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Extrem alleinerziehend – just walk a mile in my shoes

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Sie verstehen es nicht. Sie können es nicht verstehen, die anderen, diese Menschen, die das nicht erleben oder erlebt haben.

Ich verstehe, dass sie es nicht mal annähernd begreifen können, selbst wenn sie sich Mühe geben und mir zuhören, und das macht mich so müde. Im besten Falle höre ich so etwas wie „Ich könnte das nicht!“, aber oft genug schaue ich in verständnislose Gesichter, Rolläden gehen runter, noch bevor ich überhaupt die Chance habe, durchzudringen, weil „Selbst Schuld“ oder „Die soll sich mal nicht so anstellen“ schon den potentiellen Zuhörer geflutet haben, und weil sich niemand vorstellen kann und möchte, mit einem oder mehreren Kindern auf Jahre komplett auf sich alleine gestellt zu sein. Da ist es natürlich schöner, man denkt sich, die Alleinerziehende habe selbst schuld, oder es selbst in der Hand, diese Situation zu ändern.

Extrem alleinerziehend
Tabeajaichhalt auf Pixabay.com

Und ein Stück weit stimmt das auch. Es gibt nichts, was man nicht ändern könnte. Aber die Tatsache, dass der Vater der Kinder sich nicht mehr um sie kümmert, gehört eben nicht dazu. Und dass Alleinerziehende wie ich das ganz alleine ausbaden, aufgrund der beruflichen Mobilität oft komplett ohne Familie vor Ort, ist nicht selten.

Frau Finke, Sie sollten dies, das und jenes…

Ich bin heute müde. In den vergangenen Wochen war ich oft bei Ärzten mit den Kindern, wegen verschiedener Sachen, kleiner und großer. Und keiner von denen scheint zu verstehen, dass ich als komplett Alleinerziehende eben nicht mal kurz den Schalter umlegen kann und die vermeintlich klugen Ratschläge der Fachleute befolgen. Mein Problem ist, dass ich das Gefühl habe, überhaupt nicht gesehen zu werden als Mutter in dieser speziellen Situation. Und wenn, dann nur im Rahmen einer Kausalität, à la „Aha, so war das bei der Trennung, und leider leider konnte die Mutter nicht alles auffangen [hier bitteres Lachen einfügen], und als Alleinerziehende ist sie ja eh überfordert.“

Ja, verdammt. Ich habe unglaublich viele Pflichten und trage die Verantwortung für 3 Kinder ganz alleine. Aber ich mache unfassbar viele Dinge gut und richtig. Und nicht alles, was hier nicht klappt, ist auf die Trennung vom Mann zurückzuführen. Manchmal komme ich mir vor wie in einem verstaubten Lehrbuch. Hat denn niemand diese Experten darauf vorbereitet, dass es auch Alleinerziehende gibt, die mitdenken können und sich selbst reflektieren!? Tja, offenbar nicht.

Wo ist mein Spielraum? Habe ich überhaupt einen?

Und so werde ich morgen wieder von vorne anfangen. Und jemandem, der meinen Kindern helfen soll, erklären, dass meine Kapazitäten, Wunder zu tun, begrenzt sind. Dass ich weder bezahlten Urlaub habe, noch krank sein kann, dass wenn ich mal 3 Wochen lang alles sausen lasse und Plan A oder B der klugen Experten durchführe, ich kein Geld verdiene und danach mit den Nerven am Ende bin. Und dass mein Leben Null Spielraum hat.

Das ist natürlich Quatsch. Ich habe mehr Spielraum, als es mir gerade scheint. Aber überhaupt mal zu verstehen, wie eingeengt ich mich fühle, wie hoch die Ansprüche von außen sind (damit meine ich z.B. Therapeuten, die das Beste fürs Kind wollen), und auf welch dünnem Eis ich mich bewege, das wäre so ungemein hilfreich. Stattdessen höre ich aber nur Frau Finke, Sie müssten dies, und Ihren Kindern würde jenes gut tun. Ja, würde es wahrscheinlich. Aber wie soll ich das alles leisten!? Karate wäre gut für die Jüngste, etwas ungeteilte Mama-Zeit für den Sohn mit mir wäre toll, am besten mal ein paar Tage am Stück, und die Große sollte mit ihren 16 Jahren nicht so vernünftig und erwachsen sein müssen.

Supi, dann weiß ich ja, was ich zu tun habe. Theoretisch. Dumm nur, dass ich eigentlich mal an mich selbst denken sollte. Bevor ich irgendwas anderes tue. Aber dazu wird es so schnell nicht kommen. Ist es aber wirklich zu viel verlangt, dass die anderen mal ein bisschen mitdenken? Ich mache das doch auch!?

Grundkurs in Empathie für die Lage Alleinerziehender

Und so schwanke ich zwischen Wut, Verzweiflung und dem Wunsch, nicht nur für mich und meine eigenen Kinder etwas zu verändern. Vielleicht, denke ich mir, wenn ich dem einen oder anderen erklärt bekomme, wie das ist, wenn frau über Jahre komplett alleinerziehend ist, hat es die nächste Frau, mit der dieser Mensch spricht, etwas leichter.

Es wäre so fein, könnte man „extrem alleinerziehend sein“ simulieren, so wie das beim Altern dank besonderer Anzüge kann, die einen beim Anlegen schwerfällig machen und die Bewegungsfreiheit einschränken. So als Modul „Ab hier bist du auf dich alleine gestellt, kümmere dich um 1-4 Kinder und verdiene auch noch Geld!“, das wäre was! Und jeder Arzt, jeder Helfer, jeder Lehrer und eigentlich alle, die mit Kindern zu tun haben, sollte verpflichtet sein, dieses Modul zur Horizonterweiterung zu belegen. Just walk a mile in my shoes.

53 Kommentare

  1. gott sei dank – ich bin nicht „betroffen“. doch allein, dass ich mit mann 4 kinder ohne familie oder hilfe in der nähe jonglieren muss, ist ein kraftakt….. wenn ich mir DAS jetzt ohne meinen mann vorstelle – ich werde auf der stelle fuuuuurrrchtbar müüüüüde, viel müder als ich eh schon bin.
    es ist eine unglaubliche leistung, die alleinerziehende mütter/väter in dieser gesellschaft, die immer den vollen einsatz in allen lebensbereichen einfordert,erbringen. und ich ziehe den hut!
    und ich möchte keinesfalls auch nur einen millimeter in deinen schuhen-diesbezüglich-wandeln müssen. doch eines kannst du dir getrost auf deine fahne schreiben – du leistest ganz viel aufklärungsarbeit in den belangen alleinerziehender und sensibilisierst durch tolle, nachdenkliche, auch oft sehr humorvolle texte ganz viele mitmenschen. und genau da setzt das umdenken ein…..hoffentlich

  2. Oh ja, wie wahr!
    Keiner fragt, ob und wie wir das durchhalten – über Jahre.
    Wir müssen es einfach.
    Dieses Jahr ist das erste, in dem ich merke, dass ich hinterherhinke. Beispiele: TÜV einfach abgelaufen, eine Zahlung vergessen, dadurch Inkassounternehmen auf dem Hals. Job stresst, ich mache neuerdings öfter mal Fehler.
    Die Batterie leert sich und leert sich und ich weiß nicht, wie es enden wird.
    Weine oft vor Erschöpfung und Angst vor allem und jedem. Kann nicht gut schlafen.
    Dass es in der heutigen Zeit immer noch einen Mann/Versorger braucht, um gut durch’s Leben zu kommen hätte ich nicht gedacht.
    Kann die mitleidigen/überheblichen Blicke/Sprüche der „Bemannten“ nicht mehr ertragen. Mit Empathie ist da nicht zu rechnen.

  3. Was soll ich sagen? Du hast so Recht. Und genau dieses Erklärenmüssen schwächt oft so – wenn man denn überhaupt schon so weit ist. Meist bleibt man weiter vorn im allseits eingetrichterten Schuldgefühl hängen. Und mit diesem Schuldgefühl im Nacken und dem ständigen Müssen und Sollen wird der Druck so hoch, dass gar nichts mehr geht. Ich glaube alleinerziehende Mütter könnten ihre Kinder viel besser unterstützen, wenn sie öfter mal hören würden, wie gut sie das alles stemmen. Und wenn mal jemand von außen etwas Entlastung und Entspannung hineinbrächte durch ein liebes und verständnisvolles Wort. Ich bin Dir dankbar, dass Du mutig und offen eintrittst für uns Alleinerziehende.

  4. Ich danke Dir für diesen Text. Ich fühle mich so bestätigt. Ich freue mich auf die Zeit wenn ich endlich eine Sache für mich machen darf. Ohne Kinder. Vielleicht einfach mal einen ganzen Tag in einer Bücherei abhängen ohne Druck. Dinge mit Muße genießen, das ist es. Oh ja… und was ich noch schlimmer finde als die Menschen die sagen „Sie müssen dies und das…. sind Frauen die über Facebook ihr entspanntes Leben mit Verwöhnwochenenden mit ihren Freundinnen teilen oder die Shoppingtour oder überhaupt die netten kleinen Dingen zwischendurch, bei denen der Mann daheim bleibt und sie machen kann…. und finanziell keine Gedanken machen müssen, das diese kleinen Dinge einen riesen Krater ins Portemonaie sprengen.Ich könnte dann immer brechen.

