Es lebe die Faulheit! (Wow, was für ein Luxus)

Heute bin ich mal faul. Ich mache den Donnerstag zum Sonntag, denn meine Sonntage gehören mir seit 17 Jahren nicht mehr alleine, und Alleinsein ist kostbar.

Eigentlich logisch, dass man die Gegenwart anderer nur genießen kann, wenn auch Zeit für einen selbst bleibt, aber gerade für mich als Alleinerziehende ist das schwierig einzurichten. Aber heute bin ich faul. Es gibt keine Deadline, die ich einhalten muss, keine Stadtratsunterlagen, die ich noch lesen sollte, keine beruflichen Mails, die dringend auf Antwort warten, die Kinder sind den ganzen Tag in der Schule, und der Tag gehört mir. Jedenfalls bis 16 Uhr.

Faulheit
kirahoffmann auf Pixabay.com

Ich bin so faul, dass ich mich am Morgen wieder ins Bett lege, nachdem die Kinder um halb 8 das Haus verlassen haben. Mit ihnen aufgestanden bin ich natürlich trotzdem, ich habe mich ums Pausenbrot gekümmert, die Wasserflaschen frisch befüllt, und ihnen einen schönen Tag gewünscht. Und mich dann genüsslich unter der Decke verkochen, um noch etwas zu träumen. Nicht, weil ich müde war, sondern weil ich den Zustand zwischen wach und schlafend wollte, dieses nicht ganz in dieser Welt sein, bei dem Gedanken und Bilder wie vorbeifliegende Wolkenformationen durch den Kopf ziehen. Manche meditieren, ich wandere zwischen Schlaf und Wachzustand, und es gibt nichts, was mich mehr entspannt, nicht einmal Schwimmen. Ein bisschen geschlafen habe ich auch, so genau weiß ich das nicht, aber aufgestanden bin ich dann erst um viertel vor 10.

Dann ist die Geschirrspülmaschine fertig, sie piept – stimmt, ich war ja gar nicht so faul gewesen, ich hatte am Morgen noch das Katzenklo gemacht und den Geschirrspüler angestellt. Den räume ich jetzt noch schnell aus, das tut dem Faulsein keinen Abbruch. Und die Blumen müssen auch gegossen werden, sonst vertrocknen sie auf dem Balkon bei der Hitze.

Ich habe Glück, ich bekomme keine Mails rein, die ich gleich beantworten würde, und so lese ich lustvoll eine Stunde im Internet, trinke Kaffee, und dusche ganz in Ruhe. Faulsein ist schön. Da könnte ich mich fast dran gewöhnen, aber der Kühlschrank ist fast leer. Also fahre ich zu Kaufland, auf dem Weg dorthin muss ich eh beim Wertstoffhof vorbei, wo ich ein entsorgtes Möbelstück aus dem Zimmer der Großen abliefern kann. Komisch, dass sich das immer noch anfühlt wie Faulsein, liegt es vielleicht daran, dass ich überhaupt keinen Zeitdruck habe heute?

Das Sahnehäubchen: Faulheit macht Lust auf Flausen

Das Einkaufen, Auspacken und die Fahrerei dauern insgesamt 2 Stunden, dann ist es 2 Uhr nachmittags. Ich fühle mich so faul, dass ich Lust habe, etwas völlig Überflüssiges, Unpolitisches und Belangloses in meinem Blog zu schreiben. Ein geradezu subversives Gefühl.

Mit Einkaufstüten bepackt vom Tiefgaragenplatz in die Wohnung ächzend, denke ich darüber nach, ob ich Lust hätte, mit Michael zu schlafen, der nicht so heißt, und komme zu dem überraschenden Schluss, dass ich mir das durchaus und gut vorstellen könnte. Dass es aber besser bei der Vorstellung bleibt, weil zu heiß und in keinem Verhältnis zu dem Schaden, der entstehen würde. Dass ich aber über solche Dinge nachdenke, ist ein gutes Zeichen. Da ist Luft in meinem Leben. Das ist großartig!

Ich wasche heute keine Wäsche, ich staubsauge nicht, ich fange auch nicht an, die Unterlagen für die Steuer 2016 zusammenzustellen, die ich noch machen muss (Fristverlängerung bis September). Ich bin faul. Was für ein luxuriöses Gefühl! Ich hätte gerne mehr davon.

Um 4 Uhr kommen die Kinder, dann packe ich die Schwimmtasche und wir gehen ins Freibad. Ob ich dann da Bahnen schwimme oder den anderen nur dabei zugucke, während ich selbst ein Buch lese und meine Beine ins Wasser baumeln lasse, weiß ich noch nicht. Aber dass das heute der absolut entspannteste, herrlichste Tag seit Ewigkeiten ist, das weiß ich. Es lebe die Faulheit!

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9 Kommentare auf "Es lebe die Faulheit! (Wow, was für ein Luxus)"

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Anke
Gast

So schön! Solche Tage sind wie Urlaub. Und ein paar Dinge zu erldigen ist schon fast entspannend, weil man weiß, das ist dann auch weg und stresst mich morgen nicht mehr. Es sei Dir gegönnt!!
Meine Version von Faulsein, alleinerziehend, beinhaltet diese Woche eine Lungenentzündung und meine von Herzen geliebte Mutter, die ein paar Tage ihren Laden geschlossen hat und mir alles, alles abgenommen hat. Einmal nicht funktionieren müssen. War das schön.

Kirsten
Gast

Fällt mir doch glatt das hier ein: https://www.youtube.com/watch?v=vPeFJ_fDByo (Judith Holofernes: Nichtsnutz)

Almut
Gast

Liebe Christine Finke,

ich lese Ihren Blog schon einige Zeit. Ich bewundere sehr, was Sie alles leisten und auch auf politischer Ebene anstoßen. Seitdem bin ich, selbst nicht alleinerziehend, viel sensibler dafür, was die Situation Alleinerziehender betrifft. Danke fürs Wachmachen. Diesen Sommer wird eine Mutter ( die Tochter einer Freundin meiner Mutter) mit ihren beiden Kindern in unserem Ferienhaus Urlaub machen, das können die drei gern öfter tun. ( nur Strom und Wasserkosten) Das ist nun nicht gerade eine große Leistung, aber es freut mich sehr dass so ein Urlaub möglich ist.

Mom_de_Lux
Gast

Liebe Christine,
Du schreibst mir aus dem Herzen!
Nie mehr als mal ein mühsam “geklautes” halbes Stündchen für sich alleine haben, immer Funktionieren müssen, ständig in Rufbereitschaft… Bevor ich meine Selbständigkeit aufgeben musste waren solche Tage, die sich hin und wieder ergeben haben, meine Rettung vor dem totalen Ausbrennen.
Ich freue mich mit Dir.

Anne
Gast

Ich freue mich grad so sehr für Dich und mit Dir, daß Du diesen Tag hattest und diese Möglichkeit nach so langer Zeit und v.a., daß Du dies so hast nutzen und auskosten können. Wünsche Dir, daß Du bald wieder solch einen Tag genießen kannst!

Yvi kej
Gast

Achhh herrlich!
Da bekommt man so richtig Lust, faul zu sein :))
Oft geht das ja im Alltag einfach unter und vor lauter Terminkalender siehst du irgendwann nichts mehr.
Danke, für den schönen Beitrag!

Sonnige Grüße

Yvi

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