Barbarakuchen, simpel. Backen mit Mrs. Bean.

„Mama, was ist hier los?“, kommt die große Tochter (13) aus ihrem Zimmer gestürmt. Sie ist aufgeschreckt durch die sonderbaren Geräusche, die durch die Wohnung schallen. Ich sitze nämlich mit einer Art Lachflash auf der Bank beim Wohnzimmertisch und lache, bis die Tränen kommen. Der Grund ist, dass ich backe. Also versuche, einen Kuchen nach Rezept herzustellen. Wohlgemerkt keine komplizierte Schichttorte oder fluffiges Zartgebäck, sondern „Barbarakuchen, simpel.

Das Rezept hat mir meine Mutter am Telefon durchgegeben. Alles easy. Ich stelle alles, was ich brauche, also Zutaten und Geräte, auf das Holzbrett in der Küche. Der Sohn (7) schaut mir erwartungsvoll über die Schulter. Er hat nämlich morgen Geburtstag und sich Zitronenkuchen zum Geburtstag gewünscht. Das kann ja wohl nicht so schwer sein, selbst für jemanden, der Backen hasst (man munkelt, mit 20 habe ich komplizierte Torten gebacken. Ich distanziere mich davon, obwohl ich weiß, dass es stimmt.

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Frohgemut beauftrage ich die Jüngste (5), 200 Gramm Butter in kleine Stückchen zu schneiden, denn das Fett soll weich werden, damit ich es „schaumig schlagen“ kann. Man soll die Kinder ja einbinden. Der Sohn und ich wiegen die Zutaten ab: 200 Gramm Zucker, 250 Gramm Mehl und Mondamin mit 1/2 TL Backpulver, die 4 Eier liegen parat.

Mir fällt ein, dass mein Mixer und ich auf Kriegsfuß stehen. Ich schwöre, egal, wie man die Mixdinger einsteckt, einer fällt immer raus und der andere klemmt. So auch diesmal. Trotzdem versuche ich, die Butter weich zu rühren, was gründlich misslingt. Sie klumpt sich komplett in den Mixquirlen fest, von denen einer in die Rührschüssel fällt, was er noch etwa 20 Mal im Verlauf des Backprozesses tun wird. Ich beschließe, den Mixer wegzuschmeißen. Der ist eh noch vom Ex-Mann.

Lieber erstmal eine Pause machen. Da kann man ja schonmal die vakuumverpackte, geriebene Zitronenschale im Doppelpack erst voneinander trennen und dann öffnen. Beim Trennen der Packungen reißt mir eine auf und der komplette Inhalt verteilt sich auf meine Spüle, den Küchenboden und mein Schneidebrett. Nach so viel Inhalt hatten diese 6 Gramm gar nicht ausgesehen. Mein Sohn lacht.

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Das Schaumigrühren der Butter gestaltet sich schwierig. Ich habe eine brilliante Idee: Die Butter wärme ich einfach kurz im Ofen bei 50° C auf. Ofen an, Butter in der Rührschüssel ein, prima. Allerdings ist die Butter nach unglaublich kurzer Zeit nicht nur weich, sondern geschmolzen. Sieht aus, als sollte sie über „Forelle blau“ gekippt werden.

Ach, dann gebe ich nun am besten den Zucker dazu. Die Eier gleich hineinzugeben, kann ich mir gerade noch verkneifen, denn dass das Rührei anstatt Kuchen gibt, kann ich mir denken. Und nun die Mondamin-Mehl Mischung langsam obendrauf.

Komisch, das ist so viel Puder. Und auf einmal verstehe ich auch, warum. Es hätten nicht 500 Gramm Mondamin und Mehl sein sollen, sondern 250 insgesamt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Sohn die Mischung gut umgerührt hat und in der Hälfte, die ich nun in den Rührteig gebe, auch der halbe Teelöffel Backin ist. Sonst wird der Kuchen sehr flach.

