so schwer haben, aller scheinbar aufgeklärten Gesellschaft zum Trotz, Feminismus und Gleichberechtigung hin oder her.

Denn dass eine Frau sich trennt oder mit Kind alleine lebt, und dieses selbstbestimmt betreut, das gibt es in nennenswerten Mengen erst seit etwa 30 Jahren, selbst direkt nach dem Krieg (als die Väter auf gesellschaftlich anerkannte Art „abhanden gekommen waren“), verzeichnet die Statistik nur 16,5% uneheliche Kinder.

Noch 1970 wuchsen lediglich 5% der Kinder bei nur einem Elternteil auf, heute sind es fast explosionsartig mehr – die Statistik sagt, dass jede 5. Familie in Deutschland eine Ein-Eltern-Familie ist, und davon betreuen 32% zwei Kinder, 10 % sogar drei oder mehr Kinder.

Wir Alleinerziehenden sind Anfang des 21. Jahrhunderts eine historische Massenbewegung, stellen wir doch traditionelle Familienmodelle und Rollenbilder auf den Kopf. Und doch sind wir immer noch keine rundum anerkannte Familienform, wie man an der steuerlichen Benachteiligung und der Stigmatisierung merkt.

Diese Abwertung Alleinerziehender war für mich sehr schwer greifbar, in all den 6 Jahren, die ich in dieser Familienform lebe, konnte ich nie recht festmachen, woher diese Feindseligkeit kommt. Aber der Blick auf die Geschichte zeigt, dass Vorurteile und Abwertung von ledigen Müttern ihre Fortsetzung in der Diskriminierung von Alleinerziehenden finden.

10 historische Fakten zum Gruseln über Alleinerziehende

  1. Bis 1961 waren ledige Mütter/Alleinerziehende nicht sorgeberechtigt. Sie konnten das Sorgerecht auch nicht beantragen. Das Amt übernahm die Vormundschaft.
  2. Das bürgerliche Gesetzbuch von 1900 hält fest, dass weder unverheiratete Eltern noch ledige Mütter eine Familie sind.
  3. Vor der NS-Zeit wurde uneheliche Schwangerschaft mit Schwachsinn und sexueller Zügellosigkeit gleichgesetzt. Unter Hitler wurde hingegen jede „arische“ Schwangerschaft begrüßt, solange die Frau sich monogam verhielt.
  4. Bestraft für Schwangerschaften wurden immer die Frauen. Sie erhielten Schandstrafen. Männer wurden höchstens zu Geldstrafen herangezogen.
  5. Behauptete der Vater, die Frau habe „Mehrverkehr“ gehabt, also mehr als einen Liebhaber, musste er keinen Unterhalt zahlen. Beweisen musste der Kindsvater das nicht. (Und so zahlten 1912 in Berlin 90% der Väter keinen Unterhalt mit Verweis auf „Mehrverkehr“.)
  6. Ledige Mütter wurden von bestimmten kirchlichen Ritualen ausgeschlossen (Kommunion, Begräbnis, Patenschaft).
  7. Mütter ohne Mann wurden als „gefallene Unschuld“ (bürgerliche Frauen) oder als „liederliche Frauenzimmer“ (wenn sie aus niederen Schichten stammten) bezeichnet.
  8. Unehelich Schwangere wurden teils sogar ausgespeitscht, ihnen wurden die Haare abgeschnitten, eine bestimmte Kleiderordnung auferlegt (17./18. Jh.)
  9. Schwangerschaft war bis 1938 ein fristloser Kündigungsgrund für ledige Frauen.
  10. Eine uneheliche Geburt bedeutete weitgehende Rechtslosigkeit für Mutter und Kind.

Was lernen wir daraus?

Wenn wir uns vor Augen führen, wie unerhört neu es ist, dass Frauen, zumindest offiziell, gesellschaftlich respektiert alleine mit ihren Kindern leben, dann ist es eigentlich kein Wunder, dass wir es so schwer haben.

