Trennung unter einem Dach und gemeinsames Sorgerecht: Regeln und Tipps

Wer gemeinsame Kinder hat und irgendwann, eines bösen Tages, feststellt, dass ein Zusammenleben mit dem Partner nicht mehr möglich ist, setzt sich im besten Fall mit dem Partner oder Ehemann zusammen und bespricht auf Elternebene, wie man weiter vorgeht und ohne viel Streit eine friedliche, faire Trennung hinbekommt.

In diesem Idealfall einigen sich die Eltern über wichtige Eckpunkte, bevor sie dem Kind gemeinsam erklären, was sich ändern wird, und dass sie beide als Eltern weiterhin für das Kind da sein werden, auch wenn sie getrennte Wohnungen haben.

Das wäre der Idealfall. Der ist leider nicht immer zu verwirklichen, denn gar nicht so selten will einer der Ehepartner die Trennung nicht akzeptieren und weigert sich, beim Finden einer sinnvollen Lösung zu helfen, Und dann gilt für verheiratete wie unverheiratete Paare: Achtung, es kann schwierig werden. Und glaubt mir, das ist dann nicht wie in den TV-Kommödien, wo Wände durch Häuser gezogen werden, ein paar lustige Dinge vorfallen, und sich hinterher alle lieb haben.

Zuerst einmal sollte der Weg des Trennungswilligen zum Anwalt führen, und gleichzeitig zu einer Frauenberatungsstelle oder einer Männerberatung. Denn ein Anwalt rät immer nur, was rechtlich wasserdicht ist, und eine Beratungsstelle berät auch in Sachen Grauzone, soll heißen, kann wertvolle Tipps gegen, die ein Anwalt verschweigt oder gar nicht kennt. Wer meint, kein Geld für den Anwalt zu haben, kann Prozesskostenhilfe beantragen (bei einem Vermögen von unter 2.600 €), und die Erstberatung beim Anwalt kostet maximal 190 € plus Mehrwertsteuer, also 249,90 €).

Wenn beide Partner im Mietvertrag stehen und gemeinsame Kinder vorhanden sind, darf nicht ein Partner einfach mit den Kindern ausziehen, selbst wenn es der Elternteil ist, der sich vorher überwiegend um das/die Kinder gekümmert hat und schwerwiegende Dinge vorgefallen sind (Z.B. Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Gewalt gegen Kinder/Ehepartner, Spielsucht, psychische Krankheiten, eheliche Untreue, etc.). Eine Wegweisung durch die Polizei kann in einigen Fällen kurzfristig für Ruhe sorgen, aber sie gilt nur begrenzte Zeit, normalerweise 14 Tage, danach hat der Ehepartner wieder das Recht, sich in seiner Wohnung aufzuhalten. Und das Mittel des angeordneten Auszugs, also der Wohnungszuweisung an den in der Wohnung verbleibenden Partner, hat nur sehr selten Aussicht auf Erfolg bei deutschen Familiengerichten, die solch eine Entscheidung im Eilverfahren treffen müssten.

FamilienstammbuchHaben beide Eltern das Sorgerecht, was selbst bei unverheirateten Paaren normal ist, dann wäre der Auszug eines Ehepartners mit den Kindern gegen den Willen des anderen Partners Kindesentzug, und das sehen sowohl Jugendamt als auch Familiengerichte gar nicht gerne: Ein ungenehmigter Auszug samt Kind/ern wird dem “flüchtenden” Ehepartner nachteilig ausgelegt, auch wenn der zurückbleibende Partner informiert wird, wo sich das/die Kinder aufhalten.

Der nächste Weg führt den Ehepartner, der sich trennen will, also zum Jugendamt, um sich rückzuversichern, dass es dem Kindswohl entspricht, wenn die Trennung vollzogen wird und eine räumliche Trennung auch gegen den Willen des anderen Ehepartners unterstützt wird. Dabei ist es wichtig, Beweise für die Gründe der Trennung zu haben, und auch glaubhaft machen zu können, dass man selbst das Kind mehr als 50% betreut hat in den vergangenen 12 Monaten, was für die Zahlung von Unterhalt und das Aufenthaltsbestimmungsrecht entscheidend ist. Es reicht, das Kind nachweislich mehr als 50% betreut zu haben, um ein Wechselmodell verhindern zu können, bei dem das Kind nach der Trennung zu 50% vom einen und 50% vom einen Elternteil betreut würde, mit zwei Wohnsitzen und ohne Zahlung von Unterhalt.

Nun heißt es noch, entweder den Ehepartner zum Auszug zu bewegen oder selbst ausziehen. Solange eine Patt-Situation herrscht, also rechtlich und von den Ämtern her unklar ist, welcher der Ehepartner welche Schritte einleiten darf, ist es klug, das Trennungsjahr offiziell einzuläuten, am besten schriftlich durch eine Anwaltserklärung (das geht dann per Einschreiben an den Ehepartner in den eigenen vier Wänden). Denn erst nach Ablauf des Trennungsjahrs kann sich scheiden lassen – die Scheidung selbst kann schon 2-3 Monate vor Ablauf des Trennungsjahres eingereicht werden. Sie geht endgültig mit einer räumlichen Trennung und der Festlegung von Sorgerecht, Umgang und Unterhalt einher.

