So much for Plans. Und umplanen, aber zacki!

Eigentlich säße ich jetzt in der Findungskommission zur Wiederbesetzung der Leitung unserer Konstanzer Stadtbücherei. Die hätte um 11 Uhr angefangen, und das hat sie auch. Aber ohne mich. Denn anstatt die 4 Bewerber jeweils eine Stunde zu befragen und kennenzulernen, gemeinsam mit anderen Stadträten, die von ihren Fraktionen dafür entsandt wurden, verabreiche ich Ibuprufensaft gegen Schmerzen und koche Tee.

Schade, schade. Dabei hatte ich alles so gut geplant! Wenn ich nämlich etwas vorhabe, gehe ich nicht einfach aus dem Haus, sondern habe vorher wie ein Logistiker zu denken. Für diese Findungskommission zum Beispiel musste der Sohn heute früh mit dem Roller zur Schwimmhalle, wo der Schwimmunterricht stattfindet, damit er nach der Schule mitsamt seinem schweren Schulranzen den Berg hinunterrollen kann, der Weg ist relativ weit für unsere kleine Stadt, und nicht ganz ungefährlich, aber so etwas kann man einem 9-Jährigen schonmal zutrauen. Es ist ja auch nicht das erste Mal. Dann durfte ich nicht vergessen, dem Sohn den Schlüssel mitzugeben, damit er nicht vor verschlossener Türe steht. Und die Abholung der Jüngsten von der Schule musste auch organisiert werden, freitags ist keine Ganztagsschule, da hat sie schon um 13 Uhr Schule aus, und auch bei ihr ist es so, dass der Schulweg für 1. Klässler wegen einer gefährlichen Straße nicht alleine machbar ist. Also fragte ich die Nachbarn, ob sie mein Kind mitnehmen können. Und bot im Gegenzug an, beide Kinder, also den Nachbarssohn und die Jüngste, morgens zur Grundschule zu bringen. Ich briefte meine große Tochter (15), dass sie bitte über Mittag nach der 6. Stunde zuhause sein möge, um nach den Geschwistern zu gucken. Die nickte und fand das zumutbar. Fein.

Medizin

Und dann hatte ich noch der anderen Nachbarin beizubringen, dass ich ihren Sohn nicht, wie sonst, am Freitag nach der 5. Stunde von der Grundschule des Sohnes mitnehmen können würde. Sie fährt im Gegenzug den Sohn an zwei Tagen morgens zur 1. Stunde zur Schule, das passt gut mit dem Stundenplan ihres Kindes, das auch die weiter entfernte Schule oben am Berg besucht. Dass die berufstätige Nachbarin darüber nicht begeistert sein würde, war klar. Denn mit jeder Planänderung in Haushalt A mit Kindern wackelt irgendein Plan im Haushalt B.

Ich kochte Nudeln vor, schon vor halb 10, ich legte meine Unterlagen bereit, ich hatte an alles gedacht. Und dann rief um halb 10 rief der Klassenlehrer der Jüngsten (6) an, die gerade mal seit einer guten Woche in die Grundschule geht. Das Kind habe Ohrenschmerzen, ob ich es abholen könne. Er klang entschuldigend, wahrscheinlich hat er im letzten Job, an der anderen Schule in der Nachbarstadt, in so einer Situation öfter mal genervte Eltern am Telefon gehabt, die nach dem Anruf ein Problem am Arbeitsplatz hatten. Aber ich arbeite ja von zuhause, die Schule ist um die Ecke, so gesehen ist solch ein Anruf keine Katastrophe. Ganz anders als damals, als ich noch fast 2 Autostunden entfernt in der Schweiz angestellt war (bis 2011). Oder als ich 2011 beruflich für eine Woche in Norwegen war, bereits getrennt, und die drei Kinder mit dem Au-Pair alleine zuhause waren, und die Jüngste (2 Jahre alt) hohes Fieber bekam. Diese Tatsache vor Augen, relativiert sich so ein Anruf schnell.

