Flirten – was bremst mich!?

Ausnahmsweise schreibe ich mal um den heißen Brei. Ich könnte mich nämlich unsterblich blamieren. Es geht um meine innere Flirt-Bremse, mit der ich vorhin wieder Bekanntschaft gemacht habe. Da steht also ein potentieller netter Flirt vor mir, und ich kämpfe mit mir: Fluchtreflex! Nein, festhalten! (Ein Wunder dass ich überhaupt noch den Mund aufbekam, um in zusammenhängenden Sätzen zu sprechen). Der Drang, wegzulaufen, siegte, wenn auch nicht so rasch wie sonst. Einen kurzen Blick direkt in die Augen, jedoch beschützt durch meine Sonnenbrille, habe ich zustande gebracht, aber verbal blieb ich blass – wie sollte es auch anders sein, wenn ich gleich das Weite suche.

Warum, verdammt nochmal, benehme ich mich wie ein schüchterner Teenager? Ich bin doch die Frau, die furchtlos ihren Impulsen folgte, die denjenigen frech ansprach, der ihr gefiel, und die nicht lange fackelte, sobald sich Anziehung einstellte. Auf den Mund gefallen bin ich eher weniger, und Angst vor einem Korb hat mich noch nie zurückgehalten.

Fakt ist, seitdem ich die Kinder bekommen habe, ist beim Flirten irgendwie ein Schalter umgelegt. Ich fühle mich behindert. Eine gesellschaftliche Schere im Kopf ist es nicht, denn ich befürworte alternative Lebensformen und halte wenig von Prüderie. Meinem Nachwuchs ist es herzlich egal, ob ich flirte oder nicht, denn sie bekämen das gar nicht mit. Und selbst wenn, wären sie höchstens amüsiert, nicht verstört. An den Kindern kann es also nicht liegen.

Vielleicht habe ich einfach Bammel. Davor, dass sich aus einem kecken Gespräch wieder eine Beziehung entwickelt, die am Ende ein einziges Desaster ist. Allerdings bin ich nun schon fast zweieinhalb Jahre getrennt, da wäre es doch an der Zeit, mich mal wieder ein bisschen aus der Deckung zu wagen, oder? Das ist aber leichter gesagt als getan.

Nehmen wir mal als Beispiel den gutaussehenden Mann, dem ich Anfang dieser Woche begegnete. Wäre er flirtbereit und verheiratet, fiele es mir wahrscheinlich sogar leichter, mit ihm, sagen wir mal, einen Kaffee trinken zu gehen, als wenn er frei wäre. Denn ich kenne mich: Nach einem tiefen Fall, beziehungstechnisch, bieten sich zeitlich oder anderweitig befristete Affären viel eher für das Ausprobieren von Flirts an als Männer oder Frauen, die tatsächlich zu haben sind. Es fühlt sich sicherer an, mit jemandem zu üben, der vergeben ist. Die Vorstellung, jemals wieder einen festen Partner zu haben, der mich zwangsläufig einengt, behagt mir nämlich gar nicht.

Aber flirten würde ich schon gerne. Ich sehe Euch fast vor dem Bildschirm den Kopf schütteln und denken, “Was macht die Autorin denn für eine Riesensache daraus?”, drum will ich noch erwähnen, dass ich meine, bereits Fortschritte gemacht zu haben, weg von meiner totalen Post-Trennungs-Flirt-Behinderung hin zu einem normaleren Umgang mit dem anderen Geschlecht. Denn noch vor einem Jahr erwischte ich mich dabei, nahezu panisch meinen Einkaufswagen von einem ansprechenden jungen Mann fortzuschieben, der mir im Kühltekenbereich von Kaufland entweder folgte oder einfach zufällig sehr oft über den Weg lief. Als er bei der Milch neben mir stand, wurde mir flau, und ich packte mit lächerlicher Entschlossenheit 10 Liter Milch in meinen Einkaufswagen, holte ein paar Regale weiter eine 1 kg Famlienpackung Nutella und besorgte gleich noch Windeln, obwohl ich sie nicht wirklich brauchte an dem Tag. Das ist doch nicht normal, oder?

Vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser, wie ich das Thema Flirten denn in der Ehe gehandhabt habe. Ich sag’s Euch ganz ehrlich: Es gab nur 3 Männer in den 11 Jahren Beziehung, die mir gefielen. Damit meine ich nicht intellektuell, sondern im Sinne von “Spring mich an”, um es wieder mit der gewohnten Deutlichkeit zu sagen. Und ich habe tatsächlich geflirtet, mit einem der Herren sogar ziemlich wild. Dabei ist es aber auch geblieben. Nach der Trennung stach mir auch gelegentlich jemand ins Auge, ich nehme an, meist auf biochemischer Ebene. Gehandelt habe ich nie.

Womit ich wieder zu meiner Hypothese komme, dass ich schlicht Schiss habe. Nicht nur davor, auf die Nase zu fallen durch die Flirterei, sondern davor, überhaupt den ersten Schritt zu machen. Darf frau das eigentlich heute noch? Was ich früher unbedarft einfach probierte, scheint mir heute eine Zumutung in Richtung blödes Anbaggern an unangemessenem Ort und Stelle.

Hach. Wie’s scheint, komme ich nicht wirklich weiter. Ich werde ins kalte Wasser springen müssen, irgendwann. Oder hoffen, dass es jemand anders für mich tut. Falls der nicht Angst davor hat, sich unsterblich zu blamieren oder unangemessen zu handeln. Wenn ich weiterhin reflexartig aus Angst zurückzucke, wird das aber nix. Und sich erlernte Reflexe abzutrainieren ist verdammt schwierig.

Ich versuche, den Bann mit Schreiben zu brechen. Ob’s wirkt?

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Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

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10 Kommentare auf "Flirten – was bremst mich!?"

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tina
Gast

Hach Schwester im Geiste und Schwester im Schiß
Was bin ich schon ausgewichen, weggelaufen und untergetaucht, wenn da jemand potenziell ansprechendes vor meiner Nase stand. Habs sogar ne Weile mit Online-Single-Börsen versucht. Aber die helfen gegen den Fluchtinstinkt auch nur, wenn man nach maximal 10 Mails auch mal telefoniert.
Ansonsten hat mans meist eh schon totgeredet.

Also warten bis mir einer die Zunge in den Hals steckt oder anderweitig direkt wird.

Ums mal ganz krass zu sagen ;-)

LG Tina

Carsten
Gast

Schön mal zu hören, dass es nicht nur Männern so geht.

Meine These: Je interessierter wir sind, desto weniger können wir handeln. Schreiben bringt glaube ich nix. Humor (sich selbst und anderen nicht zu ernst nehmen) klappt bei mir manchmal. Wenn ich erst mal über mich selbst gelacht habe (oder über die Andere) wird alles weniger dramatisch.

Ist aber nicht ganz einfach aus dem Zustand der Anspannung zum Humor zu kommen, zugegeben. Aber hinterher kann ich meist gut über mich lachen.

Viel Spass beim nächsten Mal

Stefanie
Gast

Haha, klar, gar nicht so einfach … Kenne ich!
Tipp einer tollen Freundin von mir:
Augenkontakt anderweitig üben, z. B. mit Kindern und älteren Herrschaften mal verschmitzte Blicke austauschen.
Bei attraktiven Kandidaten eine halbe Sekunde länger aushalten.
Das kommt schon wieder, ist wie Fahrradfahren.
Und GAR nicht an Beziehung denken!
Flirts und Beziehungen haben eigentlich überhaupt nichts miteinander zu tun. Das Unverbindliche genießen, wie ein Eis am Nachmittag oder ein unverhofftes Glas Sekt.

Carsten
Gast

Und zum Thema “Flirten” im Supermarkt gibts da ja diesen Klassiker:

http://www.youtube.com/watch?v=p9ZjOCSLYlc

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