Jahresvorschau 2019 – statt eines Rückblicks

Dieses Jahr fällt es mir schwerer als in den Jahren davor, nach vorne zu gucken.

Weil da, jedenfalls so wie es aussieht, nicht viel Angenehmes auf mich wartet. Wobei ich das ja nicht wissen kann, denn die schönsten Dinge im Leben passieren immer dann, wenn man nicht damit rechnet, und das sage ich mir jetzt, und nehme meinen Mut zusammen, um mich diesem neuen Jahr zu stellen. Es wird schon irgendwie gehen, und von ein paar Dingen, auf die ich mich freue, weiß ich auch schon.

Jahresvorschau 2019

Das Unangenehme gleich schnell vorab:

Wir werden aller Voraussicht nach wieder Geldsorgen haben, denn der Exmann zahlt keinen Unterhalt mehr, und der Unterhaltsvorschuss vom Staat liegt deutlich unter dem Mindestunterhalt. Ob ich den Ex verklage, überlege ich noch – meine Chancen stünden wohl gar nicht so schlecht, und ich könnte das eventuell über ein Crowdfunding machen, aber ich hab noch von der Scheidung und dem Verfahren um den Umgang so die Schnauze voll vom Familiengericht und Anwälten, dass ich nicht weiß, ob ich mir das antun möchte.

Meine Große wird im Herbst zum Studieren die Stadt verlassen, was ich ihr von Herzen gönne und ein richtiger Schritt ist, aber mir fehlt damit meine Kindersitterin für Auftritte als Speakerin und Anfragen von TV-Sendungen mit Übernachtung, und für meine autistische Jüngste eine passende Betreuungsperson zu finden, die sich offiziell einstellen lässt, bezahlbar ist und auch die Bereitschaft zu Nachtdiensten hat, wird sicher nicht einfach. Menschen, die das kostenlos machen würden und die meine Jüngste akzeptieren würde, kenne ich leider nicht, und Familie vor Ort habe ich auch nicht. Also werde ich Glück brauchen. Und Ideen, wie ich jemanden finde.

Soviel zu meinen Sorgen, jedenfalls denen, die ich hier teilen kann. Es gibt noch mehr Dinge, die mich beschäftigen und von denen ich nicht weiß, wie ich sie in die richtigen Bahnen lenken soll, aber da werde ich einfach abwarten müssen, was ich auch nicht so gerne mache, jedenfalls nicht ohne einen Plan zu haben.

Und nun zu den schönen Dingen:

Im April, genauer gesagt am 16.04.2019, kommt mein nächstes Buch raus. Ich freu mich darauf wie Bolle, denn ich bin sehr stolz darauf. Es war hammerviel Arbeit, es zu schreiben, und es wird ganz sicher ein tolles Buch, von dem hoffentlich viele Menschen profitieren. Ich würde auch gerne davon profitieren, indem es gut verkauft wird, und ich habe große Lust, mich mit dem Buch in allerlei TV-Sendungen zu setzen und das Thema, um das es geht, weiter voranzubringen. Podien, Radio, politische Diskussionsrunden, you name it, ich gehe überall gerne hin.

Schon vorher, im März, bin ich von der Fraktion die Linke in Berlin eingeladen zu einer Konferenz Familienpolitik, und ich werde als Speakerin auftreten. (Das habe ich 2018 mehrfach bei den Grünen gemacht, und ich mochte es sehr, mit und vor den Politikern direkt zu reden. 2017 hatte ich viel mit der SPD zu tun, via Veranstaltungen der Friedrich-Ebert Stiftung, was auch riesigen Spaß gemacht hat.)

Bücher werden mich 2019 noch stärker beschäftigen als vorher schon: Ich habe eine Anfrage zur redaktionellen Begleitung eines Buchs für die erste Hälfte 2019, die ich schon so gut wie zugesagt habe, und bereits eine Anfrage für das übernächste Buch, das ich dann ab Herbst 2019 schreiben könnte. Dass ich es schreiben werde, weiß ich schon – aber bei welchem Verlag ich es veröffentlichen möchte, werde ich mir gut überlegen. Denn mittlerweile bin ich glücklicherweise in der Position, mir einen Namen gemacht zu haben, und auch zu wissen, wie man vorgeht, wenn man ein Buch an den Mann/die Frau bringen möchte. Und auch über die unterschiedlichen Vergütungsmodelle und Öffentlichkeitsarbeit weiß ich inzwischen gut Bescheid.

Seit kurzem schreibe ich nicht nur Kolumnen für den sofatutor (das mache ich schon fast 3 Jahre!), sondern auch für unsere Lokalzeitung, den Südkurier. Das macht mir Freude, auch wenn es sehr moderat bezahlt ist, aber Kolumnistin zu sein, ist sowas wie mein Schülerzeitungsredakteurinnentraum, von daher schätze ich mich glücklich, das 2019 tun zu können.

