Backen für Nerds

Es soll ja Menschen geben, die gerne backen. Ich gehöre nicht dazu. Jahrelang arbeitete ich Vollzeit, 42 Stunden plus 3 Stunden Pendelzeit, damit ich behaupten konnte, keine Zeit zum Backen zu haben. Leider, leider, musste ich den Kuchen damals beim Bäcker oder auf dem Markt kaufen. Man sah mich mitleidig an, aß den Kuchen aber trotzdem gern. Auch aus der Kita und der Krippe, wo ein Geburtstagskuchen als Mitbringsel ein MUST ist, kamen nie Klagen.

Aber nun, als Selbstständige im Home Office, komme ich mit der Nummer nicht mehr durch. Insbesondere bei den Kindern nicht. „Die Mama vom B. hat einen Piratenkuchen gemacht, so einen will ich auch!“ konnte ich gerade noch abbiegen. Aber irgendetwas, bei dem ein Rührgerät und ein Backofen involviert sind, muss es schon sein.

Beim Backen habe ich zwei linke Hände. Das liegt bestimmt daran, dass ich so ein alter Nerd bin. Immerhin habe ich meine Magisterarbeit mit LaTeX geschrieben, MS-Dos Kurse belegt, hatte eins der ersten 54-K-Modems und mache heute Sachen in diesem Internet.

 

Backen, wie geht das?

A) Kaufe eine idiotensichere Backmischung und scheitere (2013).

Amerkikaner

B) Kaufe eine andere Backmischung und freu dich über das Ergebnis (Retrospektive: ebenfalls 2013. Blogpost dazu hier).

lillifee-muffins
C) Taue einen Tiefkühlkuchen auf und ernte Lob für den leckeren Kuchen. Es gibt eine ganze Menge davon, No-Name oder Marke, die richtig passabel schmecken. Für 3-10 Euro.

D) Sei ganz mutig und google „Marmorkuchen Dr. Dings“.

  • Krame die Backform von ganz hinten oben in der Kiste auf dem Schrank hervor und suche den Mixer. Sowie die Quirle. Entstaube die Küchenwage, die in derselben Kiste darbt.
  • Werfe die Zutaten in der ordnungsmäßen Reihenfolge in die Rührschüssel, halte dein Kind vom Butter-pur Verspeisen ab, und bete, dass das seit 8 Monaten abgelaufene Backin noch gut ist. Die Follower auf twitter hatten gesagt, das sei kein Problem. Nur eine meinte, bei ihr sei der Kuchen nicht aufgegangen. Das wäre schlecht. Aber die anderen 20, darunter zwei Leute mit Chemiediplom, meinten, das solle funktionieren.
  • Fülle den hellen Marmorkuchenteil in die gefettete Backform, gib den Kindern den Löffel zum Abschlecken, damit du in Ruhe den Kakao auf den restlichen Teig kippen kannst. Rühre das Ganze mit dem Mixer gut durch, ignoriere die braune Staubwolke, die durch Mixen auf Stufe 2 durch die Küche zieht, und klopfe den braunen Puder von deinem Kleid.
  • Dann den braunen Kakaoteig in die Form füllen, überlegen, ob man wirklich mit einer Gabel die schöne Ordnung kaputt machen soll, und es halt trotzdem tun, weil das zum Marmorkuchen gehört.
  • Lass die Kinder etwa 1/10 des Teigs, den du extra übrig gelassen hast, aus der Rührschüssel schlecken. Das Abendessen hat sich damit auch erübrigt.

 

 

  • Twittere mit Bild, dass du backst. Freu dich über die 19 Favs, während der Kuchen 60 Minuten im Ofen ist. Schau inzwischen auf Facebook und im Blog nach dem Rechten und lese einige Artikel.
  • Kuchen rausholen, auf den Balkon zum Abkühlen, Kuvertüre ins Wasserbad.
  • Sei froh, dass du noch weißt, wie das geht, obwohl du mindestens ein Jahrzehnt kein Wasserbad mehr gemacht hast. Die Kinder den Kuchen garnieren lassen.
  • Und jetzt, ganz wichtig: Foto des fertigen Kuchens auf twitter posten. Fertig.

 

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Mama notes Blog
Mama notes Blog
8. Januar 2015 21:11

STREBERIN! ;P

Katarina
Katarina
8. Januar 2015 21:57

Das nenne ich Fortschritt! Christine, du machst das super! Was soll denn da noch kommen und dich runterziehen? Du hättest offensichtlich noch immer gute Chancen als Bäckerin oder Konditorin! ;-)

Elli
Elli
8. Januar 2015 22:17

Sieht schön bunt aus!
Davon vier Stück und noch etwas länger im Backofen lassen, dann hast Du Sommerreifen für Dein kleines Auto. :-)

Linda Post
Linda Post
8. Januar 2015 22:18

..also das Foto ist dann doch echt wunderbar geworden.. hauptsache, da kommt viel Süßkram drauf am Ende. Dann sieht niemand, wie der Kuchen wirklich aussieht.
Bei mir bleibt irgendwie immer die Hälfte in der Form hängen – die fehlenden 40% gleiche ich dann mir viiiieeel dicker Glasur wieder aus.. Örks
Liebe Grüße
Linda, Auftragsmama

