Geld, Geld, Geld. Kinderarmut und die volle Badewanne

Sie sitzt in der Badewanne und fragt, ob sie jetzt nicht doch noch Schaum haben könne. “Klar, kannst du, Jüngste. Lass einfach die Hälfte Wasser raus und füll Neues ein. Hier hast du Schaumbad.”

Meine Jüngste (8) überlegt. “Aber dann ist das doch Geldverschwendung, Mama”, wendet sie ein, obwohl sie sich jetzt, in diesem Moment, nichts sehnlicher wünscht, als mit Schaum baden zu dürfen.

Mein Magen verknotet sich. Nicht viel, nur ein bisschen. Ich denke an die vielen Monate, an die insgesamt etwa 3 Jahre, in denen ich meinen Kindern sagen musste, dass sie nicht immer baden können, wenn sie wollen, weil das zu teuer ist. Weil eine Badewannenfüllung so viel kostet wie ein günstiges Abendessen, wenn man Nudeln mit Soße kocht. Geheizt haben wir in dieser Zeit auch nur das Bad, und wenn die Temperaturen zweistellig unter Null waren, auch das Wohnzimmer.

Kinderarmut
Angelolucas auf Pixabay.com

Oft wusste ich am 20. des Monats nicht mehr, wovon ich für den Rest des Monats Essen kaufen soll. Ich hatte Angst, zum Briefkasten zu gehen, weil dort vielleicht eine Nebenkostenabrechnung lauern würde, denn die ersten beiden Male, als ich welche erhielt, hatte ich mehrere hundert Euro nachzahlen müssen, und auch die Anwaltsbriefe im Rahmen der Scheidung machten mir trotz Prozesskostenhilfe mächtig Bauchweh.

Über lange Zeit sehr wenig Geld zu haben, ist okay, wenn man jung ist. Wenn man drei Kinder großzieht, ist es unerträglich. Weil die Kinder dann nur gebrauchte Kleidung tragen, kein Eis im Schwimmbad kaufen können, weil der Schwimmbadeintritt trotz Sozialpass schon ein Loch in die Haushaltskasss reißt, und weil man ihnen nicht nur das Gefühl einpflanzt, dass kleine Annehmlichkeiten nicht selbstverständlich sind und große schon gar nicht, sondern auch vorlebt, dass es hart ist, dafür zu sorgen, dass Geld ins Haus kommt.

Das tut mir leid. Alles davon. Denn ich sehe, welche Spuren diese Jahre, in denen ich finanziell unter Null war, in den Kinderseelen hinterlassen. Es ist nicht nur das Geld, es ist auch die angespannte Mutter, die immer an ihre Arbeit und Deadlines dachte, und die ihren Kindern wahrscheinlich oft das Gefühl gab, dass sie störten. Vor allem, wenn sie krank wurden und nicht in die Schule konnten. Denn eigentlich wollte ich doch arbeiten, musste ich arbeiten, entspanntes und bezahltes Kranksein gibt es als Freiberuflerin nicht, weder für einen selbst noch für die Kinder. Im Urlaub waren wir seit Jahren nicht mehr, und das liegt nicht nur an den hohen Preisen für Reisen, sondern einfach daran, dass ich durcharbeiten musste.

Und es ist genauso, wie es in all den klugen Studien dazu steht: Meine Kinder spielen, wie viele arme Kinder, weder ein Musikinstrument noch sind sie im Sportverein. Motorisch sind sie wahrscheinlich auch weniger fit, exakt wie das die Studien konstatieren. Im Vergleich mit Zwei-Eltern-Familien mit einem Kind, was ja statistisch immer noch der Durchschnitt ist, schneiden sie hoffnungslos schlecht ab, was Zuwendungszeit und Förderung betrifft. Ich bin halt nur eine/r. Und sie sind drei, um die sich obendrein der Vater leider fast gar nicht kümmert, auch wenn ich das gerne gesehen hätte.