Regeln für das Trennungsjahr unter einem Dach:

  • Trennung von Tisch und Bett = in getrennten Zimmern schlafen, oder auf dem Sofa und nicht mehr gemeinsam essen oder einkaufen
  • Im Kühlschrank separate Bereiche für beide Partner einrichten, in denen sie ihre Lebensmittel aufbewahren
  • Nicht mehr für den Partner mitwaschen, bügeln, Wäsche zusammenlegen
  • Wenn vorher ein gemeinsames Haushaltskonto vorhanden war, um Miete, Strom etc. zu begleichen, muss das nicht geändert werden, egal ob das Konto auf beide oder nur einen der Partner läuft.
  • Auch bei gemeinsamen Kindern nicht mehr mit dem Partner essen – lieber den Partner mit den Kinder essen lassen, oder selbst mit den Kindern essen – aber eben nicht gemeinsam, als Familie
  • Keinen Sex/Kuscheln mehr (Ausrutscher zählen nicht als Problem und wären auch nicht beweisbar)
  • Aufschreiben, wer sich wie lange um das/die Kinder kümmert (wegen Unterhalt und Sorgerecht!)
  • Sich benehmen, als lebte man in einer losen WG

 

block-in-herzformWer Mitglied in einem Mieterverein ist, tut gut daran, sich auch dort bereits im Trennungsjahr beraten zu lassen – denn die Situation rund um den Auszug eines der Vertragspartner der ehelichen Wohnung ist kompliziert. So kann nicht einfach einer der Ehepartner den Mietvertrag kündigen und der andere Partner den Vertrag übernehmen, es muss eigentlich ein neuer Mietvertrag mit dem Vermieter gemacht werden oder zumindest ein schriftlicher Zusatz aufgesetzt und unterschrieben werden.

Auch was die Klauseln bei Auszug und Renovierung sowie Schönheitsreparaturen und die Rückzahlung der Kaution betrifft, sollte man sich informieren, um nicht alleine auf teuren Reparaturen sitzen zu bleiben.

 

Wichtige Schlussbemerkung: Ich bin kein Jurist und übernehme keine Haftung für diese Hinweise. Sie sind ausschließlich von mir als Privatperson an betroffene Privatpersonen gedacht. Es soll hier auch nicht der Eindruck enstehen, dass die Mütter immer “die Guten” seien. Alle Tipps gelten für Männer und Frauen.

 

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18 Kommentare auf "Trennung unter einem Dach und gemeinsames Sorgerecht: Regeln und Tipps"

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Suse
Gast

Hallo!
Super Zusammenstellung und sicher sehr hilfreich.
Ich hoffe nur, ich werde nie darauf zurückgreifen müssen!
Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag!
Suse

Anthea
Gast
Hallo, ich habe Deiner Anleitung nach so ziemlich alles “falsch” gemacht bei meinem Auszug damals. Wie Du weisst, ist trotzdem alles gut gegangen. Mitnichten wurde mir mein Auszug (ins Frauenhaus übrigens) mit den Kindern als nachteilig ausgelegt, das Stichwort Kindesentzug kam in keiner Gerichtsverhandlung auch nur vor…lediglich in den Drohungen des Kindsvaters. Ganz im Gegenteil wurde es positiv bewertet, dass ich “immerhin eingesehen hatte, dass die häusliche Situation dem Kindeswohl nicht zuträglich” gewesen sei und die Kinder vor weiteren, gewalttätigen Übergriffen des Kindsvaters geschützt habe. Ich schreibe das deshalb, weil Du explizit sagst, dass auch Gewalt gegen die Kinder (!)… Read more »
Anthea
Gast

Hallo noch mal, Christine,

da hab’ ich mit dem Zitieren irgendwas falsch gemacht. HTML und ich sind nicht mehr so gute Freundinnen, obwohl ich sie immer noch sehr mag. ;)

Was da eigentlich stehen sollte ist ein Zitat Deines Eingangssatzes und dann der Krimskrams, der in dem Cite-Kästchen steht. *tse*

Oh, ich finde den Rat/die persönliche Einschätzung, den/die Du da gibst, in der Tat gut, wollte halt nur daneben stellen, dass es tatsächlich einige Ausnahmen geben muss. Schön, dass Du das so annehmen kannst.