Weder ist die Gesellschaft soweit, Alleinerziehende als vollwertiges Familienmodell zu sehen, noch die Politik. Parteien wie die AfD sagen dies sogar ausdrücklich. Andere konservative Parteien sind weniger deutlich in den Worten, zeigen uns aber durch ausbleibende Unterstützung, dass sie noch in alten Weltbildern verharren.

Und um es mit den Ewiggestrigen zu sagen: Der Feminismus hat Schuld, dass es so viele Alleinerziehenden gibt. Denn heute haben Frauen Rechte: seit 1918 haben Frauen in Deutschland Wahlrecht, sie dürfen ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten (auch erst seit 1976) und auch innerhalb der Ehe nicht mehr vergewaltigt werden (erst seit 1997 – erschütternd). Keine Frau muss mehr mit einem Mann leben, der sie unglücklich macht, schlägt, vergewaltigt, betrügt oder erniedrigt. Natürlich werden Frauen auch verlassen, nach wie vor, und dann ist es umso bitterer, dass ihnen gesellschaftlich signalisiert wird, dass sie ihr Schicksal schon irgendwie selbst zu verantworten hätten – eine Ansicht, die in vielen Köpfen, bewusst oder unterbewusst, noch drinsteckt.

Trotz all dieser Fortschritte ist es vielen Alleinerziehenden noch immer nicht möglich, Kind und Beruf so zu vereinbaren, dass sie finanziell auf eigenen Beinen stehen, ihnen steht mit hoher Wahrscheinlichkeit Altersarmut bevor, und weiterhin sind die psychischen Belastungen und die soziale Ausgrenzung sehr hoch. Auch das Unterhaltsprellen als Kavaliersdelikt wird in Deutschland längst nicht so strengt verfolgt wie in anderen Ländern (in Brasilien wandert der nicht zahlende Vater in den Knast, und auch Arbeitslosigkeit ist kein Grund, nicht zu zahlen!)

Ein Appell: behandelt die Alleinerziehenden fair!

Das alles muss sich dringend ändern – zum Wohle der 2,2 Millionen Kinder, die in Deutschland in Ein-Eltern-Familien großwerden. Fangen wir damit an, die steuerliche Benachteiligung aufzuheben und für bessere Vereinbarkeit von Familie und dem Alleinerziehen zu sorgen. Und behandeln wir die alleinerziehenden Frauen (denn es sind zu 90% Frauen, die Kinder in Deutschland alleine großziehen) mit Respekt – zumindest mit der Wertschätzung und zwischenmenschlicher Unterstützung, die alleinerziehende Männer laut Studien ganz selbstverständlich erfahren.

Quelle: Single Moms. Alleinstehende Mütter und ihre Lebenswelten. Ausstellungskatalog Band 1, hrsg. von Bettina Bab und Marianne Pitzen. Bonn, April 2014. ISBN Nr. 978-3-940482-74-7

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Micha
Micha
14. April 2016 13:50

Ich hätte da passend zum Thema auch noch eine „Gruselgeschichte“: 1991 war ich mit unserem dritten Kind im 2. Monat schwanger als mein Mann uns verließ um von da an mit meiner besten Freundin zusammenzuleben und nie wieder etwas von sich hören zu lassen. Einige Tage nach dem auf meiner Arbeitsstelle bekannt wurde, dass ich jetzt sozusagen eine „ledige Mutter“ bin, lief ich in der Frühstückspause vor die verschlossene Tür des Pausenraums. Trotz mehrmaligem Klopfens und obwohl ich alle Kolleginnen hören konnte, öffnete mir niemand. Am nächsten Tag eröffnete mir dann mein Chef, dass meine Kolleginnen (zu denen ich mich… Weiterlesen »

almut
almut
14. April 2016 15:11
Antwort  Micha

1991 ?!! un.glaub.lich! :(

weiler
weiler
11. November 2018 00:40
Antwort  Micha

das kann ich nicht glauben? war das in der Katholischen bayrischen Provinz?