Wenn meine große Tochter auszieht, werde ich wieder ein eigenes Zimmer haben, und das wäre nicht nur für mich gut, sondern auch ein Wunsch der Jüngsten, die sich seit einem Jahr ihr Zimmer mit mir teilt, und die in wenigen Tagen 10 Jahre alt wird. Dann könnte ich auch endlich meinen Arbeitsplatz vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer verlagern, und hätte einen eigenen Schreibtisch. Das wäre eine echte Verbesserung meiner Situation.

Ungewisses

2019 wird das Jahr der Ungewissheiten sein. Ich werde abwarten müssen, ob meine Jüngste mit ihrer Schulbegleitung gut klar kommt, die wir Mitte Januar kennenlernen werden. Und ob diese Schulbegleitung schulisch und sozial auch etwas nützt, denn wenn das nicht funktioniert, dann müssen wir neu suchen (Wir = Jugendamt, freie Träger, und notfalls ich als Mutter).

Im Mai sind Kommunalwahlen, und ich habe mich zwar entschlossen, wieder anzutreten, aber das heißt ja nicht, dass ich auch gewählt werde. Falls ich nicht gewählt werde, könnte es sein, dass ich mich in Konstanz ziemlich überflüssig fühle, und vielleicht doch nach Freiburg oder Berlin ziehen werde, wo ich mehr Rückhalt habe und Menschen, die mir helfen könnten. Für meine autistische Tochter gäbe es dort ein Autismuszentrum und ganz andere Schul- und Therapiemöglichkeiten, für meinen Sohn wäre das wahrscheinlich auch ganz gut, und meine Familie in Freiburg würde sich freuen. Aber ich hänge auch an Konstanz, wo ich seit 16 Jahren lebe, das wäre kein leichter Schritt für mich.

Wenn alle Stricke reißen, werde ich erneut Wohngeld beantragen müssen (wie zuletzt 2017), und muss, falls es finanziell so richtig haarig wird, sogar Aufstocken mit Hartz IV. Ich würde es hassen. Aber immerhin würde mich das Amt mit einem Kind mit Pflegegrad wahrscheinlich ziemlich in Ruhe lassen. Trotzdem käme es mir vor wie eine Niederlage. Einen festen Job zu finden, in dem ich jederzeit für mein Kind abrufbar bin, wenn die Schule anruft oder es meine Hilfe braucht, kann ich mir jedenfalls abschminken. Vielleicht kriege ich es hin, mit Pflegegeld für die Jüngste, Wohngeld, Kindergeld und Unterhaltsvorschuss unseren Lebensunterhalt sicherzustellen, denn eine feste Basis zusätzlich zu den Aufträgen als freie Autorin und Speakerin werde ich unbedingt brauchen. Trotz günstiger Sozialwohnung habe ich hier Fixkosten von etwa 1000 € nur für Miete, Strom und Nebenkosten. Und leben müssen wir auch noch.

Für den Sohn werden eventuell Internatskosten fällig, falls er sich dazu entschließt, dass es ihm guttut, unter der Woche woanders zu leben und zu lernen, und das würde trotz Zuschüssen den mageren Unterhaltsvorschuss und sein Kindergeld auffressen. Es wäre sehr komisch, ab Herbst nur noch die Jüngste im Haus zu haben, jedenfalls an Wochentagen – ich weiß noch nicht, ob mir diese Idee gefällt. Aber wenn es den Kindern gut tut, dann werde ich gut damit leben können.

Trotzdem: Finanzielle Unsicherheit auf Dauer ist sehr zermürbend, besonders wenn man Kinder hat und diese auch noch ganz alleine betreut. Ich lebe nun schon 7 Jahre damit, seitdem ich meinen gut bezahlten und tollen Job betriebsbedingt verlor. 2019 scheint leider wieder ein Jahr zu werden, in dem es knapp wird. Außer, wenn mein Buch sich richtig toll verkauft. Ihr wisst, was zu tun ist!?

Ich hoffe, Ihr habt viele schöne Dinge, auf die Ihr euch 2019 freuen könnt, und wünsche euch von Herzen, dass Ihr gesund und glücklich seid, bleibt oder werdet! Und danke fürs Mitlesen!

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Franziska PucherL.DMama arbeitetMimiUrsula SCHÖN-HERRMANN Letzte Kommentartoren
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Ursula Schön-Herrmann
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Ursula Schön-Herrmann

Ich weiß, es wird alles besser als du denkst. Du hast es verdient.

