Total Quality MOMagement – Elternhumor

Prozesse optimieren, Ergebnisse und Abläufe neu denken, und das Wohl aller im Auge behalten – so eine Familie ist ein komplexer Organismus, gar nicht so weit weg von einer Firma. Betriebswirtschaft muss nicht trocken sein, ich erkläre euch heute Total Quality Management, äh, MOMagement.

Das TQM auf Familienbasis in 14 Punkten:

1. ) Beständigkeit der Zielsetzung

Die Familie soll ein sicherer Hafen sein. Keiner verwirklicht sich auf Kosten der anderen, alle ziehen an einem Strang. Und: der Laden muss laufen. Gegenseitige Liebe, Zuneigung und Respekt sind die Voraussetzung für gutes Zusammenleben.

2.) Aneignung der Qualitäts-Philosophie

„Ich hab Duuaaast!“ versus „Kann ich etwas zu trinken haben?“ macht den Unterschied zwischen nerviger Göre und angenehmem Kind. Dazwischen liegen extreme Qualitätsunterschiede im sozialen Miteinander, was sich genauso gut auf Hilfsbereitschaft und Empathie bezieht. Wer Respekt vor anderen und Mitgefühl für andere hat, kann dieses auch für sich selbst einfordern und umgekehrt. Das ist die Basis von Erziehung.

3.) Präventive Qualitätssicherung

Vorsorge ist besser als Nachsorge. „Nach vorne gucken!“, der Standardsatz beim Laufrad- und Fahrradfahren, ist das Paradebeispiel für Prävention. Übertragbar auf alle Lebensbereiche. Erst gucken, dann handeln – ohne sich im Denken zu verzetteln, um es auf eine Formel zu bringen. Wer das kann, hat schon viel erreicht.

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4.) Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferanten

Die Kita, die Schule, die Krippe und befreundete Eltern erziehen mit. Das nicht als Fremdeingriff in die familiäre Sphäre zu sehen, sondern als partnerschaftliche Zusammenarbeit, ist extrem hilfreich. Wenn man z.B. nicht möchte, dass das eigene Kind sich anderswo ständig zum Abendessen einlädt, dann klärt man das am besten unter Eltern, und zwar mit Wohlwollen allen Beteiligten gegenüber. Oder wenn die Kita anmerkt, das Kind benehme sich in letzter Zeit aggressiv/offensiv/traurig, dann nützt es dem Kind am allermeisten, wenn man die Karten auf den Tisch legt und erzählt, was zuhause los ist und eventuell einen Schlüssel zu dem Verhalten liefert.

5.) Ständige Verbesserung aller Prozesse

Ergibt sich von ganz alleine, immer wenn etwas miserabel gelaufen ist. Dass Menschen Fehler machen, sogar Erwachsene und die eigenen Eltern, sie dazu stehen können und daraus lernen, ist eine wichtige Lektion für Kinder.  Wer einem 2-Jährigen bei 30° C zwei Kugeln Eis in der Waffel kauft, lernt relativ schnell, dass eine Kugel Eis im Becher besser ist. Schwups, Prozess verbessert.

6.) Arbeitsbegleitende Ausbildung

Sowieso. Schule, Kindergarten, Berufstätigkeit der Eltern, das ist alles mit Arbeit und mit Ausbildung verbunden. lebenslanges Lernen ist für Familien tägliches Brot.

7.) Kooperativer Führungsstil

Nicht zu verwechseln mit antiautoritärem Führungsstil. Aber wenn die Familienmitglieder sich einig sind, dass die Ansagen bzw. gemeinsam getroffenen Vereinbarungen sinnvoll sind und für alle akzeptabel, dann fallen Widerstände, Meutereien und knallende Türen weg.

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8.) Offenes Unternehmensklima

Nachbarskinder, Freunde, Nachbarn und weitläufige sowie engere Verwandte sind herzlich willkommen. Zu sehen, wie andere miteinander umgehen und wie sie den Mikrokosmos der fremden Familie, in der sie zu Gast sind, aufnehmen, hilft stetig, sich selbst zu hinterfragen. Oder sich bestätigt zu fühlen, dass man in der eigenen Familie etwas gut hinbekommt, weil es keine Meckereien beim Esstisch gibt oder das gemeinsame Löffeln von Nutella aus dem Glas dem Betriebsklima sehr förderlich ist.

9.) Beseitigung organisatorischer Barrieren

Sehr wichtiger Punkt im Famlienleben: Absprachen im Elternnetzwerk vereinfachen den Alltag ungemein. Grundsätzlich gilt es, den Terminkalender nicht zu voll zu stopfen. Weniger ist mehr. Kurze Schulwege, Geschenke für Kindergeburtstage mit anderen Eltern absprechen oder im Internet bestellen, Freiräume im Kalender erhalten.