Lutz Bierend
Lutz Bierend
14. April 2016 16:06

Schon meine Halbschwester glaube ihr Lebenscheitern damit zu rechtertigen, dass sie als „Bastard“ stigmatisiert sei, während ich „nur“ ein Scheidungskind war. Ich bezweifle, dass es heute irgendwen noch juckt, ob die Eltern verheiratet waren, oder noch zusammenleben. Im Gegenteil glaube ich, dass man vor jedem Menschen der es schafft alleine Kinder zur reifen Menschen groß zu ziehen heute Hochachtung hat. So erlebe ich es zu mindestens, auch wenn meine Auftraggeber sich bei mir durchaus auch manchmal mehr Flexibilität bezüglich Arbeitszeit und -ort wünschen. Für mich hat „Alleinerziehend“ nur dann eine negative Konnotation, wenn der Alleinerziehende auch alles daran setzt, alleinerziehend… Weiterlesen »

Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
14. April 2016 16:21

In der Schweiz wurden Kinder von ledigen Müttern und liederlichen Frauenzimmern noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein verdingt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verdingung

Evelyn
Evelyn
14. April 2016 17:18

Das erklärt einiges!
Wenn der Ehemann im Krieg gefallen ist, wurde die Mutter dann auch als ledige Mutter bezeichnet?
Meine Großmutter war nämlich in dieser Situation, mit 4 Kindern. Soweit ich weiß, wurde ihr das Sorgerecht aber nicht entzogen und sie hatte auch immer noch Ansehen. Allerdings waren alle Kinder unter der Woche im Heim.

SilkeAusL
SilkeAusL
14. April 2016 18:14

Ich kenne da ja auch Einen, der mit seinen 46 Jahren (und nicht 70!) so komische Ansichten hat. Demnach bin ICH auch selbst Schuld, dass ich „alleinerziehend“ bin, ich hätte ja nicht ausziehen müssen! Ich will nicht sagen, er kümmert sich gar nicht – die Große schläft im Moment bei ihm-, aber wirklich „sorgen“ ist das auch nicht. Wäsche, Kleidung, Arztbesuche, Kindergarten – alles meine Sache. Was die Frau eben so zu machen hat. Und zum Thema Politik und Wirtschaft:es sind eben immer noch zu viele(alte) Männer „an der Macht“, und die interessiert es einen Sch…, wie es den Alleinerziehenden,… Weiterlesen »

Astrid
Astrid
14. April 2016 18:30
Antwort  SilkeAusL

Ja, so ein Exemplar habe ich hier auch… Es gibt Tage, da wünschte ich mir manchmal, niemals Mutter einer so wundervollen Tochter geworden zu sein. Zumindest nicht von diesem Mann, der sich erst jahrelang fremde Röcke gejagt hat und jetzt mich und schlussendlich auch sein Kind dafür bluten lässt, dass ich die Konsequenzen zog und mich trennte, weil es unerträglich wurde.

sunshineson
sunshineson
14. April 2016 19:04

..und es gibt dann auch noch die Mütter, die von Anfang an alleine sind, aber nicht aus freiem Willen…sondern weil die Wahl war: Abtreibung oder Alleinerziehend!
Da es auch im 21.Jahrhundert noch keine 1000%ig sichere Verhütung gibt!

Ich bin ganz fassungslos über den Artikel und die Kommentare!!!!!!!!

Sprachlos!!!!!!!!!!!!!

Iris Heyen
Iris Heyen
14. April 2016 20:25

Nach dem Krieg bekamen die Kriegerwitwen einen Amtsvormund für ihre Kinder. Meine Oma stand nach dem Krieg mit drei Kindern allein da. Mein Vater erinnert sich noch an diesen Vormund. Ich ahbe das schon immer als Frechheit empfunden und zum Glück sind die Zeiten vorbei. Aber es gibt noch genug zu tun.

