Das Alleinerziehenden-Hilfetelefon. Ein Wunschtraum

Ich habe einen Traum. Weil ich gerade dringend darauf angewiesen bin, mir etwas Positives vorzustellen, sonst platze ich nämlich, oder ich werfe mich heulend zu Boden, und das wäre kein schöner Anblick für die Kinder.

Mama muss doch stark sein. Und zuverlässig. Und immer da, wenn sie krank sind, so wie jetzt. Krank waren die Kinder viel im vergangenen Frühling, und nun geht das schon wieder los. Ich bin unfassbar müde davon. Müde, weil ich nie alleine bin, zu wenig Zeit habe, um in Ruhe zu arbeiten, weil kranke Kinder einen mürbe und unglücklich machen. Und dann noch der vorwurfsvolle Ton von Lehrkraft XY, wie schade es sei, dass mein Kind schon wieder krank sei. Glaubt die etwa, ich lasse mein Kind zum Spaß zuhause!?

Aleinerziehenden-Hilfetelefon
Arthimedes/shutterstock.com

Entlastung durch das Alleinerziehenden-Hilfetelefon

All das würde ich so gerne einfach mal einen Tag hinter mir lassen. In einer besseren Welt würde ich jetzt zum Telefon greifen oder Online-Formular ausfüllen, und mir schnelle, unbürokratische Hilfe holen. Ich würde sagen, „Hallo, ich kriege einen Koller. Bitte schicken Sie mir jemanden, der mir die Kinder für ein paar Stunden abnimmt.“ Das müsste eine Person sein, die gut geschult ist, und die weiß, wie man Kinder „mitnimmt“, am besten jemanden, den die Kinder schon kennen. Weil sie nämlich regelmäßig käme, so alle 14 Tage, um mich etwas zu entlasten.

Ich müsste nicht lang und breit erklären, dass ich wirklich keine Familie vor Ort habe, die einspringen kann, und dass der Vater der Kinder sich nicht kümmert, und dass ich keine kinderlosen Freunde oder Rentner kenne, die aus reiner Freude gerne auf meine Kinder aufpassen. Und dass auch meine Nachbarn wirklich sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt sind, bei aller Hilfsbereitschaft in kleinen Dingen.

All das trägt nämlich dazu bei, dass ich so genervt bin gerade. Immer, wirklich immer wird erstmal die Schuld bei mir, der Mutter, gesucht. Die Kinder sind krank? Klar, die Mutter ernährt sie nicht gut genug oder geht zu wenig mit ihnen an die frische Luft! Die Kinder sind bockig, verzagt, wütend oder zu sensibel? Scheiß auf die Gene, die Mutter hat versagt!

Haushaltshilfe statt Mutter-Kind Kur

Aber ich wollte ja was Schönes denken. Also stelle ich mir vor, ich könnte beim Alleinerziehenden-Hilfetelefon anrufen. Und da anstatt meines Anspruchs auf eine Mutter-Kind Kur eine Haushaltshilfe beantragen. Rein rechnerisch könnte man für das Geld, das so eine Kur alle 2 Jahre kostet (und darauf habe ich als Alleinerziehende Anspruch), gut und gerne jede Woche für 3 Stunden jemanden einstellen, der mich im Haushalt entlastet – das habe ich in meinem Buch durchgerechnet. DAS wäre wirklich hilfreich.

Eine Mutter-Kind-Kur hilft mir nicht, das habe ich schon ausprobiert. Ich bin nicht der Typ dafür. Ich brauche einfach etwas Zeit für mich alleine, keine Termine bei der Rückengymnastik oder Gesprächskreise mit Menschen, die nichts mit mir gemein haben. Ruhe, einfach nur Ruhe. Zeit ohne Verpflichtungen, vor allem aber ohne ständige Mama-Rufe.

Manchmal, so wie heute, weiß ich nicht, wie lange ich das alles noch ertrage. Und dann geht’s doch weiter, ich weiß das ja schon. Aber meine Kinder sind traurig, weil ich ihnen vorhin entgegengeschleudert habe, dass ich SO gerne mal einen Tag ohne sie wäre, als sie anfingen, sich auch noch zu streiten. Und ich bin traurig, weil ich sowas gesagt habe und das aus tiefstem Herzen so empfand.

