Vermisst: Der Helikopterpapa

Jetzt, wo schon Männer wie Martenstein über Vereinbarkeit neu nachdenken und zugeben, dass das alles nicht so einfach ist, wird es nicht mehr lange dauern, bis sich die nächste bahnbrechende gesellschaftliche Veränderung einstellt.

Ich meine damit nicht Männer, die Kinder in Tüchern auf dem Rücken tragen, oder solche, die wie Jochen König zwei Kinder in einer Co-Elternschaft großziehen. Auch nicht die 50-50 machenden wie Tobias Scholz, der mit seiner Partnerin die wahrhaft gleichberechtigte Aufteilung von Erziehung, Haushalt und allem zu leben versucht.

Nein, das nächste große Ding ist der Helikoptervater. Der Mann, der alles besser weiß als die Frau und der sein Kind beschützt wie seinen Augapfel. Vorbei die Zeiten, in denen Väter mit den Kindern tobten, weil ihnen das (genetisch? Anerzogen?) leichter fällt als den Müttern. Oder weil sie dazu eher Lust haben als zu den anstrengenden Dingen, die rund um Kinder so zu erledigen sind? Toben wird out sein, ich prophezeie dem herkömmlichen Vaterkonzept, sich mit den eigenen Kindern zu beschäftigen, indem man mit ihnen rauft und sie durch die Luft wirft, noch 10 Jahre Halbwertszeit. Und dann wird der Mann nachziehen: ER übernimmt das Zepter und beschützt den Nachwuchs vor allen Gefahren, die da draußen lauern.

helikopter
JuergenGER pixabay.com

Klingt absurd? So ist es auch gemeint. Denn als ich so über die Empörungswelle nachdachte, die mir entgegenschwappte, als ich geschrieben hatte, dass der Sohn geweint hatte nach den Bundesjugendspielen, da wurde mir eines klar: hätte hier ein kleines Mädchen geweint und ein Vater sich im Blog und per Petition geäußert, dann hätte sich weder ein Achim Achilles im „Spiegel“ hämisch über Helikoptermütter ausgelassen noch die BILD Zeitung über meine Aktion geschrieben, was dem Anliegen nicht gut tat. Es war also nicht nur ein Wespennest, was den Schulsport und seine Ausrichtung betrifft, sondern auch ein Gender-Sache. Und obendrein ein Thema, das Kinderarmut in Deutschland betrifft, denn arme Kinder treiben seltener Sport und sind motorisch deutlich schlechter entwickelt als ihre nicht in Armut aufwachsenden Altersgenossen (Bertelsmann Studie, 02/2015). Ein Dreifach-Jackpot also.

Aber mal grundsätzlich gefragt: Helikoptermütter – wer soll das überhaupt sein, kennt Ihr welche? Mir fällt spontan niemand ein. Und das, obwohl ich einen Haufen Familien kenne, die sehr unterschiedlich leben. Der Helikoptervater ist jedoch in noch weiterer Ferne. Undenkbar eigentlich. Oder könnt Ihr euch so ein Exemplar vorstellen? Und wisst Ihr was, ich bedauere das.

Denn ich denke, dass wir erst gleichberechtigt sind, wenn die Helikopterväter und die Rabenväter (nein, das ist nicht dasselbe wie ein „abwesender Vater“! Der abwesende Vater arbeitet nämlich. Oder hat andere gute Gründe, nicht da zu sein), zumindest als Feindbild, auch unter uns sind. Das ist quasi ein notwendiger Zwischenschritt. Und dann wäre es gut, wenn wir den ganzen Quatsch hinter uns lassen. Und uns einfach, so gut wie wir können, gemeinsam um unsere Kinder kümmern. Als Eltern, als Mitmenschen, als Gesellschaft. Und aufhören mit diesen dummen Zuschreibungen. Damit ist nämlich niemandem geholfen, den Kindern schon gar nicht.

9
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
7 Kommentar Themen
2 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
7 Kommentatoren
LorelaiThomasMamamajHelenAnne Letzte Kommentartoren
neueste älteste meiste Bewertungen
Katharina
Gast
Katharina

Huhu! Berufsbedingt kenne ich solche Helikoptereltern, oftmals Mamas. Die möchten nur das Beste für’s Kind, manche haben es auch geschafft, ihr Kind davon zu überzeugen, dass diese Überfürsorge notwendig ist, andere Kinder hingegen schicken ihre Mama auch schon mal weg oder man merkt es ihnen an, dass sie so gar nicht der Meinung ihrer Mutter sind. Diese Kinder stehen aber wieder im Kontrast zu denen, die ihre Eltern konsequent ignorieren, wenn sie abgeholt werden. Wir reden hier von Grundschulkindern. Die Überväter habe ich so auch noch nicht erlebt. Papas wirken generell gelassener – ob das aber immer so gut ist,… Weiterlesen »