Renata
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Renata

Liebe Christine Ich möchte Dir danken, dass Du trotz allen Anfeindungen und Widrigkeiten mit erhobenem Haupt und schlagfertiger Zunge durch’s Leben gehst. Du lässt Dich nicht mundtot machen, chapeau! Was Dir widerfährt ist nicht nur etwas Persönliches, denn Deine Geschichte zeigt exemplarisch, wie sehr Frauen auch heute noch drangsaliert, strukturell benachteiligt und diffamiert werden. Unsere Arbeit wird weder gewürdigt noch bezahlt. Unterhaltspreller werden von Vater Staat geschont und mit Rechten ausgestattet, denen keine Pflichten entsprechen. Nicht Du solltest auswandern, sondern jene Horde geist -und gewissenloser Schwachmaten, die diese Welt mit jedem Tag zu einem schlechteren Ort machen. Ich wünsche Dir… Weiterlesen »

Milena
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Milena

Liebe Christine, seit ich im Herbst das Herz voller Sorgen hatte, auf einmal 100 Prozent alleinerziehend war, statt wie zuvor 70, mit mehreren Herausforderungen, die dem vorangingen, lese ich deine Texte und freue mich sehr über neue. Auch dein Buch hab ich verschlungen. Selbst in Freiburg lebend, denke ich, dies ist ein guter Ort für dich und deine Kinder. Liebe Grüße aus dem Dreisamtal, Milena

Anna
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Anna

Ich respektiere sehr, was Sie und andere als Alleinerziehende leisten und ich verstehe, dass es eine sehr belastende Situation ist, wenn der Unterhaltspflichtige nicht zahlt. Dennoch fehlt mir das Verständnis, wenn jemand sagt: Ich weiß nicht, ob ich mit den mir zustehenden rechtlichen Mitteln den Unterhalt einfordern mag. Es kann, bei allem Respekt vor Erziehungsleistung, nicht sein, den Unterhalt für Kinder so ohne Weiteres zu vergesellschaften, aus persönlichen Befindlichkeiten heraus. Sie regen sich zu Recht darüber auf, dass Ihr Mann sich arm rechnet, dann kämpfen Sie dafür, dass das Geld, welches Ihren Kindern zusteht von Ihrem Ex bezahlt wird und… Weiterlesen »

Nini
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Nini

Hallo Anna, ich kann Sie gut verstehen und unterstütze es, die Unterhaltspflichtigen in die Verantwortung zu ziehen. Und gleichzeitig habe ich vollstes Verständnis für Mütter, die mit dem Bezug öffentlicher Gelder den Kampf um den Unterhalt nicht eingehen möchten. Es kostet Zeit und Geld und jede Menge Nerven mit der Aussicht auf wenig Erfolg und der Gefahr, dass Unterhalt schlichtweg nicht überwiesen wird und dieses Geld fehlt dann zum Begleichen der Fixkosten augenblicklich. Einen viel wichtigeren Aspekt will ich jedoch noch nennen. Stellen Sie sich vor, Ihr Ex-Partner droht Ihnen und Ihren Kindern den Tod an. Wie wäre es, mit… Weiterlesen »

Ursula SCHÖN-HERRMANN
Gast
Ursula SCHÖN-HERRMANN

Ja, unbedingt. Vor vielen Jahren hat die damalige Justizministerin Däubler-Gmelin mal angeregt, säumigen Zahlern das Auto zu pfänden. Juristisch überhaupt nicht möglich, als potentielles Druckmittel nicht unsexy.

fee
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fee

Ich werde Dein Buch kaufen. Und es weiterempfehlen. Vielleicht verkauft es sich so gut, dass die Sorgen überflüssig sind. Aber diese Sorgen kenne ich auch gut….ich weiss, dass sie zermürben, vor allem, wenn man alleine mit ihnen fertig werden muss. Von meiner Seite die besten Wünsche für ein in jeder Hinsicht gutes Jahr 2019.

L.D
Gast
L.D

Hallo!

Mein Sohn ist Autist, nicht schwer betroffen, sehr alltagsfähig, besucht die Regelschule. Wir bekommen dennoch Pflegegeld und Geld für Betreuungsleistungen. Das rettet mich sehr.

Du kannst einen Antrag an die Krankenkasse stellen, irgendwann kommt ein Gutachter und je nach Entscheidung bekommst du rückwirkend ab Antragsmonat das Pflegegeld (und ggf. Sogar Rentenansprüche).
Es ist zwar komisch vom Gefühl her- weil ich ihn mit Mama-Brille natürlich als gar nicht soooo anders wahrnehme, aber genau hingeguckt sind Themen wie Essen, Schlaf, Orientierung halt doch anders.

Trau dich ruhig- ablehnen kann die KK ja immer noch.

Ganz liebe Grüße!

Franziska Pucher
Gast
Franziska Pucher

Eine Alternative für die Betreuung ist die Lebenshilfe. Sie war schon oft stundenweise Rettung für mich und meinen kleinen Sohn mit Down Syndrom
und seine Geschwister. Kindern mit Behinderung stehen dort einige Stunden im Jahr zu.