Träume, keine Schäume.

Ohne meine Träume würde mir etwas fehlen. Ich meine nicht Tagträume, für die habe ich selten Zeit und empfinde sie als eher störend im wuseligen Alltag. Meine nächtlichen Träume sind mir Wegweiser, Unterhaltung, Hilfe bei der Wahrnehmung von Dingen, die mein Leben betreffen, und auch gelegentlich lästig. Aber immer sind sie bunt und intensiv. Manchmal verstehe ich durch einen Traum, was ich im Leben tagsüber nicht kapiere. Dann fühle ich mich wahrhaft bereichert.

Manche Menschen sagen, sie träumten nie – die tun mir leid. Andere, wie der Vater eines Ex-Freundes, träumen nur in schwarz-weiß. Auch nicht beneidenswert. Ich träume in diesen groben Kategorien:

Einmalige Träume, die erinnert werden

Als es mir mit dem lieben Ex, der meine Abitursliebe war, zu eng wurde, träumte ich, dass ich im Hochzeitskleid in einen Sarg gelegt wurde. Kurz darauf zerstörte ich unser junges Glück durch eine Affäre im Real Life.

Eine Nacht war ich Jesus am Kreuz, kein Scherz. Aber auch das ist gar nicht so selten, wie ich las. Und ein guter Freund von mir träumte das auch Anfang der 90er, fast zeitgleich mit mir. Der Traum brachte uns zusammen. Aber nicht nur der Traum. ;)

Ein Mal schwamm ich nachts in einem riesigen Freibad voller Vanillepudding. Es war ein 50-Meter Becken und ich hatte alles für mich. Das war, als ich etwa 19 war. Es ging mir damals sehr gut. Und dieser Traum war toll.

Albträume

Nach der Trennung vom Ex-Mann träumte ich Nacht für Nacht hässliche Details aus der Ehe und der Trennungssituation nach, die für einen Horrorfilm getaugt hätten. Das dauerte fast 3 Jahre und war sehr anstrengend, weil es mir jede Nacht so fürchterlich real vorkam. Ich wachte fast immer gerädert auf und hatte ein Leben zu stemmen. Diese Träume hörten erst auf, als ich sicherer wurde, dass unser Leben in zumindest äußerlich ruhigen Bahnen verlaufen würde.

Vor der Trennung träumte ich oft, dass ich nicht mehr sehen könne und mir die Augen verklebt seien. Oder dass ich irgendwo hin möchte, aber nicht von der Stelle komme. Beides eigentlich sehr bezeichnend für die Beziehung, die ich führte.

©-SeanPavonePhoto-Fotolia
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Wiederkehrende Träume

Bis vor etwa einem Jahr musste ich mich nachts im Traum immer zwischen dem Freiburg und Berlin als Wohnort entscheiden. Ich träumte das jede Woche. Bis mir klar wurde, dass es darum geht, ob ich Leidenschaft oder Sicherheit im Leben suche. Im letzten Traum dieser Serie fand ich einen Geheimweg, mit dem ich schnell zwischen Berlin und Freiburg wechseln konnte. Danach träumte ich den Traum, der mich 15 Jahre begleitet hatte, nicht wieder.

Ich muss das Abitur nochmal machen, insbesondere Mathe. Dabei weiß ich genau, dass ich es schon in der Tasche habe, ich will es nur nochmal machen, um noch besser abzuschneiden. Ganz klar ein Prüfungstraum, den ich zum Glück seit der Trennung vom Mann nicht mehr hatte.

Gelegentlich fliege ich im Traum in geringer Höhe, so etwa 15 Meter über den anderen, durch die Welt. Das ist angenehm und ich komme dabei durch Bewegungen vorwärts, die dem Schwimmen ähneln. Wunderbar ist das. Leicht und elegant. Ich wundere freue mich im Traum darüber, dass ich das kann.

Früher, als ich noch etwas wilder unterwegs war, träumte ich von riesigen Schaukeln, auf denen ich Richtung Weltall schaukelte. Das war mir unheimlich, aber ich konnte es nicht stoppen. Einmal auf der Schaukel schaukelte ich mich hoch und höher, bis ich ganz alleine im All war. Gar nicht schön. Diese Träume hörten um die Zeit herum auf, als ich sesshaft wurde und Kinder bekam. Ich habe sie nicht vermisst.

