Mama im schwarzen Loch: Haushalt und Kinder als Zeitfresser

Wo bleibt die Zeit? Die viele Zeit, von der ich dachte, dass ich sie haben würde, wenn ich aufhöre, 10 Stunden pro Woche zu pendeln und 42 Stunden pro Woche zu arbeiten!? Seit zwei Monaten warte ich täglich darauf, aufzuwachen und Zeit zu haben. Nun ja, zuerst kamen mir die Sommerferien dazwischen, dann der Rest Kindergartenferien, und zu einem nicht unerheblichen Teil wohl ich selbst.

Denn ich muss feststellen, dass ich mein Privatleben so straff und schnell organisiere wie ansonsten den Beruf – langsam zu machen scheint mir nicht gegeben. Der Tag ist gefüllt mit diversen (lange aufgeschobenen) Arztterminen, Kinderbetreuung, Haushalt und meinem Hobby, dem Internet. Neben diesem Blog arbeite ich ehrenamtlich als Moderatorin einer Webseite für getrennte oder sich gerade trennende Frauen, wo ich auch Ansprechpartnerin für die Presse bin. Das macht einen Höllenspaß, jedenfalls bedeutend mehr, als Wäsche aufzuhängen und das Haus zu putzen, was vor meiner Arbeitslosigkeit zu großen Teilen mein Au-Pair mit erledigte.

Nun, so ganz ohne Personal, fordern die Kinder auch mehr Zeit von mir: „Mama, kannst du mich am Freitag um 13 Uhr vom Schulschwimmen abholen?“, fragt die Große, und zum Geburtstag dieses Jahr musste es erstmalig ein selbstgebackener Kuchen sein. Für eine Weile finde ich das okay, aber langfristig möchte ich nicht im schwarzen Loch Haushalt verschwinden; ich kann mir jetzt vorstellen, wie leicht das einer Frau passiert, die „nur“ Zuhause ist.

Und nun muss ich aufhören. Der Keller ruft, ich will Kinderklamotten nach Größe sortieren und die Kleiderschränke der beiden Jüngeren ausmisten. Oben wartet die feuchte Wäsche neben dem bereits aufgeklappten Wäscheständer. Und um 12:45 kommt die Große aus der Schule. Sie hat Fischstäbchen mit Spiegelei bestellt – als ich noch arbeitete, aß sie in der Schulmensa zu Mittag. Und da wundere ich mich, dass ich keine Zeit mehr habe?

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Silke
Silke
11. Oktober 2011 10:40

Kommt mir so bekannt vor. Wintersachen rausholen. Sommersachen wegsortieren. Schuhe kaufen, Handschuhe organisieren. Kochen, einkaufen, putzen, Kinder wegbringen, Kinder abholen, gefühlte 100x Eingangsbereich grob fegen, Playmobil reparieren, Schubladen organisieren, staubsaugen, wischen – ach ja und auch noch arbeiten…. War da noch was?

Christine Finke
Christine
11. Oktober 2011 11:23
Antwort  Silke

Unerwähnt, liebe Silke, blieben: Zahnarztprophylaxe für 3 Kinder und eine Erwachsene, Gynäkologie-Vorsorge, Überweisungen holen, Rasenmähen, Besuche der Verwandtschaft, achja, und Bewerbungen schreiben!

Papa Rockt (@rocktpapa)
Papa Rockt (@rocktpapa)
11. Oktober 2011 15:10

Geht mir auch so. Ich nehms südländisch und genieße die Zeit, wenn mein Kleener sich mal wieder beim Schuheanziehen extra wurstfingrig anstellt. Er lernt es schon noch, und warum so hetzen? Diese Zeit kommt nie wieder.
Bei meinem Bruder hab ich aber gesehen, dass es auch anders geht. Zwei arbeitende Eltern, (bald) vier Kinder – da müssen die Jungs nicht nur selber zurecht kommen, sondern sich auch noch einbringen. Helfen, sich gegenseitig unterstützen.
Ich staune immer, aber Papa und Mama bleiben fast immer cool wie Shaft im Familientrubel.

Christine Finke
Christine
11. Oktober 2011 16:50

Ja, das ist es, was mich irritiert – speziell die Älteste (11) ist sehr selbstständig. Sabotiere ich das gerade? Aber ist ja auch kein Dauerzustand, mein Zuhause-Sein :). Und cool bleiben fällt mir jetzt, ohne Bürojob, viel schwerer. Eine Charakterdeformation? *Grins*

Birgit
Birgit
10. Juli 2018 15:15

Ja hätte ich damals gewusst, auf was ich mich da tatsächlich einlasse und dass ich keine Zeit mehr für mich und mein Leben habe. Ich denke, ich hätte gänzlich auf Kinder verzichtet…gottseidank hat man nicht „lebenslänglich“ sondern die lieben Kleinen ziehen auch irgendwann mal wieder aus – hoffentlich….