Burn-Out Prävention: Wie ich immer wieder die Kurve kriege

Vorweg: Das hier ist kein medizinischer Ratgebertext über Burn-Out Prävention. Ich bin auch keine Gesundheitsexpertin.

Aber ich bin seit 8 Jahren alleinerziehend und habe schon oft in den Abgrund geschaut, und es gab Zeiten, in denen ich mich dem Kollaps nahe fühlte. Und doch kam es nie dazu, dass ich zusammenbrach. Eigentlich bin ich eine prädestinierte Burn-Out Kandidatin: zu viel zu tun, oft mit dem Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen, wenig Zeit, wenig Geld, immer wieder Rückschläge und neue Hiobsbotschafen. Meine Kinder sind oft krank, unsere Lebenssituation ist dauerhaft angespannt und unsere Wohnsituation beengt.

Wieso blieb mir der Burn-Out bisher erspart?

Warum also bin ich noch nicht kollabiert, obwohl ich reichlich Gründe dazu gehabt hätte? Was habe ich unternommen, um mich zu schützen, und wie habe ich für mich gesorgt?

Darüber dachte ich gestern Abend nach, als ich mich sehr schwach fühlte, obwohl mich eigentlich nur eine hartnäckige Erkältung mit Halsweh plagte. Aber irgendetwas in mir rief: „Du musst ins Bett. Ruh dich aus, und zwar sofort!“, und das habe ich auch gemacht. Um mich heute früh, nachdem die Kinder alle in die Schule gegangen waren, erneut hinzulegen und bis um 12:10 Uhr zu schlafen. Um 12:30 kam die Jüngste aus der Schule, und ich stand geduscht in der Küche, wo ich Mittagessen zubereitete. Und jetzt bin ich wieder fit, genau rechtzeitig, denn vorhin begann die Jüngste zu spucken.

Burn-Out Prävention
Rajeeshtk auf @Pixabay.com

Tipp 1: Lieber Achtsamkeit als Medikamente

Die Zeitfenster für meine Durchhänger sind eng, wie man sieht, aber ich spüre sie und nutze sie. Das ist wohl der wichtigste „Trick“, und ich bin froh, dass mir das gelingt. Man könnte es wohl „Achtsamkeit“ nennen, oder auch Mut, den eigenen Gefühlen blind zu vertrauen. Ich pusche mich nicht mit Medikamenten auf, die die Performance erhöhen und Schmerzen lindern (sowas wie XY Complex Pulver); als ich das ein einziges Mal nahm, war ich hinterher eine Woche richtig im Eimer.

Tipp 2: Wenn du müde bist, schlafe. Wenn du Frust hast, koche dir was Schönes!

Klingt banal, ist aber für Eltern gar nicht so einfach durchführbar. Aber bei mir ist Voraussetzung für ein stabiles Nervenkostüm, dass ich genügend schlafe (8-9 Stunden) und gutes Essen für uns koche. Wenn ich nicht ordentlich kochen kann und zu wenig Schlaf bekomme, werde ich grantig. An besonders schlimmen Scheißtagen koche ich mir etwas besonders Schönes: sowas wie Rinderfilet oder Lammkrone. Das erhöht die Lebensfreude ungemein. Dazu muss man sagen, dass ich zu den Menschen gehöre, denen es unter Stress den Appetit verschlägt – ich werde also kein Frustesssen veranstalten, sondern verhindere nebenbei Unterernährung auf diese Art.

Tipp 3: Schimpfe, jammere, meckere – aber tu nicht so, als sei alles gut

Ich stecke Null Energie in den Erhalt irgendeiner Fassade. Wenn es mir schlecht geht und ein Nachbar mich fragt, wie es mir geht, sage ich „Heute ziemlich mies“, und wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, dann sage ich das – und zwar gleich, anstatt mich lange zu grämen. Das ist etwas, was ich lernen musste, und was aber total erleichternd ist. Ich sage es, wie es ist. Und dann ist es irgendwann auch wieder gut.