Was mich eigentlich am meisten wurmt, ist dass die ganze schöne Bildung (ich bin ja magna cum laude promoviert), das Auslandsstudium, die Berufserfahrung im Ausland und im Inland, all dies mir gar nix hilft. “Deine Bildung kann dir keiner nehmen!”, hat mein Papa immer gesagt. Und obwohl das stimmt, weiß ich nicht, ob sie mir und den Kindern wirklich etwas nützt. Was bringt es, wenn ich weiß, dass meine Kinder Defizite haben, dass die Umstände schwierig sind, wenn sie am Ende doch benachteiligt bleiben? Oder kommt mir das gerade nur so vor, und ist es am Ende doch gar nicht schlecht, dass sie in der Kindheit nicht auf Rosen gebettet waren? Ach, wenn man das alles wüsste.

Aber vielleicht ist es auch für den Moment egal. Denn Jüngste hat die Hälfte des Wassers aus der Wanne gelassen, sich Schaum gemacht, und badet gerade sehr zufrieden. “Mach das ruhig, ich habe das Geld dafür jetzt”, habe ich ihr versichert. Und sie freut sich, als hätte sie etwas geschenkt bekommen. Mir versetzt es trotzdem einen Stich. Autsch.

 

Linktipps mit weiteren Texten zu Armut von Christine Finke:

“Was Armut mit dir macht” in diesem Blog aus dem November 2014

“Wir sind arm” aus dem März 2015, erschienen in der Brigitte MOM Print (Bei “Referenzen, etwas runterscrollen. Ist dann anklickbar)

“Keine Privatsache” aus dem der Freitag vom 14.07.2016

TEILEN

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

Hinterlasse einen Kommentar

54 Kommentare auf "Geld, Geld, Geld. Kinderarmut und die volle Badewanne"

avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Stern
Gast

Ja – die Bildung kann einem keiner nehmen. Aber ich wünsche mir immer öfter dumm zu sein – dann würde ich mir über meine ganze Misere als Alleinerziehende vielleicht oft nicht so viele Sorgen und Gedanken machen und hätte vielleicht oftmals ein leichteres Leben!?!?!

Christina
Gast
Ich kann dich gut verstehen. Geld ist bei uns als Klischeefamilie mit Kind, Vater der sehr gut in Vollzeit verdient und Mutter mit befristeten Teilzeitjobs nicht das Problem. Ich bin vor rund einem Jahr leider schwer erkrankt. Unser Kind hat natürlich mitbekommen, dass viel auf der Kippe stand. Und ich habe mir auch Sorgen gemacht, dass die Unbeschwertheit weg sein könnte. Meine Kindheit war, durch den Tod eines Elternteils und große finanzielle Schwierigkeiten, nicht leicht. Dennoch weiß ich viele Dinge anders zu schätzen und habe so auch Stärke gewonnen. So pathetisch das klingt, wenn Liebe und Zuwendung da ist, gleicht… Read more »
Paula
Gast

Ich bin gerade jetzt in dieser Sitation. Alles; was Du beschreibst, trifft auf mich und meine drei Kinder zu. Ich weiß nicht, wovon ich bis Ende des Monats Essen kaufen soll. Musste mein Auto und sämtliche Sachen von Wert verkaufen.
Es tut mir alles so leid für meine Kinder. Es bricht mir das Herz und ich bin am Ende meiner Kräfte.

Suse
Gast

Bekamt ihr keine ergänzenden Hilfen zum Lebensunterhalt?Falls ja, hättet ihr so Unterkunftskosten, Betriebskosten, Heizung und Warmwasser nicht “safe”? Und z.B. durch den Status Hilfen zum Lebensunterhalt zu bekommen, die Berechtigung übers Bildungs- und Teilhabepaket für die Kinder Zuschüsse zu Musikschule, Sportverein, Zuschuss zum Mittagessen in KiTa bzw. Schule, Klassenfahrten, etc. zu bekommen?
Für “Familienferien” gibt es ja auch extra Zuschüsse von den Wohlfahrtsverbänden. Habt ihr das mal probiert zu nutzen?

