Alle 7 Jahre eine Krise – es ist wie verhext

Alle 7 Jahre fliegt mir mein Leben um die Ohren. Ich zähle nicht mit, es ist nicht so, dass ich hier sitze und denke, ach, bald sind wieder 7 Jahre vorbei, die nächste Krise steht bestimmt schon vor der Tür.

Nein, ich lebe mehr oder weniger frohgemut vor mich hin, und wenn ich anfange, mich ziemlich wohl zu fühlen, nicht nur okay, sondern zuversichtlich, stabil und glücklich, dann passiert etwas, das mich über Nacht aus dem Raum-Zeit-Kontinuum reißt und mich am Boden liegen lässt. Ich sehe das nie kommen, auch wenn ich vielleicht die äußeren Umstände kommen sehe, und aktiv daran mitwirke, dass sich mein Leben ändert, aber die Stärke des Einschlags kann ich nicht absehen. Es ist wie eine Naturgewalt, die über mich hereinbricht.

Zahlen
Gerald Pixabay.com

Dieser Tage stehe ich gerade zaghaft wieder auf, nach nur 2 Monaten, das ist schnell für mich. Ich laufe nicht weg, wenn das Leben mir Schmerz und Trauer hinwirft, ich lenke mich nicht ab, ich spiele mir und anderen nicht vor, dass es mir gut ginge. Das hilft, die Sache zu beschleunigen. Aber es macht die Krise auch intensiver, für andere sichtbarer, für mich etwas härter. Und hart war es.

Aber wenn ich daran zurückdenke, wie hart es für mich war, als ich mit 13 zum ersten Mal den Bezug zu Raum und Zeit verlor, weil ich unglücklich verliebt war und niemandem davon erzählte, wie ich mit 20 dachte, ich würde an einem gebrochenen Herzen sterben, mit 27 ganz alleine in Berlin war und schwere Depressionen mit mir herumtrug (auch der Liebe wegen), bevor ich endlich Hilfe suchte, mit 35 ein Baby hatte, das nie schlief und immer schrie, und mit 42 feststellte, dass meine Ehe am Ende war, dann passt es ganz gut ins Bild, dass ich nun mit 49 Jahren erneut stolperte.

Was tut die Zeit, während sie nicht heilt?, warf Candy Bukowski diese Woche in den Raum. Ich frage mich ja eher, warum die Zeit bei manchen Menschen nichts heilt. Oder warum sie Jahrzehnte braucht, um die Schmerzen zu lindern. Sind das diejenigen, die zu schlecht darin sind, zu vergessen? Die zu lange auf Erlebtem herumdenken, deren Kopf ihnen immer wieder Geschichten, Szenen, Möglichkeiten und Szenarien vorspielt?

Und warum fliegen andere Menschen nicht so aus der Kurve wie ich? Aber die Frage ist müßig. Ich bin nicht andere Menschen. Und die, zu denen ich einen besonders guten Draht habe, sind genauso intensiv, empfindsam, auch gelegentlich instabil und offen für Neues wie ich. Ich bin froh, dass ich nicht mehr alleine auf dem Dorf bin, sondern vernetzt mit lauter wunderbaren Menschen, die auch straucheln, darüber schreiben und nachdenken. Ich habe meinen Platz gefunden. Ich bin unter meinesgleichen. Das hätte ich mir als Teenager oder junge Frau nie träumen lassen.

Jung bin ich nicht mehr, einsam auch nicht, auch wenn ich aus der Kurve fliege. Und wenn in 7 Jahren die nächste Krise aus dem Gebüsch hüpft, dann mache ich es wieder so wie jetzt: schreiben, schreiben, schreiben, und zwar nicht nur in ein Tagebuch. Und reden, reden, reden. Das Leben ist zu kurz, um es sich selbst und anderen vorzuspielen.

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Sophie
Gast
Sophie

Alle sieben Jahre! Das ist ja biblisch, oder? Ich selbst glaube ja aber gar nicht an Schicksal, sondern eher an den Zufall. Und ich glaube auch, dass man aus allen Krisen gestärkt rausgeht und sich selbst besser kennenlernt, um dann eben auch ein bisschen mehr bei sich selbst zu landen. Krisen sind trotzdem blöd, Liebeskummer erst recht. Aber bestimmt bist du danach weiter als vorher. Alles Gute und gute Besserung!

ehrlichgesagt
Gast
ehrlichgesagt

„You are not alone“ *wunderkerzenschwenk*

Petra
Gast
Petra

Liebe Christine, gleicher Jahrgang, gleiche Schule, alle 7 Jahre…wenn auch nur ein kleiner Trost, ich kenne das und weiss genau, was Du meinst. Das Gute daran : wir wissen, es geht vorbei. Das Blöde daran: kommt immer wieder. Aber das Beste: alle 7 Jahre was dazu gelernt. In diesem Sinne alles Liebe, toi, toi, toi und “ keep on hanging Little tomato…“ Ein wunderschöner Song von Pink Martini, wenn man mal wieder den „Blues“ hat. Lg von der anderen Seeseite…und nurMut…Petra ?

Saranya
Gast
Saranya

Zitat:

„Und die, zu denen ich einen besonders guten Draht habe, sind genauso intensiv, empfindsam, auch gelegentlich instabil und offen für Neues wie ich.“

Eine wunderbare Mischung Mensch wie ich finde. :-)

Alles Gute
Saranya

füchsern
Gast
füchsern

Danke.