How to support your local Alleinerziehende – Ideen aus der Praxis

How to support your local Alleinerziehende – Ideen aus der Praxis

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How to support your local Alleinerziehende
Bild: Anne Matuschek

Du denkst dir: Puh, Alleinerziehende haben es vermutlich ganz schön schwer. Vielleicht hast du selbst Kinder, balancierst gestresst zwischen Arbeit, Betreuung und den tausend kleinen Dingen, die dir der Alltag zwischen die Beine wirft und fragst dich: Meine Güte, wie schaffen die das nur alleine?

Zunächst einmal: Danke, dass du uns siehst, es ist ein wichtiger Schritt in Richtung Unterstützung. Respekt und Anerkennung für das auszudrücken, was viele Alleinerziehende Tag für Tag leisten, ist die eine Sache, noch besser ist es, betroffene Familien (ja ja, wir sind Familien und wir möchten auch so benannt werden) in deinem Umfeld zu unterstützen.

Bedenke stets, dass es kaum jemand mag, Unterstützung aufgedrückt zu bekommen. Ich zähle lediglich ein paar Ideen auf, wie du mit mehr oder weniger Aufwand mithelfen kannst, den Alltag vieler Alleinerziehender zu erleichtern. Die Lebenssituationen betroffener Familien sind vielfältig; Wohnort, Einkommen und Unterstützungsnetzwerk, das alles hat einen großen Einfluss auf die Belastung, die die betroffene Person wahrnimmt.

Im Zweifel gilt immer: Frag die Person, ob sie sich Unterstützung wünscht und ob sie vielleicht sogar konkrete Ideen hat, mach eventuell Vorschläge, akzeptiere aber auch ein „Nein“. Für viele Menschen ist es schon ausreichend, dass jemand sich die Zeit nimmt, zuzuhören oder sieht, was sie jeden Tag leisten, andere bevorzugen wiederum eine helfende Hand.

Wichtig: Die folgenden Tipps sind Anregungen für Familien, die ihren Alltag grundsätzlich meistern. Sie sind kein Ersatz für professionelle Unterstützung durch pädagogisches (Beratungsstellen, Familienhilfen) oder medizinisches Fachpersonal, die bei Bedarf dringend in Anspruch genommen werden sollten und nicht durch privates Engagement ersetzt werden können.

1. Lieber Besuch als Bar

Kinobesuche sind super, die neue Bar auch und diese eine Band, die man schon lange sehen wollte, die sind live sicher großartig. All diese Dinge sind für Alleinerziehende ohne Betreuungsnetzwerk oft nicht oder nur sehr schwer machbar. Abendveranstaltungen oder Events ohne Kinderbetreuung bleiben oft unerreichbar, was zu sehr viel Frust und Unzufriedenheit führen kann, hat man nach einer Weile doch das Gefühl, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sein.

Was hilft, sind Freunde, die ab und zu das Kino links liegen lassen, sich zu einem gemeinsamen Filmabend auf der Couch verkriechen, zum Kochen vorbeischauen oder die Bar am Samstagabend streichen, um mit einer Flasche Wein vor der Tür zu stehen.
Und vielleicht freust du dich schon total darauf, deinen nächsten Geburtstag in dem neuen Restaurant zu feiern, deine alleinerziehende Freundin findet es aber bestimmt gut, wenn ihr euch am Nachmittag danach noch im Park trefft, damit sie es auch noch schafft, in Ruhe mit dir anzustoßen, während die Kinder auf den Bäumen herumtoben.

2. Du das klappt jetzt doch nicht …

Spontane Absagen und Änderungen nerven. Ja richtig, das trifft vermutlich auf viele Menschen zu aber Alleinerziehende balancieren in ihrem Alltag ein fragiles Kartenhaus aus Verpflichtungen, welches bereits durch kleinste Änderungen ins Wanken kommen oder sogar einstürzen kann. Deshalb: Versuche langfristig zu planen und halte dich an Verabredungen. Frag dich vor jeder Absage oder Terminverschiebung, ob sie wirklich notwendig ist. Bedenke, dass der Babysitter vermutlich schon bestellt ist oder die Nachbarin, die ab und zu auf die Kinder aufpasst, nicht ständig hören möchte, dass sich schon wieder etwas geändert hat.