alexandra
Gast
Ich glaube nicht das es Kinder stört oder langfristig beeinträchtigt wenn sie arm aufwachsen . Ich selbst bin arm aufgewachsen wir haben oft nicht genug zu essen bekommen Klamotten nur gebraucht usw. . Das einzige was mir daraus geblieben ist , ist ein sehr genauer blick aufs Geld und das es mir niemals so gehen soll. Was natürlich nicht geklappt hat ich war bei beiden Kindern vom ersten Tag an Alleinerziehend. Bis meine Tochter in den Kindergarten kam habe ich von Sozialhilfe gelebt danach hab ich mich mit Putzjobs Babysitten und was man sich sonst noch so vorstellen kann über… Read more »
Anja K.
Gast
Da kann ich Alexandra nur zustimmen. Auch in meiner Kindheit war es finanziell eng, vorallem nach dem Tod meines Vaters. Mein Bruder und ich haben Zeitungen ausgetragen um Taschengeld zu haben. Trotzdem haben wir eine gute Ausbildung gemacht, mein Bruder sogar studiert. Inzwischen bin ich selbst alleinerziehende Mutter seit der Geburt des Jüngsten vor 10 Jahren und das Geld ist knapp, da der Vater seit 7 Jahren keinen Unterhalt zahlt (davor auch wesentlich weniger als den Mindestunterhalt). Zeitweise lebten wir von Hartz IV, da mein Einkommen nicht ausreichte. Trotzdem waren und sind meine Kinder im Sportverein (Judo/Fussball), schwimmen beim DLRG… Read more »
Muglintar
Gast
unter 14 ist Jobben verboten! Kinderarbeit! hat mich auch nicht abgehalten (ich sah wesentlich älter aus). Rasen mähen und Gartenpflege, Industriegebäude putzen, Säcke im Akkord, in den Ferien in 12 Stunden Schichten, auf Paletten stapeln (mit 14!), Bretter im Sägewerk sortieren, Nachhilfe geben, später kellnern, Fast-food Kette, Spielhallenaufsicht, Abi, kaufmännische Lehre, Tätigkeit, Studium (mit 3 Nebentätigkeiten gleichzeitig), Tätigkeit – seit über 30 Jahren habe ich keine 2 Wochen am Stück nicht gearbeitet. Ging nicht anders, meine Schwester war zu klein, der Vater weg und Mutter krank. Wird man schneller erwachsen? Ja wird man, nur 12 oder 13 Jährige sind eben… Read more »
Anja K.
Gast

1. Kinder ab 13 Jahre dürfen leichte Tätigkeiten wie Zeitungen austragen oder Babysitter machen. Bei meinem Sohn ist alles legal mit Steuer- und Rentennummer. Und er ist nicht der einzige in seiner Klasse. Und die Eltern seines Klassenkameraden sind nicht alleinerziehend.
2. Weder mein Bruder noch ich haben durch unsere Jobs einen seelischen Schaden davon getragen. Aber die Jobs haben wir auch nur gemacht bis wir in unseren Berufen Geld verdienten und Ferien waren immer drin.

Muglintar
Gast

https://www.gesetze-im-internet.de/jarbschg/__5.html

leichte Tätigkeit bis zu zwei Stunden täglich in landwirtschaftlichen Familienbetrieben bis drei Stunden täglich. Ab 13 Jahren stimmt tatsächlich, alles hat man dann doch nicht im Kopf, danke für die Korrektur.

War das nicht früher mal “ab dem vollendeten 13. Lebensjahr”? – würde mich nicht wundern, wenn sogar der Arbeitsschutz für Kinder aufgeweicht worden ist.