Meine Überlastung belastet meine Kinder. Das ist nicht gut. Die Leute beim Alleinerziehenden-Hilfetelefon würden das verstehen und mich aufbauen anstatt zu kritisieren. Und dann würden sie mir jemanden schicken, der mir Tee kocht und hilft, während ich mir eine Auszeit nehme. Ja, das ist ein schöner Gedanke.

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Sarah S
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Sarah S

Episches-riesengroßes-megatonnenschweres-gigantomanisches AAAAAMEEEEEN Grade heute hatte ich noch ein Gespräch mit einer Dame vom Jugendamt die meinte das ich meinen 1jährigen Sohn doch in Fremdbetreuung geben kann um wieder arbeiten gehen zu können um… Jetzt kommts…. nicht so sehr durch die Mutterschaft belastet zu werden. Wird dadurch meine Wohnung sauber? Ist damit der Papierkrieg wegen der Scheidung erledigt? Bringt es meinen Sohn dazu Nachts zu schlafen und nicht stundenlang gegen den Schlaf zu kämpfen? Jede dieser Fragen lässt sich absolut eloquent mit einem Wort beantworten…. NÄ!!! Ihre zauberhafte Idee eine Mutter-Kind-Kur zu machen hat fast einen Lachanfall bei mir ausgelöst. Klar…… Weiterlesen »

Mani
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Mani

Ich musste mal gepflegt lachen. Sarah, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für dich nicht immer einfach ist. Aber wie du das geschrieben hast: echt lustig! Ich wünsche dir ganz viel Kraft und hoffentlich schnelle und gute Hilfe!

Monalisa
Gast
Monalisa

Das wäre mir jedenfalls hundertmal lieber als jede Mutter-Kind-Kur. Ich finde es auch sehr schade, dass die Mittel für’s Betreuungsgeld nicht in Projekte solcher Art gesteckt wurden. Flexible Hilfen, die eine wirklich Entlastung der Familien (und vor allem Mütter) darstellen könnten. Viele Frauen, die schon während der Schwangerschaft verlassen wurden/sich getrennt haben, sind auch so unendlich allein mit ihrer Verantwortung bis die Kitazeit beginnt, da kräht kein Hahn danach. Bliebe gerade noch, sich als Hilfebedürftige ans Jugendamt zu wenden, aber mit der Wäsche hilft da auch keiner… Ich würde mir auch wünschen, dass der Staat Haushaltshilfen für Famlien bezuschusst und… Weiterlesen »

Klaudia
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Klaudia

Ich fühle gerade genau so wie du…und ich bin nur vorübergehend in einer vergleichbaren Lage! Immer wieder aufrappeln für unsere Kinder mangels Alternativen…es zehrt, doch in den wenigen Momenten, in denen ich durchatmen darf, bin ich unsagbar stolz und frei, denn da war niemand außer mir, das versuche ich dann wahrzunehmen, klopfe mir auf die Schulter und gehe weiter meinen Weg mit meinen Kindern…
Ich würde dort auch anrufen…früher gab es dafür große Familien, das Dorf, das man für einen gelungene Erziehung braucht, haben wir angeschafft…wir Mütter zahlen dafür den Preis…
Du bist eine bewundernswerte Frau, bleib dir treu und geh weiter!

Maike
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Maike

Liebe Christine, ich lese viel, kommentiere wenig, heute jedoch ist es mir ein großes Bedürfnis, Dir auf Deinen Artikel hin zu schreiben. Mein Sohn ist mittlerweile 20 und auf seinem Weg, ich kann mich allerdings noch an viele Jahre erinnern, wo es mir ähnlich erging wie Dir. Leider gab es damals noch kein Internet, wo man LeidensgenossInnen leicht finden konnte. Stattdessen begegneten mir immer wieder die gleichen dämlichen Sprüche, wenn ich es mal wieder gewagt hatte, meine Bedürfnisse zu äußern ( mal ausschlafen, alleine sein, wieder über seine Zeit zu bestimmen, etc.pp). Nie, habe ich auch nur ein Wort des… Weiterlesen »

Bianca
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Bianca

Ach das wäre wirklich was feines ❤️…. Vor allem ist das wichtigste, schnelle ,zügige,am liebstenschonvordertuerstehende Mitarbeiter, welche Kinder ganz einfach einzuweisen Stuendchen bezaubern… ❤️

Toller Artikel… Viel Kraft dir in diesem besch(….)eidenen Zeiten!