Und glaub mir: Die betroffene Person würde vermutlich nichts lieber tun, als nach der Arbeit spontan auf ein Bier gehen aber solche Ideen sind für die meisten Alleinerziehenden einfach utopisch. Es hilft deiner Freundin oder deinem Freund wenig, wenn du ihr immer wieder erzählst, wie toll das doch wäre, wenn ihr mal wieder Zeit für einander hättet. Auch wenn es gar nicht deinem Charakter entspricht, versuche doch einfach, gemeinsam einen Tag in der kommenden Woche zu finden und halt dich daran, dann klappt es auch mal mit dem Bier und ihr bleibt nicht ewig beim: Ach, das sollten wir mal wieder machen.

3. Wenn bei euch der andere aufpasst

Man kennt das: Einige Eltern kommen immer etwas zu spät zum Elternabend, weil der Partner oder die Partnerin es nicht rechtzeitig von der Arbeit nach Hause geschafft hat, um die Betreuung der Kinder zu übernehmen. Oder dieser eine Freund, der leider absagen muss, weil seine Freundin mit Migräne flach liegt und sich nicht um den Nachwuchs kümmern kann. In diesen Situationen merkt man oft, wie es ist, wenn die zweite Hälfte ausfällt.
Alleinerziehende sind ständig in dieser Situation. Oft wird die Betreuungsarbeit komplett oder zum Großteil allein geleistet, jede freie Minute für Ämtergänge oder Elternabende ist hart erkämpft. Umso willkommener sind kleine organisatorische Hilfen.

Biete beispielsweise an, dass ihr das Kind beim nächsten Elternabend gern mitbetreuen könnt, es auf dem Weg zum Fussballtraining begleitet oder die Kinder zum Fackelumzug mitnehmt. Oft wird es euch gar nicht auffallen, dass ihr ein Kind mehr im Schlepptau habt, aber glaubt mir, für Eltern mit unsicherem Betreuungsnetzwerk sind diese kleinen Hilfen eine enorme Entlastung.

Traust du es dir zu, kannst du dich auch als Notfallkontakt anbieten. Denn ohne den zweiten Elternteil bleibt in vielen Familien die Frage: Was, wenn ich im Stau stehe und das Kind nicht rechtzeitig abholen kann? Was ist, wenn es beim Zahnarzt doch länger dauert und wie bekomme ich das Kind in die Schule, wenn ich es wegen einer Grippe nicht aus dem Bett schaffe? Notfallkontakte helfen in diesen Situationen und sind eine wichtige Stütze für viele Familien.

4. Kleine Alltagshilfen, große Wirkung

Gar nicht so einfach, drei Tüten und zwei Kinder zu balancieren. Bestimmt freut sich deine Nachbarin, wenn du ihr anbietest, einmal im Monat mit dem Auto einen Großeinkauf mit ihr für Waschmittel und andere Schwerlinge zu erledigen oder ihr etwas mitzubringen. Oft werden es für dich nicht einmal zusätzliche Wege sein aber für sie ist es vielleicht eine wichtige Hilfe.

Schnell nochmal abends los, weil etwas fehlt, ist für viele Alleinerziehende nicht möglich, will man die kleinen Kinder doch nicht allein lassen. Freundliche Nachbarn und Nachbarinnen, die dann gern bei kleinen Butter- oder Brotengpässen aushelfen und diese freundlich statt urteilend kommentieren, sind eine echte Hilfe.

Wenn Menschen aus dem Wohnumfeld anbieten, ein Auge auf im Hof spielende Kinder zu haben, können Alltagsdinge schneller erledigt werden. Dürfen die Kinder dort im Ernstfall klingeln, fällt das Alleinbleiben- und lassen ab einem bestimmten Alter deutlich leichter.

