Gedankenspiel: Wenn wir Alleinerziehenden streiken

Gedankenspiel: Wenn wir Alleinerziehenden streiken

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Alleinerziehenden Streik
Hafteh7 auf Pixabay.com

Was das kosten würde, da wird einem ganz schwindelig. Aber von vorn. Ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn ich sage, „Ich kann nicht mehr! Mir ist das zuviel, ich breche jetzt zusammen.“ Ich würde beim Jugendamt anrufen, und das Amt würde seinem Auftrag nachkommen und prüfen müssen, was nun zu tun ist.

Es würde sich herausstellen, dass beim Vater der Kinder weder Platz für sie ist, noch möchten sie dorthin, noch sind sie erwünscht. Er würde vielleicht das Sorgerecht abgeben, um nicht gezwungen zu werden, sie bei sich aufzunehmen. Dann sieht das Jugendamt vor, Kinder, um die sich keiner kümmern kann, in eine Pflegefamilie, betreutes Wohnen (für ältere Kinder) oder ein Kinderdorf zu geben. Das ist ziemlich teuer fürs Amt, am teuersten ist die Heimunterbringung – bei meinen 3 Kindern kommen wir da schnell auf 10.000 € im Monat. Die Unterbringung in der Pflegefamilie kostet nur 784-945 € im Monat pro Kind, je nach Alter des Kindes, das sind bei meinen drei Kindern 2661 € insgesamt, die zusammenkämen. Ganz schön viel Geld – und die Arbeit der Verwaltung ist noch nicht mit einberechnet, die kommt obendrauf.

Ich selbst würde für 6-8 Wochen in eine Klinik/Reha/Kur gehen, was auch sauteuer ist für die Gesellschaft. Eine einfache Kur von 3 Wochen kostet ja schon 3.000-4.000 €.

Und nun mal groß gedacht – wenn wir das alle machen?

Ich stelle mir vor, 1,6 Millionen Alleinerziehende und eine sicher mindestens genauso große Menge an berufstätigen Müttern, die am Rande des Burn-Outs entlang balancieren, gehen in den Streik, oder sagen wir lieber, streichen die Segel. Weil sie nicht mehr können, weil sie so erschöpft sind, weil sie ein unübersehbares Zeichen an die Politik senden wollen.

Die Jugendämter würden in Nullkommanix kollabieren. Unser System bricht zusammen, weil Millionen von Kindern unversorgt wären. Arbeitgeber geraten ins Schleudern, weil wertvolle Mitarbeiterinnen fehlen.

Aber wir tun das nicht. Wir Mütter gehen auf dem Zahnfleisch, aber wir halten durch. Weil wir unsere Kinder nicht im Stich lassen wollen. Es würde uns und ihnen das Herz brechen. Also versuchen wir, uns noch besser zu organisieren, die eigenen Bedürfnisse noch weiter zurückzustecken, irgendwie klarzukommen. Unsere Kinder merken, wie sehr wir am Limit sind, und entwickeln Symptome, die den Alltag noch schwerer machen. Wir holen Hilfe für die Kinder, haben aber keine Zeit mehr, uns um den eigenen, schon länger schmerzenden Rücken, den Termin zur Zahnprophylaxe oder Sport zu kümmern.

Nach und nach gehen wir langsam vor die Hunde.

Stopp!

Das darf nicht passieren. Weder im „traurigen Einzelfall“, noch im Großenganzen. Also stelle ich mir vor, dass wir tatsächlich ein Zeichen an die Politik setzen, ein noch nie dagewesenes.

Wir stellen Forderungen. Laut und deutlich, sichtbar vor Ort und in den Medien. Wir zeigen, dass wir Viele sind, und dass wir haufenweise Unterstützer haben, auch unter Nicht-Alleinerziehenden. Dass viele Großeltern, Onkel, Tanten, ehemalige Alleinerziehende, Freunde und Kinder von einst Alleinerziehenden genau wissen, wie miserabel es uns geht, und dass all diese Leute Wähler sind.

Ich sehe uns auf der Straße, mit unseren Kindern. Mit allen, die täglich an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitern, und mit denen, die Kinderarmut nicht länger als unveränderbar hinnehmen wollen. Wir hätten Seifenblasen, Rasseln und Blockflöten, um schaurige Geräusche zu machen, und wir würden vor die Rathäuser unserer Städte ziehen, und dort einen Sitzstreik machen. In jeder Stadt Deutschlands. Das wäre was!