Friederike
Gast
Friederike

Es macht mich so wütend, dass es das nicht gibt! Bei mir wurde sogar vor Jahren die Mutter-Kind-Kur abgelehnt, inklusive Widerspruch und diverser ärztlicher Atteste und der deutlichen Androhung, dass ich nicht mehr weiter kann …
Wir müssen so ein Netzwerk schaffen! Mit Erzieherinnen und Wunsch-Omas und tollen engagierten, pädagogisch geschulten Menschen. Ich stand auch ohne Netzwerk da, meine Eltern weit weg .. Ich erinnere mich noch genau an den einzigen Tag in 6 Jahren, an dem mir ein befreundeter Vater (seine Tochter und meine gingen in die gleiche Kita) meine Tochter abnahm …
Es muss etwas geschehen!

Miriam
Gast
Miriam

Ich sag nur eins :Ich mag Dich!!!
Alles Liebe für Dich

Herta
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Herta

Hallo Christine, das hört sich nicht gut an. Deinen Frust kann ich aber sehr gut verstehen. Ich habe auch drei Kinder und die sind abwechselnd auch immer monatlich mindestens 2-3 Tage daheim – nicht nur wegen Krankheit, sondern auch wegen Schließtagen, Arztterminen – da sind jetzt noch keine Ferien mit drin! Dieses Frühjahr hat es durch die lange Kälte und die warme Nässe jetzt wirklich in sich. Auch meine Kinder waren in den letzten zwei, drei Monaten überdurchschnittlich oft krank – und die haben sonst wirklich nie etwas! Unproblematische und unbürokratische Hilfen im Krankheitsfall wären wirklich gut – die gibt… Weiterlesen »

Josephine
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Josephine

Ich schreib mal hier, kommentiere nicht so gerne auf FB. Ich kann deinen Wunsch verstehen, es ist mehr als nachvollziehbar, dass die Situation dich und viele AE fertig macht. Ohne Entlastungen, 24/7 zuständig, alles abfangen und managen müssen. Ist ätzend und hart. Kenne ich. Bin auch AE, nur ein Kind, dafür aber einen sehr intensiven, außerhäusigen Job, keine Familie vor Ort und einen nie-betreuenden KV. Das schlaucht und kocht einen auf Dauer weich. Trotzdem rollt es mir (auch bei der Stelle in deinem Buch) bei dieser eigentlich ja ganz knuffigen Idee die Fußnägel hoch. Nicht böse sein, nicht falsch verstehen,… Weiterlesen »

Monalisa
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Monalisa

Wieso pupsende Einhörner? Der Staat finanziert und subventioniert alles mögliche, bishin zu Milch und abgewrackten Autos. Den rasanten Kita-Ausbau hätte man sich bis vor ein paar Jahren auch noch nicht vorstellen können. Haushaltshilfen – im Sinne des Arbeitsbereichs eines Au-pair – könnten die Studentenjobs von morgen sein. Es gibt doch eine Menge junge Leute, die eine Ausbildung/ein Studium im pädagogischen Bereich machen. Meinethalben könnte man auch „BuFdis“ einsetzen oder sonstwen. Immer noch besser als die heutige Situation mit viel Schwarzarbeit, welche dann auch noch unterbezahlt und häufig von Armutsmigranten geleistet wird. Gerade weil viele Haushalte dringend auf Entlastung angewiesen sind,… Weiterlesen »

Josephine
Gast
Josephine

Jap, genau, viele brauche Entlastung und können sich die nicht leisten. Am wenigsten AE, denn die sind am ärmsten. Und zwar um ein vielfaches ärmer als alle anderen Familienformen… DAS ist der Punkt.