5. Hobbypsychologen raus!

„B. hat letztens bei der Übernachtung eingepullert. Naja, die Eltern sind ja auch getrennt.“
„M. lässt sich in der Schule schnell ablenken, bestimmt schaut sie viel fern, der Vater ist ja allein.“
„T. ist ein etwas übersensibler Junge aber das ist ja kein Wunder, da fehlt der Vater.“

Das sind alles Sätze, die ich von anderen Eltern über getrennt lebende und alleinerziehende Eltern gehört habe. Dazu gibt es nur eins zu sagen: NEIN! Verhalten und Charakter von Kindern sind hochkomplexe Dinge und selbst ein Kind, das Trennungen durchlaufen hat, ist mehr als ein Trennungskind. Psychologische Analysen, die außerhalb einer Diagnostik getroffen werden, sind unter keinen Umständen akzeptabel, sie stigmatisieren Kinder und Eltern und machen sie zu Außenseitern.

Beteiligt euch nicht an solchen Unterhaltungen und stellt in solchen Gesprächsrunden die Frage, was Anwesende tun, um Kind und Elternteil zu unterstützen. So ist schneller Ruhe und eventuell denkt der ein oder andere sogar nach, bevor er oder sie sich das nächste Mal zum Experten kindlicher Entwicklung aufschwingt.

6. Mein Papa kommt

Die meisten Kinder wünschen sich Umgang mit beiden Eltern. Auch für den betreuenden Elternteil kann es eine Entlastung sein, wenn beide Eltern das Kind regelmäßig sehen. In einigen Fällen scheitert der Umgang jedoch an finanziellen Barrieren z.B. aufgrund unterschiedlicher Wohnorte. Hier hilft das Besuchsprogramm Mein Papa kommt, das private Unterkünfte für besuchende Eltern vermittelt.
Privatpersonen stellen dabei Unterkunft mit oder ohne Kinderzimmer unentgeltlich zur Verfügung, um die Familien beim Umgang zu unterstützen.
Ob einmalig, ab und zu oder regelmäßig entscheidet der Gastgeber.

7. Muttertag? Was ist das?

Man stelle sich vor, es ist Muttertag und das Kind weiß es nicht. Ob man den Tag feiern möchte oder nicht, bleibt jeder selbst überlassen, aber für viele Alleinerziehende, besonders mit kleinen Kindern existieren Tage wie diese gar nicht, schlichtweg weil es das Kind nicht weiß.
Dabei wäre Anerkennung für die tägliche Arbeit so wichtig.

Sei aufmerksam. Wenn das Nachbarskind ab und zu bei dir ist, kann auch mal ein Bild für Mama oder Papa gemalt oder ein kleiner Kuchen gebacken werden. Vielleicht finden sich im Park auch noch ein paar Blümchen. Kinder lieben ihre Eltern und machen ihnen in der Regel gern eine Freude, ruckruck ist die Überraschung fertig.

Wer kann und möchte, darf Alleinerziehende auch gern mal mit Frühstück oder einem spontanen Ausflug überraschen. Am Muttertag, am Vatertag oder an jedem anderen Tag im Jahr.

8. Betreuung, Betreuung, Betreuung

Für viele Alleinerziehende ist die Organisation von Betreuung eine der größten Belastungen im Alltag. Nicht alle Alleinerziehenden sind darauf angewiesen aber viele kämpfen mit dem engen Zeitrahmen. Wenn du es schaffst, das Kind ab und an zu betreuen, ist das eine große Hilfe für die Familie.

Du hast selbst keine Kinder und spielst nicht gern Kaufladen? Waschanlage, Boulderhalle, Park oder Schwimmhalle bieten viele Aktivitäten, die auch Erwachsenen Spaß machen und die Zeit wie im Nu vergehen lassen.