Und dann?

Dann würden die großen Parteien merken, dass wir hier ein Problem haben, das brennt. Und dass Wegschauen keine Option mehr ist. Wir brauchen bessere Bedingungen für Familien, besonders für solche, in denen ein Elternteil alles alleine wuppt. Und zwar schnell.

Sonst, wie gesagt, kann das ein sehr, sehr teures Versäumnis werden. Von den gesundheitlichen Folgekosten ständiger Überlastung und Armut haben wir bisher ja noch gar nicht gesprochen. Deutschland kann sich das nicht leisten. Auch auf der Ebene des sozialen Friedens nicht – die gefühlte Ungerechtigkeit ist eine sehr explosive Sache. Nicht nur in Wahljahren.

P.S., um den ansonsten unvermeidlichen Kommentaren vorzubeugen: Die diversen Hilfen der Jugendämter (Familienhilfe, Erziehungsbeistand, Wohngruppen, pädagogische Tagesgruppen, aufsuchende Hilfen diverser Art) sind mir bekannt. Und wie in der Überschrift steht, es handelt sich um ein Gedankenspiel.

27 Kommentare

  1. Oh ja, eigentlich müssten wir genau das mal tun. Wenn das Wörtchen „eigentlich“ nicht wäre und wir aus schlechtem Gewissen den Kindern, dem Job ggü. einfach seufzend weiter machen. Und täglich grüßt das Hamsterrad. Müde ist ein Dauerzustand u das nicht wegen Schlafmangel! Und dennoch: ab u zu rede ich mir selbst ein, es ist toll was ich/wir schaffen u dann geht’s wieder ein paar Stunden. Tochter hat mir am WE den Mutterverdienstorden gebastelt. DAS ist meine persönliche wichtigste Errungenschaft😂 Danke für deine Texte u deinen Mut laut zu werden. Sag Bescheid, wann ich Rasseln u Plakate vorbereiten soll. Es tut schon mal gut zu wissen: wir sind nicht klein! Alles Liebe, Yvonne

  2. Liebe Frau Finke,
    Danke für Ihre Vision – eine gute Idee wär’s mal in Streik zu treten!
    Ich glaube, ein Verweis auf die „diversen Hilfen der Jugendämter“ ist dabei auch überflüssig.
    Seit September versuche ich, allein erziehend mit Kind mit Behinderung, eine Unterstützung vom Jugendamt zu erhalten. Es geht lediglich um eine Beratung bei der Erziehung eines besonderen Kindes, die von der Lebenshilfe angeboten wird. Doch solange frau noch aufrecht steht und ihr Anliegen in ganzen Sätzen formuliert, lassen die einen ganz freundlich und zugewandt auflaufen. Warteschleifen, Antragsverfahren, bitte nehmen sie doch erstmal die Beratung hier da und dort wahr – es ist zum davon laufen. Und so ganz langsam erwächst sich aus einem kleinen Erziehungsproblem einer Mutter, die sich an chronische Erschöpfung schon längst gewöhnt hat, eine Riesenblase, die droht, unser Leben zu sprengen. Ob so ein Amt aufmerksamer und rascher reagiert, wenn sich 5.000 Kinder und Jugendliche im Vorzimmer tummeln? Ggfs. Ihr Gedankenspiel würde umgesetzt und wir liefern morgen all unsere Kids mal im Amt ab und gehen eine Runde demonstrieren, könnten wir geruhsam unsere Familienmitglieder vor Dienstschluss wieder einsammeln, denn bis dahin werden die Damen und Herren vom Amt sicher nicht mal die Namen der Anwesenden ordentlich in die notwendigen Antragsformulare eingetragen haben, um einen Runde Limo & Sandwiches zu schmeißen. Sollte das aber geschehen sein, ist die Anzeige des Erziehungsberechtigten wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht so sicher wie das Amen in der Kirche.

