Blattkritik: Men’s Health Dad Magazin

Dass das neue Men’s Health „Dad“ optisch und haptisch ansprechend sein würde, hatte ich erwartet. Ich war mir ziemlich sicher, dass es das überflüssigste, affigste Magazin sein würde, das die deutsche Printlandschaft seit ein paar Jahren gesehen hat. Und das sage ich als Frau, die die Erstausgabe des Magazins „Beef“ kaufte und es mochte.

Ich las die bisheringen Rezensionen und ich stänkerte auf Facebook herum, dass die Welt dieses Heft nicht brauche. Nun, was soll ich sagen – und nun lag heute mein Rezensionsexemplar im Briefkasten und ich muss meine Vorurteile doch ziemlich revidieren. Aber ins Schwärmen werde ich auch nicht geraten, keine Sorge.

Magazin Dad

Dad Magazin Cover Detail

Als alleinerziehende, feministisch orientierte Frau bin ich nun wahrlich nicht die Zielgruppe des neuen Dad Magazins, soviel ist klar. Trotzdem hat mir etliches recht gut gefallen, allem voran die Gestaltung der Titelseite. Wunderbar schlicht und mit den leicht erhabenen Lettern haptisch ein Hochgenuss.

Dad Magazin Kind zeugenIch mochte auch die Optik im Heft, die stark ans Layout von Nido erinnert, mit Ausnahme der in graubraun gehaltenen Strecke „Know-How für Dads“, die sich über ganze 9 Seiten zieht. Wobei in meinen Augen die Tipps, die auf dieser Servicestrecke vorgestellt werden, nicht besonders männerspezifisch sind. Bis auf „Wie Sie heute Nacht noch ein Kind zeugen“ auf S. 41, das ich a) billig aussehend fand und b) für falsch halte. Ich habe mal gelernt, dass die Frau auf dem Rücken liegen solle und mit leicht hochgelagerten Beinen 15 Minuten liegenbleiben solle. Aber das ist wahrscheinlich weniger schön darzustellen als diese Doggie-Style Grafik. Nun ja.

Auf der letzten Seite des neuen Dad Magazins befindet sich eine Kolumne von Bloggerin Frau Mutter. Ihren Blog lese ich seit Jahren und ich liebe sowohl die Art, wie sie schreibt als auch ihre inhaltliche Vielseitigkeit. An dieser Stelle in einem Vätermagazin wirkt diese Kolumne jedoch ein bisschen wie ein Feigenblättchen, die Seite für die Partnerin, oder wie die Kinderseiten in manchen Zeitungen. Andererseits schreibt Till Raether ja auch in der Brigitte Woman, und ich lese ihn immer ausnehmend gerne. Kann also sein, dass diese Kolumne bei den männlichen Lesern gut ankommt.

Was mir richtig gut gefiel: die kleinen Erinnerungen mit Pfeilen zu den jeweiligen Mitarbeitern im Impressum. Das ist kreativ, warmherzig und originell. Bitte behaltet das bei!

Dann waren da noch wirklich interessante Texte. Der über den Vater, der vier Wochen lang verschiedene Erziehungsstile ausprobierte. Und der über das Mysterium „Jungs und Erschießen spielen“, ein Thema, das auch mich als Jungsmutter beschäftigt. Die Erfahrungen von Vätern mit der Elternzeit, Väterportraits in Bezug auf Quality Time und Lebensmodelle, und wie Väter die Geburt erlebten, habe ich auch aufmerksam gelesen. Da war nichts Plattes oder Dummes dabei.

Die Modestrecke ist in meinen Augen komplett überflüssig und ich kann nicht recht ausmachen, warum sie nicht als Werbung gekennzeichnet wurde. Und der Artikel zum Thema „Kinder anflunkern“, der von einer Frau geschrieben wurde, ist auch kein Highlight. Informationen über Kinder und Smartphones und der obligatorische Text über Ernährung (so in der Art schon gefühlte tausend Mal gelesen) mussten wohl auch noch rein, vielleicht um Werbekunden anzulocken, wer weiß. Denn bisher ist vorwiegend Autowerbung drin, und welche für teure Uhren, eine Krankenkasse, die Telekom, einen exquisiten Kinderwagen, eine Tragehilfe und Drogeriartikel für Baby bzw. Vater. Da ist noch Luft nach oben.