9. Mach es nicht schlimmer

Empathie und Mitgefühl sind was wunderbares! Vielleicht macht Dich die Situation von Alleinerziehenden etwas hilflos, weil Du Hilfe anbieten willst, aber aus verschiedenen Gründen nicht kannst. Man muß nicht immer praktisch helfen, Mitgefühl ist auch schön! „Ach Mensch, das ist wirklich heftig!“ ist tatsächlich angenehmer zu hören als „wird schon“, „aber er zahlt doch, das ist doch toll“ oder „geh doch mal zum Yoga“. Weder Durchhalteparolen, Abwiegelei noch Tips sind hilfreich.

Zuhören und ernst nehmen, das ist schon viel wert und passiert seltener, als du vielleicht glaubst!

Und bitte mach es uns nicht schwerer, als es oft ist. Von anderen Eltern übermäßig in die Höhe getriebene Kosten für Klassenfahrten sind (nicht nur) für uns Alleinerziehende der Horror. Arbeitseinsätze oder freiwillige Zusatzleistungen die den Eltern häufig von Schulen abverlangt werden, sind für uns meist nicht stemmbar und am wenigsten wollen wir hören, dass wir uns doch bitte im Interesse unseres Kindes mehr einsetzen sollten, denn das tun wir bereits jeden Tag.

10. Warte nicht darauf, gefragt zu werden

Du denkst dir vielleicht, dass Alleinerziehende genau diese Dinge lauter einfordern können, ihr Umfeld ansprechen sollten, sich ein Netzwerk aufbauen sollten. Ja, einige tun das sehr erfolgreich aber viele schaffen genau das nicht. Nach Hilfe und Unterstützung zu fragen und gegebenenfalls abgewiesen zu werden, kostet viel Energie, die Alleinerziehenden in ihrem herausfordernden Alltag oft fehlt. Und nicht jeder Mensch ist eine Rampensau, dem es leicht fällt, auf andere zuzugehen. Wenn du dir also denkst „Ist doch ganz klar, dass ich da ab und zu unterstützen kann“ dann biete es auch an und warte nicht darauf, dass du gefragt wirst.

Ich hoffe, du hast einen Eindruck bekommen, wie du mit vergleichsweise wenig Aufwand eine große Alltagshilfe für Familien von Alleinerziehenden sein kannst. Vielleicht fallen dir ja noch andere Dinge ein. Am Ende gilt wie immer: Geh mit offenen Augen durch die Welt und hör betroffenen Personen zu, um das alltägliche Miteinander positiv mitzugestalten.

Der Text verzichtet bewusst auf die Kritik an gesetzlichen Regelungen und lässt das Thema Diskriminierung von Alleinerziehenden weitgehend außen vor. Beides sind wichtige Themen, die bearbeitet werden müssen, will man die Situation betroffener Familien nachhaltig verbessern.

Vielen Dank an Annette Loers und Christine Finke für ihre Mitarbeit an dem Text. Netzwerke fetzen <3

20 Kommentare

  1. Das ist wirklich mal wieder ein feinfühliger Artikel von dir, der es genau auf den Kopf trifft.
    Es gibt nichts Schlimmeres in dieser Situation, als die „Hobbypsychologen“, und Mitleid kann man schon gar nicht gebrauchen.

    Die Dinge, die du vorschlägst, wie andere helfen können, hätten mich absolut entlastet und ich hätte mich unendlich darüber gefreut, eins dieser Angebote zu kriegen. Leider war ich wirklich völlig alleine, und Freunde und Familie gehörten eher zu den „Hobbypsychologen“ und „schlimmer Machern“. Obwohl ich sogar oft gefragt hatte…

    Aber wir haben das gewuppt und jeder, der das tut, kann sowas von stolz auf sich sein!

    Bei uns ist der wohl eher seltene Fall eingetreten, dass Papa und ich uns so richtig zusammen gerauft haben und es nun seit mehr als einem Jahr wieder gemeinsam…und glücklich dabei…läuft, darüber bin ich sowas von froh!

