So many To dos, so little time

Huch, schon wieder Ferien. Aber das spielt für meine Kunden keine Rolle, ich bin ja selbstständig.

Natürlich kann ich mir meine Zeit selbst einteilen, aber die Fallstricke des Konstrukts „alleinerziehende Mutter und Freiberuflerin“, mein unfreiwillig gewähltes Schicksal, dominieren unser Leben mehr als die Stadt, in der ich lebe, und der Mann, mit dem ich die Kinder bekommen habe. Es sind die Strukturen, nicht die persönlichen Entscheidungen.

Weder darf ich jemals krank werden, alleine schon aus praktischen Gründen (niemand versorgt dann die Kinder), noch habe ich Ferien. Ferien, das ist so eine romantische Idee, bei der man Zeit mit den Kindern und der Familie verbringt, und das genießt. Hahaha. Entschuldigen Sie mein bitteres Lachen, denn meine Kinder kennen Ferien nur als die Zeit, in der sie ihrer Mutter noch mehr auf die Nerven gehen als sonst. Meine To do Liste wird jeden Tag länger, der Berg auf dem Schreibtisch wächst, der Knoten in meinem Bauch auch. Und leider ein gewisses Frutrationspotential ebenso.

Und dabei liebt ihre Mutter, also ich, ihre Kinder. Von ganzem Herzen. Aber für sie dazusein, während ich gleichzeitig für die Arbeit da sein soll, ist ein bisschen viel verlangt. Zumal wir kein Geld für Ausflüge, schöne Reisen und Freizeitvergnügen haben, was meinen Kindern schmerzlich bewusst ist.

To dos
Herbert 2512 auf Pixabay.com

Ich fühle mich gespalten. Soll ich lieber sagen, Leute, ich lasse das mit dem Arbeiten, das ist mit den Kindern nicht vereinbar, ich beziehe Transferleistungen? Oder soll ich, wie ich es tue, meinem Herzen folgen und arbeiten, weil ich es mag? Was ist besser für meine Kinder? Muss ich meinen Ehrgeiz vielleicht einfach zurückstellen?

Irgendwas ist immer, und sei es nur die Häkelnadel und die Wolle für Jüngste zu kaufen, deren Kunstlehrerin nach den Pfingstferien mit der Klasse häkeln will. Wie schön wäre es, die Schule würde sowohl die Häkelnadel in Stärke 6 als auch die Wolle Stärke 5-7 einfach stellen? Und was ist daran so schwer?

Ich hab so viel zu tun, und so wenige Schultern, die mich stützen. Es ist schwer, nicht nur wegen der Häkelnadel. Der dritten, denn ich hab das alles ja genauso schonmal erlebt, und alles bleibt gleich. Am Ende sind es immer die Eltern, die irgendwas falsch gemacht haben. Nie die Gesellschaft oder die Strukturen.

Aber ich weiß, dass es anders ist. Ich vergesse es nur manchmal, wenn alle mich schräg angucken. Es ist schwierig, in der Spur zu bleiben. Ich hab keine Ahnung, wie ich das mache. Ich hoffe einfach, ich bleibe drin.

 

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Momofthree
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Momofthree

I feel it! I feel you! Wir sind in Niedersachsen schon kurz vor Schuljahresende. Letzte Klassenarbeiten, Abschlussklausuren der Großen, Abschlussball, alle Vereine, Gruppen etc. wollen nochmal grillen, schmausen, Abschiedsgeschenke etc. Mache ich alles von Herzen gerne (und schlucke vielleicht manchmal während der Addition der „wirklich kleinen Beträge“) und fühle mich auch derzeit nicht vollständig, weil ein Kind auf Klassenfahrt ist und wir „nur“ zu dritt sind. Mein Preis dafür, dass es einigermaßen klappt, ist ein enormer Kompromiss jobtechnisch. Ich bin unterqualifiziert tätig, habe aber festes, geringes jedoch im „Urlaub“ weiterbezahltes Einkommen, bin mit den Kindern krankenversichert und empfinde das schon… Read more »

Katharina
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Katharina

Bei mir ist es genauso wie bei MoT, auch ich habe einen Studienabschluss in der Tasche und arbeite mittlerweile auch auf einer unterqualifizierten Büro- Stelle, Teilzeit natürlich.
Leider heißt es als Alleinerziehende allzuhäufig das eigene Talent/Wissen/Ego für finanzielle Sicherheit zum Studienabschluss in die Tasche packen.