Die Armut muss aufhören, das ist meine Vision. Deswegen spreche ich nur über Dinge, die darauf einzahlen. Und nicht über Pflaster, die das Elend nur verdecken…. Ich will kein AE-Hilfetelefon brauchen. Und keinen Freiwilligendienste oder HH von der Krankenkasse. Das will ich nicht fordern, den es lenkt von der eigentlichen Schieflage ab.

Petra
Gast
Petra

Sicherlich sind das auch fehlende Gleichgesinnte, mit denen ein Austausch schön wäre. Wir hatten einen Alleinerziehendentreff jeden Mittwochnachmittag, der sich so entwickelt hat, dass sich die Alleinerziehenden untereinander unterstützt haben. Gemeinsam einen Babysitter organisiert haben, um mal auszugehen. Die Erlebnisse waren dann Gesprächsstoff des nächsten Treffs. Sich selbst einbringen, um dann auch was zurück zugeben. Dann ist auch mal eine Nothilfe schnell da. Alles andere darf sich Jede/r wünschen. Sicherlich nicht nur Alleinerziehende. Und ein offenes Ohr für alle Kümmernisse gibts in unserer Geschäftsstelle vom Alleinerziehenden-Verband. Und sehr oft auch Hilfe.

Nancy
Gast
Nancy

Ich bin in einer ähnlichen Situation. …alleinerziehend mit 2 kindern, dialysepatientin und mein exmann macht uns das Leben zur hölle. Leben am Existenzminimum und ich möchte manchmal einfach nur die decke über den Kopf ziehen und heulen. Arbeit, dialyse, kinder, papierhölle, jobcenter, exmann, geldmangel, transplantation, therapie für meinen sohn, Studium für meine tochter, haushalt, Freizeit der kinder… Das alles ohne Familie oder unterstützung. Wie soll sowas denn gehen? Nach außen immer stark sein. Ja genau… „du bist so eine starke frau“ kann ich kaum noch hören!!!!! Habe mich aber ans jugendamt gewandt und 2 Möglichkeiten angeboten bekommen. Leihgrosseltern, die allerdings… Weiterlesen »

Iris Heyen
Gast
Iris Heyen

Hallo Christine, tatsächlich wollen wir etwas Ähnliches in unserer Komune auf die Beine stellen und haben einen Arbeitskreis gebildet der Ideen und Sponsoren oder Fördertöpfe sucht. Eigentlich ist es uns im Moment ein Anliegen, die Betreuungssituation von Kindern an weiterführenden Schulen zu verbessern, aber das dauert! Um tatsächliche Bedarfe für Soforthilfe zu ermitteln, sind wir dabei, einen Fragebogen zu entwickeln. Ansonsten kenne ich das Gefühl, vor Erschöpfung wie ein Zombie herumzulaufen recht gut aus eigener Erfahrung. Neben dem täglichen Kleinigkeiten wiegt besonders die ständige Verantwortung für alles sehr schwer, besonders auch in finanzieller Hinsicht. Bei mir als betreuendem Elternteil liegt… Weiterlesen »

Marie
Gast
Marie

Liebe Christine, auch ich ( nicht alleinerziehend, nicht getrennt, stabile Partnerschaft ) habe meinen Kindern gegenüber schon ähnliches geäußert. Ich fand und finde das bis heute auch nicht berühmt – dass mir das so unverblümt herausgeplatzt ist. Dass es so IST, finde ich hingegen wenig dramatisch. Alle Menschen brauchen (Ruhe-) Pausen und manche, so wie ich, die bis zur Stunde erstaunt ist, dass sie eine Familie hat, noch mehr. Ich denke auch, dass die lieben Kleinen sich ruhig hin und wieder darüber bewusst sein dürfen, dass ihre Verhaltensweisen stressen!!! Wie gesagt, wünschenswert wäre, dass man das anders als durch Anmeckern… Weiterlesen »