Stefan
Stefan
15. April 2016 08:12

Sehr interessant! Wobei der Beitrag doch sehr verwirrt! Kommt es mir nur so vor oder beziehst du dich hauptsächlich auf Familien die in der Ehe kaputt gehen und deshalb ein Teil alleinerziehend wird? Ich muss aus eigener Erfahrung auf dem Jugendamt sagen, dass gut die Hälfte meiner Fälle (281 Stück) nicht mit geschiedenen Ehen zu tun hat. Meist sind es junge Frauen, die ungewollt schwanger wurden und sich deshalb der Partner von ihr getrennt hat. Ab und zu kommt es auch mal vor, dass ein sogenannter Mehrfachverkehr stattgefunden hat und sich der Partner deshalb getrennt hat. Für Mütter die nicht… Weiterlesen »

Stefan
Stefan
15. April 2016 09:40

Könnte auch daher kommen, dass viele verheiratete dann doch lieber alles über den Anwalt klären lassen. Hab ich ehrlich gesagt gerade komplett vergessen. Wobei das natürlich dann wieder eine Sache des Geldes ist! Wir erteilen ja oft auch den Rat sich wegen eines Beratungshilfescheins umzuhören. Das mit dem „Mehrverkehr“ hat mich auch sehr zum Lachen gebracht. Gibt ja im juristischen Raum sehr viele Begriffe die seltsam und zugleich lustig klingen. Bin ja noch relativ jung (Mitte 20) und tu mir da oft schwer diese „alte“ Sprache zu benutzen. Auszug aus einem Standardbrief: „Die Kindesmutter hat Sie als potentiellen Kindesvater angegeben.… Weiterlesen »

Stefan
Stefan
18. April 2016 11:26

Wenn ich so in mein Outlook schaue, dann bekomme ich Angstzustände! Auf der einen Seite die Termine (bin bis Ende Mai voll) und auf der anderen Seite meine Aufgaben die mittlerweile mehr rot als schwarz sind. Der schlimmste Fehler bei uns war, dass wir eine Organisationsuntersuchung im Hause hatte. Da kam dann raus, dass wir eine ganze Stelle zu viel haben im Bereich Beistandschaften/Amtsvormundschaften. Somit wurde die gestrichen. Laut Gutachten muss jeder Sachbearbeiter pro Jahr bei uns 280 Fälle (Beistandschaften) bearbeiten. Bedeutet also, dass ich nicht mal einen Arbeitstag pro Fall bekomme und das auf das ganze Jahr verteilt. Dazu… Weiterlesen »

juli
juli
15. April 2016 12:39
Antwort  Stefan

finde deinen einwand bzw. deine ergänzung sehr wichtig, stefan. niedlich aber, dass nur sehr jungen frauen „zugestanden“ wird, ungeplant kinder zu bekommen bzw. um in der reihenfolge zu bleiben: ungewollt schwanger werden. ich sage dazu nur: das leben ist nicht planbar. und das ist auch gut so – in meinen augen. leider leben wir nach wie vor in einer gesellschaft, die gern alles normiert. und ungeplant schwangere frauen – auch die über 25 jährigen – stehen in der regel erst einmal mit einer sehr schweren entscheidung allein da und müssen es auch letztlich allein entscheiden, mit allen konsequenzen. ich kann… Weiterlesen »

Stefan
Stefan
18. April 2016 11:42
Antwort  juli

Hallo juli, ich hab hier nur von meinen Fällen gesprochen. Klar gibt es auch Frauen über 25 bei denen das vorkommt. Ist bei mir nur einen Seltenheit! Die Sache mit dem Jugendamt tut mir. Kommt auch immer stark auf den Sachbearbeiter an. Jedoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es Fälle gibt, in denen es sehr schwer wird irgendwas vom Vater zu holen. Auch wenn die Mutter subjektiv denkt, dass der Vater in saus und braus lebt und sich ein neues Motorrad oder sonst was kauft. Es gibt bei uns nur ein paar Möglichkeiten, wie wir an Infos über… Weiterlesen »

