Das schwarze Mütter-Loch mit Alleinerziehenden-Faktor

Es wird besser, hab Geduld, wie oft habe ich das gehört. Es kam mir nicht so vor, als ob die Dinge besser werden würden.

Die ersten Jahre mit Baby und Kleinkindern erschienen mir größtenteils nicht wunderbar, sondern zäh, am glücklichsten war ich, wenn ich im Büro war und in meiner Arbeit aufgehen durfte, obwohl es natürlich Glücksmomente mit den Kindern gab, aber der Schlaf, der mir fehlte, machte es mir unmöglich, die guten Momente mit den Kindern wirklich zu genießen. Eigentlich wollte ich immer nur schlafen. Und ich hatte gute Gründe dafür, meine Kinder schliefen schlecht ein, nicht durch, und wachten früh auf, der Mann behauptete, sie nachts nicht zu hören, sodass die ganze Last der Nächte bei mir lag.

schwarzes Mütter-Loch
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16 Jahre, in denen ich in jeder freien Minute hätte schlafen wollen. Das ging aber nicht. Als ich noch verheiratet war, fand der Mann, Freizeit sei in gemeinsames Kuscheln oder Aktivitäten besser investiert als in Schlafen. Dass ich lieber schlafen wollte als mit ihm etwas zu unternehmen, empfand er als Affront.

Alleinerziehend: keine Zeit, kein Geld, keine Ruhe, nirgends

Nach der Trennung war ich alleine mit drei Kindern, das jüngste Kind 11 Monate alt, das zweitjüngste knapp 3 Jahre alt, das älteste 9. An Schlaf war weiterhin nicht zu denken. An Ausgehen, Kultur, Freunde treffen genausowenig. Ich dachte an Windeln, vollgekotzte Bettwäsche, Pausenbrote, wie Geld ins Haus kommt, und an Gerichtstermine rund um die Scheidung.

Meine jüngeren beiden Kinder wollten nirgendwohin ohne mich, nicht bei Freunden übernachten, am liebsten auch nicht in Krippe, Kita, Hort und Schule. Das war anstrengend. Sie klammerten.

Ich wusste nicht, wovon ich die Nebenkostennachzahlung bezahlen sollte, die Schulausflüge, bei denen so selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Eltern mal eben hier 15 € und dort 20 € ausgeben können, ich konnte nicht zum Elternabend, weil ich weder Geld für einen Babysitter noch sonstige Hilfen vor Ort hatte.

Netzwerken? Wie sollte das gehen, wo ich doch jeden Tag kämpfte, überhaupt über die Runden zu kommen? Netzwerken ist geben und nehmen. Zu geben hatte ich nichts. Staatliche Hilfe zu organisieren via Wohngeld und Prozesskostenhilfe, das schaffte ich. Aber für Sozialkontakte fehlte mir jegliche Energie.

Und nun wird es endlich besser! Alles!

Die Kinder sind 7, 10 und 15. Wir haben seit 3 Wochen Sommerferien, und ich habe fast jede Nacht 10-11 Stunden durchgeschlafen. Ich fühle mich wie jemand, der nach langer Trockenheit endlich in der Oase landet.

Wir haben keine Geldsorgen mehr, jedenfalls für den Moment. Aus dem Wohngeldbezug konnte ich mich schon vor 1 Jahr freiarbeiten, weil ich als Kinderbuchtexterin und Autorin Erfolg habe, aber es ist halt freie Arbeit, ohne Garantie. Trotzdem, es ist gut. Und macht Spaß.

Ich kann das Haus verlassen, ohne dass die Kinder klammern, seit etwa 1 Jahr. Das ist so eine unglaubliche Erleichterung!

Und morgen werde ich tanzen gehen. Mit meiner Freundin, die mich mitnimmt. Ich habe nachgedacht: Zum letzten Mal zum Tanzengehen verabredet habe ich mich 1999, bevor ich mich verlobte und bald darauf schwanger wurde.

17 Jahre war ich im schwarzen Loch für Mütter, Alleinerziehenden-Special-Edition. Verrückt. Ging dann doch irgendwie schnell.

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SylChristine FinkeMalgorzataFrl. Null.Zwoehrlichgesagt Letzte Kommentartoren
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ehrlichgesagt
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ehrlichgesagt

Ach wie schön! Ich wünsche dir ganz viel Spaß morgen, liebe Christine!
Lieben Gruß, Nora

Frl. Null.Zwo
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Frl. Null.Zwo

Ich wünsche Dir einen wunderbaren Abend und einen Sonntag ohne Nachwehen :)

Malgorzata
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Malgorzata

Das klingt so schön! Ich bin nicht alleinerziehend, mehr noch, immer wieder denke ich, ich habe Glück, denn mein Mann ist als Papa da. Ja, klar, er macht keine Karriere (auch wenn er sehr viel arbeitet, aber es ist kein Karierejob, es ist ein Broterwerb), aber er ist da. Aber so Vieles kenne ich ja auch – meine Beiden haben mit 2,5 Jahren angefangen durchzuschlafen und die Grosse war dazu noch ein Schreibaby. Dieses Bedürfnis nach dem Schlafen habe ich auch, wenn sie (was bis jetzt zweimal in den letzten 9 Jahren passiert ist) mit dem Mann wegfahren, dann schlafe… Weiterlesen »

Syl
Gast
Syl

Hallo Christine! Habe dein Buch gelesen und bin auch seit 7 Jahren alleinerziehend- meine Tochter war 6 und mein Sohn 3 Jahre alt. Ich habe aber immer (seit mein Sohn ca 2 war) volltags gearbeitet – und obwohl ich oft total erschöpft und fertig war – wohl auch manchmal am Rande eines Burnouts – hat mich doch meine Arbeit immer bereichert und ich bin dankbar, dass ich eine erfüllende und gutbezahlte Arbeit habe! Meine Kinder waren in der frz Kita und frz Grundschule in Basel, – sie waren tagsüber sehr gut betreut. Dann haben wir die letzten ca 3-4 Jahre… Weiterlesen »