Landfamilie
Gast
Liebe Christine, ich glaube nicht, dass deine Kinder sich aufgrund deiner finanziellen Engpässe vernachlässigt gefühlt haben – oder fühlen. Es gibt so viel Reichtum jenseits von Schwimmbadaufenthalten und Klavierstunden. Ich glaube, es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, wie wichtig Bildung ist – Bildung ist egalisierend. Wer gebildet ist, muss nicht auch noch perfekt schwimmen, singen oder Judo können. Daher hat dein Vater schon Recht – Bildung (gute Schulbildung, Hochschul- oder Berufsabschluss, Interesse an Weiterbildung…) kann einem keiner nehmen. Das muss allerdings die 8-jährige noch gar nicht wissen… Hauptsache, sie erfährt, dass das Leben an sich unglaublich lebenswert ist – auch… Read more »
Maja
Gast

Tut mir leid aber wenn ich so etwas lese macht mich das echt traurig. Wieso haben Sie 3 Kinder wenn man sichs nicht leisten kann?? Wir habens auch nicht dicke und haben uns genau aus dem grund nur für unser 1 Kind entschieden, weil mein partner und ich nicht wollten dass unsere Kinder wie wir in Armut aufwachsen müssen. So etwas muss man vorher bedenken, das gehört auch zu einer verantwortungsvollen Elternschaft.

S.soeldner
Gast
Liebe Christine, Ich kann nur Mut machen. Ich bin das Kind einer alleinerziehenden mit 5 Kindern. Ich spiele kein Instrument und war auch nie im Dportverein. Ich habe früh gelernt zu verzichten, auf Kleidung, Spielzeug,maber auch aufzulassen und Klassenfahrten. Sicher, manchmal war es hart, zumal wir selbst oft schauen mussten, dass wir was zu essen bekamen, denn meine Mutter war leider Vollzeit berufstätig und eigentlich nie da, genau so wie Brot und Butter. Kurz zusammengefasst war meine Kindheit arm, sehr arm denke ich. Ich habe aber nicht nur gelernt zu verzichten, sondern auch zu organisieren, zu priorisieren, war früh sehr… Read more »
Cornelia
Gast

Sjuper! Genauso auf diese Art und Weise habe ich meine Jungs groß gezogen und sie haben das selbe reflektiert! Sie stehen fest im Leben und machen mich mega stolz!

Dunja Voos
Gast

Liebe Christine,
ich finde es ganz wunderbar, wie ehrlich und klar du die Dinge beim Namen nennst. Ich treffe immer wieder alleinerziehende Mütter, die sehr verzweifelt abwehren, was diese Studien herausgefunden haben (die Gesundheit von Kindern Alleinerziehender ist oft schlechter und die Gesundheit der alleinerziehenden Mutter sowieso). Deine Beiträge sind so erholsam zu lesen, weil du ohne Umschweife schreibst, dass es eben so ist. Ganz lieben Dank!
Dunja

Herta
Gast
Liebe Christine, deine gute (Aus-)Bildung ist mit Sicherheit dir und deinen Kindern zugute gekommen. In Worten und Taten! Wenn ich mir hier mein Umfeld so angucke, so fehlt es heute eher an Eltern, die ihren Kindern Werte und Inhalte vermitteln. Ich bin überzeugt, dass du das besser bei deinen Kindern hinbekommen hast als viele andere Eltern, die zwar in der Lage sind/waren, ihren Kindern teure Markenklamotten zu kaufen, aber ansonsten nichts vermitteln haben – aus Zeitmangel oder Desinteresse. Oder weil sie glauben, sie sind gute Eltern, weil sie dem Kind alles kaufen können/konnten. Darauf kommt es nicht an! Die Kinder,… Read more »
Tina
Gast

Liebe Christine,
danke Dir auch für diesen Beitrag. Wieder einmal aus meiner Seele geschrieben.
Aber: wenn ich die Kommentare lese, kann ich es nicht fassen, dass es immer noch so ist und wir Alleinerziehende einfach vor die Hunde gehen mit dieser allumfassenden Belastung.
Wann werden wir endlich von der Politik wahrgenommen?
Es muss endlich etwas geschehen!
Herzliche Grüße an Dich und alle Alleinerziehenden!