  5. „Mach doch mal Yoga“ rät Dir dann eine wohlgesonnen Muddi aus der Kita. Ich könnte reinschlagen! Noch ein Termin? Als ob sämtliche Miseren einer Alleinerziehenden beendet wären, wen man Yoga macht?!
    Ich hatte neulich ein sehr gutes 3stündiges Gespräch mit einer Freundin (glücklich verheiratet), die mich wirklich gerne unterstützen wollte. Ich habe viel erklärt, klar gestellt und nochmal erklärt. Denn sie konnte es sich alles einfach überhaupt nicht vorstellen. Dabei war sie wirklich emphatisch und gewillt! Und das ist der einzige Grund, weshalb ich meinen Blog weiterführe und Du auch bitte immer hier weiter machst mit Deinen Texten: die Sensibilisierung für die Situation Alleinerziehender ist eine enorm wichtige Aufgabe!
    Vielleicht sollten wir neben dem Schriftlichen auch das Praktische anbieten: ich biete einen Praktikumsplatz an, 4 Wochen Fulltime für angehende Sozialarbeiter, Ärzte, Apotheker, Erzieher und wer uns sonst noch so über den Weg läuft: Montag – Sonntag, 6.15 – 22.30 Uhr, 28 Tage lang – Viel Spaß! (P.S. an den Wochenenden, wo meine Kinder beim Vater sind, schicke ich den Praktikanten zu Dir, Du kommst rüber zu mir und wir werden ein sehr entspanntes Wochenende haben!)
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft!

    • nette Idee, allerdings sind 28 Tage sehr endlich, mit klar definierten Start und Ziel, also nicht annähernd realistisch, schon garnicht mit nächtlicher Pause, höchstens ausreichend für eine kurze und partielle Erhöhung des Verständnisses gegenüber Alleinerziehenden, aber ja, ich weiß, wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.
      Aber das fiese ist das die Erschöpfung schleicht, sie kommt irgendwann rein und man bemerkt sie erst garnicht, aber sie schleicht weiter, Tage, Wochen, Jahrelang und schleicht und vergrößert sich, sehr heimtückisch…

      Viereinhalb Jahre hab ich mich komplett alleine um mein Kind gekümmert, jetzt plötzlich, quasi pünktlich zum jetzt langsam einsetzenden Erinnerungsvermögen des Kindes wird sich um sie gekümmert (selbstverständlich nur in seinem beschränkten möglichen Maß, also nur am Wochenende, er hat doch so eine anstrengende Arbeit) und ist beleidigt das ich ihm für diese unendlich großzügige Geste nicht die sofortige Absolution der vergangenen Jahre erteile…puuuuhhh…?…aber ich schweife ab, aber dies war der Grund der mich herführte also musste er jetzt mal kurz vom Kopf aufs Papier (virtuell).

      Toller Blog hier, sehr wichtig, sehr helfend, bitte weitermachen…

      Mutterseelesonnig, deiner übrigens auch…

  6. Liebe Christine,
    Du machst soooo viel richtig, überschüttest Deine Kinder mit Liebe, versuchts alle Bedürfnisse gerecht zu werden, wohlwissend das das nie ganz gelingen kann. Holst Euch rechtzeitig therapeutische Hilfe, wo viele sich die eigene Überförderung nicht eingestehen können.
    Dazu leistest Du soviel Lobbyarbeit für die Sache der Alleinerzieheden.
    Erschöpfung steht Dir zu, Du leistest übermenschliches. Ich habe zwar keine Lösungen, nur ein wenig Empathie.
    Cecilia

  7. Mal im Ernst: Das da noch keiner drauf gekommen ist: Praktikanten oder freiwilliges soziales Jahr (gibt’s das überhaupt noch?) für Alleinerziehende „zugänglich zu machen“. Mir würde jemand genau für solche Sachen fehlen: Hausaufgaben, aufräumen mit den Kindern, den Einen bespassen, damit man Zeit für die Zweite hat oder mit beiden Spiele spielen oder einen Kuchen backen, damit ich mal mit Ruhe den Papierkram erledigen kann. Und das Alles bitte ohne als unfähig und überfordert abgestempelt zu werden. Das wäre schön!

    • Naja, ich habe auch schon bei verschiedenen Stellen angeregt, statt verpflichtender sozialpädagogischer oder psychologischer „Hilfe“, lieber Gutscheine für Haushaltshilfe, Bürokräfte und anwaltliche Beratung zur Verfügung zu stellen.

    • Erziehungslotsen nennen die sich, oder aber auch das Leihgroßelternprojekt. Ist schon jemand drauf gekommen… ;-)

      Für anwaltliche Beratung gibt es Beratungshilfegutscheine vom Amtsgericht.

      Haushaltshilfe gibt es unter bestimmten Umständen von der Krankenkasse oder vom Jugendamt.

      Ansonsten gibt es ja auch in den meisten Städten über die Kirchen oder über die Stadt Freizeitstätten, in denen es Angebote für Kinder gibt.

      Was ich immer sehr traurig finde: Viele Kinder haben haben kaum noch Zeit, sich nachmittags zu verabreden, weil sie im Ganztag sind. Und wenn die Aktionen dann um 15 Uhr angesetzt sind, sind viele Kinder noch in der Schule.

      Das mit den „unglaublich vielen Pflichten“ wage ich mal zu bezweifeln. Es ist immer eine subjektive Wahrnehmung und nicht speziell auf das Alleinerziehenddasein zurückzuführen. Wenn man nicht arbeiten kann, weil die Kinder so betreuungsintensiv sind, dann bleibt einem immer noch die Möglichkeit, mit ALG II aufzustocken.

      Wenn man nämlich extrem alleinerziehend ist und die Kinder nochmal extrem anspruchsvoll, dann weiß man sowas.

      Lerne Nein zu sagen, ohne etwas zu erklären. Lerne, Forderungen zu stellen und den Anspruch zu begründen, ohne dass der andere die ganze Situation erfassen muss.

      Du willst eine Haushaltshilfe, dann überlege: Was braucht die Krankenkasse oder das Jugendamt für eine Legitimation, um so etwas zu bewilligen. Fällst du da rein – ja oder nein? Gibt es eine Härtefallregelung?

      Andernfalls lässt sich noch die Frage stellen, ob man den Haushalt anders organisieren kann oder ob man in bestimmten Bereichen jemanden selbst bezahlen kann, z. B. einen Fensterputzer oder jemanden, der die Flurwoche macht oder mit den Kindern irgendwo günstig essen geht, damit die Küche sauber bleibt.

      Ich denke nicht, dass alle Alleinerziehenden eine Haushaltshilfe brauchen. Frauen, bei denen der Mann nichts im Haushalt macht, kriegen auch keine. Das wäre wirklich uferlos.

      • Da schreibt jemand, der nicht wirklich weiß, was es bedeutet, ae zu sein ;)
        Also wenn die KK eine Haushaltshilfe zahlt, dann nur, wenn man mit 2 gebrochenen Beinen /Armen o.ä.im Bett/Krankenhaus liegt.
        Das JA stellt einem hier in NRW eine Erziehungshilfe, aber diese Menschen sind dazu da, um zu schauen , ob die Familie normal funktioniert.
        Dann gibt’s noch die FamilienPfleger, die kommen aber auch nur bei 2 gebrochenen Beinen und sonstigen Schwierigkeiten, und vor allem nur für einen bestimmten Zeitraum.
        Alg2 MUSS man nehmen, damit man überhaupt existieren kann. D.h. wird bei 3 Kindern kein Unterhalt gezahlt, fehlen mir z.B. ca 500€/Monat. Ich bekomme nur noch für 1 Kind UVS 194€, die anderen beiden bekommen 190€ vom Jobcenter. Ich verdiene im Schnitt ca 800€netto, plus 570€ Kindergeld. Rest wird aufgestockt vom Jobcenter.
        Ich habe einen 100 Std/Monat Bandbreitenvertrag, bekomme 8,92€brutto /Std. D.h.ich muss mindestens 75 bis maximal 125 std /monatlich arbeiten. Bedingt durch den SommerFlugplan hab ich ab April immer am Limit gearbeitet, d h.im Klartext von ca 8-16h gearbeitet (oder wahlweise 4h45-14h). Danach dann Kinder, Haushalt, Arzttermine, Schultermine, eigene Termine wie Gericht, Jobcenter und Anwältin. Manchmal auch Wochenende Dienste. Keine oder kaum Entlastung. Ferien und Urlaub zu 4.fast unmöglich. Kinder wollen auch nicht in jeden Ferien in dieselbe ferienbetreuung. Sind fremdbetreuungsmüde irgendwann. Immer dasselbe Programm seit Jahren!
        Deswegen. …glauben Sie nicht, dass wir dummen unwissenden ae uns nicht richtig informieren.
        Manchmal verzweifelt man allein nur an der Diskussion darum, WER von uns den Müll runterbringt.
        Das Argument, dass Frauen mit Männern auch nicht weniger Haushalt zu tun hätten, kann ich nur müde belächeln. Ja stimmt, er hat damals eigentlich auch richtig wenig gemacht. Aber ich konnte ihm wenigstens die Kinder aufs Auge drücken, so dass ich in Ruhe etwas erledigen konnte. Auch wenn diese Ehe gescheitert ist, ich konnte mit ihm abends absprechen, was am nächsten Tag angesagt war. Wer wen abholt etc.
        Ich will mich nicht beschweren, denn nach häuslicher und seelischer Gewalt bin ich froh, allein leben zu können (und der Unterschied im Haushalt ist gering ) – und meine Kinder in Frieden aufwachsen zu sehen, beruhigt mich sehr.
        Dennoch. …die Erschöpfung nach 4 Jahren alleine, nach 6 Jahren Trennungsprozess (also Erkenntnis /Loslösung der Beziehungsgewalt bis Trennung 2 Jahre) ist extrem vorhanden.
        Das 1.was ich mir gönnen werde, wenn ich endlich mein Geld vom Amtsgericht bekomme – eine Haushaltsperle 1x die Woche und einen schönen Urlaub mit meinen Kindern.
        Einfach selbst bezahlt und ohne Existenzsorgen.