    Ich finde deine Arbeit absolut wunderbar und sehr sehr wichtig! Danke, dass Du dir die Zeit nimmst, hier so wunderbare Dinge auf die Beine zu stellen und so für die Alleinerziehenden zu kämpfen. Hut ab!!! :-)

    Liebe Grüße,
    Charlotte

  2. Ganz wichtig finde ich: obwohl ich alleinerziehend bin, möchte ich gerne auch helfen und teilnehmen, beim Schulfest, beim Kindergartenabschied, beim Elternstammtisch oder bei den Vereinen der Kinder. Es ist total nervig, wenn nur die helfen dürfen, die in Organisationsgruppen sind und wenn sich diese Gruppen dann Abends „gemütlich“ treffen. Denn wenn man sich 3 mal abends trifft, um irgendwas zu organisieren, was auch per Whatsapp ginge, kostet mich das durch den Babysitter bares Geld. Und dann lasse ich es, obwohl ich mich auch gern für meine Kinder engagieren möchte.
    Ich habe das mehrfach angebracht, wurde aber überstimmt, weil abends Kneipe gemütlicher ist :(
    Ich hätte mich zur Besprechung lieber mit den Kindern auf dem Spielplatz getroffen…

    • Das stimmt – mich erfüllt das auch immer mit etwas Neid. Ich wäre auch gerne nach dem Elternabend nochmal irgendwo mit hingegangen auf ein Glas Wein. Aber ich war diejenige, die früher gehen musste, um die Kinder ins Bett zu bringen. Und abendliche Besprechungen rein zum Spaß wären schon gar nicht drin gewesen.

    • Mir geht es ganz genauso. Bin gerade aufs Land gezogen um näher bei meinen Eltern zu wohnen. Finde aber nirgendwo Anschluss weil alles erst ab 18 Uhr stattfindet. Würde zB gerne mitorganisieren im Kindergarten aber hier gibt es auch nur Abendtreffen und das ist einfach nicht möglich :-(
      Auf meine Bitte, ob wir nicht zB nach dem Kindergarten auf den Spielplatz können um dort zu planen, wurde mir gesagt, als Alleinerziehende habe ich doch ohnehin genug zu tun und müsste nicht mithelfen, wo es doch so kompliziert ist…

  3. Schöner Artikel!
    Mir fehlt ein wenig die Sicht der Kinder. Als adoleszentes Kind einer Alleinerziehenden möchte ich das begründen.
    Es fühlt sich an, wie mit der Mutter an der Hand über eine 8-spurige Autobahn rennen zu müssen. Die Autobahn, auf der die anderen Familien genüsslich mit ihren Familienkutschen und SUVs entlang sausen. Wie wäre es also, wenn da jemand wäre, der fragt, ob man bei schulischen Sachen drüber schauen kann. Der mal einen ganzen Tag mit mir einen Ausflug macht. Der mir mal mein Lieblingsessen kocht. Der mit mir zwei Stunden in Ruhe zuhört. Der mich einmal die Woche von der Schule abholt. Das wäre retropersperspektivisch ein echter Support gewesen.

  4. Hallo, also für mich klingt das so, als könnten Verheiratete immer abends ihre Kinder beim Partner abladen und Party machen. Nee, is nich wirklich so! Teilweise hatten die Geschiedenen unter uns Kiga-Eltern tatsächlich wesentlich mehr Freiraum als wir Verheirateten, weil die Kinder eben an bestimmten Wochenenden beim Ex-Partner waren. Eine Freundin von mir hatte jedes zweite Wochenende kinderfrei, kannte jede neue Bar, jeden neuen Film etc. Wir verheirateten Frauen haben uns nur angeguckt und uns gefragt, dass wir wohl irgendwas falsch machen, weil wir noch verheiratet sind… Nein, diesen Freiraum kenne ich nicht. Mein Mann war und ist oft auf Geschäftsreise, die Männer von Freundinnen arbeiten auch oft bis in den Abend hinein und nicht zu vergessen die Mütter, die auch in Vollzeit berufstätig sind und am Abend nicht vor 18/19 Uhr aus dem Büro kommen. Die haben mit Sicherheit dann auch keinen Nerv mehr, Kinderkram in der Kneipe zu diskutieren. Auch ich gehe selten am Abend raus – einfach deshalb, weil ich am Abend oft arbeiten muss – gern bis Mitternacht. Mein Mann geht dann aber auch nicht weg, weil er dann Kinder zu Bett bringen und Abendessen machen muss. Bei Geschiedenen mit neuen Partnern gibt es bestenfalls vier Erwachsene, die sich kümmern – bei uns sind es halt nur zwei.

