Kochen nach Gefühl: Osso Buco

Wie geht Kochen nach Gefühl, ganz ohne Rezept? Das fragen mich oft die Leute, die mir auf twitter folgen – bzw. sie hätten eigentlich gerne Rezepte, wenn ich dort verrate, was es bei mir gerade Leckeres zu essen gibt.

Aber ich kann mit Rezepten nicht dienen, weil ich ganz bewusst freestyle koche, das entspannt mich im Gegensatz zum ständigen Schielen auf genaue Mengenangaben (die leider meist aus Zahlen bestehen, mit denen ich gar nicht gut zurechtkomme).

Sagt nicht, Ihr hättet dazu kein Talent. Ich habe auch erst mit 43 Jahren damit angefangen, als ich mich vom Mann getrennt hatte und hungrig war. Bevor ich den Mann kennengelernt hatte, war ich Pudding-Vegetarierin und hatte insofern mehr Erfahrung mit Käsebrötchen, Zigaretten und Gummibärchen gemacht als mit dem Kochen. Es war also Neuland für mich, selbst Fleisch und Fisch zuzubereiten. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte. Weil es aber sehr viel Spaß macht und großartig schmeckt, schreibe ich euch auf, wie ich beim Kochen ohne Rezept vorgehe.

Für Ungeduldige: ganz unten habe ich zusammengefasst, worauf es generell beim Kochen nach Gefühl ankommt. Runterscrollen. :)

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1) Hungrig, ohne Plan und clever einkaufen gehen

Nee – das ist kein Widerspruch. Wenn ich ohne Hunger oder zumindest Appetit einkaufen gehe, dann weiß ich nicht, was ich gerne essen würde. Ich kaufe ohne Einkaufzettel ein, sonst arbeite ich nur Listen ab und habe kein Auge für die Schönheit der Dinge im Supermarkt.

Wenn ich nicht zum Metzger meines Vertrauens gehe, dann kaufe ich mein Fleisch gerne bei Edeka, wo regionale Produkte von echten Metzgern über die Theke gereicht werden. Weil wir wenig Geld haben – pro Tag kann ich für uns 4 Personen maximal 15 € für Essen ausgeben – muss ich gut überlegen, was ich kaufe. Also lese ich die Prospekte, gucke im Supermarkt nach Sonderangeboten, und denke darüber nach, wie oft ich das Essen aufwärmen kann.

a) Augen auf und Sonderangebote kaufen – aber Qualität!

Was im Angebot ist, ist meist besonders frisch. Also hält es auch länger. Wenn es dann auch noch gut aussieht, schlage ich zu. Gestern gab’s Kalbshinterhaxe in Scheiben für sagenhafte 1,29 € pro 100 Gramm, davon kaufte ich 3 Stück (weil sie klein waren) zu insgesamt 474 Gramm = 6,11 €. Das reicht für die Kinder und mich für 2 Tage. Ich kaufe nie Fleisch beim Discounter, das schmeckt mir nicht. Lieber weniger, aber gutes Fleisch – alles andere ist rausgeworfenes Geld.

b) Regional und saisonal kaufen

Dazu brauche ich Suppengemüse. Das gibt’s fertig abgepackt und ist dann immer überteuert und nicht mehr richtig frisch. Besser ist es, Sellerie, eine Möhre und einen Lauch einzeln zu kaufen. Macht 16 Cent für die Möhre, 47 Cent für einen Lauch und 1,06 für einen Sellerie. Da ich nur die Hälfte des Selleries und Lauchs brauche, friere ich den Rest kleingeschnippelt und geputzt ein – das spart nochmal Geld. Das Gemüse war also mit 85 Cent sehr günstig.

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2) Kochvorbereitungen: Zutaten sammeln und zubereiten

Ich nehme das Fleisch aus dem Kühlschrank, wasche es unter fließendem Wasser ab, trockne es mit Küchenkrepppapier und lasse es Zimmertemperatur annehmen. Gleich darauf wuchte ich den Römertopf aus dem oberen Schrankfach, denn der muss 20 MInuten in Wasser einweichen. Während er das tut, überlege ich, was zum Fleisch passen könnte. Ich mache jede Art von Braten im Römertopf, es ist mir noch nie etwas darin misslungen. So ein Topf ist aus Ton und kostet, wenn man ein Schnäppchen macht, nur 20 €. In „teuer“ bezahlt man 40-50 €, aber das muss wirklich nicht sein.