        • Ich weiß ganz genau, was es bedeutet, AE zu sein und zwar ganz und gar wirklich. Ich weiß, was es bedeutet, seinen Beruf aufgeben zu müssen, weil es einfach nicht geht, und zwar in der Ehe und auch danach als AE.

          Ich kenne den Unterhaltsausfall und die Zahlungsunwilligkeit des Vaters, den Ärger mit dem Jobcenter und der vorläufigen Bewilligung und der Anrechnungspraxis durch Zuflussprinzip aus dem ff.

          Ich habe neben den diversen Klagen vor dem Familiengericht auch noch mehrere Klagen beim Sozialgericht anstrengen müssen, weil ich keine andere Wahl hatte, da der Vater bereits vor der Insolvenz eine Lohnpfändung laufen hatte und ich somit keine Chance hatte, den rückständigen Unterhalt jemals zu bekommen.

          Es geht immer noch härter als das, was man selbst für sein schlimmstes Schicksal hält. Die ganzen Informationen mit den gebrochenen Beinen stimmen so nicht, denn ich weiß es genau, denn ich habe keine gebrochenen Beine.

          Meine Ehemann war und ist psychisch krank und das heißt, ich weiß, was es bedeutet, einem Mann ausgeliefert zu sein, der regelmäßig ausrastet und unberechenbar ist. Ich weiß, wie schwer es ist, sich zu trennen, da mein Exmann tatsächlich mit Suizid gedroht hat und ich ihn aber gerade noch in die Klinik bringen konnte, wo er dann monatelang erfolglos behandelt wurde und ich von einem Tag auf den anderen mit allem alleine dastand.

          Und meine Familie ist auch nicht vor Ort. Ich musste mir mein Hilfesystem ganz neu aufbauen und es überwiegend mit fremden Menschen abdecken.

          Es ist ja eine Sache, ob die Kinder fremdbetreuungsmüde sind, aber eine andere Sache, wenn die Kinder sich weigern oder in der Fremdbetreuung so auffällig werden, dass der Kreis der Betreuungspersonen immer kleiner wird.

          Es geht nicht nur darum, sich zu informieren. Es geht auch darum, dass man manchmal Strukturen schaffen muss, die sonst so nicht vorgesehen sind. Dass man sich individuelle Lösungen erkämpfen muss, weil man die Hilfe nicht nach Hause getragen bekommt.

          Ich habe zum Beispiel noch nie im Bezug auch nur eine einzige Bewerbung geschrieben und habe immer gesagt: „Wenn ich jetzt auch noch arbeiten gehen muss, kippe ich tot vom Stuhl.“

          Jetzt nach ein paar Jahren sagen Familiengericht, Jugendamt und auch Jobcenter alle: Arbeiten ist jetzt und für die nächsten Jahre kein Thema. Und meine Kinder sind deutlich über 3 Jahre alt.

          Ich werde definitiv immer Existenzsorgen haben müssen.

          Der letzte Satz hat es eigentlich offenbart, dass es eine Sache ist, eine Krise zu überstehen oder ob das Leben dauerhaft krisenhaft bleibt. Dann hört man nämlich irgendwann auf zu warten, dass die Zeit es schon richten wird und muss selbst aktiv gestalten.

          In dem Sinne vielleicht einfach mal über die eigenen Vorurteile nachdenken…

          • Krass, wie wir anscheinend Ähnliches erleben mussten, aber eben doch ganz unterschiedliche Erfahrungen mit sämtlichen Einrichtungen machten und Begebenheiten aushalten!
            Dein Kommentar las sich für mich so, als sollten wir ae jetzt mal nicht so anstellen.
            Was lerne ich daraus? Immer wieder. ..jeder hat seinen ganz individuellen Weg zu gehen mit seinen Kindern und seinem Schicksal. Und DAS muss einfach honoriert werden.
            Ich hab halt die Erfahrungen gemacht, dass ich zu diversen Stellen gelaufen bin, aber überwiegend abgewimmelt wurde. So nach dem Motto : „Ah, hat ne Familientherapeutin am Start? Kommen Sie erst wieder, wenns gar nicht mehr geht und Sie bereits zusammen geklappt sind!“
            Auch das Jobcenter hatte nix Besseres zu tun, als mich abzuklopfen, ob da nicht noch mehr Stunden drin wären, die Kinder nicht nochn Tick länger betreut werden könnten etc pp.
            Aber Hilfestellung? Pustekuchen!
            Und ich bin weiß Gott kein Weichei.

  8. Liebe Christine,
    seit längerem lese ich sehr gerne ihren Blog. Ich bin begeistert wie ehrlich und direkt sie schreiben. Ich bin zwar nicht alleinerziehend, passe als Mutter einer mehrfach schwerbehinderten Tochter aber auch nicht so recht in die Normvorstellungen unserer Gesellschaft. Das ich trotzdem arbeiten gehe und das sogar ganz gerne finden viele Leute zumindestens erstaunlich. Auserdem habe ich auch nicht immer Lust, irgendwelche Turnübungen mit meiner Tochter durchzuführen nur weil irgendein Therapeut meint das wäre das beste für meine Tochter. Das Wort Therapieterror finde ich manchmal durchaus passend. Ich denke mir dann manchmal, einen Sch….ß muß ich.
    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute und lassen Sie sich bloß nicht verrückt machen.
    Liebe Grüße Marion

  9. Genau so. Das ständige Jonglieren zwischen einerseits mehr Arbeiten fürs Geld, aber Achtung! Befristung mit nur so mittleren Aussichten auf Verlängerung (SO ist das nämlich im Öffentlichen Dienst…. Von der Einstufung reden wir erst gar nicht… ), also Zweitstudium, abends ist ja noch ne halbe Stunde. Ruhe und Struktur für die Kids (nur im Hort wird das nix mit den Hausaufgaben). Arzttermine, üben für die Logopädie, grmpf und eigentlich schreit mein Rücken nach Sport.
    Ich war dieses Jahr tatsächlich 2 Mal abends weg. Großartig, aber der logistische Aufwand… Öfter geht das auch nicht.
    Gerade waren bei uns drei Wochen lang Handwerker im Haus. Das ist immer anstrengend, mich hat es an den Rand des Zusammenbruchs geführt.

  10. Es trifft den Nagel auf den Kopf. Ich habe vier Söhne großgezogen, bzw. zwei sind noch zu hause. Es lief alles so wie hier beschrieben, aber: wir haben einen tollen Zusammenhalt unter allen Brüdern und sie mit mir. Die beiden großen stehen im Berufsleben und sind zufrieden mit ihren Familien und die jüngeren sind noch super Schüler in klasse 11 und 5. Und das alles hätten wir gemeinsam nicht geschafft, hätte ich nicht den Weg des allein erziehens gewählt. Ich bin nun 46 und oft einfach nur noch knülle. Aber mega froh über meine Jungs. Kaum Unterhalt erhalten, glücklicherweise Job mit Verständnis gehabt und der Friede Zuhause war und ist da. Und das war es wert, diesen Weg nicht zu bereuen. Glg an alle!

  11. Weißt du, meine Kinder sind lange in der perfekten Familienidylle aufgewachsen. Mit beiden Elternteilen, ich habe kaum gearbeitet und alles getan, was frau als ambitionierte Vollzeitmutter so tut, die Kinder wurden von vorne bis hinten gefördert und bekocht und betütelt und ich war lange ganz zufrieden damit. Trotzdem ist meine Älteste von Anfang an sehr schwierig gewesen, bekam dann in der Pubertät starke Depressionen und hat mit 15 die Schule geschmissen. Sie hat immer noch viele Probleme. Ihr fünf Jahr jüngerer Bruder tut sich auch mit Vielem nicht leicht.
    Ihre große (Stief-)Schwester dagegen, die mein Mann mit in die Ehe gebracht hat, hatte nach landläufiger Auffassung weit ungünstigere Startbedingungen. Ihre Eltern haben sich getrennt, als sie 2,5 war, sie ist erst im Wechselmodell und dann überwiegend bei der Mutter aufgewachsen, die noch studiert und nebenbei gejobbt hat, in einer winzigen Wohnung mit sehr wenig Geld. Sie war ihre ganze Kindheit und Jugend durch stabil, hat ein gutes Abitur gemacht und ist jetzt eine glückliche junge Frau.