Andrea
Gast
Liebe Christine, wie gut kann ich dich verstehen. Ich selbst habe 4 Geschwister und bei uns gab es weder Taschengeld noch Urlaube oder anderen Luxus. Als Kind hat es mich nicht gestört. Ich komme aus dem Osten und meine Freunde lebten teilweise ähnlich. Sport und Musik, das war ja sehr gut möglich, bedingt durch das ostdeutsche System. Erst im Studium merkte ich, wie “abgehängt” ich war. Ich konnte nicht Tennis spielen, nicht Skifahren, war nie in der Bretagne oder Toskana, sprach schlecht Englisch, da ich nie eine Sprachrreise oder Auslandsjahr hatte… endlos könnte ich weiter machen. Ich fühlte mich zwischen… Read more »
Mamamaj
Gast
Ich glaube, dass solche Erfahrungen für Kinder zwar nicht angenehm sind, aber dass sie nicht unbedingt schlecht sein müssen. Mir fiel beim lesen etwas ein, dass zwar ein anderes Thema berührt aber doch irgendwie passt. Meine Kinder sind 8, 6 und 4 Monate. Meine Mutter verstarb bevor ihr erstes Enkelkind geboren wurde, mein Vater als die Großen 5 und 3 Jahre alt waren. Und natürlich haben die Kinder meine Trauer darüber mitgekriegt, bzw. selbst getrauert. Mein Sohn (der Älteste ) kann nur selten über den Tod seines Opas weinen, er spricht nicht gern darüber. Denn er beobachtet mich immer ganz… Read more »
Anni Bürkl
Gast

meine ganz persönliche Sicht: Trauer zulassen – gemeinsam weinen? Ja, ist schlimm, aber geteiltes Leid und so? Oder?

Susanne
Gast

Aus meiner eigenen Erfahrung denke ich, dass das Verständnis für die Geldknappheit in den letzten Jahren schon da war und ist. Und es war auch ganz bestimmt nicht verkehrt zu sehen wie man spart und wie es ist, nicht alles zu bekommen.
Wichtig war allerdings dass du deinen Kindern nie die Verantwortung übergeben hast, dafür zu sorgen das Geld in die Kasse kommt. Das traumatisiert ganz ordentlich!

Anni Bürkl
Gast

Das ist das größte Drama: Dass Bildung nicht automatisch genügend zum Leben bringt.

:-(

Theresia
Gast

Anni, das ist direkt ein Skandal, dass eine Frau mit Dr. Studium wegen der Kinder keinen passenden Job findet. Der Staat müsste, damit eine Alleinerziehende arbeiten kann, eine Ganztagsbetreuung, auch für die Wochenenden, finanzieren, damit wir dies schaffen. Die Kinderlosen müssen bezahlen. So wäre es richtig. Bin gerade richtig wütend.

Elisa
Gast
Liebe Christine, ich bin sonst stumme Mitleserin, doch jetzt juckt es mich in den Fingern. Du benennst die finanzielle Knappheit, die ihr über Jahre aushalten musstet, korrekt als Risikofaktor, z.B. für die weitere Entwicklung oder spätere Schwierigkeiten, die im Leben deiner Kinder auftreten könnte. Im Fachsprech reden wir vom “niedrigen sozioökonomischen Status” (wie das schon klingt…naja.). Und jetzt kommt das große ABER: Bei dem, was du auf deinem Blog über dich preisgibst, sehe ich so viel mehr als diesen einen Risikofaktor. Nämlich ganz ganz viele Schutzfaktoren. Du lebst deinen Kindern Resilienz vor, indem du sehr sehr lange sehr stark warst… Read more »
Karoline
Gast

Liebe Christine,

ich lese schon eine ganze Weile dein Blog und ich möchte dazu auch gern etwas schreiben.

Ich finde, dass du intelligente und interessante Texte schreibst, welche mich perrsönlich oft zum Nachdenken anregen. Danke dafür.