Nicola von BackGAUDI
Nicola von BackGAUDI
8. Januar 2015 22:20

E) Du schaust ganz einfach mal auf unsere Website und suchst Dir aus den kinderleichten Rezeptideen was raus. Alles hat Gelinggarantie, denn backen kann jeder ;-)
Wir haben unsere Rezeptesammlung genau aus dem Grund angelegt, dass man im Fall des Falles immer gut gerüstet ist.
Alle Rezepte gibt’s jetzt übrigens auch gesammelt als Buch.
Also nix wie ran an den Ofen ;-)

Katja
Katja
8. Januar 2015 22:25

Der sieht schön fröhlich aus, habe heute keine Schokolade eingekauft und bekomme jetzt Kuchenhunger!

nathalie
nathalie
8. Januar 2015 22:51

Wenn ich für die Kinder backe, dann zählt eh nur, was drauf kommt: viele viele bunte Smarties. Und Gummibärchen!

Uschi aus Aachen
Uschi aus Aachen
9. Januar 2015 09:05

Als ebenfalls Backnerd habe ich tatsächlich „Dr. Dings“ gegooglet – und es dann kapiert. :-)

Turtle
Turtle
9. Januar 2015 09:51

Für mehr Abwechslung hier das nerdsichere Quarkkuchenzrezept meiner Nerdfamilie (von Generationen von Nerds erprobt). Hat bis jetzt noch jedem geschmeckt, ist schnell zusammengerührt und ist meiner Meinung nach jedem Käsekuchen überlegen ;) Zutaten: 125g zimmerwarme Butter 140 g Zucker 4 Eier 6 EL Gries (jenen, den man für Griesbrei nimmt) 1 Päckchen Vanillepuddingpulver 1 kg Quark (20%igen) Saft einer Zitrone Butter und Zucker mit dem Rührgerät schaumig rühren, Eier*, Gries, Vanillepuddingpulver einrühren. Zitronensaft und Quark drunterheben (oder rühren). Alles in eine gefettete 28cm-Springform. Bei 170°C ca 60-70 min backen. Der Kuchen ist fertig, wenn der Rand schön braun und die… Weiterlesen »

Renate
Renate
14. Juni 2016 15:30
Antwort  Turtle

Fast so wie unserer. Hier das ganze noch mal Nerdsicher(er) als Film:
https://youtu.be/_6hNcl6btQw
Den können sogar wir und dabei haben wir unsere Backkarriere mindestens so toll gestartet wie mama_arbeitet. ;-)

Evelyn
Evelyn
9. Januar 2015 10:41

Toll! Immer schön, wenn man schlafende Talente entdeckt. Und wie schmeckt er??
Für einen Nerdstatus reichen allerdings LaTeX und Modem nicht aus. Dafür brauchst du schon ein paar Projekte auf GitHub. Außer du begnügst dich mit der abgespeckten Nerdvariante für Frauen. ;-)
(Ich kann übrigens auch nicht backen und habe trotzdem keine GitHub Projekte.)

Evelyn
Evelyn
9. Januar 2015 10:49

Och, wir sind doch keine Versager.
„Backen für Techies“
„Backen für einseitig Talentierte“

Bettina
Bettina
9. Januar 2015 13:30

…zum Backen braucht man doch keine besonderen Talente! Wer lesen kann, kann backen – man darf nur nicht anfangen zu improvisieren (das ist beim Kochen meist kein Problem, beim Backen schon). Wir warten auf weitere Versuchsergebnisse!

Susi
Susi
13. Januar 2015 14:10

haha, du bist ich! :-)))

Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
10. Januar 2015 23:11

Ich bin hochbegabt: Ich kann LaTex UND backen (und häkeln, und 1A-Qualiitätsbabys produzieren)

Elian
Elian
21. Februar 2015 14:25

Nachdem die Mamas, die ihre Magisterarbeit mit LaTex geschrieben haben, zusammenhalten müssen, hier auch noch mein Geheimrezept (erhalten von meiner Cousine, die ebenfalls ihre Abschlussarbeit – in Mathe – mit LaTex geschrieben hat). Vorteil: man braucht keine Waage, kein Rührgerät und keinerlei Backtalent. Und man kann ihn auch noch um 2 Uhr nachts backen, ohne irgendwelche Kinder durch elektrische Rührgeräte aufzuwecken. 1 Becher (200 g) Pfirsichjoghurt 1 Becher Olivenöl 3 Becher Mehl 1 1/2 Becher Zucker 5 Eier 1 Tütchen Backpulver 1 Tütchen Vanillezucker Alle Zutaten in eine Schüssel zusammenwerfen – die Reihenfolge ist egal – und mit dem Löffel… Weiterlesen »

Heidi Ewert
Heidi Ewert
6. Dezember 2018 05:25

…mein “gelingt ganz sicher-Kuchen“ ist ein “gebasteltes“ Teil aus Fertigboden, einer Dose Mandarinen, Einer Packung Moh***kö*** (darf man das noch schreiben?) und Quark! Gelingt immer!