    Ich glaube nicht mehr an einfache Antworten. Natürlich ist es immer gut, sich selber und sein Leben in Frage zu stellen und dazu gibt einem das Muttersein ja immer wieder reichlich Gelegenheit. Aber das ist etwas sehr Persönliches und gut gemeinte RatSCHLÄGE von Leuten, die einen kaum kennen, sind da eher kontraproduktiv. Wie heißt es so schön: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

    In diesem Sinne einen ganz herzlichen Gruß an dich, du Supermum! Ich bewundere dich sehr, obwohl ich als relativ frisch getrennterziehende ganz gewiss auch nicht vollumfänglich nachempfinden kann, was du leistest.

  12. Hallo Frau Finke, doch ich verstehe Sie.Aber auch nur weil meine Mutter auch mit 3 minderjährigen Kindern AE war.
    Mein Vater dachte auch , keinen Unterhalt zahlen zu müssen, würde nur die Mutter treffen.Heute ist er 80 Jahre und sehr traurig, wie er sich verhalten hat.er hat nicht verstehen können, dass sein Verhalten ihn aus der KinderVertrauensebene geworfen hat.Und dies dazu führt auch dieses Jahr wieder Weihnachten ohne Enkel und Kinder zu feiern.
    Ich kann ihnen aber sagen, haben Sie Vertrauen in die Stärken ihrer Kinder. Auch wenn das schwer ist.
    Ja, ich musste früher selbstständig sein.super, dass ich gelernt habe, eigenverantwortlich zu handeln.
    Gut, dass ich verstanden habe, wie wichtig Bildung ( Mama hat in den Jahren gearbeitet und sich fortgebildet)
    Ist, um ein gutes Einkommen zu haben.
    Super, dass ich mir dem Fahrrad fahren musste ( weil die Fahrkarte zu teuer, und kein Mama Taxi)
    Ich habe heute noch eine Superkondition und weiss wie ich den Kopf frei bekomme. Und ich habe Selbstvertrauen, weil ich gesehen habe, auch wenn es schwierig ist, geht es weiter und irgendwann verbessern sich die Lebensumstände auch wieder….die ganze Abstrampelei, lohnt sich….und man erkennt Luxusprobleme und weiss diese zu schätzen.
    Also, hau rein! Die Kinder sind froh eine einfallsreiche Mama zu haben ( ganz sicher )
    Lg Katharina

  13. Weißt du, manchmal wünsche ich mir so eine groß angelegt Kampagne, so wie es die auch für HIV/Aids gibt – so mit Poster und Schleifchen und dann verstehen plötzlich alle, worum es geht und sind voll verständnisvoll und die „Gesellschaft“ wacht auf und man muss auch nicht immer erst lange alles noch erklären….
    Bei mir ist das ja alles noch total am Anfang, aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass gerade Therapeuten offensichtlich in einem Paralleluniversum leben. Ich mag sie sehr und sie machen gute Arbeit und haben mir und meinem Kind viel geholfen, aber das Unverständnis darüber wie lange es dauern wird, bis ich eine Wohnung gefunden haben werde als selbstständige Alleinerziehende hat mich schlicht verblüfft.
    Und ich glaube, was am meisten belastet, mich jedenfalls, ist, wenn ich es nicht gebacken kriege für meine Kinder, wird es keiner tun. Ich muss mich immer wieder neu motivieren, muss immer wieder neu Kraft schöpfen… sonst landen wir alle sonstwo. Ich habe das Glück familiäre Unterstützung zu haben und trotzdem spüre ich die Last der Verantwortung – das alles alleine entscheiden zu müssen und dann auch noch mit einem Mann, der nicht mitzieht, der sich überall querstellt, der seine Unterschriften verweigert und dem es schlichtweg egal ist, dass wir uns dann vor Gericht wiedersehen müssen und dass seine Kinder da durch müssen…
    Aber wem erzähl ich das alles. Ich kann nur wiederholen, was ich an anderer Stelle schon gesagt habe, weißt Du eigentlich, was Du leistest? Wahnsinn, Hut ab! Und trotzdem würde ich mir wünschen, dass es für alle, die es brauchen (und das sind vermutlich fast alle Alleinerziehenden) einfache, schnelle. problemlose Unterstützung geben würde. Einfach so. Weil wir uns das als Gesellschaft leisten.

  14. Vorab: ich habe großen Respekt vor dem, das Sie tagtäglich leisten. Ich könnte es nicht, ich wollte es nicht und möchte deshalb auch nicht in Ihren Schuhen wandeln. Aber Sie möchten auch nicht meine Schuhe anziehen. Ich habe generell immer etwas Probleme mit Schwarz-weiß-Denken und bin ein Mensch der Zwischentöne, denn genau das macht für mich Empathie aus. Zum Zweiten bin ich kein Freund des Schuld-Begriffes, aber in beiden Richtungen. Genauso wenig wie Sie „Schuld“ sind an Ihrer Situation, sind die anderen „Schuld“, sie nicht zu verstehen. Und Sie sind auch nicht Schuld, wenn Sie sich in andere Situationen nicht zu 100% hineinversetzen können. Mir gefällt da das Wort Verantwortung etwas besser, denn für viele Dinge, die uns in unserem Leben passieren, tragen wir einen Teil Mitverantwortung, auch wenn wir uns das im Moment der Entscheidung alles anders vorgestellt habe. Sich oder auch anderen gegenüber das einzugestehen ist schwierig, ist aber manchmal glaubwürdiger und hilfreicher im Gespräch, weil es eben kein Schwarz-weiß Denken ist.
    Es gibt aber auch Dinge, auf die wir absolut gar keinen Einfluss haben, die uns einfach schicksalhaft passieren und die sich auch nicht ändern lassen, z.B. das Erkranken an einer chronischen unheilbaren Krankheit. Hier kommt dann auch der Begriff der Relation ins Spiel. Wer hat das größte Problem, wer hat es noch schlimmer als der andere, wer trägt wie viel Verantwortung/Schuld an seiner Situation?! So viele Menschen tragen Päckchen unterschiedlichster Art und jeder sieht sein eigenes Paket am schwersten und den Handlungsbedarf dort am größten. Ist doch klar. Das Einzelkind, das über Jahre pflegebedürftige Eltern versorgen muss, neben einem Fulltimejob kommt vielleicht ebenso an seine Grenzen wie Sie. Und der Staat muss an allen Ecken helfen, kann aber nun mal nicht alle Probleme vollständig lösen.
    Ich gebe Ihnen Recht, das Therapeuten vielleicht mehr aufgeklärt werden müssten, wie die Realität in vielen Fällen aussieht. Im privaten Umfeld finde ich das problematischer. Sie wünschen sich, das man in ihren Schuhen läuft um zu spüren, wie es sich anfühlt alleinerziehend zu sein. Aber fahren Sie einen Tag mit dem Rollstuhl durch die Stadt, um zu spüren wie man sich als körperlich behinderter Mensch fühlt? Man glaubt immer, wahnsinnig emphatisch zu sein, aber letztlich dann doch meistens nur bei seinen eigenen Themen. Und das ist auch menschlich und natürlich.

    • Ich stimme zu – der letzte Absatz ist absolut wahr und wichtig, und ich weiß das auch. Ich habe aber keine andere Lösung, als dass man sich das immer wieder bewusst macht. Sich selbst und den anderen auch.

    • Danke für das Wort ‚Mitverantwortung‘. Ich habe lange nach einem sich richtig anfühlenden Wort gesucht beim Nachdenken über schwierige Lebenssituationen, die nicht einfach als Schicksalsschlag betrachtet werden können.

  15. Ich traue mich nicht mehr, so offen zu reden und meine Selbstreflektionen zu teilen, weil „die Experten“ nur das sehen, was sie sehen wollen und sich für sich selbst oder weil es irgendwo anders steht, nicht vorstellen können. Die relative Überlastung, die sie zu einer absoluten deklarieren und mir dafür mein Sorgerecht streitig machen und noch mehr Termine und ressourcenfressende Bevormundung aufdrücken.

    Und gleichzeitig bin ich froh, dass Ihr Euch noch nicht habt mundtot machen lassen, denn das macht die Situation auch nicht besser, für niemanden.

    Andererseits denke ich zunehmend, dass in unserer prekären Situation nur noch Öffentlichkeit einen gewissen Schutz gegenüber der Willkür der „Experten“ bietet.

    • Ja, Öffentlichkeit ist wichtig. Für viele Alleinerziehende, insbesondere wenn sie sich aus Beziehungsgewalt befreit haben, gab es bisher kaum Sprachrohre. Meist fehlt die Energie, sich öffentlich für seine Rechte einzusetzen, oder man hat Angst und Scham, sich öffentlich zu äußern. Daher ist der Blog von mama arbeitet so wichtig und es ist gut, dass sie eine so große Leserschaft mit ihren und unseren Themen erreicht.