Immerhin schmeckt das Ganze, das merken wir beim Schüssel ausschlecken. Dumm nur, dass das Backblech der Nachbarin, das ich mir extra ausgeliehen habe, nicht in meinen Ofen passt, als ich die auf dem Blech verteilte Masse in den Ofen schieben möchte. Also muss ich den Kuchenteig auf dem Backpapier hinüberhieven auf mein eigenes flaches Blech. Kurz sehe ich vor mir, wie alles auf den Boden klatscht – aber diese Schmach bleibt mir erspart.

Den Zitronenguss mache ich dann frei Schnauze. Ohne Rezept und Abwiegen. Das funktioniert für mich besser. Ich saue mich dabei noch ziemlich mit Puderzucker ein, weil ich immer ohne Schürze zugange bin. Ganz so schlecht sieht das Endergebnis nicht aus. Das schönste am Backen war allerdings, dass ich so herzhaft lachen musste. Sollte ich wohl öfter tun. Die Große sagte, „Ach Mama, du hast so schön gelacht.“ Mache ich viel zu selten.

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Daniela
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Daniela

Mit echtem Zitronenabrieb wird es viiieeeel besser – das Zeug auf dem Werbefoto oben ist schlimm. :)

Cloud
Gast
Cloud

Ich hasse es, wie der totale Besserwisser zu klingen, aber ich glaube, wir haben den gleichen Mixer – und der Rührstab mit dem eckigen Plastikteil gehört in das andere Loch, also in das linke. Der mit dem runden in das rechte. Ist aber auch schlecht gekennzeichnet (meine Schwiegermutter hat es auch schon falsch gemacht). Und ja, natürlich kann es auch sein, dass dein Mixer etwas in die Jahre gekommen und wackelig geworden ist. Wenn er dich nervt, dann her mit was neuem (ohne Vorgeschichte). Aber vielleicht lag es ja wirklich an den Rührstäben und ich erspar Dir eine Neuanschaffung. Schönes… Weiterlesen »

Elisabeth
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Elisabeth

ich kann auch grad schallend lachen ;- denn als ich das Photo vom Mixer sah, hab ich instantan das gleiche Problem erkannt, wie von Cloud eben beschrieben, runden Quirl ins runde Loch, eckigen Quirl ins eckige Mixerloch…hab auch das gleiche Teil und ob vom Ex oder nicht ich find den Mixer gut…

klaus ehler
Gast
klaus ehler

Deine Tante E. hatte mal einen Käsekuchen für uns gebacken, der aussah wie ein zusammengefallener Fußball ohne Luft – aber geschmeckt hat der vorzüglich. Das lässt doch hoffen für deinen Zitronenkuchen

Claudia
Gast
Claudia

Liebe Christine,

guten Appetit und viel Spaß beim Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch an das Geburtstagskind!

Zitronenkuchen ist bei uns übrigens DER Geburtstagskuchen. Mit klarer Rollenverteilung. Ich mache den Kuchen, Mann und Geburtstagskind den Zuckerguß und die Verzierungen aus Smarties, Gummibärchen etc. In einem Jahr hatte sich unsere Tochter sogar ein Fußballfeld gewünscht. Sah auch nicht schlecht aus. Du siehst, da ist noch Luft nach oben;-)

Viele Grüße

Claudia

Ute
Gast
Ute

Wenn das Lachen immer klappt, dann backe weiter. :)

Ansonsten: es gibt nur eins, was eine Mutter bei einem Kindergeburtstag nicht delegieren kann:
Dabei sein.
Alles andere, ob Kuchen, Spiele, oder was auch immer, das können auch andere machen. Wer beispielsweise Kuchen backen nicht mag, muss es nicht tun.

PS: Ich bin Rabenmutter, ich hasse Spiele, wie Topfschlagen und ähnliches. Und ich habe sowas auch nicht einmal selbst bei einem Kindergeburtstag gemacht.

Sue
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Sue

350 g Margarine, 350 g Zucker, 350 g Mehl, 1mal Backpulver, 1mal Vanillezucker, 1 mal Zitronenaroma, 6 Eier. Alles zusammen hauen, Reihenfolge egal. Rühren. 160 Grad Umluft, 25 min. Dann Ofen aus und noch 10 min ruhen. Guss wie gehabt oder 200 g Puderzucker mit 4-5 EL Zitronensaft. Klappt IMMER!