Tatort gucken und twittern – wieso!?

20:15 Uhr, Jan Hofer wünscht uns zum Abschluss der Tagesschau noch einen schönen Abend. Die Tatort-Melodie ertönt. Ich habe gekocht, es gibt Schweinshaxe mit Rotkohl und Kartoffeln. Die Jüngste quengelt noch etwas herum.

Es ist mir in den fast 5 Jahren, die ich nun alleinerziehend bin, nur wenige Male gelungen, einen kompletten Tatort konzentriert anzuschauen, weil die Kinder sehr meine Nähe suchen. Und das verträgt sich nicht mit Bildern von Mord und Totschlag. Ich mache den beiden Kleinen eine DVD in meinem Schlafzimmer an und hoffe auf wenige Unterbrechungen.

Auf twitter versammeln sich die ersten Mitgucker. Martina Thelen ist immer treu dabei. Auch Schokoschn_ute meldet sich anwesend. Ich habe das Gefühl, sie seien quasi mit auf dem Sofa. Wobei, ich sitze ja auf der Holzbank am Wohnzimmertisch. Ich mag das Gucken mit Gesellschaft, die doch in der Distanz ist.

Die Geschichte zieht mich rein. Es geht um eine Frau, die Dinge sieht, die kommen werden. Das ist natürlich absurd, aber es trifft eine Saite in mir. Denn manchmal träume ich Dinge, die so oder so ähnlich eintreffen, was ich auf starke Intuition, nicht auf übersinnliche Kräfte zurückführe. Aber ich twittere mir das jetzt aus dem Leib, denn eigentlich würde ich das gerne jemandem erzählen, der neben mir sitzt.

Ich habe schon 2 Tweets abgesetzt, die mir 15 Favs und einen Retweet brachten. Es ist erst 20:30 Uhr. Und nebenbei tippe ich diesen Text. Vielleicht WILL ich mich auch gar nicht ganz auf diesen Tatort einlassen, sondern lieber mit einem Fuß bzw. einem Teil des Kopfes woanders sein? 2 neue Follower haben meinen Account auch schon gefunden, die kamen wahrscheinlich über den Hashtag #tatort. Da ich jede Woche zum Tatort twittere, weiß ich, dass die wenigsten davon auf Dauer bleiben. Ist egal, ich brauche twitter eh als Ventil, das ist keine Follower-Akquise-Maßnahme. Es stört mich auch nicht, wenn ich durchs Twittern beim Tatort Follower verliere, auch das ist schon vorgekommen. Tatort-twittern gehört zu mir und meinem Account. Wer’s nicht mag, kann ja muten (Tweets mit einem bestimmten Hashtag ausblenden).

20:35 Uhr. 3 Leute, denen ich folge, empören sich darüber, dass „ungefähr 40“ mit „schon älter“ gleichgesetzt wird. Ich verteile drei Sternchen als Zeichen meiner Sympathie und fühle mich verstanden. Immerhin bin ich 48. Und noch gar nicht älter. ;)

Nicht die komplette Timeline schaut den Tatort, gefühlt jeder Vierte. Der Rest steuert fröhlich komplett andere Themen zum Lesen ein. Das ist das, was ich an twitter so liebe. Die Gleichzeitigkeit der Dinge, das Leben auf ganz vielen Kanälen auf einmal, aber in einem sozialen Medium.

tatort twittern 1

21 Uhr. Ich esse, die Große setzt sich zu mir an den Tisch und fragt nach einer kurzen Zusammenfassung der Handlung. Die liefere ich. Und freue mich, dass die beiden Kleinen in meinem Schlafzimmer etwas anderes gucken. Meine Timeline twittert relativ wenig. Die schauen also entweder gebannt zu oder sind gelangweilt. Schwer zu beurteilen. Ich frag mal nach. Ich bekomme die Rückmeldung, dass die Leute, die mich lesen, den Tatort langweilig und seltsam finden. Das passt. Ich finde ihn nämlich angenehm seltsam und nur subtil aufregend.

21:15 Uhr. Es wird mir jetzt doch zu aufregend. Ich gehe nochmal in die Küche, um mir Essensnachschub zu holen. Und erinnere mich daran, dass ich mich als Kind, wenn mein Vater den Tatort guckte, was er jeden Sonntag tat, regelmäßig hinterm Sofa versteckte, wenn es mir zu spannend wurde. Im Prinzip übernimmt twitter diese Funktion heute für mich. Es lenkt mich bei Langeweile und bei zu viel Spannung ab.

21:25 Uhr. Martina Thelen twittert mir eine Fremde in die TL, die vermutet, die Norwegerin habe den Tod von Stark geträumt. Das klingt richtig. Ich verteile einen Stern. Aber der Tatort dauert noch 23 Minuten. Und keine 5 Minuten später bestätigt sich diese Vermutung. Meine Timeline ist schlau.

21:44 Uhr. Wieder genauso viele Follower wie vor dem Tatort. Das nivelliert sich meist. Der Abspann samt Melodie flimmert über den Bildschirm. Ich schalte den Fernseher aus, lese noch ein paar Tweets, die den Tatort beurteilen (fanden die meisten ganz gut), retweete etwas von Happy Schnitzel alias Sue Reindke und gehe ins Bett. Ritual vorbei. Die Woche kann kommen.


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DO
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DO

21:25 :D In diesem Fall nicht wirklich schlau. Das stand bereits vorher in jeder Kritik und kam auch schon im Trailer vor: https://www.youtube.com/watch?v=-p_GdEuXNSc&list=UU7b9s6TGivjkY2pzQWQHzBQ
Ich selber könnte zwar nie beim Tatort twittern, da ich mich nur auf Eines konzentrieren kann, aber als Follower gewinnt man mich so leicht. LG

Mama notes Blog
Gast
Mama notes Blog

Du bist eine der wenigen Tatort-Twitterinnen, die ich in meiner Timeline habe. :) Ich gucke ja nie den Tatort, ich langweile mich immer. Oder finde den Film schlecht erzählt. Oder es gibt schlimmste Gewalt an Kindern, das kann ich nicht mehr sehen. Den Shakespear-Theater-Western-Splatter-Tatort letztens fand ich toll und habe ihn nur wegen Twitter geschaut. Weil nämlich Ninia la Grandedarüber twitterte.
Kompensation von Spannung und Langeweile – das ist Twitter beim Film/TV-Schauen, auch bei mir.