Teddy

Aber ach, all meine schönen Pläne, die doch mit einem gewissen Aufwand verbunden waren! Nun galt es, sie zu rückabwickeln. Zuerst mal eine Mail an den zuständigen Bürgermeister schicken, der die Findungskommission leitet. Reinschreiben, dass ich später komme und warum, und hoffen, dass das mit dem Späterkommen auch klappt. Dann das kranke Kind abholen, danach zur Apotheke, dann den Nachbarn benachrichtigen, dass die Jüngste heute doch nicht mit abgeholt werden muss. Eine zweite Mail an den Leiter der Personalabteilung schicken, in der dasselbe steht wie in der an den Bürgermeister, nur zur Sicherheit, damit auch klar ist, warum ich fehle. Dann atmen.

Wenn der Sohn um 12:30 zuhause ist und die Medizin beim Ohrenschmerzkind wirkt, dann kann ich um 13 Uhr noch zu der Sitzung stoßen und zumindest zwei Bewerber sehen. Schaunmermal.

Alles kein Drama, völlig normaler Alltag mit Kindern. Man gewöhnt sich dran, dass Pläne illusorisch sind. Und so sehr ich diese Kommission ernst nehme, so klar ist mir, dass sie auch ohne mich auskommt. Und wenn ich wirklich wichtige Dinge vorhabe, dann arbeite ich immer mit Netz und doppeltem Boden, also Ersatzleuten. Und auch DAS kann scheitern. Denn eins ist sicher: man kann alles perfekt planen, es kommt sowieso oft ganz anders. Besonders, wenn man Kinder hat. Ist doch so, oder?

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Thomas
Gast
Thomas

Planung bedeutet bei Kindern, Zufall durch Fehler zu ersetzen :) Im Ernst: Bisher sind bei uns viele Pläne zum Glück aufgegangen, und wenn nicht waren wir froh, dass wir wenigstens die ganz großen Katastrophen weggeplant hatten und nur die kleinen übrig blieben. Unsere Pläne wurden zwar mit der Zeit besser, aber man kann halt nicht alles vorhersehen. Dafür hat man dann Sonntag früh ein zufriedenes Kind im Bett das zwar traurig ist, dass es den Eltern irgendwas vermasselt hat, was aber auch absolut froh ist dass es eben wichtiger ist als irgend etwas anderes. Und was dann ganz gönnerhaft verkündet,… Weiterlesen »

Anja Hartmann
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Anja Hartmann

… isso. Und das gute Gefühl, nicht Sklave der eigenen Pläne zu sein, ist manchmal noch besser als das, alles geplant zu haben, oder?!? Gute Nacht!

Pausanias
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Pausanias

Das kennen wir, @frau_ratte und ich, auch. Glücklicherweise sind wir zu zweit, da gibt es zwei Köpfe und zwei Googlekalender, die versuchen, nichts zu vergessen. Und doch stand ich schon mal mit den kleinen Sohn vor dem verschlossenen Kindergarten, ein Konzeptionstag hatte es zwar in zwei Googlekalender, aber in keinen unserer Köpfe geschafft. Interessanterweise hatte ich an dem Tag auch so einen ehrenamtlichen Einsatz, ich wollte mich mit unserem OB-Kandidaten für ein Wahlkampfplanungsgespräch treffen. Ich konnte den kleinen Sohn da einfach mitbringen, dafür werde ich dem Kandidaten auf ewig dankbar sein (auch wenn wir die Wahl inzwischen grandios verloren haben).… Weiterlesen »

Katja
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Katja

Schade, dass du nicht dabei sein konntest, denn sicherlich hast auf diesem Gebiet (Leitung der Bücherei) richtig Ahnung!

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[…] „Schade, schade. Dabei hatte ich alles so gut geplant! Wenn ich nämlich etwas vorhabe, gehe ich nicht einfach aus dem Haus, sondern habe vorher wie ein Logistiker zu denken.“ Wehe, man nimmt sich etwas vor: Wenn man Kinder hat, kann jeglicher Plan binnen sekunden über den Haufen geworfen werden. So much for Plans. Und umplanen, aber zacki!  […]