  16. Ein großartiger Artikel – ich wünschte, meine erwachsenen Kinder würden ihn lesen. Ich habe sie auch praktisch alleine großgezogen, leider noch mit missgünstigen Kommentaren interessierter Dritter. Beide haben Spitzenabitur, Studium, jetzt Job – aber ich bin abgeschrieben, weil ich ja so eine schlechte Mutter war, die nie all das tat, was eine „gute Mutter“ hätte tun müssen. Statt dessen habe ich oft 50 Stunden pro Woche gearbeitet, um uns Wohnung etc. leisten zu können – ich hatte branchenbedingt nicht die Möglichkeit, weniger zu arbeiten, Alternative wäre zumindest anfangs eine Assistentenstelle an der Uni gewesen – aber die gab es nicht für Alleinerziehende, das hat man mir an mehreren Lehrstühlen mehr oder weniger deutlich gesagt.
    Ich hatte gedacht, wenn meine Kinder älter würden, käme das Verständnis für das, was in jener Zeit ging und was nicht: Fehlanzeige. Leider gab und gibt es in meiner Familie zu viele Leute, die das genauso sehen und sie in ihrer Haltung bestärken. Bedingung, die mir gestellt wurde: Familientheraphie, damit ich einsehe, was ich alles verbockt habe.
    Ähm – in dieser lieben Familie gibt es mehr als 50% Lehrerfamilien. Meine Kinder lernten, in ordentlichen Familien sind die Eltern nachmittags zu Hause, haben keine auswärtigen Veranstaltungen und dieselben Ferien.
    Vielleicht bin ich etwas o.T., sorry – aber ich war einfach zu froh zu lesen, dass es anderen ähnlich geht wie mir damals, dass es vielleicht doch nicht alles meine Schuld war …
    Danke, Christine.

  17. Drei Kinder sind eine Wahnsinns-Aufgabe, und das alleine. Ich ziehe den Hut! Und Therapeuten sagen nur, was sie eben objektiv empfehlen würden, ohne die Lage des einzelnen zu berücksichtigen. Und das können sie auch gar nicht. Dass das bei dem Betroffenen zu einem schlechten Gewissen führen kann, weil er/sie das gar nicht bewerkstelligen kann, steht auf einem anderen Blatt. Da kann der Therapeut nichts dafür. Sie sind alleinerziehend und das nicht freiwillig, es hat sich leider so ergeben. Schade ja. Jeder, der (3) Kinder in die Welt setzt sollte sich aber vorher im Klaren sein, dass das heile Familienleben eben auch mal kaputt gehen kann und dass man dann alleine dastehen könnte. Mit allen Konsequenzen, von Geldnöten über Zeitknappheit und Erschöpfung.

      • Auch wenn die Liebe nicht ewig hält (oder andere Gründe: – der Partner kann versterben oder durch Krankheit ausfallen etc.) sollte nicht alles alles alles an der Mutter allein hängenbleiben. Das ist nicht zu leisten ohne Schäden für alle Beteiligten. Hier ist unser „Sozial“staat und unsere „Sozial“politik völlig blind.

    • Bei Therapeuten, die nicht die Lage des Einzelnen erkennen/berücksichtigen, sogar bei ihren Klienten /Patienten ein schlechtes Gewissen hervorrufen, anstatt wie z.B. hier bei extremster Super-Leistung als Alleinerziehende Mama-arbeitet diese eben gerade davon zu entlasten, sollte die „Therapie“ abgebrochen werden. Besser keine Therapie, als eine welche die Probleme verschärft bzw. noch weitere schafft. Was solls, sie machen das doch sicher auch ohne weiterhin sehr, sehr gut!
      Gratulation den Kindern zu dieser aussergewöhnlichen Mama!

    • Hallo Lilo, ich möchte auf den letzten Teil Ihres Kommentars eingehen.

      Ja es stimmt, es gibt KEINE Garantie dass eine Beziehung die im Jahr X noch super läuft und schon seit vielen Jahren und einem oder mehreren Kindern gut läuft auch im Jahr Y oder Z noch hält, da gebe ich Ihnen vollkommen recht – ganz abgesehen von Schicksalsschlägen wie schwere Krankheit oder Tod.

      Und sich in aller Härte im klaren darüber sein, wie es ist, ganz alleine mit Kindern dazustehen kann man sich vorher genau so wenig, wie man sich vor dem ersten Kind vorstellen kann, was es bedeutet, Mutter zu sein.

      Aber selbst wenn dies möglich wäre und wenn ich dann Ihren Gedanken konsequent bis zum Schluss weiter führen würde, dann würde das bedeuten, dass jede halbwegs vernünftige Frau sich (angesichts der Scheidungsstatistik) weigert, überhaupt Kinder in die Welt zu setzen.
      Es sei denn sie stammt aus einer Grossfamilie, die sie im Fall der Fälle auffangen kann oder sie verfügt über ein eigenes Vermögen, das ihr erlaubt, sich freie Zeit für die familiäre Care-Arbeit zu leisten und eine Reihe von Serviceleistungen zur Entlastung im Alltag kaufen zu können. Und das dürften relativ wenige sein…
      Und ein paar Jahre später folgt der Aufschrei der Demographen…
      Ist das wirklich die Lösung?

  18. Liebe Christine, ganz viel Kraft und Geduld wünsche ich dir! Ich habe den allergrößten Respekt vor Alleinerziehenden und ich bin mir sicher, dass es zumindest den meisten (Mit-)Eltern in Deutschland auch so geht. Natürlich ist ein Umdenken durch die Politik und mehr Unterstützung durch die Gesellschaft nötig, an der du ja auch ganz fleißig arbeitest. Schade, dass das durch Alleinerziehende angestoßen werden musste, die ja ohnehin schon überlastet sind. Aber ich denke, dass deine Mühen sich lohnen!

  19. ((((drück))))
    Ein erstaunlich empathieloser Spruch, dieses „ich könnte das nicht“ – erschreckend hirnlos herausgeplaudert, weil er das Gegenüber je nach Stimmlage hart angehen kann.
    Als ob der Nachrichtenempfänger eine Wahl hätte!
    Erstens ist der Mensch zu erstaunlich viel fähig, wenn er muss.
    Zweitens sollten Sender dieser Nachricht doch lieber den Hintern lupfen und Hilfe anbieten statt Worthülsen zu liefern.
    Knurr!

    • Als empathie- und hirnlos lasse ich mich hier nicht beschimpfen. Ein ((((drück)))) ist natürlich viel konstruktiver und hilfreicher, schon klar. Wenn ich sage, „Ich könnte das nicht“, dann kannst Du mir das bitte einfach glauben. Ich habe mich bewusst gegen Kinder entschieden, weil ich es aufgrund meiner Situation NICHT KANN und muss deshalb auch anderen keine Hilfe anbieten. Wenn hier keine anderen Sichtweisen und Denkanstöße erwünscht sind, sondern nur „Drücker“ und völlig unkritische Zustimmung, werde ich mich zukünftig diesbezüglich hier zurückhalten.
      Christine, dieser post geht natürlich nicht gegen Sie, im Gegenteil, aber diesen unverschämten Text konnte ich jetzt nicht so stehenlassen.

  20. Liebe Christine,
    natürlich kenne ich das auch alles!

    Zum Thema „Therapie“ etc hab ich folgende Erfahrungen gemacht.
    Es gab eine Phase nach der Trennung (ca 1 Jahr danach , da dachte ich, die Kinder entgleiten mir. Sie waren verloren zwischen Trauer, Wut, Verzweiflung und dem jahrelang agierendem System unserer Familie (was ich durchbrochen habe. Das jahrzehntelange, von Generation zu Generation übertragene Familientrauma meines Exmannes hab ich durch meine Flucht mit den Kindern durchbrochen, hab ich auch erst im Jahr 5 danach erkannt ) . Irgendwann, als mein Sohn mit seinen 12 Jahren mit Möbeln schmiss und wir uns beide angriffen, worauf ich meine linke Hand im Gips wiederfand, dachte ich: HILFE. Ich war schon vor der Trennung, während und danach auch bei diversen Beratungsstellen. Auch beim JA. Das hat mich immer abgewimmelt. Also nahm ich eine von mir privat organisierte systemische Familientherapeutin zur Hilfe. Diese coachte mich durch diese harte Phase. Und zwar NICHT mit: „Sie müssen aber auch mal was für sich tun!“ Etc pp. Sondern wir besprachen aktuelle Vorkommnisse und wie ich sie praktisch bewältigen kann. Nicht das tiefenpsychologische Geschwurbel! Nein, es waren ihre „anderen“ Fragen zu bestimmten Themen und Geschehnissen. Fragen, die unserer Gefühle betrafen in diesen Situationen. Es gab auch eine Familiensitzung, was den Kindern die Möglichkeit gab, ihre Dinge aus ihrer Sicht dem Geschwister darzustellen. Ganz wichtiges Ding!!
    Und ich habe eine systemische Aufstellung meiner Familie in einer Großgruppe gemacht. Danach war ich mit mir im Reinen. Es war eine tolle Erfahrung, die ein Meilenstein war.