Immer noch träume ich von abstürzenden Flugzeugen. Ich sitze aber nie in diesen Flugzeugen (doch, in der Zeit nach der Trennung vom Mann gelegentlich, aber vor dem Absturz wachte ich gnädigerweise immer auf!), sondern sehe nur staunend zu, wie große Flugzeuge mit Getöse und viel Feuer auf den Boden knallen. Vergangene Woche, und das ist der Grund für diesen Blogpost, endete dieser Traum erstmalig damit, dass Überlebende aus dem Flugzeug klettern. Das hat damit zu tun, dass ich jemanden traf, der intensiv ist, aber zu überleben scheint, anders als die Menschen, die ich vorher abstürzen sah. Warum ich mich in der Nähe von abstürzenden Flugzeugen aufhalte, darüber denke ich noch nach. Vielleicht fliegen die Flugzeuge ja auch in meine Nähe. Wer weiß?

©-photoncatcher36-Fotolia.
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Siebter Sinn Träume

Diese Träume sind mir am unheimlichsten. Als ich nicht wissen konnte, dass ein sehr geliebter Ex von mir sterben würde, zu dem ich seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, träumte ich einen Traum, der mir recht adäquat mitteilte, was gerade passierte. Ein Anruf des Bruders von diesem Ex ein paar Tage später sagte mir, was ich sowieso schon wusste. Ich bin kein bisschen esotherisch und mag sowas eigentlich nicht. Aber es war so.

Trostträume

Einen richtigen wunderbaren Urlaub, ganz ohne Kinder in der Karibik träumte ich, als ich mal völlig erschöpft war, nach der missglückten Mutter-Kind-Kur. Das war in gewisser Weise meine Rettung vor dem Zusammenbruch. Ich wachte erholt und dankbar auf. Besser hätte kein echter Urlaub sein können. Dieser Traum trug mich.

Als ich mich vor einigen Monaten sehr erschöpft fühlte von der sich ziehenden Scheidung und Jahren ohne Umarmung, kam mein verstorbener Ex-Freund und nahm mich im Traum in den Arm. Er sagte, alles komme in Ordnung. Genau das hatte ich gebraucht.

Einen Mann, den ich nicht haben kann, nachts zumindest in den Arm zu nehmen und ihm unter der Decke, wo es keiner sieht, über den Kopf zu streicheln, hat mich kürzlich sehr getröstet. Ich weiß, ich will seinen Kopf. Würde wollen. Zumindest im Traum war das einen Moment lang möglich.

©-doris-oberfrank-list-Fotolia.
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Klarträume (luzide Träume)

Die Königsdisziplin des Träumens. Vielleicht 1-2 Mal im Jahr, meist gegen Morgen, wenn ich eigentlich schon ausgeschlafen bin und fast aufwache, habe ich die Möglichkeit, meine Träume zu steuern. Das ist sehr, sehr geil. Als wäre man Regisseur in einem Film, in dem man hautnah mitspielt. Ich kann dabei zuerst überlegen, was ich als nächstes „geträumt haben“ will, und dann geschieht genau das. Und ich weiß, dass ich träume. Das tut aber dem Spaß keinen Abbruch.

Vor einziger Zeit hatte ich im Klartraum den Wunsch, meine Oma noch einmal zu sehen und zu umarmen. Ich wollte ihr sagen, wie sie mir fehlte. Das konnte ich inszenieren und es war einfach nur schön.

Fazit und ein Buchtipp

Nichts ist so persönlich wie Träume. Es gibt Traumdeutungsliteratur en Masse, verschiedene Schulen der Traumdeutung, und psychologische Ansätze, sie zu erklären. Mir hat das Buch von Ann Faraday, „Deine Träume – Schlüssel zur Selbsterkenntnis“, das ich in den 90ern kaufte, zu vielen Einsichten verholfen. Es erklärt verschiedene wissenschaftliche Ansätze der Traumdeutung und nimmt von allen Ansätzen die vernünftigsten Aspekte heraus.