Tipp 4: Fordere Hilfe ein

Das ist der schwierigste Teil für mich – woher bekomme ich praktische Hilfe, wer greift mir/uns unter die Arme? Das zu organisieren, bringt mich manchmal an meine Grenzen. Anspruch auf staatliche Hilfen habe ich als Alleinerziehende nur, wenn ich entweder dem Hausarzt gegenüber einen Erschöpfungszustand für mich beanspruche und so z.B. zu einer Familienpflegerin oder Haushaltshilfe komme, oder indem ich mit dem Jugendamt in Kontakt trete, was nicht unbedingt nur positive Nebeneffekte hat, wie viele Alleinerziehende berichten. Schade eigentlich, dass es keine niederschwelligen praktischen Hilfen gibt, denn das wäre eine super Burn-Out Präventionsmaßnahme!

Tipp 5: Lass den Haushalt ruhig ein bisschen verlottern

Was ist wichtig? Dass es keine Wollmäuse in der Wohnung gibt oder dass der Kühlschrank gefüllt ist? Meine Prioritäten sind klar: saubere Wäsche, genug zu Essen, alle Rechnungen bezahlt und die Termine im Blick. Der Rest ist Kür.

Lieber ab und zu Großreinemachen oder nur sporadisch putzen, was einem gerade besonders schmutzig erscheint, als ehrgeizige Putzpläne zu haben. Dieser Punkt ist allerdings meine persönliche Schwachstelle: wenn die Bude zu sehr einstaubt, fühle ich mich nicht mehr wohl. Auch wenn das sachlich betrachtet immer noch völlig im grünen Bereich ist – aber damit ich mich wohlfühle, muss eine gewisse Grundordnung und Sauberkeit herrschen.

Ich zwinge mich also manchmal dazu, nicht so genau hinzugucken. Und wünsche mir eine Haushaltshilfe anstelle der Mutter-Kind Kur, die mir als Präventionsmaßnahme zusteht. Kosten würde das ungefähr dasselbe, wie ich in meinem Buch vorgerechnet habe, und mit 3 Stunden Hilfe pro Woche wäre ich sehr, sehr entlastet. Dem Burn-Out am nächsten kam ich übrigens direkt nach meiner ersten und einzigen Mutter-Kind Kur. Nie war ich so erschöpft wie nach diesem Desaster.

Tipp 6: Suche dir Verbündete

Ohne meine Freunde, meine Bekannten und auch die Fremden, mit denen ich mich auf twitter, im Blog und Facebook austausche, wäre ich vielleicht trotz all der guten Tipps 1 bis 5 schon längst in der Burn-Out Reha gelandet. Und meine Kinder im Heim oder einer Pflegefamilie, denn als Alleinerziehende kann ich nicht wochenlang alleine in eine Reha gehen, wenn die Kinder nicht versorgt sind. Und da ich das weiß, und das mein persönliches Damoklesschwert ist, brauche ich Verbündete: Menschen, die mich verstehen, mir Mut zusprechen, und auch mal Ratschläge geben, ohne aufdringlich zu sein. Es ist egal, wo du wohnst – im Internet findest du garantiert jemanden, der mit dir auf einer Wellenlänge ist. Oder gleich ganz viele.

Tipp 7: Finde heraus, was dir gut tut

Ich hoffe, meine Tipps klingen nicht banal für dich, denn wenn ich eins hasse, dann sind es platte Tipps zur besseren Lebensführung. Nicht alles funktioniert für jeden. Und manche brauchen Sport, um stabil zu bleiben. Andere hören Musik oder gehen auf Friedhöfen spazieren (mache ich auch). Für mich elementar ist, dass mein Geist nicht verkümmert, dass ich Neues erlebe und mich ausprobieren kann. Ich reise gern, selbst unter den erschwerten Umständen, unter denen ich lebe. Aber es macht mich froh – ich brauche gelegentlich einen Tapetenwechsel.

Lass dir also von niemandem reinreden, was für dich das richtige sein sollte – probiere es aus und horche in dich hinein. Es geht einzig und alleine darum, was DIR hilft. Und wenn du noch andere Tipps hast, freue ich mich darüber, in den Kommentaren davon zu erfahren!