Monallisa
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Monallisa

Können Sie Dir in Konstanz nicht irgendeine Stelle in der Stadtverwaltung backen? Oder als Pressefrau für irgendeine städtische Einrichtung? Du solltest doch Connections über Deine Stadtratstätigkeit haben. Sei nicht zu Stolz, mal ein bisschen Vitamin B einzusetzen.

Freie Autorin kannst Du ja später immer noch sein, hm?

Weiterhin alles Gute!

Reinette
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Reinette

Ach, ich weiss nicht. Ich lebe ja in Frankreich, der Insel der Glueckseligen, wenn man den deutschen Medien glaubt, und hier ist es auch nicht anders. Hier brauchen die Schulen genauso Muetter, die mit zur Bibliotheque gehen oder Kuchen backen, oder man muss noch schnell Trinkhalme mitgeben oder oder oder. Leben koennen Lehrerinnen hier mit Familie uebrigens auch nur, wenn sie einen gutverdienenden Mann haben…

Sara
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Sara

Ja. Und Häkelnadeln gibt’s gefühlt (und wahrscheinlich auch wirklich) ständig. Über die einzelne kann man sich auch fast nicht beschweren, weil es ja nur eine Häkelnadel ist und keine große Sache. Dass es einen aber Zeit kostet, die man wieder woanders abzwacken muss, und dass es soooo viele solcher „kleiner“ Sachen gibt, die ja alle gemacht werden sollten (und die außer einem selber auch niemand macht, wenn man Alleinerziehend ist), das sieht keiner so richtig… Es macht einen so mürbe. Und müde. (Und ich muss darüber nachdenken, wie ich bei der nächsten Häkelnadel reagiere, damit es vielleicht besser werden kann…)

Herta
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Herta

Wollt ihr denn alle mit Kindern Vollzeit arbeiten? Wie soll das gehen? Gerade bei einer Stelle, die enormen Einsatz verlangt. Ich hatte so eine Stelle, und die wurde noch nicht mal soooo gut bezahlt. Ich bin gegen 8.00 Uhr aus dem Haus gegangen und habe die Haustür müde und erledigt um 19.00 Uhr, teilweise auch später wieder aufgeschlossen. Freitags gab es immer besonders viel zu tun. Vor 19.30 Uhr war ich nie zu Hause – wenn was zum Wochenende fertig werden musste, auch erst um 20 Uhr. Urlaub? Es gab Urlaubssperren, wenn was wichtiges anstand. Meine Freundin hat in leitender… Read more »

katrini
Gast
katrini

Die Beispiele hören sich wirklich schlimm an. Aber warum ist das jetzt die Schuld der Mütter? und nicht wie im zweiten Beispiel eindeutig die des unverantwortlichen Vaters? Und wie kommen Sie darauf, dass Mütter besondere Verpflichtungen haben, wenn sie Kinder bekommen? Es gehören zwei gleichberechtigte und damit gleichverantwortliche Leute dazu!

Billy
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Billy

Wie das ifo-Institut in einer aktuellen Studie vorrechnet, ist beispielsweise für einen Alleinerziehenden mit zwei Kindern das zusätzliche netto im Bereich zwischen 1700 und 2350 Euro negativ. Im Klartext: Wer mehr verdient, hat am Ende weniger in der Tasche. Quelle Focus.

Natalie
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Natalie

Soll ich lieber sagen, Leute, ich lasse das mit dem Arbeiten, das ist mit den Kindern nicht vereinbar, ich beziehe Transferleistungen? – Ja, bringt mehr Geld und mehr Freizeit.