Testtante Manu
Testtante Manu
15. April 2016 11:50

Da kann ich mich scheinbar wirklich glücklich schätzen. Ich bin inzwischen auch seit knapp 6 Jahren alleinerziehend und habe in meinem Umfeld fast nur positive Erfahrungen gemacht, egal ob mit andere Eltern, Lehrer, Therapeuten, meinen Kollegen oder Erziehern im Kindergarten. Das Jugendamt war mir eine große Hilfe, auch wenn ich dann letztendlich doch beim Anwalt gelandet bin, weil mein Exmann es mit den Unterhaltszahlungen nicht so genau nimmt. Für ihn ist es wichtiger dass er in Urlaub fahren und sich ein schönes Leben machen kann :-( Ich finde es furchtbar wenn man als alleinerziende oder alleinerziehender schief von der Seite… Weiterlesen »

Maria
Maria
15. April 2016 12:01

Ich bin nach der Trennung von meinem (heute Ex-)Mann plötzlich abgeschnitten gewesen von einem Großteil unseres damaligen Bekanntenkreises. Ich wollte diese Trennung und wurde plötzlich zur „Gefahr“: die Ehemänner der mit uns befreundeten Paare hatten Angst, ich könne vielleicht ihre Partnerinnen „anstecken“, die Frauen sahen mich als nun in freier Wildbahn sich bewegende Konkurrenz, die ihnen ihre wertvollen Männer möglicherweise stehlen wollte. Man ist stigmatisiert, im wahrsten Sinne des Wortes. Eines Tages stand die Mutter eines Klassenkameraden meiner Tochter vor der Tür und fing an, im Hausgang zu brüllen, ich wolle ihr den Mann wegnehmen. Dieser hatte mich am Morgen… Weiterlesen »

Irmy
Irmy
15. April 2016 13:42

Ja, das stimmt, der Begriff “ ALLEINERZIEHENDE“ kam vor Ca. 35 Jahren höchst selten vor. Ich, geschieden, eine Tochter alleinerziehend, habe dafür den Stempel einer vom Ehemann/Kindsvater (wohl aus gutem Grund?!) verlassenen Ehefrau erhalten. Ein Richter liess mich damals während des Scheidungsverfahrens wissen, dass ich Glück hätte, dass das (neue) Scheidungsgesetz die Schuldfrage nicht mehr stellt, sonst würde ich nämlich „schuldig“ geschieden wegen „Verweigerung der ehelichen Pflichten“. Einer Freundin ist es so ergangen, ein paar Jahre vorher wurde sie aus eben diesem Grund „schuldig“ geschieden und hatte die sich daraus ergebenden negativen Konsequenzen bis heute zu tragen. So gesehen, sind… Weiterlesen »

Stefan
Stefan
18. April 2016 11:08

Da muss ich eine kleine juristische Ergänzung einschieben! Auch wenn wir kein Scheidungsgesetz mehr haben, im zivilrechtlichen Sinne aber ist man trotzdem zum Sex mit dem Ehepartner verpflichtet. Wir haben da den schönen § 1353 BGB. Zitat aus § 1353 Abs. 1 BGB: „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen. Die Ehegatten sind einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet; sie tragen füreinander Verantwortung.“ Hierbei geht es um die eheliche Lebensgemeinschaft, die nach juristischer Auslegung bis heute noch den „ehelichen Beischlaf“ umfasst. In der Theorie könnte ein Ehepartner durchaus auf die Idee kommen vor einem Zivilgericht den anderen Ehepartner auf Schadensersatz zu verklagen,… Weiterlesen »