  3. Ich denke auch sehr oft, dass mal ein eindeutiges Zeichen gesetzt werden muss und dass das nur über große Demonstrationen von Zehntausenden von Müttern und Vätern in vielen deutschen Städten geht. Von daher spricht mir Dein Beitrag wirklich aus der Seele. Das Problem ist ja auch, dass Mütter zeitversetzt ausbrennen. Während die eine ausbrennt, glaubt die andere, es gerade alles zu schaffen und zeigt sich deshalb nicht solidarisch. Man müsste alle Mütter wachrütteln, so nach dem Motto „Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch Du nicht mehr kannst. Deshalb schließe Dich uns jetzt an. Wir können unsere Lebensbedingungen nur gemeinsam verbessern.“

  4. Ja. Sinnvolle Forderungen gibt es mehr als genug. :-)
    Es muss ja kein Streik sein – das seh ich mit Blick auf meine Kinder auch gar nicht ein, solange es noch anders geht. Verfasst Briefe. Besucht Eure/n Abgeordnete/n mit Kindern und Forderungen im Gepäck im Büro. Irgendsowas halt. :-)
    Ich schreib mal, was mir so einfällt.
    – Unterhaltsvorschuss endlich beschließen wie geplant. Wegen 500 Millionen Euro haben die Länder den Zuschuss bis 18 nun… hoffentlich nur „verschoben“.
    – Vorschuss und Kindergeld auch an Hartz-IV-Empfängerinnen auszahlen – wir haben eine Kinderarmut, die eine Schande für ein Land wie unseres ist.
    – Die Besteuerung – ein ganz weites Feld und auch bei weitem nicht nur für Alleinerziehende, sondern auch für die unterhaltspflichtigen Väter und überhaupt für Eltern – ja auch unverheiratete oder gleich gut oder schlecht verdienende Eltern haben nichts vom Ehegattensplitting. Und die Kinder zählen nüscht. Das Kindergeld ist lediglich Erstattung von zuvor überhöht abgezogener Steuer.
    Damit es gerecht und sinnvoll zugeht, braucht es eigene Grundfreibeträge für jede Person: jedes Kind. Dann brauchen wir auch nicht mehr um die Besteuerung nach irgendwelchen eigentlich (!) sowieso längst überholten Konstrukten zu kämpfen, wie die Anwendung des Ehegattensplittings für Alleinerziehende, auf die ich trotz allem sehr gehofft hatte. Das Verfahren ging vor wenigen Tagen erst unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem BFH verloren. Leider – es wäre eine große Verbesserung gewesen, den Alleinverdiener-Bonus zugestanden zu bekommen, der den ausreichend verdienenden Alleinerziehenden zusteht – es wäre nur gerecht. Warum sollen unsere Kinder weniger zählen als die verheiratete Minijobberin?
    Besser wäre trotzdem, wenn steuerlich *jedes Kind* zählen würde – immerhin kostet ja auch die Schulmensa, die Klassenreise, Windeln, Hefte etc. für jedes Kind extra und fallen die paar geerbten Hosen wenig ins Gewicht).
    Auch für die unterhaltspflichtigen Väter müsste mehr als zum Singletarif freigestellt werden, was ja nur Grundfreibetrag von 88xx Euro steuerfrei pro Jahr plus Sozialversicherung ist – sie müssen erstmal Steuern zahlen und dann erst – wenn dann noch was übrig ist -, erst den Unterhalt. Und können seit ein paar Jahren auch den Unterhalt nicht mehr (bis vor ein paar Jahren ging das noch) steuerlich geltend machen. Wir sehen, was dabei herauskommt – ich gehe davon aus, dass auch mancher, der gern zahlen würde, es oft nicht kann. Es gibt genug Gering- und Mäßigverdiener. Die Hälfte der Haushalte zahlt keine Steuern – all diese Kinder sind dann von Armut betroffen. Woher kommt denn die Kinderarmut?
    Hier muss etwas passieren.
    Und das Geld ist da. 19,2 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss, habe ich heute gelesen. 90 Milliarden Euro mehr Steuern, als wir zahlen würden (Bürger wie Unternehmen), wenn wir nach den Regeln von 2004 besteuert würden – nicht weil die Wirtschaft wächst, sondern der Staat stärker zulangt.
    Und es sollten sich auch bitte gern nicht nur Alleinerziehende dafür einsetzen. Plötzlich singlebesteuert – so kann es jedem Elternteil gehen, das zeigt der BFH-Fall der singlebesteuerten Witwe.
    Hilfen auszubauen, ist sicher sinnvoll und gut, siehe oben. Aber ich hätte gern vor allen Dingen auch und erstmal bitteschön mehr von dem von mir verdienten Einkommen zu meiner und der Verfügung meiner Kinder.
    Also, lasst uns gern alle etwas starten in der Hinsicht. :-)

  5. In den 1970er Jahren warfen die Frauen der Frauenbefreiungsbewegung im Schweizer Bundesparlament aus dem Zuschauerrängen mit gefüllten Windeln nach den Politikern, um für ihre Anliegen zu demonstrieren. Vielleicht wäre das noch eine Option wenn die Herren und Damen nicht zuhören wollen?