    Inzwischen habe ich verstanden (und das spiegeln meine Kinder), dass ich als Mutter nicht versagt habe. Ihre Basis stimmt. Sie sind willkommen gewesen und das führe ich fort. Auch, wenn der Vater leider weggebrochen ist und uns seine schlimme Familiengeschichte mitgegeben hat. Er kann nur schwach sein dadurch. Die Trennung nach Beziehungsgewalt mit traumatischen Erlebnissen für uns hat mich dennoch stark gemacht. Auch, wenn ich oft dachte und denke, dass ich keinen Meter weiter schaffe.

    Im Frühjahr ist mein Sohn mit 13 Jahren ziemlich zusammen geklappt. Wollte nicht mehr in die Schule, ich habe gedacht „aha Fauleritis“ und sagte ihm, er soll aufstehen und ich schreib ihm keine Entschuldigung fürs Schwänzen. Es brach aus ihm heraus: „Der Papa erpresst mich!!!“ – und da war es. Danke Sohn, dass Du mir das sagst, ich ließ mich neben ihm nieder und dachte: jetzt.nur.nicht.falsch.reagieren. Ihm die Freiheit geben. Ihm zeigen, DASS er in Freiheit ist. Dass ich ihm die Wahl lasse.
    Er sprach selbst aus, dass er manipuliert wird. Dass der Papa ihn nicht akzeptiert, wie ER ist. Er soll immer nur so sein wie Papa es will. Sein Abziehbild. Dass er keinen Widerspruch duldet. Dass er ihm vorschreibt, wie er zu fühlen hat. Dass er den Kontakt abbrechen möchte, weil sein Vater nicht die Ebenen zwischen Kindern und Exfrau trennen kann („Ah jetzt kommst Du mit Liebesentzug, das hatte ich schon 13 Jahre mit Deiner Mutter! “ )
    Ich schaltete seine Klassenlehrerin und die Schulpsychologin ein. Diese riet mir zu einer Jugendberatung zu gehen. (Die ich auch kontaktierte ).
    Mein Onkel, ein langjähriger Sozialpädagoge im Ruhestand und irre vielen Erfahrungen, prophezeite mir, dass der Sohn dort nicht hingehen wird, weil er zu mir ein großes Vertrauen hätte. Und weil er nicht als einzelner zu jemanden hingehen wird, wenn doch die Eltern es verbockt hätten, wofür die Kinder nix können – und sich so falsch fühlen. „Mit mir stimmt was nicht! “
    Was soll ich sagen?
    Genauso ist es eingetreten. Wieso sollte er sich jemandem Fremden öffnen, wenn er doch mit mir reden kann, sagte er. Er hätte keine Lust, als einziger zu sowas hinzugehen.
    Bingo. Also sagte ich ihm: wenn es Dir nochmal so schlecht geht, und wir nicht mehr weiter kommen, gehen wir alle 4 zusammen zu einer FamilienBeratung.

    Dieser Zusammenbruch vom Sohn war der Startschuss für mich, uns alle, dass wir reden. Und zwar richtig. Über das, was uns bewegt, berührt, ärgert. Der Sohn hat den Kontakt mit dem Vater abgebrochen. Wir reden unheimlich viel über nicht geweinte Tränen, über Sexualität(Pubertät! ), über das was uns beschäftigt und auch das, was wir an traumatisch erlebten Szenen erleben mussten. Dabei habe ich gelernt, als Erwachsene dafür die Verantwortung zu übernehmen. Ich hab gelernt, andere Fragen zu stellen. Ich habe gelernt, dass ich von meinen Kindern so viel lernen darf. Ich habe gelernt, schonungslos offen und ehrlich zu sprechen und zu fragen.

    Keine Ahnung, ob wir jemals eine Therapie zusammen machen. Wenn, dann werde ich aber die Systemische Familientherapie wählen. Ziemlich effektiv.

    Ich bekomme viel das Feedback von Sohns Freunden, die sich wundern, über was er mit mir sprechen kann.
    Der Sohn dagegen ist schon fast erschüttert, dass seine Freunde anscheinend nicht mit allen Fragen zu ihren Eltern gehen können.

    Und da ist die Frage : was IST denn überhaupt Erziehung?
    Die Antwort ist so einfach : Erziehung ist BEziehung.
    Du als Eltern hast die Verantwortung dafür. Du bist der Leuchtturm für die Kinder, der Fels in der Brandung, die Leuchte in der Nacht.
    Meine Jüngste hat seit September kreisrunden Haarausfall diagnostiziert bekommen. Ein Schock für mich. Und dennoch. …endlich ein Zeichen für ihren Kummer. Sie war immer die Süße, die fröhlich und lieb ist, keine Probleme in der Schule usw. Ich dachte immer: wo steckt das Kind seinen Kummer hin? Hat es überhaupt welchen?
    Inzwischen habe ich begriffen, dass die beiden Großen ja artikulieren konnten und können, was sie miterleben mussten. Aber die Kleine war damals eben noch richtig mini. Sie ist also mit diesem miesen Gefühl aufgewachsen. Das sie nie richtig in Worte fassen konnte. Sie hat sich entschieden, immer eben keinen weiteren Reibungspunkt darzustellen. Die Mittlere dagegen war/ist der Seismograf, der sofort heftig emotional ausschlägt. Und der Große ist das Brain. Sucht logische Erklärungen. Definitionen.

    Das ist mein Weg mit traumatisierten Kindern. Er geht weiter und er ist eine richtige Aufgabe. Er kostet mir auch wahnsinnig viel Kraft, aber! Er gibt mir in der Wechselwirkung auch so viel, dass ich mich bereichert fühle.
    Ich sehe es kritisch, meine Kinder in Therapie zu begeben. (Zudem ich ja auch da auf die Gegenwehr oder Nichtmitwirkung des Vaters rechnen muss) Und das hat nichts damit zu tun, dass ich dann keine Kontrolle mehr hätte/ich das Eigenleben nicht akzeptiere/Therapie nix bringen würde etc. Sondern weil sich meine Kinder dann als *nicht-richtig“ empfinden. Auch, obwohl ich immer betone, dass ein Seelendoktor genauso wichtig für die Menschen wie ein Hausarzt ist.
    Ich glaube daran, daß alles seine Zeit hat. Dass ich die Zeichen schon erkennen werde. Und dass ich den Kindern hoffentlich beibringen konnte, zu erkennen, wann im Leben Hilfe von außen sehr wertvoll ist.

    Wir sind intelligente, reflektierte Frauen. Wir leben das unseren Kindern tagtäglich vor.
    Und oftmals erkennt man erst als Erwachsene, was für System in einem „wirkt“.
    Und so lange, wie Liebe auf ein kindliches System gespielt wird, können die Stürme im Leben schon hart sein. Der Leuchtturm steht! Denn die ungeschränkte Liebe ist das Fundament von morgen.
    Keine Ahnung, ob Du damit jetzt was anfangen kannst.
    Du hast mir schon so oft mit Deinen Texten Denkanstöße gegeben, dass ich Dir vielleicht hier mit meiner Offenheit eine kleine Hilfestellung zurück geben kann.

    Alles Liebe und denk dran…..immer wenn wir denken, es geht nicht Einen Schritt weiter, passiert etwas, womit wir nicht gerechnet haben.
    Eva

  21. Nachschlag:
    »Kinder hören nach zehn bis zwölf Jahren oft damit auf, die Fragen ihrer Eltern zu beantworten – oder sie antworten ebenso routiniert und unpersönlich, wie sie gefragt wurden.« Jesper Juul • familylab.de

    Das ist so ein Zitat, was mir die Augen geöffnet hat.

  22. Große Bewunderung vom meiner Seite! Bin mir aber unsicher, wie man das als Außenstehender handhaben soll. Ich würde erstmal das Maximum an Tipps/Empfehlungen (egal, ob von Ärzten, Therapeuten, Lehrern, Erziehern, wem auch immer) für sinnvoll halten, wenn man dazu sagt, „so, wie es für diese Familie passt“ und was am unentbehrlichsten ist. Denn ob eine Familie mit irgendwelchen Terminen überfordert ist, hängt von den Einzelpersönlichkeiten ab. Dass Alleinerziehende objektiv mehr schaffen müssen, ist dabei unbestritten, jedoch ist alleinerziehend auch nicht gleich alleinerziehend. Die Idee mit den Praktikanten von weiter oben ist aber mal gut!

  23. Ich bin auch alleinerziehend – ohne kümmernden Vater -, aber ich komme ganz gut klar damit. Man bekommt eben beruflich einige Steine in den Weg gelegt, aber darum nehme ich jetzt auch einfach keinen Job mehr an, der mit Kind nicht funktioniert. Als Alleinerziehende kann ich mich eben nicht an den Job anpassen, sondern der Job muss zu mir passen oder ich habe eben keinen Job. Den Stress, mich anzupassen, gebe ich mir nicht mehr. Ich bin Mutter, das ist als Aufgabe ohnehin schon eine Leistung.

