Die müde Mama Schlafnimmersatt

Tagsüber, im Sonnenschein, tat und machte in einer Familie eine müde Mama.

[Sie machte richtig viel, die Arbeit schien kein Ende zu nehmen, und ständig und über Jahre wurde ihr Schlaf von den Kindern unterbrochen. Eines Tages aber waren sie groß genug, um sich morgens selbst ihr Frühstück zu machen und die Mama ausschlafen zu lassen. Sie hatte lange darauf gewartet. Oft war es ihr so vorgekommen, als würde dieser Tag nie kommen, und doch war es irgendwann soweit.]

Und als nach einem anstrengenden Freitagabend der Mond aufging, kühl und dunkel, da schlüpfte sie aus ihrem Kleid und – schwupps – legte sich in ihr Bett.

Mama Schlafnimmersatt
Illustration: Mika Eriksdóttir

Sie machte sich daran, Schlaf nachzuholen.

Von Freitag auf Samstag schlief sie 10 Stunden durch. Aber ausgeschlafen war sie immer noch nicht.

Von Samstag auf Sonntag schlief sie 11 Stunden durch. Aber ausgeschlafen war sie immer noch nicht.

Von Sonntag auf Montag schlief sie 10 Stunden durch. Aber ausgeschlafen war sie immer noch nicht.

Von Montag auf Dienstag schlief sie 11 Stunden durch. Aber ausgeschlafen war sie immer noch nicht.

Von Dienstag auf Mittwoch schlief sie 10 Stunden durch. Aber ausgeschlafen war sie immer noch nicht.

Von Mittwoch auf Donnerstag schlief sie 10 Stunden durch und döste danach noch 3 Stunden im Bett. An diesem Morgen war ihr Blutdruck total im Keller und ihr etwas mau zumute.

Die nächste Nacht war wieder eine Freitagnacht. Die müde Mama schlief 8 Stunden und reckte dann ihre Glieder. Es ging ihr nun viel besser.

Sie war nicht mehr müde, sie war richtig wach. Und sie hatte auch keine Augenringe mehr, sie war glatt und rosig geworden.

Sie legte sich noch einmal ins Bett, und blieb darin so lange, bis sie wieder Lust hatte, aufzustehen. Dann schlug sie die Bettdecke beseite, zwängte sich nach draußen und…

… war eine wunderbar gut gelaunte Mutter!

Illustration von Mika Eriksdóttir, extra für diesen Text. Vielen Dank!

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Anna
Anna
12. September 2016 08:45

Liebe Christine
Toller Text und so ein hübsches Bild!
Das gibt mir irgendwie Hoffnung auf Besserung – dieser dauermüde – Zustand, der muss irgendwann besser werden. Ja??

Liebe Grüsse
Anna

Frau Taugewas
Frau Taugewas
12. September 2016 11:50

Welch schöne Analogie!
Danke für diesen Text.
Ich bin auch eine müde Mama Schlafnimmersatt von zwei „Special-Needs-Raupen“ und hoffe,
dass zumindest eine dieser Raupen morgens Frühstück für sich und den Bruder macht und ich tatsächlich ausschlafen kann.
Mein müdes Mantra solange: Immerhin bin ich nicht alleinerziehend!
Hut ab, dass Du es so lange dauermüde ausgehalten hast. Mein Kleiner schläft manchmal sogar durch – mit 2 Jahren :)

Liebe Grüße :)

nikki
nikki
13. September 2016 19:07

Danke für den schönen Text !!!
Das Bett ist ein Traum , mein Traumbett, genau das Bett, nach dem ich seit gefühlten 100 Jahren auf der Suche bin; ein Metallbett, das Kopfteil eine wunderbare Mischung aus romantisch, kitschig und cool, und vor allem kein Fußteil, das mich einkerkert !
Doch leider, leider – es ist eine Zeichnung und ich muss, bis ich fündig werde, weiter auf Lattenrost und Matratze darben !

LG

Malgorzata
Malgorzata
15. September 2016 09:38

Ein wunderschönes Märchen! Fast hätte ich gesagt – ich beneide die Mama, aber jetzt sage ich – ich gönne es ihr vom ganzen Herzen.

Martin
Martin
19. September 2016 13:21

Nach meinem Umzug in eine neue Wohnung, habe ich dieses Problem auch kennengelernt. Von sechs Parteien im Haus sind vier Parteien „alleinerziehende Mütter“. Die Kinder sind schon in der Früh im Stiegenhaus, aber die Mamas schlafen noch (Auskunft der Kinder). Der Lärm stört mich nicht sonderlich, da ich sowieso zur Arbeit muß.
Am späten Nachmittag und am Abend wieder das selbe Spektakel mit dem entsprechender Lärmkulisse.
Dieses Märchen ist für mich zur Wirklichkeit geworden, aber ohne positiven Ausgang.

Martin
Martin
19. September 2016 14:38

Draußen wäre es für die Kinder auch besser. Das Stiegenhaus ist kein Spielplatz. Ich hab aber schon die Hausbesorgerin darauf aufmerksam gemacht, die regelt das schon:-). Heute wurde der Aufzug in Betrieb genommen, aber nur für die Mieter, die bezahlen. Kaum haben die Kinder das mitbekommen, wollten sie mit dem Aufzug spielen. Hat sich aber schnell erledigt. Die Angelegenheit mit der Benutzung des Aufzugs dürfte sich auch noch entwickeln, denn die vier Parteien haben beim Vertrag das Kleingedruckte anscheinend nicht gelesen. Die Kinder meines Bruders dürfen nur mit Erlaubnis fernsehen oder Internet gucken. Das Problem läßt sich also auch schnell… Weiterlesen »

Verena
Verena
29. September 2016 20:01

Schön wär’s… Bei mir funktioniert das nicht.