Verena Schulemann
Verena Schulemann
15. April 2016 16:09

Das muss ich ergänzen: Im und nach dem Krieg gab es sehr, sehr viele alleinerziehende Mütter. Auch in der Weimarer Republik war das Frauenbild und das Leben – zumindest in den Städten – ein sehr modernes. Es gab in Deutschland einen Rückfall natürlich unter den Nazis und ab Mitte der 1950er Jahre. Allerdings gab es nie eine homogene Ausgrenzung von Frauen, sondern war sehr gruppenspezifisch. Die Frauenbewegung der 1960/70/80er Jahre war z.B. sehr stark und auch schon global vernetzt. Auch heute gibt es ja – allein in Deutschland – gravierende Unterschiede. Hier in Berlin, z.B. ist alleinerziehend überhaupt kein Manko,… Weiterlesen »

Mr. Petronella
Mr. Petronella
16. April 2016 21:59

Huhu, ihr Lieben, die Frauke Petry ist doch auch sozusagen alleinerziehend, haben die vor lauter Populismus und Wahlkampfgetöse gar nicht mitgekriegt, was die da vom Stapel lassen????? Nur so ne Frage. Im übrigen Jucken mich die Weiber, die mich scheel angucken, gar nicht. Das sind oft die verbiesterten Ehefrauen mit den fremdgehenden Papis..:-)). Komischerweise denken viele Männer anders, einige erkennen mir sogar die Leistung an, Beruf, Familie und Schule ( leider dank G8) zu wuppen. Die restlichen Penner, die ewig Gestrigen, deren Frauenbild noch in den 50ern stehen geblieben ist, die interessieren doch eh nicht (Geistesmumien). Also, Ihr Lieben, net… Weiterlesen »

Single
Single
1. Mai 2016 19:30

ich bin heute zum ersten mal auf dieser Seite, aber ich muss sagen, die Seite ist wirklich gelungen. Gefällt mir sehr gut und v.a. die Diskussionen scheinen rege Beteiligung zu finden. Bis morgen :-)

Katja Grach
Katja Grach
4. Mai 2016 07:25

Mensch merkt an der Gruselgeschichte, dass es gesellschaftlich (noch immer) Männer braucht, um Frauen als „vollwertig“ ernst zu nehmen. Zu dieser Schieflage ist mir kürzlich ein wunderbares Zitat begegnet:

„Not fatherless … How about motherful?“(Khadijah Matin, Sisterhood of Black Single Mothers, 1986)

trackback
Alleinerziehend? Du kannst stolz auf dich sein! #einelternpride
24. Mai 2016 12:50

[…] Auch historisch passt die Analogie, denn Alleinerziehende bzw. ledige Mütter wurden ausgegrenzt, versto… Ja, ich denke, #einelternpride passt. […]

Badeente123
Badeente123
25. Mai 2016 22:10

Man darf auch nicht unterschätzen, dass die Eltern eines nach der Trennung folgenden Partners genau SO sozialisiert wurden.
Ich kenne ein Paar Männer, die deswegen nichts mit Alleinerziehenden anfangen, obwohl sie die Frauen toll finden – „aber wie soll man das denn Mutti erklären.“

Dieter Welk
Dieter Welk
3. Juli 2016 14:58

Finde es eine ausgleichende Gerechtigkeit dass die Alleinerziehenden Frauen schlecht gestellt sind. Zumeist nehmen sie den guten Vätern die Kinder weg, um diese als ihr Alleineigentum zu verwalten und als Waffe zu mißbrauchen. Dann zu erwarten, dass der Ex-Mann Haus, Auto, und den Lebensbedarf der Frau als eine Art Arbeitssklave weiter bezahlt ist unglaublich naïv. Wenn Alleinerziehende alles alleine haben wollen, dann müssen sie auch alleine einer Erwerbsarbeit nachgehen. Die Freiheit ist nur mit Anstrengungen zu erobern.

Wolf
Wolf
3. Juli 2016 16:15

Soweit ich informiert, bitte korrigieren, gibt es auch für Exehefrauen Unterhalt.

Martin
Martin
4. Juli 2016 09:40

In dieser Regelung sind einige Ausnahmen eingebaut, somit lassen sich die drei Jahre verlängern.

