Jahresvorausschau 2013 – statt eines Jahresrückblicks

Allerorten Rückschauen, Jahresrückblicke, Revue passieren lassen. Ich schaue auf das vergangene Jahr und drehe mich um. Es war angemessen fair zu mir, nicht mehr. Umständehalber gut. Und obwohl die Rubrik „Gestern und Heute“ hier im Blog recht viel Platz einnnimt, ist mir dieser Tage danach einfach nur nach vorne zu schauen.

Nein, es war kein „Annus Horribilis“ (Desaster-Jahr), das war das Jahr 2009, als ich drei Tumoren in der Brust hatte und mich trennte, das alles mit Säugling und zwei weiteren Kindern unter 10 Jahren. 2012 war ein ordentliches Jahr, mit einem Umzug aus dem ehelichen Haus in eine öffentlich geförderte Wohnung, mit Neustart in die Selbstständigkeit, mit vielen guten Momenten, wenn auch großem Geldmangel. Trotzdem ist es kein Jahr, auf das ich zurückschaue. Das Jahr hat seine Schuldigkeit getan, es darf abtreten, und dieses Silvester werde ich nicht nur Wunderkerzen anzünden, sondern es knallen lassen im Hof mit den Nachbarn, und anstoßen auf das, was kommt.

Im kommenden Jahr werde ich geschieden werden nach 13 Jahren Ehe, und das ist gut so. Beruflich werde ich wählen müssen, worauf ich mich konzentriere – ab Januar schreibe ich für einen Verlag im Auftrag Kinderbücher (geheim, und ein Test – ich habe gesagt, ich probiere es). Ein anderer Auftraggeber will mich als freiberufliche Redakteurin für ein zweisprachiges Printmagazin gewinnen. Das kann gut werden, oder eine Nullnummer, ich werde es herausfinden. Für die liliput-lounge werde ich weiterhin als Chefredakteurin frei tätig sein, denn das ist mein Baby vom Sandviks Verlag, geboren im Jahr 2007, das ich Christian Schulz zur Adoption übergeben habe. Wenn alles halbwegs so kommt, wie ich mir das vorstelle, werde ich die Zuschüsse zum Kindergarten, zum Essen in der Kita, und das Wohngeld nicht weiter benötigen – vielleicht ab Mitte 2013?

weihnachten-2012-2Ich werde im kommenden Jahr versuchen, etwas körperlicher zu werden. Ja, ich weiß, das klingt sonderbar. Aber es ist für mein Leben in den vergangenen Jahren und Monaten so existentiell gewesen, einfach nur zu funktionieren, dass es Zeit ist für etwas Sport, etwas Liebe und etwas mehr Sinnlichkeit als nur gutes Essen.

2013 werde ich 47 Jahre alt werden, und mich jung fühlen, denn meine jüngste Tochter ist 2013 erst 4 Jahre alt. Das bedeutet, dass sie ausschlafen lernt, ich nicht mehr ständig gucken muss, wo sie steckt, ob sie gerade überfahren wird, und dass sie auch einen Moment lang warten kann, ohne sich gleich schreiend auf den Boden zu werfen. Meine beiden älteren Kinder werden 7 und 13 Jahre alt werden, sie sind also schon recht verständig und können auch mal alleine sein oder auf die Jüngste kurz aufpassen. Auch das ist gut.

Ein Mal im Monat werde ich versuchen, zu einer Lesung, einem Kinoabend oder ins Theater zu gehen, auch wenn das finanziell wehtut (sind mindestens 50 €, wegen Babysitter plus Eintritt). Es ist aber wichtig, nicht nur in den Rechner und auf das Bankkonto zu gucken, sondern auch vor Ort Kultur zu erleben, und am liebsten mit einer Freundin, wie ich das in den letzten Monaten des Jahres 2012 eingeführt habe.