    • Alleinerziehend heißt ohne Partner der sich mit um die Kids kümmert. Bin allein mit 2 Töchtern und arbeite im Handel ( zwischen 5.30 und 20.30) bin deshalb auf die Unterstützung meiner Mutter angewiesen.
      Leider gibt es viele Väter die weder Zeit noch Geld in ihre Kinder investieren wollen.
      Kinder mit nur einem Elternteil haben es emotional und finanziell schwerer in der Gesellschaft.
      Wirklich alleinerziehend zu sein und dafür zu sorgen dass alles läuft und die Kinder auch noch vernünftig zu erziehen ist nur machbar wenn jeden Tag 120% gegeben werden. Muss ja.

  5. Wenn beide Partner zum Wohle der Kinder an einem Strang ziehen bietet sich wirklich diese Chance.
    So froh ich über meine Situation bin (verheiratet und 2 Kinder 5 und 3 Jahre) habe ich meine Freundin manchmal um ihre Freiheiten beneidet. Bei ihr klappt die Absprache mit dem Kindsvater hervorragend und die gemeinsame Tochter ist verlässlich und regelmäßig beim Papa. So hatte sie deutlich mehr Freiräume für planbare Freizeit aber auch lästige Dinge wie Haushalt usw. Aber ich fürchte das ist die rühmliche Ausnahme, dass es so gut klappt und nicht die Regel. Von daher finde ich die Hinweise praxisnah und gut.

  6. Ich bin wirklich alleinerziehend – ohne Partner und berufstätig. Ohne freie Wochenenden sowie Unterhalt.
    Kino gibt’s nur mit den Kids. Und da die Betreuung während meiner Arbeitszeiten stattfindet und diese auch nicht uneingeschränkt nutzbar ist, fehlt sogar die Zeit um wegzugehen und möglicherweise nen neuen Partner zu finden.

    • Das ist bei mir auch so. Aber immerhin bekommen meine Kinder den Mindestunterhalt. Das ist wirklich sehr anstrengend auf Dauer. Alles Gute für dich!

  7. Ja! Ich bin dafür! Aktuell könnte ich jemand mit einem Werkzeugkoffer, Bohrmaschine, Leiter und Sackkarre brauchen, der mir einen Tag lang alles montiert, was da schon seit Monaten den Fußboden verstellt und mit mir all das transportiert, wozu man zwei Personen braucht. Ich bin es so leid, wegen jedem Kleinscheiss Bekannte, Nachbarn, Freunde usw. fragen zu müssen. Zeiten zu vereinbaren, dafür die Bohrmaschine vom Nachbarn zu holen, mit dem Kind auf dem Rücken zum Baumarkt zu fahren, um einzelne Schrauben zu kaufen, das zehnte Mal ein Mietauto leihen, um schnell in der Stunde zwischen Krippe und Arbeit irgendwas zu transportieren… Und ich frage mich schon, warum mir das nicht mal jemand anbietet (und nicht nur andere alleinerziehende Mütter…). Und in meiner sonst wirklich tollen Grossfamilie herrscht eine gewisse Hierarchie in der gegenseitigen Unterstützung. Mit einem Kind bin ich da ganz unten, egal ob alleinerziehend oder nicht. Und von all den Dingen, die Du angesprochen hast, will ich gar nicht anfangen…
    Ich finde es toll, dass Du diese Tipps formuliert hast. Ich schaffe es bisher nicht, zu abstrahieren, ich bin gerade noch so in meinen persönlichen Befindlichkeiten gefangen (wie man merken dürfte 😉). Ich lese Dein Blog immer, obwohl ich zwiegespalten bin. Nicht wegen des Blogs. Ich finde es toll, dass Du das machst, das ist ganz gross. Mich machen die Inhalte manchmal nur so mutlos, obwohl das sicher nicht das ist, was Du bezweckst. Zu müde, um zu kämpfen, und auch noch mit einem latent schlechten Gewissen, weil ich nur ein Kind habe, und nicht drei, und trotzdem nichts wirklich hinbekommen.