Eve
Gast
Eve

Mein Mann ist vielleicht so ein Exemplar. Das liegt an seinem Charakter. Er will eben alles immer möglichst perfekt haben. Da bin ich eher die entspanntere, die ihn manchmal zurückpfeifen muss. Alles in allem möchte ich aber nie im Leben tauschen! Wenn ich mir andere Väter anschaue, wie ungeschickt sie mit ihrem Nachwuchs umgehen, dann bin ich froh um meinen Helikoptervater als Partner. So wie im Job ist es auch zu Hause angenehm, mit Profis zusammen zu arbeiten. Er kauft im Vorbeigehen im Second Hand Laden eine passende Winterjacke für den Sohn für 5 Euro, nur so als Beispiel. Ich… Weiterlesen »

Anne
Gast
Anne

Ha, dass passt ja zum ersten Elternabend des frisch eingeschulten Kindes. In einer sehr elternbewegten Schule, dass muss man schon sagen. Und genau deshalb wollte ich mich den dortigen Übermüttern nicht aussetzen und schickte den Kindsvater. Es muss ein Elternabend gewesen sein, in dem kaum Mütter saßen. Dafür stritten sich drei Väter darum, in den Elternbeirat zu kommen. Vielleicht sind in Dresden (wo ja auch überdurchschnittlich viele Kinder pro Einwohner geboren werden), schon ein paar Jahre der Halbwertszeit rum. Toller Nebeneffekt, wenn der Mann in den Elternabend geht: Er schreibt s e i n e Mailadresse auf den Umlaufzettel an… Weiterlesen »

Mamamaj
Gast
Mamamaj

Hey, also ich bin auch schon der einen oder anderen Helikoptermutter begegnet. Besonders amüsant finde ich es, diese auf dem Spielplatz zu beobachten, wenn sie ihre kostbaren Abkömmlinge keine Sekunde aus den Augen lassen, die Bänke verächtlich ignorieren und selbstverständlich gerne im Sand sitzen und mit dem riesen Sack mitgebrachtem Spielzeug ihr Kind bespaßen. Zwischendurch ist auch für den kleinen Hunger oder Durst vorgesort und eine gut gefüllte Tupperdose am Start. Tut mir leid, aber das geht mir immer ziemlich auf den Keks. Helikopterväter gibt es hier auch, selten aber immerhin. Wobei mir da auffällt, dass das nur Väter von… Weiterlesen »

Helen
Gast
Helen

Hey Mammamaj, Deine Definition der Helikoptermutter finde ich falsch. Wenn ich mit meinem Sohn nach einem 8h Kita-Tag auf den Spielplatz gehe, finde ich es nicht falsch oder amüsant, etwas zu essen und zu trinken dabei zu haben sondern schlicht fürsorglich. Ja, auch ich sitzen ab und an im Sand (wenn auch nicht immer gerne), aber die Bedürfnisse meines Sohnes zählen nun mal auch. Die 8 Stunden vorher bin ich meinen Bedürfnissen nach gegangen, nämlich arbeiten gehen zu wollen und natürlich hat mein Sohn auch ein Anrecht darauf ein wenig Zeit mit seiner Mutter zu verbringen und ihm nicht nur… Weiterlesen »

Mamamaj
Gast
Mamamaj

Hallo Helen,
ich habe mich wohl blöd ausgedrückt. Was mich

Mamamaj
Gast
Mamamaj

Huch, zu früh abgeschickt. Was ich eigentlich meinte, ist das Ellenbogeneinsetzen um dem eigenen Kind einen Vorteil vor anderen Kindern zu verschaffen. Beziehungsweise andere ungerecht zu behandeln und dabei so zu tun, als wäre die Besserstellung des eigenen Kinders gerecht. Das stört mich.
Und bei dem Beispiel, was ich im Kopf habe, war die Mutter auf dem Spielplatz eben außerdem noch gut ausgerüstet. Wobei du Recht hast und das nicht gleich heißt, dass man helikoptert. Es war in dem Moment der Gesamteindruck, der mich zu der Kategorie gebracht hat. Entschuldigung für die unbedachten Worte.

Thomas
Gast
Thomas

Ehrlich gesagt fehlt mir die Klarheit, was denn Helikopter-Mütter oder -Väter wirklich sein sollen. Und: Warum man über diese diskutieren sollte. Meiner Meinung nach muss das gemeinsame Ziel aller an der Erziehung beteiligten Mütter und Väter doch sein, dass man die Chance dazu bekommt es „gut“ zu tun; und zwar so, wie man es selbst für sich, die Familie und die Kinder für gut befindet. Ich kenne einige Väter, die einfach nicht mit dem Kind rumtoben wollen und wo die Mütter verwundert, traurig oder entsetzt darüber sind. Ich habe auch keine Lust auf die „Väter-Nachmittage“ zum Umräumen oder Vorrichten des… Weiterlesen »

Lorelai
Gast
Lorelai

Ich kenne sehr wohl eine Helikoptermutter, die mir ziemlich auf den Geist geht, weshalb ich ihre Gegenwart eher meide, und einen Helikopterpapa auch, das wäre dann mein Mann… tja ;)