Wolf
Wolf
3. Juli 2016 16:06

Darf ein Mann hier schreiben? Alleinerziehend ist eine Frau dann, wenn es zwischen den Eltern von Kindern Meinungsverschiedenheiten gibt. Nun gibt es viele Möglichkeiten warum es Meinungsverschiedenheiten gibt, doch ich vermute, dass es sich bei den meisten Trennungsgründen von Paaren um Nichtigkeiten handelt, die unsere Großeltern nicht veranlasst hätten, eine Gemeinschaft aufzugeben. Selbstverständlich meine ich nicht Gewalt in der Ehe, Süchte usw. Fragt die Frau ihren Partner ob Kinder gewünscht sind oder hat sie einfach die Pille vergessen? Ein Mann, der Kinder möchte und Kindern zugestimmt hat, wird sich auch um seine Kinder kümmern wollen. Frauen trennen sich schneller und… Weiterlesen »

Wolf
Wolf
3. Juli 2016 16:18

Wer hat die Scheidung in Ihren Beispielen eingereicht? War es wirklich der Mann?

Wolf
Wolf
3. Juli 2016 16:29

Scheidungen werden nachweisbar in der Mehrzahl von Frauen eingereicht. Hier scheint es ein Problem zu geben. Darüber sollte nachgedacht werden.

Martin
Martin
4. Juli 2016 13:03

@Wolf,
ein Teil des Problems ist die „überlappende Partnerschaft“.

Martin
Martin
4. Juli 2016 09:33
Antwort  Wolf

@Wolf,
aus Erfahrungen in meinem Bekanntenkreis kann ich dir nur zustimmen. Viele Führungskräfte lassen sich auf keine Beziehung mehr ein. Einem Freund hätte die Scheidung auch Haus und Hof gekostet. Zum Glück war Haus und Hof aber noch Eigentum seines Vaters.
Für die Gesellschaft ist aber schlecht, wenn sich gerade die Erfolgreichen nicht fortpflanzen.
Das mit „Pille vergessen“ hatte ich auch zweimal.

Wolf
Wolf
3. Juli 2016 16:45

Heiraten und nicht scheiden lassen und schon ist das Problem der Alleinerziehenden fast gelöst.

Martin
Martin
4. Juli 2016 09:59
Antwort  Wolf

@Wolf,
nicht heiraten, dann gibt es auch keine Scheidung. Als Mann in guter beruflicher Stellung kann ich auf die Probleme gerne verzichten.

Martin
Martin
4. Juli 2016 10:35

Dann sollte die Anzahl der Alleinerziehenden bald sinken. Bei vielen jungen Männern bemerke ich eine Änderung der Einstellung in Richtung MGTOW. Wenn ich dann nach dem Grund für die Einstellung frage, kommt immer die Antwort „weil der Vater/Onkel/Bruder/Freund geschieden ist und zahlt“.
Diese gesellschaftlichen Änderungen sind mir erst in den letzten Jahren bewußt geworden.

Martin
Martin
4. Juli 2016 12:53
Antwort  Martin

@Mama arbeitet,
im Moment magst Du recht haben, aber ich schrieb von jungen Männern, den Vätern der Zukunft, die nun auf Vatersein verzichten.

Das Wechselmodell sollte eigentlich schon lange Standard sein. Das wäre auch besser für die Kinder.

Das gleichberechtigte Kümmern ist auch so ne Sache. Wie soll das möglich sein, wenn der Mann eine 50-60 Stundenwoche hat und die Frau halbtags arbeitet?

Martin
Martin
4. Juli 2016 16:58
Antwort  Martin

@Mama arbeitet,
das klingt gut, ist aber in den meisten technischen Berufen nicht möglich. Ich bin als Angestelltet und als Selbstständiger tätig. Da sind 60 Stunden das Minimum.
Die bittere Rache haben viele Frauen in Österreich mit der Umstellung des Pensionssystems auf ein Pensionskontoverfahren zu spüren bekommen. Da wurde jahrelang nichts einbezahlt.