War da nicht noch Rosmarin im Topf auf dem Balkon? Ja, dann kommen zwei Zweige mit in den Römertopf. Das „Suppengemüse“ putze und schnibbele ich klein, mindestens 1/2 Liter Brühe muss dazu, und weil ich Zwiebeln liebe, kommt davon auch eine mit aufs Brett.

Salz und Pfeffer müssen eh an alles, was ich koche. Früher hatte ich immer Angst, zu viel davon zu nehmen, aber das ist mir noch nie passiert. Denkt einfach an Blumengießen – einen Schwung drüber, und gut ist.

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3) Fleisch und Gemüse in den Römertopf schichten

Exakt das, was in der Überschrift steht: die harten Stückchen nach unten (wie im Einkaufswagen), also Sellerie und Möhre zuerst, dann Zwiebeln und Lauch drauf, und danach Rosmarinzweige in den Römertopf. Das gepfefferte und gesalzene Fleisch sanft hineinlegen und so viel Brühe draufgiessen, dass das Fleisch noch halb rausguckt. Deckel drauf und ab in den nicht vorgeheizten Ofen bei 175° C und Umluft. Das kostet für die zwei Stunden, die ich das Fleisch darin schmoren lasse, etwa 1 €, ist also teurer als das Gemüse.

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4) Fleisch rausholen und Sauce zaubern

Wenn es gut riecht, hole ich das Fleisch aus dem Ofen. Falls ich unsicher bin, ob es schon soweit ist, schaue ich zwischendurch einfach nach. Mit Topflappen und Umluft aus, versteht sich. Das gare Fleisch befördere ich mit einer Zange auf einen Teller und decke es mit Alufolie ab, sodass es nicht austrocknet. Es kommt wieder in den Ofen, damit es warm bleibt.

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Osso Buco im Römertopf nach 2 Stunden

Alles, was nun noch im Römertopf ist, befördere ich in ein Sieb, das ich auf eine Stielkasserole (Topf mit langem Griff) gelegt habe.

Den Rosmarin nehme ich raus, und alles andere drücke ich sanft durch ein feines Sieb, damit vom Gemüsegeschmack noch mehr in die Sauce rüberkommt. Wenn dann fast nur noch „Trester“, also Brei, im Sieb ist, kippe ich das in den Biomüll.

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Die Sauce muss nur noch mit einem Schuss Sahne (schwupp, bis die Farbe schön aussieht) aufgekocht werden, und damit sie dick wird, nehme ich Saucenbinder. Man könnte auch Mehl in Sahne anrühren und das so machen, aber ich mag Saucenbinder, obwohl er industriell ist.

5) Beilagen und servieren

Welches Gemüse dazu passt, ist sowas von Geschmackssache, dass ich gar nichts dazu sagen möchte. Bei mir gibt’s heute Blumenkohl dazu, der war auch im Angebot. Ich esse gerne Brot zum Fleisch, wie ich das aus Italien kenne, und verzichte drum meist auf Kartoffeln, Nudeln, Reis & Co. Das war schon alles.

Ich habe also für 10 € (inklusive Strom, Gemüse und Brot) ein super Essen, das sogar 2 Tage satt macht. Und das ist nur exemplarisch, es funktioniert mit Rinderbraten und Schweinebraten genauso. Die sind sogar noch günstiger, Schweinebraten kostet im Angebot nur 5-6 € pro Kilo, Rinderbraten 8-10 € das Kilo (je nachdem, welches Stück vom Tier angeboten wird).

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Osso Buco

Und wo war nun das Gefühl?