Liebe Grüße, auch noch mal,

Anthea

Silke
Gast

Hallo Christine,
wie sieht es denn bei der “mehr als 50%”-Regelung aus, wenn die Kinder schon seit geraumer Zeit ganztägig in die Kita gehen? Wie soll man da nachweisen, dass man sich nach Kita-Schluss trotzdem zu 80% um die Kinder gekümmert hat, was der Mann natürlich gar nicht so sieht?
Was meinst Du wie ließe sich das beweisen, hast Du einen Tipp?
LG Silke

Kathrin Seifert
Gast
Hallo an alle hier :-) Ich habe bei meiner Trennung vor fast 5 Jahren (und später dann auch Scheidung) super Erfahrungen mit der Familienmediation gemacht. Wir haben dort alle Regelungen treffen können, die unseren Haushalt und den Umgang mit den Kindern in dieser Situation betrafen. Alles, was wir uns bei dem Mediator erarbeitet hatten, wurde schriftlich festgehalten und wir hätten es auch notariell beglaubigen lassen, und bei Bedarf auch bei der Scheidungsanwältin vorlegen können. Wir haben so nur eine einzige Anwältin gebraucht, viel Geld gespart und Lösungen gefunden, mit denen wir beide zufrieden waren. Ich sage es ganz ehrlich: Ohne… Read more »
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[…] beginne und ich nicht mehr mit dem Mann zusammen essen würde, was der Mann zubereitet hat (das will der Gesetzgeber so). Die junge Frau guckte entsetzt und wollte wissen, ob sie auch nicht mehr essen dürfe, was er […]

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[…] Wir sahen und liebten uns ein paar Mal, zu wenige in meinen Augen, ich hätte unsere Liebschaft gerne fortgeführt, aber das ging nicht, und das tat furchtbar weh. Ich weiß nicht, ob mich diese Liebe nahbarer oder unnahbarer gemacht hat. Zuerst fühlte es sich an wie heil werden, dann wie zerbrechen, und zwar viel schlimmer als das Scheitern meiner Ehe. (Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass meine Ehe furios endete. Sie aufzulösen, war alles andere als ein Spaziergang.) […]

Felina
Gast
Liebe Christine, “Es reicht, das Kind nachweislich mehr als 50% betreut zu haben, um ein Wechselmodell verhindern zu können,..” Dieser Satz reicht, um festzustellen worum es wirklich geht. Für die Kinder – und um die soll es ja angeblich vorrangig gehen wäre das Wechselmodell das Beste. Stünde das Kindeswohl tatsächlich im Vordergrund müsste alles, wirklich alles, unternommen werden um das Wechselmodell zu installieren. Dieses Wechselmodell ist sogar lt. EU-Recht der “Regelfall” (Resolution 2079 des Europarats) – bzw. soll es sein. Folgt man diesem Ratschlag von dir, geht es doch eignentlich nur um Unterhalt vom Ex-Partner und genaugenommen … möglichst viel… Read more »
Hansi Bub
Gast
Lustig. “Das Geld braucht die Alleinerziehende, um für das gemeinsame Kind zu sorgen. Ihren Einkommensausfall trägt sie selbst, auch den Verlust von Rentenpunkten, den Mangel an Freizeit und den ganzen Stress. Es ist absurd, Müttern unterstellen zu wollen, es ginge ihnen „nur ums Geld“. Die Alleinerziehende soll gefälligst arbeiten sowie der Vater auch. Dann brauch sie auch kein Geld sondern hat Eigenes. Der Vater muss ja Einkommenseinbußen im Wechselmodell ebenfalls in Kauf nehmen da er die Zeit braucht um sich 50% um das Kind kümmern zu können. Natürlich ist das schwer mit dem weiblichen Denken und dem üblichen Prinzessinnenkomplex zu… Read more »
Marc
Gast

Eine Frage habe ich hierzu:

Zitat:
Es reicht, das Kind nachweislich mehr als 50% betreut zu haben, um ein Wechselmodell verhindern zu können, bei dem das Kind nach der Trennung zu 50% vom einen und 50% vom einen Elternteil betreut würde, mit zwei Wohnsitzen und ohne Zahlung von Unterhalt.

Warum verhindern? Es ist doch, vorallem für das Kind, schön, wenn beide Elternteile sich gleichmäßig kümmern.

Felina
Gast
Liebe Christine, ich habe kürzlich die weiteren Kommentare von Hansi Bub und Marc zu diesem Blog-Artikel gelesen, und beide sprechen mir eher aus dem Herzen (auch wenn es Hansi Bub recht direkt formuliert). Du schreibst einerseits, dass du keine “Gegnerin des Wechselmodells” bist – andererseits habe ich keinen Artikel – oder zumindest einen Teil eines Artikels – gefunden, in dem du Ratschläge _für_ das Zustandekommen eines erfolgreichen Wechselmodells gibst. Ich lese eigentlich nur von Deiner persönlichen Situation (wie schlimm es für dich war) und dort eben die (bzw. Deine) Erfahrungen zur Vermeidung des Wechselmodells. “Und ich bin auch keine Gegnerin… Read more »