  6. ein sehr schönes und nur zu wahres Gedankenspiel.
    Schauen wir mal was die Politiker uns dieses Jahr in der Hinsicht wieder versprechen und dann doch „vergessen“.
    Ein Kampf für mehr Rechte,mehr Geld ,mehr Nutzen für unsere Zwerge/uns und Gesundheit ist toll,aber wann sollen wir das bitte noch machen?
    Bei einer KiGa-Zeit bis 14Uhr,einem Job der theoretisch da noch nicht beendet ist ( und abends/nachts nachgeholt werden muss),fehlender Familie im direkten Umfeld,Haushalt,Erziehung,Elternabenden und dann bitte noch Exklusivzeit pro Kind,Amtsstress ….
    wann sollen wir denn noch kämpfen?
    Soll ich für die Bezahlung eines Babysitters arbeiten gehen und beim Kampf dann zusammenbrechen?

    Ja es muss sich was ändern,ohne Frage.Aber bitte am richtigen Ende!Und vor allem in dem die Mamas zusammenhalten und sich nicht gegenseitig noch das Leben schwer machen!

    Liebe Grüße
    RonjaMama

  7. Liebe Christine,

    ich habe genau darüber auch in den letzten Tagen nachgedacht, denn so wie es ist geht es nicht weiter. Mir persönlich geht es ja noch ziemlich gut, weil ich familiär unterstützt werde. Ohne die „Krücke“ Familie, was simples Glück ist, sähe mein Leben und das Leben der Kinder ganz, ganz anders aus.

    Aber: Es macht mich wütend, wenn ich höre, wie eine Frau, die häusliche Gewalt erlebt und sich befreit hat, sich die Hacken wundlaufen und betteln muss, damit sie Gelder für sich und ihre Kinder bewilligt bekommt. Gleichzeitig muss sie sich mit den ständigen Meinungsänderungen des gewalttätigen Vaters bzgl. Umgang und Unterhalt arrangieren und hört vom Jugendamt, sie solle sich mal nicht so anstellen. Der Vater kann sich derweil mit neuer Frau ein neues Leben aufbauen und wird nicht belangt.

    Es macht mich wütend, wie die vielen Frauen und Kinder, die alleinerziehend sind, vom Goodwill einiger weißer, wohlhabender, alter Herren abhängig sind, die in warmen Amtsstuben (mit Frau im Rücken) die Erweiterung des Unterhaltsvorschusses blockieren.

    Es macht mich noch wütender, wenn im Netz manche Herrschaften ihren Hass gegenüber Frauen ungezügelt verbreiten können und dafür nicht belangt werden können, weil sie angeblich arm sind (und in Thailand mit dem Mercedes „willige“ arme Frauen herumkutschieren).

    Zugegeben: Ich gehe nicht gern auf die Straße. Andererseits: Zum Thema Globalisierung, Kriege usw. konnten schon viele mobilisiert werden. Warum geht das nicht zu Themen, die uns als Frauen hier vor Ort direkt betreffen?

    Ich vermute, dass es einmal an der schlichten Überlastung der Frauen liegt und zum anderen auch an der mangelnden Solidarität, insbesondere unter Müttern. Wenn wir aufhören würden, uns gegenseitig unsere Lebensumstände zu neiden oder übereinander herzufallen wegen Karnevalsverkleidungen, Adventskalendern oder Erziehungsdogmen und wenn wir als Frauen und Mütter häufiger über den Tellerrand unseres eigenen evtl. Wohlstands hinübersehen könnten, könnten wir eine große Kraft mobilisieren.