    • Das kann ich voll nachvollziehen, was Du da schreibst … leider oft Realität. Das mut der Hierarchie muss ich nicht nachvollziehen können oder? Find ich völlig daneben….
      Wünsche Dir viel Kraft und dass der Fussboden bald wieder frei wird…. ehrlich….

  8. Was tut das gut dies zu lesen!
    Ich bin von Anfang an allein-alleinerziehend und ich finde es sehr anstrengend. Und dies ist eine Aussage, die kein anderes Familienmodell als weniger belastend einstuft. Dennoch, die komplette Verantwortung zu tragen für das eigene Leben und das mindestens eines Kindes, das Einkommen, der Haushalt, netzwerken, die Entwicklung des Nachwuchses fördern, im Job die Frau zu stehen, das bleibt eine eigene Herausforderung. Und was tut es gut solch einen kleinen Text zu lesen, gerade wenn man mal wieder mit einem dieser leise mitschwingenden Vorurteile konfrontiert worden ist: ah, Kind einer Alleinerziehenden, keinen Kontakt zum Vater, erweiterter Kitagutschein, verstehe. Als meine Tochter geboren wurde war ich überzeugt dass Ein-Eltern-Familien integriert sind in der Gesellschaft. Ich war sehr überrascht das dem nicht so ist. Diese unterschwelligen, beredt nicht ausgesprochenen Vor-Urteile empfinde ich als sehr bedrückend und manchmal kann ich mich schwer dagegen wehren, dass es mich trifft. – Einfach weil ich zum Umfallen müde und erschöpft bin.

    Danke für die Aufmunterung am heutigen Abend!

    • Liebe Tsuki,

      das geht mir auch so, in vielen Punkten. Bevor ich alleinerziehend wurde, dachte ich, es gebe gar kein Problem mit Alleinerziehenden und auch sei das Leben als Alleinerziehende nicht grundlegend anders. Die unterschwelligen oder auch ausgesprochenen Vorurteile machen mich genauso mürbe wie dich. Es ist schwer, gegen so etwas anzukämpfen oder anzuleben. Und ja, es macht müde.

      • Hallo Tsuki und Christine,

        mir geht es genauso. Heute habe ich das Gefühl, dass ich einfach nur unglaublich naiv und gutgläubig war, was die gesellschaftliche Akzeptanz von alleinerziehenden Familien angeht.
        Wie ist es bei Euch? Erwähnt Ihr, dass Ihr alleinerziehend seid?
        Ich z.B. habe gelernt, das Lehrern gegenüber nicht zu erwähnen, damit sich für meine Kinder kein Nachteil dadurch ergibt. Sowas hätte ich auch nie für möglich gehalten, dass ich irgendwann soweit käme, aber die (negative) Erfahrung mit dem offenen Umgang mit der Familienform alleinerziehend hat gezeigt, dass es für die Kinder die beste Lösung ist, das Mäntelchen des Schweigens darüber zu hängen.

  9. Die „Messe für Alleinerziehende“ in Dresden finde ich eine klasse Sache. So etwas habe ich noch nie gehört, dass es so etwas gibt. Das Modell könnte ich mir vorstellen wird aber sehr erfolgreich werden.

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