  24. Seit Jahren höre ich nur auf mein Gefühl. Lese keine Ratgeber, meide Ratschläge von Anderen oder lasse sie quasi ungehört an mir abprallen. Ich habe gelernt, wegzuhören und unbeirrt unseren Weg als Familie zu gehen. Wie ein Pferd mit Scheuklappen, das unbeirrt dem Ziel entgegentrottet.
    Dabei nicke ich freundlich und lächle, denn Lächeln ist die schönste Art die Zähne zu zeigen :)
    Die Anderen verstehen mich eh nicht. Es interessiert sie auch nicht, sie wollen nur ihren Senf und ihre Sichtweise quit werden. Und so stapfen die Kinder und ich ziemlich unbeirrt und fröhlich pfeifend durchs Leben.
    Denn eigentlich geht es uns grundsätzlich gut, wir haben Alles was wir brauchen, nach rechts und links sehen erzeugt nur Neid und macht traurig.

  25. Für mich einschneidende Erkenntnis:
    Ich unterhielt mich mit einer Kollegin, wie es wäre, wenn jedem zukünftigen Elternteil klar wäre, dass bei einer Trennung die Betreuung der Kinder standardmäßig im Wechselmodell (50/50) erfolgt. Weiterhin schlug ich einen verpflichtenden Kurs über respektvollen, liebevollen Umgang, die Pflichten sowie die Rechtsfolgen in einer Ehe vor. In D ist es für viel einfachere Dinge als eine Ehe (Angeln, Motorsäge) erforderlich, entsprechende Kurse zu absolvieren.
    Daraufhin schaute sie mich staunend an und meinte, dass ja dann wohl kaum noch jemand Kinder haben wolle. In dem Moment wurde mir klar, dass viele Frauen die Kinder als ihren persönlichen Besitz verstehen. So kann das nichts werden. Wie naiv und sorglos bin ich damals ins Erwachsenenleben gestartet.

  26. Zu Beginn meiner Berufstätigkeit als Grundschullehrerin (damals jung und kinderlos) hatte ich ein Beratungsgespräche mit einer alleinerziehenden Mutter. In diesem Gespräch ging es um den Übergang in die weiterführende Schule. Diese Mutter brach während des Gesprächs in Tränen aus, weil sie mit dieser Entscheidung so alleine da stand. In dieser Situation habe ich in kürzester Zeit sehr viel gelernt, noch heute nach fast 20 Jahren denke ich immer wieder daran und bin sehr dankbar, dass diese Mutter mir damals die Offenheit entgegenbrachte! Ich hoffe, dass ich alleinerziehenden Eltern das nötige Verständins entgegenbringe.
    Ich wünsche viel Kraft und gute Begegnungen mit empathischen LehrerInnen.
    Alles Gute, Kathrin

  27. Ja, meine Situation sieht ganz genauso aus, wie hier geschildert mit drei Kindern.
    Der Mangel an Wahrnehmung durch das Umfeld der DINKs und Singles ist gerade im Beruf extrem belastend und macht krank, da wir seltsamerweise auf unser Budget achten muessen und nicht 2x pro Jahr in Urlaub fahren koennen….?
    Ich erkläre inzwischen meine Position immer sehr freundlich, so wie man mit Begriffsstutzigen spricht. Ich weiß nicht, ob das hilft, aber anders werde ich mit der Situation nicht mehr fertig. Ich fuehle mich danach erleichtert…

  28. Ich habe 35 Jahre lang ein Kind „alleinerzogen“ (ab einem bestimmten Alter ist man nicht mehr „Erzieher“, sondern „Bank“, deshalb mag ich den Ausdruck nicht so). Der hatte mit 2 Jahren Krebs, mit OP, Chemotherapie und dem ganzen Programm. Da war ich noch Student und konnte es zeitlich machen (habe einfach meine Prüfungen verschoben. Das war wie „Bundeswehr“: man mag es nicht, aber man muss trotzdem durch). Hinterher war ich voll berufsträtig. Habe mir natürlich innerhalb des Spektrums dessen, was ich gelernt hatte, den Zweig herausgesucht, der mir zeitlich am meisten Flexibilität lässt. Alles andere war eine Frage des Zeitmanagments. Manche Tage kamen mir vor, als hätte ich das Kursbuch der Bundesbahn geplant. Ich habe auch die Beziehung meines Sohnes zu seiner Mutter gefördert. Schon aus egoistschen Gründen – hatte ich mehr Zeit für mich. Als ich am Schluss nur noch Zahlemann war, dachte ich, ich mach‘ ne Riedenflasche Schampus auf, wenn das vorbei ist. Und als es vorbei war – habe ich geheult wie ein Schlosshund. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Ich habe mich damals nicht beklagt und werde mich heute nicht beklagen. Das einzige, das mir auf den Geist geht, sind die Feministinnen mit ihren misandrischen Hasskommentaren, die immer gegen ALLE Männer gerichtet sind. Das weckt in mir noch mehr Abwehr, als in „normalen“ Männern. Das sind Schuhe, in denen Du auch keinen Meter laufen wolltest. Das ganze hinter dich bringen und in jeder Zeitung, die du aufschlägst, jedem Kommentar, den du irgendwo list, misandrische Feministinnensprüche gegen die ach so schlechten Männer hören.

  29. Hallo,
    ich bin zwar nicht allein erziehend, kümmere mich aber auch überwiegend alleine um alles, was unsere drei Kinder betrifft. Das hat sich so ergeben, bewusst geplant war das nicht. Wenn aber ein Elternteil beruflich viel unterwegs ist, teilweise auf Geschäftsreisen ins Ausland etc. geht das einfach nicht anders. Würde ich auch beruflich so eingespannt sein, könnten wir die Kinder gleich ins Heim geben – ist einfach so. Anspruchsvolle Berufe erfordern nun mal ein 24Std.-Engagement. Mein Mann sitzt manchmal auch noch bis Mitternacht im Büro. Ändern lässt sich das leider nicht – er ist nun mal weder Lehrer noch Standesbeamter. Dieses Arbeitspensum war bei der Geburt des letzten Kindes auch nicht absehbar. Ich arbeite auch, bin aber am Nachmittag für die Kinder da. Das müsste ich auch, wenn ich allein erziehend wäre – sonst würden die Kinder durchdrehen… Delegieren kann man – so wie Christine schon ganz richtig bemerkte – nichts! Gar nichts! Niemand, kein Arzt, kein Lehrer, kein Erzieher, kein Therapeut oder Horterzieher oder Hausaufgabenbegleiter fühlt sich für irgendwas zuständig. Das wird alles ans Elternhaus zurückdelegiert – und wenn beide Eltern sich nicht kümmern wollen oder aus Zeitgründen nicht können, hagelt es schlechte Noten oder Verhaltensstörungen. Hier bei uns gibt es Lehrer, die allein Erziehenden sogar davon abraten, ihre Kinder aufs Gymnasium zu geben. Grund: Die allein Erziehende hätte ja gar keine Zeit mit dem Kind zu lernen. Dass dafür vielleicht die Lehrer zuständig sind – nö. Und so ist es mit allem. Wer sich nicht selbst kümmern kann oder will, dessen Kind hat schlechte Karten und wird abgehängt. In Einzelfällen kommen die Kinder – so wie Christines Große – alleine klar. Aber das sind echt Ausnahmen und keineswegs die Regel.

    Gruß, Herta

  30. Ja, das stimmt. Selbst angebliche Hausaufgabenbetreuung in der Schule heißt, dass die Kinder mit nur teilweise gelösten Hausaufgaben, falschen oder nicht verstandenen Hausaufgsben heimkommen und wir jeden Tag nacharbeiten müssen plus zusätzlichem Üben. Es ist viel Arbeit, ich beiße oft die Zähne zusammen.
    Ich überlege auch den Kinderarzt zu wechseln. Seitdem ich erwähnt habe, dass ich Alleinerziehend bin, habe ich den Eindruck, er will mich in Schubladen stecken. Erst sollte das eine Kind ADHS haben, dann das Andere Ads. Beide Kinder sind meiner Meinung nach komplett normal und gesund, kommen überall klar und in der Schule mit.
    Es ist echt eine Sauerei, finde ich. Beim nächsten Arzt werde ich kein persönliches Wort mehr verlieren.

  31. Seltsam … und Männer gehen 10 h / Tag arbeiten und sind nicht daheim. Da schreit keiner. Die Kinder wurden doch alle gewollt. Für jedes Kind wird ein Mann Unterhalt zahlen und für die AUtorin mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls.
    Warum schreiben nur Frauen, wie schlecht es ihnen geht in einer Situation, die sie heutzutage selbst gewollt haben? Warum sind Frauen verantwortlich für 66% der Scheidungen?
    Warum entziehen andere Frauen den Vätern Umgangszeit mit ihren Kindern, wenn diese doch angeblich sooo stressig sind?

    • Erstens: ich kenne viele Alleinerziehende. Fast alle, ich würde sagen 98%, wünschen sich dringend, dass der Vater mehr Zeit mit dem oder den gemeinsamen Kindern verbringt. Zweitens: Frauen lassen sich scheiden, weil die Ehe unerträglich wurde. Das ist auch schädlich für ein Kind. Und drittens: dass Männer 10 Stunden arbeiten, ist ja in ihrer Verantwortung. Genausogut könnte das die Frau tun (ich habe 3 Monate nach der Geburt des ersten Kindes wieder Vollzeit gearbeitet. Und mein Mann blieb zuhause bei dem Kind.) Es funktioniert halt nur, wenn auch das Einkommen reicht. Dank meiner guten Ausbildung konnten wir das so machen.

