Krass ruhig: Umgangs-Strohmama mit nur 1 statt 3 Kindern

Wie viel man leistet, merkt man manchmal erst, wenn man es nicht mehr tut.

Auch bevor ich Umgangs-Strohmama wurde, habe ich gewusst, dass es viel ist, 3 Kinder alleine großzuziehen. Ich mache seit 6 Jahren wirklich alles ganz alleine. Ich war oft unsagbar erschöpft, mutlos und auch genervt. Aber sind das nicht alle Mütter? Und alle Alleinerziehenden sowieso?

68% der Alleinerziehenden sorgen für ein Einzelkind, 25,5% für zwei Kinder, und nur 6,5% für drei oder mehr Kinder. Viele von ihnen stehen unter massivem Druck, psychischem und finanziellem (siehe neueste Bertelsmann-Studie dazu). Ich bin eine von denen, die drei Kinder betreut. Die keinerlei Unterstützung vom Vater der Kinder im Alltag erfährt, keine Familie vor Ort hat, keine liebe Leihoma oder Sonstiges hat, trotz guter Netzwerke und vieler Freunde. Deren Nachbarn selbst mit Job und vielen Kindern täglich jonglieren, und die obendrein wenig Geld verdient, so wie das bei vielen Alleinerziehenden der Fall ist.

strohmama

Umgangs-Strohmama mit 1 Kind für eine Ferienwoche

Ich habe mich daran gewöhnt. Wie sehr, das ist mir gerade aufgefallen, als ich ausnahmsweise eine Woche alleine war mit meiner Jüngsten, die nun 7 ist und aus dem Gröbsten raus, weil die beiden älteren Kinder eine Woche beim Vater verbracht haben. Das hat Seltensheitswert, und ich bin unsagbar froh, dass es ihnen dort gefallen hat und das mittlerweile, einige Jahre nach der sehr strittigen Trennung (Euphemismus für Riesen-Rosenkrieg mit allem drum und dran), möglich ist.

Versteht mich nicht falsch: Ich war 6 Jahre lang verheiratete Mutter eines Einzelkindes, nämlich von 2000-2006, und teilte mein Leben mit dem Exmann. Und auch da erschienen mir die Tage häufig zäh, schwierig und anstrengend. Und weitere 3 Jahre war ich verheiratete Mutter von 2 Kindern, bis 2009 die Jüngste zur Welt kam. Es war oft schwierig. Aber 3 Kinder ganz alleine großzuziehen, vom Säugling bis zum Teenie, das ist unfassbar hart, selbst wenn die Ehe schon schwierig war. Ich sage das ohne Reue, denn die Trennung hat mich nie gereut, nicht eine Sekunde lang. Es ist einfach eine sehr nüchterne Feststellung.

eis

Einkaufen wie ein Single-Haushalt

Zurück zu dieser einen Woche, in der ich nur ein Kind zu betreuen hatte – ich war fassungslos darüber, wie wenig zu tun ist. Die Geschirrspülmaschine lief erst nach 6 Tagen, die Waschmaschine stellte ich eine ganze Woche nicht an, meine Einkäufe glichen denen eines Single-Haushaltes, bis auf das lustige bunte Eis und die Kinderzahnpasta.

Es gab keinen Streit unter den Geschwistern, von denen sich die jüngeren beiden hier ein Zimmer teilen müssen, keine Eifersüchtelei um meine Aufmerksamkeit, kein Gebrüll. Es herrschte Friede, Freude, Eierkuchen von früh bis spät.

Damit will ich nicht sagen, dass Alleinerziehende mit nur einem Kind das große Los gezogen haben. Denn jedes Päckchen, wenn man es lange genug alleine trägt, ist schwer. Und die Feriensituation ist sicher auch eine besonders entspannte gewesen für meine Jüngste. Aber hossa, was war es für ein Unterschied zu meinem sonstigen Alltag!

Nein, ich habe die Kinder nicht vermisst!

Ich habe die beiden großen Kinder auch nicht vermisst. Erst nach 5 Tagen als Umgangs-Strohmama setzte bei mir das Gefühl ein, dass ich sie jetzt gerne alle wieder komplett hier hätte, aber ohne akute Sehnsucht, einfach als schönes Gefühl. Und nein, ich habe kein schlechtes Gewissen deswegen. Denn mir wurde gerade sehr deutlich vor Augen geführt, was ich das ganze Jahr über leiste. Es ist verdammt viel.