    Es müssen wohl noch mehr Frauen wütend werden und noch mehr Frauen an gläserne Decken stoßen oder alleinerziehend werden oderoder, damit endlich klar wird: So geht es nicht mit uns und wir müssen zusammenhalten. Solange wir nicht nur erschöpft sind, sondern auch noch mit der Aufrechterhaltung des schönen Scheins beschäftigt sind in Konkurrenz zu anderen Frauen, können sich die mächtigen Männer beruhigt zurücklehnen.

    Liebe Grüße!

    • Danke, Rona. Das hast du wunderbar gesagt. Ich bin ganz bei dir. Und ja, ich bin auch wütend darüber, wie mit den Alleinerziehenden umgesprungen wird – die Entscheider sind fernab unserer Lebensrealität. Wo man kein Problem sieht, ist auch kein Handlungsbedarf. Und genau deswegen gefällt mir die Idee eines Streiks und von Demos so gut. Sichtbarkeit, nicht nur im Internet – das würde sicher helfen.

      • „Fernab der Lebensrealität“ trifft es auf den Punkt. Solange sich eine Frau, die ihren Mann verlassen will, anhören muss: „Aber sie hat ihn doch gewollt! Sie hätte ihn doch nicht heiraten müssen!“, ist noch viel Arbeit nötig.

  8. Das Gedankenspiel gefällt mir. Und ich wäre für einen Tag Streik! Das wäre ein echter Paukenschlag. Aber man/frau macht immer weiter. Und ich und mein Sohn hatten nie Unterstützung vom Kindsvater (auch keine finanzielle!). Ich habe immer alles allein gestemmt und tue es noch heute. Daher hoffe ich ja auch noch, dass das neue Unterhaltsvorschussgesetz ‚jetzt‘ greift. Dann bekomme ich (mein Sohn wird nächstes Jahr 18 Jahre alt), vielleicht wenigstens noch einen klitzekleinen Teil vom Kuchen ab. Der Antrag ist schon gestellt. Aber was mich sonst schon immer wurmt, dass wir alleinerziehenden Mamas und Papas, die keine Unterstützung erhalten, nicht dieselbe Steuerklasse wie Verheiratete haben. Oder noch besser gestellt sind. Denn ich muss alles allein zahlen: Miete, Strom, Gas, Telefon, Reisen (sind immer teurer bei nur einem Vollzahler), Auto, Versicherungen, und und und ….. Von der Politik heißt es immer, wir brauchen mehr Kinder. Die Geburtenrate ist zu gering. Aber sind sie dann geboren, will der Staat auch nicht allzu viel investieren. Dann muss man alleine klar kommen. Und, na klar, ich/wir schaffe/n das. Wie immer. Wir müssen! Für unsere Kinder!

  9. Eine Demo oder vielmehr mehrere im ganzen Land verteilt, damit die Anfahrtswege nicht zu lange sind, weil sich nicht jeder eine Reise nach Berlin leisten kann. Das fände ich klasse. Und alle Demos zur gleichen Zeit. Und mit medialer Aufmerksamkeit. Zeitungen und Fernsehen sind wichtig. Denn der Großteil der Bevölkerung weiß von unseren Problemen gar nichts. Und das oftmals nicht, weil sie nicht interessiert sind, sondern weil sie zuwenig bis nichts davon mitbekommen. Im Gespräch mit Arbeitskollegen, Nachbarn und Freunden wird mir erst klar, wie wenig unsere Probleme publiziert werden. Von den Nicht-Alleinerziehenden sind die wenigsten in entsprechenden Foren. Der Großteil der Bevölkerung bezieht seine Infos über TV und Zeitung (auch online). Und genau da müsste viel mehr von unseren Problemen berichtet werden. So wie von den armen Rentnern. Gefühlt kommt auf ein Beitrag über arme Kinder und Alleinerziehende etwa 10 von armen Rentnern. Dabei gibt es mehr arme Kinder!!!

    Das Problem was ich bei so einer Demo sehe, das ist die Teilnehmerzahl. Wenn ich sehe, wie wenige bisher die #UVjetzt -Petition unterschrieben haben, obwohl das so wenig Aufwand ist. Wo sind da die 100 000 , die vom verlängerten Unterhaltsvorschuss profitieren würden? Sicher ist es nicht einfach neben Job, Haushalt und Kindererziehung sich noch dafür einzusetzen, aber wenn wir es nicht machen, wer dann?