Das ist nun doch fast ein Rezept geworden. Ich fasse also nochmal kurz zusammen:

  • Nach dem Lustprinzip einkaufen, ruhig auch hungrig
  • Gucken, ob das vom Geldbeutel her zur Lebenssituation passt
  • Überlegen, welche Zutaten harmonieren könnten
  • Nicht zu viel nachdenken beim Kochen, einfach machen
  • Nur gute Zutaten nehmen, das fühlt sich auch besser an – das Zeug soll in deinen Körper!
  • Nicht auf Gewichtsangaben schielen, sondern gucken ob das Mengenverhältnis Fleisch-Gewürz-Gemüse ausgewogen ist
  • Sinne einsetzen – schnuppern, ob das Fleisch gar ist, sehen, ob das Gemüse frisch ist, ertasten, ob es gar ist (das bezieht sich nun auf den Blumenkohl), Sauce abschmecken, falls nötig (muss ich eigentlich nie)
  • Genießen. In Ruhe essen, langsam kauen, stolz sein auf das selbst zubereitete Mahl.

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momatka
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momatka

Das nenne ich mal eine wunderbare Kochanleitung. Osso Buco kenne ich gar nicht, aber hört sich lecker an. Vielleicht probiere ich es mal. Vielen Dank und sehr gerne mehr !! :-) Liebe Grüße, Momatka

Mama spinnt
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Mama spinnt

Wunderbar! Ich liebe kochen nach Gefühl! Besonders spannend wird es wenn man vorher nicht gezielt eingekauft hat (keine Lust, keine Zeit, Kinder krank etc.) und man mit dem was man hat eine Mahlzeit zaubert. Geschmeckt hat das bisher fast immer (es gab mal einen Fehlschlag, OK). Oder die Familie wünscht sich ein spezielles Gericht, nennt mir ein paar Zutaten und vor allem den Geschmack. So koche ich gern. Rezepte nutze ich bestenfalls als grobe Leitlinie oder Anregung. :-) Klasse, dass Du mal ausgerechnet hast, was das insgesamt kostet. Man kennt immer nur die Kosten der Lebensmittel, aber es kommt halt… Weiterlesen »

Chris
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Chris

Herrlich. Das nenne ich mal kochen und genießen mit Lust und Leidenschaft.
Ich mag auch keine Einkaufslisten und lasse mich lieber inspirieren auf dem Weg zur Kasse.

Super geschrieben und auch fotografiert

LG
Chris

Suse
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Suse

Endlich mal jemand, der mir aus dem Herzen spricht.
Auf meinem Blog findet man zwar viele Rezepte, die schreibe ich aber während der Zubereitung mit. Von anderen Rezepten lasse ich mich inspirieren und mache dann mein eigenes Ding draus.
Das mit dem hungrig Einkaufen ist ein guter Einwurf. Man sagt ja, man soll nicht hungrig Einkaufen gehen, damit man nichts Unnötiges kauft. Aber wenn man satt ist, kauft man Dinge, auf die man irgendwann mal vielleicht Appetit haben könnte.
Bei mir stehen nur Grundnahrungsmittel auf der Liste. Ich bin jemand, der sowas immer im Vorrat bunkert.

Danke für den lustvollen Post!

Frau Kreis
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Frau Kreis

Kochen nach Gefühl ist was Feines. Ich bin auch so ein Hamsterkäufer, und ich mag es, abends aus dem Bauch heraus Zutaten zusammenzuwürfeln und zu genießen. Geht hungrig auf jeden Fall besser (außerdem ist Essen sinnes- und lustbetont, warum sollte die Zubereitung nach streng rationalen Maßstäben erfolgen?)

Claudia
Gast
Claudia

Liebe Chris,

vielen Dank für diesen Artikel, der große Lust auf Nachkochen macht. Und mir nebenbei erklärt, wofür man eigentlich einen Römertopf braucht ;-). Als Zahlenmensch geh ich natürlich mit Liste einkaufen (die wenn möglich nach den Regalen im Supermarkt sortiert ist, echt!). Meine Kreativität wird durch die Bio-Kiste angeregt, die alle 2 Wochen mit Gemüse und Obst geliefert wird.

Claudia

Nina
Gast
Nina

Osso Buco will ich schon so lange einmal kochen. Danke für die tolle Anleitung.

Liebe Grüße
Nina