10.) Verständliche Ziele und Vorgehensweisen

Was Hänschen nicht versteht, versteht Hans nimmermehr. Wer schon als Kind gelernt hat, scheinbar oder tatsächlich unsinnigen Handlungsaufforderungen zu folgen, wird als Erwachsener schwerlich selbstbestimmt. Also besser gleich dafür sorgen, dass die Kinder verstehen, was man von ihnen will und warum. Dazu das Kind angucken beim Reden, sich vergewissern, dass es einen verstanden hat durch verbales Feedback oder Nicken, und Aussagen in einfach strukturieren Sätzen tätigen.

11.) Kooperative Zielvereinbarungen

Sollten Widerstände oder Zweifel beim Kind vorhanden sein ob der Ziele und Vorgehensweisen, kann man Teilschritte einbauen – à la „Wir einigen uns jetzt auf den Fußboden aufräumen, es muss ja nicht das ganze Zimmer sein.“ Als Belohnung für die Kooperation des Kinds winkt dann vielleicht „Und hinterher machen wir Popcorn“ oder „Zuerst badest du mit Haarewaschen, dann darfst du DVD schauen.“ Ohne grundsätzliches Einverständnis des Verhandlungspartners jedenfalls kommt man nicht weit.

12.) Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Tätigkeit

Wenn das Aufräumen sinnvoll erscheint und auch noch eine Belohnung winkt, dann macht es vielleicht sogar Spaß. Zumindest ist es keine Quälerei. Genauso wie den Tisch zu decken oder abzudecken, die Katze zu füttern und den Schulranzen aufzuräumen.

13.) Qualifizierungsprogramme

Weiterqualifizierung stärkt das Selbstvertrauen des Kindes und erweitert seine Fähigkeiten, wodurch weniger Raum für mutwilligen Quatsch bleibt und wovon alle Familienmitglieder profitieren. Nehmen wir z.B. das Schwimmenlernen, das zu dem einleitenden Tweet führte. Ein schwimmenlernendes Kind ist nach dem Schwimmen sauber, müde, glücklich und eine Sorge weniger für die Eltern, die nicht mehr ständig danach gucken müssen, ob es ertrinkt.

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14.) Maßnahmenplan

Der erfahrene total quality MOMager und auch DADager versteht es, diverse Maßnahmen so zu kombinieren, dass der Familienfrieden, das Gedeihen und Wohlbefinden der Familienmitglieder größtenteils bewahrt bleibt und im Idealfall sich Jahr für Jahr steigert. Bei älteren Kindern kann gemeinsame Evaluation durch den „Runden Tisch“ erfolgen und  Maßnahmen im Team beschlossen werden. Somit sind kooperative Zielvereinbarungen, verständliche Ziele und Vorgehensweisen und alle unter 1.-13. aufgeführten Punkte umgesetzt.

Glückwunsch zur soeben erworbenen Zusatzqualifikation im TQM Bereich Familie!

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klaus ehler
Gast
klaus ehler

Liebe Christine,

das ist schon mal eine sehr gute Grundüberlegung. Eine wesentliche TQM-Überlegung ist jedoch, dass eine gewisse Systematik erreicht wird. (Es reicht nicht, wenn der Knigge in der untersten Schublade irgendwo liegt). Dazu gehört, dass sich der betroffene Kreis der Beteiligten einmal pro Woche zu einer fest vereinbarten Zeit für eine Stunde zusammen setzt. Einziges Thema ist: Was können wir für unser Zusammenwirken verbessern? Wer hat einen Vorschlag? Vorbehaltlose Diskussion aller Vorschläge. Nur einstimmige Vereinbarungen. So funktioniert TQM mit teilweise verblüffenden Ergebnissen

Liebe Grüße und viel Erfolg

Alexandra
Gast
Alexandra

Sehr schön mal wieder, lehrreich, anders und zum Schmunzeln! :)
Für uns könnte ich mal an Punkt 8) ansetzen: Offene Unternehmenskultur.
Von früh auf verinnerlicht, dass „zu Hause“ ein indiskutabler Schutzraum ist, den Fremde nur nach monatelanger Voranmeldung mit Dreifachdurchlag ansteuern dürfen plus dem Wissen, dass mein Heim, egal wie klasse es sei, niemals vorzeigbar sein kann, darf möglichst niemand herkommen.
Kann man dran arbeiten, definitiv! Sollte man auch. Und will man jetzt auch endlich! :)))
LG, Alexandra