  10. Hallo Frau Finke,
    da ich auch alleinerziehend bin, gebe ich heute auch meine Meinung wieder. Streiken käme mir überhaupt nicht in den Sinn. Ich möchte meiner Tochter ein Beispiel sein und denke bestenfalls an asiatische Länder zurück in denen ich oft gearbeitet habe. Das ist das Paradies hier. Vielleicht sollte auch darüber gelegentlich mal kurz nachgedacht werden. Es gibt hier echt wenig Probleme und die Probleme, die es hier gibt sind woanders deutlich schlimmer. Viel schlimmer, vergleichbares gibt es in D praktisch nicht. Da kämpfen die Menschen und schaffen es. Wenn ich einen Durchhänger habe, denke ich nur kurz daran und mache weiter und zwar noch besser, denn das einzige was einen Wert hat, ist das Leben selbst!
    Gruß
    Markus

    • Wir in Deutschland können zu jedem Thema einen Ort auf dieser Erde finden, an dem es schlechter ist.

      Sollen wir deshalb aufhören, bestehende Mißstände zu beenden und uns für Gerechtigkeit einzusetzen?

  11. Es muss etwas geschehen und ich bin der Meinung, dass wir das können. Raus aus dem Konjunktiv und rein in die Tat. Wir werden streiken! Wir werden unsere Situation noch mehr publik machen!
    Wir gehen mit unseren Kindern, Freunden, Verwandten auf die Straße, samstags, sonntags….bundesweit. Wenn wir es nicht machen, macht es keiner.
    Oder wie lange soll noch Jahr für Jahr der Armutsbericht über Kinder Alleinerziehender erscheinen? Wie lange noch sollen Kinder, Mütter und Väter am Limit leben?
    Sind wir denn ein gesellschaftliches Projekt oder was? Die Regierung weiß um unsere Situation! Warum tut sie nichts?

    Wir sind das Volk!
    Ich bin dabei, ich werde helfen beim Organisieren, schreiben etc.

    Viele Grüße
    Anja

  12. Hallo Fr. Finke,
    es ist definitiv eine gute Idee zu streiken. Lassen Sie uns ALLE Alleinerziehende jetzt vor diesen „bes.wichtigen“ Wahlen endlich mal streiken!!!
    Es würden sooo viele mitmachen….lassen Sie es uns tun…jetzt!!!
    Viele Grüße
    Nalan Akdogan

  13. Alsooo…????
    Warum unternehmen wir nichts? An einem Wochenende…ALLE zusammen. Ist es ein Organisationsproblem? Muss eine Demo „mega“ organisiert werden? Freu mich auf Antwort von euch.
    Viele Grüße
    Nalan Akdogan

  14. Liebe Frau Finke,

    anstatt sich die Welt der Alleinerziehenden immer um sich selbst dreht sollte man vielleicht mal versuchen an der Ursache anzupacken und nicht an den Auswirkungen!
    Wieso soll der Staat für etwas einspringen was jeder selbst in der Hand hat? Einfach mal ganz pragmatisch und nüchtern an die Frage rangehen…
    Letzten Endes zahlen doch die Arbeiter Deutschlands für Ihre „Idee“ dem Staat Geld einzusparen – im Umkehrschluss also auch ich.
    Das heißt klar ausgedrückt ICH SOLL IHREN KINDERN UNTERHALT ZAHLEN (kann mich nicht erinnern das ich uneheliche Kinder habe ;) ).

    • Hahaha. Wenn alle so denken, gibt’s keinen Staat mehr, keine Steuern, und Menschen, die nur Fahrrad fahren, bezahlen keinen Autobahnbau. Oder die Quersubentionierung von Wirtschaft, oder Gefängnisse. Denn mit Gefängnissen hab ich ja nix zu tun. „Die Arbeiter Deutschlands“ sind übrigens auch Frauen, Mütter und Alleinerziehende, die überproportional von Steuern und Sozialabgaben belastet werden (Ehegattensplitting, Steuerklasse II). Tut mir leid, diese Denkweise ist einfach nur sehr, sehr schlicht.

      P.S.: Der Staat lebt davon, dass er Kinder hat, die zukünftig IHRE Rente zahlen. Warum sollen drei meine Kinder das tun?