Aber:
Deine pessmistische Grundhaltung ist so furchtbar erschreckend.
Und darüber würde ich nachdenken. Ständig dieses Gejammere… das würde ich meinen Kindern nicht antun wollen.
Und ja, ich kann deinen Schmerz, deine Wut und vielleicht auch deine Verzweiflung nachvollziehen… aber HEY Du hast drei gesunde Kinder, du hast eine Wohnung, du hast Aufträge, sei doch einfach verdammt nochmal glücklich!
Lieben Gruß

Tina
Gast

Das glaube ich ja jetzt wohl nicht, Karoline!
Das ist kein Gejammere, das sind die Fakten. Und genau die gehören hier auf den Tisch! Wenn Dir das zuviel Realität ist, dann verschwinde doch in einen Koch- oder Handarbeiten Blog.
Schnaub!

Miriam
Gast

Hallo Christine,
ich bin nicht alleinerziehend und ich bin dankbar dafür. Ich lese Deine Artikel aber regelmässig, verstehe, staune und brech zusammen vor Mitleid und….ziehe meinen Hut und bin so froh, dass es Frauen wie Dich gibt. Dankeschön !!!

Lena
Gast

Ich habe ein Kind und lebe allein. Mein Mann ist weg. Er hatte keine Lust mehr auf mich und die Tochter. Ich bin deshalb in meiner Familie nicht angesehen. Meine Mutter sagt, dass ich nicht gut zu meinem Mann war. Deshalb ist er weg. Ich kenne kein Land, dass mir besser hilf als Deutschland.

Lina
Gast

Sehr guter Artikel. Bin selber bei einer alleinerziehenden Mutter grossgeworden. Und die Situation (Armut, Vater der sich nicht kümmert, psychische Probleme der Mutter) haben mich oft sehr stark belastet. Dass alle Kinder alles so einfach weg stecken, glaube ich deshalb nicht.
Aber den einen Kommentar hier, dass Kinderlose für die Betreuung der Kinder von Alleinerziehenden bezahlen sollen finde ich gemein und ungerecht. Es gibt viele Kinderlose, die ungewollt keine Kinder haben. Und viele wie ich, wo es in jungen Jahren wegen Teilzeitverträgen, Praktika und Mini-Jobs nie zur Familiengründung gereicht hat…

Manuela
Gast
Jedes Kind geht ja anders mit den Umständen um. Ich habe auch drei allein aufgezogen (die Älteste ist nun schon 27), aber auf jede hat es anders gewirkt. Die Große wollte mehr Taschengeld, was nicht ging, es gab nur die Empfehlung sich einen Job zu suchen. (böse Mama!). Seit sie 15 war hat sie also gejobbt, kann sich in vielen Situationen zurechtfinden, hat eine abgeschlossene Ausbildung, studiert gerade erfolgreich, kann aber Geld nicht zusammenhalten. Die Mittlere ist dafür ein echter Sparfuchs, die Jüngste sehr bescheiden. Wie viel davon ist nun den Umständen geschuldet? Ich komme zwar aus dem Osten, wir… Read more »
Anonym
Gast
Liebe Christine, ich bin mir ganz sicher, dass man kein schlechtes Gewissen haben braucht, wenn das Kind nicht mehrfach die Badewanne füllen kann, wenn z.b. in Afrika Kinder verhungern… Ich sehe einige dieser in viel Luxus aufgewachsenen Kinder, die jetzt selbst für sich sorgen sollten und es, aufgrund dieser Luxus Erfahrungen in ihrer Kindheit nicht schaffen. Vor allem psychisch. In so weit könnte das sogar ein Vorteil sein, wenn Kinder lernen, dass man nicht immer alles haben kann, dass Geld nicht alles ist und man auch arbeiten muss um sich was leisten zu können. Wo ich persönlich mehr Bauchschmerzen hätte… Read more »
Billy
Gast

… schon gemerkt ? Der Unterhaltsvorschuss kommt wohl doch nicht …

Bleiben die Alleinerziehenden und ihre Kinder über 12 nochmals auf der Strecke?

https://www.haufe.de/recht/familien-erbrecht/ab-2017-unterhaltsvorschuss-bis-zur-volljaehrigkeit-des-kindes_220_387034.html