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GabiAndreaschlaflose MutterSilkeAusLMama arbeitet Letzte Kommentartoren
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Uschi aus Aachen
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Uschi aus Aachen

Ich glaube, wenn man sich immer an Deine – wirklich guten! – Ratschläge hielte, wäre „Burnout“ (aka Totalerschöpfung) kein wirkliches Thema…

Sandy
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Sandy

Ich war gespannt was du schreiben würdest, denn nach meinem Burnout vorletztes Jahr, reagiere ich quasi allergisch auf „möchte gern Ratgeber Texte“ zu diesem Thema. Nicht falsch verstehen, aber ich denke du weißt, wie ich das meine. Zu viele „Blogger“ geben zu viele Ratschläge.. Doch ich mag deinen Text! Sehr sogar ❤ Denn er zeigt deutlich worauf es ankommt und ich freue mich wirklich für dich, dass du für dich den Weg gefunden hast, um dem Burnout immer wieder zu entkommen!
Danke für deine tollen Worte und wirklich hilfreichen Tipps!
Liebe Grüße, Sandy

Katharina
Gast
Katharina

Ja, ja ja! Auf sich selbst, den Schlaf und das Essen achten.
Mehr niederschwellige Hilfsmöglichkeiten und Haushaltshilfen für alle.
Hätte ich auch mehr von als von einer Kur. Traurig, dass in so einem aufgeklärten, reichen Land nicht viel individuellere Hilfe möglich ist.

SilkeAusL
Gast
SilkeAusL

SCHLAF. Genau das ist das Problem. Zu wenig Schlaf oft die Ursache für ein schlechtes Immunsystem, und sowieso meistens für schlechte Laune und niedrige Reizschwelle, was leider oft die Kinder abbekommen. Aber woher nehmen? Ich gehe schon mit den Kindern ins Bett. DIE schlafen leider aber erst um 21 Uhr ein (ich habe schon oft überlegt, ob ich Ihnen ein Schlafmittel unter das Abendessen mische- Scherz!). DANN müsste ich auch SOFORT einschlafen, um auf 8 Stunden Schlaf zu kommen. Klappt nur leider nie. Ich weiß auch nicht, wie ich das noch ändern soll ?. Ich habe schon überlegt, die Kinder… Weiterlesen »

schlaflose Mutter
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schlaflose Mutter

Liebe Silke, das ist bei uns auch ein Thema. Seit Jahren?! Ich habe alles probiert, damit der Sohn länger schläft als bis sechs Uhr. Später ins Bett, sehr spät ins Bett, früher ins Bett und ich mit. Am Ende des Tages kam heraus dass es Zeitfenster gibt, an denen sie gut einschlafen und dann wenigstens ausgeruht sind, und man muss den Saustall liegen lassen und ebenfalls recht früh schlafen gehen. Während ich ohne essen auskommen könnte, ist Schlaf absolut essentiell. Und zwar ausreichend. Und in Ruhe schlafe ich nur alleine. Was für dich gut ist, musst du ausprobieren. Vielleicht ist… Weiterlesen »

Andrea
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Andrea

Du hast so recht, aber ich musste es auch lernen. Meine schwache Stelle: Der dreckige… alles. Fußboden, Tisch, Bad, dabei ist alles halb so schlimm. Ich bin so erzogen dass es picobello aussehen muss-meine Mutter bekam einen BurnOut der sie mit Mitte fünfzig arbeitsunfähig machte. Obwohl ich das weiß, muss ich echt schwer mit mir kämpfen! Ich brauche Schlaf, das musste ich auch lernen, und zwar ohne vermeintlich kuschelige Nähe der Kids. Gutes Essen – ja, und bitte warm und das schon vormittags. Eintopf, fünf Tage das selbe? Gerne, kein Problem. Aber es braucht einfach bis jeder in seiner individuellen… Weiterlesen »

Gabi
Gast
Gabi

Unglaublich gut geschrieben denn es ist ein Thema was mich gerade fast erwischt hätte ich habe noch einmal die Kurve bekommen ich bin alleinerziehend seit knapp vier Jahren und habe vier Kinder und gehe Vollzeit arbeiten in zwei verschiedenen Krankenhäusern ich schaffe diesen Spagat nur deswegen weil ich immer wieder in der Lage bin mir sogenannte Zeitinseln zu schaffen aber auch meine Kinder in haushaltliche Belange mit ein zu spannen. Die größte Lernaufgabe lag in der Organisation des sehr turbulenten Alltags denn ich benötige unter anderem auch die Unterstützung durch das Jugendamt in Form von Tagespflege sonst könnte ich meine… Weiterlesen »