Dad Magazin Sex

Kommen wir nun zu meinem persönlichen roten Tuch im neuen Dad Magazin: Die Strecke „Sex trotz Kind“. Geschrieben hat sie eine Frau, aber das macht es auch nicht besser. Erstens ist sie vom Layout her ausgesprochen miserabel zu lesen (weiße Schrift auf dunkelrot gemustertem Fotohintergrund, soll offenbar Schlafzimmeratmosphäre erzeugen), und zweitens werden hier wirklich nur Platitüden verbreitet. Muss man Männer wirklich wie lüsterne Oberprimaner ans Thema Frau, Sex und Geburt heranführen? Steht es so schlimm?

Aber alles in allem: Für 3,90 € und die Zielgruppe wahrscheinlich gar nicht so übel. Auch die Gender-Botschaft ist okay, wenn auch nicht revolutionär fortschrittlich, aber das wäre auch sicher etwas viel verlangt. Und die Titelseite ist ein Highlight. Geht sie anfassen, wenn Ihr das Heft im Laden seht!

Bloggerin, Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Print und Online. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit von Familie & Beruf, Familienthemen.

9 KOMMENTARE

  1. Mich hat schon der Teaser auf dem Titelblatt unglaublich geärgert: „Coole Väter“, die sich gegen die, natürlich impliziert uncoole, „Helikoptermama“ mit Strategien behaupten… echt jetzt?
    Ist der Artikel dazu so platt, wie es sich anhört? In die übliche Richtung von „Dann hat das Kind bei mir eben keine Jacke/verschiedene Socken/zu kleine Schuhe an und klar weiß ich nicht, wo der Impfpass ist, aber mit mir toben die Kinder und wir haben echt viel Spaß miteinander in den 30 Minuten vorm Zubettbringen (das Mama erledigt)“?

    • Diese Headline war mir auch ein Dorn im Hauge, Jess. Helikoptermama – Klischee hoch 3, reißerisch, ich kann mir nicht vorstellen, dass das den Redakteuren gefiel. Die Entscheidungsprozesse bei solchen Magazinen sind halt auch dem Markt unterworfen. Ärgerlich, ja. Zumal der Artikel dazu ausgesprochen sachlich und vernünftig ist, da werden nämlich Lebensmodelle vorgestellt, in denen Väter etwas auf gute Art anders machen. Moderne, sich einbringende Väter jenseits von Klischees. Mit der Headline hat das so rein gar nix zu tun.

  2. Als „Nicht-Mutter“ lese ich Deinen Blog trotzdem immer gespannt und erlaube mir jetzt auch einmal einen Kommentar bei Dir. Denn ich finde es richtig gut, wie Du Dein anfängliches Urteil sachlich nochmals geprüft und teilweise revidiert hast. Bzw. versucht hast, das Ganze von allen Seiten zu beleuchten. Richtig gute Rezension DICKES LOB! Und ja, fühlen werde ich im Zeitschriftenhandel auf jeden Fall…Du hast mich neugierig gemacht. Schade, dass es für Blogs noch keine „Haptik“ gibt, gell? Schönes Wochenende!

  3. […] 4. Es gibt jetzt auch eine Men’s Health für Väter. In Zeiten, in denen immer mehr Väter Elternzeit nehmen und Gleichberechtigung an erster Stelle bei der Kindererziehung steht, ist solch ein Magazin sicher längst überfällig. Aber erfüllt es auch die Erwartungen? […]

  4. Bin ich die Einzige, die bei dem dunkelroten Hintergrund zu dem „Ihr tut noch alles weh“-Artikel nicht als Erstes Schlafzimmeratmosphäre assoziiert? Oder ist das Absicht? Soll den Vätern, die bei der Geburt blutige Details gesehen haben, auch wieder alles vergehen, auf dass das Paar in harmonischer Eintracht zurück vor den Fernseher schleichen kann? Uh … Und dann die Melonengrafik. Nee!

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