      • Freut mich wenn ich Menschen zum lachen bringen kann ;). Also ich muss sagen die Denkweise kann ich immer noch nicht nachvollziehen (übrigens stimmt es nicht das es weniger Menschen werden ohne Staat und ohne Steuern, bitte bitte Sichtweise mal überdenken es passiert eher das Gegenteil).
        Habe nie behauptet das Frauen, Mütter oder Alleinerziehende nicht arbeiten, davon nehme ich Abstand!!!

        Vielleicht sollte ich mich noch schlichter ausdrücken damit es verstanden wird.
        Soll ich Kinder auf die Welt lassen? Kann ich diese Versorgen? Wem gehören die Kinder? Wer sollte für diese sorgen? Was ist zu unternehmen um sie versorgen zu können?

        – Wenn diese Fragen von ihnen beantwortet sind geht es weiter, helfe gerne wenn ich kann!

        • Da ist ein großer Denkfehler drin: Kinderversorgung kostet nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit. Und Care-Arbeit ist unbezahlt (oder schlecht bezahlt, wenn man das beruflich macht, als Altenpfleger oder Erzieher. Und jetzt bitte nicht antworten, die Frauen müssten halt alle Chemie studieren oder Ingenieure werden, denn Care Arbeit braucht die Gesellschaft trotzdem.)

          Kinder setzen Alleinerziehende meist nicht allein in die Welt, sondern mit einem Vater. (Der Prozentsatz derer, die von Anfang an alleine sind, ist gering.) Wenn die Beziehung dann in die Brüche geht, sind beide nach wie vor verantwortlich in meinen Augen, denn das Kind kann ja nichts dafür, wenn sich die Eltern trennen. Leider bekommen aber 75% der Trennungskinder nicht den ihnen zustehenden Unterhalt. Und jedes zweite bis dritte Kind verliert nach der Trennung den Kontakt zum Vater, was eine Katastrophe ist, auch für die alleinerziehenden Mütter, die Hilfe dringend brauchen können.

          Wem gehören die Kinder? Niemandem. Aber sie sind die Zukunft der Gesellschaft. Und, wie gesagt, sollen kinderlose Menschen mit Rente versorgen.

          P.S.: Kinder bekommt man meist aus romantischen Gründen und aus Liebe. Von daher sind taktische Überlegungen wahrscheinlich eher etwas für gewollt Kinderlose. Aber viele Eltern trauen sich nicht, den Wunsch nach einem zweiten oder dritten Kind zu verwirklichen, weil sie Angst haben, das finanziell und zeitlich nicht mehr zu stemmen.

          • Es ist zwar richtig, dass 75% der Kinder nicht den zustehenden Unterhalt bekommen, wobei der Fairness halber darauf hinzuweisen ist, dass es bei 50% daran liegt, dass der Unterhaltspflichtige zu wenig verdient. 25% der Unterhaltspflichtigen zahlt regelmäßig und vollständig. Lediglich 25% unregelmäßig oder gar nicht (vgl. ZDF WiSO vom 06. Feb. 2017).

            „Aber viele Eltern trauen sich nicht, den Wunsch nach einem zweiten oder dritten Kind zu verwirklichen, weil sie Angst haben, das finanziell und zeitlich nicht mehr zu stemmen.“ – BRAVO! Dem ist praktisch Nichts hinzuzufügen. Ein seit über 30 Jahren stetig fallender Reallohn, ein aufklappende soziale Schere, unbezahlbarer Wohnraum und die absolut unsoziale Agenda 2010, sind zu großen Teilen mit Schuld an der Geburtenrate in Deutschland.

          • Ob es daran liegt, dass 50% tatsächlich zu wenig verdienen, wissen wir nicht, Muglintar – es gibt keine zuverlässigen Zahlen dazu. Was wir aber wissen, durch Pilotversuche wie z.B. in Reutlingen, ist dass dort nur 10% der Unterhaltsschuldner tatsächlich nicht in der Lage sind, Unterhalt zu begleichen, wenn das Jugendamt sich per Beistand ordentlich ins Zeug legt. Momentan liegt die bundesweite Rückholquote bei 23% – da ist also noch sehr viel Luft nach oben.

    • Herr Arbeiter, wenn Sie sich vom Solidarprinzip verabschieden, sollten wir unsere Kinder anweisen später für Ihre Rente nicht mitzuzahlen? Wir leben in EINER Gesellschaft, schon vergessen?

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