      • Aus Gesprächen mit abgetrennten Vätern und aus eigenem Empfinden hat sich für mich ein wichtiger Punkt herauskristallisiert, warum von den Vätern oft wenig Eigeninitiative kommt, die Kinder öfter zu betreuen. Von vielen Müttern wird vorausgesetzt, dass nach der Trennung die Kinder bei der Mutter leben. Dies ist noch ganz tief im allgemeinen Gedankengut verwurzelt. Es verbleibt dann eine Kernfamilie aus Frau und Kindern. Bei Vätern entsteht ein Gefühl des ausgegrenzt seins, sie bleiben quasi als Rest zurück, oft gedemütigt und entsorgt. Jeder Kontakt mit den Kindern schmerzt und macht bewusst, dass das Projekt Familie gescheitert ist. Den regelmäßigen Kontakt zu halten, fällt sehr schwer. Dies kann von Seiten der Frauen nicht nachvollzogen werden, dass muss man selbst erleben. Oft fehlt dann die mentale Kraft, den Kontakt beizubehalten. Die Begründung mit fehlender Zeit oder mangelndem Interesse sind oft nur vorgeschoben, um sich vor der Situation zu schützen. Jede Mutter soll doch bitte mal das Gedankenexperiment machen, wie es wäre, wenn die Kinder beim Vater leben. Dazu käme noch die Aufgabe, entsprechenden Unterhalt zu generieren. Die Mutter hätte allerdings den großen Vorteil, dadurch wesentlich mehr Steuern zu zahlen, ist doch toll, oder?

        • Da ist sicher etwas dran, und ich glaube, die Lösung wäre, schon vor der Trennung eine gleichberechtigte Beziehung zu leben. In der beide arbeiten und das Kind betreuen, am besten tatsächlich 50:50. Meiner Meinung nach ist es nämlich nicht so, dass die Kinder zur Mutter gehören. Und auch nicht, dass Mütter „den besseren Draht“ zu Kindern haben und es ihnen irgendwie in die Wiege gelegt sei, sich um sie zu kümmern. Wir brauchen mehr Gleichberechtigung. Das wäre dann am Ende auch gut für die Trennungskinder, weil sich auch nach einer Trennung beide fürs Kind verantwortlich fühlen.

          P.S.: Das mit den Steuern ist ein Irrtum. Steuerklasse II besteuert Alleinerziehende fast wie Singles.

  32. Vielen Dank für diesen Beitrag (und den Blog), obwohl ich ehrlich gesagt beim Lesen noch mehr Angst bekomme. Ich wurde in der 12. Schwangerschaftswoche (aktuell 20.) wegen der Schwangerschaft verlassen. Zwei Monate zuvor habe ich erst mein Studium abgeschlossen und bislang noch keinen Job.
    Noch kann ich also nicht mitreden, bekomme nur in Beratungen immer wieder den wundervollen Tipp „auf mich zu achten und zu machen, was mir gut tut“. Zumindest das kann ich also nachfühlen.
    Wie gesagt hauptsächlich bekomme ich Angst, vor dem, was noch alles kommen wird und dennoch danke fürs Teilen und Zeigen, dass es eben vielen anderen auch so geht.

    • Hallo Briefeschreiberin,
      niemand kann dir die Ängste vor der ungewissen Zukunft nehmen. Vielleicht kann ich dich trotzdem etwas aufbauen. Ich selbst bin alleinerziehend (diese Wort mag ich übrigens überhaupt nicht, der englische Begriff Single Mum ist soviel optimistischer) seit mein Sohn 1,5 Jahre ist, habe nie Unterhalt bekommen und das Verhältnis zu meinen Eltern ist auch eher schwierig. Zeitweise hatte ich wieder einen Partner, aber mit dem habe ich nicht zusammengewohnt. Heute geht es uns beiden trotzdem gut, komme finanziell inzwischen gut zurecht und mein Sohn kommt in der Schule gut mit (9.Klasse Gym), ist integriert und es gibt keine größeren Probleme. Mehrmals hat er außerdem schon einen Preis bei Jugend forscht gewonnen, darauf war ich schon auch stolz. Die Kleinkindjahre, insbesondere das erste Jahr- war schön, aber mein Sohn war sehr fordernd und es war richtig anstrengend. Aber das ist mehr oder weniger normal, das zweite Jahr ist leichter als das erste, das dritte Jahr leichter als das zweite. Als Baby hat er extrem geklammert (wollte ich z. B. bei der Krabbelgruppe mal auf die Toilette ging gleich das Geschrei los) und nun habe ich den Eindruck er braucht mich kaum noch. Vielleicht ist Alleinerziehen mit nur einem Kind doch eher Alleinerziehen „light“. Ich bin bisher als Selbstständige ganz gut gefahren, die Kunden hatten stets Verständnis, wenn ich z. B. mal nicht kommen konnte, weil mein Sohn krank war, ich bin dadurch einfach flexibler. Ich wünsche Dir alles Gute, versuche doch trotz der Ungewissheit deine Schwangerschaft auch zu genießen, denn vielleicht bleibt es ja bei dem einen Kind. Freundliche Grüße, Katja

  33. Emphathie für Alleinerziehende. In unserer Gesellschaft. Schön wäre es!
    Mal abgesehen von dem Leistungsdruck, den man sich als arbeitende Mutter und Alleinerzeihende unterwerfen muss – in doppelter Hinsicht, denn man will ja finanziell unabhängig sein – muss man den „Anforderungen“ der Gesellschaft gerecht werden:
    – ausreichend arbeiten, um eine passables Gehalt zu erwirtschaften bei gleichem Gehalt wie Männer (upps!)
    – Arbeitszeiten passen hervorragend zu den Betreuungszeiten inkl. hinbringen, abholen, zur Arbeit fahren und zurück
    – Zeit für Arztbesuche, Schulabende, Ausflüge mit den Kindern, Mutter-Kind-Nachmittagen, spielen, backen, Spaß haben mit den Kindern, Hausaufgabenbetreuung, Haushalt (macht sich in der Regel von allein), …
    – Entspannung, denn nur einer Mutter, der es gut geht, kann eine gute Mutter sein
    – Spontanität zu jeder Zeit (wenn mal wieder Eigeninitiative gewünscht wird – wenn Eltern gefragt sind, ob sie mal kurz einspringen wollen/können)
    – über den eigenen Tellerrand sehen und Verständis dafür haben, dass gute Ratschläge doch nur unser Bestes bewirken wollen!
    – …
    Ach ja, und nicht vergessen: Musste das den wirklich sein mit der Trennung? Hätte man sich denn nicht wegen der Kinder zusammenraufen könne. Wäre denn vieles dann nicht viel einfacher? Hast du da nicht ein bisschen selbst Schuld?

    Ach schade, du konntest ja leider nicht mit zum Spielplatz/ind Kino/zum Tierpark etc. Du musstest ja arbeiten.
    Frau Müller, wieso brauchen Sie denn einen ganzen Tag Urlaub für den Elternsprechtag? Das dürfte doch in einer Stunde geklärt sein.
    Der Elternabend ist ganz wichtig, bitte versuchen Sie doch (für ihre 3 Kinder eine kurzzeitige Betreuung am Abend zu finden, Oma ist ja auch nicht die Jüngste/wohnt in einer anderen Stadt/ist leider schon verstorben) pünktlich zu kommen.
    Hatte deine (vollzeitarbeitende) Mama denn gestern (spontan) keine Zeit mit dir Kastanien zu sammeln? Jetzt kannst du gar nicht mit uns basteln.
    Ich war gestern ganze zwei Stunden damit beschäftigt, Strumpfhosen in der passenden Farbe zu finden, es ist ja schrecklich, womit man sich als Mutter so alles beschäftigen muss. Aber kennst du ja bestimmt.
    Wie du bist im Frauenhaus und kannst die Verabredung unserer Kinder heute nicht einhalten? Von dir hätte ich aber mehr Disziplin und Verlässlichkeit erwartet.

    And so on …

    Nur Mut! Es wird nicht unbedingt besser, aber Frau kommt damit schon klar :) Es ist eine besondere Stärke, die Alleinerzeihende ausmacht, denn Alltag (Tag für Tag für Tag für Tag) zu bewältigen. Das dürfte am Ende des Arbeitslebens mit mindestens einer doppelten Vergütung/Rente für die geleistete Dauer belohnt werden. Aber zumindest mit der Anerkennung und Wertschätzung durch Amt, Schule/Kindergarten und der miterziehenden Gesellschaft, in die wir dann später unsere fertigen Kinder entlassen, wenn sie als gestärkte junge Erwachsene andere Sichtweisen vertreten.

    PS: Meine Kinder sind nun schon erwachsen, 22 und 20 Jahre jung, Studenten (Wirtschaft, weil es mal besser werden soll und Sozialwissenschaften, weil man verstehen will) und ich habe es nicht bereut.

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