Träumt Ihr auch so wild? Und so konsistent? Erzählt mir davon, damit ich mich hier nicht alleine blamiere. :)

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Mara
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Mara

Auch wenn ich hier nicht über meine Träume schreiben mag, kann ich sagen, dass ich ähnlich intensiv träumen kann. Manchmal sind es Wünsche, die durchbrechen und vermutlich den Traum nutzen, sich zu äußern, denn einige davon würde ich mir so ohne weiteres selbst nicht erlauben; manchmal sind es Erkenntnisse, die wohl eine weniger bewusste Bühne brauchten, um zu mir durchzudringen. Und dann einige immer wiederkehrende Träume, die, seit es mir so gut geht wie jetzt, nicht mehr so recht wiederkehren wollen. Ich werte das mal als gutes Zeichen. P.S. Das mit dem Abitur träumen aber offensichtlich viele Menschen, ich auch,… Weiterlesen »

Anja Schlüter
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Anja Schlüter

Die Träume vom Fliegen in etwa 15 Meter Höhe und von abstürzenden Flugzeugen, in denen man nicht drinsitzt, kenne ich auch. Selber fliegen ist immer schön, auch mit diesen Svchwimmbewegungen. Letztens sind in meinem Traum gleich vier Flugzeuge in einer Gebirgsregion mit Bergsee abgestürzt, aus jedem weiteren kamen mehr Überlebende. Warum? Weiß ich nicht. Aber ich träume schon sehr sehr lange von abstürzenden Flugzeugen. Das erste, an das ich mich erinnere, stürzte hinter dem Erfurter Dom ab.
Über diese Träume mit Dir zu philosophieren, dazu hätte ich auch sehr viel Lust.
Gruß, Anja

Mama notes
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Mama notes

Das ist ja spannend mit Dir und Deinen Träumen. Ich träume in Phasen auch sehr intensiv, meistens dann, wenn mir eh klar ist, dass ich gerade etwas verarbeiten muss.
Den Traum vom Fliegen, oder in ein tiefes Loch fallen, und den Prüfungstraum (bei mir Mathe und Sport!!) habe ich auch.
Wiederkehrende schlimme Träume habe ich bisher nicht, glaube ich. Aber es gibt Träume oder auch Orte, Situationen oder Gefühle, die ich schonmal geträumt habe. Im Traum fällt mir das dann auf.

Tina
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Tina

Danke, sehr gerne gelesen und mich oft wiedergefunden. Ich selbst bloggte ja erst Anfang März darüber. Merkwürdig, wie wir uns manchmal thematisch begleiten.

Liebe Grüße,
Tina

Silke Plagge
Gast
Silke Plagge

Liebe Christine,

ahnte ich immer, dass uns einiges verbindet. Träumen rettet mich auch. Immer wieder. Und oft nehme ich mir vor, dass ich die auch mal notieren sollte. Ich kenne ähnliche Albträume, freue mich über Trostträume und habe oft sehr bunte, wilde Träume. Komischerweise auch manchmal welche, bei denen ich wie in einem Roman gar nicht wirklich dabei bin, sondern in der dritten Person alles erleben. Tja.

Lieben Gruss und gleiche eine im wahrsten Sinne traumhafte Nachtruhe, deine Silke

Katharina
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Katharina

Ich habe früher intensiv geträumt, als Kind und als Jugendliche. Aber seither schlafe ich praktisch traumlos oder kann nich einfach nicht erinnern. Schwimmfliegen kann ich auch.

Esther
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Esther

Hallo, auf Grund Deines Hinweises bei Twitter lese ich also jetzt diesen wunderbaren Artikel. Einiges kenne ich auch, mein Fliegschwimmen verlief im Traum so, dass ich aus dem Bett aufstand und zum Fenster ging, mich auf die Kante des geöffneten Fensters stellte und dann wie vom Sprungturm einfach aus dem 3. Stockwerk sprang und los schwamm. Es war sehr befreiend. Im meinem Traum schwammen die anderen Passanten jedoch auch in der Luft. Ich muss dazu sagen, dass ich eine miserable Schwimmerin bin. Ich träume ziemlich häufig luzid, aber obwohl ich es bestimmt hundert mal versucht habe, konnte ich dieses Fliegschwimmen… Weiterlesen »

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Träumst du noch?

[…] Zeit verbracht hätte. Ich sah ihn wieder, er träumte auch von mir. Dann platzte mein Traum, und seitdem kann ich nicht mehr träumen, gar nicht, nur nachts – da träume ich immerhin bunt und…, aber meine Tagträume sind wieder vollends verschwunden. Schade, denn es war so schön, zu […]