Mama war einst cool

Ich mache mir nichts vor – meine Kinder werden wahrscheinlich nie einschätzen können, wie verdammt cool ich mal war. Wie ich darauf komme? Am vergangenen Sonntag schauten wir den Tatort, in dem die Tatverdächtige, die grandiose Rebecca Immanuel, behauptete, die ganze Nacht in der Berliner Disco „Dschungel“ getanzt zu haben. Die, so fügte dann ein Kommissar hinzu, eine sehr strenge Tür (also Einlasspolitik) habe. „Oh“, platzte es aus mir heraus, „Da war ich auch schon!“. Meine älteste Tochter, mit der ich den Tatort stets gemeinsam gucke, erwiderte höflich „hmhm“, und war keinesfalls angemessen beeindruckt.

Und so kramte ich vorhin in meiner Erinnerungskiste im Keller (der, wie Sie wissen, ja jetzt bestens aufgeräumt ist, da ich nicht mehr rund um die Uhr arbeite). Da fand ich den Beweis: Ultimativ cool war Ende der 80er eine V.I.P. Clubkarte des angesagtesten Clubs rund um Freiburg, das „Inside“. Einer der DJs dort war mein Freund und brach mir das Herz, aber das ist eine andere Geschichte. Mit dieser V.I.P. Karte hatte ich freien Eintritt, durfte also einen glatten Durchmarsch an der Schlange der Wartenden vorbei hinlegen. Das war für mich als Twen, als trüge ich eine Krone.

Und irgendwo blieb ich, neben der akademischen Karriere als Hiwi und Assistentin, die Discoqueen: Tagsüber war ich blass und brav, und nachts wedelte ich in den frühen 90ern mit dem „Parabel Club“-Schlüsselanhänger, um in der Freiburger Altstadt im gleichnamigen kleinen, feinen Club als „Stammgast“ gratis tanzen zu gehen. In diesen Club kam auch nicht jeder rein, insofern war dieser VIP-Status schon ziemlich cool, mal abgesehen von dem kostenlosen Eintritt.

In Berlin, wohin es mich für die Promotion zog, blieb ich diesem Freizeitvergnügen treu und schlug mir die Nächte vorzugsweise im „Ackerkeller“ in Berlin-Mitte um die Ohren, wo ich Mitte der 90er teils an der Türe den Einlass machte, teils die Theke, und manchmal Musik auflegte – wenn die „Bisco“ stattfand. Und als Nachteule schaute ich mir viele der damals, Mitte der 90er, angesagten Clubs an: Unter anderem war ich im „Tresor“, im „E-Werk“, im „Knaack“, im „Sophienclub“, im „Franz Club“ der „Kulturbrauerei“, im „SO 36“, im „Far Out“, der „Busche“, habe mich in die „Bronx“ in Neukölln gewagt, und im „Oxymoron“ lernte ich schlussendlich den zukünftigen Vater meiner Kinder kennen. Meistens ging ich allein auf die Piste, gelegentlich wachte ich in fremden Betten auf, und oft habe ich interessante Menschen getroffen, die meine Freunde/innen wurden.

Soweit, so cool. Aber richtig cool wurde mein Leben erst, als ich Anfang dieses Jahrtausends meinen ersten Presseausweis in den Händen hielt. Und ziemlich zeitnah bei „Familie&Co“, damals noch in Hamburg und bei Springer, zuerst als Praktikantin und dann als Redakteurin in Vertretung arbeiten durfte. Da erhielt ich nämlich einen sogenannten Hausausweis – die erwachsene Entsprechung der V.I.P. Clubcarte :).

Cooler wird’s nicht, dachte ich. Aber weit gefehlt, denn richtig cool bin ich erst, seitdem ich Kinder habe. Genauso sieht das auch Rebecca Immanuel – wie ich gerade in einem Interview in der „F.A.Z Online“ las. Ob Frau Immanuels Nachwuchs auch keinen blassen Schimmer davon hat, wie cool seine Mama ist, das würde ich die Schauspielerin gerne mal fragen. Es ist wohl der Lauf der Dinge, dass Coolness verblasst…

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Warum ich kein Vegetarier mehr binEin neuer Partner? Gott, bewahre!10 Eltern-Superfähigkeiten, die im Job helfen. (Und in der Ehe.)ChristineSilke Letzte Kommentartoren
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Silke
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Silke

Und wie cool, dass ich gleichzeitig so einen lässigen Presseausweis und einen Hausausweis eines Grossverlages mein eigen nennen konnte. Visitenkarten ersetzten Clubkarten und heute? Als Muddi habe ich Kundenkarten und Kinderbilder – und den Presseausweis in der Handtasche. Lässig… ;-)

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[…] war ich schon ziemlich cool, jedenfalls dachte ich das. Doch das war lange, bevor ich Kinder bekam. Und ich war nicht gelassen. […]

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