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Christine FinkeAndreaHertaSusannRona Letzte Kommentartoren
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Irmy
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Irmy

Hallo Christine, …das habe ich auch gedacht vom ersten Moment an, als ich zufällig auf Ihren Blog gestossen bin, nämlich „das ist ja unmöglich zu leisten mit 3 Kindern“ und verfolge seitdem Ihre, bzw. die Entwicklung der Kinder mit grosser Hochachtung. Allein schon den unterschiedlichen Alters-/Entwicklungsstufen von jetzt Erstklässerin über 10-jährigem Boy bis zur Teenagerin gerecht zu werden und auch noch für den Lebensunterhalt sorgen zu müssen, ist HOCHLEISTUNG. Ich, als ehemalige Alleinerziehende und voll berufstätig von nur einer Tochter habe diese manchmal auch auf den Mond gewünscht und kann sehr gut nachvollziehen, wie schön es ist, wenn Ruhe und… Weiterlesen »

J.J.
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J.J.

Yeah! von Alleinerziehende mit Dreien (alle unter 10) zu einer anderen: Wie entspannt ist das denn, ne?! Habe ich jetzt auch erst kürzlich das erste Mal gehabt, und das „befristete“ Einzelkind fand es auch großartig!

Liebe Grüße
JJ

Suzie
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Suzie

Ohne Bösartigkeit und Vorwurf – allein weil es mich interessiert: mich haben die ersten 3 Jahre mit Kind wirklich angestrengt. Und wenn ich mir vorstelle, den Alltag mit 3 Kindern zu regeln!! Und die Kosten!! Daher wollte ich nie noch weitere Kinder. Mit einem Kind ist es jetzt (6 Jahre) wunderbar und entspannt. Was bewegt jemanden, wenn es doch anstrengend ist, noch mehr Kinder zu bekommen?

Rona
Gast
Rona

Liebe Christine,
genau das merke ich gerade. Die Ferien sind vorbei, die Kinder sind in der Schule, ich habe ein paar Stunden Zeit allein zum Arbeiten und sofort geht es mir viel besser. Auch die wenigen Tagen/Wochen, die ich mal ohne Kinder in den letzten Jahren erlebt habe, machten sehr deutlich, wie erschöpft ich wirklich bin. Ich konnte oft erstmal nichts als schlafen. Bei Dir ist das noch potenziert. Aber ja: jeder hat sein Päckchen zu tragen. Das hast Du schön geschrieben. Mit irgendwelchen Kräften schafft man das auch, aber es zehrt. Ich freue mich, dass Du das so genießen konntest.

Susann
Gast
Susann

Meine Theorie ist, dass auch Kinder sich an das Aufmerksamkeitslevel gewöhnen. Ein (Einzel-)Kind ist jede Menge Arbeit. Weder Kind noch man selbst kennen es anders und man schenkt dem Kind naturgemäß jede Menge Aufmerksamkeit. Deine Jüngste muss sich ja aber sonst die Aufmerksamkeit teilen und ist gar nicht so viel gewohnt. Da macht es einen Riesenunterschied, wenn sie das mal nicht muss => Entspannung für alle. Empfinde ich auch immer so, wenn ich nur mit einem statt zwei Kindern unterwegs bin.

Herta
Gast
Herta

Hallo, ich habe auch drei Kinder und bin auch immer erstaunt, wie wenig Arbeit man hat, wenn nur eins da ist und die anderen unterwegs. Frage mich auch immer, wie die Kriegerwitwen in den 40er und 50er Jahren mit 4-6 Kindern allein zurecht gekommen sind… Allerdings waren die Kinder da auch wohl komplett sich selbst überlassen und eins musste auf das andere aufpassen. Die Zwillingsgeschwister meiner Mutter wurden von ihr und der älteren Schwester aufgezogen – damit hatte meine Oma nichts zu tun… Mein Vater hat seinen zehn Jahre jüngeren Bruder hüten müssen. Der wäre dabei mal fast ums Leben… Weiterlesen »

Andrea
Gast
Andrea

Hallo, Ich will hier auf keinen Fall Deine Leistung mit den 3 Kindern herabsetzen! Nur möchte ich als Einzelkindmama anmerken, dass ein Punkt bei Dir fehlt im Vergleich: Ein Einzelkind hat NUR die Mama. Als Spielkamerad, als Zuhörer, als Tröster und als Reibungspunkt. Auch wenn das Kind in die Kita geht, ist das nicht ganz das selbe wie unter Geschwistern. Als Mama eines Einzelkindes kann es sein, dass das Kind pausenlos an Dir dran hängt, alles an Dir abarbeitet was es an Entwicklungsarbeit leistet und keine Sekunde alleine in seinem Zimmer spielen will. Dazu bist Du als Einzelkindmama ständig gezwungen… Weiterlesen »

Andrea
Gast
Andrea

Nachtrag:
Sehe gerade dass es aus meinem text nicht deutlich wird: ich bin auch allein erziehend.
Das jammern ist also nicht auf gar so hohem niveau ;o)
1 kind, 1 job, 1 hausbaustelle, 1 Rosenkrieg.

Abends im bett wenn der kopf vor sorgen keine ruhe findet, dann lese ich mich durch deinen blog und die bei dir verlinkten und fühl mich nicht gar so allein auf dem schlachtfeld. Danke!
Liebe grüsse
Andrea