23. Mai 2017

da sollte mama arbeitet sich mal wehren und ne dicke Welle machen …

Sebastian
Gast
Ich kann Ihnen versichern, dass viel Geld auch nicht soo toll ist. Ich komme aus einer Familie, wo Geld bedeutungslos ist. Meine Eltern haben in Deutschland mehr als 3000 Immobilien. In München stand ein Gebäude direkt am Rotkreuzplatz sieben Jahre lang leer. Mit knapp 17 000 m² Bürofläche. Mein Vater hatte nach dem letzten Mieter einfach keinen Bock mehr neu zu vermieten. Ich selbst habe zwar Abitur gemacht und ein Ingenieursstudium erfolgreich absolviert. Ich könnte überall arbeiten, aber ich habe einfach keine Lust dazu. Die Motivation wurde mir durch das viele Geld genommen. Das ist wirklich traurig. Derzeit bin ich… Read more »
Martin
Gast

Hallo Sebastian,
auch wenn man denkt, man kann niemanden in so einer Position bemitleiden, schaffen Sie das mit dem Text durchaus.
Natürlich ist es immer leicht, als außenstehender Tipps zu geben, aber ich weiß, dass es an vielen Stellen hilfreich ist, wenn eine helfende Hand zur Verfügung steht. Spenden natürlich auch, aber der Effekt ist sicher noch ein anderer, wenn man selbst in zB ein (Kinder-)Krankenhaus geht und fragt, ob man irgendwie helfen kann.
Vielleicht macht es Sie in Ihrem Leben auch nicht glücklicher, aber anderer Leben schon. Einen Versuch ist es durchaus wert.
Beste Grüße nach Ibiza ;)
Martin

Gast
Gast
Also mein Mann hat 18000 Jahreseinkommen… wir haben drei Kinder. Ich bin Studentin und zu alt für Bafög. Wir bekommen nichts dazu, weil ich als Studentin nicht zähle für das Job Center. Dh wir haben zu fünft weniger als Harz iv. Ohne Kindergeld kämen wir nicht über die Runden. Wir haben eine 2.5 zimmer Wohnung und fahren nicht in den Urlaub. Und eine Badewanne haben wir auch nicht. Die kinder baden zu dritt in der Duschwanne. Wir sind sehr sparsam. Warmes essen gibt es einmal die Woche. Die kinder essen ja in der kita/hort warm. Schwimmbad und Kino etc geht… Read more »
Anja K.
Gast
@Gast Deine Einstellung finde ich toll. Ihr versucht das Beste aus der Situation zu machen mit viel Phantasie. Respekt! Ich denke auch, dass es Kindern nicht schadet, wenn gespart werden muss, weil wenig Geld da ist. Damit lernen Sie die Dinge viel mehr zu schätzen, als wenn alles selbstverständlich ist. Dies kann ich an meinen Kindern beobachten. Während es für andere z. B. selbstverständlich ist ins Kino zu gehen, freuen sich meine riesig, wenn sie von ihrem Patenonkel zu Weihnachten einen gemeinsamen Kinobesucher geschenkt bekommen. Und mein Großer hat sein Handy, das er sich vor 3 1/2 Jahren vom zusammengesparten… Read more »
Naimoe
Gast

Liebe Christine,
danke für Deinen Text. Ich bin beeindruckt und froh, dass Du so mutig auch über schwierige Dinge schreibst und hoffe, dass das Dir und Deinen Kindern nie zum Nachteil ausgelegt wird und dass sich Eure Situation weiter verbessert. Gleichzeitig bange ich um Euch, in Deinen Texten klingt es an, dass Du von außen auch unter Druck stehst. Ich bin vielleicht in einer etwas ähnlichen Situation mit Kind mit Behinderungen. Zumindest habe ich tw. das Gefühl, dass ich Schutz in der Öffentlichkeit suchen muss vor übereifrigen Bedenkenträgern.

Alles Gute!

wpDiscuz