Familienkalender 2013
Familienkalender 2013

Kommendes Jahr hoffe ich, meine Eltern etwas häufiger zu sehen, und auch meinen Bruder und seine Familie, denn ich liebe und schätze sie sehr. Es ist eine Schande, dass wir nur 116 km auseinander wohnen und uns maximal 6 Mal im Jahr sehen. Aber wir sind eben eine extrem zwischen Nähe und Distanz schwankende Familie.

Im Sommer 2013 möchte ich wieder nach Grömitz an der Ostsee reisen (obwohl ich dort geheiratet habe), so wie vergangenen Sommer, und dort Zeit mit meiner Familie verbringen, also all den norddeutschen Verwandten, meinen Eltern, und meiner eigenen Familie – ohne Computer oder Smartphone. Das war erholsamer als nach Italien zu fahren, wie ich es 2012 gemacht habe. Auf dem Weg dorthin wollen wir die Familie des Vaters der Kinder im Raum Braunschweig besuchen, das war schön im vergangenen Sommer, und ich habe es vor allem für meine Kinder getan.

Es ist übrigens gar nicht schlimm, viele Dinge vor allem für die Kinder zu tun. Das möchte ich im kommenden Jahr 2013 genauso handhaben wie bereits in den vergangenen Jahren. Sich selbst darüber nicht zu vergessen und konsequent nur nach vorne zu schauen, das ist mein Vorsatz für 2013.

Alleinerziehend mit 3 Kindern, Buchautorin und Kolumnistin, seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz. Bloggt hier seit 2011.
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Regina
Regina
29. Dezember 2012 20:39

Liebe Christine,
Ich habe deinen Blog erst vor einer Woche entdeckt! Und ich muss sagen, der Blog ist eine wahre Inspiration für mich. Bin der gleiche Jahrgang wie Du , habe zwei Mädels (3 und 8 ) und bin frisch getrennt vom Vater meiner Kinder (2 Monate) . Mein Jahrsrückblick 2012 heißt für mich das die Trennung wohl das Beste für mich war, obwohl ich auch zum erstenmal Existenzängste habe. Ich habe aber zum Glück einen guten Job (Vollzeitbeschäftigte) und habe viele Ideen, die mich zuversichtlich auf das neue Jahr blicken lassen!
Vielen Dank nochmal für Deine wundervolle Inspiration.
Regina

Eckendenker
Eckendenker
29. Dezember 2012 21:16

Ich drücke die Daumen,dass sich Deine ‚Ziele erfüllen :)

cloudette
cloudette
31. Dezember 2012 08:46

Wünsche dir ein fröhliches, glückliches, gutes neues Jahr, auf dass du deine Vorhaben umsetzen kannst und deine Wünsche sich erfüllen!!!

Silke
Silke
1. Januar 2013 23:21

Liebe Christine, auch ich wünsche dir auf diesem Wege noch einmal alles Gute für das neue Jahr. Auf viel Lachen, Glück, Sinnlichkeit, Gesundheit und Erfolg! Deine Jahresvorschau hat mich wahrlich inspiriert, da ich gerade zwangsweise „Entschleunigen“ muss, da es mir gesundheitlich nicht so toll geht, etwas wahrhaft ermutigendes zum Nachdenken! Für mich wird 2013 hoffentlich weiterhin die so kreative und gute Zusammenarbeit mit dir bringen! Und noch etwas wünsche ich mir – zumal ich gerade 14 Kilometer entfernt von Grömitz bin – ich möchte dich in diesem Jahr endlich wieder offline treffen. In diesem Sommer wird das bestimmt klappen! Ich… Weiterlesen »

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Jahresvorschau 2016 - anstatt eines Rückblicks
30. Dezember 2015 14:20

[…] Vergangenheit wie Ballast hinter mir her. Sie ist sowieso bei mir. Also schaue ich in diesem Jahr, wie ich es auch schon im Dezember 2012 tat, nach vorne. Was wird im Jahr 2016 passieren? Was wünsche ich mir, was nehme ich mir […]