Martin
Martin
4. Juli 2016 09:23

Das Problem der Alleinerziehenden war mir schon immer bewußt und die Gründe sind auch immer die selben. Als verantwortungsbewußter Mann habe ich mich deshalb schon mit 21 vasektomieren lassen. Das ist in Österreich aus gesetzlichen Gründen gar nicht so einfach.
Über die Jahre hat mich diese Maßnahme zumindest vor zwei Vaterschaften bewahrt, ich konnte diese Damen mit ruhigem Gewissen die Partnerschaft aufkündigen.
Darum kann ich nur jeden jungen Mann die Vasektomie empfehlen!

Martin
Martin
4. Juli 2016 09:50

Gott sei Dank nicht! Meine Eltern sind in partnerschaftlichen Angelegenheiten erzkonservativ. Anfangs mußte ich mir wegen meiner Entscheidung einiges anhören, aber nachdem meine beiden Brüder in die Scheidungsfalle gingen, war meine Entscheidung kein familiäres Gesprächsthema mehr.
Was ist an meiner Auffassung krass? Vor diesem Eingriff mußte ich mir immer anhören, daß wir Männer unverantwortlich wären und nicht verhüten wollen. Diesen Vorwurf wollte ich nicht länger auf mir sitzen lassen.

Martin
Martin
5. Juli 2016 06:57

Ergänzung: Da ich von meinen Eltern sehr konservativ geprägt wurde und mir immer nur ein vorbildliches Eheleben vorgelebt wurde, traf mich die Realität als junger Mann wie ein Vorschlaghammer. Erst später begriff ich, daß meine Familie die Ausnahme war.

Muddi
Muddi
5. August 2016 14:00

Dann werde ich auch mal berichten: Nach einer von fünf Ärzten bestätigten Unfruchtbarkeit wurde ich in einer Kurzzeitbeziehung schwanger. Wir waren bereits getrennt, als ich was bemerkte (ausbleibende Periode war bei mir kein Indiz, zumal es die Norm war…). Ende der Schwangerschaft lernte ich einen Mann kennen, nach der Geburt kamen wir auch zusammen. Als ich seine Eltern kennen lernte fragen sie mich erst aus und sagten dann, dass Gene für sie keine Bedeutung hätten. Sollten wir zusammen bleiben, werden sie den Kleinen als Enkel ansehen. Und ja, das tun sie wirklich. Gerade „Oma“ kann es nicht lassen ihm Klamotten… Weiterlesen »

Philipp Wehrli
Philipp Wehrli
30. Dezember 2018 16:19

„Keine Frau muss mehr mit einem Mann leben, der sie unglücklich macht, schlägt, vergewaltigt, betrügt oder erniedrigt.“ Und das ist gut so. Aber die meisten alleinerziehenden Mütter wurden von ihren Männern weder geschlagen, noch vergewaltigt, noch betrogen, noch erniedrigt. Das Neue ist, dass eine Frau den Mann auch verlassen kann, wenn sie ganz einfach keine Lust mehr hat, mit ihm zusammen zu leben. Das ist natürlich auch völlig in Ordnung, Frauen sind ja keine Sklaven. Nur sind da eben oft auch noch Kinder. Und hier sieht der Normalfall so aus, dass die Väter sehr gerne den Kontakt zu den Kindern… Weiterlesen »

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7 Sätze, die du einer (künftigen) Solomama lieber nicht sagen solltest – Solomamapluseins.de
30. Dezember 2018 22:34

[…] Wir Alleinerziehenden sind Anfang des 21. Jahrhunderts eine historische Massenbewegung, stellen wir doch traditionelle Familienmodelle und Rollenbilder auf den Kopf. Und doch sind wir immer noch keine rundum anerkannte Familienform, wie man an der steuerlichen Benachteiligung und der Stigmatisierung merkt.Alleinerziehende und Stigma – woher kommt das? […]